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Hersfelöer Tageblatt Hersfelöer Kreisblatt^ Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö

Nr. 139 Donnerstag, den 17. Juni 1926 76. Jahrgang

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Zollbesprechungen beim Aeichskarrzler

Um die Gestaltung der Getreidezölle.

Zwischen Vertretern der Regierungsparteien, dem Reichskanzler, dem Reichsernährungsminister und dem Reichslandwirtschaftsminister fanden Besprechungen über eine Hinausschiebung der erhöhten Getreidezoll­gesetze, die normalerweise am 1. September in Kraft treten sollen, statt, ohne daß man schon zu endgültigen Beschlüssen kam. Ursprünglich waren in dem,Zolltarif des vorigen Jahres die erhöhten Zollsätze, die jetzt in Kraft treten sollen, eingesetzt worden, um sie bei den Handels­vertragsverhandlungen mit Getreideländern als Kampf­mittel zu benutzen.

Wie es heißt, ist bei einigen Parteien der Wunsch laut geworden, die erhöhten Getreidezölle vorläufig noch nicht einzuführen. Vor allem verlangen die Sozialdemokraten, endgültig auf dieses Kampfmittel zu verzichten. Anderer­seits bestehen aber die Deutschnationalen darauf, daß zu dem vorgesehenen Termin der erhöhte Zollsatz besonders für Gerste eingeführt wird. Die Ver­handlungen werden fortgesetzt imb werden in der nächsten Woche in ein entscheidendes Stadium treten.

Gegen unb für die FSrsteaentejgmrng.

Beschlüsse und Äußerungen.

Ein staatsbürgerlicher Aufruf. Eine Reihe nichtsozialisti- scher Persönlichkeiten, die sich in demStaatsbürgerlichen Ausschuß zur Förderung des Volksentscheids" zusammenge­schlossen haben, fordert dazu auf, am 20. Juni mit Ja zu stim­men. In dem Aufruf heißt es: Laßt euch nicht irre machen, wenn die Fürstenfreunde vom Schutze des Privateigentums, von Gerechtigkeit oder gar von Sittlichkeit reden! Auch bei Annahme des Volksentscheides werden die früheren Fürsten nicht verhungern, sondern immer noch reicher bleiben als Millionen durch Krieg und Inflation enteigneter Sparer, Rent­ner, Auslandsdeutscher und anderer Volksgenossen. Auch sind die Länder nicht gehindert, beispielsweise allen erwachsenen Familienangehörigen der Fürstenhäuser bis ans Lebensende ein ausreichendes Einkommen zuzubilligen, damit keiner von ihnen Rot leidet.

enteignung verhindern wolle, hindern müsse, daß ein kleine

Die Reichsarbeitsgemeinschaft der Anfwertungsgeschadigten- und Micterorganisationen hat einen offenen Brief an den Reichspräsidenten von Hindenburg gerichtet, in dem u. a. gesagt wird, daß der Reichspräsident, wenn er die Fürsten­enteignung verhindern wolle, logischerweise gleichzeitig ver­hindern müsse, daß ein kleiner Teil des Volkes weiter gesetz­licher Hehler am Eigentum der großen Volksmasse bleibt, die fiskalischen Willkürakte an privatem Eigentum auf Grund der erweiterten Abgcltungsvcrordnung und andere das Privat­

eigentum verleugnende Ausnahmegesetze und Verordnungen fortgesetzt werden und das Volk samt dem Staate darüber zugrunde geht. Es bedarf Ihrer (Hindcnburgs) Willensäuße­rung in dieser Richtung vor dem 20. JUni durch Ankündigung einet entsprechenden Regierungsvorlage. Sonst rollt der rote Schicksalsfaden Deutschlands weiter."

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Der Gewerberat Münchens gegen die Beteiligung am Volksentscheid. In einer Sitzung des Gewerberats München, bei der mehrere Vorsitzende der Landesfachverbände Bayerns anwesend waren, wurde einstimmig der Beschluß gefaßt, daß für jeden Handwerker und Gewerbetreibenden am 20. Juni die Parole lautet, sich der Stimme zu enthalten und der Ab- slimmung fernzubleiben.

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Um die Grundlagen der deutschen Wirtschaft. Die säch­sischen Erwerbsstände erlassen zum Volksentscheid eine Kund­gebung, in der es heißt: Für die Erwerbsstände des Landes sind Inhalt und Ziele des bevorstehenden Volksentscheides keine politische, sondern eine wirtschaftliche Frage, und zwar eine solche von einer Tragweite, die bisher vielfach nicht ge­nügend erkannt wurde. Die Grundlagen der deutschen Wirt­schaft stehen aus dem Spiele. Es handelt sich darum, ob ein Staatswesen es mit den einfachsten und natürlichsten Grund­sätzen von Recht und Kultur vereinbaren kann, Gruppen seiner Staatsbürger in Ansehung ihres Eigentums unter ein Aus- nahmerecht zu stellen. Von dem Boden entschädigungsloser Eigentumskonfiskation aus gibt es aus der abschüssigen Bahn der Zerstörung von Sitte und Ordnung, von Recht und Kultur kein Halten mehr; die Erfahrungen des Welt­krieges beweisen das deutlich. Der 20. Juni wird zu erweisen haben, ob unser Volk die Voraussetzungen, ohne die es ein gesundes Wirtschaftsleben nicht gibt, erkennt und schützt oder ob es sich abermals in seiner Entwicklung zurückwerfen lassen will. Wer an der Sicherung und am Aufbau der deutschen Wirtschaft mitarbeiten will, bleibe zum Volksentscheid der Ab­stimmung fern!

Der Kampf um Professor Lessing.

Ein Schreiben des Magistrats von Hannover.

, An der Technischen Hochschule in Hannover ist am Mittwoch der normale Vorlesungsbetrieb wieder ausge­nommen worden. Zu Zwischensällen ist es nicht geksm- men. Den Studenten in Hannover gehen weiterhin Sym­pathiekundgebungen aus allen Teilen des Reiches zu. Einige Hochschulen hatten die Teilnahme an dem Sym­pathiestreik abgelehnt. Der Magistrat der Stadt Han­nover hat an Kultusminister Dr. Becker eine Entschließung gesandt, in der mitgeteilt wird, daß Professor Lessing sich in einer Unterredung mit dem Oberbürgermeister dahin geäußert haben soll, daß er innerlich schon längst auf die Dozentur verzichtet habe und sich völlig srei fühle. Der Magistrat vertritt die Meinung, daß bei diesem Sachver- halt an eine Aufrechterhaltung des LehraMrages von

Die Regierungskrise in Frankreich

Briand.

Kabinett Vn'and zmAkgetreten.

Verschiebung der Londoner Reise Doumergues.

Dem Rücktritt des französischen Finanzministers Päret folgte die GesamtdeMission des Kabinetts Briand. Dieser spontane Rücktritt rief in politischen Kreisen um so größere Verwunderung hervor, als es Briand gelungen war, die von der Linken der Kammer ge­wünschte Interpellation über die Frank­baisse zu vertagen. Präsident Doumergue hat die Demission Bri- ands angenommen und sofort die nötigen Schritte zur Neubil­dung der Regierung unternommen. Wie es heißt, wird Briand wieder betraut werden.

Echo de Paris" meldet, daß angesichts der Ministerkrise die geplante Reise des Präsidenten der Repu­blik, Doumergue, der sich am 22. Juni in Be­gleitung des Minister­präsidenten Briand nach London begeben

wollte, aufgeschoben werde, denn das neue Kabinett werde nicht vor Sonnabend früh gebildet werden können.

Nach einer Meldung desQuotidien" soll das Mitglied des Finanzsachverständigenausschusses Professor Rist im Verlaufe einer Sitzung des Ausschusses mit Nachdruck er­klärt haben, daß angesichts der Devifenhausse die Bank von Frankreich die Pflicht bave, ihre Goldbestände zur Stützung des Franken Mnzusetzen. Der Vize­gouverneur der Bank von Frankreich, Pkcarv, habe ferne Absicht angekündigt, aus dem Ausschuß auszutreten.

Kommt Poinrare wieder?

Man hat an der Berliner Börse am Dienstag für 100 Frank nur noch 11,75 Reichsmark bezahlt, so daß es vermutlich wohl nicht mehr sehr lange dauern wird, bis die französische Währung auf ein Zehntel ihres Vorkriegs- Wertes gesunken ist. Und am gleichen Tage mußten in Lon­don für ein Pfund Sterling nicht weniger wie 180 Frank bezahlt werden, wobei man sich auch dort mit dem weiteren Sinken der französischen Währung vertraut gemacht hat.

An die Stelle des bei der Rechten sehr unbeliebten C a i l l a u x war bei der letzten Kabinettskrise in Frank­reich als Finanzminister Päret getreten, der völlig scheiterte, so sehr, daß er seine Demission erklärte, nun aber zusammen mit dem stürzenden Frank auch das ganze Kabinett mit sich riß: Briand ist wieder einmal zurückgetreten, aber man ist in Frankreich ganz all­gemein der Ansicht, daß nur Briand aus dem Chaos wieder herausführen kann, daß er also wieder Minister­präsident werden muß. Allerdings ist wohl auch jetzt die Stunde gekommen, da das Wablresultat vom 1L Mai 1924.

Professor Lessing nicht mehr gedacht werden kann. Von Professor Lessing wird die Äußerung bestritten.

Der preußische Kultusminister, Dr. Becker, empfing Professor Lessing zu einer neuen Unterredung. In dieser Besprechung, über deren Einzelheiten strengstes Still­schweigen bewahrt wird, kam, wie es heißt, erneut zum Ausdruck, daß die Lehrfreiheit unbedingt aufrechterhalten bleiben müsse und Professor Lessing deshalb seine Vor­lesungen bis zum Ende dieses Semesters nach wie vor weiterführen solle. Professor Lessing soll sich mit neuen Plänen tragen, die einer Beilegung der Angelegenheit för­derlich fein können.

Schwerer Wall bei einer SanMSöbmlg.

Ein Schulknabe ertrunken.

In Nikolassee bei Berlin ereignete sich bei einer SauitätsÜbung von Männer- und Franen- vereinigungen des Roten Kreuzes von Groß-Berlin ein beispielloser tödlicher Unglücksfall.

Auf einem Dampfer, auf dem nach dem Übungsplan eine (fingierte) Explosion erfolgen sollte, befanden sich mehrere Schüler aus Zehlendorf, denen von ihren Eltern die Erlaubnis gegeben worden war, von dem Dampfer in den See zu springen, um sich dann retten zu lassen. Ob­wohl von der Leitung der Übung angeordnet worden war, daß mit Rücksicht auf das schlechte Wetter die Kinder auf dem Dampfer verbleiben sollten, sprangen doch die meisten, als die Signalraketen aufstiegen, ins Wasser. Einer von den Schülern, der 13jährige Wilhelm Jähuke aus Zehlendorf, versank in den Fluten und tauchte nicht wieder auf. Er ist wahrscheinlich einem Herzschlage er­legen. Unter den vielen hundert Leuten, die der Übung beiwohnten, rief der Unfall große.Erregung hervor.

das der Linken einen Sieg verschaffte, sozusagen liquidiert wird, indem nun auch die Rechte, die damals geschlagen wurde, wieder herangezogen wird mitten in die Verant- wortung hinein. Man spricht von einem Koalitions­kabinett, in dem PoincarS auftauchen soll, möglichst als Finanzminister, da Caillaux wenig Lust zum Übernehmen dieses Ministerpostens zeigt.

Ganz besonders schlimm ist in Frankreich die Lage deswegen, weil man sich so überaus uneinig über das ist, was nun eigentlich geschehen soll, daß man vor lauter Streit und Überlegung zu gar nichts kommt. Man hat einen Sachverständigenausschuß eingesetzt, aber auch ihm geht es nicht anders. Nicht bloß über Einzelheiten zankt man sich mit einer fast grotesken Erbitterung, sondern vor allem über die Grundfrage: schärfstes staatliches Ein­greifen in den Geldverkehr und das Wirtschaftsleben oder völlige Freigabe des privatwirtschaftlichen Vorgehens. Die Stützungsaktion des Franken mit Hilfe der 100-Millio- nen-Dollaranleihe, die das Bankhaus Morgan schon vor zwei Jahren zur Verfügung stellte, schlug völlig fehl. Wenn der Sachverständigenausschuß vorgeschlagen hat, die kurzfristigen'Staatsanleihen mindesten 60 Milliar­den Frank, die bisher in der Hauptsache durch Neu- ausgabe von Banknoten oder Umtausch in neue Anleihen getilgt" wurden, nun zum gesetzlichen Zahlungsmittel zu machen, so dürfte auf diese Rieseninflation wohl ein weiterer und nur noch schnellerer Sturz des Franken erfolgen. Ebenso gescheitert ist ja der Versuch, durch Um­tausch der Riesenmassen innerer Anleihen gegen eine neue goldwertige eine Nobilisierung zu schaffen, weil man da­für offenbar nicht das notwendige Vertrauen aufbrachte. Briand hat durchaus nicht unrecht, wenn er zwar darauf hinweist, daß man in Italien, England und Belgien Frankverkäufe tätige, um die eigene Währung zu halten, daß aber auch in Frankreich selbst der Frank eifrig ver­kauft wird, weil die Franzofen das Vertrauen zu ihrer eigenen Währung verloren haben.

- - Lurrsu -M

aber schon die Soziälksten unter H e r r i o t wohl nur sehr zögernd beteiligen würden, ist ein Wort, das schnell aus- gesprochen, vielleicht auch verwirklicht werden kann, aber es muß doch auch einen praktischen Gedanken, ein Ziel und ein Programm haben. Briand soll eine Blankovoll­macht verlangen, offenbar etwa in der Art, wie sie ja bei Stabilisierung der deutschen Währung das damalige Kabinett Marx im Ermächtigungsgesetz erhielt und aus- nutzte. Denn bei dem Durcheinander der in Frankreich besonders starken wirtschaftlichen Einflüsse, die sich nament­lich in der Deputiertenkammer betätigen, bei dem Macht­hunger mancher Parlamentsgrößen, die jede Schwierig­keit des Gegners benutzen, um sie aufzubauschen, in ent­stehende Lücken hineinzustoßen, die Krise nur noch zu ver­schärfen, wird selbst eine energische Hand es in Frankreich noch viel schwerer haben, durchgreifen zu können.

Wird Poincaro wirklich Finanzminister, dann ist er wieder der mächtigste Mann in Frankreich, was wir Deutsche ja kaum sehr angenehm empfinden werden. Ein Interesse aber haben wir daran, daß jenseits des Rheins endlich Ordnung in der Währungsfrage geschaffen wird, weil sonst die wirtschaftliche Unruhe immer stärker über- hand nimmt.

politische Xim^f^au.

Deutsches Reich

Deutsch-französisches Auswertungsübereinkommen.

Zwischen der deutschen und der französischen Regie­rung ist ein Abkommen über die Durchführung der deut­schen Aufwertungsgesetze abgeschlossen, das am 4. Juni in Berlin ratificiert worden ist. In dem Abkommen wird der Grundsatz der Meistbegünstigung auf dem Gebiete des Aufwertungsrechtes vereinbart. Die französische Regie­rung gibt den deutschen Staatsangehörigen die bisher auf Grund des Versailler Vertrages unter Zwangsverwal­tung gestellten deutschen Markanleihen frei; sie empfängt dafür von dem Einlösungsbetrage, den die deutschen Gläubiger dieser Anleihen nach dem deutschen Ablösungsgesetz auf die freigegebenen Anleihen erhalten, soweit die freigegebenen Anleihen Reichsanleihen sind, ein Viertel, soweit sie Länder- und Gemeindeanleihen sind, die Hälfte. Des weiteren bringt das Abkommen eine Auf­wertung der deutschen Reichsangehörigen gehörenden Markanleihen, die elsaß-lothringische Gemein­den vor dem Waffenstillstand ausgegeben haben.

Der türkische Landwirtschaftsminister bei Dr. Haslinde.

Der türkische Landwirtschaftsminister Sabri Bey stattete in Begleitung des türkischen Botschafters Kemal Eddin Sami Pascha dem Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft einen längeren Besuch ab. In der Unterhaltung wurde die Lage der beiderseitigen Landwirtschaft erörtert; insbesondere befaßte sich die Aussprache mit der Frage der Technisierung der Land-