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Hersfelöer Tageblatt

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tzersfelüer Kreisblatt'

Amtlicher Mzeiger für den Kreis Hersfelö

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Nr. 140

Lieuischland mö Schweden.

Wenn in der nächsten Woche die Reichstagsmitglieder wieder in Berlin zusammenkommen, werden sie auf ihren Pulten den Gesetzentwurf über den deutsch-schwe­dischen Handels- und Schisfahrtsvertrag vorfinden, von dem die wichtigsten Punkte bereits der Öffentlichkeit bekanntgeworden sind. Unser Handelsver­kehr mit Schweden ist recht beträchtlich und wenn man sich die Handelsbilanz ansieht, so hat man eine rechte Freude: unsere Ausfuh r nach Schweden ist nicht bloß größer als die Warenmenge, die wir von dort be­ziehen, sondern der Wert der bei uns eingeführten schwe­dischen Rohstoffe und Halbfabrikate ist geringer als der Wert der von uns nach Schweden ausgeführten Fertig­waren; derartige Waren führen wir aber von Schweden in ganz geringer Höhe ein. So bietet die Handelsbilanz für 1925 mit einer Einfuhr aus Schweden mit 294 Millio­nen Mark und einer Ausfuhr nach Schweden mit 343 Mil­lionen Mark ein für uns wirklich erfreuliches Bild.

Den weitaus größten Einfuhrposten stellen nun die schwedischen Eisenerze dar, von denen wir im Jahre 1925 für nicht weniger als 155 Millionen Mark bezogen. Einigermaßen beträchtlich ist noch die Einfuhr schwedischen Holzes und schwedischer Butter, während wir vor allem Eisenbahnbaumaterial, Maschinen jeder Art, Textilien, elektrotechnische Erzeugnisse und Steinkohlen exportier­ten, nicht zum mindesten natürlich auch Farben — kurz: unsere Aussuhr nach Schweden ist hauptsächlich in­dustrieller Art, während uns Schweden in der Hauptsache Rohstofse verkauft. Seit den letzten 15 Jahren — ab­gesehen natürlich von der Kriegszeit — ist unsere Handels­bilanz mit Schweden immer aktiv gewesen.

Seit 1921 bestand nun zwischen uns und Schweden handelspolitisch ein vertragloser Zustand, trotzdem aber zollpolitisch gegenseitige Meistbegünstigung, ein Grund­satz, der auch im neuen Vertrage vorgesehen ist, und zwar in so weitgehendem Maße, daß irgendeine Sonderstellung der Deutschen als Ausländer in Schwederl nicht erfolgt, diese also grundsätzlich wie Inländer behandelt werden, in gleicher Weise wie umgekehrt die Schweden in WDDMDWWWWWWWWWWWWWWWWWWWW

Wir bewilligen nun den Schweden Zollfreiheit für gewisse Einfuhrwaren, so Preißelbeeren, die meisten Fisch­sorten und Steine jeder Art, andererseits erhebt Schweden keinen Einfuhrzoll auf deutsche Kartoffeln, gewisse Fell­sorten, Bücher und Glaslinsen, Masten und Schwellen und Schweden läßt seine gesamte Eisenerzausfuhr zollfrei nach Deutschland heraus. Dagegen müssen deutsche Alko­hol-, Stärke- und Tabakerzeugnisse infolge der betreffen­den schwedischen Monopole höhere Jnlandsabgaben tra­gen als die entsprechenden schwedischen Erzeugnisse.

Nun hat bei fast sämtlichen Handelsvertragsverhand- lungen zwischen Deutschland einerseits, Spanien, Italien, England, Dänemark usw. andererseits die deutsche Land­wirtschaft immer die heftigsten und meist nicht unbe­rechtigten Klagen darüber erhoben, daß unsere Vertreter bei den Verhandlungen ein zollpolitisches Entgegenkom­men der Gegenseite auf dem Gebiete der Einfuhr deutscher Jndustriewaren erkauften durch eine starke Nachgiebigkeit auf dem Gebiete der deutschen landwirtschaftlichen Inter­essen, also durch Zollermäßigung, hohe Einfuhrkontingente usw. für landwirtschaftliche Waren. Es trägt aber unser Warenaustausch mit Schweden in der Hauptsache indu­striellen Charakter — abgesehen von Hölzern —, so daß z. B. wir 1925 an Lebensmitteln und Getränken aus Schweden nur für 27 Millionen Mark bezogen, darunter allein Butter mit 15 Millionen Mark, aber auch für 18 Mil­lionen Mark ausführten, wovon über ein Drittel in Zucker bestand. Dazu kommt eine Einsuhr von lebenden Tieren in Höhe von nur 2,5 Millionen, der eine nennenswerte Ausfuhr nicht gegenübersteht; es sind das ja zur Hälfte Rindvieh und Pferde. Gewisse Bedenken erregt die Frage der Gersteneinfuhr aus Schweden. Der Entwurf sieht hier den üblichen Zoll von 5 Mark pro Doppelzentner vor; G e r st e ist ungefähr die einzige Getreideart, die wir aus Schweden beziehen.

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Die schwedische Gersteneinfuhr.

Reichskanzler Dr. Marx und Reichsernährungsmi» nister Dr. H a s l i n d e hatten eine Besprechung mit den Vertretern der Regierungsparteien über die Zollfragen, die beim Abschluß des deutsch-schwedischen Handelsver­trages zu berücksichtigen sind. Von den Regierungspar­teien wird besonderer Wert darauf gelegt, daß eine Diffe­renzierung zwischen Braugerste und Futter­gerste eintritt in der Weise, daß die Zollsätze für Futter­gerste wesentlich niedriger gehalten werden als die für Braugerste. Die Besprechungen führten noch nicht zu einem endgültigen Abschluß und sollen fortgesetzt werden, nachdem der deutsch-schwedische Handelsvertrag in der Reichstagssttzung die erste Lesung passiert hat.

9er Maß für das RMehrenmal.

Bei Weimar oder Goslar.

Unter Vorsitz des Reichsministers des Innern Dr. Külz fand eine Besprechung der Frontkämpferverbände in Sachen des Reichsehrenmals statt. Nachdem vor mehreren Wochen die Vertreter der vier größten Frontkämpferver-

Freitag. den 18. Juni 1926

Neue Ernte Kredite

Hilfe für die Landwirtschaft.

’ / Erklärungen des Reichskanzlers Dr. Marx.

In einer Unterredung mit einem Pressevertreter be­tonte Reichskanzler Dr. Marx, daß die Ungunst der wirt­schaftlichen Verhältnisse auf der deutschen Landwirtschaft besonders schwer laste. Der Reichskanzler fuhr fort:

Die Überführung der schwebenden Schuld in länger befristeten Realkredit hat seit der letzten Ernte zuneh­mende Fortschritte gemacht, doch bleibt noch die schwe­bende, in den Monaten nach der Ernte fällige Schuld der deutschen Landwirtschaft eine außerordentlich große. Es darf nicht dahin kommen, daß unter dem Druck dieser schwebenden Schuld der Landwirt, wie es im Vorjahre leider häufig der Fall war, zu einem vorzeitigen Auf-den-Markt-werfen seiner Ernteerzeugnisse zu Schleuderpreisen gebracht wird. Die neu er­richtete und mit beträchtlichen Geldmitteln ausgestattete Getreidehandelsgesellschaft wird durch ihre Getreideankäufe hier regulierend eingreifen. Ferner ist durch Verhandlung mit der Reichsbank und der Preu­ßischen Zentralgenossenschaftskasse Vorkehrung getroffen, daß der Landwirt auf Grund seines in sicherem Gewahr­sam eingelagerten Getreides Kredit erhält, ohne daß zunächst ein vorzeitiges Aus-den-Markt-bringen dieser Ge­treidemengen erforderlich ist.

Die Reichsregierung wird zusammen mit der Reichs­bank bemüht sein, die von den Zentralkreditinstituten durchgeführte Herabsetzung des Zinssatzes in immer zu­nehmendem Umfange auch bei den örtlichen Kreditstellen zur Auswirkung zu bringen. Daneben bleibt es eine

bände vom

venten von HindenHurg in

Gegenwart des Reichsministers des Innern empfangen worden waren, um ihren übereinstimmenden Standpunkt m dieser Sacye EDMM^EM^ -?^-^ ^ M ^- - kunstwart Dr. Re d slo b eingehende Vorarbeiten hinsichtlich der Frage des Ortes des Reichsehrenmals ge­leistet worden. Eine große Anzahl der vorgeschlagenen oder sonst in Betracht kommenden Orte waren sowohl vom Reichskunstwart wie von den Vertretern der Ver­bände besichtigt worden. Völlige Übereinstimmung herrschte von vornherein darüber, daß lediglich eine Ge­gend in Betracht kommen könnte, wo die Ehrung der Ge­fallenen in die Form eines Ehrenhains gekleidet werden könnte, ohne dabei den Gedanken der Helden­ehrung in denkmalsmäßiger Form, wenn auch in schlich­tester Weise, auszuschließen. An der Besprechung waren vertreten: der „Stahlhelm", das Reichsbanner „Schwarz- Rot-Gold", der Deutsche Reichskriegerbund „Kyffhäuser", der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, die Arbeits­gemeinschaft der Vereinigungen ehemaliger Kriegsgefan­gener Deutschlands, der Tannenberg-Bund, der Deutsche Offiziersbund, die Reichsvereinigung ehemaliger Kriegs­gefangener, der Nationalverband Deutscher Offiziere, der Bund Deutscher Marinevereine, der Marine-Offiziersver­band und der Reichsoffizierbund.

Nach eingehender Aussprache ergab sich, daß von den zahlreichen geprüften Orten von den Erschienenen lediglich der Wald von Berka bei Weimar und die Ge­gend von Goslar für geeignet gehalten wurden. „Stahl­helm", „Reichsbanner", „Kyffhäuserverband", Verband jüdischer Frontsoldaten, Arbeitsgemeinschaft der Kriegs­gefangenen und Reichsvereinigung ehemaliger Kriegsge­fangener erklärten sich für die Gegend von Weimar, die anderen Verbände erklärten, daß sieGoslardenBor- z u g geben würden, aber auch einer Heldenehrung in der Gegend von Weimar ihre Mitwirkung nicht versagen würden. Wie wir hören, wird sich der zuständige Aus­schutz des Reichsrats gleichfalls in kürzester Frist mit der Angelegenheit befassen, so datz eine endgültige Entschei­dung wohl in Kürze bevorsteht.

Reichsminister des Innern Dr. Külz gab die Zu- sicherung, daß er, soviel an ihm liege, die praktische Ver­wirklichung des Gedankens der Heldenehrung mit beson­derem Nachdruck betreiben werde.

FrKr.v.MHan an die -eulßhtn Bischöfe.

Sendboten der Nächstenliebe.

In einer Rede, die der deutsche Botschafter in Washington, Freiherr von Maltzan, an die deutschen Ver­treter auf dem Eucharistenkongretz in Chikago hielt, be­tonte er, daß in den letzten Jahren viele Vertreter Deutsch­lands die Vereinigten Staaten von Amerika besucht hätten mit dem Ziele, zerrissene Freundschaftsbande wieder anzu- knüpfen. Ganz besondere Bedeutung aber käme dem Be­such deutscher kirchlicher Würdenträger zu. Als Send­boten christlicher Nächstenliebe müßten sie mehr als andere verstehen, daß das deutsche Bolksemp- finden besonders schwer unter dem haltlosen Borwurf der Alleinschuld am Kriege und unter dem Vor- wurf phantastischer Kriegsgreueltaten leide. Schon längst habe sich in Amerika das Bedürfnis gezeigt, der objektiven Wahrheit zum Ziele zu verhelfen.

. Beweisen Sie, meine Herren, so führte Maltzan weiter aus, daß Sie als Deutsche gleichzeitig einer die

76. Jahrgang

Hauptsorge, dem Landwirt eine ständige Sicherheit dafür zu verschaffen, daß er die Früchte seiner Arbeit zu Preisen absetzen kann, die seine Unkosten decken und seine Mühe und Arbeit lohnen. Es muß wieder dazu kommen, daß zwischen den.Kosten für die Bedarfsgüter der Landwirt­schaft und den Preisen ihrer Erzeugnisse ein angemessenes Verhältnis besteht. Dafür muß vor allem eine Voraus­setzung geschaffen werden, das ist die S t ä r k u n g des inneren Marktes. Diese herbeizuführen, ist neben der Notwendigkeit, den deutschen Export nach allen. Kräften zu fördern, eine der wichtigsten Aufgaben der Reichsregierung. Unter diesen Gesichtspunkten muß und wird die Zoll- und Handelsvertragspolitik zu führen fein.

Konferenz der GrnähnWsmmister.

Erntefinanzierung und Milchversorgung

In München treten am Freitag die Ernährungs­minister der Länder zusammen, um mit dem Reichsernäh­rungsminister vor allem die Finanzierung und Bewegung der diesjährigen Ernte zu besprechen. Auch die He­bung der Milchproduktion wird zur Debatte , stehen. Beim Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft ist ein R e i ch s m i l ch a u s s ch u ß ge­gründet worden, der die Probleme der Milcherzeugung, der Milchverarbeitung und des Milchabsatzes studiert.

Der Reichspräsident empfing im Beisein des Reichskanzler Marx den Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Haslinde, zwecks Entgegennahme eines Vortrages über die Lage der Landwirt- s ch a i t.

an» Ver-

Welt umfassenden historischen Religionsgemeinschaft gehören, deren Oberhaupt der Heilige Vater als körperung christlicher Milde und Versöhnung ist. Ich km Sinne gegenseitiger Aufklärung, internationaler Ver­söhnung und Verbrüderung wirken möchten. Ich ent­biete Ihnen den Willkommengruß im Namen der deut­schen Reichsregierung.

Der BergarSelierstreik in England. NeueVorschlägederenglischenRegierung.

Die englische Regierung hat zur Beendigung des Bergarbeiterstreiks in England den Parteien neue Vor­schläge unterbreitet, die folgende Punkte umfassen:

1. Unter dem Achtstundentag sollen in ungefähr 50 % aller Gruben die gegenwärtigen Lohnsätze während der Monate Juli, August und September garantiert werden.

2. nach Ablauf dieser Zeit sollen neue Lohnsätze nach Maßgabe der erzielten Gewinne festgesetzt werden.

3. Bei 25 % aller Bergwerke wird eine Reduzierung der Minimallohnsätze um ungefähr 10 % stattfinden.

Mit der Bekanntgabe der neuen Vorschläge der eng­lischen Regierung haben die Feindseligkeiten heute aus der ganzen Linie begonnen. Die führenden Persönlichkeiten im Lager der Arbeiterpartei meinen, daß es in den nächsten Tagen und Wochen zu ganz erbitterten Kämp - f e n kommen werde, die Bergarbeiter würden sich nicht ergeben.

Auf den englisch-russischen Notenwechsel hin hat der Zentralrat der russischen Gewerkschaften beschlossen, die Unterstützungsgelder nach England so lange zu senden, bis diese offiziell von der englischen Regierung beschlag­nahmt werden. Diesem Beschluß hat sich die Dritte Inter­nationale angeschlossen. Die englische Mission in Moskau hat Einspruch gegen diesen Beschluß erhoben.

Ein neuer Angerstein.

Sechs Personen in Dortmund ermordet.

An die furchtbaren Mordtaten des Massenmörders A n g e r st e i n, der seine ungeheuerlichen Verbrechen mit dem Tode gebüßt hat, erinnert eine grauenvolle Bluttat, die in der Nacht zum 17. Juni in einem Hause in der Leopoldstraße zu Dortmund von einem Schlächter namens Blaschewski begangen wurde.

Bla- nder

Aus bisher unbekannter Ursache e r s ch l u schewski seine Frau und seine drei K von vier bis neun Jahren mit einer Axt. Dann ging er in das Schlafzimmer mehrerer Kostgänger, die ein Stock­

werk höher wohnten, und erschlug dort den Kellner Bader, mit dem er eine Nacht vorher gezecht hatte; die anderen Kostgänger wagten keinen Laut von sich zu geben. Der Mörder kehrte schließlich in seine Wohnung zurück und schlug auf dem Wege dorthin eine Frau M i e l i ck iK eine Mutter von sieben Kindern, die ihm im Hausflur enl- gegenkam, nieder. In seiner Wohnung verübte der Täter dann Selb st mord, indem er sich erschoß.

Blaschewski, ein mehrfach mit Zuchthaus vor­bestrafter Mensch, war in der ganzen Nachbarschaft als gewalttätig bekannt. Der sechssache Mord hat in, Dortmund eine ungeheure Erregung hervorgerufens - ।