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Hersfelöer Tageblatt

Rersfdder Kreisblatt"

Amtlicher Mzeiger für -en Kreis Hersfelö

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Nr. 142

Montag, den 21. Juni 1926

76. Jahrgang

Senkung her Zinslastsn.

Eine Umfrage. .

Auf jeden Fall äußerst wichtig ist die Frage, auf welche Weife das noch immer arbeitslose Geld der Banken der Wirtschaft zugeführt werden kann, um sie endlich in dem Umfange in Betrieb zu setzen, wie das so ungemein nötig ist. Gelegentlich der bekannten Umfrage hat sich die Reichsbank unzweideutig für eine stärkere Anpassung der Zinssätze im privaten Verkehr an die Diskontsätze der Reichsbank ausgesprochen. Immer wieder kommen aber Klagen, daß weniger durch den Zinsfuß, viel mehr aber durch Provisionen das Leihgeld übermäßig ver­teuert wird, und hier ganz besonders durch Kreditinstitute, die weniger von der Öffentlichkeit kontrolliert werden wie die Großbanken. Diese Art der Belastung wird sich aber nicht in allen Fällen durch die Umfrage der Reichsbank ausklären lassen, sondern erfolgt häufig so, daß weder von strafrechtlicher noch von der Seite der preisüberwachenden Stellen etwas getan werden kann, zumal der Kreditnehmer begreiflicherweise mit seinen Unterlagen zurückhält, so­lange der Kredit einschließlich der Zins- usw. Lasten noch nicht abgedeckt ist. Der Kreditnehmer braucht ja außer­dem viel zu dringend die Darlehen, um die Kraft und die Freiheit des Handelns zu haben, die Annahme des Geldes von gewissen Voraussetzungen abhängig machen zu können. Alles dies wirkt den Bemühungen der Reichs­bank entgegen und verhindert die Regulierung eines Geld- lastensatzes auf der Basis der freien Marktpreisbildung. Um festzustellen, ob auf gesetzgeberischem Wege dem ent­gegengetreten werden kann, wurden einige Reichs­tagsabgeordnete befragt. übereinstimmend wird gesagt, daß mit Angabe von bestimmten Fällen aus be­greiflichen Gründen zurückgehalten wird, daß aber solche Fälle selbst dann brauchbar sind, wenn sie vertraulich mit­geteilt werden, so daß der Name weder des Kreditnehmers noch des Kreditgebers im Ausschuß oder bei den Verhand­lungen mit amtlichen Stellen genannt wird. Solche Mitteilungen müssen mit entsprechenden Unterlagen ge­macht werden.

Für die Deuts ch e V o l ksp a^r t e t,erklärt, Abgeordnete;

i» dhWWprbMm der heutigen KredtrfraM" Tötete Senkung des Satzes für Provisionen. Der Forderung unberechtigt hoher Zinsvergütungen kann auf gesetzlichem Wege nicht entgsgengetreten werden, denn es ist nicht immer feststellbar, wie hoch die Unkosten des Kreditgebers sind. Wir haben aber den Wunsch geäußert, den verteuernden Pro­visionssätzen auf dem Wege der Geldgabe beizukommen, denn der reine Zinssatz ist heute durchaus erträglich, nur liegen die Sätze für Provisionen zu hoch. Wir nehmen an, daß dieser Weg gangbar ist und die Unterstützung der geldgebenden Fak­toren Reichsbank und Großbanken finden wird."

Auf die landwirtschaftlichen Kredite legt Ab­geordneter Budjuhn von der Deutsch nationalen Volkspartei Gewicht, der folgendes mitteilt: Die Deutsch- nationale Volkspartei hat sich bisher immer bemüht, die Zins­lasten auf ein wirtschaftlich erträgliches Maß zu senken. Erst vor kurzem haben Verhandlungen mit dem Herrn Reichskanzler anläßlich der Erörterung landwirtschaftlicher Kredite stattge- funden, bei denen der Herr Reichskanzler eingehende und wohlwollende Prüfung der Beschwerden zusagte."

Abgeordneter L emm er von der D eutsch d e m okr a- tischen Partei sagt:Die Regulierung des Zinswesens ist nach meiner Ansicht die Vorbedingung für die Sanierung der deutschen Wirtschaft. Die Zinsbildung unterliegt den Ausstrahlungen der Reichsbankpolitik und dann der der Groß­banken. Wo diese Einflüsse nicht zur Auswirkung kommen, wird man durch gesetzgeberische Maßnahmen kaum etwas er­reichen. Man wird auch mit moralischen Einwirkungen den Druck jener Faktoren vermehren, ob dies aber immer Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Indessen werden die Be­mühungen um Senkung der Zinslasten fortgesetzt, das Kapital muß gezwungen werden, der Entwicklung der Wirtschaft zu folgen."

Einen anderen Weg verfolgt die Sozialdemokra­tische Partei, deren Mitglied Abgeordneter Krätzig mitteilt:Seitens des Volkswirtschaftlichen Ausschusses sind fast sämtliche Direktoren der öffentlichen Banken über die Frage der Zinssenkung gehört worden, soweit sie dem Par- lameM erreichbar waren. Dabei hat sich ergeben, daß z. B. von de- Preußenkasse den Geldgebern zweiter Hand gewisse Bedingungen über Zinsnahme vorgeschrieben sind. Später hat sich heraus gestellt, daß die abnehmenden Banken höhere Zinsen forderten. Zur Rede gestellt, erklärten sie, daß es sich in diesen Fällen um eigenes Geld handele. Wir haben ge­fordert, daß man mit dem Wucherparagraphen gegen diese Banken vorgeht. Bei den betreffenden Ausschußvcrhandlungcn wird die S. P. D. weiter für Senkung der Zinsspanne ein­treten."

Das Mitglied des Enqueteausschusses Abgeordneter Mollath, Wirtschaftliche Vereinigung, stellt fest:Eine Besserung der Wirtschaft, besonders der Kleinwirtschaft, ist nur möglich, wenn Gelder zu erträglicherem Zinsfüße abgegeben werden. Ganz gleichgültig, ob es sich um Groß- oder Kleinbe­triebe handelt, es ist Tatsache, daß ein Abbau der Unkosten nur dann als wirksame Ermäßigung der Preise sich aus­wirken kann, wenn die Kredite der einzelnen Betriebe zu wesentlich geringerem Zinsfüße gegeben werden. Meine poli­tischen Freunde und ich stehen bezüglich der vom Reich ge­gebenen Mittelstandskredite auf dem Standpunkte, daß auch sie zu einem zu hohen Zinsfuß abgegeben Werders

Engherzige Kreditgewährung

Nie Hof der LandivirWafi.

Die Konferenzder Ernährungsminister.

Bei der Beratung der Ernährungsminister in Mün­chen wurde über die Kreditgewährung für die Bewegung der kommenden Ernte eine längere Aussprache gepflogen. Dabei wurde zunächst von Statsrat Dr. Heidecker und an­deren Rednern die Besorgnis geäußert, es könnte schließ­lich aus der Getreidehandelsgesellschaft ein Getreide­monopol herauswachsen. Es wurden deshalb Sicherungen gegen diese Gefahren gewünscht. Reichser­nährungsminister Dr. Haslinde gab wegen der Befürch­tung eines Getreidehandelsmonopols die Versicherung ab, daß weder in der Getreidehandelsgesellschaft noch rm Ressort des Reichsernährungsministeriums Bestrebungen beständen, aus der Getreidehandelsgesellschaft ein Ge­treidemonopol werden zu lassen. Ausschlaggebend sei bei der ganzen Aktion, daß der Preis des Getreides, vor allem der Roggenpreis, tunlichst stabil gehalten werden könne. Einer der Referenten teilte mit, daß die Ver­schuldung der Landwirtschaft effektiv geringer als die Vorkriegsverschuldung, jedoch die heutige Be­lastung durch Zinsen und Steuern höher als im Jahre 1914 sei.

Großes Aufsehen machte die Mitteilung, daß von den 250 Millionen, die als Kredite für die Landwirtschaft von der Golddiskontbank bereitgestellt worden sind, bis heilte nur etwa 120 Millionen abgenommen und in die Hände der kreditsuchenden und kreditbedürftigen Landwirte gelangt sind. Über die Gründe dieses Versagens der ESMMSBSBBBSMS^^

Der MsiLmmungstag.

In Berlin setzte der Abstimmungstag, nachdem Sonnabendeben* stL^^c L- »«ÄUÄä&^*^^ verschiedenen Stellen entwickelt hatte, auffallend ruhig ein. In manchen Außenvierteln begannen die zur Abstimmung auffordernden Umzüge der Volksentscheidsfreunde zwar schon kurz vor 8 Uhr früh, in der Innenstadt war es um diese Zeit jedoch doch still. Auch die Abstimmungslokale würben gleich nach der Eröffnung nur schwach besucht. Die Polizei hat umfassende Maßnahmert zur Sicherung vor Unzuträglichkeiten getroffen.

In B r e s l a u kam es Sonnabend in der Zehner­straße bei Umzügen zur Fürstenenteignung von Gegnern und Freunden der Enteignung zu einem bösen Zusam­menstoß. Ein Mitglied desStahlhelms" wurde dabei durch Schüsse verletzt. Der Täter wurde verhaftet.

Bei einem Fackelzug von Gegnern der Enteignung in Stettin gab es ebenfalls Ruhestörungen. Es kam zu blutigen Schlägereien, so daß die Polizei mehrfach ein­greifen mußte. Es gab zahlreiche Verletzte. Eine Anzahl Personen wurde verhaftet.

Herriois KaHLneLisbLtöung.

Erfolgreiche Bemühungen.

Herriot hat nachts die Vertreter der Presse in den Räumen des Kammerpräsidiums empfangen und ihnen kurz erklärt, daß die Bildung des Kabinetts bald voll­zogen sein werde. Die bisherigen Verhandlungen, die ausschließlich der Feststellung eines Finanzprogramms ge­golten hätten, hätten schon zu einem ersten Ergebnis geführt.

Die Ministerliste Herriots wird alsbald fertiggestelli sein. Herriot erklärte, daß er vor der endgültigen Wahl seiner Mitarbeiter ein genaues Bild von der Finanzlage haben wollte. In der Besprechung hatte Herriot folgende Fragen aufgeworfen: 1. Welches sind die unmittelbaren Verpflichtungen des Staates; 2. Wie steht es um das Vor­schußkonto der Bank von Frankreich nach dem Fälligkeits- termin vom Juni; 3. Wie hoch ist der Bestand der ameri­kanischen Anleihe? Herriot hat wiederholt sozialdemo­kratische Delegierte, darunter Renaudel, Leon Blum und Paul-Boncour empfangen. Die besondere Bedeutung der vorherigen Ausarbeitung eines Finanzprogramms liegt vor allem darin, daß die Sozialdemokraten von der Fassung dieses Programms ihre wohlwollende Unter­stützung des Kabinetts abhängig machen. Das in der Kammer umlaufende Gerücht, daß Tardieu einer Mit­arbeit im Kabinett Herriot nicht abgeneigt wäre, wird be­stätigt. Die allgemeinen Aussichten auf das Zustande­kommen des Kabinetts nahmen erheblich zu. ,

Die Konferenz der Kleinen Enienis.

Vollkommene üb er einst immun g."

Die Konferenz der Kleinen Entente in Veldes ist ge­schlossen warben. Eine offizielle Mitteilung besagt fol­gendes über den Verlauf der Verhandlungen: Die Minister schlössen die Aussprache über die Beziehungen ihrer Länder zu den Nachbarstaaten ab. Die Lage in Mitteleuropa und in den Balkanstaaten wurde einer be­sonders eingehenden Prüfung unterzogen. Bei der Er­örterung der mit dem Völkerbund zusammenhängenden

Kreditgebung teilte Reichsernährungsministcr Dr. Has'-

linde mit, tatsächlich lägen die 250 Millionen seit Monaten in Berlin bereit, aber es sei nicht möglich gewesen, sie bis an die kreditsuchenden Landwirte heranzubringen. Es ständen auch bereits weitere Mittel zur Kreditgewährung zur Verfügung. Die Schuld daran, daß das Geld nicht schnell genug an die Landwirte herankomme, liege aber nicht an der Zentrale. Wenn einzelne Institute noch zu ä n g st l i ch und zu e n g h e r z i g in der Bewilligung der Kreditanträge seien, so entspreche das durchaus nicht den Intentionen des Reichsernährungsministeriums. Dieses habe den Willen, alles zu tun, damit das Geld möglichst schnell an die kreditsuchenden Landwirte abfließe. Wenn es aber vorkomme, daß man z. B. einem Kreditinstitut für Kredite 6 Millionen überwies, davon aber in den ganzen Monaten bis jetzt erst 240 000 Reichsmark Kredite abge­geben und nur sechs Anträge bearbeitet worden seien, so sei das unerträglich. Die Länder sollten darum überall nachprüfen, wieviel Mittel ihnen zur Verfügung gestellt und wieviel davon als Kredite bereits ausgegeben worden seien. Wenn es nicht anders werde, dann sei das Reichs­ernährungsministerium genötigt, die Kredite dahin ab- zugeben, wo man mit der Kreditaktion am schnellsten ar­beite. Es gebe keine andere Möglichkeit, als mit der Gold- diskontbanl die Kreditaktion weiterzuführen. Die Ver­wirklichung einer großen Anleihe auf dem inneren Markt erscheine nicht durchführbar.

Was die Zinssätze anlange, so sei nach seiner Auf­fassung festzustellen, daß leider die Zwischenhand, vieler­orts gerade auch die landwirtschaftlichen Genossenschaften, sie in zu großer Höhe ansetzten.

Fragen wurden gemeinsame Richtlinien für die Haltung | der Vertreter der drei Staaten der Kleinen Entente auf .derAch Ue r klUt .)Uy ^ im September ausgestellt. über alte diese Fragen wurde vollkommene Übereinstimmung erzielt. Dieser Gedankenaustausch der Minister der Kleinen Entente zeigte von neuem die Zweck­mäßigkeit dieser regelmäßigen persönlichen Fühlung­nahme, bei der alle die drei Staaten der Kleinen Entente interessierenden Fragen der internationalen Politik in einem Geist des Vertrauens und enger Freund­schaft erörtert und geklärt werden, der durch nichts ge­stört wurde und seit fünf Jahren durch nichts gestört werden konnte. Die beiden nächsten Konferenzen der Kleinen Entente werden im September in Genf und im Frühjahr nächsten Jahres in Prag abgehalten.

Professor Leffing.

Die Beilegung des Falles Lessing. Ein Vergleichsabschluß.

Der Hochschulkonflikt um Professor Lessing ist durch das Eingreifen des Rektors der Technischen Hochschule Berlin, der Universität Halle, des Vorstandes des Ver­bandes Deutscher Hochschulen sowie anderer akademischer Persönlichkeiten beige­legt worden. Es wurde ein V e r g l e i ch abge­schlossen, nach dem Pro­fessor Lessing seine Vorlesungen am Schluß des Sommerhalbjahres einstellt. Er soll der Technischen Hochschule Hannover auch weiter­hin als außerordent­licher Professor ange­hören und wird außer­dem an Stelle seines bis­herigen Lehrauftrages einen dauernden For­schungsauftrag erhal­ten.

Seitens der Studen­ten ist bei den Bespre­chungen mit dem Pro­fessorenausschuß zu ge­geben worden, daß die

an der Hochschule zu Hannover vorgekom­menen Störungen und Unregelmäßigkeiten dem Recht und der akademischen Ord­nung widersprechen, und daß darum zur Wahrung der akademischen und staatlichen Autorität die Durchführung der Disziplinarverfahren unvermeidlich ist. Auch die Lei­ter der Bewegung haben sich persönlich bereit erklärt, sich zur Übernahme der vollen Verantwortlichkeit den akade­mischen Behörden zur Verfügung zu stellen. Die Ver­treter der Studentenschaft haben sich gegenüber den Unter­zeichneten verbindlich gemacht, mit allen Kräften dahin zu wirken, daß fernerhin jede Art von gewaltsamer Störung der Vorlesungen des Professors Lefsing oder von Streik unterbleibt. Minister Dr. Becker hat diesem Vergleichs­vorschlag seine Zustimmung erteilt, ~ <