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Hersftlöer Tageblatt

Hersfel-er Kreisblatt"

Amtlicher Anzeiger für -en kreis Hersfelö

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Nr. 154

Montag, den 5. Juli 1926

76. Jahrgang

Ein Nachwort.

Von politischer Seite wird uns zu dem Ausgang der Reichstagskämpfe geschrieben:

Wenn die Parteien des Deutschen Reichstages nicht bis an den Hals in sogenanntenGrundsätzen" stecken würden, die ihnen jede Bewegungsfreiheit nehmen, so wäre eine Regelung der Fürstenabfindungsfrage doch wohl möglich gewesen, weil alle Parteien, die rechten ebenso wie die linken, ungern mit leeren Händen ins Land hinausgehen und die der Mitte zu unzähligen Malen er­klärt hatten, mit den schärfsten parlamentarischen Mitteln eine Klärung zu erzwingen; die Regierung hatte wieder­holt ähnliche Drohungen von sich gegeben. Es verlief nun aber gerade wie das Hornberger Schießen.

Den Ausschlag gab die Weigerung der Sozialdemo- kratie, die trotz des Entgegenkommens der Mitte die Mit­wirkung schließlich ablehnte. Hätte die Sozialdemokratie mitgemacht, so würde sie zweifellos das von ihr erstrebte Ziel eirter Reichstagsauflösung erreicht haben. Aber gegen rechts und links aufzulöfen, dazu konnte sich die Regierung nicht entschließen.

Als einen Ausweg bezeichneten die Deutschnationalen den in letzter Minute von ihnen gemachten Vorschlag der Ausmerzung alles Verfassungsändernden aus dem Ge­setzentwurf.. Annahme daher mit einfacher Mehrheit werde hierdurch ermöglicht. Aber das wollte die Regie­rung nicht mitmachen, weil eine derartige Frontstellung gegen links entscheidend die weitere innerpolitische Ent­wicklung beeinflussen wurde, denn an das von der Regie­rung erstrebte Ziel der Schaffung der Großen Koalition wäre dann nicht mehr zu denken gewefen.

So ist denn gar nichts erreicht, man wartet auf den Winter und hat sich lediglich geholfen durch eine Ver­längerung der Geltungsdauer des Sperrgesetzes, womit Kanzler Marx zuerst gar nicht einverstanden war, was er sich dann schließlich aber gefallen ließ. Einen ein­zigen Ausweg gäbe es noch, auf dem aber jetzt nach dem Volksentscheid neue große Hindernisse liegen: es ist die Möglichkeit, daß bis zum Winter Verein­barungen zwischen den Ländern und den ehemaligen Herrscherhäusern zustande kommen, wo solche bisher noch ' M" WW* Ättrner Diese ganze innerpolitifche Frage dadurch aus der Welt geschafft würde, die einen so wilden Kampf, so schwere Erbitterung in das ganze deutsche Volk hineingetragen hat. Vor Ge­richt jetzt einen Prozeß auszutragen, ist wegen des Sperr- gesetzes ja nicht möglich. Gerade die wichtigste Ausein­andersetzung, nämlich die zwischen den Hohenzollern und Preußen, stand ja unmittelbar vor einem Abschluß; sie ist aber dadurch, daß eine reichsgesetzliche Regelung in Aus­sicht stand, verhindert worden, da die preußische Regie- rung von dem Vergleich zurücktrat.

So ist denn der ganze parlamentarische und außer­parlamentarische Kampf eigentlich völlig überflüssig ge­wesen. Nur die üblen Neste der gegenseitigen innerpoli- tischen Verbitterung werden bleiben. Bleiben wird auch die Empfindung, daß die Regierung nicht bloß über eine viel zu schwache parlamentarische Grundlage verfügt, fon- dern überhaupt nicht gerade an einer übermäßigen inneren Stärke leidet. Es ist nicht dazu gekommen, in der bren­nendsten innerpolitischen Frage eine Entscheidung zu er­zwingen, sondern man muß sich mit dem Nichts, das jetzt da ist, zufriedengeben.

Die BsrLagMg öss MschsLages.

Bevor der Reichstag sich bis zum 3. November vertagt hat, erledigte er noch in einer Nachtsitzung zahlreiche Gesetzentwürfe in schnellem Tempo. So wurde die Reichsregierung durch ein Gesetz ermächtigt, Wirtschaftsabkommen mit ausländischen Staaten bei dringendem wirtschaftlichen Bedürfnis, jedoch höchstens für drei Monate, abzuschließen. Ferner wurde das Gesetz zur Aufhebung der bisherigen Anstellungsbedingungen der Schutzpolizei verabschiedet. Von besonderer Wichtigkeit ist schließlich die Annahme der Handelsverträge mit Dänemark und Schweden und in Verbindung hiermit die Annahme der neuen Zollsätze nach den Ausschußanträgen gegen Sozialdemokraten, Völkische und Kommunisten. Ein Antrag der Kommunisten, auch ihr Mißtrauensvotum gegen d i e R e g i c r u n g auf die Tagesordnung zu setzen, ging nicht durch, da Widerspruch hiergegen erhoben wurde. Schließlich trennten sich die Reichstagsabgeordneten in mitternächtlicher Stunde.

Sedrohlicher Kohlemangel in England.

Rückschläge auf die Industrie.

Londoner Blättern zufolge macht sich der Kohle Mangel infolge des Bergarbeiterstreiks jetzt so empfindlich fühlbar, daß die Regierung am Mittwoch nächster Woche das Unterhaus um Bewilligung besonderer Kredite zum Ankauf umfangreicher Kohlenvorräte im Ausland ersuchen wird, um die lebenswichtigen Dienstzweitze des Landes, beten Störung im öffentlichen Interesse nicht gestattet werden darf, aufrechtzuerhalten.

Der politische Mitarbeiter derDaily Mail" schreibt, die englische Industrie beginne allmählich infolge Kohlen- mangels langsamer 31t arbeiten. Von der Regierung werde keine Mitteilung darüber gegeben werden, wo wann und in welchen Mengen Kohlen angekauft werden sollen, damit die Preise nicht in die Höhe getrieben wer­den. _____

Verheerende Unwetterkatastrophen

Schwele Wolkenbröche im Mesengebirge.

Mehrere Personen getötet.

Auf das Riesengebirge sind von neuem schwere W 0 l k e n b r ü ch c niedergegangen, die große Verwüstun­gen angerichtet und auch Menschenleben vernichtet haben. In Giersdorf wurden mehrere Häuser weggerissen, in H e r m s d 0 r f unterm Kynast zwei Brücken zerstört, wobei drei Menschen den Tod fanden. In Krummhübel gleichen weite Strecken rechts und links von der Lomnitz einem Trümmerfeld. In Oberkrummhübel ist das Wasser in viele. Land- und Bauernhäuser eingedrungen. Die Wege sind an den Rändern teilweise bis in zwei Meter Tiefe hinab aufgerissen. In Querseifen haben sich die Gebirgs- bäche neue Flußläufe geschaffen, die metertief sind. Der Schaden in Krummhübel und Brückenberg an den Wegen und Bauten ist noch unübersehbar. Augenzeugen berich­ten, daß die Wassermassen mit solcher Wucht zur Erde stürzten, als seien Wannen mit großem Schwung aus­geschüttet worden. Die Talsperren wurden überflutet, die Durchlässe verstopft.

Der Niederschlesische Provinzialausschuß hat nach ein­gehender Beratung über die Hochwasserschäden beschlossen, den Landeshauptmann zu ermächtigen, in gleicher Höhe wie der Staat, zunächst bis zur Höhe von 200 000 Mark, vorläufige Leistungen zur Linderung der dringlichsten Hochwasserschäden, besonders zur Beschaffung von Vieh­futter, zu übernehmen.

, Fünf Tote im Ri e s en g e b i r g e.

In Hermsdorf sind bei der Überflutung fünf Men­schen ertrunken. Die elektrische Talbahn und die Krumm- hübeler Lokalbahn können nicht verkehren. Weite Strecken »eMK-W^li«»-- non der ^omnrtz gtercyen einem Trümmer­feld. An den nicht weggeriffenen Brücken stauten sich Holzstämme, Bäume und fortgeschwemmtesHausgerät zu solchen Massen, daß die Wassermengen sich neue Bahnen suchten und über die Straßen, Wege und Gärten dahin- brausten. Viel Kleinvieh ist ertrunken. Baumstämme von 50 Zentimeter Durchmesser wurden auf die Wege und in die Gärten geworfen. Das Reichswehrregiment aus Hirschberg wurde zur Hilfeleistung in das Überschwem­mungsgebiet abkommandiert. Der Eisenbahnbetrieb in dem betroffenen Gebiet ist teilweise unterbrochen, die Landstraßen sind vielfach unfahrbar.

Der Schaden ist entsetzlich, obwohl sämtliche Ver­wüstungen erst nach Wiederablauf der Wassermassen festge­stellt werden können. Schon jetzt kann man sagen, daß der weitaus größte Teil der Ernte vernichtet worden ist.

MMMMlil M»MsWWWW!MI«IIMMMI^^ GeneraWmmiffar Zersmias GmH,

der bisherige Völkerbundkommissar für Ungarn, dem die Kontrolle der ungarischen Finanzen übertragen war, hat in diesen Tagen seinen Posten niedergelegt. Smith ist aus Budapest abgereist. Sein Honorar, etwa 60 000 Dol? lar, hinterließ er der ungarischen Regierung mit der Wid­mung, mit diesem Betrag den Überschuß im ungarischen Staatshaushalt zu erhöhen.

Briefe an HZK Femeausschirß.

Wünsche und Beschwerden.

Der Femeausschuß des Preußischen Landtages vereidigte den als Zeugen vernommenen deutschnationalen Landtags- abgevrdnetey Jahnke, der erklärte, er habe von den Feme- organisationen und Fememorden erst durch die Zeitungen er­fahren. Er habe wohl mit verschiedenen Organisationen in amtlichem Auftrage Beziehungen ausgenommen, von Feme- angelegenüeiten babe er iedow dabei nichts erfahren. Aus

Tue Gewalt der Wassermassen läßt sich am besten daraus ersehen, daß in Giersdorf sechs Häuser vollständig ver­nichtet und eine Anzahl von Gebäuden so schwer beschädigt wurde, daß die Bewohner ihre Wohnstätten fluchtartig verlassen mußten. Auch ein großer Teil des Vieh- und Kleinviehbestandes ist der Überschwemmung zum Opfer gefallen. Der Bevölkerung hat sich starke Erregung be­mächtigt.

Serbien und Bulgarien in Hochwaffersnot.

Im südlichen Serbien hat sich ein furchtbares Wasserunglück ereignet, das den Tod von mehr als hundert Menschen, darunter fünfzig dr ch Blitzschlag, zur Folge hatte. Auch in Bulgarien gab es schwere Unwetter. Alle Flüsse sind gestiegen und haben durch das Austreten aus ihrem Bett großen Schaden an- gerichtet. Teilweise mußte der Zugverkehr eingestellt werden. Das Städtchen Krima Talanca wurde, bevor die Bevölkerung sich retten konnte, vollständig unter Wasser gesetzt; in einer Stunde wurden 15 Häuser weg gerissen. Die Ernte, die gute Aussichten zeigte, ist völlig vernichtet.

Aus dem Donaugebiet werden neue Damm­brüche gemeldet. Bei Marosvasarhely blieb ein Lokalzug vor einer Brücke, die von den Fluten weggerissen wurde, stehen und war dann vollständig vom Wasser eingeschlossen. Rumänisches Militär rettete das Zugpersonal und die Fahrgäste in Kähnen.

Überschwemmungen in Tschechei und Jugoslavien.

Die Erdmassen bei Münchengrätz, die sich in Bewegung befinden, find durch die letzten Regengüsse von neuem stark aufgeweicht worden, so daß man stündlich mit einem weiteren Ab gleiten und einer neuen Katastrophe rechnen kann. Die im gefährdeten Gebiet liegenden Ge- Hüfte wurden geräumten sie sich bedenklich zu neigen be­ginnen und einzustürzen drohen.

In Jugoslawien haben die Überschwemmungen be­deutend zugenommen, vor allem in der Gegend von Som- bor, wo 30 000 Hektar unter Wasser stehen. Die Fluten sind auch in die Staatsdomäne Belje eingedrungen.

Hochwassergefahr in Mexiko.

Im ganzen Land bleibt infolge der sich beinahe ohne Unterbrechung aufeinanderreihenden Wolkenbrüche die Hochwassergefahr nach wie vor ernst. Nach Meldungen aus Durango ist die Ernte im ganzen mittleren Mexiko so gut wie völlig zerstört. Durch die von der mexikanischen Hochebene kommenden Wassermassen sind verschiedene Vorstädte der Stadt Mexiko bedroht.

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dem S.wafgefängnis Plotzensee hat der Mörder Robert Grütte-Lehder an den Ausschuß geschrieben. Er teilte mit, seine dem Ausschuß gegenüber schon früher zum Ausdruck gebrachte Befürchtung, daß ihm seine Bekundungen vor dem Ausschuß Schaden bringen würden, habe sich bewahrheitet. Trotzdem es in der Urteilsbegründung ausdrücklich hieß, daß seiner Tat der politische Charakter nicht abgesprochen werden könne, habe man ihm, offenbar wegen seiner gegen das Gericht gemachten Zeugenaussage vor dem Untersuchungsausschuß, den

politischen Charakter seiner Tat

jetzt doch abgesprochen und verschiedene Repressalien ergriffen, wie z. B. das Schreibzeug entzogen, seine schriftlichen Unter­lagen fortgenommen usw. Er müsse daher jede weitere Aus­sage verweigern, bis der Ausschuß irgendwie zu diesen Re­pressalien Stellung genommen habe. Der Vorsitzende bemerkt hierzu, er habe dieses Schreiben den Vertretern des Justiz­ministeriums zur Kenntnis gebracht, die sich dazu noch äußern würden. Weiter ist ein Brief des Strafgefangenen Zschauer aus Leutförd (einem Strafanstaltskommando), datiert vom 20. Juni 1926, eingegangen. Er hat folgenden Wortlaut: Endesunterzeichneter befindet sich

wegen Begünstigung der Rathcnau-Mörder

in Strase und ersucht um Vernehmung in Sachen der Feme­morde. Es handelt sich in erster Linie um die Verteidiger, Rechtsanwälte Dr. Sack und Dr. Bloch. Aus Rechts- und Wahrheitsgründen bitte ich um Genehmigung meines Ge­suchs^ Hochachtungsvoll siud. ing. Zschauer."

Künstliche Vitamine.

WichtigeEntdeckungLeipzigerForscher.

Eine sensationelle Entdeckung ist drei Leipziger Ge­lehrten geglückt, und zwar handelt es sich um die künstliche Herstellung der Vitamine, deren Fehlen in der Er- niHrung die Rachitis erzeugt. Das wichtige Vitamin ist nun nicht nur in seiner chemischen Zusammensetzung er- kaunt, sondern es sind auch Methoden gesunden worden, nach denen dieses Vitamin herzusteelln ist, und die ge- statten, Lebensmittel verschiedenster Art mit ihm zu im­prägnieren. Aus bestimmten Gründen werden die Namen der Entdecker vorläufig noch geheimgehalten, aber, wie verlautet, wird schon in den nächsten Tagen die Universität Leipzig nähereßAusklärung über diese bedeutungsvolle Ent- iyckttnchgelum.; ....... ...............