Hersfelöer Tageblatt
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hersfelSer Kreisblatt'
Amtlicher /inzeiger für den Kreis Hersfetö
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Rr. 84
Montag, den 12. April 1926
Der Bezugspreis beträgt durft die Pols bezogen monatlich L— M., aussdiliejji. Beiidigeid, für ßersleld L— 8.K. bei freier ZutieSeui
—.80 Mk. * Druck und Perl« so« KucödniAere' in Bersfeld, Migitss
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76. Jahrgang
Oer Kaitowitzer „<Spionage"prozeß.
Das polnische Vorgehen gegen den Deutschen Volksbund.
Der erste Verhandlungstag im Prozeß gegen die Mitglieder des Deutschen Volksbundes findet, wie nunmehr feststeht, am 10. Mai statt. Im ganzen werden sich 12 Personen zu verantworten haben, von denen sich elf in Hast befinden. Einem der Angeklagten, und zwar dem Schulrat Dudek, wird Verrat militärischer Geheimnisse zur Last gelegt. Dieser wird darin erblickt, daß Dudek am 10. Oktober 1925 bewirkt haben soll, daß Nachrichten über militärische Organisationen und das polnische Militär überhaupt in die Hände von Personen gelangten, die im Interesse einer fremden Regierung tätig sind. Alle übrigen Angeklagten werden beschuldigt, im Jahre 1925 als Vertrauensleute einer fremden Regierung auf oberschlestschem Gebiet dieser Regierung vorsätzlich Nach- rickten übermittelt zu haben, die im Interesse der polnischen Regierung hätten geheimgehalten werden müssen. Diese Nachrichten betreffen Auskünfte über die nationale Gesinnung und das Verhalten polnischer Staatsangehöriger, die teils auf polnischem, teils auf deutschem Gebiete ansässig sind. Gegen einen Angeklagten wird noch weiter der Vor- iuurf erhoben, daß er bis zuletzt Mitglied der deutschen „Kampforganisation" heimattreuer Oberschlesier war, einer Organisation, die den Zweck verfolge, Oberschlesien von Polen loszureißen und gewaltsam dem Deutschen Reich wieder anzugliedern, und sich ferner an einem Komplott beteiligt haben soll, das die Durchführung eines staatsverräterischen Unternehmens bezwecke. Der Prozeß, zu dem über 100 Zeuge n geladen sind, wird etwa 10 Tage in Anspruch nehmen. Die Sitzungen werden zum Teil unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfinden.
Zu dem vor einigen Tagen gemeldeten Auslieferungsantrag der Staatsanwaltschaft beim Bezirksgericht Katto- witz gegen den Geschäftsführer des Deutschen Volksbundes, den Sejmabgeordneten Ulitz, verlautet, daß sich der Antrag auf eine gegen Ulitz schwebende Anklage wegen Beihilfe zur Desertion stützt.
Gerüchte um Kronprinz Carol.
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Budapester Zeitungsmeldungen wollen wissen, daß der'ehemalige Kronprinz von Rumänien dieser Tage in Budapest geweilt und sich von dort nach Bukarest begeben habe. Die Blätter hoben hierbei hervor, daß der ehe- malige Kronprinz wahrscheinlich wieder in seine alten Rechte eingesetzt werden würde. Aus Bukarest wurden diese Nachrichten entschieden in Abrede gestellt.
Trotz des Dementis der rumänischen Regierung, daß sich der ehemalige Kronprinz Carol in Budapest und aus dem Wege nach Rumänien befinde, melden die Budapester Blätter in großer Aufmachung, daß die Budapester Ober- Hauptmannschaft von dem Grenzkommando Lokoshaza an der ungarisch-rumänischen Grenze telegraphisch davon verständigt worden ist, daß der rumänische Kronprinz Carol die r « m ä n i f ch e G r e n z e ü b e r s ch r i t t e n und seine Reise im Auto nach Bukarest fortgesetzt habe. Der Kronprinz reise, so behaupten die Blätter, unter dem Namen eines Baron Velin.
Wie die Blätter weiter melden, liege aus Bukarest die Nachricht vor, daß das rumänische Blatt „Lucin" bereits die Meldung von dem Eintreffen des Kronprinzen in Rumänien gebracht habe, ohne daß die Regierung es für notwendig gehalten habe, die Nachricht zu dementieren. Das rumänische Blatt fügt hinzu, daß Kronprinz Carol auf die Nachricht von der Demission der Regie- rungBratianu von Paris abgereist sei und sich über Wien nach Budapest begeben habe, wo er die Nachricht aus Bukarest erwartet habe, ob er nach Rumänien zurückkehren könne. Wie die Budapester Blätter weiter melden, hat die Nachricht von der Rückkehr des Kronprinzen in Bukarest ungeheures Aufsehen hervorgerufen.
Sie Fmdensbedmgungen für Add-el-Krim
Friedensverhandlungen in Ujda.
Wie Nunmehr feststeht, sollen nach langwierigen Vorbesprechungen zwischen Frankreich und Spanien einerseits und Abd-el-Krim andererseits am 15. April in Ujda die Friedensverhandlungen beginnen. Die einzelnen Delegationen sind bereits ernannt. Zunächst soll über einen Waffenstillstand verhandelt werden.
Nach einem Bericht von Havas ist anzunehmen, daß unter den Programmpunkten für die Verhandlungen zwischen Vertretern der Rifleute und Vertretern Frankreichs und Spaniens die folgenden zu finden seien:
1. Abschluß eines militärischen Waffenstillstandes nach Besetzung von bestimmten Stellungen.
2. Unverzüglicher Austausch der Kriegsgefangenen.
3. Neutralisierung einer bestimmten Zone bis zur Verständigung über die Berichtigung der streitigen Grenzlinie.
4. Entfernung der für die Erhebung verantwortlichen I Führer.
Erst, wenn eine Einigung über diese Vorbedingun- t gen erzielt sei, könnten die eigentlichen Friedensverhand- jlungen aus der Grundlage der Madrider Abmachungen -beginnen.
Nach einer weiteren Mitteilung der Agentur Havas wurden durch die Abmachungen von Madrid die wesentlichen GrundlagenfürdieeigentlichenFrie- densverHandlungen wie folgt festgefetzt: Regelung der Rifgrenze am Werga, Gewährung einer Ver-
Der Griechenputsch
Meuterei in Saloniki.
Das unter ewigen Streitigkeiten leidende Griechenland hat wieder einmal einen Revolutionsversuch über sich ergehen lassen müssen, der aber anscheinend gründlich in seinen Anfängen erstickt wurde.
Nach einem amtlichen Bericht wurden Teile der Garnison von Saloniki aufgewiegelt und marschierten aus der Stadt nach der Ortschaft Allatinr. Die 11. Division umzingelte schnell die Meuterer, die, von der Außenwelt abgeschlossen, durch einen Abgesandten erklären ließen, daß die Bewegung sich nicht gegen die Regierung, sondern gegen ihre Vorgesetzten richte, und daß sie sich ergeben würden, wenn ihnen versprochen würde, daß diese Vorgesetzten durch andere ersetzt werden würden. Die Regierung antwortete, daß sie es ablehne, mit Meuterern zu verhandeln, und stellte ihnen eine Frist, nach deren Ablauf sie mit Waffengewalt auseinandergesprengt werden würden. Die Flotte zog sofort nach Saloniki ab. Als die Flotte, an der Spitze der bekannte Kreuzer „Awerow", in Saloniki eingetroffen war und die Position der Aufständischen den ganzen Nachmittag beschossen hatte, haben sich die Aufständischen ergeben. Die Aufständischen hatten den Rücktritt des regierenden Mannes Pangalos, freie Präsidentschastswahlen, Presfefreiheit usw. verlangt.
Wie zum Wochenschluß aus Griechenland einlaufende Nachrichten besagten, sollen sich Anführer der Meuternden und diese selbst in Stärke von 200 Mann ergeben haben. Sie würden nach Athen gebracht und dort kriegsgerichtlich abgeurteilt. Bei dem Aufstand soll General P l a st i r a s, der von General Pangalos ausgewiesen wurde, seine Hand im Spiele gehabt haben. Die Aufstandsbewegung soll aber auch mazedonische Truppen e r n r i wmwab Die Garnison von Lerino habe gemeutert. Ein Eisenbahnzug, der von Athen nach Larissa fährt, sei angeblich von Den Aufständischen in die Luft- gesprengt worden, um den Verkehr lahmzulegen. Dabei sei eine große Zahl Sol- oaten umgekommen. Nach Meldungen aus Sofia habe sich nur ein Teil der Meuternden ergeben, der Rest habe sich hinter Saloniki zurückgezogen. Jedenfalls scheinen Die Verhältnisse noch ungeklärt, da auch aus Janina und dem Peloponnes Aufstände gemeldet würden.
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Griechenlands Lage
schildert uns ein mit den Verhältnissen vertrauter Mitarbeiter wie folgt:
Revolutionen sind in Griechenland weiter nichts Ungewöhnliches. Ob es sich dabei dann um einen rein politischen Putsch handelt oder um eine Militärrevolte mit politischem Hintergrund — das wechselt miteinand- lleblich ab. Das Land ist ja seit dem Tage des Zu- sammenbruches in Kleinasien, seit diesem jähen Absturz von der Höhe mütierifd)en Triumphes überhaupt erst so einigermaßen zur Ruhe gekonnnen, als der General Pangalos etwa sie Rolle eines Mussoliw oder eines Primo de "'b-era spielte; also: reine vmftärtichr Gewalt- be »rschast, öw sich kaum mit parlamentacischdemo- kratischen Formen verhüllt, die sich aber doch auf eine innere Zustimmung zum mindesten großer Teile, wenn nicht gar der Mehrheit der Bevölkerung stützt. Nur haben es die Träger dieser Gewalt mit rücksichtslosen Gegnern zu tun, die gegen jene Gewalt mit allen, auch den unbedenklichsten Mitteln ankämpfen. Mit dem „Wohl" des Landes haben weder die einen noch die anderen Strömungen das geringste zu tun; es sind reine Machtkämpfe, um die es sich handelt. Immerhin ist es eigenartig, daß die drei südlichen Halbinseln Europas Regierungsformen aufweisen, die man zweifellos als im letzten Sinne des Wortes aulokratisch, also Herrschaft eines einzelnen aus eigenem „Recht", bezeichnen kann.
Auch in Griechenland hat — wie in Italien — Ohnmacht nach außen und schwerste Unordnung im Innern das Aufkommen einer stärkeren Persönlichkeit erleichtert. Statt der Erfüllung der kleinasiatischen Träume, statt der Errichtung des Griechischen Kreuzes auf der Spitze der Hagia Sophia in Konstantinopel, ergoß sich nun ein unabsehbar breiter Strom griechischer Flüchtlinge aus Kleinasien und der europäischen Türkei nach Griechenland hinein. Nach dem Friedensschluß wurde dieser Strom vielleicht noch breiter, da ja vereinbart war, daß alle Griechen die Türkei zu verlassen hätten wie die Türken griechisches Land. Der Einzug der Hunderttausenden — allein aus wauungsautonomie unter ver Souveränität oes suuans an die Rifstämme sowie endlich Entwaffnung der Gegend und Ausübung einer militärischen Kontrolle über die betreffenden Landstriche.
Wie Havas aus Madrid berichtet, ermähnt das Ministerpräsidium in einem Kommunique die Presse und die Bevölkerung, die demnächst beginnenden Friedensverhandlungen mit Marokko nicht durch unerwünschte Veröffentlichungen und Neugier zu beeinträchtigen. Die Marokkofrage stelle sich heute unter günstigeren Bedingungen denn je dar. Es handle sich nur darum, die Früchte der militärischen Anstrengungen und der Opfer der Zivilbevölkerung zu ernten.
Konstantinopel sollen rund 300 000 Griechen abgewandert sein — brächte furchtbarste Not, unsagbares Elend und stürzte den militärisch geschlagenen, mit Schulden über- häuften und von Parteikämpfen zerrissenen Staat in immer ärgere Unordnung. Konstantin, der Sieger im ersten Balkankrieges, 1917 vertrieben, dann wieder zurückgeholt, mußte auf den Thron verzichten, da das Heer meuterte. Die „Herrschaft" seines Sohnes Georgios bedeutete nur eine kurze Episode.
Was aber blieb trotz Niederlage, wüstester Unordnung, wildester Parteikämpfe, das sind jene außen- politischen Träume. Und hierfür haben sich Fäden zwischen Pangalos und Mussolini angeknüpft, wobei man wohl nicht mit Unrecht England als Urheber ansehen kann. Sogar in die Öffentlichkeit sind schon Gerüchte von heimlichen Rüstungen gedrungen, die sich gegen die T ü r - k e i richten. Italien besitzt ja seit 1912 immer noch eine Reihe der Kleinasien vorgelagerten Inseln und baut zurzeit die Insel Rhodos zu einem Seekriegshafen aus. So zerspalten die griechischen Parteien sind — die außenpolitischen Hoffnungen auf eino. neuen Siegeszug nach Byzanz und Kleinasien sind ihnen allen gemeinsam. So sehr, daß z. B. die nach Amerika ausgewanderten Griechen geradezu riesige Geldmittel für die Linderung der Not in der früheren Heimat aufwandten.
Man weiß aus Erfahrung, doß sich derartige militärische Gewaltherrscher schließlich doch immer nur auf längere Zeit behaupten können, wenn sie nicht bloß Ordnung im Innern schaffen, sondern vor allem sichtbare Erfolge nach außen hin ausweisen können. Man muß ferner daran denken, daß die aus der Türkei vertriebenen oder ausgewanderten Griechen dort T-äger von Handel und Gewerbe waren und in der Regel über einen nicht un- -‘ä^Ä^fe^^ verfügten. Das ist ihnen zum allergrößten Teil verlorengeaangen oder mußte verschleudert werden. Ein griechischer Sieg würde ein Heilmittel bedeuten, weil man kaum noch etwas zu verlieren, aber viel zu gewinnen hat. Schon die Art, wie vor kurzem ein rein lokaler Streitfall mit B u l g a r i e n militärisch ausgebeutet wurde, wirst ein Schlaglicht auf diese Unterströmungen. Wenn jetzt der Aufstand in Saloniki so schnell niedergeschlagen werden konnte, so war das nur möglich, weil Pangalos Heer und Flotte nicht bloß in der Hand hat, sondern dort auch über stärkste Sympathien verfügt. Der „Aufstand" einiger politisch unzufriedener Obersten konnte lokal isoliert bleiben, das zurechtgestutzte Wahlrecht hat gewirkt, so daß Pangalos auch die demokratischen „Bekleidungsstücke" benutzen und sich vermutlich auch zum Staatspräsidenten machen lassen kann. Daß ihm dieser Erfolg sogar in dem politisch besonders stark unterwühlten Saloniki gelang — ein Großteil der Bevölkerung sind seit altersher spaniolische Juden, die dort schon unter der Türkenherrschaft politisch eine sehr bedeutende Rolle spielten — beweist, daß seine Gewalt doch schon tiefe Wurzeln geschlagen hat.
Alte Erinnerungen aus der Zeit des griechischen Königs Otto, des Wittelsbachers, neuere aus der Zeit des Weltkrieges, da Griechenland von der Entente nur mit brutalster Gewalt zum Anschluß gezwungen werden konnte, verknüpfen uns mit jenem Lande, dem man nur das eine wünschen kann: zur Ruhe zu kommen. Die Mittel für die Erreichung dieses Zieles mögen sein wie sie wollen.
Die griechischen Meuterer vor dem Kriegsgericht.
Ergebenheitsbezeugungen für Pangalos.
Nach den letzten Athener Meldungen sind neun verhaftete aufständische Führer dem Kriegsgericht Übergaben worden. Die Anklage lautet auf Meuterei gegen die Regierung, Hervorrufen von Blutvergießen und Verweigerung des Gehorsams gegenüber den Vorgesetzten. Das Gesetz fordert die Todesstrafe für die Anführer und lebenslänglichen Kerker für die Mitschuldigen. Nach kurzer Beratung des Gerichts wurde die Verhandlung gegen die Revolutionäre aus Montag festgesetzt.
Die Kommandeure sämtlicher Armeekorps sandten Pangalos Ergebenheitstelegramme. Die Presse beglückwünscht Pangalos zu der raschen Unterdrückung des Aufstandsversuches in Saloniki. Die Zeitungen stellen fest, daß die offenkundige Entrüstung aller Schichten der Bevölkerung ein Beweis dafür sei, daß Armee und Volk für Putschversuche nicht mehr zu haben seien.
M das Privatetzentum in Außland.
Entschließung des russischen Emigrantenkongresses.
Der in Paris tagende Kongreß der russischen Emigranten hat einstimmig zwei Entschließungen angenommen, die sich folgendermaßen zusammenfassen lassen: Das nationale Rußland muß die Rückkehr des Landes zu wirtschaftlichen und rechtlichen Normen betreiben, die auf der Grundlage unserer Zivilisation sich aufbauen, und besonders die Wiederherstellung des Regimes des Privateigentums erstreben.
Was insbesondere das A g r a r p r o b l e m betrifft,