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Hersklöer Tageblatt

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Nr. 121

Donnerstag, den 27. Mai 1926

76. Jahrgang

Sparen aber überall!

Aus politischen Kreisen wird uns geschrieben:

Daß wir in Deutschland genau 9 Reichskanzler und 91 Reichsminister seit dem 9. November 1918 haben über die Bühne des öffentlichen Lebens ziehen fehen diese Jubiläumstatsache wird das deutsche Volk teils kalt lassen, teils nicht gerade sehr angenehm berühren. Denn man denkt z. B. auch daran, daß der politische Tod auch dann, wenn er ein endgültiger ist ein nicht gerade dürftiges Weiterleben mit Hilfe der Pension gestattet. Meist ist man außerdem im Genuß der Reichstagsdiäten oder auch noch sonstiger Einkünfte, die eigenes Verdienst oder der Par­teien Gunst verschaffte. Dann läßt sich das Leben als Reichsminister a. D. durchaus ertragen. Oder als Staats­minister a. D. irgendeines Landes oder sonstwie als frühe­rer Beamter, den eine Änderung in der parteipolitischen Konstellation wieder beseitigte.

Aber die Zahl jener Hundert, ebenso wie die Tatsache, daß wir in Deutschland über ein paar tausend Volksvertreter verfügen, während auf der anderen Seite Personalabbau auch in der Behördenverwaltung erfolgte, in der Privatwirtschaft schon erschreckend große Ausmaße angenommen hat, drängt jene Pläne wieder in den Vordergrund, die eine Verbilligung und Einschrän­kung dieses ungeheuer angeschwollenen Apparats herbei­führen wollen. Vor der Revolution hatte der Deutsche Reichstag 397 Mitglieder trotz des größeren Reichsgebiets, also 100 weniger als heute und es ging auch. Man wird natürlich einwenden, daß er jetzt viel mehr zu tun habe unter der Staatsform von heute. Richtig; aber nie­mand wird behaupten, daß die Arbeit qualitativ größere Erfolge gehabt hat. Der Reichstag empfindet übrigens selbst die Notwendigkeit eines gewissen Abbaues, denn die ein entsprechendes Ziel verfolgenden Wahlreformpläne stoßen hierin nicht auf grundsätzlichen Widerstand.

Aber die Landesparlamente Preußen hat z. B. 450 Abgeordnete! Der größte Teil früherer Auf- LuWN^E^ ü^-a^ -' wichtigsten Teile

der Finanzverwaltung untersteht den Landesparlamen­ten nicht mehr. Dafür ergeht man sich in uferlosen De­batten, bei denen irgend etwas Praktisches selten heraus- kommt. 18 Länder mit ebensoviel Parlamenten; dabei hat z. B. Mecklenburg-Strelitz auf 110 000 Einwohner 34 Landtagsmitglieder, also auf 5000 Einwohner je einen Abgeordneten, während in Preußen auf etwa 80 000 Ein­wohner ein Abgeordneter entfällt. Wohl am luxuriösesten verfährt hierbei aller wohl Lübeck, das auf 116 000 Ein­wohner nicht weniger als 100Bürgerschafts"mitglieder hat, also auf. 1160 immer einen Vertreter. Dort kommt aber auch noch der Senat dazu. Das nur 56 000 Ein­wohner zählende kleine Waldeck leistet sich aber auch 16 Landtagsmitglieder, das noch kleinere Schaumburg-Lippe auch immer noch 13.

Das sind rasch ein paar Beispiele und jeder, auch der überzeugteste Befürworter des Föderalismus wird zu­geben müssen, daß es durchaus keine Antastung der Län­dersouveränität bedeutet, wenn man eine Einschränkung dieses gewaltigen parlamentarischen Apparats empfiehlt, bei dessen Darstellung aber die preußischen Provinzial- landtage noch gar nicht erwähnt sind. Bayern hat über zwanzigmal soviel Einwohner als Bremen, abernur" etwa ebensoviele Volksvertreter! Und Bayern macht jetzt den Versuch einer Einschränkung des Kabinetts.

Wenn so viele unter der furchtbaren Not der Gegen­wart leiden müssen, dann sollten auch alle jene Einrich­tungen unter die Ersparnislupe genommen werden, die kostspielige und überflüssige Übertreibungen aufweisen. Und an allen Stellen.

AsrsrühmNrWdentdeMrame erschossen

Aus Rache für Judenpogrome.

Der frühere Präsident der Ukraine, Petljura, Direk­tor der in Paris erscheinenden ZeitungLe Trident", ist von einem seiner Landsleute namens Schwartzbarth er­schossen worden, angeblich, weil Petljura eine große An­zahl Jsraeliten in der Ukraine unterdrückt haben soll. Über den Ursprung des Attentats erfährt Havas, daß der Mörder Schwartzbarth ein ukrainischer Jude ist, der wäh­rend des Krieges im französischen Heere als Freiwilliger diente, und der von der französischen Regierung damals nach Petersburg entsandt wurde. Dort habe er erfahren, daß Petljura, der 1917 Gouverneur der Ukraine war, Tausende von seinen Religionsgenossen habe hinrichten lassen. Schon damals habe er den Plan gefaßt, seine Brüder zu rächen. Nach dem Kriege sei er nach Frankreich zurückgekehrt und habe sich hier naturalisieren lassen. Er habe dann erfahren, daß Petljura gleichfalls in Frankreich weile und die ZeitungLe Trident" leite, die in ukrainischer Sprache erscheine, und in der er eine !antisemitische Propaganda betrieben haben soll. Der Täter hat in Paris einen gutgehenden Uhrenhandel be­trieben. Er hat Petljura. bereits vor 14 Tagen aus einem Restaurant kommen sehen. Da dieser aber von zwei Damen begleitet war, hat er nicht aus ihn geschossen, um 'biefe nicht zu verletzen.

' Simeon Petljura, der erst 45 Jahre alt war, hat in den Unabhängigkeitskämpfen der Ukraine eine Ro.Üe ge­spielt. Nach dem Zusammenbruch in Deutschland war es auch mit der Herrschaft des von den deutschen Besatzungs-

Schluß der Abrüstungskonferenz

Die AbrWungsbchrechmg vertagt.

Neue Ausführungen des deutschen Vertreters.

Der Abrüstungsausschuß in Genf hat am Mittwoch seine erste Tagung beendet und den Bericht des Redak­tionskomitees nach Einfügung zweier Zusatzanträge des finnischen Vertreters, Erich, die die Forderung nach Sicherheit aus allgemeiner Grundlage unterstrichen, ein­stimmig angenommen. Der Vertreter der Vereinigten Staaten, Gibson, wiederholte nochmals seinen Vorbehalt wegen der an den Völkerbundrat überwiesenen Anregun­gen in bezug auf die aus Artikel 16 (Durchmarschrecht) resultierenden wirtschaftlichen und militärischen Hilfe­leistungen zugunsten eines angegriffenen Staates. Es wurde beschlossen, daß die Unterausschüsse für militärische und wirtschaftliche Fragen ihre Arbeiten sofort aufnehmen. Die Berichte der Unterausschüsse, für deren Arbeiten eine Frist nicht gesetzt wurde, die aber mindestens einen Monat für die Beantwortung der ihnen gestellten Fragen benöti­gen werden, sollen zunächst sämtlichen Ausschußmitgliedern und ihren Regierungen zugestellt werden. Präsident London wurde ermächtigt, den Zeitpunkt der zweiten Tagung im Einvernehmen mit den Vorsitzenden der beiden Unterausschüsse später festzusetzen.

Der Schluß der Sitzung brächte eine längere Debatte über ein ungarisches Memorandum betreffend die Rüstungsbeschränkungen. Die Vertreter der Kleinen Entente betonten, daß in der ungarischen Denkschrift die politischen Gesichtspunkte überwiegen, und machten des­halb starke Vorbehalte wegen ihrer Überweisung an die technischen Unterausschüsse. Sie wiesen die in dem ungarischen Memorandum zum Ausdruck kommende Auf­fassung zurück, daß Ungarn durch den Rüstungsstand seiner Nachbarstaaten bedroht werde, und erklärten, daß .die, _ Regserunasn.^r Kleinen Entente bereits

Verträgen angeboten haben, durch die K MSH" ^SWWÄÄ Parteien gegenseitig verpflichten würden, sich nicht anzu- | im Wege stünden.

trüppen begünstigten Kosakenhetmans Skoropadski über die unabhängige Ukraine vorbei. Die republikanisch-ukrai­nische Nationalpartei erhob sich unter dem Oberbefehl des ehemaligen Schriftstellers Petljura und stürzte im De­zember 1918 die Regierung Skoropadski. Aber seine Herr­lichkeit dauerte nicht lange. Im Sommer 1919 mußte er sich vor der russisch-bolschewistischen Armee zurückziehen, er selbst und sein Heer traten auf polnisches Gebiet über, und dort wurden sie entwaffnet. Spätere Aufstandsver­suche Petljuras gegen die Bolschewisten hatten keinen Er­folg. Seit 1920 lebte er in Paris, wo er eine ukrainische Zeitschrift herausgab.

Flugverkehr Verlin-paris.

Acht Stunden Flugzeit.

Vom Flughafen Berlin-Tempelhof ist das erste Flug­zeug aufgestiegen, das den regelmäßigen Luftverkehr zwischen der Hauptstadt des Deutschen Reiches und Paris eröffnet. Gleichzeitig hat ein französisches Flugzeug den Flugplatz Le Bourget verlassen, das über Essen und Köln Berlin erreichen soll. Der Luftweg ermöglicht es, die Ent­fernung zwischen beiden Städten in acht Stunden zurück- zulegen. Bei dem heutigen Stand der Technik würde sich sogar die Möglichkeit ergeben, die Fahrzeit auf fünf bis sechs Stunden zu vermindern.

Auf deutscher Seite ist für den ersten Flug nach Paris das Junkers-GroßflugzeugD 876" der Deutschen Luft­hansa eingesetzt worden, das nach den neuen Verein­barungen zugelassen ist. Die Führung hat der Pilot Rodzinka. Unter den Passagieren befindet sich der Direk­tor der Lufthansa, Merkel. Dem Start wohnte das Direk­torium der Lufthansa sowie als Vertreter der Stadt Berlin Stadtbaurat Dr. Adler bei.

MeMnchrnttUevöahMaflrophe

Zahlreiche Trauerkundgebungen.

In einem amtlichen Bericht der Reichsbahndirektion München heißt es, daß in dem Befinden der Verletzten eine wesentliche Änderung nicht eingetreten ist und daß der Leiter der Gruppenverwaltung Bayern der Reichsbahn- gesellschaft, Staatssekretär von Frank, und der Präsident der Reichsbahndirektion München die Verletzten in den Krankenhäusern besucht haben. Die Herren übermittelten den Verunglückten die Teilnahmetelegramme der Reichs­und Landesbehörden. Die Aufräumungsarbriten an der Unfallstelle sind beendet. Gegenüber der Behauptung eines Münchener Blattes, der Anfall sei auf ein übertriebe­nes Sparen an Personal zurückzuführen, wird von zu­ständiger Stelle erklärt, daß von einer übertriebenen In­anspruchnahme des Lokomotivführers keine Rede sein könne. Der Lokomotivführer habe sich auch selbst nicht auf Übermüdung berufen. Anderes Personal als der Loko­

greisen. Veverk-Tschechoslowakei sagte hierbei, daß Ungarn als einziges Land die Notwendigkeit der Abänderung der Friedensverträge hinsichtlich ihrer Abrüstungsbestimmun­

gen betont habe.

Demgegenüber stellte Graf Bernstorff fest, daß er wiederholt daraus hinwies, daß die Arbeiten des Ab­rüstungsausschusses nicht den gegenwärtigen Rüstungs- stand der einzelnen Länder, wie er aus den Friedens- verträgen abgeleitet werde, zum Ausgangspunkt haben dürfen, sondern auf eine in sich ausgeglichene, zukünftige und allgemeine Abrüstung aller Länder und auf die Herstellung des zukünftigen Gleichgewichts aller Länder abzielen müssen.

Nach dieser Erklärung, mit der Graf Bernstorff die Frage späterer Rückwirkungen der allgemeinen Abrüstung auf die militärischen Bestimmungen der Friedensverträge offen ließ, betonten Lord Robert Cecil, de Martnie und Clanzel-Frankreich, daß immerhin die Beratungen der Unterausschüsse auf der Grundlage der b e st e h e n- den Verträge erfolgen müssen, und daß die Erörte­rung aller politischen Gesichtspunkte dem Vollausschuß Vorbehalten bleiben müsse. Es wurde ferner beschlossen, das ungarische Memorandum an die technischen Unter­ausschüsse weiterzuleiten mit der Bemerkung, daß in den Unterausschüssen nur jene Erwägungen der ungarischen Denkschrift berücksichtigt werden können, die zu den an die Unterausschüsse überwiesenen Fragen in Beziehung stehen..

Cooli-gs über Völkerverständigung.

In einer Ansprache vor dem zweiten panamerika­nischen Roten-Kreuz-Kongreß erklärte Präsident Coolidge, die engste Zusammenarbeit aller Völker der

Welt sei die Voraussetzung zur Lösung der verwickelten internationalen Probleme, die in immer größerer Zahl aufkämen. Die Völker selbst müßten zu sympathischer Ver- ^MunL.nnd. werbielieitiaer Duldung den Weg

motivführer komme nach Dem gegenwärtigen «rano ocr Untersuchung nicht als schuldig in Frage.

Das Eisenbahnunglück hat ein weiteres Todesopfer gefordert. Im Krankenhaus rechts der Jsar erlag »ren Verletzungen die Verlagsangestellte Emilie Stechele, Deren Mutter sich ebenfalls unter den Toten befindet. Die Zahl der Todesopfer beträgt entgegen den ersten höheren amt- licherseits bekanntgegebenen Ziffern 28.

Trauerfeier in München.

In M ü n ch e n fand eine Trauerkundgebung anläßlich des Eisenbahnunglücks am Ostbahnhof statt. Bürgermeister Scharnagl hielt dabei, während die Teilnehmer sich er­hoben hatten, eine Ansprache. Er schloß mit den Worten: Als Trost in diesem schweren Unglück darf ich mit Dank und Anerkennung der raschen Hilfeleistung gedenken, die sofort mit Bekanntwerden des Unglücks eingesetzt hat." Bei­leidskundgebungen erfolgten von feiten des päpstlichen Nuntius in München, Vasallo della Torregrossa, ferner von der italienischen Regierung, von der sächsischen, badischen und preußischen Regierung sowie vom jugoslavischen Ge­neralkonsulat. Das englische Generalkonsulat hatte halb­mast geflaggt.

Die Bulkantatastrophe in Japan.

Bisher 100 Totegeborgen.

Von den Opfern des Vulkanausbruches sind bis jetzt 100Tote aus den Lava- und Schuttmassen geborgen worden. Wieviele von den tausend Bauern, die vernnßt werden, infolge des Ausbruches lebendig begraben worden sind, konnte noch nicht festgestellt werden. 200 Ärzte und Krankenpflegerinnen sind zur Hilfeleistung für die Verletz- teil bcTbctQCCÜi

Die beim ersten Ausbruch vom Berge herabströr^nv- Lava sperrte einen Flußlauf ganz ab, so daß das Wesser das umliegende Gelände überschwemmte. Der dritte Erd­stoß sprengte einen Abhang des Berges, dessen Trümmer das Bett eines anderen Flusses ausfüllten, wodurch dre Überschwemmungen vergrößert und mehrere Dörfer unter Wasser gesetzt wurden. Drei Kilometer der Eisenbahnlinie

Nach weiteren Meldungen aus Tokio ist der Ausbruch des Vulkans Tokatschi auf Hokkaido mit feinen schweren Erdstößen eines der ernstesten Naturereignisse, dre die Ge­schichte Japans verzeichnet. Nur die Vulkanausbrüche des Bandai im Jahre 1888 und des Sakurairma tm Jahre 1914 übertrafen den gegenwärtigen Vulkanausbruch an Gewalt. Die Eruption fand in einem Krater statt, der seit undenk­lichen Zeiten von einem See gefüllt war. Der erste Aus­bruch warf alles Wasser aus dem Krater, das die Berg- abhänge herabströmte und dabei einige Dörfer und einen großen Teil der Stadt Furyano vernichtete. 900 Personen sind nach den vorliegenden Berichten getötet worden, von denen allein 200 Personen ertrunken sind. Inzwischen haben drei weitere Ausbrüche stattgefunden, die starke Lavamassen in die Umgebung schleuderten. Das Land ist meilenweit von Lava und Schlamm bedeckt. ^.«K. -....,