Hersklöer Tageblatt
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yersfel-er Kreisblatt'
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Nr. 7g
Dienstag, den 6. April 1926
76. Jahrgang
Iubiläumbes Reichspräsidenten
Hindenburg 60 Jahre Soldat.
1866 — 7. APril — 1926.
In seiner Villa in Hannover bewahrt sich Reichspräsident von Hindenburg unter einem Glassturz den Helm auf, den er, der junge 19jährige Offizier, bei Königgrätz getragen hat. An der linken Seite hat ihn eine Kugel zerrissen, dicht, ganz dicht an der Schläfe und am Leben ging die Kugel vorbei. „Ich habe mich schnell mit dem Taschentuch verbunden, aber der Helm war unbrauchbar geworden; ich mußte den Rest des Feldzuges in Mütze mitmachen," sagte der Feldmarschall auf den fragenden Blick des Besuchers. Einen Finger breit weiter — und eine militärische, eine politische Laufbahn wäre jäh zu Ende gewesen, eine Laufbahn, wie sie nur ganz, ganz wenigen Menschen beschieden gewesen ist.
Nur noch ein paar alte Offiziere sind am Leben, die gleichzeitig mit Hindenburg vor 60 Jahren in die Armee eintraten, zum D i e n st. Kaum eine andere Einrichtung war so eng verbunden mit dem Gedanken des Dienstes wie die deutsche Armee. Unterordnung unter diesen Gedanken war alles durchdringende Selbstverständlichkeit; das galt für den höchsten Befehlshaber ebenso wie für den letzten Leutnant. Wo es rein äußerlich bleibende Einordnung blieb, war das eine Schwäche. Zur ethischen Größe wurde sie, wenn die Hingabe der Persönlichkeit zum Dienst um der Sache willen geschah. Diese ethische Größe, nicht die äußere, sondern die innere Disziplin ist es gewesen, die in den furchtbaren vier Jahren des Weltkrieges Offizier und Mann dort stehen, kämpfen und sterben hieß, wo der Dienst es befahl.
Hingabe der Persönlichkeit an den Dienst des Vaterlandes — wer heute die Lebenserinnerungen Hinden- buras liest, findet in einsack-nücktermeiLMütLerstÄMiM keit das zum Ausdruck kommend Seite um Seite, ein langes Soldatenleben hindurch von jenem Tage bei Königgrätz an bis zu jenem Augenblick, da das Gebot von Versailles das alte Heer zerschlug, Hindenburg seinen Abschied vom Dienst nahm. Damals, im Juli 1919 mag er noch nicht geahnt haben, daß ihn sechs Jahre später das Volk zu neuem Dienst rufen würde. Wenn er — selten genug — in diesen sechs Jahren in die Öffentlichkeit trat, so gab er immer und immer wieder dem Gedanken des Dienstes am Vaterland tatkräftigen Ausdruck. Nicht der einzelne, nicht die Parteien sind da für sich: sie haben in ihrer Eigensucht zu weichen hinter dem Großen über uns — der Schicksalsverbundenheit aller, dem Volk, dem Staat.
„Mein Leben liegt klar vor aller Welt" — so sprach H i n d e n b u r g in seiner Osterbotschaft, acht Tage, ehe er des Deutschen Reiches Präsident geworden ist. Dies Wort ist wahr, blieb wahr auch in dem Jahr, da er des höchsten Amtes Bürde trägt, das das deutsche Volk zu vergeben hat. Selbst von den parteipolitischen Leidenschaften her Wahlzeit ist nichts geblieben, auch dieses Krieges Stürme schwiegen bald, weil auch die Anderswollenden schnell genug sahen: Hier steht ein Mann, der in den sechs Jahrzehnten bewußten Lebens soviel Hohes hat sinken, soviel Niederes hat emporsteigen sehen, an dem soviel Erhabenes und Schönes, aber auch soviel des Menschlich-all- zu-Menschlichen vorbcigegangen ist, daß er die Achseln zucken kann über das, was Tagesmeinung heute als Götzenbild des Augenblicks auf den Thron erhebt, um es morgen wie- ver zu stürzen. Unbeirrt vom Lärm des Tages geht er seinen Weg, wie er ihn sechzig Jahre gegangen ist, den Weg des D i e n st e s. Das brächte auch den Gegner von einst zum Schweigen, zur Achtung. Heute geht eine Stimme durch Deutschland: Möge Reichspräsident von Hindenburg wie bisher aufrecht bleiben, ein Wächter für ves Volkes Wohl, ein unermüdlicher Wahrer des Ansehens und des Gedeihens des Reiches. .
In Hindenburgs Wahl zum Reichspräsidenten kam zum Ausdruck, daß das deutsche Volk an dieser Stelle einen Mann brauchte, der über dem wechselnden politischen Spiel des Tages stehen soll, niemandem zuliebe und niemandem zuleide. Um die Gewißheit zu erlangen, daß des Reiches Präsident eine solche Persönlichkeit ist, genügen nicht Worte, müssen Taten sprechen. Und wenn sich demnächst der Tag jährt, da Hindenburg wieder „aktiv" wurde, wieder in den Dienst trat, wird das deutsche Volk sich das Zeugnis ausstellen können, eine gute Wahl getroffen zu haben.
Wieder hat für Hindenburg der Dienst begonnen wert über die Zeit hinaus, die anderen Sterblichen vergönnt ist. Auch Bismarcks heißester Sehnsuchtswunsch ist es !gewesen, „in den Sielen zu sterben. Weil er sich ein Leben ohne Dienst nicht denken konnte. wrlden ego^ schen Kampf unserer Tage, im eigensüchtigen Nur-an-stch selbst-denkeu ist darum das Leben ernes Mannes wie Hindenburg eine unablässige Mahnung, ^st Dienst, nur >Dienst an anderem, Höherem. War es sechzig ^ahre hindurch und wird es bleiben. Er hat sich das letzte Wort weiland Kaiser Wilhelms I. zu eigen gemacht: ,^ch habe keine Zeit, müde zu sein." , ' ~.7
Die militärische Laufbahn.
Es ist mir, als wäre es heute.
Unser drittes Reservekorps hatte in den ersten Monaten des Weltkrieges die Aufgabe, die Besatzung Antwerpens abzusperren; zu verhindern, daß sie irgendwo auch unsere Etappenlinie in Belgien attackierte. Wo es geschah — nun, dorthin marschierten wir und warfen die Seigrer in ihre Festung zurück. Also marschieren, marschieren . . .
Wir lagen Anfang September 1914 auch wieder auf der Landstraße. So in der Gegend von Löwen. Und da kam — die Feldpost. Zum erstenmal seit Kiegsbeginn. Gab es Briefe, gab es aber auch Zeitungen, die uns erzählten, was inzwischen geschehen war. Und da — die Augen sehen es, aber man will es nicht glauben: Großer Sieg über die Russen, 40 000 Gefangene, 90 000 Gefallene usw. Mitten auf der Chaussee steht ein zusammengebrochener Lastwagen, ich schwinge mich hinauf und verlese die Siegeskunde. Kaum glaubt man sie — man war ja noch nicht eingestellt auf die Riesenzahlen dieses Krieges. Und da tauchte zum erstenmal der Name Hindenburg auf als der des Oberbefehlshabers.
„Hindenburg, Hindenburg —
Doch da ruft ein alter 26er: „Das war ja vor drei Jahren noch unser
Kommandeur!"
Hindenburg als Feldmarschall. Nlles umdrängt den Magdeburger vom vierten Korps — und er erzählt von dem komman
dierenden General, der bis 1911 das Korps^geführt hatte, seitdem im Ruhestand war. „Der hat ja noch 1866 mit
gemacht und 1870, war sogar bei der Kaiserkrönung von Versailles dabei."
1847 ist der berühmte Sproß des Geschlechtes derer von Beneckendorff geboren, die seit dem 13. Jahrhundert auf deutschem Kolonisationsboden im Osten fochten und arbeiteten und dem 1789 der Name „Hin -
d e n b u r g" zugeteilt wurde, um den Namen dieses alten
nenmärkischen Geschlechts nicht aussterben zu lassen. Für ihn, der einer alten
Soldatenfamilie entstammte, war die Laufbahn als Offizier eine selbstverständliche. In der Kadettenanstalt Wahlstatt bei Glogau erhält er eine harte spartanische Erziehung; der 16jährige ist auch einmal Leibpage bei der verwitweten Königin Elisabeth, der Gemahlin Friedrich Wilhelms IV. Sie schenkt ihm zum Andenken eine Uhr, die er in drei Kriegen getragen hat und jetzt noch trägt.
In drei Kriegen —< denn der junge Leutnant tritt am 7. April
Hindenburg 1866.
1866 in das 3. Garderegiment zu Fuß ein, das damals in Danzig stand; die unmittelbar darauf erfolgende Mobilmachung führt ihn nach Potsdam, dann in den Krieg. Bei Königgrätz wird er durch eine Kartätschkugel verwundet, die ihm den Helm durchschlägt. Bald rafft er sich wieder auf und erstürmt eine feindliche Batterie.
Einzug in Berlin, vier Jahre des Friedens, dann geht es gegen Frankreich. Fast ein Wunder rettet ihn, den Bataillonsadjutanten, beim furchtbaren Sturm der Garde auf St. Privat. Dann Sedan, der Marsch auf Paris — und als Höhepunkt die Teilnahme an der Kaiferkrönung.
Bald wird der Oberleutnant von Hindenburg zur Kriegsakademie versetzt und 1878 kam er in den Großen Generalstab, dem Moltkes unsterblicher Geist die Prägung gab. In Stettin verheiratete er sich mit der Tochter des Generals von Sperling, die ihm einen Sohn, dem jetzigen Major von Hindenburg, und zwei Töchter schenkte. 1881 wurde er nach Ostpreußen zur 1. Division als General- stabsoffizier versetzt, in diejenige Provinz, die ihm später
Die Befreiung verdankte. Krieg^ministerium, schließlich Chef des Generalstabes beim 8. Korps in Koblenz und endlich Divisionskommandeur in Karlsruhe, dann 1903 Kommandeur des 4. Korps in Magdeburg sieben Jahre hindurch.
Seine weitere Laufbahn gehört der Weltgeschichte an von dem Augenblick, da ihn am 22. August 1914 das Telegramm erreichte mit der Anfrage, ob er zu sofortiger Verwendung bereit sei. Zwölf Stunden später war sein Generalstabschef Ludendorff bei ihm und die Fahrt ging gen Osten. Tannenberg, die Masurischen Seen, die Winterschlacht, dann der Siegesmarsch bis tief nach Rußland hinein — wir alle haben es miterlebt, fochten unter ihm.
Dringendste Not macht ihn am 29. August zum Chef des Generalstabes des Feldheeres, also zum eigentlichen Führer. Und was Menschen leisten können — er leistete es. Doch was von ihm verlangt wurde, war Übermenschliches. Das Drama spielt sich ab bis zum furchtbaren Schluß. „Wir waren am Ende." Nicht Hindenburg. Er blieb auf feinem Posten. Noch schützte er dann im Osten die Heimat gegen den übelsten Feind, die Polen — bis die Unterzeichnung des Friedens von Versailles auch das Ende seiner militärischen Laufbahn bedeutete. — e—
Ehrung Hindenburgs in Wien.
Die Wiener „Reichspost"- bringt zum sechzigsten Jahrestag des Eintritts Hindenburgs in das Heer und des Jahrestages feiner Wahl zum Reichsprsidenten eine Würdigung Hindenburgs, in der seine Arbeit für die Zukunft des deutschen Volkes und seine ganz ungewöhnliche Fähigkeit gerühmt wird, sich den gegebenen Tatsachen an- zupassen und frei von allen Hemmungen und Bindungen der Vergangenheit selbst die Initiative zu einer auf Zusammenfassung aller Kräfte des Volkes gerichteten aufbauenden und friedlichen Politik^ ergreifen. J
Finanzmmistrr Dr. Aeinhvld zur Lage.
Die Wirtschaftskrisis überwunden. — Verwaltungs-
Reichsfinanzminister Dr. Reinhard veröffentlicht in einem Dresdener Blatt einen Artikel über die wirtschaftliche Lage des Deutschen Reiches. In diesem Artikel heißt es: Wenn nicht alle Anzeichen trügen, hat die schwere Krise der deutschen Wirtschaft, die im Sommer vorigen Jahres einfetzte und die in den letzten Monaten zu der erschreckenden Zahl von über zwei Millionen unter- stützungsberechtigter Erwerbsloser führte, ihren tiefsten Punkt erreicht. Noch zeigt das Barometer der Wirtschaft keineswegs auf gutes Wetter. Aber der lähmende Druck, der bisher auf unserem Wirtschaftsleben lag, ist doch im Schwinden und auf manchen Gebieten des geschäftlichen Lebens zeigt sich neue Unternehmungslust. Der deutsche Markt, so führt der Minister weiter aus, ist zweifellos innerlich gefestigt. Wer sich durch die Not der letzten Monate hindurchgerettet hat, hat im großen und ganzen die Feuerprobe bestanden, wenn auch noch einige Nachzügler auf der Strecke bleiben werden.
Der Minister geht dann kurz auf das Steuermilderungsprogramm der Regierung ein und schließt feine Ausführungen mit den Worten: „Wenn wir uns in der Weltwirtschaft behaupten und als Volk sozial und kulturell nicht der Verelendung anheimfallen wollen, müssen wir durch Ausgabenverminderung zu wirtschaftlich tragbaren Steuern kommen. Das Steuermilderungsgesetz ist gleichsam der erste Schritt auf dem schwierigen Weg, an dessen Ende als Ziel die durchgreifende Verwaltungsreform steht, die allein jene erhebliche Reduzierung der Lasten bringen kann, die unsere Wirtschaft und unser ganzes Volk braucbt.
Die miliiärischsn Keierlichksiien.
Mus Anlaß des 60 jährigen Militärjubiläums, das der Reichspräsident, Generalfeldmarschall von Hindenburg, am Mittwoch, den 7. April, begehen kann, sind folgende militärische Veranstaltungen in Berlin vorgesehen:
9.30 Uhr vormittags bringt die Kapelle des 9. Ins.- Regts. dem Herrn Reichspräsidenten im Garten seines Hauses eine Morgenmusik dar; 11.45 Uhr vormittags werden durch eine Fahnenkompagnie des Wachtregiments Berlin mit Musik die Fahnen der Regimenter des Generalfeldmarschalls, nämlich des 3. Garderegiments zu Fuß, des Oldenburgischen Jnf.-Rgts. Nr. 91 und des Jnf.-Rgts. Generalfeldmarfchall von .r<:.f.cnburg (2. Masurisches) Nr. 147 durch die Wilhelm' ^^^ nach dem Hause des Herrn Reichspräsidenten gebra-.. Um 12 Uhr findet im großen Saal des Präsidentenhauses eine militärische Feier statt, an welcher Abordnungen von Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften der Traditionstruppenteile vorgenannter Regimenter, die Chefs der Heeres- und Marineleitung, Vertreter der Reichswehr und der Reichsmarine und der Reichswehrminister teilnehmen werden. Auch der Reichskanzler wird dieser Feier beiwohnen. Der Reichswehr- minister wird hierbei die Glückwünsche der Wehrmacht darbringen. Nach dieser Feier werden die Fahnen im Arbeitszimmer des Reichspräsidenten aufgestellt, von wo sie am nächsten Tage, dem 8. April, mittags 12 Uhr, von einer Fahnenkompagnie zur Kaserne des Wachtregiments gebracht werden.