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yersfelörr Tageblatt

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Hersselöer Kreisblatt^

Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfels

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Nr. 109

Dienstag, den 11. Mii >026

76. Jahrgang

Hindenburg zum Flaggenerlaß

Schreiben des Reichspräsidenten an den Reichskanzler.

In den Kampf der Meinungen um die neue Flaggen- Verordnung hat Reichspräsident von Hindenburg nunmehr vermittelnd eingegrifsen. Zu diesem Zweck hat er an den Reichskanzler Dr. Luther folgenden Brief gesandt:

Sehr geehrter Herr Reichskanzler!

DieZweite Verordnung über die deutschen Flaggen vom 5. Mai 1926 ist in der Öffentlichkeit erheblichen Miß­verständnissen begegnet.

Die außen- und wirtschaftspolitischen Ereignisse der letzten Zeit, die einer neuen Geltung Deutschlands im Aus­lande den Weg ebneten und uns wieder in die Weltwirt­schaft eingliederten, erfordern eine starke Mitwir­kung der Deutschen im Auslande und ein freu­diges Bekennen aller Ausländsdeutschen zum Deutschtum bei öffentlichen Kundgebungen. Dem stand im Auslande unter besonders schweren Begleitumständen der unselige Flaggenzwist hindernd im Wege. Diesem Äbestand soll durch die Verordnung vom 5. Mai ds. Js. abgeholfen werden, und ich bin überzeugt, daß dieser Zweck mit der Verordnung auch erreicht wird.

Nichts liegt mir wie ich Ihnen bereits wiederholt zum Ausdruck gebracht habe ferner, als die durch die Verfassung bestimmten Nationalfarben zu beseitigen. Ich bin vielmehr nach wie vor fest entschlossen, die Flag- gensrage nur auf der Grundlage der Verfas­sung zu behandeln.

Leider hat sich aber aus den Erörterungen in Preffe und Öffentlichkeit erneut ergeben, wie verhängnisvoll und gefährlich für unser Volk der schwebende Streit um die Flagge ist. Hier in absehbarer Zeit auf verfassungs­mäßigem Wege einen versöhnendenAusgleichzu schaffen, der dem gegenwärtigen Deutschland und seinen Zielen entspricht, und zugleich dem Werdegang und der M^«- .-ve»^Me8 gerecht wirdWtst mein innigster Wunsch. Ich bitte Sie deshalb, Herr Reichskanzler, zur geeigneten Stunde sowohl mit den gesetzgebenden Fak­toren im Reiche als auch mit den an dieser Frage be­sonders interessierten Vereinigungen in Verbindung zu treten, um diesem Ziele nachdrücklichst zuzustreben. Möge der Zeitpunkt nicht fern sein, wo sich das deutsche Volk wieder friedlich um ein und dasselbe Symbol seines staat­lichen Daseins schart!

Mit der Versicherung meiner hohen Wertschätzung und mit freundlichen Grüßen bin ich

Ihr sehr ergebener gez. v. Hindenburg."

Reichskanzler Dr. Luther hatte am Montag mittag mit den Führern der Regierungsparteien eine Aussprache über die parlamentarische Lage. Die Verhandlungen dauerten etwa anderthalb Stunden, über ihr Ergebnis wird von den Parteiführern strengstes Still­schweigen bewahrt. Wie verlautet, soll von den De­mokraten dem Reichskanzler nahegelegt worden sein, von seinem Amte zurückzutreten, da vielleicht dann eine Lösung leichter zu finden sein würde. Eine be­stimmte Forderung in dieser Richtung ist jedoch nicht ge­stellt worden. Die anderen Parteien verhielten sich in dieser Frage vollkomemn abwartend.

Im Anschluß an diese Parteiführerbesprechung fand dann ein Kabinettsrat statt. Wie man in parla­mentarischen Kreisen annimmt, werden die Reichsminister sich mit dem Reichskanzler solidarisch erklären.

Am Nachmittag hielten die Vorstände der Demokra­tischen Partei und des Zentrums Sitzungen ab. Die Fraktionen des Zentrums, der Demokraten und der Deut­schen Volkspartei treten nach dem Reichstagsplenum zu­sammen.

Schwere Kämpfe in Marokko.

Trommelfeuer und Bajonettangriffe.

Nach Meldungen der französischen Presse aus Ma­rokko sind die sranzösischen und die spanischen Truppen am Wadi Kert durchschnittlich 12 Kilometer vorgerückt. Die Kämpfe sollen die mörderischsten während des ganzen Feldzuges gewesen sein. Natürlich wird von französischer wie von spanischer Seite behauptet, daß die eigenen Verluste sehr gering seien, während die Rif- kabylen zahlreiche Tote und Verwundete zu beklagen hätten. Es soll jetzt eine Gefechtspause von einigen Tagen eintreten, um eine Neugruppierung der Streitkräfte vorzu- nehmen. Dann soll die Offensive fortgesetzt werden. ___

Nach anderen Meldungen war der Widerstand der Rrf- kabylen sehr hartnäckig. Es gelang zwar, sie aus den ersten Verschanzungen, die nach europäischem Muster an­gelegt waren, herauszuwerfen. Sofort aber unternahmen sie mit bedeutenden Kräften einen Gegenstoß, der zu b l u - tigemHandgemenge führte. Die Rifkabylen sotten dabei unter Führung des Bruders Abd-el-Krims gestan­den haben. Die Franzosen mußten sich mit dem Bajonett zur Wehr setzen.

' . Nach Meldungen aus Damaskus ist nach 15stün- drgem Bombardement der Stadtteil Merdan völlig zerstört worden. Hierbei sollen 300 Personen ge­tötet worden sein. J

Der Dol überflogen

Byrd bezwingt den Aordpol.

In einem Fokkerflugzeug.

Der Flieger der amerikanischen Marine Kommander Byrd, der seine Basis in Kingsbay nachts 1.50 Uhr Greenwicher Zeit verlassen hatte, erreichte Sonntag den Nordpol und ist um 4.20 Uhr nachmittags wohlbehalten in Kingsbay wieder eingetroffen, wo er von der gesamten Bevölkerung sowie von Amundsen und der Besatzung des LuftschiffesNorge" begrüßt wurde.

Kommander Byrd und sein Pilot Lloyd Lennet um­kreisten auf ihrem Fokkerapparat mehrere Male den Nordpol, um die Richtigkeit der Pearyschen Behauptun­gen festzustellen. Während der Fahrt herrschte der schönste Son­nenschein, die Luft war vollständig nebelfrei, so daß die Benutzung oes Sonnenkompasses ermöglicht war. Dagegen hat Byrd bei seiner Rückkehr nach Kingsbay erklärt, daß der magne­tische Kompaß in der Polgegend derartig abwich, daß dessen Ge- brauck, unmöglich war. Byrd, der auf dem Hinweg nach dem Nord­pol auf dem ge­raden Wege über die Amsterdam­insel und Neu- Friesland geflo-

Kommander Byrd. gen ist, flog nicht auf demselben

Wege zurück, um sicher zu sein, wieder nach Spitzbergen zu kommen. Er entdeckte am Pol kein lebendes Wesen, auch keine Spuren von Polarbären.

Byrd ließ über den Pol die Flagge fallen. Byrd ist nicht der Ansicht von Amundsen und von Ellsworth, daß man auf der Poltegion nicht landen könnte; er brächte Photographien mit, die beweisen, daß die LandungsMög­lichkeit besteht.

Coolidges Glückwünsche.

Präsident C o o l i d g e hat Byrd ein Glückwunsch­telegramm gesandt, in dem er seine Genugtuung darüber aussprach, daß der Polslug durch einen Amerikaner erfolgte.

Der Staatssekretär der amerikanischen Marine, Wil- bur, äußerte sich über den Nordpolflug Byrds: Wir dür­fen Byrd, seine Begleiter und unser Land zu dieser Leistung beglückwünschen; wir empfinden größte Freude über das Gelingen des Unternehmens und über die sichere Rückkehr. Staatssekretär für den Krieg, Davis, erklärte, wie alle Amerikaner, sei er über den neuen Triumph des amerikanischen Flugwesens 'hocherfreut. Der Flug sei nicht nur epochemachend vom technischen Stand­punkt aus, sondern auch eine Leistung bewundernswerten Mutes. Ein Land, dem solche Männer dienen, werde auch in der Stunde der Not seine Pflicht tun.

Amundsen startbereit.

Amundsen bewillkommnete Byrd und Beunett bei ihrer Rückkehr persönlich mit der gesamten Besatzung der Norge". Byrd sind verschiedene Finger erfroren. Nach den neuesten Nachrichten aus Kingsbay hatte sich Anmnd- sen entschlossen, am Dienstag, Den 11. Mai, mit der Norge" zum Pol zu fliegen.

Das günstige Wetter spricht vorläufig dafür, daß an diesem Starttermin festgehalten werden wird. Indessen wollte Amundsen noch vor dem Abflug genaue Erkundi­gungen bei den in Betracht kommenden meteorologischen Stellen einholen und sich erst, wenn diese' günstig aus­fallen, endgültig zum Abflug entschliefen. Die Vorbe­reitungen für diesen sind bereits fett einigen Tagen be- »ndet, so daß der Start jederzeit erfolgen kann.

Der Reichspräsident in Weimar.

Hindenburg Ehrenbürger der Universität Jena.

Reichspräsident von Hindenburg ist programmätzig in Weimar eingetroffen, wo ihm ein begeisterter Empfang be­reitet wurde. Auf dem Fürstenplatz vor dem Landtags­gebäude war die Jenaer Studentenschaft in Wichs ange­treten und begrüßte den Reichspräsidenten bei seiner An­fahrt. Beim Betreten des Landt^agsgebäudes wurden

Kapitän Wilkins ebenfalls.

Kapitän Wilkins hat an Bord seines dreimotorigen Flugzeugs Fairbanks verlassen, um nach Point Barrow zu fliegen. Drei Stunden nach fernem Abflug kündigte er durch eine drahtlose Meldung an, daß er die Endicott- berge überflogen habe. Man vermutet, daß er glücklich in Point Barrow gelandet ist. Kapitän Wilkins beab­sichtigt, nach einem Ruhetag seinen Flug in das Polar­gebiet fortzusetzen und über den Nordpol hinweg nach Spitzbergen zu fliegen.

Der Nordpol.

Auf eine Reche von Tragödien folgt jetzt ein Spiel, das man fast als Komödie bezeichnen kann.

Der Nordpol heißersehntes Ziel kühner Forscher­naturen und abenteuerlustiger Waghälse. Gar manches Opfer hat er mit seinen eisigen Krallen gepackt, mit den Eisblöcken zermalmt; oft kam keine Kunde mehr vom Leiden und Sterben dieser Nordpolfahrer. Oft kehrten Rettungsexpeditionen zurück, ohne eine Spur der Ver­lorenen gefunden zu haben. Opfer der Kälte, des Eises, des Hungers, gar oft sehr mangelhafter Vorbereitung. Aber immer wieder fanden sich neue, die das Wagnis unternahmen, die die Erstürmung des Nordpols gerade­zu sich zur Lebensaufgabe machten. Grotesk aber wurde dies, als der Wettlauf zum Nordpol anhob, und un­vergeßlich blieb der häßliche Streit zwischen C o o k und P e a r y , wer denn nun zum erstenmal am Pol gewesen sei und ob überhaupt einer von ihnen den Pol erreicht hatte. Nun aber hatte das Wetterennen noch hastigere Formen angenommen, weil man dafür die modernsten Beförderungsmittel Flugzeug und Lenkbttlletz ^,wm- wenden wollte. In Alaska rüstete ein Amerikaner und auf Spitzbergen ein zweiter: dazu ist Amundsen mit seinem LuftschiffNorge" gelandet, nun aber anscheinend zu spät gekommen, weil der amerikanische Marine­flieger, Kommander Byrd, das Rennen gemacht haben soll.

Angeblich wenigstens er behauptet, ein paarmal den Nordpol umkreist und was die Hauptsache ist eine amerikanische Flagge heruntergewor­fen zu haben. Gerade auf den Nordpol, mitten drauf! Um Besitz von ihm zu nehmen wobei wahrscheinlich auch nach einer angeblichen Mitteilung Byrds der Nordpol mitten im Wasser liegt, sich also vermutlich nicht sehr darum bekümmert, wer von ihm Besitz ergreift. Es ist dort überhaupt eine ganz verzwickte Gegend: man hat dort nämlich nur eine einzige Himmelsrichtung, den Süden. Wohin man auch blickt überall ist Süden.

Wenn nun das aber nicht der richtige Nordpol ist! Ihn festzustellen ist wissenschaftlich nicht ganz leicht. Wenn aber der Nordpol der richtige nämlich etwa auf dem Land liegt, so werden sich um den Besitz so etwa sieben Länder streiten, genau wie sich sieben Städte darum zankten, die Geburtsstadt des griechischen Dichters Homer zu sein. Man kann schließlich eineBesitzergreifung" per Flugzeug von oben her nicht gerade als völkerrechtlich stichhaltig betrachten. Landen muß man doch wenig­stens. Aber Amerika würde eine derartige Besitzergrei­fung schon als genügend betrachten; ihm ist die Haupt­sache, daß diestrips and stars" auf dem nördlichsten Punkt her Erde flattern. Und vielleicht ist da so ganz nebenbei auch noch allerhand zu holen; ist doch genug phantasiert worden über die angeblich vorhandenen Riesenlager von Eisen, Kohle, Petroleum usw. alles also überaus be­gehrenswerte Dinge. Was aber wird England dazu sagen? Nach englischem Glauben hat es sich so gefügt, daß nichts auf dem Erdball geschehen kann, ohne daß das englische Interesse" dadurch irgendwie berührt wird. Also auch am Nordpol. Vielleicht gibt das Veranlassung und Stoff für die Berufung einer internationalen Kon­ferenz, was ja jetzt ein ganz besonders beliebter Zeitver­treib ist. Aber wird die Sowjetrepublik Rußland protestieren? Sie hat nämlich in aller Form und Feierlich­keit erklärt, daß alles, was künftig in den Nordpolgegen­den entdeckt wird, in den Besitz der Sowjetrepublik über- geht. Und Norwegen? Amundsen will ja nun auch zum Nordpol fliegen mit seinerNorge", will nachsehen, ob Byrd wirklich da war. Wenn aber dessen Flagge ins Wasser gefallen ist, dann wird nicht die geringste Spur von seinem Nordpolslug übrig sein. Man sieht also, daß die Geschichte mit dem Nordpol eine ganz vertrackte Sache ist. Hoffentlich entsteht kein Weltkrieg daraus, wie ihn die Phantasie eines Romanschreibers ersonnen hat.

dem Reichspräsidenten durch Staatsmtntster Lemyeußer das Staatsministerium und die Staatsräte vorgestellt, so­dann in einem anderen Saale das Präsidium des Land- tages und die Fraktionsvorsitzenden. Der Reichsprast- dent empfing hierauf eine Abordnung der Universität Jena, die ihm die Ehrenurkunde über seine Ernen­nung zum Ehrenbürger der Universität überreichte. Am Nachmittag machte der Reichspräsident eine Rundfahrt durch die Stadt zum Belvedere zur Besichtigung des dor­tigen Schloßmuseums.