Sers^löer Tageblatt
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Hersfelöer Kreisblatt'
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfelö
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Nr. 123
Sonnabend, den 29. Mai 1926
76. Jahrgang
10 Jahre nach der Skagerraffchlacht
31. Mai 1916.
Seit vielen. vielen Tausenden von Jahren brausen die Stürme über den grauen Wogen der Nordsee, strahlt die Sonne aus die weiten Wasser — doch so furchtbar, sp gewaltig wie am 31. Mai 1916, vor zehn Jahren, krachten noch niemals die Donner über den Wellen, zuckten die Blitze, prasselte ein Eisensturm daher. Die Seeschlacht am Skagerrak! Dort, wo sich die Wasser der Ostsee mit denen der Nordsee vermählen, stand zum erstenmal in der Geschichte eine gewaltige deutsche Flotte mit den Engländern im Kampf und siegte trotz der vierfachen Überlegenheit des Gegners, über dreimal fo groß als die unseren waren die Verluste des Gegners, wie schaurige Fackeln brannten in der Nacht seine vergeblich anrennenden Torpedobootszerstörer. Aber das Ziel, die deutsche Flotte, die „Ratten, die man ausräuchern werde", gänzlich zu vernichten, war in das Gegenteil umgeschlagen.
Fast zwei Jahre hatte es gedauert, ehe die große Seeschlacht kam; nicht an der deutschen Flotte lag die Schuld hieran. Und als der Gegner die Gelegenheit für gekommen glaubte — er war über das Auslaufen und das Ziel der deutschen Schisse leider nur zu gut unterrichtet —, da gelang es der deutschen Führung unter Admiral Hippels Befehl, im Kr.'uzergefecht einen
Admiral Scheer.
raschen Sieg zu erringen, drei englische Panzerkreuzer zu vernichten. Bei der Verfolgung stößt Hippel auf das feindliche Gros, aber bald sind auch die deutschen Linienschiffe heran und die große Seeschlacht hebt an. Von allen Seiten hageln die 38-Zentimeter-Granaten aus die deutschen Geschwader, aber überlegene Führung, überlegene Feuerleitung wie Munition und Material ermöglichen einen zweimaligen Durchbruch. Wieder werden vier englische Panzerkreuzer vernichtet. Und plötzlich flattert am Mast des Flaggschiffes des Admirals Scheer der blutrote Stander „Z", also: „Torpedoboote heran an den Feind!" Wie eine Meute preschen die schwarzen Gesellen heran und schassen Luft. Der englische Admiral Iel - l i c o e vermag aber die Masse seiner Schisse nicht zu meistern, zumal sich seine Verluste mehren.
Und zum zweitenmal macht die deutsche Flotte kehrt, entschlossen, das Schlachtfeld nicht zu räumen, solange noch die Sonne nicht unter den Horizont gesunken ist. Noch einmal stoßen unter dem Feuerschutz der angreifenden Linienschiffe die Torpedobootflottillen auf den Femd — doch dieser dreht ab. Verschwindet im Dunkel. Die deutsche Flotte hat keinen Feind mehr in Sicht. Englische Torpedobootsangriffe bleiben so gut wie erfolglos, noch ein Panzerkreuzer, der ahnungslos auf die Deutschen stößt, ist in drei Minuten vernichtet. Und als der frühe Morgen tagt, ist die englische Flotte unsichtbar, wie sich herausstellte, in drei verschiedene Gruppen auseinandergeraten. . ., „ . 2500 deutschen Seeleuten singt die Nordsee, die Mordsee, ein ewiges Schlummerlied. Sie sanken rm Sieg und in ewigen Ruhm. Unsere Flotte ist nicht mehr. Aber wenn die Stürme daherbrausen über die grauen schäumenden Wogen der Nordsee, dann klingt wie em gewaltiger Orgelton das Lied von dem großen deutschen See- sieg am Skagerrak- — ,
Verschärfung der
Rationierung des Kohlenverbrauchs in England.
Die Folgen des andauernden Bergarbeiterstreiks.
Dem Ruf zur Beendigung des Generalstreiks in England sind die Bergarbeiter bekanntlich nicht gefolgt. Während alle anderen Arbeiter ihre Tätigkeit wieder auf- nahmen, verharren die englischen Bergarbeiter weiter im Streik. Die englische Regierung hat wiederholt Vermittlungsaktionen unternommen, ja sie hat sich sogar bereit erklärt, weiter für eine kurze Zeit den Bergwerksbesitzern zur Bezahlung der ungekürzten Lohngelder staatliche Unterstützung zu gewähren. Alle Einigungsverhandlungen sind aber bisher gescheitert, so daß der Streik im englischen Bergbau mit voller Kraft weiter durchgeführt wird. Dieser Streik, der nun schon mehrere Wochen andauert, hat für das englische Wirtschaftsleben bereits ernste Folgen nach sich gezogen. Es beginnt sich ein M a n - g e l an Kohlen sehr fühlbar zu machen, so daß die englische Regierung sich genötigt gesehen hat, für das ganze Land eine Rationierung der Kohlenvorräte vorzunehmen.
Die Einheiisflagge.
Ein Vorschlag des Reichskunstwarts.
Der Reichskunstwart Dr. R e d s l o b hat auf Grund des Auftrages der Reichsregierung, die Frage der Einheitsflagge heraldisch zu bearbeiten, den maßgebenden Stellen einen Vorschlag zur Neugestaltung der Reichsslagge unterbreitet. Das Flaggentuch soll durch ein schwarzes Kreuz mit nach den Flügeln hin etwas verbreiterten Borten in vier Felder geteilt werden, die
Rot, rechts von ihm Rot und Orange tragen sollen. Die Form des Kreuzes nähert sich ungefähr der des Eisernen Kreuzes an.
Das Reichskabinett wird sich in seiner nächsten Sitzung mit der Lösung der Flaggenfrage und mit dem Vorschlag des Reichskunstwartes beschäftigen; von dieser Beratung dürfte das weitere Schicksal der „Einheitsflagge" zunächst abhängen. Es sei noch bemerkt, daß von anderer Seite als Einheitsflagge eine schwarz-weiß-rote Flagge mit schwarz-goldenem Reichsadler in der Mitte vorgeschlagen worden ist.
Reue Maroktokonserenz in Sicht.
Die übliche Verleumdung Deutschlands.
Pariser Meldungen zufolge soll in Algeciras, das schon einmal Schauplatz einer Marokkokonferenz war, oder in Melilla eine spanisch-französische Konferenz, auf der die künftige Zusammenarbeit Frankreichs und Spaniens behandelt werden soll, stattsinden. Das im Juli vorigen Jahres in Madrid unterzeichnete französisch-spanische Abkommen betraf klar festgelegte diplomatische und militärische Ziele; da diese erreicht sind, handelt es sich jetzt um die Verlängerung und den Ausbau des Abkommens. Man will vor allem eine Einigung über die Festlegung der Grenze zwischen der französischen und der spanischen Marokkozone zu erzielen suchen.
Inzwischen meldet sich aber bereits Italien als neuer Interessent für eine Marokkokonferenz. Die Mussolini-Blätter sprechen von der Notwendigkeit einer Revision des Tangerabkommens, bei dessen Fassung Italien seinerzeit ausgeschaltet worden sei; man könne Italien nicht das Recht streitig machen, unterrichtet zu sein über die Lösung derjenigen marokkanischen Probleme, welche durch ihre Natur und ihren Charakter keine lediglich fran- zösische oder spanische Angelegenheit seien.
In Madrid ist man natürlich heilfroh über die glückliche Wendung der Dinge in Marokko, aber man ist, was sich aus dem von der fpanischen Regierung an den Oberkommandierenden in Marokko gesandten Glückwunschtelegramm ersehen läßt, ein bißchen verstimmt darüber, daß A b d - e l - K r i m unter völliger Übergehung der Spanier sich den Franzosen unterworfen hat. Die letzteren aber haben auch diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen können, ohne
Deutschland etwas anzuhängen.
Der Berliner Berichterstatter des „Petit Parisien", der verbreitetsten französischen Zeitung, hat forsch und dreist die Behauptung aufgestellt, daß man in Deutschland über Abd-el-Krims Niederlage sehr verstimmt sei und daß man nicht wisse, was aus den deutschenGeneralstabs- o s f i z i e r c n, die den Kampf der Rifkabylen gegen Frankreich und Spanien geleitet Hütten, werden solle. Von der angeblichen Verstimmung hat man bei uns nichts gemerkt und was die gegen Frankreich und Spanien breitenden deutschen Generalstabsoffiziere angeht, so hat sie sich, wie von halbamtlicher deutscher Seite festgestellt wird, der französische Journalist glatt aus den Fingern gesogen. ...........—
engk Kohlenkriic
Von jetzt ab darf jede Familie nur noch 28 Pfund Kohlen per Woche erhalten. Die Kohlen müssen auch von dem bezugsberechtigten Käufer selbst abgeholt werden. Für den Bezug größerer Quantitäten ist die Zustimmung der Behörden von Fall zu Fall nötig. Den Fabrikbetrieben wird jeweils die Hälfte ihres bisherigen Durchschnittsverbrauchs zugestanden. Die Straßenbeleuchtung wird nur noch in einem sogenannten Sicherheitsmini- mum erhalten. Ferner sind alle Lichtreklamen untersagt. Gegen Nichtbeachtung der erlassenen Vorschriften sind scharfe Strafen angedroht. Die Fischereiflotte von Narmouth hat ein letztes Quantum von Kohlen zugeteilt erhalten, um die Schiffe in die Lage zu versetzen, sich zum Bezug von Bunkerkohle in den holländischen Hafen von Fjmuijden zu begeben. Die staatliche Railway hat den Bootsdienst zwischen Folkestone und Boulogne und umgekehrt bis auf weiteres eingestellt.
Wie es heißt, finden hinter den Kulissen weiter Einigungsverhandlungen statt. Die liberalen Blätter, wie die „Daily News" und insbesondere das BlattLloyd Georges, greifen Baldwin heftig wegen seiner Haltung in den letzten Wochen an. Diese sei gleichbedeutend mit einer stillschweigenden Unterstützung der Bergwerksbesitzer; die Bergarbeiter hätten um so mehr zu leiden, ja länger die Aussverruna dauere.
Dis polizeilichen Haussuchungen.
Neue Proteste gegen die preußische Regierung.
Die Proteste gegen die Haussuchungen bei Persönlichkeiten, die durch die preußische Staatsregierung gewaltsamer Umsturzbestrebungen verdächtigt werden, dauern an. So hat der Vorstand der rheinischen Landwirtschaftskammer eine Entschließung gefaßt, in der er seiner Empörung über das Verhalten der verantwortlichen Stellen Ausdruck gibt. Er ist der Überzeugung, SM^ - waren.
Der deutschnationale Abgeordnete Dr. Hugen - b e r g , dessen Name in dem von der Polizei beschlagnabm- ten Material als Reichsfinanzminister figurierte, wandte sich von neuem in einer Versammlung deutschnationaler Vertrauensmänner seines Wahlkreises in Bielefeld gegen die polizeilichen Haussuchungen. Er betonte hierbei, daß diesem polizeilichen Vorgehen jede gesetzliche Voraussetzung fehlte. Nach seiner Meinung handelte es sich bei der Polizeiaktion um eine politische Geste zur Beeinflussung der Kabinettsbildung.
Der Oberreichsanwalt hat an den Großindustriellen V ö g l e r die bei ihm von der Polizei beschlagnahmten Schriftstücke mit der Bemerkung zurückgesandt, daß diese Durchsuchung ohne eine von ihm erteilte Anweisung erfolgt sei und daß die Schriftstücke zurückgegeben werden, weil sie keine Bedeutung für die weitere Untersuchung wegen Vorbereitung eines Hochverrats haben.
Der preußische Ministerpräsident Braun läßt amtlich erklären, daß er sich nicht, wie Zeitungsmeldungen wissen wollten, bei dem Berliner Gesandten Lübecks wegen Veröffentlichung von Briefen des Lübecker Bürgermeisters Dr. Neumann entschuldigt habe, da der Brief des Justizrats Dr. Claß an Bürgermeister Dr. Neumann sich eindeutig als Privatbrief darstelle und nicht eine Amtshandlung des lübeckischen Staatsoberhauptes sei. Der Ministerpräsident erklärte sich bereit, in einem ähnlichen Falle dem lübeckischen Gesandten in Berlin rechtzeitig zu seiner eigenen Information Mitteilung zu machen.
Gelbßausieilung Polens?
D i e s e p a r a t i st i s ch e B e w e gu n g in W e stp o l e n.
Polen steht, obgleich der Bürgerkrieg zwischen Posen und Warschau vermieden werden konnte, vor weiteren schweren innerpolitischen Gefahren. Die separatistische Bewegung im ehemaligen preußischen Teilgebiet Polens nimmt bedenklich zu. Nicht allein in der Provinz Posen, sondern auch in der Provinz Pommerellen, schreibt das in Thorn erscheinende Blatt „Slovo Pomorskie", sei die separatistischeLosung seit einigen Tagen auf den Lippen aller Leute, die guten Willens sind und denen das Wohl des Polnischen Staates und die Zugehörigkeit der Westprovinzen zu Polen am Herzen liegt. Der Zeitpunkt der Attentate auf Polen, der mit dem K o m m u - ni s ni us oder Bolschewismus oder gar mit einer neuen Teilung Polens endigt, wird bald kommen. Deshalb müßte man die Westprovinzen vor dem Umsturz schützen, und zwar wenigstens für eine Generation. Das Blatt strebt die Selbstverwaltung an und verlangt für die Westprovinzen eine eigene Administration und eigene Finanz Verwaltung.
Es wäre dies, nach dem Führer der Nationaldemo- kraten, Dmowski, die beste Gelegenheit, dem Streben Deutschlands nach Intervention bei den vielen Regierungskrisen Warschaus vorzubeugen. Es müßte ein s,elbständiger Landtag in Posen gebildet werden.