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Hersfelöer Tageblatt
yersfelöer Kreisblatt-
Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Hersfelö
M. 133 Donnerstag, den 10. Juni 1926 76. Jahrgang
Anzeigenpreis für die einspaltige Petltzetle 15 Pfg. die Reklamezelle 50 Pfg. (Grundschrift Korpus) Bei Wiederholungen OachlaK + Für die Schrift- leitung DerqniBortlid) Franz Flink in Reisfeld.
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Ein Frank-Bündnis?
Frankreich kommt bei feinem verzweifelten Ver- fuch, seine Währung in Ordnung zu bringen, auf zwar manchmal recht merkwürdige, aber doch gar nicht so törichte Ideen, die bloß den einen Nachteil haben, immer auf halbem Wege wieder aufgegeben zu werden. Als der Frank gar zu tief sank, griff man in die 100-Millionen- Dollaranleihe, die ihm von Morgan gewährt worden war. Zuerst mit Erfolg; aber, als so etwa 30—40 Millionen Dollar für die Stützungsaktion vertan waren, bekam man es mit der Angst zu tun, hörte damit auf und — die Franzosen waren um eine Erfahrung reicher, die wir ja schon längst gemacht hatten: derartige Maßnahmen wie eine Währungsstützung mit Hilfe einer ausländi- fchen Valutenanleihe oder mit Hilfe des eigenen Gold- und Devisenvorrats ist nur dann von Erfolg, wenn es sich um eine vorübergebende Währungserschütterung handelt, nicht aber dann, wenn das Vertrauen zur eigenen Währung im Ausland und drinnen hoffnungslos untergraben ist.
Der neue Franksturz fchuf neue Pläne: gemeinsames Vorgehen von Frankreich, Belgien und Italien zur Frankstützung, vielleicht darüber hinaus eine wäh- rungspolitische ausbalancierte Wiederherstellung der lateinischen Münzunion. Die Dinge liegen ja so, daß Italien unter großen Mühen und Opfern die Lira auf etwa Einfünftel ihres Vorkriegswertes stabilisierte, daß dagegen der belgische Frank das Herauf und Herunter der französischen Währung stetig, wenn auch mit geringeren Ausschlägen, mitmachte. Man hat sich aber weder in Brüssel noch in Rom bezw. Mailand irgendwie gescheut, durch Verkäufe den Sturz des Franken zu beschleunigen.
Im Kreise der ehemaligen lateinischen Münzunion ist ja nur noch der Schweizer Frank eine „Edelvaluta", die anderen sind notleidend; zum mindesten Frankreich und Belgien brauchten es nicht zu sein bei energischem Wollen. Sogar das kleine, wirtschaftlich unmögliche Österreich hat ja seine Währung derart in Ordnung gebracht, daß jetzt endlich die internationale Finanzkontrolle beseitigt wird, Die eigentlich schon vor Jahresfrist ausgehoben worden wäre, wenn sich die Entente an ihre Versprechungen ge-
Sie Umgestaltung des Viliertudrstes
Der Ksmpf am die Aaifitzs.
Österreich ohne Völkerbundkontrolle.
Der Bölkerbundrat nahm eine von Chamberlain als Berichterstatter des Ratkomitees für Österreich vorgelegte Entschließung an, wonach die Tätigkeit des Generalkom- missars und die Kontrolle selbst mit dem 30. Juni 1926 zu Ende gehen, da die finanzielle Stabilität Österreichs nunmehr gesichert ist. Chamberlain erinnerte an die außerordentlich schwierige Aufgabe, die der Völkerbund im Oktober 1922 bei Einleitung des finanziellen Sanrerungs- werkes in Österreich übernahm. Er dankte der österreichischen Regierung und dem österreichischen Volke für die loyale Mitarbeit, gedachte der Mitarbeit des früheren Bundeskanzler S e i p e l und dankte schließlich dem Generalkommissar des Völkerbundes, Zimmermann. Diesen Worten des Dankes und der Anerkennung schlössen sich an Scialoja, der einen Teil des Verdienstes für Italienin Anspruch nahm, B e n e s ch, der die Zusammenarbeit Österreichs mit der Tschechoslowakei bei der Durchführung des Sanierungswerkes betonte und es als einen Prüfstein für den Völkerbund bezeichnete. Schließlich dankte Bundeskanzler R a m e k dem Völkerbund und allen Beteiligten für den geleisteten Beistand bei Durchführung des Sanierungswerkes. Er schloß mit der Erklärung: Unsere Wirtschaftleidet noch i m m e r. Sie ist ungünstig beeinflußt durch die Krise, die in anderen europäischen Staaten herrscht. Unsere Bemühungen gehen dahin, unsere Lage schrittweise zu verbessern. Die österreichische Regierung hofft, daß sie bei der Erfüllung dieser Aufgabe eine Stütze erhalten wird durch die finanzielle und wirtschaftliche Konsolidierung in Europa.
Um zur Frage der Reform des Völkerbundrates Stellung nehmen zu können, wurde diese Materie zunächst in einer nichtöffentlichen Sitzung behandelt. Die Angelegenheit scheint noch gänzlich ungeklärt zu sein. Das geht
Ratsfrage beschäftigen. Vor allem scheinen Brasilien und Spanien nach wie vor Schwierigkeiten zu machen. Der Havasvertreter in Genf berichtet über die Beratungen, die zwischen Chamberlain und Briand über die Frage der Umgestaltung des Völkerbundrates geführt wurden. Die Krise, die durch die Haltung Brasiliens und Spaniens entstanden sei, fei eingehend besprochen worden. Man habe das Problem nach allen Richtungen erörtert und sestgestellt, daß es täglich verwickelter werde. Man müsse also den interessierten Ländern, nämlich Spanien und Brasilien, die Sorge überlassen, zuerst ihre endgültige Haltung Lundzugeben. Spanien habe, nachdem es zuerst erklärt habe, sich im Verlaufe dieser Völkerbundtagung nicht vertreten zu lassen, einen Vertreter entsandt. Man wisse aber nicht, was es morgen tun werde. Brasilien scheine keinen solchen festen Standpunkt eingcnom- men zu haben. Briand und Chamberlain feien deshalb der Ansicht, daß der Prüfungsausschuß, der über die Erweiterung des Bölkerbundrates verhandelt hat, nicht wie vorgesehen am 28. Juni zusammen- treten soll. Dagegen werde der Bölkerbundrat im August vor der Völkerbundtagung im September eine So n Vertagung abhalten, um die Krise zu entwirren, bevor aufs neue die Frage der Zulassung Deutschlands vor den Völkerbund komme. Auf den: Wege der diplomatischen Verhandlungen wolle man in der Zwischenzeit den Versuch machen, die bestehenden Schwierigkeiten zum Besten eines jeden Landes und des Völkerbundes zu regeln.
Interessant in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, daß Primo de Ribera, der Diktator Spaniens, in einer Unterredung Spaniens Standpunkt zum Völkerbund dahin festgelegt hat, daß angesichts der Verdienste Spaniens um den Völkerbund Spanien das Recht auf einen ständigen Sitz im Völkerbundrat habe. Wenn Spanien daher ernste Hindernisse bei Erreichung dieses Zieles in den Weg gestellt würden und wenn es sehe, daß ihm die Tür vor der Nase Angeschlagen werde, so würden die Spanier
verständlich; aber sie dürfte längst nicht so hart werden wie die deutsche. Doch scheint man gerade davor einige Angst zu haben!
Zurzeit ist die Differenz zwischen dem französischen bzw. dem belgischen Frank und der italienischen Lira nicht sehr erheblich, denn man zahlt für 100 Frank etwa 12,50 Mark, für 100 Lire aber 15,50 Mark. Wenn also eine Ausbalancierung der Währungen nfolgen soll, so muß die französische und die belgische erst »inmal wieder verbessert werden. Es fragt sich aber trotz- bem, ob für eine gegenseitige Stützung beim Absinken der Währung eines dieser Länder die notwendigen Mittel da sind, um etwa in Mailand und Brüssel als Frankkäufer austreten zu können, wenn die französische Währung Tendenz nach unten zeigt. Das würde doch ein derartiges intimes Zusammenarbeiten der drei Staatsbanken zur Voraussetzung haben, daß es vor allem auch nicht ohne ein engeres politisches Zusammengehen bleiben kann. Wie aber gerade in Frankreich die politische Entwicklung vielleicht schon der nächsten Tage sein wird, läßt sich bei den immer lauter werdenden Krifengerüchten in Paris kaum sagen: es sott ein Eingreifen der Rechten bevor- stehen, was nicht bloß innerpolitisch bedeutsam wäre, sondern auch die ganze außenpolitische Situation außerordentlich beeinflussen würde; eine Entwickelung übrigens, durch die Frankreich sicherlich wieder enger an Italien herangeführt würde.
So hat dieser Plan eines währungspolitischen Zusammengehens jener drei Mächte manches Vorteilhafte für sich, ist aber doch an die vorherige Erfüllung recht schwieriger Voraussetzungen geknüpft; und ob diese Hindernisse beseitigt werden oder beseitigt werden können, dafür hat jedes einzelne Land zu sorgen.
Deutscher Reichstag.
Kassen überlassen, ob die Krankenversscherungspflichlgrenze der Angestellten erhöht werden soll.
Unter Ablehnung des Antrages Haedenkamp und des , e r sowie verschiedener Änderungsanträge wird der Abschnitt über die Krankenversicherung mit dem Antrag Gerig gegen die Sozialdemokraten und Kommunisten angenommen.
Antrages A u
Zu dem Abschnitt der Pensionsversicherung liegen zahlreiche Änderungsanträge vor, über die teilweise namentlich ob gestimmt wurde. Es blieb aber im allgemeinen bei den Beschlüssen des Ausschusses.
Giaatsmmister a. L). v. Loebelh dessen Veröffentlichung eines Briefes des Reichspräsidenten an ihn über die Fürstenenteignungsfrage so großes Aufsehen erregte und die innerpolitische Situation stark
(209. Sitzung.)
CB. Berlin, 9. Juni.
In der Fortsetzung der zweiten Beratung der Novelle zum Reichsknappschaftsgesetz wurde zunächst der Artikel 1 der Vorlage in der Ausschußfassung angenommen. Dagegen stimmten nur die Kommunisten. In der Einzelberatung wurde ein Antrag Leopold (Dtn.) angenommen, wonach für die ausscheidenden Betriebe der Arbeitgeber eine angemessene Entschädigung von bereits laufenden Pensionen ehemaliger Versicherter und für die in den ausscheidenden Betrieben erworbenen Anwartschaften der Versicherten zu leisten hat.
Dann begründete Abg. Haedenkamp (Dtn.) einen Antrag, wonach die Beziehungen zu den Ärzten durch schriftliche Kollektivverträge zwischen den Kasten und den örtlichen kassenärzt- lichen Organisationen geregelt werden sollen.
Abg. Aushäuser (Soz.) fordert, daß mindestens alle Angestellten, die der Angestelltenversicherung unterliegen, auch der Krankenversicherung der Knappschaftskassen angehören müssen.
Abg. Dr. Moldenhauer (D. Vp.) lehnte für alle Regierungsparteien den Antrag Dr. Haedenkamp ab. Die Entscheidung über die freie Arztwahl müsse der Reform des Allgemeinen Krankenversicherungswesens Vorbehalten bleiben.
Abg. Frau Blum (Komm.) verlangte die Gleichstellung der unehelichen mit den ehelichen Kindern in der Farmlienhilfe.
Abg. Gerig (Ztr.) will es der Satzuna der einzelnen
anspannte. Im Reichstage haben die K o m m u n i st e n im Anschluß an diese Veröffentlichung eine Interpellation und einen Mißtrauensantrag gegen die Regierung ern- gebracht.
(182. Sitzung.)
prÄrhiWer LaNKiag.
tt. Berlin, 9. Juni.
Das Haus setzt die zweite Beratung des I u st i z e t a t Z fort. Abg. Dr. Körner (Volk.) fürchtet, daß durch eine zu große Mechanisierung der Rechtspflege eine Verfluchung eintritt. Ei trägt dann Beamtenwünsche vor und verlangt u. a. Wiedereinführung der Vierteljahrsgehaltszahlung sowie Durchführung der Beförderungen ohne parteipolitische Rücksichten. Gegenwärtig würden unter Verletzung der Verfassung völkische und vaterländische Richter, Staatsanwälte und höhere Justiz- beamte zurückaeseüt. ....._
Staatssekretär Fritze weist die Angriffe des Vorredners zurück. Die Justizverwaltung denke nicht daran, parteipolitisch 1.......‘ - Parlamentarier.
Vorzugehen, und bevorzuge keinen Parla Abg. Heilmann (Soz.) weist Angriffe genossen Kuttuer zurück, besonders den
Abg. Heilmann (Soz.) weist Angriffe gegen seinen Parteigenossen Kuttuer zurück, besonders den, ein sozialdemokra- tischer Redner fei nur objektiv gewesen bei der Kritik an der Justiz. Tatsächlich werde die Justiz politisch korrumpiert überall da, wo eine Reichsregierung am Ruder sei.
Die Aussprache wird unterbrochen zur Wiederholung der namentlichen Abstimmung über den Antrag der Deutschen Volkspartei, der Demokraten und der Sozialdemokraten über die Reichsratsstimmen, bei der sich am Vortage die Beschlußunfähigkeit herausgestellt hatte, da Zentrum, Deutsch- nationale, Völkische und Wirtschaftspartei keine Zettel abgegeben hatten. Wiederum ist
das Haus beschlußunfähig, da sich dieselben Parteien nicht an der Abstimmung beteiligen. Es wurden nur 188 Stimmen abgegeben.
In der sofort anberaumten neuen Sitzung wird noch der Rest der zweiten Beratung des Haushalts der Seehandlung erledigt. Hierauf wird die Justizdebatte wieder ausgenommen. Abg. Dr. Kaufmann (Dtn.) bezeichnet als wichtigste Aufgabe der Justiz die Sicherung des Rechtsstaates. Das Rechtsgefühl unseres Volkes hat außerordentlich gelitten. Wir weisen die Angriffe der Linksparteien gegen die Organe der Justiz, namentlich der Gerichte, energisch zurück. Die Erschütterung des Rechtsbewutztseins in weiten Kreisen ist besonders auf diese Angriffe zurückzuführen. (Große Unruhe im Hause; anhaltende Zwischenrufe links.)
Abg. Menzel-Halle (Komm.) stellt mit Genugtuung fest, daß die Sozialdemokratie durch den Mund des Abg. Heil- Mann jetzt endlich zugäbe, daß eine Milderung des Strafvollzugs an Max Holz einzutreten habe, und verlangt grundsätzlich eine Reform des Strafvollzugs. Vor allem müßten die Gefangenen für ihre Arbeit besser bezahlt werden.
Abg. Stcndel (D. Vp.) erklärt,daß seine Partei immer zu- gegeben habe, daß Mißgriffe bei der Justiz vorkommen können. Das liege an der menschlichen Uuvollkommenheit. Der preußische Richterverein habe sich immer auf denselben Standpunkt gestellt. Mit Recht hätten die ungualifizierbaren Angriffe auf die Justiz zurückgewiesen werden müssen. Die Politik darf nicht in die Justiz hinein.
Nach einigen weiteren Bemerkungen vertagte sich das Haus.
Dsr $a0 Lessing.
Verschärfung des Konflikts.
Die Fraktion der Deutschen Volkspartei des Preußischen Landtags hat zum Fall Lessing einen Antrag eingebracht, in dem das Staatsministerium ersucht wird, an der Technischen Hochschule Hannover mit möglichster Beschleunigung einen Lehrstuhl für Philosophie zu errichten und mit einer hervorragenden geeigneten Persönlichkeit zu besetzen. Dieser Antrag richtet sich gegen Professor Lessing, der an der Technischen Hochschule in Hannover eine außerordentliche Professur für Philosophie innehat. Professor Lessing soll auf diese Nachricht hin alle Verhandlungen, den jetzt bestehenden Konflikt auf gütlichem Wege aus der Welt zu räumen, abgebrochen haben.
.Die Fraktion frägt fernerdas.Staatsministerium,