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Erdfelder Tageblatt

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Hersfelder Kreisblatt'

Amtlicher Anzeiger für den kreis Hersfels

Nr. 87

Donnerstag, den 15. April 1926

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.80 Mk. * Dre* nnd Verl Suchdnnkerel in Sersleld,

«V.

76. Jahrgang

Postschmerzen.

Die Deutsche Reichspo st ist eigentlich immer ein Sc" n-zenskind nicht bloß im Haushalt des Reiches, son­dern auch bei der Bevölkerung des Reiches gewesen. Die Zeiten des unsterblich gewordenen Stephan sind ja längst vorbei und wie so vieles unerquicklich wurde, wie man über all und jedes schimpfte, so ist auch die Reichspost längst nicht mehr bei der Bevölkerung unbe­dingt in Gnade geblieben. Manches hat sich ja gebessert in den letzten Jahren der allgemeinen Sanierung, aber vieles, sehr vieles bleibt noch zu wünschen übrig und die neue Anleihe von 70 Millionen, die jetzt von der Reichs­post begeben werden soll, und zwar in der Form einer inneren Anleihe gegen 6^ %ige Schatzanweisungen des Reiches sie soll später in langfristige Obligationen kon­vertiert werden muß unbedingt dabei mithelfen, die Sanierungsarbeit fortzusetzen.

Natürlich sind, wie überall, so auch bei der Reichs­post, die allgemeinen Kosten beträchtlich gestiegen und gegen früher ist besonders ein Posten neu entstanden, das sind die Kosten der Postwagenbeförderung auf der Eisenbahn, die ihr früher, als dieses Verkehrsinstru­ment noch staatliches Eigentum war, überhaupt nicht in Rechnung gestellt wurde. Nur dadurch hat es übrigens die Post in der Vorkriegszeit hauptsächlich erreicht, daß ihr Etat einen Überschuß aufwies. Das ist jetzt anders geworden und die schönen Zeiten etwa der 2^-Pfennig- Postkarte oder des 5-Pfennig-Telephongesprächs kehren Wohl kaum wieder. Nun soll aber die Gebühren­ordnung für Telephongespräche wieder ein­mal abgeändert werden, wobei man wirtschaftliche Gründe recht egoistischer Art in den Vordergrund stellt. Die Groß- inhaber von Telephonanschlüssen bzw. die Großbenutzer sollen bevorzugt, die Kleinverbraucher mehr belastet wer­den, was man nicht gerade als sehr sozial bezeichnen kann. Denn das Telephon ist jetzt derart weitgehend zu einem notwendigen Verkehrsmittel geworden, daß auch der kleine Handwerker, Kaufmann und Gewerbetreibende unbedingt im Besitze eines Telephons sein muß.

Wenn auch die Anleihe funktioniert, die übrigens später noch um 80 Millionen gesteigert werden wird, so ist doch zu befürchten, daß auch die anderen Püstschmerzen nur dann beseitigt werden, wenn die dreimal gelobte Ren­tabilität nicht im geringsten bedroht erscheint. Besonders benachteiligt ist ja das slacheLand,wo auch jetzt noch grundsätzlich Pakete nicht zugestellt werden, sondern der Empfänger lediglich benachrichtigt wird, daß ein Paket für ihn auf der Post liegt und er es sich gefälligst abholen möge. Auch Eilbriefe werden nicht bestellt, sondern der Adressat benachrichtigt. Vielfach liegt auch die Briefbe­stellung mehr wie im argen; es würde außerdem eine außerordentliche Verkehrserleichterung bedeuten, wenn die angedeutete Abänderung der Fernsprechgebührenordnung sich nicht mehr so sehr wie bisher gegen die Kleinbenutzer des Telephons auf dem Lande richten, sondern durch Bil­ligkeit der Gebühren die Ausbreitung des Telephons auf dem Lande ermöglichen würde.

Aber auf einem anderen Gebiete könnte zwecks Be­hebung aller dieser Postschmerzen leicht eine Steigerung der Einnahmen erzielt werden, wodurch dann die Unrenta- bilität auf anderen Gebieten des Postwesens behoben wer­den könnte. Wir meinen die Ausdehnung des Kraft­wagenverkehrs. Dieser ist in den letzten Jahren sehr erheblich gewachsen und wir hatten Ende 1925 schon nicht weniger als 1192 Postlinien mit einer Kurslänge von über 23 000 Kilometer. Die gesamte Kilometerleistung, die 1923 etwas über acht Millionen betragen hatte, war bis Ende 1925 auf das Dreifache angestiegen, und über 2700 Postautobusse sind im Betrieb. Natürlich ist die Eisenbahn grimmig geworden und klagt über die große Konkurrenz, die ihr dadurch gemacht wird. Die Bevölkerung ist jeden­falls sehr damit zufrieden, daß auf diese Art und Weise das Verkehrsmonopol der so stark fiskalisch arbeitenden Eisenbahn an manchen Stellen gelockert wird.

Hier kann noch sehr viel geschehen und geschickt ange­legte, dem Verkehrsbedürfnis entgegenkommende Postkraft­kurse können für die Reichspost wahre Goldgruben werden, wie das in anderen Ländern schon sehr weitgehend der Fall ist. Wenn man außerdem bedenkt, daß die Reichspost aus dem modernsten Verkehrsmittel, nämlich dem Funk­verkehr, sehr erhebliche Einnahmen zieht, so soll sie es vermeiden, aus rein wirtschaftlichen Gründen und Rentabi- litätsrücksichten auf anderen Gebieten unsozial zu wirken.

Das Ergebnis des Volksbegehrens.

12 523 939 Eintragungen.

Der Reichswahlausschutz hielt unter Vorsitz des Reichswahlleiters Prof. Dr. Wagner eine offentlrche Sitzung zur Feststellung des endgültigen Ergebnisses des Volksbegehrens zur Frage der Fürstenenteignung ab. Der »Reichswahlausschutz stellte fest, datz ^ gesamten Wahl- «gebiet (Deutsches Reich ohne Saargebret) 12 523 939 Cin- stragungen erfolgt sind. Das vorläufige Ergebnis betrug 12 512 000 Eintragungen. Einige Einspruche sind seitens der Deutschnationalen Volkspartei, z. B. aus Meck­lenburg, Mecklenburg-Strelitz usw., erfolgt. Der Relchs- wahlausschuß stellt hierzu fest, daß be, der Beurteilung der Unterschriften hinsichtlich ihrer Gültigkeit rn den ver­schiedenen Wahlkreisen nicht einheitlich verfahren worden ist. Von einer Nachprüfuna der Beschlusse der Abstun-

Deutsch-rufs. Besprechungen

Deutschland, Rußland und Locarno.

Kein Rückversicherungsvertrag.

Nach englischen Blättermeldungen soll der Abschluß eines Rückversicherungsvertrages zwischen Deutschland und Rußland unmittelbar bevorstehen. Die deutsche Reichsregierung soll in Paris, London und Rom die betreffenden Regierungen von dem Abschluß dieses Vertrages in Kenntnis gesetzt und betont haben, daß dieser neue Vertrag in keiner Beziehung dem Geiste der Locarno- Verträge widerspreche.

Von gut unterrichteter deutscher Seite wird hierzu mitgeteilt, daß vom Abschluß eines deutsch-russischen Rück­versicherungsvertrages keine Rede sein könne. Richtig ist vielmehr, daß schon seit Beginn des ganzen Sicherheits­problems Besprechungen zwischen Deutschland und Ruß­land über eine Präzisierung des Verhält­nisses zwischen beiden Staaten im Hinblick aus die Sicherheitspolitik im Gange sind. Bei diesen Be­sprechungen ist von deutscher Seite immer wieder betont worden, daß der Pakt von Locarno keine Änderung in dem Verhältnis Deutschlands gegenüber Ruß­land bringe. Es ist auch immer Deutschlands Be­streben gewesen, bezüglich des Artikels sechzehn des Bölkerbundstatuts (Durchmarschrecht) jede Änderung gegenüber der deutschen Einstellung zu den Oststaaten zu vermeiden. Bekanntlich hat die deutsche Regierung zu diesem Punkt erklärt, daß sie eine bindende Verpflichtung, einen Durchmarsch durch deutsches Gebiet zu gestatten oder an militärischen Maßnahmen gegen ein anderes Land teilzunehmen (gemeint ist hier vor allem Rußland), nicht eingehen könne. Die übrigen Teilnehmer des Lo­carnopaktes haben dieser Stellungnahme Deutschlands durch Abgabe besonderer Erklärungen seinerzeit volles Verständnis entgegengebracht.

Die deutsch-russischen Besprechungen haben sich bis jetzt durch die Genfer Beratungen yrngezogen, oyne vatz bisher ein Abschluß der Verhandlungen stattgefunden hat. Allerdings hat sich der Standpunkt der deutschen und der russischen Regierung in der Zwischenzeit stark ge­nähert. Von deutscher Seite wird besonders betont, daß die Locarnomächte stets auf dem laufenden gehalten wurden, ebenso wie Rußland über die Verhandlungen Deutschlands mit den Westmächten dauernd unterrichtet worden ist. Ob und wann die deutsch-russischen Verhand­lungen eine konkrete Form annebmen und zu einer

mungsäusschusse kann in diesem Falle aber abgesehen werden, weil die ermittelte Gesamtzahl der Eintragungen die für die Zulassung des Volksentscheides erforderliche Zahl bei weitem überschreitet. Der Reichswahlausschuß spricht jedoch den Wunsch aus, daß der Reichswahlleiter den Reichsminister des Innern auf die unterschiedliche Beurteilung der Unterschriften in den einzelnen Stimm- kreisen und auf die sonstigen zutage getretenen Mängel aufmerksam macht, damit letztere bei der Neubearbei­tung des Gesetzes über den Volksentscheid und der Reichsstimmordnung verwertet werden können.

Im einzelnen beträgt die Zahl der gültigen Eintra­gungen in: Preußen 7 553 631, Bayern 751734, Sachsen 1541066, Württemberg 467 835, Baden 500 238, Thüringen 122 680, Hessen 325 609, Hamburg 395 836, Mecklenburg- Schwerin 104 987, Braunschweig 112 015, Oldenburg 58 912, Anhalt 89 024, Bremen 92 544, Lippe 36 250, Lübeck 41615, Mecklenburg-Strelitz 14 558, Waldeck 4905, Schaumburg- Lippe 10 500, insgesamt 12 523 939 gültige Eintragungen.

Die Gesamtzahl der für die Sozialdemokraten, Unab­hängigen Sozialisten und Kommunisten bei der Reichs­tagswahl am 7. Dezember 1924 abgegebenen Stimmen be­trug 10 688 969. Die Zahl der ortsansässigen Stimmberech­tigten für die Reichspräsidentenwahl (zweiter Wahlgang) am 26. April 1925 betrug 39 421617. Die Zahl der gültigen Eintragungen machte im ganzen Reiche 117,2 % der Ge­samtzahl der für die Linke am 7. Dezember 1924 abgegebe­nen Stimmen und 31,8 % der Zahl der Wahlberechtigten bei der Reichspräsidentenwahl aus.

Der Femeausschuß des preuß. Landtages.

Fortsetzung ver Plädoyers.

Im weiteren Verlaufe der Plädoyers im Femeausschnß des Landtages machte Abg. Schwering (Ztr.) den Abge­ordneten Meyer und Behrens zum Vorwurf, in ihrem Ge­schäftsgebarens fahrlässig gewesen zu sein. Abgeordneter E i ch h o f s (D. Vp.) hob hervor, daß die Einstellung des Oberleutnants Schulz als Organisator der Landvolkgenossen­schaft durchaus einwandfrei gewesen sei. Abgeordneter R i e d e l (Dem.) bedauerte, daß der Fall Meyer-Behrens, der nur ein kleiner Ausschnitt aus einem Gesamtkomplex ,ei, vorweggenommen worden sei. Politische Beziehungen zwischen den beiden Abgeordneten und Schulz hätten seit 1923 bestanden. Der Kommunist O b u ch warf dem Ausschuß vor, er sei überhaupt nicht gewillt, Licht in der ganzen Angelegen­heit zu verbreiten. Ohne die allgemeinen Zusammenhänge über die Schwarze Reichswehr gebe es keine Beurteilung ves vorliegenden Einzelfalles. Der Wirtschaftsparteiler Schön

schriftlichen Vereinbarung führen werden, steht noch nicht fest.

Die Reform -es Bölkerbundrates.

Annahme der Einladung durch Deutschland.

Nachdem die deutsche Fühlungnahme über Charakter und Beratungsform der Studienkommission im Völker­bünde abgeschlossen ist, wird die Absendung der deutschen Antwort in nächster Zeit erfolgen. Es handelt sich hier­bei um die prinzipielle Annahme der Einladung zu den Beratungen über eine Reform des Völkerbund- ra t e s, wie sie vom Reichskabinett schon vor Ostern be­schlossen worden ist. Als Vertreter Deutschlands bei diesen Beratungen ist Ministerialdirektor Dr. Gauß in Aussicht genommen, der als hervorragender Jurist be­reits mehrere Male den deutschen Kommissionen bei itnernationalen Tagungen angehört hat.

Verschiebung der Abrüstungskonferenz?

Auf Wunsch Frankreichs.

Morningpost" meldet: Die endgültige Weigerung Sowjetrufstands, an der Abrüstungskonferenz teilzuneh­men, werde vielleicht dazu führen, daß die gesamte Frage der Abrüstung zu Lande vorläufig verschoben wird. Man erwarte, daß in erster Linie Polen und die baltischen Staaten um eine Verschiebung der Konferenz ersuchen werden und daß Frankreich dieses Ersuchen nachdrücklich unterstützen werde.Daily Herald" hält es für fast sicher, daß die Abrüstungskonferenz verschoben wird. Die fran­zösische Regierung werde einen dahingehenden Vorschlag machen. Dieser Entschluß sei aus Grund von Boncours Warschauer Besprechungen mit Vertretern der polnischen und der rumänischen Regierung zustande gekommen.

Zu der Note Tschitscherins an den Völkerbund schreibt dieBaseler Nationalzeitung": Der Streit mit der Schweiz bildet für Sowietrußland n^- ^en bequemen Vorwand, seine Rüstungen nicht vor einem iNternatro- nalen Gerichtshof untersuchen zu lassen und um sich jeder Kontrolle seiner inneren Verhältnisse zu entziehen. Daß Tschitscherin die erneute Zusicherung der Schweiz für die Sicherheit des Sowjetdelegierten nicht beachtet, ist ein Beweis für seine zweideutige Hal - t u n g. Die Abrüstungskonferenz selbst wird durch den russischen Widerstand um einen großen Teil ihrer Bedeu­tung gebracht. Durch die Haltung der Sowjetregierung wird das Mißtrauen gegen Rußland verstärkt.

stellte fest, daß die Untersuchung über die in Frage stehende Materie nichts ergeben habe. Es habe sich nicht beweisen lassen, daß die deutschnationalen Abgeordneten Meyer und Behrens in Beziehungen zu den Fememördern gestanden haben.

polnischer Besuch in Prag.

Deutschenhetze in der Tschechoslowakei.

Der polnische Ministerpräsident Skrzynski ist in Prag eingetroffen, wo er vom tschechischen Außenminister Benesch und Vertretern der in- und ausländischen Diplo­matie empfangen wurde. Die Hauptfragen, die in Prag zur Verhandlung stehen, sind die Stellungnahme zur R e- konstruktion des Völkerb«ndrates, der pol­nische Ratsitz und die Vertretung der Kleinen Entente im Völkerbundrat. Der zweite wichtige Punkt, der zur Ver­handlung steht, ist die Stellungnahme der beiden Länder zur A b r ü st u n g s k o n f e r e n z.

Wie die München-Augsburger Abendzeitung berichtet, haben die Lehrer an den tschechischen Schulen im oeutsch- böhmischen Grenzbezirk den amtlichen Auftrag erhalten, den Kindern Vorträge über Bayern zu halten, in denen Bayern als ärgster Feind der Tschechischen Republik geschildert werden soll. Im Schüttenhofer Bezirk verlesen die Lehrer während der Unterrichtszeit Zeitungsberichte über Einbrüche, Diebstähle usw., wobei als Täter immer die Deutschen bezeichnet werden. Auch in den Kasernenschulen werden verhetzende Vorträge gegen Bayern gehalten, besonders wird die Bevölkerung gegen die bayerischen Touristen, die im Sommer den Böhmer- Wald aussuchen wollen, aufgehetzt.

Die Truppen Wupeifus in Peking.

Eine neue proviforische Regierung.

Wie aus Peking berichtet wird, ist einer der Generäle Wupeifus, Tienweichin, mit seinen Truppen in das Mili­tärlager von Nanyuan bei Peking singerückt. Größere Detachements des Generals sind ferner in der Vorstadt Pekings, Promachang, eingetroffen. Die Gesamtzahl der Truppen des Generals Tienweichin belauft sich auf 40 000 Mann. Mit der Nationalarmee und ihren Führern soll eine völlige Verständigung erzielt sein. Die Kämpfe an den anderen Fronten dauern fort. Die Kuomintchung haben die Truppen des Generals Li Ching Lin über Fengtai hinaus zurückgetricöem Auch die Streit- kräfte der Tschangtsolin sind zurückgeschlagen worden. In Peking selbst herrscht Ruhe.

Nach einer Meldung derChicago Tribune* aus