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Anterhaltüngsbeilage zum Hersfelber Tageblatt.

Verschiedenes. Eine Biene kann zwölfmal mehr ! Honig usw. in einem Fluge forttragen, als sie selber i wiegt. Sternschnuppen leuchten in einer Höhe von etwa 150 Kilometern auf und verlöschen, d. h. sind ver- bräunt, bevor sie auf die Erde selbst gelangen. Das H Gesamt-Erzeugnis von Büchern auf der ganzen Erde ' seit der Erfindung der Buchdruckerkunst wird auf rund 14 Millionen Exemplare geschätzt. Die Stärke der unseren Erdball umgebenden Atmosphäre wird auf min­destens 200 Kilometer berechnet. Die gegenwärtig best­konstruierte Kraftmaschine, der Dieselmotor, gestattet immer noch eine Krastausnutzung von nur 35 Prozent. Die alte Kunst der Herstellung der außerordentlich biegsamen Damaszener-Klingen ist vollständig verloren gegangen. Man weiß nur, daß sie abwechselnd aus einer Schicht Eisen und Stahl bestanden.

Die alten Powpejaner klüger als die heutigen Italiener! Daß die alten Pompejaner, von denen jetzt durch die Ergebnisse neuer Ausgrabungen in ihrer Stadt die Rede ist, besser lesen und schreiben konnten, als die Volksklassen des heutigen Italien, hat der Archäologe von Dulm in interessanter Weise nachgewiesen. Obwohl in Italien, wie bei uns, ein gesetzlicher Schulzwang be­steht, lehrt die Statistik, daß dennoch in den südlichen Provinzen 48 bis sogar 82 Prozent der Bewohner weder lesen noch schreiben können. Im alten Pompeji hat man u. a. Schulgebäude ausgegraben und an den Wänden noch deutlich feststellen können, wie vor zweitausend Jahren der Schulunterricht gehandhabt wurde. In einem Raume fand man in entsprechender Wandhöhe das A-B-C der Kleinsten, andere Räume wiesen grie­chische Schriftzeichen auf, Verse aus Virgil, Properz, Ovid usw., alles direkt auf die Wände gezeichnet. Auch die Wände niedriger Wirtshäuser, Herbergen, Gar­küchen und anderer Orte, in denen der gemeine Mann verkehrte, sind mit Sprüchen oder anderen schristlichen Angaben versehen. Besonders ost ist auf die Freuden des Trinkens und der Liebe hingewiesen, wobei die der­bere Art des niederen Volkes nicht zu kurz kommt. Auch Rechnungsvennerke, Additionen usw. findet man an den Wänden. Das alles wäre heutzutage für die meisten unleserlich. Heute gehen die Neapolitaner und andere Provinzler zu einem öffentlichen Lohnschreiber, wenn sie einem anderen etwas schriftlich zu sagen haben, und selbst die Liebesbriefe hin und her müssen vom scrivano geschrieben und vorgelesen werden. Das nennt man Kultur in Italien, die deutsche Kultur in Südtirol aber trachtet man zu vernichten!

Füll-Rätsel.

Der Frauenüberschuß in Deutschland nähert sich immer mehr dem Verhältnis der Vorkriegszeit. Heute ist die Verschiebung in der Zahl beider Geschlechter zum großen Teil schon wieder ausgeglichen, trotz der.ca. 2 Millionen, die der Weltkrieg an deutschen Männern ge­fordert hat. Der Ueberschuß betrug im Jahre 1910 0,8 Millionen, 1919 2,8 Millionen, nach der letzten Volks­zählung am 1. Juni 1925 1,9 Millionen.

Merkwürdige Werbung. Als sich der englische Schriftsteller Dr. Johnson um seine spätere Gattin be­warb, sagte er zu ihr, er sei von niedriger Herkunft, be­sitze nur wenig Vermögen und ein Onkel von ihm sei gehängt worden. Die Dame entgegnete, ihr Vermögen sei nicht größer als das seinige und wenn auch bisher keiner von ihren Verwandten gehängt worden sei, so be­sitze sie deren mehr als zwanzig, die es reichlich verdien­ten. Die Ehe war sehr glücklich.

Der Smoking für Damen. Mit Elan kämpft die Türkin für Emanzipation und Einführung europäischer Sitten und Bekleidung. Mit Müh und Not ist es ihr gelungen, den Mann davon zu überzeugen, das Bein­kleid sei für die Frau unästhetisch und unpraktisch und ungesund: der Rock der Europäerin sei das wahre Ideal. Und nun laufen die Türkinnen Gefahr, mit ihrer Neuerung wiederum ins Hintertreffen zu geraten; denn die Pariser Tailleurs haben sich entschlossen, den Smo­king für Damen zu lancieren! Die Röcke der Damen seien nämlich allmählich so kurz geworden, daß die Schneider und Tuchfabrikanten nichts mehr verdienen

und die Midinetts nichts mehr zu nähen haben. Und so wird man denn nächstens in der Rue de la Paix dief ersten Hoseudamen spazieren sehen. Vom steifen Kragen und dem steifen Hemdeinsatz will man zwar vorläufig8 noch gnädig Umgang nehmen und Spitzenjumper ödere Wandervogelgilet mit weitem Ausschnitt sind gestattet.« Die Amerikanerinnen zwar, die breits größere Bestel-W lungen in Damensmokings gemacht haben sollen derx Preis wird nämlich, um den Artikel zügiger zu machen» auf 3000 Franken angesetzt haben Kragen und kleimW schwarze Krawatte gleich mitbestellt, weil die Annahme eines Ausschnittes für sie schon einen Rückschritt be­deuten würde, da sie in der Vermännlichung bereits mächtige Fortschritte gemacht haben.

Leichte Erkältnugskatarrhe werden zweckmäßig mit Apfelhonigwasser behandelt. Sechs Aepfel werden zer­schnitten und mit einem Liter kochenden Wassers über- gossen. Dann fügt man etwa 50 Gr. Honig sowie den Saft von zwei Zitronen zu und läßt das Ganze gut be­deckt eine Stunde an einer heißen Stelle des Herdes stehen. Nach dieser Zeit wird die Flüssigkeit abgepreßt. Der Patient erhält zweistündlich einen halben Tassen- kopf voll von dieser Flüssigkeit.

Zitronensaft wird mit Salz und Wasser vermischt als Gurgelwasser bei Hals- und Mandelentzündungen angewendet, in ungemischtem Zustand gegen Rachen­katarrh und Magenerkrankungen. Ein paar Tropfen Zitronensaft in eine Tasse starken Kaffee helfen bet manchen Kopfschmerzen in kurzer Zeit. Warzen ver­schwinden, wenn man Zitronenscheiben daranslegt und diese nach Ablauf von sechs Stunden erneuert. Zitronen- limonade wird erfolgreich bei leichten Fieberzuständc-n und Blutwallungen angewendet. Heißes Zitronen- wasser dagegen ist ein beliebtes Mittel zur Beseitigung von Erkältungen.

Hausmittel gegen Heiserkeit. Heiserkeit beseitigt man mit Fliedertee, Lungenkraut oder Bibernellwurzel. Man brüht 10 Gramm Fliedertee mit 0,1 Liter Wasser auf und trinkt den Tee so heiß wie möglich. 10 Gramm Lungen­kraut mit 0,2 Liter Wasser aufgebrüht und beiß ge­trunken, wirken gleichfalls vorzüglich. 20 Gramm Bibernellwurzel, mit 0,2 Liter Wasser aufgebrüht, dienen als Gurgelwasser für anhaltende Heiserkeit. Zu dem gleichen Zweck verwendet man auch Bibernelltinktur mit Zucker.

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§8

Q

Die Punkte dieser Figur sind durch Buchstaben zu ersetzen, so daß Wörter entstehen. Sind es die richtigen Wörter, so ergibt die fettgeörucke senkrechte Linie den Namen einer Blume. -

Silven-Rätsel.

1 und 2 = ein Knabenname,

3 ein Tier, doch eine Dame.

1, 2, 3 = 'ne kleine Stadt, die die Schweiz im Zentrum hat.

Anflöfung des Vexierbildes in voriger Nummer:

Man stelle das Bild auf die linke Seite. Zwischen dem ersten und zweiten Ast des großen Baumes ist die Figur eines Mannes deutlich sichtbar.

Auflösung des Buchstabenrätsels in voriger Nummer:

Dom Rom. -

Bezwungen

Original-Roman von H. Abt.

S)

Er hielt sich gewaltsam zurück, daß er sie nicht in seine trunkene Umarmung hineinriß, daß er erst die Wonne auskostete, sie zu sehen, in dieser Verzückung einer Liebe, die ihn emporhob, und noch den Schmerz als Segen pries, weil er aus seiner Hand gekommen. Und was ihm bisher nur tändelndes Spiel, ein angenehm erregender Zeitvertreib gewesen, das wuchs aus diesem frohlockenden Bewußtsein seiner Macht zu leidenschaft­lichem Verlangen empor, hob sie selbst empor zu Höherem, begehrenswerterem Besitz.

Mein," sagte er,mein!" und es war keine halb­gespielte Glut mehr, die ihr aus seinen Augen entgegen- flammte.Du Süße, du Holde! Mit mir nehmen will . ich dich, du mein Waldvogel, ein goldenes Nest will ich dir bauen, ein Nest für unser Glück."

Sie blickte ihn fragend an, nicht wagend, ihn zu verstehen, wie eine jauchzend emporschwellende Hoff­nung ihn verstehen wollte.

_Ihnen?"

"Mit mir als mein Eigen, mein Kleinod, meines Herzens allerschönste Frau Königin."

Als Ihre als eine Frau?!"

Ein Aufschrei von Seligkeit und sie lag zu seinen ^"^Sie sah nicht das tolle Lachen, das einen Augenblick über sein Gesicht zuckte: sie sühlte sich nur von ihm em­porgezogen an sein Herz und hörte seine Stimme.

Als meine Frau, als meine süße, süße kleine Frau."

Demütig wie eine Magd stand sie da und ihre Augen beteten zu ihm in Dankbarkeit.

Die Eltern" flüsterte sie ganz leise. Jetzt durfte sie sich ihnen ja anvertrauen, und sie würden ihr helfen, sie von dem Fritz zu lösenDie Eltern".

Er schloß ihr die Lippen mit einem Kuß.

Laß die Eltern. Vater, Mutter, die ganze Welt eines Weibes liegt in dem Manne, den sie liebt."

Ihr Blick ward unruhig.

Nein," sagte er kurz, fast hart. Und wie er ihr tiefes Erschrecken, eine instinktive Bewegung sich von ihm zu lösen gewährte. wiederholte er zärtlichen, doch bestimmten Tones:

^ein, nicht jetzt, nicht bevor ich es selbst von dir

Ganz verstört blickte sie ihn an.

Die Eltern der Vater ihm wenigstens laß mick's sagen. Er ist so gut, er wird meinem Glück nicht entgegen sein und ich - ich kann's so schlecht, das Lügen."

Er sah sie an, als wolle er mit den Augen ihre Seele

3U ^Margarete, liebst du mich wirklich?" . .

Sie blickte ihn nur mit gefalteten Händen schwei- Schweigend schaute Gretchen auf den Schmuck, dann gend an. , , . . . legte sie ihn auf den Tisch und drückte die Hände vor die

So beweise es, indem du mir vertraust," sagte er Augen, aus denen die bitteren Tränen hervorbrachen. ernst, fast feierlich.Ich verlange keine Lügen von dir,Gretchen, was hast du?" rief aufs höchste betroffen ich verlange nur Schweigen, während ich unser Gluck der Fritz.

vorbereite." Es war mächtiger, als ihr Wille, es brach aus ihr

Ja," hauchte sie kaum vernehmbar. Hervor, sie konnte ihm nicht wissentlich Lüge und Trug

Dann zuckte in ihr eine andere Furcht auf. geben für all seine Liebe.

Aber der Fritz, ich kann ihn doch nicht in dem Glau-Fritz," schluchzte sie,warum bist du so gut zu mir! ben belassen, er ich kann's doch nicht!" Zu Boden drückts mich, daß du mit beiden Händen nur

^Nachdruck verboten.)'

Ein herber Ausdruck trat jetzt auf des Grafen Ge- ficht.

Ich hatte in deiner Liebe mehr Stärke gewähnt- du scheinst vieles nicht zu können."

Sie starrte ihn an, eine tödliche Angst erfaßte sie» Schob er sie von sich?

Sie hob die Hände flehend empor.

Verzeih' mir. Alles kann ich, alles will ich, was du nur willst."

Er zog sie dicht zu sich heran, doch ohne sie zu küssen.

Ich halte dich an diesem Wort. Und fei getrost" seine Stimme klang wie herrlichste Verheißungder Weg zur Seligkeit führt über steiniges Land."

10.

Todmatt kam Gretchen heim. Gottlob, die Mutter war noch auf dem Felde, so brauchte sie nicht gleich die Verstellung beginnen, konnte noch eine Weile in ihren Mienen, in der Unrast, die sie trotz aller Kraftlosigkeit im Hause umhertrieb, all' das Hoffen nutz Bangen, all' die qualvolle Wonne zeigen, die sie erfüllte. Aber es war so eng, so luftleer in der Stube, daß fast der Atem versagte. Sie öffnete die Fenster wett, bog sich hinaus und trank dürstend die Luft in sich hinein.

Da aus dem Walde her, auf das Haus zu, welch fester, dröhnender, fast laufender Schritt der Fritz, Barmherziger, der Fritz!

Wie er die Hausstufen hinanstürmt, ungestüm die Tür öffnet und mit einem Freudenlachen sie umschlingt.

Da bin ich wieder! Mädchen, da bin ich wieder! Wie mir die Zeit eine Ewigkeit geworden ist. Acht Tage, eine volle Woche dich nicht gesehen. Kein Abkommen gabs. Nach Erfurt habe ich gemußt wegen dem Mühl- werk, das ganz außer Gang gekommen war. Acht volle Tage! Und du hast du auch einmal nach mir gebangt?"

Fritz ach Fritz," stammelte sie leise.

In seinem Glückstaumel merkte er nicht, wie furcht­bar blaß sie ist, wie sie sich kaum aufrecht zu halten ver­mag.

Und schau, was ich dir mitgebracht hab'. Ob's dir gefällt? Dein Brautgeschmeid soll's sein."

Sie nimmt das braune Lederkästchen aus seinen Händen, ohne es zu öffnen. O, warum häufte er Last über Last auf sie mit seiner Liebe?

Nun," lachte der Fritz, ihr Zögern einer mädchen­haft verlegenen Ziererei zuschreibend,bist nicht neu­gierig, bist nicht ein klein's bissel eitel?"

Langsam öffnete sie das Kästchen. Auf weißem Atlas lag eine schwere Kette mit großem Kreuz daran, in dessen Mitte ein prachtvoller Rubin gefaßt war, von dem ein glänzend rotes Leuchten ausging. Es war ein schönes, kostbares Geschenk. J