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Kersfelöer Tageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt"

Amtlicher Mzriger für den Kreis Hersfelö

Der Bezugspreis beträgi durch die Post bezogen monatlich L Mk., aussdillehl. Bestellgeld, für Bersfeld 1. Mk. bei freier Zustellung, Abholer -.80 Mk. * Druck und Verlag von budtolq Funks Rvchdruckerei in ßersfeld, sllltqUed des VDZV.

Nr. IIS

Dienstag, den 25. Mai $926

76. Jahrgang

Bedenkliche Zahlen.

Gewiß ist es nicht unerfreulich, daß im Durchschnitt des ersten Vierteljahres 1926 die Zahl der Konkurse gegen den Januar sehr erheblich zurückgegangen ist, aber es wäre verfrüht, deswegen von einer erheblichen Festigung unserer Wirtschaft sprechen zu wollen. Denn jener erfreulichen Tatsache entgegen steht die außer­ordentlich unerfreuliche, daß gegenüber der Ent­wicklung in den letzten vier Monaten nun im April die Einfuhr wieder sehr erheblich gestiegen, die Ausfuhr aber noch stärker zurückgegangen ist. Seit dem Dezember vergangenen Jahres ist unsere Handels­bilanz aktiv geworden, hat also die Ausfuhr die Einfuhr überschritten. Am meisten im März; damals betrug der Ausfuhrüberschuß 298 Millionen Mark.

Unerfreulich ist die in den beginnenden Sommermo­naten leider unvermeidliche Steigerung der Lebensmittel­einfuhr im April, unerfreulich die Steigerung der Fertig- wareneinfuhr, aber noch unerfreulicher der Rückgang der Fertigwarenausfuhr um fast 90 Millionen. Daneben kommt der Ausfuhrrückgang bei den Rohstoffen in Höhe von 38 Millionen wenig in Frage. Das Charakte­ristische an dem Aktivwerden unserer Handelsbilanz war das, daß sie durch stärkste Herabminderung der Einfuhr, nicht etwa durch ein Emporschnellen der Aus­fuhr erfolgte. Damit geht es vielmehr fehr langsam vor­wärts und Rückschläge wie im letzten Monat bleiben leider nicht aus. Erfreulich ist, daß bei der Einfuhr der Lebens­und Genußmittel gerade die der letzteren gegen früher zurückgegangen ist, so beispielsweise beim Kaffee, aber auch beim Tabak. Dagegen ist die Einfuhr mineralischer Rohstoffe, wie Eisenerz und Kupfer, gestiegen, was er­freulich wäre, wenn dem auch eine Steigerung der Fertigwarenausfuhr entsprechen würde, was aber eben leider nicht der Fall ist.

Wir glauben, daß diese ungünstigere Entwicklung des Aprils aber doch nur ein kurzes Abweichen von dem Wege bedeutet, den wir seit Ende 1925 eingeschlagen haben; denn es ist zu erwarten, daß wir auf diesem Wege . Mdi. steiler vorwärts- gehen werden. In der deutschen S ch w e r rm d u st r i e ist die Bildung des neuen Montantrustes fertig bis auf die letzten Einzelheiten. Das bedeutet eine Betriebszu- fammenpressung, eine schärfere Ausnützung der zur Ver­fügung stehenden einheimischen Rohstoffe, bedeutet Ein­schränkung aber auch des Bezuges von Halbfabri­katen aus dem Auslande. Noch mehr als dies: eine der­artige Zusammenlegung bedeutet auch weiter Kostener­sparnis, bedeutet damitLeruntergehen der Preise, die wir auf dem Weltmarkt stellen können, bedeutet mindestens die Hoffnung auf Verstärkung unserer Ausfuhr von Produkten der Schwerindustrie. Trotz des allgemeinen Ausfuhrrückganges ist nämlich der Export von Maschinen­teilen und sonstigen Eisen^" -en im April gestiegen, der von Werkzeugmaschinen und elektrotechnischen Erzeug­nissen mindestens nicht zurückgegangen. Das ist aber eine Entwicklung, die nicht etwa allerjüngsten Datums ist, son­dern dieses langsame Steigen der Ausfuhr schwerindu- strieller Produkte hat schon im Dezember eingesetzt und eine wesentliche Unterbrechung nicht erfahren.

Sehr interessant sind nun aber auch die Zahlen der Getreidebewegung. Im April hat für Weizen die Ausfuhr überhaupt so gut wie aufgehört, dafür haben wir aber in diesem Monat eine derartige Masse einge­führt, daß der Zustand des Jahres 1913 bald erreicht fein wird. Leider haben wir damals allerdings auch 760 000 Doppelzentner ausgeführt. Ganz auffallend aber ist die Entwicklung beim Roggenhandel- Im April 1913 führten wir 200 000 Doppelzentner ein, im vergangenen April aber nur 41000 Doppelzentner, also den fünften Teil. Ausgeführt haben wir im April 1913 703 000 Doppel­zentner, jetzt nur 209 000, also etwas weniger als den dritten Teil von damals. Unerfreulich daber ist wieder, daß die Weizeneinfuhr des Aprils sich gegen die des Vormonats glattweg verdoppelt hat und daher unsere - -zweite sehr stark belastet.

So hat sich also diesmal für den April nur ein Über­schuß von 56 Millionen über die Einfuhr ergeben. Aber wird sind doch auf dem richtigen Wege. Nicht etwa nur die Ausfuhrsteigerung kann uns die Aktivität unserer Handelsbilanz wieder in höherem Maße fwchwn, sondern auch auf der Einfuhrseite lassen sich noch beträchtliche Er­sparnisse machen. Hier wirkt sich nicht zuletzt die K auf- kraft des deutschen Binnenmarktes aus und vaß dieser durch eine Radikalkur von vielen prersver- teuernden Elementen gesäubert wurde, daß von der Not­wendigkeit der Konkursanmeldung zum großeneu diese Überflüssigkeiten des Marktes beseitigt wurden, macht die Krise, in der wir noch immer leben, wenigstens zumeil zur Sanierungskrise. *

Die Abnahme der Konkursziffern.

Wie aus Angaben des Statistischen Reichsamtes her- oorgebt, zeigen die Ziffern der Gründungen, Auflösungen and Konkurse bei allen Unternehmungsformen, also Aktiengesellschaften, Gesellschaften mit beschrankter Haf- tung, offenen Handelsgesellschaften und Kommanditgesell­schaften sowie endlich Einzelfirmen eine Besserung. Diese macht sich im April deutlich bemerkbar. Zwar Üt die ^ayl her Neugründungen im Vergleich mit dem Durchschnitt des letzten Vierteljahres wieder zurückgegangey, aber Acht so

stark wie die Zahl der Auslösungen. Daher hat sich der Überschuß der Auflösungen vermindert. Während bei­spielsweise bei Aktiengesellschaften der Monatsdurchschnitt DeS letzten Vierteljahres für Auflösungen 236 betrug, sank Diese Ziffer im April auf 154, die der Konkurse von 43 ruf 38. Die Durchschnittsziffer für Konkurse bei Gesell­schaften m. b. H. sank von 161 auf 103, bei offenen Han- velsgesellschaften von 115 auf 70, bei Einzelfirmen von 585 auf 376, bei den Gesellschaften m. b. H. macht sich so­gar eine wenn auch schwache Erhöhung der Gründungen bemerkbar.

Dr. Stlesemann über die Naggenstage.

Die Außenpolitik.

In denKulturbeiträgen" nimmt Neichsaußenminister Dr. Stresemann das> Wort zu Betrachtungen über Deutsche Pfingsten". Dabei kommt er auch auf den Flaggenstreit. Wir sind, schreibt er, im Gegensatz zu den vielen anderen Nationen, heute noch weit entfernt von dem Ziel, für die Bekundung des nationalen Lebens­willens gemeinsame Ausdrucksformen, e i nh eitliche Symbole zu besitzen... Es hieße, an der weltpoli­tischen Befähigung der Nation verzweifeln, wollte man die Hoffnung auf eine Lösung dieser Symbolfrage aufgeben, eine Lösung im Geiste der Verständigung und auf dem Boden der Verfassung. Jeder Fortschritt in der Richtung einer einheitlichen Einstellung der Nation zu großen Fragen bedeutet eine Stärkung der Außenpolitik, die der Fernstehende vielleicht nicht immer bemerkt, die verant­wortlichen Leiter aber abzulesen vermögen. Das gilt natürlich in noch, erhöhtem Maße von der Einstellung unseres Volkes zu den Hauptlinien der Außenpolitik selbst. Ein Stillstand war scheinbar auf der Genfer Märztagung eingetreten. Aber der unharmonische Lärm nationaler Egoismen hat weit über Europa hinaus das Bewußtsein wachgerüttelt, daß bei der Arbeit um die Gewinnung neuer Gemeinschaftsformen keine Nation sich ohne eigenen Schaden absondern kann. So ist man an der gleichen Stelle schon im Mai zu einer Übereinstimmung der Ge- danken gekommen, die hoffen läßt, daß auch die letzten Hemmungen binnen furjeiu i;wH<wwt« ^m m -««au. Wir stehen erst am Anfang einer schwierigen und lang­wierigen Arbeit. Wie vielfältig die Schwierigkeiten sind, lehrt gerade jetzt wiederum ein Blick nach Genf, wo in dem Krieg gegen die Idee des Krieges eine erste Muste­rung der Kräfte versucht wird, lehrt ein Blick nach dem Rhein, wo immer noch dasRecht auf Sicherheit" einer Interpretation im wahrhaften Sinne der Verständigung harrt. Im Leben der Völker jedes einzelnen gilt aber der Satz, daß mit der Größe der Aufgabe die Kraft zur Bewältigung wächst.

Tagung des Vereins für Deutschtum.

Hirschberg, 23. Juni.

Die 45. Jahrestagung des Vereins für das Deutschtum im Auslande, der aus dem Deutschen Schulverein hervorge­gangen ist, hatte viele Tausende von Teilnehmern, darunter wohl 8000 Jugendliche nach hier geführt. Die Arbeiten be­gannen mit einer Frauentagung, bei der die Aufgabe der Frau in der Arbeit für bedrohtes Deutschtum gewürdigt wurde. Zu gleicher Zeit begann die Studententagung, die eingeleitet wurde durch eine Begrüßung des Staatssekretärs a. D. von Hintze. Im Stadttheater fand die offizielle Begrüßung der Stadt Hirschberg für die Teilnehmer an der Tagung des Ver­eins für das Deutschtum im Auslande statt. Der Saal war mit den schlesischen Farben gelb-weiß und mit denen von Hirschberg blau-weiß rings an den Gallerten ausgeschlagen. Der Oberbürgermeister von Hirschberg sprach die Hoffnung aus, daß der Name seiner Stadt für viele Grenz- und Aus­ländsdeutsche im nächsten Jahre ein Programm neuer Hoff­nungen und neben Willens sein möge. Der Vorsitzende des V. D. A., Staatssekretär a. D. Exz. von Hintze, dankte der Stadt und den Ortsgruppen seines Vereins für die Mühen der Vorbereitung. Zum Schluß sprach der Vertreter des Regie­rungspräsidenten von Liegnitz. In Fortsetzung der Studenten­tagung des Vereins für das Deutschtum im Auslande in Hirschberg gaben deutsche Studenten aus Rußland und den Randstaaten, aus Dänemark, Ungarn, Rumänien und Italien eine Schilderung der Studiumsverhältnisse in ihren Ländern. Schließlich führte Regierungsrat Maßmann das Problem des Ausbaues der wirtschaftlichen Beziehungen vom Reich zu den Ausländsdeutschen an. Kulturelle Beziehungen reichten auf die Dauer nicht aus. Auch wirtschaftliche müßten an ihre Seite treten, denn das Auslandsdeutschtum dürfe niemals zu einer Art von Zuschußunternehmen werden.

An den Reichspräsidenten von Hindenburg wurde ein Begrüßungstelegramm von der Tagung des Ver­eins für das Deutschtum im Ausland gesandt.

Anklagen gegen die preußische Regierung.

Protest gegen die Haussuchungen.

Der Reichsausschuß der Deutschen Volkspartei hat zu dem Vorgehen der preußischen Regierung in Zusammen­hang mit den angeblich drohenden Umsturzgefahren eine Entschließung angenommen, in der stärkster Einspruch dagegen erhoben wird, daß die preußische Staatsre­gierung bei Führern und angesehenen Mitgliedern der Deutschen Volkspartei Haussuchungen wegen Verdachts des Hochverrats abhalten läßt, da die Partei stets in Wort und Tat jeden Putsch und alle illegalen Verbände entschieden verurteilt. Weiter heißt es in der Entschlie­ßung: Der Staat hat das Gebot der Wachsamkeit und des

Eingreifens gegenüber allen Umsturzbewegungen, gleich­gültig, ob sie von der extremen Linken oder Rechten aus­gehen. Die Staatsautorität wird jedoch aufs äußerste ge­fährdet, wenn das größte deutsche Land große Aktionen ankündigt, die bei näherer Betrachtung kein Ergebnis aufweisen. Wir müssen uns mit besonderer Schärfe gegen die in der Durchführung des Vorgehens der preußischen Regierungsstellen erkennbare Tendenz wenden, die In­teressen des Staates mit parteipolitischen Absichten zu ver­knüpfen. Aus innenpolitischen Gründen hätte die preußi­sche Staatsregierung alle Veranlassung, ein größeres Augenmerk auf die zügellose kommunistische Agitation zu lenken, die durch hetzerische Filmvorführungen sowie groß­angelegte Straßenkundgebungen den Boden des Um­sturzes vorbereitet.

Auch eine Anzahl Jenenser Professoren wenden sich mit einem Protest und einer Sympathieerklärung für Prof. Bernhard an die Öffentlichkeit, dessen Räumlichkeiten letzt­hin auch polizeiliche Durchsuchungen über sich ergehen lassen mußten. In diesem Schreiben wird ausgeführt: Wir haben als deutsche Professoren mit tiefer Beschämung empfunden, was heute in Preußen möglich ist, das unter seinen Königen jahrhundertelang der stolze Hort der Frei­heit und Gerechtigkeit war. Nachdrücklichst müssen wir aussprechen, daß uns Empörung darüber erfüllt, daß in einem Lande, in dem die meineidigen Hochverräter von 1918 unangefochten geblieben find, ein unbescholtener, auf­rechter und vaterlandsliebender Mann, ein hochverdienter deutscher Gelehrter, der das wissen wir es mit seinem Eide genau so ernst nimmt wie jeder von uns, verdächtigt, bespitzelt, schließlich in seinen vier Wänden belästigt wird.

Der Rechtsbeistand des Generaldirektors Wiskott oom Bergbaulichen Verein hat gegen den Berliner Polizeipräsidenten oder den nach ihm verantwortlichen Beamten Strafantrag wegen Amtsmißbrauchs, wegen Hausfriedensbruchs und wegen Beleidigung gestellt. Die Straftaten werden als begangen angesehen durch die bei Generaldirektor Wiskott durchgeführte Haussuchung.

WUMaMMvuilueii iiiu Mei irich.

Weitere Beratungen i m Herbst.

In Berlin ist ein Zusatzvertrag zu dem geltenden deutsch-österreichischen Wirtschaftsabkommen unterzeichnet worden. Er umfaßt zolltarifarische Zugeständnisse, die in den bestehenden Abmachungen nicht enthalten waren, sowie bei einzelnen Positionen Änderungen der bisherigen Ber- tragsfätze. Von der österreichischen Seite wurden er­mäßigte Sätze zugestanden, insbesondere für deutsche Schaumweine, verschiedene Käsesorten und Fischkonserven, baumwollene Handschuhe, Täschnerwaren, Holzbearbei­tungsmaschinen, Christbaumschmuck aus Glas, Blechspiel­waren. Leunasalpeter kann künftig zollfrei nach Österreich eingeführt werden. In den bisherigen Vertragssätzen zum österreichischen Tarif ergeben sich unter anderem Än­derungen bei Strümpfen, Kokosteppichen, Scheren, Salz­säure, Möbelstoffen, baumwollenen Wirkwaren und Woll- geweben.

Für Pferde nordischen Schlages (reines Kaltblut) wurden Österreich die Sätze des deutsch-dänischen Ver­trages zugestanden. Bei Eisenhalbzeug wurde der Satz für geschmiedete Stäbe ermäßigt und eine Einigung über die deutschen Edelstahlzollzuschläge erzielt. Damit ist das für die diesmaligen Verhandlungen in Aussicht genom­mene Programm durchgeführt. Von beiden Seiten ist be­absichtigt, im Herbst zur Beratung anderer Tartspositionen neuerdings zusammen zutreten.

Der Abrüstungsausschuß in Genf.

Amerika und die Abrüstung.

Der diplomatische Korrespondent desDaily Tele zraph" schreibt: Gewisse briisiche Kreise verhehlen nicht länger die Auffassung, daß mindestens für dieses Jahr nicht die leiseste Aussicht aus Abhaltung einer Abrüstungs- vollkonferenz besteht. Das wahre Ziel der Genfer Vor- konferenz ist anscheinend nicht gewesen, eine Vollkonferenz »orzubereiten, sondern vielmehr festzustellen, ob die Ein- berufung einer solchen Vollkonferenz überhaupt am Platze sei oder nicht. Die nunmehr ergangene Antwort wird als insgesprochen negativ angesehen.

Times" meldet aus Washington: Mit Bezug auf die^ 'panische Anregung, daß die Frage der Abrüstung ; u r See am besten durch eine Konferenz gefördert wer­den könnte, an der sich die Vereinigten Staaten, Groß­britannien und Japan beteiligen sollten, wird im Weißen Hause erklärt,unter anderen Umständen und in einem anderen Mgenblick" könnte die Anregung mit großer Sympathie erwogen werden. Aber die Vereinigten Staaten seien zu voller und aufrichtiger Zusammenarbeit an der jetzigen Genfer Konferenz verpflichtet und die Hoffnung, daß etwas dauernd Wertvolles sich aus diesen Konferenz ergeben werde, würde verschwinden, wenn drei Der großen beteiligten Nationen jetzt andere Pläne fassen würden. Coolidges Auffassung müsse so verstanden wer­den, daß er den Plan einer Dreimächtekonferenz möglicher­weise als wertvoll betrachte in dem Falle, daß die Genfer Konferenz ergebnislos verlaufen werde. . , Vy^^