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Hersfelöer Tageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt' [

ntltchee Mazeiger für den Kreis HersfelS I

Amtlicher Mazeiger für den Kreis HersfelS

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Nr. 95

Sonnabend, den 24. April 1926

76. Jahrgang

Ein Zahr Reichspräsident.

Hindenburg vom 26. April 1925 bis heute.

Man kann ganz schlicht, ganz ruhig und sachlich bleiben, wenn es gilt, der ersten Wiederkehr des Tages zu gedenken, an dem des deutschen Volkes Stimme den Heerführer des Weltkrieges an die Spitze des Reiches be- rief. Die Unglückspropheten von damals sind längst ver­stummt, wie auch diejenigen, die denRetter", den sie zum Reichspräsidenten erhöhen wollten, wohl für besondere Zwecke in Aussicht genommen hatten. Gelassen, in aller seiner menschlichen und dienstlichen Würde, hat Hin- o e n b u r g in diesem ersten Jahre seines Amtes gewaltet, nicht achtend der übertriebenen Lobhudeleien auf der einen, Der zuweilen noch recht deutlichen Sprache früherer Geg­ner auf der anderen Seite. Er ist den Weg des Rechts und der Gerechtigkeit, der Milde und der Weisheit ge­gangen und hat mit großem Taktgefühl stets die rechte Mitte zu halten verstanden zwischen den Überlieferungen einer ihm teuren Zeit und den so sehr veränderten An­forderungen und Anschauungen der Gegenwart. Er wird, je länger er die höchste Würde des Reiches reprä­sentiert, um so besser vom Volke verstanden werden.

Freilich, das Amt, das er zu verwalten hat, ist eine Wirkungsstätte der Entsagung. Das hat sein Vor­gänger, der erste Präsident der Deutschen Republik, ein Mann von lebhaftem Temperament und reich bewegter politischer Vergangenheit, noch verhältnismäßig jung an Jahren, gewiß oft genug bitter schwer empfunden. Aber er hat sich, nicht nur durch seinen Eid, auch durch Einsicht und Verstand vor allen Versuchungen gefeit, gewissenhaft an die Grenzen der von ihm selbst mitgeschaffenen Ver­fassung gehalten und hat in sturmbewegten Tagen die Einheit des Reiches gewahrt. Hindenburg hat, be­vor er sich dazu entschloß, die ihm angebotene Präsident- schaftskandidatur anzunehmen, keinen Zweifel darüber gelassen, daß er sich weder von ungezügelter Tatenlust noch gar von irgendwelchem politischen Ehrgeiz beseelt fühle. Er wollte dem Vaterland ein neues, vielleicht das größte Opfer darbringen, indem er nun auch noch seinen Lebensabend hingab, obwohl er das biblische Alter be­reits überschritten hatte, und indem er, ein Dfonarchist ohne Tadel, aus der Hand des neuen Staats ern Arm übernahm, das ihn zu ganz besonderer republikanischer Pflichtentfaltung nötigte. Hindenburg wollte dem deut­schen Volk ein Beispiel geben, ein Beispiel der Eini­gung, der Treue, der Versöhnung. Der Erfolg hat gezeigt, daß dieser Wille nicht umsonst über uns ge­waltet hat.

Wenigstens nicht ganz umsonst. Von wenigen, poli- Lisch nicht ins Gewicht fallenden Ausnahmen abgesehen, ist der zweite Reichspräsident von allen Seiten stets mit dem Respekt behandelt worden, der ihm seinen Ver­diensten wie feiner heutigen Stellung nach gebührt, und wo er auch hingekommen ist in Deutschland während dieses Jahres, nach Leipzig, nach München, nach Köln, überall war er der Mittelpunkt begeisterter Stim- mungen, herzerhebender Kundgebungen. Wenn es in der inneren Politik auch unter Hindenburg Konflikte mancher Art gegeben hat, an ihm hat es gewiß nicht ge­legen, daß sie unvermeidlich wurden. Nur in einem ein­zigen Fall hat er' als Reichspräsident gegen Beschlüsie der übrigen verfassungsmäßigen Faktoren unserer Gesetz­gebung Einspruch erheben müssen. Die neuen Strafbe- stimmungen gegen den Zweikampf in der Reichswehr mußten einer Revision unterzogen werden, da sie, so wie sie aus den Beratungen des Reichstages hervorgegangen waren, die Unterschrift des Reichspräsidenten nicht fan­den. Dabei standen ihm selbstverständlich verfassungs­mäßige Ermächtigungen zur Seite, gegen deren Anwen­dung in diesem Falle auch nicht die geringste Beschwerde möglich war. In der auswärtigen Politik dagegen ist Hindenburg den Locarnoweg, der schon beschriften war, als er sein Amt übernahm, bis nach Genf mitge­gangen, obwohl gewiß auch hier Bedenken nicht fern­lagen. In dieser Frage ganz besonders hat Hinden- burgs Beispiel einen beruhigenden Einfluß geübt, zum mindesten auf Ton und Masse der Opposition, die ge­leistet wurde und das will in dem zerklüfteten Deutsch­land von heute immerhin schon etwas besagen.

Das deutsche Volk dankt am heutigen Tage seinem greisen Reichspräsidenten von ganzem Herzen für die Opfer, die er in diesem Jahre dem Vaterlande gebracht hat. Unser aller Aufgabe bleibt es, uns seines Vorbildes wert und würdig zu er­weisen! Dr. Sy.

Dr. Luthers Einigungsverhandlungen.

Das Entgegenkommen für Preußen.

Die Besprechungen, die Reichskanzler Dr. Luther nach den aufsehenerregenden Vorgängen im Rechlsaus- ächuß des Reichstages mit den Regierungsparteien ausge­nommen hat, um einen Ausweg aus der Krise zu finden, sind am Freitag fortgesetzt worden, nachdem sie am vor- chergehendenTage ergebnislos abgebrochen werden mußten. ;An diesen Besprechungen nahmen auch der preußische Mi­nisterpräsident Braun, der preußische Finanzminister Dr. H ö p k e r - A s ch o f f sowie Reichsjutzizminifter Marx teil. Die Besprechungen waren zwar streng ge­heim, doch verlautet in politischen Kreisen, daß eine Einigung mit Preußen wegen des Fürstenkom-

240 Milk. Ausfuhrüberschuß

Der deutsche Export im Steigen.

Verdoppelter Ausfuhrüberschuß im März.

Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamts hat der deutsche Außenhandel im Monat März einen Ausfuhr­überschuß von 240 Millionen Reichsmark aufzuweisen. Im reinen Warenverkehr ist die Außenhandelsbilanz im Mo­nat März mit 278 Millionen aktiv gegen 121 Millionen im Februar und 88 Millionen im Januar dieses Jahres. Von besonderer Bedeutung ist die Tatsache, daß sich bei einem Rückgang der Einfuhr an Fertigfabrikaten um rund 11 Millionen die Ausfuhr fertiger Produkte um rund 122 Millionen gehoben hat. Daran sind beteiligt die Textilsertigwaren mit 32,4 Millionen, Eisenwaren mit 18,8 Millionen und Maschinen mt 12,3 Millionen. Ferner weisen alle anderen Gegenstände, vor allem Farben, Papier, Kupserwaren, Leder, Schuhweck, sowie Glas und Glaswaren eine erhöhte Aussuhrziffer auf. Die Einfuhr an Lebensmitteln und Ge- tränken weist im März gegenüber dem Vormonat eine Abnahme um 7 Millionen aus. Zurückgegangen ist unter anderm die Einfuhr an Weizen, Fischen, Kaffee, Fleisch und Obst. Zunahmen zeigen dagegen Butter, Südfrüchte und Käse,

Promißentwurses erzielt worden ist. Diese Einigung son im wesentlichen aus folgenden Punkten beruhen:

Die Herrschaft Schwedt-Wildenbruch verbleibt dem Hohenzollernhaus. Dem Staate Preußen werden die Museen usw. entschädigungslos zugesprochen. Der Preußische Staat erhält ein Rückkaufsrecht auf diejenigen Güter, die das Hohenzollernhaus, wie z. B. Rominten, Springe usw., früher einmal billig erworben hat. Bei der Wiederaufrollung von Einzelurteilen soll nicht mehr eine Zweidrittelmehrheit des Sondergerichts, sondern nur

Von den Regierungsparteien sind außerdem Ver­handlungen mit den Deutschnationalen und den Sozial- demokraten ausgenommen worden, um neue Grundlagen für die Verhandlungen im Rechtsausschuß zu suchen. Die für Freitag nachmittag angesetzte Sitzung des Ausschusses mußte abgesagt werden, da die Verhandlungen bis zu diesem Zeitpunkt noch in der Schwebe waren. Statt dessen Trat der Ausschuß in den Abendstunden zusammen, um über den weiteren Geschäftsgang und die weitere Behand­lung des Kompromißentwurfes zu beraten. Jedenfalls sah man in politischen Kreisen die Lage am Freitag be­deutend günstiger an als am Tage zuvor, so daß von einer Regierungs- oder einer Reichstagskrise nicht mehr die Rede war. __________

Beschränkung des Volksentscheides.

Sparerbund und Aufwertungsfrage.

Der von der Reichsregierung angekündigte Entwurf eines zweiten Gesetzes über den Volksentscheid, zu dem der von dem Sparerbund und der Reichsarbeitsgemeinschast der Auswertungsgeschädigten- und Mieterorganisation geplante Volksentscheid über eine neue Auswertung An­stoß gegeben hat, ist jetzt der Öffentlichkeit mitgeteilt wor­den. Der Artikel I dieses Gesetzes sieht vor, daß als Gesetz im Sinne des Gesetzes über den Volksentscheid auch alle Fragen gelten sollen, die die Folgen der Geldent­wertung regeln. Der Artikel n bestimmt, daß über ein Gesetz zur Änderung oder Aufhebung dieses Gesetzes nur der Reichspräsident einen Volksentscheid veranlaffen kann. Der Artikel III bestimmt, daß das Gesetz mit dem auf die Verkündigung folgenden Tag in Kraft treten soll. Diesem Gesetzentwurf ist eine ausführliche Begründung beigegeben, die alle die Argumente enthält, die bereits die erste amtliche Regierungserklärung in dieser Angelegenheit brächte. Ausdrücklich wird bemerkt, daß das vorgeschlagene Gesetz auf die Regelung der Aus­einandersetzung der Länder mit den ehemals re­gierenden Fürstenhäusern und damit auch aus den bereits laufenden Volksentscheid keine Anwendung finden kann.

Der Sparerbund wendet sich mit einer Zuschrift an die Öffentlichkeit, in dem er bestreitet, daß das von ihm gewünschte Aufwertungsvolksbegehren den Haushalts­plan oder die Abgabengesetze betrifft, wie dies von der Reichsregierung behauptet wird. Der Sparerbund be- streitet auch entschieden, daß Kreditwirtschaft und Wäh­rung durch das Volksbegehren erschüttert würden. Im Gegenteil würde die Kaufkraft der Massen gesteigert und insbesondere die Kaufkraft der Sparer und Gläubiger gehoben werden. Ebenso erscheine es bedenklich, die P e r - sondes Reichspräsidenten erneut in den Kampf hineinzuziehen, was durch den Regierungsentwurf un­weigerlich geschehen würde.

Frankreichs auswärtige Politik.

Erklärungen Briands in der Französischen Kammer.

Bei der Kammerberatung über das Budget der aus­wärtigen Angelegenheiten laste Ministerpräsident Briand

In Berliner Großbankkreisen wird die Besserung des deutschen Außenhandels als ein erfreuliches Symptom zur Besserung der wirtschaftlichen Lage ge­weitet. Dieser Erfolg wird auf die billigere Preisstellung der deutschen Industrie und des deutschen Exporthandels zurückgeführt, die unbedingt notwendig waren, damit Deutschland auf dem Weltmarkt der Konkurrenz gegenüber wieder mit Erfolg arbeiten kann. Im eigentlichen Ex­porthandel ist man allerdings etwas zurückhaltender mit dem Optimismus. Das Anwachsen des deutschen Ex­portes im März wird vor allem auf die auf der Leip­ziger Frühjahrsmesse getätigten Abschlüsse zu­rückgeführt. Im übrigen wird in diesen Kreisen daraus hingewiesen, daß das Ausland vielfach Ankäufe bei Rot- und Ausverkäufen notleidender Industrien in Deutsch­land vorgenommen hat.

Wie dem auch sei, es ist erfreulich, festzustellen, daß Deutschland, wenn auch langsam, aus dem Weltmarkt wieder konkurrenzfähig wird, und daß es ihm in zäher Arbeit gelingt, die durch Krieg und Inflation zusammen­gebrochene Wirtschaft stückweise wieder aufzubauen. Sollte dieser Aufschwung weitergehen, so wird sich dies auch bald auf dem Arbeitsmarkt auswirken, und die vielen Tausende, die jetzt vergeblich Arbeit und Brot suchen, werden wieder einer ständigen Beschäftigung zugeführt werden können.

in Beantwortung der Ausführungen'eines sozialistischen Abgeordneten, er hoffe, daß die Angelegenheit der un­garischen Banknotenfälschungen von den ungarischen Be­hörden in befriedigender Weise geahndet werde, anderen­falls Frankreich die Angelegenheit einem internationalen Schiedsgericht unterbreiten würde.

Aus die französische Politik gegenüber Italien ein­gehend, betonte er, daß Frankreich die besten Beziehungen mit Italien unterhalte, und nicht den Fehler begehen werde, anderen Völkern über die Art, wie sie sich regieren -m^efc^ machen. Zwischen Italien und Frankreich gebe es keine unüberwindlichen Interessen­gegensätze. Briand schloß mit der Erklärung, daß er an die Möglichkeit der Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Italien auch in der Zukunft glaube.

Hierauf interpellierte der sozialistische Abgeordnete Spinasse über den Verlauf der letzten Völker- bundtagung, die allgemeine Enttäuschung und zum Teil sogar Befürchtungen hervorgerufen habe. Briand erwiderte: Ich bin sicher, daß die Völkerbundversamm­lung im September zu der gewünschten Lösung führen wird. Der Geist der Gleichheit im Völkerbund macht täglich Fortschritte. Von feiten Frankreichs wird er aus keine Schwierigkeiten stoßen. Die Ereignisse können sein Vertrauen in den Völkerbund nicht erschüttern, sie sind vielmehr genügend, es zu stärken. Die letzte Völkerbund­tagung hat diese Ereignisse im Geiste der Solidarität be­handelt und das Volk, das vorläufig noch vom Völker­bund ferngehalten worden ist, hat sich von ihm nicht ent­fernt. Diese beiden Tatsachen sind geeignet, Vertrauen zum Völkerbund einzuflötzen.

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250 000 Mann in der Türkei mobilisiert.

Nach Meldungen derChicago Tribune" aus Kon­stantinopel sollen die militärischen Vorbereitungen der Türkei sehr viel umfassender sein, als man bisher ange- nommen habe. Die Gesamtzahl der mobilisierten Truppen soll 250 000 Mann betragen. Wie der Korrespondent der Chicago Tribune" weiter berichtet, soll sich die Angora- regierung darüber klar geworden sein, daß nur der V e r - zicht auf Mossul und aus die Llßebiete in dieser Gegend einen gemeinsamen italienisch-griechischen Angriff aus die Türkei verhindern könne. In politischen Kreisen Angoras sei man sich aber über einen Verzicht auf Mossul keineswegs einig. In militärischen Kreisen sei man ent­schieden gegen alle Zugeständnisse in der Mossulsrage.

Der Korrespondent will ferner wissen, daß die rus­sische Regierung der Angoraregierung vorgeschlagen habe, sich als unabhängiges Mitglied mit der Sowjetrepublik zu vereinigen, wofür Moskau ein Militärbünd- nismitderTürkei fchließen und die türkischen Trup­pen mit Munition und Kriegsmaterial im Kriegsfalle unterstützen würde. Die Sowjetregierung habe im Falle eines Angriffs auf die Türkei außerdem noch die weit­gehendste militärische Unterstützung versprochen. Kemal Pascha und eine starke Gruppe von Politikern befürwor­teten den Vorschlag Moskaus.

Ernste Kämpfe in Ztalienisch-Gomaliland.

Nach einer Reutermeldung hat in Jtalienisch-Somali- land ein heftiger Kampf stattgefunden, in dem die ita- lienischen Truppenschwere Verluste erlitten. Die italienische Regierung hat eine Blockade über die Küste verhängt und eine Anzahl arabischer Kausfahrtei- schisse beschlagnahmt und versenkt.