Einzelbild herunterladen
 

Kersfelöer Tageblatt

Anzeigenpreis für die einspaltige Petifzeils * 5 Pfg. die Reklainezelle 50 Pfg. (Grundsdirifi Korpus) Bei Wiederholungen Dach (ab. + Für die Scbrlft- ieliung nerantoortlidi Franz Funk in Sersfeld.

Fernipredier Dr. 8,

Nr. rZr

hersfelüer Kreisblatt'

Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfelö

Der Bezugspreis beträgt durch die Post bezogen monatlich 1. Mk., aüsscbliebf. Bestellgeld, für Bers/eld L. bei freier Zustellung, Abholer .80 (Dr. * Druck und Verlag von hudrutg Funks Budidrcnkerel In Bersfeld, (OltqJIed ärs VDZV.

Dienstag, den 15. Juni 1926 76. Jahrgang

RsiweNöige ErkenniKis.

$on besonderer wirtschaftspolitischer Seite wird uns geschrieben:

Der einzige Erfolg des englischen General- nrcrks ist bisher ein starkes Anschwellen der Arbeits- losenzlffer gewesen; dämpft doch die englische Industrie mit den größten Kohlcnschwierigkeiten, weil der Kohlen­bergbau immer noch so gut wie völlig stilliegt. Wenn die Arberterführer nun darüber klagen, daß seitens der Re- gierung gar nichts geschehe, um zu einer Lösung des Wirr­warrs zu kommen, so haben sie gewiß nicht unrecht. Aber 6 o o t, der ja praktisch den Bergarbeiterstreik führt, droht mit einer revolutionäre n E rhebung, wenn die Regierung auf dem Wege der Gesetzgebung etwa eine Ver­längerung der Arbeitszeit erzwingen wollte.

Geschehen ist ja auch nichts seit den ersten Maitagen, als der Generalstreik zum Ausbruch kam. Die Vorschläge, Die vorher von der Kohlenkommission gemacht wurden, sind aber jetzt wieder von Macdonald in einer Rede ausgenommen worden, in der er das Hauptgewicht auf die dort vorgeschlagene organisatorische Verknüpfung aller englischen Bergwerke, die Schöpfung einer Art von Masse" legte. In einer solchenKonkursmasse" wird man aber doch sehr genau zu untersuchen haben, was denn nun eigentlich Wert hat, und ausscheiden, was nur unter Verlust arbeitet, also wertlos ist. Bei uns in Deutschland ist das schon vielfach durchgeführt unter starken wirtschaft­lichen Schmerzen; die Engländer werden wohl denselben Weg beschreiten müssen und demzufolge an Bergwerken stille gen, was unrentabel arbeitet, rentabel nicht gemacht werden kann. Ob dieses Werk nun vom Staat in die Hand genommen wird oder durch die Privatinitiative ge- lapeht, ist gleichgültig; aber höchste Zeit ist es, daß es überhaupt geschieht. Der Bericht der Kohlenkommission hatte sich freilich grundsätzlich gegen die Weitergewäh- tung von Subventionen an die Bergwerke ausgesprochen, trotzdem mindestens 75 v. H. dieser Bergwerke unrentabel sein würden, wenn sie den bisherigen Lohn unter Nicht- oerlangerung der Schichtzeit auch künftighin bezahlen müßten, eine staatliche Unterstützung aber nicht erhielten.

'chen Kohlenbergbau in dieser Richtung viel lernen, son­dern in einer noch viel deutlicheren Art von der deutschen ikaliindustrie. Ein soeben veröffentlichter Geschäfts­bericht des sog. Burbach-Konzerns für 1925 illustriert die Vorgänge der letzten Jahre, die unter dem Einfluß der deutschen Kaligesetzgebung erfolgten, in überaus drastischer Form; nicht weniger als 118 Kalischächte und acht Sonder- fabrifen sind endgültig stillgelegt worden, weil sie minder rentabel waren oder mit Verlust arbeiteten. Von den übrigen 106 Schächten sind weitere 34 bis auf weiteres stillgelegt, werden aber unterhalten, um bei einer größeren Absatzsteigerung wieder in Betrieb genommen zu werden. Von den nun noch verbleibenden 72 Schächten ist aber eine Anzahl noch sog. Zweitschächte, so daß nur rund 40 Schächte soll ausgenutzt werden und eine größere Rentabilität er­zielen. Die auf diesen erfolgende Produktion ist aber der­art gesteigert, daß aus ihnen der Bedarf an Düngemitteln nicht nur voll gedeckt wurde, sondern daß eine Vermehrung des Absatzes im Jahre 1925 um volle 50 % erzielt wurde und außerdem noch erhebliche Massen auf Lager gelegt werden konnten. Dabei steht der Kalipreis etwa 25 % unter dem Preisstand von 1913! Man hat aber auch größtes Gewicht auf die Nebenproduktion gelegt, woran man im englischen Kohlenbergbau immer noch siel zu wenig denkt, die es aber bei uns mit ermöglicht hat, Dem Inland derart niedrige Preise für Kali zu gewähren. Denn die schönen Zeiten, da Deutschland auf de.m Welt­markt das Kalimonopol besaß und nach Belieben die Preise diktieren konnte, sind ja durch den Verlust des Elsasses leider vorbei. Die deutsche Wirtschaft hat aber die Kraft besessen, aus all diesen wirtschaftlichen Verschiebun- zen die notwendigen Folgerungen zu ziehen; solche Ver- ichiebungen sind aber in der W e ltk o h l e n w i r tsch a f t mich in ausgedehntem Maße eingetreten. England wird also genötigt fein, in größerer Beschleunigung dieser Um-, schichtung Rechnung zu tragen.

LstemichiW-deuWeAngieichungsarbeit.

Rhein und Don a u."

In Frankfurt a. M. fand die Haupttagung des Öfter. reichisch-Deutschen Volksbundes statt, die den wissenschaft­lichen Angleichungsarbeiten gewidmet war. Es wurde über eine Schulangleichung gesprochen, ferner über die Gemeinsamkeit der Handelspolitik Österreichs und Deutschlands, über eine gemeinsame Verkehrspolitik und über die Herstellung einer Währungsgemeinschaft. Reichs- tagsprüsident Löbe sprach über die Anschlußfrage. Er betonte hierbei, daß das Selb st best immungs- recht unseres Volkes den Bortritt vor allen übrigen Lösungen europäischer Fragen habe. Unsere Hoffnung auf Vereinigung gründet sich nicht aus Österreichs Not, sondern auf den Willen seiner Einwohner.

Zum Abschluß derÖsterreichischen Woche" in Köln hielt der österreichische Bundesminister für Unterricht, Dr. Schneider, einen mit großem Beifall aufgenommenen Vor- trag über das österreichische Kultur- und Geistesleben. Während man jetzt in Österreich darangehe, die beiden deutschen Ströme.Donau und Rhein aus wirtschaftlichen

Vrisilim Austritt aus dem Völkerbund

Brasilien kündigt in Genf.

Nichtbeteiligung an der Septembertagung.

Schneller als erwartet hat Brasilien seinen Austritt aus dem Völkerbund erklärt. Der Generalsekretär des Völkerbundes hat ein Telegramm vom brasilianischen Minister des Auswärtigen erhalten, in dem Brasilien schon jetzt seinen Entschluß, aus dem Völkerbund auszutreten, kund gibt. Es werde daher zur Septemberversammlung des Völkerbundes nicht erscheinen.

Das Telegramm der brasilianischen Regierung hat folgenden Wortlaut:Brasilien hat in dem Expos«, das es dem Gesandten Mello Franco zugehen ließ und das voraussichtlich bereits durch das Sekretariat des Völker­bundes veröffentlicht und allen Mitgliedstaaten des Völ­kerbundes zugestellt ist, auf seinen nichtständigen Sitz im Völkerbundrat verzichtet. In dem Exposö wurde zum Schluß erklärt, daß Brasilien zum gegebenen Zeitpunkt auf die Ehre, Mitglied des Völkerbundes zu sein, verzichten würde. Da die brasilianische Regierung nunmehr die Ein­ladung zu der ordentlichen Vollversammlung des Völker­bundes im September erhalten hat, an der Brasilien nicht mehr teilnehmen wird, sieht sich die brasilianische Regie­rung nunmehr verpflichtet, ihren Beschluß, aus dem Völ­kerbund auszutreten, hiermit anzukündigen."

Artikel 1 des Völkerbundpaktes enthält die Bestim­mung, daß der Austritt eines Bundesmitgliedes, die Er­füllung aller feiner internationalen Verpflichtungen vor­ausgesetzt, nach zweijähriger Kündigung erfolgen kann. Brasilien würde also formell noch zwei Jahre lang die Rechte eines Mitgliedes ausüben könne«.

Gründen zu verbinden, sagte der Minister unter großem Beifall, so darf man sagen» daß zwischen den Strömen deutschen Geistes am Rhein und der Donau eine solche

MMMMM»OW^chMstDA«W Den Eckstein seiner Ausführungen bildete die Erörterung des Begriffes der Volksbildung. Es sei eine unbedingte Staatsnotwendigkeit, die krassen Gegensätze, die sich in einer Spaltung des Volkes in eine geistige führende Oberschicht und in die breite Volksschicht ausgewirkt hätten, zu überbrücken. ,

Die öeuische Ausfuhr nach Kußland.

Tagung des Deutsch - russischen Vereins.

Der stellvertretende Volkskommissar für Handel, Frumkin, erklärte in einer Unterredung mit einem Presse­vertreter: Die Weisung Rykows, sofort einen Teil der aus Grund der deutschen Garantiekredite für Deutschland be­stimmten Bestellungen an andere Länder zu vergeben, bezieht sich nur auf Bestellungen, die, abgesehen von dem Einsuhrprogramm, auf Grund des deutschen 380-Mil- lionen-Kredits bei Zahlung nach vier Jahren er­teilt werden sollten. Die Haltung deutscher Banken und deutscher Industrieller, die in einigen Fällen bis zu 20 % auf die Normalpreise aufzuschlagen versuchten, hat leider die Verwirklichung dieser Bestellungen aufgeschoben. Das Handelskominiffariat weiß, daß nicht alle deutschen Industriellen die Haltung des deutschen Jndustriellenver- bandes billigen, der Pressemeldungen zufolge seinen Mit­gliedern einen 10 %igen Preisaufschlag bei Bestellungen der Sowjetrepublik aus Grund des Garantiekredits anempfahl, denn es ist gelungen, einen kleinen Teil der Bestellungen zu annehmbareren Bedingungen abzu- schließen. Eine weitere Erteilung der für Deutschland be­stimmten Bestellungen wird nur zu den Bedingungen er­folgen, die für die Verwendung des deutschen Garantie­kredites festgclegt worden sind. Die übliche program m- mäßige Einsuhr au sDeutschland wird selbst­verständlich durch die Weisung Rykows nicht berührt.

Die Wirtschaftslage Sowjetrußlands und die Kredit­aktion der Reichsregierung für Sowjetrußland standen im Mittelpunkt von Tagungen, die der Deutsch-Russische Ver­ein unter Vorsitz von Kommerzienrat Michalski-Berlin ab­gehalten hat. In den vertraulichen Verhandlungen des Gesamtvorstandes wurden eingehende. Vorträge entgegen» genommen, aus denen sich ergab, daß die L a g e d e r rus­sischen Industrie immer schwieriger wird, während dagegen die russische Landwirtschaft, in Form der 'Bauernwirtschaft, eine unzweifelhaft fort­schreitende Vorwärtsentwicklung aufweist. In besonders schwieriger Lage befinden sich die Grundin- dustrien, die Kohlenindustrie sowie die metallurgische. Hier tritt der Verfall der technischen Aus­rüstungen ganz außerordentlich stark in Erscheinung. In dieser Perspektive gesehen, ergeben sich dringende Fragen der deutsch-russischen Zusammenarbeit zum Zwecke des Wiederaufbaus der russischen Industrie, an dem Deutschland bereitwilligst und mit unbestreitbar größtem Entgegenkommen sich beteiligen will. Die von der Reichs­regierung eingeleitete Kreditaktion ist ein beredtes Zeugnis' dafür. Wenn nach der gesetzgeberischen Bereini­gung der Ausfallbürgschaft durch das Reich die Gesamt- finanzierung des 300-Millionen-Kredits noch nicht zu-

Andauernde Ansprüche Spaniens und Polens.

Nach einer Meldung des ABC. aus Madrid hat ein spanischer Ministerrat beschlossen, auf der September­sitzung in Genf keinen Kandidaten Spaniens für einen nichtständigen Ratsitz zu stellen und einen Beschluß über die künftige Haltung Spaniens auszufetzen, bis der Völkerbund über den spanischen Anspruch aus einen st ä n= digen Sitz eine Entscheidung gefällt habe. Der pol­nische Außenminister Zalewski erklärte einem Vertreter desFigaro", Polen sei überzeugt, daß es ebenso wie Deutschland ein Recht auf einen ständigen Sitz im Völker­bundrat habe. Dieses Recht gründe sich auf die geogra­phische Lage Polens und seine Bedeutung als Brücke zwi­schen Mittel- und Osteuropa. Außerdem bestehe eine enge Verbindung zwischen der Frage eines ständigen Ratsitzes für Polen und den Locarnoverträgen.

Vorgehen des Völkerbundes

gegen italienische Delegierte.

Nach einer Meldung derBasler Nationalzeitung" wollen die Völkerbundorgane gegen die italienischen Be­amten des Völkerbundsekretariats und gegen die italieni­schen Delegierten an der Internationalen Arbeitskonferenz disziplinarisch vorgehen, weil sie bei der sozialistischen Matteotti-Kundgebung im Gemeindehaus von Genf sich an dem Zusammenstoß mit Faschisten beteiligt haben. Die Teilnahme des Grafen Vinci, der eine führende Rolle in der internationalen Rot-Kreuz-Bewegung ein- mmmt, an diesem Zusammenstoß hat in Genf peinliches Aussehen erregt.

stände gekommen ist, so kann das keinesfalls der deutschen Seite zur Last fallen. Der in der Öffentlichkeit viel be­sprochene alleinige Streitpunkt der kleinen Differenz liehen Teil ein anderes Gestehst EMOmäü sich vergegen­wärtigt, daß es sich für die Banken um eine Festlegung erheblicher Geldbeträge für die Dauer von bis zu 4% Jahren handelt. Die Russen selbst haben die Kreditver­handlungen sehr erheblich erschwert. Kommerzienrat Michalski wies darauf hin, daß die verschiedenen noch umstrittenen Fragen beim Entgegenkommen beider Seiten baldigst erledigt sein könnten.. ^,- ir^^

Der Aeichsiag im Welikrieg.

Aus dem Untersuchungsausschuß für die Kriegsfragen.

Der vierte Unterausschuß des Untersuchungsausschusses für die Kriegsfragcn widmete sich in mehreren Sitzungen der Entgegennahme zweier Gutachten über das ursächliche Verhält­nis zwischen den annexionistischen Bestrebungen in Deutsch­land und dem Zusammenbruch von 1918. Professor v. Hobohm behandelte das Problem des Alldeutschtums von seiner Ent­stehung an bis zum Ende des Krieges. Archivrat Volkmann untersuchte

die Frage des Annexionismus

erat des

m Wort

grundsätzlich, indem er den machtpolitischen Annexionsge- danken und den pazifistischen Rechtsgedairken einander gegen- überstellte und den Annexionismus auch der Deutschland feind­lichen Mächte vor dem Kriege und im Kriege darstellte. So­dann wurde die Aussprache über die Haltung des Deutschen Reichstags im Weltkrieg im Anschluß an das Refe ' ' " Sachverständigen Professor Dr. Bredt fortgesetzt. Z. ______ tarnen die Abgg. Dr. Bell (Ztr.) und Dr. Landsberg (Soz.). Dr. Wells Ausführungen gipfelten in der Behauptung, daß vom alten Reichstag, der seit der Bismarckzeit von der Außen­politik praktisch so gut wie ausgeschlossen und darin völlig ungeübt war, der vor dem Kriege und während des Krieges nicht oder schlecht unterrichtet würde und dessen Machtstreben, soweit davon die Rede sein kann, auf .

unüberwindliche Widerstände

stieß, unmöglich verlangt werden konnte, daß er in der schwersten Not und Gefahr die außenpolitische Führung über­nahm. Der Abgeordnete Landsberg stimmte diesem Gedanken zu und unterstrich die Unausrichtigkeit, mit der die Mitglieder des alten Reichstags vielfach unterrichtet wurden. Sachver­ständiger General von Kuyl nahm Stellung zu der Frage, ob die Öffentlichkeit über , i

die Ereignisse an der Front

hinreichend unterrichtet worden sei. Ji allgemeinen bejahte, führte er im beso

üdem er

ie im i der

allgemeinen bejahte, führte er im besonderen Hinsn, Marneschlacht von 1914 aus, daß die Oberste Heeresleitung S bis in den November hinein an dem Gedanken der eraufnahme der Operationen im Sinne des Schlics- fenschen Planes festhielt. ...____ . :

Gegen und für die Mffenenteignung.

Beschlüsse und Äußerungen.

Berliner Demonstrationen. Die Rechtsparteien veranstal- .teten in Verbindung mit den Vaterländischen Verbänden eine Kundgebung gegen die Fürstenenteignung, an der etwa 12 000 Personen teilnahmen. Die Rechtsverbände marschierten in geschlossenen Zügen mit schwarz-weiß-roten Fahnen, ehemali­gen KriegI- und Bundesfahnen unter den Klängen vater­ländischer Lieder und Militärmärsche nach dem Lustgarten.

den Zügen sah man Schilder mit Aufschriften wieFür Rechtsstaat und Ordnung" und mit Plakatbildern gegen den Volksentscheid. Auck von den Kommunisten wurden an verschie-