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Hersfelöer Tageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt'

Amtlicher Mzeiger fiir öen Kreis Hersfelö

Der Bezugspreis beträgt durch die Pol! bezogen monatlich I.- M., aussMs». L-ürltzÄS, für ßersleld L M bei freier Zeitetfug, «Maler .80 Mk. ä Drad< und Verses sei hudele Funh? Buchdruckerel in ßersleld, (DifgÜed des vDZV.

Nr. ss

GonnabenS, den 17. April 1926

76. Jahrgang

Hinauf und vorwärts.

Vor einigen Tagen hat ein preußischer Minister in Koblenz erklärt, es gehe allmählich wieder vorwärts mit uns. Wenn dabei gerade die Lenzsonne ihre schönsten Strahlen ausgießt, in den Augen der gequälten Men­schen Widerschein weckt, so wird der Glaube an das Vesserwerden mächtig bestärkt. Denn nach der Versiche­rung des Altmeisters unserer Dichter ist es jedem einge­boren, daß sein Gefühl hinaus und vorwärts dringt in den Tagen, wo die Lerche ihr schmetternd Lied singt und der Kranich über Land und See nach der Heimat strebt. Unzweifelhaft liegt ein Beweis für das Vorwärtsstreben in der an diesem Sonntag erfolgenden Eröffnung der Reichsgesundheitswoche. Das Reich sorgt sich wieder um Verbesserung und Erhaltung der Gesundheit seiner Bürger tröstlicher Gedanke nach den Jahren des Krieges, der Inflation, der Wirtschafts­katastrophe. Der Reichsgesundheitswoche folgt in kurzem die in Düsseldorf vorbereitete G e f o l e i, die ebenfalls das Gesundheitswesen fördern soll.Gesolei" ist keine phantasiebeschwingte Bezeichnung für eine Patentmedizin gegen alle Krankheiten, kein Apparat zur Ausübung von Arm- und Beinbewegungen, sondern die Abkürzung für Große Ausstellung Düsseldorf 1926 für Gesundheits­pflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen". Der Himmel lasse derGesolei" ihren Namen nicht entgelten bei der gewünschten Wirkung.

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Gesunder Geist im gesunden Körper. Der moberne Sport will die Mahnung des alten Römers Juvenal zu Ehren bringen. Stubenhockerei, Schulbankbleichsucht sollen das junge Deutschland nicht mehr länger am Aufstieg hindern. Viele Schritte sind wir vorwärtsgekommen und unsere Siege im Wettbewerb mit anderen Rationen haben gezeigt, daß auf dem deut­schen Boden ebensoviel Liebe zu körperlicher Entfaltung gedeiht wie anderswo. Leider ist dabei die Ausnützung mancher sogenannten Sportbetriebe zu spekulativen Zwecken mit vorgedrungen. In Berlin verkrachte so­eben beinahe das zum zweitenmal in diesem Jahre in blieben fern und trotz aller Reklame fanden es die Unter­nehmer angemessen, plötzlich zu verschwinden. Interessant die Feststellung, daß die Veranstaltung der Schau einem Konditor und einem Gummifabrikanten zu verdanken war. Es ist ihnen sicher nicht übelzunehmen, wenn sie in knapper Geldzeit ihre Einnahmen vermehren wollen, aber dazu ist doch schließlich die Idee von der Körperer­tüchtigung nicht da. Ebensowenig wie der Einfall eines hervorragenden Mannes, der einen 130 Stunden währen­den Tanz absolvieren wollte. Bedauerlicherweise endete der Versuch des Nachweises, die menschliche Willenskraft liege in den Schuhen statt in den Gehirnen, schon nach wenigen Stunden. Die Bewunderer solcher Äkrobatie kgmen nicht auf ihre Kosten und mußten sich auf andere Tanzböden begeben. Überhaupt scheint das Publikum allmählich der Kunststücke, die den ehrlichen Sport in sein Gegenteil verkehren, müde zu werden. Auch die zum höchsten Gebot an Erwerbstreibende verpachteten Säle zur Vorführung von Berufsfaustkämpfern veröden, wie die Klagen in Fachblättern kundtun. Kann man hoffen, daß damit schon ein Gesundungsprozeß eingeleitet wird?

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Im gesunden Körper soll die gesunde Seele, der ge­sunde G e i st wohnen. Tausende von kleinen Menschen haben in diesen Tagen das erstemal die Schulsäle be- treten. Anfänger des Studiums, manchmal mit einer ge­wissen Überhebung ironisch-wohlwollend ABC-Schützen ge­nannt. Niemand braucht unsere jüngsten Lernbeflissenen zu verteidigen. Mancher, der lang und dick und geschwollen in der Welt herumläuft und über geringe Leute hinwegguckt, hat nichts Erhebliches aus der Schule nach Hause getragen. Aber wirklich betrüblich ist die gerade jetzt erfolgte Fest­stellung, daß in Preußen allein zurzeit 30 000 ausge­bt l d e t e Lehrer ohne Anstellung sind. Arbeitslosigkeit bei den Erziehungskrästen bekundet mehr wie andere Er­scheinungen, wie weit wir noch von dem Punkte entfernt sind, an dem wir bei dem mühsamen WegeHinauf und vorwärts" eine Ruhepause zu erhoffen berechtigt sind. In überfüllten Schulklassen und bei darbender Lehrer­schaft kann der Geist nicht gedeihen.

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Ein englischer Statistiker hat ausgerechnet, im Ver­laufe von zwei Jahrhunderten würden sämtliche Be­wohner des Erdballs geisteskrank sein. Nach dem Eng­länder gab es im Jahre 1859 einen Verrückten auf 535 Normale. Im Jahre 1897 entfiel auf 312 Personen ein Geisteskranker. Bei der gleichen Steigerung gibt es 1926 auf je 150 und im Jahre 1977 auf 100 Normale einen Kranken. 2139 werde es also in der ganzen zivilisierten jWelt nicht einen einzigen Bewohner geben, der im voll­ständigen Besitz seiner geistigen Kräfte sei. Als ein Glück jbei so mißlichen Aussichten ist es zu betrachten, wenn der !große Herzog aller Italiener, Herr Mussolini, im Augenblick nach Tripolitanien hinübergefahren ist und mittels der von seiner Person ausgehenden faschistischen Lichtstrahlen den Grund zu einem anderen römischen Welt­reich gelegt hat. Der Imperator ist nach seinen vielfachen Reden wohl stark und klug und weise genug, um in den von seinem Willen geführten Neuländern die Entartung

Einigung über die

Schrechongen beim Reichskanzler über Jürsirnabsindnng.

Das neue Duellgesetz.

In der Reichskanzlei haben am Freitag die vorge­sehenen Besprechungen über die endgültige Fassung des Gesetzes über die Fürstenabfindung stattgefunden. An diesen Beratungen, die im Arbeitszimmer des Reichs- k a n z l e r s abgehalten wurden, waren Reichskanzler Dr. Luther, Reichsinnenminister Dr. Külz, Reichsjustizminister Marx sowie die Führer der Reichstagsfraktionen der Re­gierungsparteien beteiligt. Wie es heißt, soll es zwischen der Reichsregierung und den Vertretern der Regierungs­parteien zu einer völligen Übereinstimmung gekommen sein, wenn sich auch noch gewisse Widerstände, besonders bei dem preußischen Finanzminister, bemerkbar gemacht haben sollen.

In der nächsten Woche soll der Rechtsausschuß des Reichstages die umgestaltete Kompromißvorlage Para­graph für Paragraph durcharbeiten und dann erst soll die Mehrheitsfrage unter den Fraktionen geklärt werden.

Ein weiterer Gegenstand der Beratungen beim Reichs­kanzler war die D u e l l f r a g e, in der bekanntlich der Reichspräsident den Reichstagsbeschlüssen widersprochen hat, da er in ihnen eine Benachteiligung des Offizier st andes erblickte. Auch in dieser Frage ist bei den Besprechungen eine Übereinstimmung erzielt wor­den. Wie es heißt, soll hier der Ausweg gewählt werden, daß die Muß Vorschrift hinsichtlich der Entlassung von Offizieren und Beamten für den Fall eines Zweikampfes in eine Kann Vorschrift abgeändert wird, mit Ausnahme ganz besonders schwerer Fälle, wo der Zwang zur Ent­lassung aufrechterhalten werden soll.

Reichskanzler Dr. Luther hat in Begleitung des Reichsinnenministers Dr. Külz und des Reichsfinanz- liuWM^Dr. ffi&tibqliigSwi^^

sich nach München begeben. Hier soll u. a. die Frage des Finanzausgleichs zwischen Reich und Ländern be­sprochen werden. Am Sonnabend abend wird Reichs­kanzler Dr. Luther eine Rede über die Kulturpolitik in Deutschland halten, möglicherweise wird er auch die außenpolitische Lage zur Sprache bringen.

der Verstandessunktlönen zurückhalten zu können. So dürfte möglicherweise aus dem schon in kurzem ganz mussolinistisch gewordenen Afrika neues Licht das über­alterte Europa überströmeu trotz der Prophezeiungen des britischen Statistikers. Alala Mussolini mit diesem faschistischen Schlachtruf fallen in Wien und Prag seine Bewunderer schon über die D e u t s ch e n her mit­hin kann es dem Duce beim Plan seiner Welterneuerung nicht fehlen! Z i o.

Prozeßhochflut in Preußen.

2% Millionen Aufwertungssachen.

Bei Beratung des Justizhaushalts im Preußischen Landtag wurde vom Berichterstatter darauf hingewiesen, daß die Tätigkeit der Gerichte sich im letzten Jahre außer­ordentlich vermehrt habe. Im Januar 1926 seien 303 000 Klagen in erster Instanz angestrengt worden gegen 186 000 im Durchschnitt des Jahres 1913.

Justizminister Dr. Am Zehnh off betonte, Auf­wertungsfragen sollten grundsätzlich als Eil - s a ch e n behandelt werden, insbesondere dann, wenn von der Bereinigung des Grundbuches ein weiterer Kredit abhängig sei. Trotz aller Maßnahmen sei es aber nicht möglich, reibungslos zu arbeiten, da die Zahl der Auf­wertungssachen sich auf 2% Millionen belaufe, wovon erst 8 % erledigt feien. Im Justizministerium fei daher der Personalabbau höchst ungelegen gekommen. Es geschehe aber alles, um möglichst viel neue Kräfte heranzuziehen. In den Gerichten fei Raummangel. Teil­weise müßten sogar Beamte aus Gängen und im Schichtwechsel arbeiten.

Feststellungen im Femeausschuß.

Der Putsch von Küstrin.

Das Darlehen der Arbeitgeberverbände.

Im Femeausschutz des Preutzischen Landtages kamen amtliche Ermittlungen zur Vorgeschichte des Küstriner Putsches im Jahre 1923 zur Sprache, in den der Abgeordnete I a h n k e verwickelt gewesen sein soll. Danach ist festgestellt worden, datz Jahnke, der damals noch nicht Abgeordneter war, mit Major Buchrucker, dem Leiter des Küstriner Putsches, in Verbindung gestanden hat und daß er auch mit den Ab­geordneten Behrens, v. Gräfe und Oberleutnant Schulz mehr­fach Besprechungen gehabt hat. Jahnke ist von den Reichs­stellen

im Ruhrkamps in leitenden Stellen beschäftigt worden. Weiter stellte der Ausschuß fest, daß Oberleutnant Schulz im Jähre 1924 von dem Vorsitzenden des Zentralver- bandes der Landarbeiter, dem Abg. Meyer, für den Verband der Landvolkgenossenschaften angestellt worden sei, wobei eine Kenntnis von den Anklagen gegen Schulz nicht vorhanden ge­wesen sei. Das Darlehen der Vereinigung der Arbeitgeberver­

Der Inhalt des neuen Kompromisses.

Von gut unterrichteter Seite wird uns gemeldet: Die Kompromißvorschläge, über die in der Angelegenheit der Fürstenabfindung zwischen den Regierungsparteien des Reichstages und der Reichsregierung eine Einigung erzielt worden ist, decken sich inhaltlich mit dem Kompromißent­wurf, der vom Rechtsausschuß des Reichstages vor Ostern in der ersten Lesung erledigt worden ist, nur sind auf Wunsch des Reichsjustizministeriums einige andere For­mulierungen des Textes gewählt worden. Die wesentlich­sten Bestimmungen des Kompromisses gehen dahin: Der 2 o n d e r g e r i ch t s h o f für die Auseinandersetzungen zwischen den Ländern und den ehemaligen Fürstenhäusern soll außer dem Vorsitzenden aus vier richterlichen und vier aicktrichterlichen Beisitzern bestehen. In den Fällen, wo eine Gesa.mlabfindung stattgefunden hat, kann nur auf Antrag beider Parteien das Verfahren wieder ausge­nommen werden. Bis zum Jahre 1950 dürfen die aus Den Entschädigungen gewonnenen Mittel nur zum privat­wirtschaftlichen Gebrauch oder zu wohltätigen oder zu kul­turellen Zwecken verwendet werden. Ebenfalls bis zu diesem Jahre darf ein ausbezahltes Kapital nur mit Ge­nehmigung des Landes in das Ausland gebracht werden. In der neuen Formulierung wird der Kompromißentwurf am nächsten Dienstag dem Rechtsausschuß des Reichstages vorgelegt werden. Bei dieser Gelegenheit wird der Reichs- innenminister Dr. Külz eine Erklärung zur Frage des verfassungsändernden Charakters des Ge­setzes abgeben.

Für das Gesetz zur Vereinfachung des Militärstraf- rechts, bei dem es sich bekanntlich um die Dienstentlassung wegen Duellvergehens handelt, liegt dem Reichs- rateinneuerEntwurf vor. Die heute zwischen den Regierungsparteien und der Regierung in dieser Ange­legenheit erzielte Einigung richtet sich dahin, daß dieser Aberkennung d e s Amte s erkannt werden können, aber in besonders schweren Fällen, wie etwa bei leichtferti­gem oder ehrlosem Verhalten, auf Aberkennung des Amtes erkannt werden müssen. Diese Bestimmungen sollen für alleBeamteallgemein, also nicht mehr allein für Offiziere gelten.

bände sei ohne Wissen de?'Vorsitzenden, von Borsig, gegeben worden. Die Rückzahlung sei erst nach der öffentlichen Erörte­rung der Angelegenheit erfolgt. Das Darlehen und die weiter von ihm gesammelten Geldbeträge habe der Abg. Meyer

für den Untersuchungsgefangenen Schulz verwendet; eine Verwendung für einen Fluchtversuch sei nicht festgestellt. In dem bisherigen Untersuchungsergebnis seien auch andere Beziehungen zwischen der Arbeitgebervereinigung, den ge­nannten deutschnationalen Abgeordneten und Fememördern oder Fememordverdächtigen nicht festgestellt worden.

Dr. Boelitz SV Jahre alt

DerReformatorunseresSchulwesens.

Am 18. April vollendet der ehemalige preußische Kul- tusmmlster Dr. Boelitz sein fünfzigstes Lebensjahr. Dr. Boelitz, der der Deutschen Volkspartei angehört, über- «ahm Jahre 1921 nach dem sozialdemokratischen Mi­nister Hanisch das preußische Kultusministerium und ver­waltete es bis zum Januar 1925. Sein Ziel in diesem Amte war, die Revolution auf dem Gebiete des Bildungs­wesens durch die Evolution zu überwinden. Der Aus­bau der Volksschule und die Reform des höheren Schulwesens, die seinen Namen trägt, find sein Werk. In seinem Amte kam ferner die Reform des Lehrerbildungswesens und das Gesetz über die Aus­einandersetzung von Staat und Kirche zustande. Seit Januar 1925 widmete sich Dr. Boelitz den kulturpolitischen Aufgaben seiner Partei. Seinem in zweiter Auflage er­schienenen Buch über den Aufbau des deutschen Bildungs- Wesens hat er jüngst die Schrift folgen lassenDer Cha­rakter der höheren Schule". '

Msdensverhandlungen mit Abd-el-Krim

Französisch-spanische Meinungsverschiedenheiten.

Die Verhandlungen mit Abd-el-Krim werden nach Pariser Blätterangaben am 18. ds. Mts. beginnen. Die französisch-spanische Frühjahrsoffensive, die in Ausdeh­nung der gesamten Front eröffnet werden sollte, ist vor­läufig aufgeschoben. Die Offensivvorbereitungen werden jedoch fortgesetzt. In einem großen Teil der Presse be­zweifelt man, daß Abd-el-Krim sich mit seiner Entfernung aus dem Rifgebiet abfinden werde, obwohl die französische Regierung bereit ist, ihm eine Residenz mit hohem Jahres gehakt in Frankreich anzuweisen.

Die allgemeine Nervosität wird noch verstärkt durch den Eindruck, daß zwischen Madrid und Paris weit­gehende Meinungsverschiedenheiten bestehen. DerJn- transigeant" gibt Informationen aus Malaga wieder, nach denen die spanische Regierung vier Bedingungen an die Unterzeichnung eines Waffenstillstandes knüpft, von denen die französische Regierung jedoch nur zwei für wichtig hält. -