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Kersfelöer TageblaU

Anzeigenpreis für die einspaltige Petirzelle 15 Pfg. die Reklamezeile 50 Pfg. (Grundsdirifi Korpus) Bei Wiederholungen OodüaK + Für die Sdirlft- leitung DeranltDortlich Franz Funk In Bersfeld.

Ferninredrer Dr. S

yersfelöer Kreisblatt'

Amtlicher Mzeiger fir den Kreis Hersfels

Der Bezugspreis beträgt durch die Po# bezogen monatlich L 0)#., ausschllekl. Bestellgeld, für Bersfeld 1. Mk. bei freier Zustellung, Abholer .80 01k. * Drude und Verlag dod budwig Funks Rndrdrudrerei in Bersfeld, CDitaMed des VDZV.

Nr. ns (erstes Blatt)

Pfingsten.

Wo sind die Zeiten hin, da man mit Recht von dem lieblichen" Fest sprach und sprechen konnte, das uns in der Natur die Wende zwischen Frühling und Sommer kennzeichnet und dessen religiöser Gehalt in der biblischen Erzählung von der Ausgießung des heiligen Geistes einen so sehr erhebenden, so sehr hoffnungsfrohen und be­geisternden Ausdruck gefunden hat. Vielleicht, daß wir in der Rückerinnerung unwillkürlich frühere Feiertagser­lebnisse mit einem Glanz umkleiden, der ihnen in Wirk­lichkeit nicht oder nicht in dem Maße anhastete, wie es uns heute scheinen will. Aber daß heute bei vielen keine rechte Feststimmung aufkommen will und kann unter dem Einfluß der allgemeinen Unrast, von der fo ziemlich die ganze Welt erfüllt ist, wer kann das wohl leugnen?

Nicht, weil z. B. in Berlin und Düsseldorf große politische Kundgebungen sich scharf gegenüberstehender Organisationen bevorstehen was das betrifft, fo kann man sich ja darauf berufen, daß wir Pfingsten stets und ständig mit Kongressen aller Art beglückt worden sind, die bald unter diesem, bald unter jenem Zeichen ihre mehr oder weniger nutzbringende Arbeit verrichteten. Und wenn es auch einen Unterschied macht, ob etwa die Lehrer und Lehrerinnen, die Sozialwissenschastler und andere akademische Beruse und Berufsstände zusammenkommen und unter dem Wesen des heiligen Geistes die Mensch­heit ein Stück vorwärtszubringen suchen oder ob unter Auspflanzung von Parteibannern debattiert wird, diefeurigen Zungen" gehören nun einmal zum Pfingst- fest, und auch der Geist, der stets verneinen möchte, kann zuweilen sogar wider Willen Gutes stiften. Aber wo soll dieHeiligkeit" gotterfüllter Gesinnung Herkommen in dieser anscheinend ganz und gar den Elementen des Hasses und der Zwietracht, der Unbrüderlichkeit und der krassen Genußsucht ausgelieferten Zeit?

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In Genf ist die vorbereitende Abrüstungskonferenz des Völkerbundes versammelt, aber der deutsche Dele­gierte muß, nach tagelangem Hin und He der Meryun- gen, zu seiner aufrichtigen Betrübnis feststellen, daß man sich immer nur darüber unterhalten zu wollen scheint, wie die Abrüstung zu verhindern sei, und nicht darüber, wie mit ihr endlich, nachdem Deutschland sein Rüstkleid bis zu völliger Schutzlosigkeit jeglichem feindlichen An­griff gegenüber abgelegt hat, auch bei den übrigen Völ­kern irgendein Anfang gemacht werden könnte. Oder soll etwa in England Pfingststimmung möglich fein, nachdem die Arbeitermassen eben erst knirschend zur Ar­beit zurückgekehrt sind und die Volksgemeinschaft den achttägigen Generalstreik mit einem Lehrgeld von rmtb 600 Millionen Mark bezahlen mußte? Und gar erst das arme Frankreich, das seine ehemals so ungemein stabile Währung immer tiefer in den Abgrund hinunter­rutschen sieht, zum Entzücken aller uns hinreichend be­kannten Hyänen des Devisenschlachtfeldes, für die wieder einmal die Zeit neuer Ernte gekommen ist. Der deutsche Frühlingsreisende, der sich zu Italien noch nicht wieder entschließen konnte, er genoß diesmal an der französischen Riviera, in Cannes und Nizza, köstliche Tage und war doch nicht imstande, sein deutsches Geld auszubrauchen, soviel Frankschätze wurden ihm damals schon, in der ersten Hälfte des wunderschönen Monats Mai, für seine paar Reichsmark ausgehändigt. Und was ist seitdem noch aus der französischen Währung geworden? Und gar erst aus der polnischen, die Herr Grabski gerade vor Jahresfrist so heldenhaft stabilisiert hatte! Wird es ihnen, den Polen wie den Franzosen, eine heilsame Lehre sein, daß auch das schönste Schutz- und Trutzbündnis zur Sicherung unrechtmäßig erworbener Kriegsbeute seine zwei Seiten hat? Daß es die beiden Parteien nicht nur im Glück, sondern auch im Unglück zusammenschmiedet, und daß ein Militärputsch wie in Polen eine sehr zwei­schneidige Angelegenheit ist, von der man wohl weiß, wie sie anfangen soll, aber niemand absehen kann, wie sie enden wird? Allenthalben Enttäuschung und Erbit­terung, mühseliges Herumflicken an durchbrochenen Däm­men, ermattetes Zurücksinken auf Klippen und Sand­bänke, die jede freie Ausfahrt auf hohe See versperren.

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u n d tr o tz d e m, in der augenblicklichen Verwirrung der Geister ist ganz bestimmt nicht der Vorsehung letzte Weisheit umschlossen. Man braucht nicht soweit zu gehen, um in diesem Rückschlag von geordneteren, von fried­volleren Zuständen zu einem fast allgemeinen Durchein­ander und Gegeneinander eine planmäßige Methodik des Schicksals zu erblicken, das die Menschheit eben erst richtig reifmachen wolle für die Würdigung der idealen Ziele, die ihr ja wohl gesteckt sind. Aber nicht wahr, je weiter der Abstand, desto größer die Sehnsucht? Und ist sie heute auch noch vielfach verschüttet unter der Sorgenlast der einen, der hemmungslosen Ungebundenheit der anderen, es kommt die Zeit, da sie sich durchzwängt unter den Qua- ' deru, die sie umklammert halten, und da die Seelen sich i dann wieder dem Lichte zuwenden, das von oben kommt, : als der allein seligmachenden Quelle allen Menschenglücks ' auf Erden. Hat vielfach noch ein mehr unheiliger als hei­liger Geist die Gewalt über Denken und Fühlen der Völker, wir brauchen deswegen die Hoffnung nicht aufzu- geben, daß uns bald wieder einmal ein echtes P f i n g st f e st beschieden fein wird, wie wir es nötig 'haben, wenn wir nicht untergehen wollen in Finsternis und Selbstzerstörung! Dr- SY- J

Sonnabend, den 22. Mai 1926

MK-elKrim

Sie Front der Ristrupsen durchbrochen.

Französisch-spanische Erfolge in Marokko

Die neue Marokko-Offensive hat, wenn man den aus Paris und Madrid kommenden Zeitungsnachrichten Glau­ben schenken darf, den französisch-spanischen Truppen großen Erfolg gebracht. Die Truppen befestigen jetzt die eroberten Stellungen und organisieren die Verbindung nach rückwärts, damit der Munitions- und Verpflegungs­nachschub glatt vonstatten geht.

Im Zentrum der Front, in der Gegend des Djebel Taunat, ist die Front der Riftruppen durch­brochen und die politische Grenze zwischen dem fran­zösischen und dem spanischen Schutzgebiet erreicht. Im östlichen Frontabschnitt haben die Franzosen den Nekor- fluß südwestlich von Sut-el-Arba-de-Tanrirt überschritten und sich an dem Westufer des Flusses festgesetzt. Die rechts von ihnen vorgehenden spanischen Truppen haben

Die Yarteien zum ÄolksentMeid.

Deutsche Volkspartei und Demokraten.

Der Aufmarsch der Parteien zum Volksentscheid über die Enteignung der ehemals regierenden Fürstenhäuser hat begonnen. Die Deutsche Volkspartei und die Deutsche Demokratische Partei wenden sich in dieser Frage in Auf­rufen an ihre Parteiangehörigen. Die Deutsche Volkspartei weift in ihrem Aufruf darauf hin, daß die entschädigungslose Enteignung gegen Moral, Recht und Verfassung verstoße. Der Aufruf verweist auf die Mitarbeit der Partei -zur gesetz? chen Regelung dieser Frage. Die Deutsche Volkspartei werde mit aller- Krisis» dafür eintreten, daß die Vorlage der Reichsregierung, der die unter sozialdemokratischer Leitung stehende preußi­sche Regierung im Reichsrat zugestimmt habe, Gesetz wird. Die Auseinandersetzung über das Vermögen der Fürsten habe nichts mit der Aufwertungsfrage zu tun. In dieser Frage gelte für die Fürsten das gleiche Recht wie für jeden deutschen Staatsbürger. Es handele sich auch nicht um die Wiederherstellung der Monarchie, son­dern es gehe darum, einen Rechtsbruch zu verhin­dern, der dem deutschen Volk in allen seinen Schichten unermeßlichen Schaden bringen würde. Der Aufruf schließt:Die Deutsche Volkspartei fordert ihre Anhänger im Lande auf, das Volk über die drohende Gefahr auf- zuklären und der Verhetzung entgegenzutreten. Unsere Parole lautet: Keine Beteiligung am Volks­entscheid! Jeder bleibe am 20. Juni der Abstimmung ^^Die Deutsche Demokratische Partei gibt ihren Anhängern infolge der verwirrten Sachlage die Beteiligung an der Abstimmung frei. In einem Aufruf des Parteivorstandes wird darauf hingewiesen, daß die Partei zu einer entschädigungslosen Enteignung nicht die Hand zu bieten vermag. Der Aufruf werft aber andererseits darauf hin, daß es ein Unrecht sei, in dreser Zeit den Fürsten große Vermögen zu lassen, die sie nur als Herrscher ansammeln konnten und die sie nur als Herrscher zu repräsentativen Zwecken brauchten. Dreses Unrecht durch eine gerechte Regelung zu beseitigen, hat die Deutsche Demokratische Partei von ihrem ersten Anträge an durch die ganzen Verhandlungen sich bemüht und wird sie sich weiter bemühen.

Weiter Förderung des preisabhaues.

Die Wirtschaftskrise überwunden.

Im Reichsrat machte Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius Ausführungen zu dem Entwurf eures Gesetzes zur Förderung des Preisabbaues. Der Gesetzentwurf; will, wie der Minister hervorhob, das im Sommer 1925 begonnene Gesundungswerk fortsetzen und hat zum Zrele, die Sicherheit des Wirtschaftsverkehrs zu fördern.und dA Gesundung entgegenstehende Hemmungen rn erster Linie durch Herstellung des freien Marktes beseitigen zu helfen. Die Regierung ist der Auffassung, daß! als unerläßliche Voraussetzung für den Wiederaufstieg Deutschlands und zur Erleichterung des Kriegsablaufs die Hemmungen beseitigt werden müssen, die der Selbstheilung durch die wirtschaftlichen Eigenkräfte noch entgegenstehen. Sie ist daher bereit, jede geeignete Maß nahme zu er­greifen, um die Wirtschaft von übermäßigen Prersbe- laftungen zu befreien und dadurch gerade auch die ge­sunden Kräfte in ihrer Lebensfähigkeit zu starken. Heute hat die Krise hier und da ihre Tiefpunkte bereits überschritten. . .

Der Minister legte dann eine Reihe von Vorschlägen für die weitere Behandlung des Entwurfes emes Prers- abbaugesetzes unter Berücksichtigung der Wirtschaftslage vor. Sie betreffen: Vergleich zur Abwendung des Kon­kurses; Maßnahmen gegen Ringbildung; Abänderung der Kartellverordnung und Abänderung der Gewerbeordnung.

76. Jahrgang

auf der Flucht eine lose Verbindung durch Kavallerie mit den südUch von Wjdir eingesetzten Verbänden hergestellt, und zwar an dem Zusammenfluß des Nekor mit dem Beni Ziane. Durch diese konzentrische Bewegung stehen mehrere der hauptsächlichsten Stämme Abd-el-Krims in Gefahr, u m - z i n g e l t zu werden.

Abd-el-Krim soll von seinem eigenen Stamme, den Beni Uriaghel, verlassen und mit seiner Familie nach Nordwesten geflohen und in Suk-el-Arba-de-Suada im Gebiete der Beni Steff angenommen sein. Diese Flucht soll bei den Rifstämmen großen Eindruck gemacht haben.

Wie dieVolonts" mitteilt, verhandelt der Direktor für marokkanische Angelegenheiten im französischen Außen- ministerium, Ponsot, in Madrid mit der spanischen Regie­rung, um ein gemeinsames Friedensprogra rm aufzustellen, das den Stämmen des Rifs auferlegt wer­den foll, sobald die Ergebnisse der Offensive ihre völlige Unterwerfung herbeigeführt haben. Das Blatt fügt hin­zu, man müsse wünschen, daß bei neuen Friedensverhand­lungen, die vielleicht bald eingeleitet werden könnten, die Beendigung des marokkanischen Krieges nicht wieder durchMißverständnisse" verhindert wird.

Das Haslscher Explosionsunglück.

Trauerkundgebung des Bayerischen Landtages.

Die genaue Zahl der Todesopfer beträgt entgegen den ersten übertriebenen Meldungen 11, doch schweben noch mehrere Verletzte in Lebensgefahr. Schon dreimal vorher haben sich in der Fabrik Explosionsunfälle er­eignet. 1903 zum erstenmal. Damals kam der Vater des jetzigen Besitzers, des Kommerzienrats Schmidt, bei der Katastrophe ums Leben. Später, in den Jahren 1914 und 1916, ereigneten sich ebenfalls wieder Explosionen, die aber geringere Bedeutung hatten.

Lab.rik ist umaewandelt worden in eine G. m. b. H., beten titntvile -,» 44* HiU^rsLchc W« borstige Direktor, Kommerzienrat Schmidt, in Händen hat. Die Pfälzische Pulverfabrik A.-G. in St. Jngbert besitzt eben­falls einen erheblichen Teil der Anteile. Der Rest ist in Privathänden.

Von der Direktion der Haslocher Fabrik wird fol­gendes mitgeteilt:Hier ist man zurzeit mitten in ?n Aufräumungsarbeiten. Die Untersuchungen sind in lem Gange. Aber die genaue Ursache des Unglücks ist ungeheuer schwer festzustellen. Man nimmt an, daß die Explosion in einem Raum zur Rückgewinnung von Äther erfolgte. Doch ist das mit Sicherheit nicht zu behaupten. Die Explosion war fo stark, daß fast sämtliche Häuser der Umgegend schwer beschädigt wurden. In Hasloch selbst ist keine Fensterscheibe mehr ganz. Einem etwa 500 Meter entfernt liegenden Eisenwerk wurde durch den starken Luftdruck das Dach abgedeckt. Die Fensterscheiben sind; sämtlich entzwei, doch sind in dieser Fabrik keinx Ver­letzten nachzuweisen. Der Schaden beträgt für uns bis jetzt schätzungsweise über 500 000 Goldmark. Die Kreis­regierung hat den Hinterbliebenen der Toten und den Verletzten Unterstützungsgelder ausgezahlt. Auch wir haben uns natürlich an dieser Unterstützungsaktion be­teiligt."

Im Bayerischen Landtag wurde heute abend eine Trauerkundgebung anläßlich des Explosionsunglücks in Hasloch veranstaltet. Der bayerische Minister für Volks- wohlfahrt hat sofort einen größeren Betrag zur Linde­rung der ersten Not der Hinterbliebenen und der Ange­hörigen der Verletzten überwiesen. Auch die bayerische Re­gierung wird zur Linderung in kürzester Zeit alles tun, was möglich ist.

Aus Anlaß des Explosionsunglücks in Hasloch hat der Herr Reichspräsident folgendes Telegramm an die bayerische Staatsregierung gerichtet:Anläßlich des schweren Explosionsunglücks in Hasloch send» ich Aus­druck herzlicher Teilnahme und bitte, diesen den Hinter­bliebenen der Getöteten zu übermitteln. Den Verletzten bitte ich meine besten Wünsche für baldige Wiederher­stellung auszusprechen. gez. von Hindenburg, Reichs­präsident." ____________

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Eine neue Denkschrift.

Die von den Staatsministern a. D. Dr. Drews und Graf von Roedern ausgearbeitete zweite Skizze zu einem Staatsvertrage zwischen Preußen und Hamburg über einen Gebietsaustausch, einen Finanzausgleich und eine Verwaltungsgemeinschaft für Hamburg und seine Nach­bargemeinden ist nunmehr veröffentlicht worden. Der Kern des Gutachtens ist die Abtretung des preuß. Teile« des Stromspaltungsgebietes zwischen Norder- und Süder- elbe (Wilhelmsburg, Alten- und Finkenwerder, Kattwiek- Hohefchaar) nebst dem sog. Geestrücken an Hamburg. Pre«-- ßen würde im Austausch die Hamburgischen Exklaven Großhansdorf und den wesentlichen Teil von Moorburg erhalten. Daneben ist im Gutachten ein beschränkter Finanzausgleich zugunsten der Hamburg vorgelagerten preußischen Gebietsteile (Mona, Wandsbek, Harburg! nebst Vorortgebieten), und zwar auf gemeinsame Kosten