Gutes auf mich häufst und ich — was geb' ich dir dagegen?"
Er riß sie in seine Arme.
„Dich! Dich selber! Mädchen, weißt du's denn noch immer nicht, wenn ich mein ganzes Vermögen in einem Goldklumpen dir vor die Füße legen könnt', ein Lumpenbettel wär's, gegen das, was du mir mit deiner Lieb' gibst."
„Mit meiner Liebe —" wiederholte sie langsam. Und plötzlich hatte sie ihm die Arme um den Hals geschlungen und ihre großen, heißen Tränen fielen auf sein Gesicht.
„Ach, Fritz, so hoch gilt dir meine Liebe! Einen Edelstein glaubst du darinnen zu halten, aber wenn du erkennst, es ist bloß ein wertloser, falscher Scherben gewesen, da — tritt ihn unter die Füße, veracht' ihn, aber gräm dich nicht darum! Ein schönes, großes Glück, glaubst du, wird meine Liebe dir geben, und wenn ich dir statt dessen nichts gab, als einen bitteren Schmerz, wenn ich dir web tun muß — weh bis hinein in die innerste Seele — Fritz — Fritz —"
Er ritz ihre Arme von seinem Hals und streß ste von sich ab. , , r r
„Red' deutlicher!" gebot er hart nud rauh und sah sie mit aschfahlem Gesicht starr an.
„Klar sprich, ohne die Schnörkel um deine Worte. Reden sollst!"
Und er packte ihren Arm, als wolle er rhr das Gelenk brechen.
„Fritz!" schrie sie auf, mit flehender Todesangst in sein wildentstelltes Gesicht blickend.
Er lachte grell auf.
„Ja, ja, fo schauts aus zwei Augen heraus wie die reinste Himmelsunschuld, datz einer doch gleich davor niederknien wächst wie vor einer frommen Offenbarung. Und hinterher wär's nichts gewesen als eine verfluchte Lüge, die mich genarrt hat? — Reden, reden sollst!" schütelte er sie. „Ist dir auf einmal die feine Zung verdorrt?"
Sie brächte kein Wort über ihre blassen Lippen, und ihr Schweigen, das ihm als Geständnis galt, steigerte seine Wildheit auf das höchste.
„Wer, wer hat dich mir abtrünnig gemacht?" kam es wie ein heiseres Gebrüll aus seiner Kehle. „Ich wtll's nicht glauben, daß du von allem Anfang an nur Lug und Trug gegen mich gewesen bist. Gestohlen hat dich mir einer! Und wer er ist, will ich wissen!"
Er lachte gräßlich auf.
„Ist dir vielleicht von unseres allergnädigsten Herrn Herzogs sauberen Jagdkumpanen einer in die Quer gekommen und hat dir's deutlich gemacht, daß so ein grober Klotz, wie der Müllerfritz, nicht der rechte für dich ist, und datz es dir besser ansieht, Frau Vizebaronin oder -Gräfin zu werden?"
Er ballte die Hände in fassungsloser Wut.
„O — wenn's so wär', so was ähnliches, — der Lump, der Spitzbub, die betrügerische, falsche Hundeseele, die dir das Herz verwirrt Hat, den wird meine Wut treffen. Auffinden wollt' ich ihn, und wenn er sich
innerst der Erd' versteckt hätt'!"
„Fritz!" Frttz!" schrie sie verzweifelt auf.
zu-
als
Er lachte schneidend.
„So bangst du dich um ihn, daß du ausschreist, ob dir das Herz bricht. Und wie mich's schier verrückt macht, wie ein Feuerstrom in mir brennt und mir die
Hölle an allen Gliedern frißt, daran denkst nicht einmal."
„Fritz," schluchzte sie in tiefer Qual, „warum willst du mich so falsch verstehen?"
Ein wilder Hoffnungsstrahl funkelte in seinem Auge auf.
„Soll's etwa heißen, daß ich nur falsch verstanden hab', daß du an keinen andern denkst, daß — daß du mir treu bist und mich lieb hast? So red', red' doch — ein einziges Wort, ja oder nein?"
Er stand ihr gegenüber, den Oberleib vorgebeugt, die Brust wogend, die geballten Fäuste drohend ausgestreckt, die Lippen geöffnet und mit wild blitzenden Augen sie anschauend. .
O, nur jetzt die Kraft, den Mut zu einer Lüge!
„Sprich!" keuchte er noch einmal — „bist mir treu? Ja oder nein?" .
„Ja!" rang sie sich einen ächzenden Schrei von den Lippen. „Ja, ich bin dir treu — Gott erbarme sich meiner!"
Händeringend sank sie vor ihm nieder.
„Sieh' mir in die Augen!" gebot er.
Sie hob den völlig gebrochenen Blick zu ihm.
Lange, lange schaute er sie an, die Zähne in die Lippe gewühlt, die Nägel in die Handflächen gepreßt, muu trat er ohne einen Laut von ihr hinweg.
Das Mädchen duckte zusammen, als müsse im nächsten Augenblick der Todesstoß auf sie niederzucken.
„Fritz," — raffte sie ihre letzte Kraft zu einer zitternden Bitte zusammen — „vergib mir!"
Er sah sie mit einem Blick an, vor dem es sie eisig durchs""- und doch war es ein Blie. ■ unsag-
„Du mußt dir nie viel Mühe gegeben haben, mit deinen Gedanken in mich hineinzuschauen, sonst müßtest du's wissen, daß ich auf dich keinen Groll haben könnt', und wenn du mir das Messer im zuckenden Herzen her- umdrehtest. Und wenn du verächtlich und verworfen und eine Dirne, an meiner Lieb' vermöcht's doch nichts zu ändern. Sterben könnt' ich für dich, für dich morden, stehlen betteln, aber dich von mir lassen — dich aufgeben, das — und wenn's anders dein Tod wär' — das kann ich nicht."
Einen Augenblick preßte er mit wildem Druck ihre Hände, dann war er gegangen.
Ohnmächtig hatte sie die Mutter auf der Diele gefunden. —
„Aber Gretel, was tst's denn mit dir?" fragte erschrocken der Forstwart, da er, heimkommend, sie aus dem Sofa liegend fand, um sie sorgsam die Mutter beschäftigt.
„Gar nichts Gefährliches ist ihr," antwortete rasch Frau Suse, mit einem Blick auf das Mädchen, bedeutend, daß der Vater nicht ängstlich gemacht werden dürfe. „Ein bißchen Schwindel, Blutandrang, das hab' ich als Mädchen wer weiß wie oft gehabt, und hat gar nichts zu sagen. Eine Tasse Kamillentee und ein paar Stunden Ruhe und morgen bist du wieder frisch und munter."
Aber der Forstwart war noch nicht beruhigt.
„Bist du auch wirklich nicht krank, Gretel? Tut dir nichts besonderes weh?"
Sie preßte seine Hand, mit der er sie zärtlich streichelte, an das Gesicht.
„Nein, es tut mir nichts besonderes weh, Herzvater, gar nichts besonderes."
„Sagst du auch keine Lügen, Kreuzmttdel, keine Lügen?" fragte er, halb tändelnd, halb noch immer besorgt.
Die Mutter trat wieder herzu.
„Wenn du so weiter fragst. Älter, wird sie bald tod- sterbenskrank sein, denn das ist doch ein gar zu Schönes, sich so wie ein kleines Kind hätscheln und warten zu lasten. Das gibt's bei mir freilich uidjt Hingelegt, runter mit dem Tee und damit basta!"
Gretchen wars zum Ersticken. Diese liebende Sorge, die beide ihr gaben, jedes nach seiner Art. Ihre zitternden Finger preßten sich um der Mutter Hand.
„Du meine gute, gute Mutter."
Mit scharfen Blicken gewahrte Frau Suse das noch tiefere Erbleichen des ohnehin blassen Gesichtes, die glanzlos ins Leere starrenden Augen; sie glaubte einen neuen Ohnmachtsanfall herannahen und bog den Kopf des Mädchens sanft wieder auf das Kisten zurück.
„Ruhig sein sollst du, still liegen bleiben und einschlafen. Du bleibst die Nacht hier auf dem Sofa."
Eine kurze Weile lag Gretchen gehorsam mit geschlossenen Augen da, dann stand sie auf.
„Ich bin ja nicht krank, mir ist wieder ganz gut, nur müde bin ich noch, und ich will zu Bett."
Prüfend fchaute die Mutter sie an und nickte dann befriedigt. Ja, sie hatte wieder Farbe auf dem Gesicht, und stand frei und ohne Schwindel da.
„Nun, dann geh' in deine Kammer hinauf, wenn du's lieber magst."
Ja, lieber allein sein, unbeobachtet, unbelauscht. Einmal aufseufzen können, die Hände ringen und hinaus , horchen in die Nacht — horchen, ob nicht von irgend wo ein Laut durch die Stille daher zitterte, wie das Todes- stöhnen eines — Gemordeten.
11.
„Was, du bist schon auf und fix und fertig?" fragte die Mutter, als sie am anderen Morgen twd) zu früherer Stunde als gewöhnlich auf den Hausflur trat, und Gret- chen völlig angekleidet vor ihr stand. „Und ordentlich reisefertig siehst du aus. Wo willst du denn hin?"
Wohl hundert Mal hatte es sich Gretchen vorgesprochen, was sie der Mutter sagen wollte, datz dieser kein Verdacht kam, nur in dieser Stunde kein Verdacht kam, und dieselbe sie nicht zurückhielt.
„Ich hab' ganz gut geschlafen, die ganze Nacht, und es ist mir auch ganz gut, nur so ein Verlangen hab' ich nach recht viel Luft, und mich im Wald draußen tüchtig auszulaufen."
(ftorffesitng folgt.)
Der Sisgeszug des Iumpers.
Bon Gertrud Köbner.
Zuerst nur auf dem Lande getragen, wurde der Jumper später in Jersey, Wolle und Seide und ganz aus Seide hergestellt. Dann erfand man die einfacheren zweiteiligen Kleider aus Kascha, Rips und anderen Wollstoffen, die aus Rock und Jumper bestanden, und dann kamen die ganz eleganten Modelle aus Crepe de Chine, Crepe Satin und sonstigen weichen Seidenstoffen.
Die Mode der Complets trug das ihrige dazu bei, den kurzen Rock als unentbehrliche Beigabe des Jumpers zu betrachten.
Aber ihre Herrschaft ist noch nicht zu Ende, wofür die Abendtoiletten Zeugnis ablegen. Nur datz hier der Jumper auf einem winzigen Rockende sitzt, auf dem er befestigt ist Bisweilen ist er aus demselben Gewebe wie dieser, bisweilen aber auch ganz abweichend. Die neuen Kollektionen zeigen uns interessante Mischungen von Spitze und Crepe Satin, von Lame und Samt, von Musseline und Seidenrips, bald einfarbig und bedruckt oder einfarbig und beperlt.
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Abb. 2. Nachmittagskleid mit Glockenrock. Leichtgetönte Spitze belebt das beigefarbige Tuch unserer Vorlage. Die seitlichen Glockenteile des Rockes sind je der durchgehenden Mittelbahn angeschnitten; Soutacherelhen begleiten den Ansatz in Taillenhöhe. Den kleinen runden Ausschnitt ergänzt ein Einschnitt in der vorderen Mitte, der durch einen schmalen Spitzen- latz mit Druckknöpfen geschlossen wird. Larmonierend zeigt auch der lange, weite Aermel einen Spitzenkeil,
to&. 5. Nachmittagskleid mit Glockenrock und Jabot- Die modernen weichen Seidenstoffe eignen sich vorzüglich für die Glockenröcke. Der weit- fallende Rock setzt an unserer Vorlage mit einer Spitze in der vorderen Mitte an der glatten Taille an. Den Halsausschnitt begrenzt ein Spitzenkragen, an den sich ein Spitzenjabot fügt; dieses deckt zugleich den Einschnitt in der vorderen Mitte. Larmonierend wird der Aermel unten durch einen bogig ansetzenden Spitzenteil ergänzt, der mit einem Bündchen abschließt.
Abb. 1
Neid mit Mestenlah W’„ < und FalMock ,
Abb. 1. Kleid mit Westenlatz und Faltenrock. Für Kleider, die man gern zu verschiedenen Zwecken tragen möchte, da die Mode für manchen zu rasch wechselt, eignen sich die westen- artigcn Einsätze, die man dann auswechselbar arbeitet. So kann man das Kleid unserer Vorlage aus blauem Ripsstoff mit einem gleichfarbigen und einem weißen Westenlatz ergänzen. Es ist dann natürlich ratsam, die beiden Westen verschieden zu arbeiten. Sie werden je für sich mit Druckknopfen hergestellt, so daß sie leicht auswechselbar sind. Der Rock ist mit vier Gruppen von je drei Falten gearbeitet. Ein schmaler Gürtel verbindet Rock und Taille.
Abb. 2
. Nachmittagskleid mit Glockenrock
Ein glatter, schmaler Jumper wird ebenso gut zu einem glatten wie zu einem plissierten Rock getragen, rund geschnittene Glockenröcke bekommen durch Blumen- boröüren und Band-einsätze eine heitere Note.
Man steht auch neue, leichtblusige Jumper, bet denen der blusige Teil durch einen unterhalb der Taille gebundenen Gürtel gehalten wird.
Es wird sehr viel kariert getragen. Ist ein solcher Rock gerade genommen, wird der dazu gehörige Jumper schräg gearbeitet und umgekehrt, ganz nach Geschmack der Besitzerin.
Für den Sonnner verspricht man uns Röcke mit Sweaters aus bedrucktem Crepe und Musseline mit weißen Plastrons.
Außer einfarbigen oder auch bunten Languetten, die „jung" machen, zeigen die Jumper breite Aufschläge, Knöpfe, Taschen und Gürtel, Garnierungen in entgegengesetzten Farbentönen und schließlich Jabots, Kragen und Manschetten, deren Weiße immer für den Teint sehr kleidsam ist.
Abb. 3
Nachmittagskleid mit
Glockenrock und Jabot