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Kersfelöer Tageblatt

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Nr. 125

Dienstas, den 1. Juni 1926

76. Jahrgang

Militärrevolutionen.

Also gleich zwei geglückte Militärrevolten, in P o l e n und in Portugal! Das erregt etwas Erstaunen in einem Zeitalter, das sich mit Vorliebe antimilitaristisch einstellt, weil es so sichtbar unter dem Weltkrieg gelitten hat. Militärrevolten, die schließlich durch irgendeine Form rechtens werden, weil sie schließlich den Erfolg auf ihrer Seite hatten. Militärrevolten, die diesmal sich in Repu­bliken abspielten, nicht wie in Italien 1921 in einem Königreich. Denn Mussolinis Marsch nach Rom war letzten Endes ein Kampf mit Hilfe militärisch organi­sierter Kräfte; in Spanien und Griechenland aber errang das Heer als solches den Sieg.

Für den Erfolg einer Revolution ist die Persönlich­keit des Führers zwar nicht das Entscheidende, sie spielt aber immerhin eine wesentliche Rolle. Portugal ist ein Herd fortwährender politischer Unruhen des politisierenden Heeres gewesen. Der bis­herige Ministerpräsident M. da Silva stützte sich im Senat und im Unterhaus auch auf die stärkste Partei, die Demo­kraten jetzt hat er trotzdem dem siegreichen Führer der Revolte, dem Kommandanten Mendes Cabedadas, die Regierung übereignen müssen, die dieser zurzeit noch als tatsächlicher Diktator verwaltet. Neben der Popularität des Führers die Popularität seiner Ziele: Sauberkeit in der Verwaltung, Verringerung der Staatsausgaben und Budgetausgleich, unabhängige Gerichtsbarkeit und aller­hand Maßnahmen zur Hebung der wirtschaftlichen Not. Dauben aber auch einemilitaristische" Note: Reorgani­sation von Heer und Flotte auch in technischer Hinsicht. Es wird hier wohl nicht lange dauern, bis sich Senat und Unterhaus entschließen werden, dem siegreichen Heer­führer das Amt der Präsidentschaft in die Hände zu legen, also seine Revolte zu legalisieren. Er hat eben den Er­folg für sich.

9(m Erfolg selbst schuld sind wie in Polen -- Nicht zum mindesten die Parteien, die in Portugal freilich ein ^^^ fei

schuld ist vielleicht auch ine Ruckstrahlung vom östlichen Nachbar, von Spanien aus, wo seit dem September 1923 das Militärdirektorium Primo de Riberas herrscht, jetzt nun aber den großen marokkanischen Erfolg errungen hat.Das i st mein Mussolini," sagte damals nach dem Staatsstreich der König Alfons, als er den Diktator dem italienischen Hofe vorstellte. Die all- aemeine Unzufriedenheit mit dem Parla - m e n t ist in Italien und Griechenland, in Spanien und jetzt auch in Polen und Portugal die Grundlage für den Erfolg des Staatsstreiches gewesen. Die Unversöhnlichkeit der Parteigruppen, die sich in fast gleicher Stärke gegen- überstanden, machte das Parlament arbeitsunfähig. Denn diese Parteigruppen zerfallen ja in all diesen Staaten ebenso ja auch in Frankreich wieder in Parteien und Parteichen, die sich um bestimmte Führer und solche, die es sein wollen zusammenschließen. In deren Spiel findet sich dann die Nation einfach nicht mehr zurecht und wird daher leicht das Opfer eines energischen Militärs, namentlich dann, wenn sie annimmt, daß er mit keiner dieser Parteien etwas zu tun hat oder zu tun haben will.

Nun ist der ganze Süden Europasmili­tärisch" regiert, aber der Osten ist es auch. Be­deutet dies, was längst überholt schien, vielleicht doch eine neuen politischen Ära? Dann kann sich Europa bei jenen Herren bedanken, die in Versailles die Grundlage zu der Zerrüttung unseres Erdteils legten. ........

Ernste Rüge für oberpräfident SSrsiag.

Ein Nachspiel zum Nürnberger Reichsbannertag.

In einer Versammlung des Reichsbanners Schwarz- Rot-Gold in Nürnberg war Oberpräsident Hörsing, der Bundespräsident des Reichsbanners, auf die Flaggenver- ordnung des Reichskanzlers Dr. Luther zu sprechen ge­kommen. Über seine Rede waren in der Öffentlichkeit widersprechende Nachrichten aufgetaucht. Besonders hatte es Mißfallen erregt, daß Hörsing davon gesprochen hatte, daß bei vielen Volksgenossen durch die Flaggenverord- nung der Eindruck erweckt worden sei, daß Reichskanzler Dr. Luther den Reichspräsidenten verleitet habe, einen Schritt mit seiner Unterschrift zu decken, der als Verfassungsbruch empfunden werde.

Aus eine in dieser Angelegenheit an die preußische Regierung gerichtete Anfrage der Deutschen Volkspartei hat Ministerpräsident Braun nunmehr die Antwort er­teilt. Der Ministerpräsident teilt darin mit, daß er leider die gewünschte Zurückhaltung, die mit dem Amt eines Oberpräsidenten bei öffentlichen Erörterungen von Maß­nahmen der Regierung verbunden sei, an verschiedenen Stellen der Rede vermisse. Das Staatsministerium hat daher den Oberpräsidenten Hörsing aus das ernsteste gerügt und Vorsorge getroffen, daß sich Oberprastdenl Hörsing in Zukunft bei der Erörterung politischer Ange- legenheiten in der Öffentlichkeit mehr Zurückhaltung aus­erlegt.

Die preußische Regierung hat sich, wie in der Ant­wort noch mitgeteilt wird, auf diese Maßnahmen be­schränkt, weil nach ihrer Ansicht beim Erlaß der Flaggen- verordnung eine Verletzung des Verfassung s - gemäßen Rechtes des Reichsrates Vorgelegen habe, dessen Mitglied Oberpräsident Hörsing ist.

Präsidentenwahl in Polen

All gewählte Hilsodski lehnt ab.

Nochmaliger Zusammentritt der Nationalversammlung.

Die Nationalversammlung in Warschau, die aus dem Sejm und dem Senat zusammengesetzt ist, hat Marschall Pilfudski mit 292 Stimmen zum Staatspräsidenten von Polen gewählt. Der Gegenkandidat Pilsudskis, der Ber- rauensmann der vereinigten Rechtsparteien, Graf Puinski, erhielt 193 Stimmen, während 61 Abgeordnete jid) der Abstimmung enthielten. Die deutschen Abgeord­neten hatten geschlossen für Pilfudski gestimmt. Die Linke nahm die Wahl des Marschalls Johann Pilfudski mit Begeisterung auf. Einige Abgeordnete des Zentrums stimmten beim Verlassen des Saales die Nationalhymne rn.

Während auf den Straßen Warschaus Freudenkundge- bungen der Pilfudski ergebe­nen Organisationen stattfan- sen, ließ der neugewählte Staatspräsident dem Sejm­marschall die Nachricht zuge?. Hen, daß er die Wahl aus verfassungsrechtlichen Beden­ken ablehnen müßte. Pil- sudski schlug vielmehr vor, den Wilnaer Professor Zdzie- chowski oder Professor Mo-

sciski aus Lemberg an seiner Marschall Pilfudski Stelle zum Staatspräsiden­ten zu wählen. Der Marschall fügte hinzu, daß seine Avtey nu n g u n w i o e» ug 11 ch sei.

Grüiie-Lehöer rm Kemeausschuß.

Bericht über den Inhalt der Akten.

Der Feme-Untersuchungsausschuß des Preußischen Land­tages setzte nach der Pfingstpause seine Verhandlungen fort. Zunächst erstattete Berichterstatter Abg. Kuttner (Soz.) den Bericht über den Akteninhalt in Sachen Grütte- L e h d e r. Zwei Momente seien hauptsächlich hervorzuheben: die Frage der

Anstiftung Grütte-Lehders und der Glaubwürdigkeit des Mörders, über das Thema An­stiftung enthielten die Akten so gut wie gar nichts. Die Staats­anwaltschaft habe sich in keiner Weise bemüht, die politischen Zusammenhänge zu prüfen; noch in der Anklageschrift spreche sie nur von Raubmord. Was die Glaubwürdigkeit des Grütte- Lehder angehe, so sei dies ein sehr kompliziertes Thema, weil es ins Psychologische hinübergehe. Der Berichterstatter beschäf­tigte sich dann mit der Person des von Grütte-Lehder ermor­deten D a m m e r s. Dieser Dammers fei ein Hochstapler ge­wesen, der wegen intellektueller Urkundenfälschung, Betruges und anderer Dinge vorbestraft und von einem Feldgericht de­gradiert worden sei. Er sei unter falschem Namen aufgetreten und habe sich einmal sogar für den

Prinzen Oskar von Preußen ausgegeben. Grütte-Lehder habe behauptet, daß Dammers auch mit dem Rathenau-Mörder Techow in Ver­bindung gewesen sei, und man habe in der Tat an ihn ge­richtete Briefe der Brüder Techow gefunden. Dagegen fehle ein im Inhaltsverzeichnis der Akten angeführter angeblicher Brief des früheren Kronprinzen an Dammers; auch mit dem Haus Doorn soll Dammers (oder Müller, wie er sich auch nannte) im Briefchewsel gestanden haben. Mehrere Zeuge be­kundeten, daß ihnen Grütte-Lehder einige Tage vor dem Morde erklärt habe, er habe den Auftrag, den Spitzel Dammers zu töten; die Zeugen haben ihm aber nicht geglaubt und ihn für einen Aufschneider gehalten. Die Anzeige nach der Tat ist gegen Grütte-Lehder anonym telephonisch erstattet worden Darauf wurde Grütte-Lehder verhaftet; da ihm jedoch nichts nachgewiesen werden konnte, wurde er freigelassen und flüchtete dann sofort. Später aber verdichtete sich der Verdacht, daß er doch ein Mörder sei, und da er in Budapest, wo er sich aufhielt, laut und offen über seine Tat sprach, wurde er von neuem verhaftet. Grütte-Lehder, so fuhr der Berichterstatter fort, habe wiederholt erklärt, daß er den Spitzel Dammers

auf höheren Befehl erschießen müsse und habe völkische Abgeordnete belastet. Er habe er­klärt, daß er sich auf seinen Prozeß freue und seine Hmter- männer nennen wolle; es sei dann ein großer politischer Skan­dal zu erwarten. Nach seiner Verurteilung habe Grütte- Lehder aus dem Gefängnis einen Brief an seinen Adoptw- Vater geschrieben, in dem er seiner Freude darüber Ausdruck gibt, daß er vor dem Untersuchungsausschuß des Landtages vernommen werden solle. Damit schließt der Bericht des Abg. Kuttner. ___

Das Schicksal Abd-el-Krims.

Madrid verlangt seine Auslieferung.

Am 30. Mai ist Abd-el-Krim unter starker Bedeckung in Taza, dem Hauptquartier des französischen Ober- kommandierenden General Borchert, eingeliefert worden. Lr wird in Taza bleiben, bis eine Entscheidung über sein Los getroffen ist. Die Übergabe spielte sich ohne jedes Zeremoniell ab, und Abd-el-Krim soll wie jeder andere

yn einem an den SoMmarschaM. Rataj gerichteten Bries spricht Pilsudfti für die Wahl seinen Dank aus. Leider könne er die Wahl nicht annehmen. Zu stark wirke noch auf seine Erinnerung das tragische Geschick des Präsidenten Naratowicz, den er vor seinem schrecklichen Tode nicht habe bewahren können, überdies könne er ohne Arbeit nicht leben und die gegenwärtige Berfassung entrücke den Präsidenten der Arbeit. Es sei deshalb ein anderer Charakter für diesen Posten notwendig. Der Marschall entschuldigte sich wegen der E n t t ä u s ch u n g, die er seinen Anhängern im Land­tage und im Volke bereiten müsse und spricht die Hoff­nung aus, daß unverzüglich eine andere Persönlichkeit zum Präsidenten gewählt werde. _______

Große Erregung in Warschau.

Der Sejmmarschall hat die Nationalversammlung nochmals zum Dienstag einberufen, um die Wahl des neuen Staatspräsidenten vorzunehmen. Der Entschluß Pilsudskis hat in politischen Kreisen eine starke Er­regung hervorgerufen. Die Folgen der Entscheidung Pilsudskis lassen sich zurzeit noch nicht in ihrem ganzen Umfange übersetzen.

Die Polizeibehörden in Warschau hatten für den Wahltag große Vorkehrungen getroffen, um die Ruhe in der Stadt und den Wahlakt sicherzustellen. Das Parla­mentsgebäude war bereits in den frühen Morgenstunden in großem Umfange abgesperrt. Der Sitzungssaal des Landtages, in dem die Wahl des Staatspräsidenten vor­genommen wurde, war bis aus den letzten Platz von Ab­geordneten und Senatoren gefüllt. Allerdings wohnte der letzte Ministerpräsident Witos dem Wahlakt nicht bei. Auch die Diplomaten- und die Presselogen waren dicht besetzt. Der Wahlakt, der unter größter Spannung des Hauses vor? aina, dauerte etwa Stunden. llriegsgesangene behandelt werden. In den nächsten Lagen beginnen in Paris die Verhandlungen zwischen Vertretern der spanischen und französischen Regierung über die in Marokko weiter zu verfolgende Politik.

Eines der Hauptprobleme wird die Frage bilden, vas aus Abd-el-Krim werden soll. Da der Rifführer »nem Stamme angehört, dessen Gebiet in der spanischen Protektoratszone liegt, verlangt man in Madrid, wie schon urz gemeldet wurde, seine Auslieferung, und man macht zar kein Hehl daraus, daß man Abd-el-Krim als ein- achen Rebellen undRäuber" aburteilen will.

Dadurch, daß sich der Rifführer, der fünf Jahre lang gegen die Spanier kämpfte, nicht diesen, sondern den Frar- losen ergeben hat, ist die Lage für Frankreich feinem spa­nischen Bundesgenossen gegenüber etwas heikel.

GkagHrak-Geöenkferern.

In Kiel, Hambürg und Königsberg.

In K i e l fand in der Aula der Kieler Universität eine Skagerrak-Gedenkseier anläßlich des zehnjährigen Jahres­tages der Schlacht statt. Der Stationschef, Vizeadmiral Räder mit seinem Stäbe, Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen, die Offiziere der Marine und der Küsten- wehr, Abordnungen anderer Truppenteile fowie zahl­reiche inaktive Offiziere und Mannschaften wohnten dem Festakt bei. Fregattenkapitän Scheibe (während der Seefchlacht aus PanzerkreuzerLützow") hielt die Ge­dächtnisrede, in der er einen überblick über den Verlauf der Schlacht gab. Vizeadmiral Räder brächte in einer kurzen, von vaterländischem Geiste getragenen Rede ein Hoch auf das deutsche Volk und auf das deutsche Vater­land aus. Im Anschluß an die Feier begann dann der große Zapfenstreich sämtlicher Truppenteile der Garnison Kiel.

Zur Erinnerung an die Skagerrakschlacht veranstaUi ts der deutsche Marineverein von 1877 zu H ambu r .n der großen St. Michaelkirche eine ernste Feier. Vom Senat waren Bürgermeister Dr. Petersen und Staatsrat Dr. S t r u w e erschienen. Außer vielen Offi­zieren und Mannschaften der früheren Marine nahmen Vizeadmiral M e u r e r, Vizeadmiral Jacobson und Vertreter des Hamburger Kriegerverbandes »an der Feier teil.

In Königsberg veranstalteten die ehemaligen Marineangehörigen eine Gedenkfeier, bei der Konter­admiral K ü f e l die Festrede hielt. Unter lebhaftem Bei- fafl wurde die Absendung von Huldigungstelegrammen an den Reichspräsidenten, die Großadmirale von Tirpitz und von Köster und die Admirale Scheer, Hipper und Zenker beschlossen. Ferner fand unter Teilnahme weiter Kreise der Bevölkerung die feierliche Enthüllung eines Denkmals für die gefallenen Marineangehörigen Ost- und Westpreutzens statt.

Zum zehnjährigen Gedenktag der Seeschlacht im Ska- gerrak wurde von dem gegenwärtigen Gesandtschaftsrat bei der deutschen Gesandtschaft in Kopenhagen, Freiherr« von Weizsäcker, der seinerzeit'als Adjutant des Flotten­chefs Admiral Scheer an der Schlacht teilgenommen hat, am Grabe der in Skagen beerdigten deutschen Seeleute, die nach der Schlacht an der dänischen Küste angetrieben worden waren, ein Kranz niedergelegt.