Kersselöer Tageblatt
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Hersfelöer Kreisblatt"
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Nr. 85
Dienstag, den 13. April 1926
T6. Jahrgang
'S
Frankreichs MegSdorhereSSung.
Von Rittmeister a. D. Wilhelm von Trotha.
Frankreichs Wehrmacht steht vor einer völligen Um- sormierung, einer Vorbereitung zum Kriege, wie sie in der modernsten Aufmachung bis heute noch kein Volk der Erde durchgeführt hat und zu dem alle Kreise des französischen Volkes herangezogen werden sollen — auch die Frauen!
Zu dem hierfür vorliegenden neuesten, von Marfchall Foch begutachteten Gesetzentwurf schreibt der „Tschechoslowakische Legionär": „Der neue französische Gesetzentwurf der Landesverteidigung befaßt sich nicht mit Kleinigkeiten, sondern mit der Umformung Frankreichs aus einem Kasernenheer in ein bewaffnetes Volk." Das Mitteilungsblatt des Arbeitsschusses Deutscher Verbände leitet die Besprechung ein: „Die durch diesen Gesetzentwurf in Aussicht gestellte militärische Organisation Frankreichs bedeutet die Mobilmachung eines ganzen Volkes in einer bisher unerhörten Konsequenz und Geschlossenheit."
Das oberste Gesetz dieser neuen Mobilmachung erfolgt nach dem Grundsatz der „Militär- und Zivildienstpflicht", denn das Wort „mobilisation" ist in „mobilisation nationale" verwandelt worden und es heißt in diesem Entwürfe, daß „alle französischen Untertanen, Männer und Frauen, an der Landesverteidigung teilzunehmen haben." Die neue Heeresreorganisation besteht: 1. in den Ausbildungskörpern für die Rekruten; 2. aus der Armee, die gleichzeitig die Ausbildung fördert und den Schutz der evtl. Mobilmachung übernimmt, und 3. aus den Mobil-. machungsorganen, die unabhängig von den bestehenden Truppenteilen die Volkskraft in ihrem ganzen Umfange auf den Krieg umstellt.
Der eigentliche oberste Arbeitsausschuß hat die Unterlagen zu prüfen, Ratschläge zu erteilen und die einzu- führenden Bestimmungen dem „Obersten Rat" vorzu- legen. Zur Erledigung hat er die Aufgaben: 1. das Zusammenfassen aller dem Ausschuß und Obersten Rat vor- zulegenden Fragen, 2. Zusammenstellung des Materials für Berichterstattung, 3. die Ministerialabteilungen von den im Obersten Rat gefaßten Beschlüssen zu unterrichten - W^iG^.MßMW*"k^^ M uoerwaa-en:- Bas Personal umfaßt jetzt: einen General, zehn höhere Offiziere, zwei Jntendanturbeamte, einen Ingenieur vom Genie der Marine, dreizehn Beamte der zuständigen Ministerien.
Endlich ist noch eine ständige beratende Kommission für die Kriegsfabrikation vorhanden, die die Verteilung der Aufträge und Vorbereitung der Umstellung von Fabriken und Herstellung von Kriegsmaterial vorzunehmen hat. Die Einzelbearbeitung dieser verschiedenen Zweige erfolgt bei den Stäben der zwanzig vorgenannten Mobil- machüngsbezirke.
Zur Mitarbeit bei der Vorbereitung der wirtschaftlichen Mobilmachung werden Gelehrte, Ingenieure, Berufstechniker, kurz alle notwendigen Berufe herangezogen. — Auch das Personal der Kriegsindustrie bleibt nach ausgesprochener Mobilmachung in seinen Stellungen, wird außerdem durch geeignetes Ergänzungspersonal aufgefüllt. — Alle Fabriken sind so einzurichten, daß sie geeignet sind, für Krieg und Frieden zu arbeiten! Entsprechende Rohmaterialien sind in ausreichendem Maße zu lagern. Sodann muß die Produktionsfähigkeit aufs höchste gesteigert werden; ein besonderes Augenmerk wird auf reiches Vorhandensein von Erdöl gelegt.
Das Generalsekretariat hat einen Gesetzentwurf über: „D i e allgemeine Organisation der Nalion für den Kriegsfall" vorgelegt. In ihm werden alle Hilfsquellen der Ration an Menschen, Tieren und Material restlos für militärische Zwecke erfaßt! Frankreichs Regierung hat darin den Willen zum Ausdruck gebracht, die wirtschaftli ch e n Kriegsvorbereitungen auf die denkbar größte Höhe zu bringen.
Der Gesetzentwurf zerfällt in fünf Teile: 1. Teil: allgemeine Grundsätze, 2. Teil: Bestimmungen über Heranziehung und Verwendung des Personals und Materials, 3. Teil: die Leitung des Krieges, 4. Teil: die wirtschaftliche Organisation, 5. Teil: die Einteilung des Landes in Mobilmachungsbezirke. Außer der M o b i lis at i o n der Land- und Seestreitkräfte umfaßt die „mobilisation nationale": 1. Umstellung aller Transport- und Nachrichtenmittel (Eisenbahn, Wasserwege, Straßen, Luftverkehr, Post, Fernsprecher, Telegraph- und Funkdienst) auf die Kriegsbedürfnisse; 2. Einsatz der wirtschaftlichen, d. h. industriellen, landwirtschaftlichen und finanziellen Kräfte mit besonderer Berücksichtigung der Lebensmittelversorgung des Landes; 3. soziale Maßregeln, soweit eine Änderung notwendig wird, z. B. Regelung der Arbeit, öffentliche Gesundheitspflege, neue Gesetze für Verheiratung, Ehescheidung, Wiederverheiratung inach Todesfall usw.; 4. Einstellung der WMen- lschaft auf die Zwecke des Krieges. Während i im Frieden alle wissenschaftlichen Bestrebungen darauf ! gerichtet sind, die Lebensbedingungen der Menschheit zu verbessern, handelt es sich im Kriege darum, auf allen Gebieten die Überlegenheit der Kampfmittel zu erringen. Die Wissenschaft hat einzig diesem Zweck zu dienen; 5. geistige Einstellung des Volkes auf den Krieg und Maßnahmen zur Hebung des Selbstvertrauens auf die eigene Kraft. Der letzte Krieg hat nur zur Genüge ge-
Mussolini in Tripolis
Italiens Kolonialpolitik.
Begeisterte Kundgebungen für Italiens Diktator.
Das Kriegsschiff „Cavour", mit Ministerpräsident Mussolini an Bord, ist im Hafen von Tripolis vor Anker gegangen. Unter dem Donner von 19 Salutschüssen, Glockenläuten und Sirenengeheul betrat Mussolini afrikanischen Boden, begrüßt von dem Gouverneur und dem Bürgermeister von Tripolis, dem er eine Botschaft des italienischen Königs überreichte. Wenige Minuten später bestieg Mussolini in der Uniform eines Ehrenkorporals der Faschistischen Miliz mit wehendem Federstutz und dekoriert mit dem Annunziatenorden einen braunen Araberhengst, auf dem er die Parade der aufgestellten Truppen abnahm. Dann durchritt er die Stadt und war Gegenstand lebhafter Ovationen der Italiener sowie der eingeborenen Bevölkerung.
Vom Balkon des Regierungsgebäudes aus hielt Mussolini an die Faschisten von Tripolis eine Rede, in der er u. a. sagte: Meine Reise darf nicht als eine einfache Verwaltungshandlung ausgelegt werden. Ich fasse sie aus als das, was sie auch in Wirklichkeit ist, nämlich als eine Be st ätigungderKraftdesitalie Nischen Volkes und als eine Bekundung der Macht des Volkes, das seine Herkunft von Rom ableitet und das den siegreichen und unsterblichen Fascio Roms an die Küsten des afrikanischen Meeres trägt. Es ist das Schicksal, welches uns in dieses Land führt. Niemand kann das Schicksal aufhalten, und besonders kann niemand unseren unerschütterlichen Willen brechen. (Begeisterter Beifall.)
Mussolini stattete darauf den Gräbern einen Besuch ab, wo er Kränze niederlegen ließ. Er machte Halt vor den Gräbern von zehn mit der Goldenen Medaille Ausgezeichneten, vor den Gräbern der im Lybischen Kriege Gefallenen und namentlich vor dem Grabe der Frau Brighenti, die mit ihrem Gatten, dem Kommandanten von ^arhona im Juni 1915 fiel. ________
zeigt, daß die Stimmung der Bevölkerung ausschlaggebend war. „Nur weil wir eine Viertelstunde länger durchgehalten haben als der Gegner, haben wir. den Krieg gewonnen", heißt es. Man kann also in einem neuen Kriege gar nicht genug darauf bedacht sein, die Stimmung aus einer möglichst hohen Stufe zu erhalten. Alle gutgesinnten Staatsbürger müssen hierbei mithelfen, die Mittel der Propaganda, die Universitäten und die Presse für diese hohe Aufgabe eingesetzt werden.
JndemTeilderOrganifationderMen- schenkräfte und der materiellen Hilfsmittel heißt es: „Alle französischen Untertanen, Männer und Frauen, haben an der Landesverteidigung teilzunehmen." Der französische Gesetzentwurf kennzeichnet die Pflichten des französischen Staatsbürgers folgendermaßen: „Alle diejenigen, die man früher Nichtkombattanten nannte, nehmen in Zukunft vom ersten Tage ab an der Kriegführung teil. In den Fabriken wie in den Staats-, Gemeinde- und Privatbetrieben muß jeder möglichst schon im Frieden auf den Platz gewiesen werden, auf dem er im Kriegsfalle dienen soll."
Das heißt, ins Deutsche übertragen: Ganz Frankreich stellt schon im Frieden die gesamte Leistungsfähigkeit des Landes und feiner Bewohner beiderlei Geschlechts je nach Alter und Verwendbarkeit in den Dienst des Vaterlandes. Ganz Frankreich hat sich durch Militär- und ZivildiLnst- Pflicht auf den Krieg vorzvbereiten!
Die Aufgaben der Reichspost.
7 Reichspostimister und Postpersonalorganisationen.
Der Reichspostminister hatte Vertreter sämtlicher Postpersonalorganisationen im Reichspostministerium versammelt, um ihnen Mitteilungen grundsätzlicher und programmatischer Art zu machen. Der Minister begrüßte die Organisationsvertreter als Mitarbeiter, Kameraden und Freunde und betonte die Notwendigkeit engster Zusammenarbeit. Straffe Führung und Zusammenfassung seien, so führte der Minister weiter aus, innerhalb der Verwaltung unerläßlich; sonst trete allmählich eine Auflösung in einzelne Interessengebiete ein zum Schaden der Allgemeinheit und des einzelnen. Von Autokratie könne keine Rede sein; unerläßlich seien aber Autorität und Sinn für verständige Einordnung. Der Minister behandelte die Finanzlage der Reichspost, die wahrscheinlich auch in den kommenden Jahren noch sehr gespannt sein wurde. Er mahnte daher zur Zurückhaltung in Beamtenforderungen. Längere Zeit verweilte der Minister beim Schalter- und Zustelldienst. Beide Dienste müßten immer mehr neuzeitlich ausgestaltet werden. Die weitere Vereinfachung und Mechanisierung von Verwaltung und Betrieb sei ein Gebot der Wirtschaftlichkeit. Der Minister stehe durchaus auf dem Boden des Berufsbeamtentums, dessen Schutz allerdings nicht gleichbedeutend sei mit einer Vermehrung der Beamten.
Der Minister forderte die Organisationen auf, die von starkem Willen und von Zähigkeit getragenen Bestrebungen der Verwaltung in jeder Weise zu unterstützen. Nur bei Zusammenarbeit aller könne das Ziel der Reichspost erreicht werden, nämlich, Wirtschaft, Verkehr, Verwaltung und Personal vor- wärtszubringen. ...
Feder und Schwert.
Zwei kostbare Geschenke für Mussolini.
Nach seinem Besuch an den Gräbern der im Kriege Gefallenen begab sich Mussolini nach dem Rathaus, wo der königliche Regierungskommissar ihn begrüßte und ihm ein Album mit Photographien aus Tripolitanien als Andenken überreichte. Der Bürgermeister Hassuna Pascha hielt eine Begrüßungsansprache, in der er u. a. ausführte, Mussolini habe Tripolis das Leben gegeben. Ganz Tripolitanien überreiche ihm als Geschenk eine Schreibtischgarnitur aus massivem Gold und einen reich verzierten arabischen Säbel. Bei der Überreichung erklärte Hassuna Pascha, dies Geschenk solle ein Symbol sein, denn wenig Menschen verstünden wie Mussolini, die Feder und den Degen zu handhaben.
--Ein Äolkvon Soldat« n,Kolonisten undpionreren^
Auf dem Sitz der faschistischen Behörden betonte Mussolini nach einer Begrüßungsansprache, daß ihn der erste Tag seines Besuches in Tripolis mit Begeisterung erfüllt hätte. Weiter führte Mussolini aus: Ich fühle vor allem um mich herum das italienische Volk in seiner Gesamtheit, ein geschlossenes Volk von Soldaten, Kolonisten und Pionieren. Kameraden, richten wir unsere Gedanken aus dieses aufsteigende Italien, auf dieses starke Italien, das unter der Last seiner glorreichen Vergangenheit sich von dieser Vergangenheit nicht hemmen, sondern anspor- nen läßt, um immer rascher dem unausbleiblichen Triumph von morgen entgegenzumarschieren.
Mussolinis Rede wurde mit langanhaltenden Begeisterungskundgebungen begrüßt. Im Palast des Gouverneurs fand ein Bankett und ein Empfang statt, an dem alle Behörden teilnahmen. Mussolini wurde durch die Zurufe oer Menge Noch einmal genötigt, auf bem Balkon zu erscheinen.
Peking unter Geschühfeuer.
Neue Kämpfe im Gange. ^^
Nach englischen Zeitungsberichten spielen sich um Peking heftige verlustreiche Kämpfe ab. Auch sind die Fliegerangriffe aus die Stadt wiederholt worden, denen etwa zehn Tote und zwanzig Verwundete zum Opfer ge- fallen sind. Alle Verbindungen mit Peking, über das der Kriegszustand verhängt wurde, sollen abgeschnitten fein« $
„Daily Mail" zufolge besagt eine Meldung aus Darren in der Mandschurei, daß ein Komplott zur Ermordung Tschangtsolins aufgedeckt wurde, in das die Sowjetregierung verwickelt sei. Die Verschwörer hätten, in ihren Uhren versteckt, Bomben aus Wladiwostock nach Mukden eingeführt. Tschangtsolin habe die Ausweisung des russischen Vizekonsuls in Mukden sowie verschiedener Sowjetagenten an der chinesischen Ostbahn befohlen. Er habe auch dem russischen Botschafter in Peking, Karachan, telegraphisch angeraten, die Hauptstadt zu verlassen, da nach Pekings Einnahme seine sofortige Verhaftung erfolgen würde.
Die Friedensdedingungen für Md-ei-Krim
Ruhe an der Front.
Wie die „Westminster Gazette" berichtet, verlautet in diplomatischen Kreisen, daß die Friedensbedingungen bei der bevorstehenden Friedenskonferenz zwischen den französischen, spanischen und Rifvertretern folgenden Inhalt haben werden:
1. Anerkennung der Oberhoheit des Sultans von Marokko durch Abd-el-Krim.
2. Vollkommene Entwaffnung des Rifs.
3. Rifpolizei unter europäischer Leitung.
4. Militärische Besetzung strategischer Punkte im Rif- gebiet durch Frankreich und Spanien.
5. Eröffnung der fruchtbaren Täler östlich der Uergha.
Die Vertreter Abd-el-Krims erklären dagegen, daß die erste Bedingung erfüllbar, aber die völlige Entwaffnung der Stämme und auch die übrigen Friedensbedingungen nicht annehmbar seien.
Nach einer Meldung des „Journal" aus Fes verlautet unter den Eingeborenen, daß Abd-el-Krim feinen Truppen Weisung erteilt habe, eine rein defensive Haltung einzunehmen. Wie „Journal" weiter aus Fes erfährt, herrscht an der ganzen Front vollkommene Ruhe. Ein spanisches Flugzeug soll in der Gegend von Targist in den feindlichen Linien gelandet sein. ;
MßlungenerAufstandsversuch in Portugal
Vollkommene Ruhe in Lissabon.
Nach einer vom „Journal" wiedergegebenen Mel- bUM aM Vigu soll ein neuer Aufstgndsverlych in LMl-