Hersftlöer Tageblatt
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Reisfelder Kreisblatt"
Amtlicher Mnzeiger für den Kreis Reisfeld
Nr. 130
Montag, den 7. Juni 1026
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76. AahrstWg
Sie -euWen Iffchöse zur Enteignung.
Gerechtigkeit, keine Vergewaltigung.
Die Bischöfe der katholischen Diözesen veröffentlichen eine Kundgebung zu der Frage der Fürstenenteignung, in der gesagt wird, die Haltung der kirchlichen Autorität sei keineswegs eine einseitige zugunsten der Besitzenden. Auf diesem Standpunkt beharrend, erachten die in der Ful- daer und der Freisinger Bischofskonferenz vereinigten Oberhirten den Zeitpunkt für gekommen, der Verwirrung sittlicher Grundsätze entgegenzutreten, die aus Anlaß der Frage der Fürstenabfindung in weitesten Kreisen Boden gefunden hat und durch die Agitation immer mehr gesteigert werde.
Es heißt dann u. a. weiter: „Wer Gerechtigkeit für jeden fordert, darf sie den Fürstenhäusern nicht verweigern. Es ist nun allerdings nicht Sache der bischöflichen Autorität, in den Einzelfällen zu entscheiden, welche Stücke seitherigen fürstlichen Besitzes nach ihrer Herkunft und ihrem rechtlichen Charakter als Privateigentum und welche als Staatseigentum anzusprechen sind. Es ist auch nicht Sache der bischöflichen Autorität, in jedem Einzelfalle abzumessen, inwieweit die Rücksicht auf die wirtschaftliche Bedrängnis und die kulturellen Bedürfnisse des Volkes ein besonderes Entgegenkommen verlangen, ein Entgegenkommen, das unbestreitbar in dieser Zeit allgemeiner Not auch zahllosen anderen Besitzenden als ernste Pflicht obliegt. Aber dagegen erheben die Bischöfe ihre Stimme, einem Fürstenhause jene Rechte abzusprechen, die jedem Menschen, jedem Staatsbürger und jeder Familie zustehen — jene Rechte, die durch das Sittengesetz geschützt sind und die auch in der Verfassung Anerkennung gefunden haben. Eine rechtswidrige Vergewaltigung würde erfolgen, wenn eine unzulässige und ungerechte Enteignung durchgeführt würde. So ist als unzulässig eine Enteignung zu bezeichnen, die und soweit sie ohne Rot, ohne gerechte zwingende Gründe erfolgt. Un- ,gerecht würde sie sein, wenn sie ohne solche Entschädigung erfolgen würde, die als angemessen zu betrachten ist unter Berücksichtigung des wirklichen Wertes einerseits und der Verhältnisse des tu schwerer Krise befindlichen Volkswohles andererseits. Unsere Diözesanen erwarten mit Recht, daß die Oberhirten warnend und mahnend mit aller Offenheit erklären, daß die Vergewaltigung der Rechte der Fürstenhäuser ebenso wie die Vergewaltigung der Rechte anderer unvereinbar ist mit den Grundsätzen des christlichen Sittengesetzes."
KemsÄUSfchLLß Hss Michsiages.
Auf unbestimmte Zeit vertagt. ,
Bei der Fortsetzung der Zeugenvernehmungen wurde der Schriftsteller F r a n z v o n P u t t k a m e r vernommen, der seit dem Jahre 1922 in München als Korrespondent demokratischer Blätter tätig war. Der Zeuge wies den Vorwurf zurück, durch Überwachung der Vaterländischen Verbände gespitzelt zu haben, er erklärte aber, daß er als Journalist und pflichtbewußter Republikaner sich um das Treiben der Vaterländischen Verbände habe kümmern müssen. Wer ihn kannte, habe infolge seines Namens angenommen, daß er für die vaterländische Bewegung tätig sei. Der Zeuge sagt aus, er habe sich im Wesentlichen um Aufschlüsse über den gegen Scheidemann bestehenden Mordplan bekümmert und deswegen Verbindung mit dem vielgenannten B a u r gesucht. Baur ist später ermordet worden. Auf Fragen, ob Zeuge von Puttkamer für seine Ermittlungstätigkeit von irgendeiner Stelle Geld erhalten habe, erklärt der Zeuge, daß er lediglich für seine journalistische Tätigkeit von den betreffenden Zeitungen bezahlt worden fei. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob der Zeuge von Behörden Aufträge zur Überwachung der Vaterländischen Verbände gehabt habe, antwortet er verneinend.
Der Zeuge hat einen scharfen Zusammenstoß mit dem Ausschußmitglied Abg. S ch ä f f e r (Dtn.), als dieser ihn eingehend befragt. Zeuge von Puttkamer ruft dem Abg. Schäffer zu: „Sie wollen mit Ihren Fragen ablenken und in Abrede stellen, daß Sie Mörder gegen unsere Führer schicken!" Abg. Schäffer erklärt: „Der Zeuge hat mich „Mörder" genannt. Ich bin nicht in der Lage, weiter an den Verhandlungen teil- zunehmen, wenn nicht in dieser Beziehung etwas geschieht." Der Ausschuß beschloß, dem Zeugen eine scharfe Rüge zu erteilen und von einer Bestrafung nur darum abzusehen, weil es sich um eine plötzliche Entgleisung handelte. Der Vorsitzende erteilt dem Zeugen die Rüge und ersucht ihn, sich weiterhin zu mäßigen. Bei weiteren Fragen des Abg. Schäffer protestiert der Abg. Landsberg (Soz.) dagegen, daß ein Ausschußmitglied die Rolle des Vorsitzenden übernehme. Der Vorsitzende Dr. S ch ä f f e r (Ztr.) weist den Protest zurück. Auf weitere Fragen des Abg. Schäffer bestätigt der Zeuge, daß er eine Zeitlang in der Preußischen Pressestelle beschäftigt war, er habe dort mit niemand über Aufträge für München verhandelt, Wohl aber auch seinem Chef Goslar von seiner politischen Tätigkeit erzählt. Einmal habe er auch Minister S e v e r i n g Vortrag gehalten. Aufträge oder Geldmittel habe er von niemandem erhalten.
Auf die Vernehmung des Bruders des Zeugen von Puttkamer verzichtet der Ausschuß. Es werden lediglich noch ein Kriminalkommissär und zwei Münchener Staatsanwälte vernommen, die in der Mordsache Baur tätig gewesen sind. Der Zeuge Staatsanwalt Stumpf-München gibt feiner Vermutung dahin Ausdruck, daß Baur ermordet worden sei, weil er mit Puttkamer in Verbindung stand, die man im Blücherbund für verdächtig hielt. Hierauf wird die Verhandlung vertagt und die Anberaumung der nächsten Sitzung dem Vorsitzenden überlassen. ” —"->>>^^t ,
Abschluß der Lübecker KeLer.
Der große Festzug.
. Mit dem großen historischen F e st z u g, der sich über viele Kilometer ausdehnte und mehrere Stunden brauchte, um an den Tribünen vorbeizumarschieren, war der Höhepunkt der Feier erreicht. Viele Tausende waren zu dem tKreignis aus Nah und Fern berbeiaektrömt. Zünfte.
Streit um Dr. Dorpmüller
Dr. Dorpmüller
Dr. DorpmMer Leiter -erAeichBahn
Noch keine Entscheiduna der Reicksreaieruna.
Bom Verwaltungsrat der Reichsbahngesellschaft ist der bisherige stellvertretende Generaldirektor, Dr. Dorp - Müller, als Nachfolger Oesers zum Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesellschaft gewählt worden. Als Grund für diese schnell erfolgte Neuwahl wurde bekannt- gegeben, daß die Lage des Unternehmens die sofortige Neuregelung der Leitung erfordert. Dorpmül- lers Nachfolger wird der bisherige Direktor der Personalabteilung, Dr. Wei- rauch. Die Wahl muß noch durch den Reichspräsidenten bestätigt werden.
Nach der Wahl Dr.Dorp- müllers ist ein Streit darüber entstanden, ob das Reichskabinett bzw. der Kanzler von der Wahl Dorpmüllers vorher unterrichtet war. Diese Meinungsverschiedenheiten scheinen sich dahin aufzu- klären,daß zwar der Reichskanzler gestern nachmittag unmittelbar vor der Ka
binettssitzung durch ein Mitglied des Verwaltungsrats persönlich von der Absicht des Verwaltungsrats unterrichtet worden ist, daß aber das Kabinett als solches keine Kenntnis von der geplanten Wahl gehabt hat. Aus diesem Anlaß hat auch der Staatssekretär der Reichskanzlei dem Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesellschaft ein Mcoreioen »oermirrerr, in oem rnirgetmtt werd, vaß- das Reichskabinett von der durch den Verwaltungsrat vorgenommenen Wahl des neuen Generaldirektors Kenntnis genommen hat. Die Reichsregierung, so heißt es weiter in dem Schreiben, die nicht in die Lage versetzt worden ist, vor erfolgter Wahl zu den für die Nachfolge in Frage kommenden Persönlichkeiten irgendwie Stellung zu nehmen, muß sich ihre Entscheidung vorbehalten. Sie wird sich erst, nachdem der verstorbene Generaldirektor seine letzte Ruhe gefunden hat, mit der Angelegenheit beschäftigen.
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Dr. Dorpmüllers Werdegang.
Dr. Dorpmüller wurde am 24. Juli 1869 in Elberfeld geboren, besuchte das Gymnasium und die Technische Hochschule in Aachen und wurde 1898 Regierungsbaumeister. Bis 1907 war er in der Preußischen Eisenbahnverwaltung tätig, längere Zeit im Eisenbahndirektionsbezirk Saarbrücken. Im Jahre 1907 ging er zur Schantungeisenbahn nach Tstngtau und wurde bald darauf Chefingenieur der kaiserlich-chinesischen Staatsbahnen. Unter seiner Leitung wurden hervorragende Bahnbauten in China ausgeführt. Er wurde bald der Leiter des gesamten chinesischen Bahnwesens. Das chinesische Bahnwesen leitete er elf Jahre lang bis zum Eintritt Chinas in den Weltkrieg im Jahre 1917. Im Jahre 1918 gelang es ihm auf einer abenteuerlichen Flucht, sich durch die Mandschurei, Sibirien und Rußland nach Deutschland durchzu- schlagen. Sofort nach seiner Ankunft wurde er zur Organisation der Transkaukasischen Bahnen nach Tiflis geschickt, wo er bis Kriegsende wirkte. In den darauffolgenden Jahren war er als Oberbaurat Dezernent bei den Eisenbahndirektionen Essen und Stettin. 1922 wurde er Präsident der Reichsbahndirektion in Oppeln. Im September 1924 wurde er Präsident der Eisenbahndirektion in Essen. Als Eisenbahnsachverständiger nahm er an den Beratungen über das Dawes-Gutachten in London und Paris teil. Am 1. Juli 1925 wurde er stellvertretender Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesellschaft. Wegen seiner Verdienste um das deutsche und ausländische Eisenbahnwesen ernannte ihn im Dezember 1925 die Technische Hochschule in Aachen zum Dr.-Jng. ehrenhalber.
Der Reichseisenbahndirektor.
, Durch den Tod des Reichseisenbahndirektors O e s e r und die bereits geschehene Wahl seines Nachfolgers werden die Aufgaben dieses wichtigen Vostens wie die
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Vereine und viele Taufende'von Mitwirkenden hatten sich zur Verfügung gestellt, um die historischen Geschehnisse der sieben Jahrhunderte seit der Verleihung der Rerchs- freiheit in künstlerischen Bildern darzustellen.
Lübeck kann mit Befriedigung auf seine 700-Jahr- Feier zurückblicken, sie ist glanzvoll vorbeigegangen. Der Sonnabend war dem Geistesleben und der Kunst gewidmet. Thomas Mann sprach im Stadttheater über „Lübeck als geistige Lebensform". Ferner hrelt Reichsarchivar Dr. Helge A l m q u i st aus Sockholm einen Vortrag über ältere Beziehungen zwischen Schweden und Lübeck und Senator Nevanlinna aus Helsingfors einen Vortrag über finnische Art und hansischen Geist. — Thomas Mann ist vom Lübecker Senat zum Professor ernannt worden. .......
Wünsche, die sich an ihn knüpfen, wieder besonders in den Vordergrund gerückt.
Preußischer Eisenbahnminister zu sein, war früher, da diese Bahn an die 500 Millionen Mark Überschüsse brächte, der Betrieb tadellos funktionierte und es so gut wie gar keine Verkehrskonkurrenz anderer Art gab, eine durchaus nicht unangenehme Sache. Aber jetzt, Generaldirektor der Deutschen Reichsbahngesellschaft. . . . ! Er steht zwischen den Ententeforderungen, die auf höchstmögliche Einnahmen drängen, und den Protesten der hart bedrängten deutschen Wirtschaft, die unter den Tariferhöhungen und -lasten ächzt. Die letzten Monate haben leider die Einnahmen der Reichsbahn so weit herabgedrückt, daß aus den aufgesammelten Überschüssen der Vormonate die Reparationszahlungen aufgefüllt werden mußten.
Die also notgedrungen „fiskalistische" Politik der Reichsbahn bringt den Generaldirektor aber auch von der sozialpolitischen Seite her ins Gedränge. Die fortdauernden Lohn- und Arbeitskonflikte innerhalb der Reichsbahn, überall soll — und muß — gespart werden. Ob es aber immer in der richtigen Art geschieht, bleibt umstritten. Und der neue Generaldirektor steht in den kommenden Jahren ja vor der unlösbar erscheinenden Ausgabe, die schnell emporsteigenden, 1928/29 nicht weniger als 1050 Millionen betragenden Reparationsverpflichtungen her- auszuwirtschaften, obwohl die Aufbringung der jetzigen 590 Millionen schon Mühe genug macht. Außerdem besitzt die Reichsbahn längst nicht mehr das Verkehrsmonopol; das Auto macht ihr eine überaus empfindliche, finanziell sehr fühlbare Konkurrenz. Eine rasche Modernisierung des Betriebes, die erhebliche Ersparnisse veranlassen könnte, etwa eine Umstellung auf elektrischen Betrieb, ist schon deswegen unmöglich, weil sie nur 'durch die laufenden Einnahmen bewerkstelligt werden könnte; denn die Eisenbahn ist ja durch ihre Obligationenschuld von zwei Milliarden und die Begebung von elf
Hände Der Entente derart stark belastet, daß sie neue Anleihen kaum oder nur in sehr geringem Maßstab aufnehmen kann.
Dem Generaldirektor sind also die Ellenbogen ziemlich eng zusammengeschnürt; nach einer Richtung hin hat er allerdings Bewegungsfreiheit: der Reichstag hat ihm praktisch nichts mehr zu sagen, kann nur — durch den Verkehrsausschuß und die Regierung — Wünsche geltend machen. Denn die Reichsbahn ist ja zur Privatfirma mit öffentlichen Rechten geworden. Die Oberleitung hat der Verwaltungsrat von zehn Mitgliedern, der auch, wie bas jetzt geschehen ist, den Generaldirektor ernennt. Unter seiner Aufsicht steht der Vorstand, d. h. der Generaldirektor und mehrere Direktoren; alle sind auf drei Jahre ernannt, und die Wahl des Generaldirektors, der also nur dem Verwaltungsrat verantwortlich ist, bedarf der Bestätigung durch den Reichspräsidenten; abgesetzt werden kann er auch nur durch den Verwaltungsrat. Er gehört aber nicht dem Verwaltungsrat an.
Personell wird der Reichsbahndirektor nun eingeengt durch die Tätigkeit des Treuhänders, der die für die Ententegläubiger einkommenden Zahlungen verwaltet, und durch den Eisenbahnkommissar, den man als eine Art eisenbahntechnischen Sachverständigen des Treuhänders bezeichnen kann, der aber sofort zum absoluten Beherrscher der Deutschen Reichsbahn wird, wenn die Zahlungen aus Grund des Dawes-Plans nicht mehr geleistet werden können. Er tritt dann an die Stelle des Generaldirektors. Das Reich seinerseits hat nur das Recht, die Bilanz, also die Gewinn- und Verlustrechnung der Eisenbahngesellschaft, nachzuprüfen und außerdem noch einen gewissen Einfluß auf die Tarifgebarung. Aber leider keinen entscheidenden. Und doch ist zu wünschen, daß die deutsche Wirtschaft durch ein Entgegenkommen in der Tarisgestal- tung so unterstützt wird, wie das angesichts unserer schweren wirtschaftlichen Notlage erforderlich ist. Es muß berücksichtigt werden, daß die Eisenbahn als Verkehrsinstrument auf Gedeih und Verderb vom Ergehen der Wirtschaft abhängig ist. Für die Erhaltung der Absatzfähigkeit im Ausland sind aber die Tarife von ganz ge-" waltiger Bedeutung.
Der neue Generaldirektor wird es nicht leicht haben, so zu wirtschaften, daß er den Zahlungsverpflichtungen gerecht wird, daß aber vor allem die deutschen wirtschaftlichen Bedürfnisse gebührende Berücksichtigung finden.
österreichischer Anschluß an den Deutschen Kirchenbund.
Geldspende für bi" österreichische Bruderkirche.
Der in Eisenach versammelte Deutsche Evangelische Kirchenausschuß hat soeben den Antrag der österreichischen evangelischen Kirchen auf Anschluß an den Deutschen Kirchenbund vorbehaltlich noch zu erledigender Formalitäten einstimmig genehmigt. Ihrer besonderen Freude hat die oberste Vertretung der Deutschen Landeskirche dadurch Ausdruck gegeben, daß sie der österreichischen Bruderkirche für einen von ihr zu bestimmenden Zweck eine Geldspende als Morgengabe überwies. ^E^.