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Hersfelöer Tageblatt

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Hersfelöer Kreisblatt"

Amtlicher Anzeiger für -en Kreis Hersfeld

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Nr. SS

Freitag, den 16. April 1926

76. Jahrgang

Vertrag nach Osten?

Zu den augenblicklichen Auseinandersetzungen über deutsch-russische Verhandlungen wird uns von unterrich­teter Seite aus Berlin geschrieben:

Gerade vier Jahre ist es her da hat man sich auch so furchtbar ausgeregt; auf der Konferenz von Genua nämlich, als plötzlich in die Versammelten die Kunde hineinschneite, daß Deutschland mit Bevollmächtigten der Sowjetrepublik den Vertrag von Rapallo abge­schlossen hätte. Lloyd George, damals Englands Vertreter, wurde ordentlich grob den deutschen Delegierten gegenüber; war es doch die sozusagen überhaupt erste Aktion der deutschen Außenpolitik nach dem Frieden von Versailles. Weil es eine Aktion war nach Jahren des Stillstandes, der Tatenlosigkeit, so war sie zu begrüßen, gleichgültig, wie man über Wert oder Unwert dieser Aktion an sich denken mag.

Der europäische Kontinent ist übersponnen von einem Netz von Bündnissen und Deutschland ist von den Fäden dieses Netzes umwickelt, in seinen Bewegungen gehemmt. Man betrachtet das beinahe als Selbstverständlichkeit, daß über uns hinweg Frankreich mit Polen und der Tschecho­slowakei Verträge abschließt, hinter den Kulissen der Kleinen Entente" steckt, mit Spanien und Italien eng verbunden ist aber wenn Deutschland nicht etwa einen ausgesprochenen Rückversicherungsvertrag mit Ruß­land schließen, sondern nur eine Klärung des politischen Verhältnisses herbeiführen will, das in den Augen Ruß­lands durch Locarno getrübt erscheint, dann ist allge­meine Entrüstung bei der Entente. Dabei hat Deutsch­land das Londoner und Pariser Kabinett über unsere Unterhandlungen unterrichtet. Wenn jetzt in englischen Blättern Mitteilung von diesen Verhanvlungen gemacht wird, so kann man also vorläufig noch nicht einmal sagen, wem diese Indiskretion zuzuschreiben ist

Uns Deutschen kann diese Aufregung gleichgültig sein, um so mehr, als sich die im Völkerbund entscheidenden Mächte uns gegenüber in Genf und auch sonst nicht der­art benommen haben, daß wir uns ihnen auf Leben und Tod verschreiben müssen. Der Gedanke ist zollfrei: wenn letzt ,in London und Paris darüber aufregt, daß Deutschland mit Rußland evtl. einen Vertrag aoscyliept, der gleichfalls einen Friedens- und Garantie- v e r t r a g L la Locarno darstellt, der aber jede kriegerische Mitwirkung Deutschlands gegen Rußland ausschließt, so scheint aus dieser Aufregung fast nur die Entrüstung darüber zu sprechen, daß wir uns nicht bedingungs- l o s vor den antirussischen Wagen spannen lassen wollen. Was anderes soll man denn sonst dabei vermuten? Lo­carno bedeutet doch eine sreiwillige Vereinbarung, aber nicht unbedingte Fesselung nach Westen hin. Keine un­bedingte Unterwerfung unter die Beschlüsse von London und Paris. Das haben wir betont und werden wir immer betonen. Man sieht jetzt, daß der russische Volks­kommissar des Auswärtigen neulich gar nicht so unrecht hatte mit seiner Mahnung an Deutschland, sich nicht so hemmungslos dem rechten Nachbar hinzugeben.

Daß Polen über einen deutsch-russischen Vertrag nervös wird, erfüllt uns mit noch größerer Gleichgültig­keit. Er kann vor allem aber auf die hitzigen polnischen Gemüter etwas abkühlend wirken. Die Reise des fran­zösischen Völkerbundbevollmächtigten Paul B o n c o u r mit seinem deutlichen Satz, Frankreich stehe auch an der Weichsel auf der Wacht, die hochoffizielle Aufnahme, die Der Franzose in Warschau fand, und die nicht gerade veutschfreundlichen Ausführungen dieses Mannes be­gründen fast zwangsmäßig die Notwendigkeit, zwischen uns und Rußland einen festen Neutralitätsvertrag nach veutsch-tllrkischem Muster abzuschließen.

Wozu der Lärm, was steht den Herren zu Diensten? Schon steigen in Paris die Versuchsballons auf, mit dem Vorschlag: wenn man in Genf über den Eintritt Deutsch­lands, die Zusammensetzung des Völkerbundrates usw. nicht bald zu einer Einigung kommen könnte, soll der Locarnovertrag dahin abzuändern sein, daß seine Be­stimmungen nicht mehr abhängig sind von dem Eintritt Deutschlands. Ein derartiger Antrag aber würde uns politisch vor eine ganz andere Lage stellen, weil gerade diese Bestimmungen eine Druckmöglichkeit in Genf zu unseren Gunsten bedeuten. Vor allem aber wäre es eine geistige Umstürzung, die dem Spott jener recht geben würde, die in die wirkliche Existenz des Geistes von Lo­carno n o ch m e h r Zweifel setzen, als es nach den Genfer Erfahrungen schon der Fall ist. Will man uns aber gar verhindern, die Hände frei zu behalten, will man uns verhindern, eine selbständige Außenpolitik ohne reden Ver­stoß gegen den Geist oder den Wortlaut abgeschlossener oder so gut wie abgeschlossener Verträge zu betreiben, will man uns vielmehr in dem großen Gegensatz zwischen Ost und West auf der einen Seite festbinden, so werden wir uns eines Tages daran erinnern müssen, daß Vertrage Inur dann Geltung haben, wenn sie wirklich abge- schlossen sind.;

- Coolidge für das Freigabegesetz.

Für schnelle Erledigung.

Nach einer Meldung derAssociated Preß" aus Washington erklärte Staatssekretär Mellon im Ausschutz des ^Repräsentantenhauses, datz die schwebende Gesetzes-

Seulfdje Antwort tu den Völkerbund

Seuischlands Eintritt

in die Studienkommission.

Der Wortlaut des Annahmeschreibens.

Die deutsche Reichsregierung hat dem Völkerbund nunmehr auf die an sie ergangene Einladung zur Teil­nahme an den Beratungen über eine Reform des Völker­bundrates die Antwort mit der Mitteilung zugehen lassen, daß sie die Einladung annimmt. Diese Antwortnote, die bereits in Genf übergeben worden ist, hat folgenden Wort­laut:

Herr Generalsekretär! Indem ich den Empfang Ihres Schreibens vorn 20. März d. I. bestätige, beehre ich mich Ihnen mitzuteilen, daß die deutsche Regierung bereit ist, einen Vertreter zur Teilnahme an den Beratungen der Kommission zu entsenden, die durch Beschluß des Völker- bundrates vorn 18. März d. J eingesetzt worden ist, um die Frage der Zusammensetzung des Rates sowie die Zahl seiner Mitglieder und das Verfahren ihrer Wahl zu prüfen. Die Benennung des deutschen Vertreters darf ich mir vorbehalten.

Ich gestatte mir, hierbei darauf hinzuweisen, daß sich der deutsche Vertreter, da Deutschland nicht Mitglied des Völkerbundes ist, bei den Beratungen der Kommission natürlich in einer anderen Lage befinden wird als die Vertreter der übrigen beteiligten Mächte. Diese besondere Lage Deutschlands wird nicht nur von dem deutschen Vertreter berücksichtigt werden müssen, son­dern macht es auch notwendig, ausdrücklich hervorzu- heben, daß seine Teilnahme an den Beratungen die Freiheit der Entschließung der deutschen Re­gierung hinsichtlich des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund nicht berühren kann.

Genehmigen Sie, Herr Generalsekretär, den Aus­druck meiner vorzüglichsten Hochachtung.

gez. Stresemann."

vorrage zur Regelung der deutsch-amerikanischen An­sprüche die Billigung des Präsidenten Coolidge gefunden habe, und daß das Schatzamt aus ihre schleunige Be­handlung in der gegenwärtigen Kongreßtagung drin­gen werde.

Die Verhandlungen über das Freigabegesetz waren in den letzten Tagen gewissen Hemmungen, insbe­sondere vom Senate her, ausgesetzt gewesen. Wenn jetzt Coolidge durch den Mund Mellons diese Erklärung ab- gibt, so muß man in diesem Schritt doch einen starken Druck sehen, der wahrscheinlich Erfolg haben wird.

Graf Skrzynski in Wien.

Polnisch-tschechische Abmachungen.

Der polnische Ministerpräsident Graf Skrzynski ist wn Prag kommend in Wien eingetrosfen. Er wurde »ort vom Minister des Äußern, Ramek, und einem Ver­treter des Bundespräsidenten empfangen. Der Besuch Graf Skrzynskis in Wien, der für zwei Tage vor­gesehen ist, gilt vor allem einer Verbreiterung der polnisch­österreichischen wirtschaftlichen Beziehungen sowie der Unterzeichnung des neuen Schiedsvertrages zwischen beiden Ländern. Die Wiener Presse ist in ihren Be- zrüßungsartikeln sehr zurückhaltend.

Wie bekannt wird, standen im Mittelpunkt der Präger Konferenzen Skrzynfkis Verhandlungen über die Frage her Erweiterung des Völkerbundrates. Von tschechoslowakischer Seite wurde abermals praktische Unterstützung der polnischen Bestrebungen zugesichert. Die Aussichten der Herbsttagung des Völkerbundes werden an Präger maßgebenden Stellen sehr pessimistisch be­urteilt. Die Verhandlungen über das Zusatzabkommen zum tschechisch-polnischen Handelsvertrag lassen vorläufig noch eine Einigung vermissen, doch scheint die tschechische Position bei diesen Verhandlungen recht günstig zu sein.' In einer Ansprache vor Pressever­tretern hob Graf Skrzynski noch hervor, daß seine Reise nach Prag und Wien in keinem Zusammenhang mit den vor kurzem ausgetauschten Besuchen des tschechoslowa­kischen Ministers des Äußern und des österreichischen Bundeskanzlers stehe. __________

Der Klug derAorge".

Von Oslo gest artet.

Das LuftschiffRorge" hatte bei der Landung in Oslo einige Schwierigkeiten, weil das Luftschiff in der Nähe'des Ankermastes aus feinem Kurse getrieben wurde und genötigt war, das Landungsmanöver zu wieder­holen. Kurz nach der Landung erschien der König aus dem Platze. Der Wehrminister hielt eine kurze Ansprache, in der er die Flieger willkommen hieß. Es wurde dar­auf begonnen, Gas nachzufüllen. DieNorge" hat Oslo nach etwa zehnstündigem Aufenthalt wieder verlassen und die Weiterreise nach Leningrad. angetreten,

Nach weiteren Erkundigungen ist das ' Luftschiff Norae" in Ortschaften südlich von Stockholm gesichtet

Aus dieser Note geht also hervor, daß Deutschland bei den kommenden Beratungen über die Reorganisation des Völkerbundes sich völlig freie Hand Vor­behalten hat. Der deutsche Vertreter soll übrigens keine bindenden Instruktionen mit nach Genf bekommen, sondern wird seine Arbeit in dauernder Fühlungnahme mit Berlin regeln müssen. Die durch Beschluß des Völker­bundrates vom 18. März d. I. eingesetzte Studienkom­mission für die Frage der Umorganisation des Rates des Völkerbundes hat nur beratende und nicht entschei­dende Stimme. Die Beschlüsse der Studienkommission werden durch Abstimmung herbeigeführt, bei der die ein­fache Stimmenmehrheit entscheidet. Der Mehrheitsbe- schluß wird ebenso wie die etwa zustande kommenden Minderheitsbeschlüsse dem Völkerbund eingereicht, bei dem die Entscheidung liegt. Nach den bisher vorliegenden Meldungen ist man sich weder in Paris noch in London über die zu entsendenden Vertreter schlüssig geworden. Selbst die Frage, ob Juristen oder Politiker an der Kon­ferenz teilnehmen, ist noch nicht geklärt.

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Reichskommrffar Langwerth v. Zimmern in München.

Besprechungen über die besetzte Pfalz.

Der Reichskommissar für die besetzten Gebiete, Frei­herr Langwerth v. Simmern, ist in München eingetroffen. Im Ministerium des Äußeren haben unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Dr. Held Besprechungen mit ver­schiedenen bayerischen Regierungsvertretern über Ange­legenheiten des besetzten Gebietes und insbesondere der besetzten Pfalz statigefunden. Die Aussprache er­gab volle Übereinstimmung über die Art des Zusammenwirkens zwischen dem Reichskommissar und der bayerischen Staatsregierung.

worden, doch hat Du» Luftschiff verloren und weiß scheinbar selbst nicht einmal, daß es südlich von Stockholm vorbeigefahren ist. Das Luftschiff versucht, feinen Standort durch Radiopeilungen festzu­stellen. ! ____

Beamienrevolte in Paris.

80 Verwundete, 1200 Verhaftungen.

Die schon seit einiger Zeit angekündigte Beamten­kundgebung in Paris hat jetzt stattgefunden und zu einer schweren Revolte Anlaß gegeben. Die Polizeipräfektur hatte wohl umfassende Sicherheitsvorkehrungen getrofferl, allein sie scheiterten an der Aufmarschtaktik der Beamten, die in Kolonnen zu Tausenden ausmarschierten und sich erst im Zentrum der Stadt zu einer geschlossenen Masse vereinigten.

An den belebtesten Verkehrspunkten der Stadt kam es zu schweren Ausschreitungen, als die Garde Municipale daranging, die Massen zu zerstreuen. Namentlich auf dem Marsche der Tausende nach den Regierungsge­bäuden, von betten sie die Polizei abdrängen wollte, kam es zu förmlichen Straßenkämpfen, so daß die Polizei vom Leder zog und mit blanker Wasfe aus die Revoltierenden einhieb. Die Polizeipräfektur gibt bekannt, daß bei der Revolte achtzig Personen mehr oder minder ernst verletzt und zwölfhundert Verhaftungen vorgenommen wurden^ Zwölf Polizeibeamte sind bei den Zusammenstößen ver^ letzt worden, darunter sechs ziemlich schwer. j

politische Rundschau.

Deutsches Mich

Vollversammlung des Deutschen Landwirtschaftsrates.

Der Deutsche Landwirtschaftsrat hält seine 56. Voll­versammlung am 6. und 7. Mai in Darmstadt ab. Auf der Tagesordnung stehen Referate über die Schutzzoll­frage, über die Lage der deutschen Landwirtschaft, über Absatzförderung von deutscher Milch und Milchprodukten und anderes. Für die Haltung der Referate sind nam­hafte Redner vorgesehen. Im Anschluß an die Tagung findet auf Einladung der Landwirtschaftskammer Hessen am 8. Mai eine Besichtigungsfahrt in die W e i n b a u b e z i r k e des besetzten hessischen Gebietes statt.

Auflösung eines Schützenvereins.

Der preußische Innenminister Severing hat den Klern- kaliber-Schützenverein Kassel-Wilhelmshöhe aufgelöst. In der Verfügung wird u. a. darauf hingewiesen, daß die in Preußen gebildeten vaterländischen Kleinkaliber, Schützenvereine, die sich in einer Spitzenorganisation, einem sogenanntenReichsverbande", zusammengeschlos­sen haben, ihre Mitglieder zur Wehrhaftigkeit ausbildeten. überdies verpflichten die Vereine ihre Mitglieder nach Art des alten Fahneneides zu unbedingtem Gehorsam ihren Vorgesetzten gegenüber.