Hersfelöer Tageblatt
Hersfel-er Kreisblatt"
Amtlicher Anzeiger für den kreis heesfeiS
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Nr. n Donnerstag, den 1. April 1926 76. Jahrgang
Die amerikanische Milliarde.
. Wir wollen vorläufig noch nicht in allzu frohen Optl mtsmus verfallen — aber man kann nun wohl doch mit einiger Sicherheit darauf rechnen, daß die amerika- nrscheFreigabedes deutschen Privateigentums ein sehr starker Ansporn für unsere Wirtschaft sein wird. Vor allem deswegen, weil an die Stelle der ursprünglich geplanten Schuldverschreibungen auf das be- zchlagnahmte deutsche Eigentum — unter Garantie der Union — nun die Barzahlung tritt. Das erleichtert nämlich ganz außerordentlich die Flüssigmachung der in Frage kommenden Werte durch Kredttbelastung, wobei dieser amerikanische Kredit dann — endlich! — deutsche Gegenwerte hat, die wieder zu unserem Volksvermögen hinzukommen, der Strebst also nicht eine Pfändung von Teilen des bisherigen Volksvermögens darstellt.
Ist das schon ein Vorteil des Gesetzentwurfes, so kann erfreulicherweise darin noch eine zweite kreditpoli- tische Erleichterung festgestellt werden. „Einer Verwertung des Ersatzanspruches (z. B. zu Beleihungs- zwecken) nach Inkrafttreten des Gesetzes wird nichts entgegenstehen." Das ist deswegen so besonders wichtig, weil natürlich das Schiedsgericht, das über die Anträge der früheren deutschen Eigentümer entscheidet, angesichts der gewaltigen Zahl dieser Anträge mit seiner Arbeit erst in sehr langer Zeit wird fertig werden können. Das ist nun aber für die Verwertung der deutschen Ansprüche nicht von Belang überall dort, wo dieser Anspruch hinsichtlich seiner Berechtigung klar zutage liegt. Angeblich sollen auf Grund dieser Bestimmung des Entwurfs derartige vor- wegnshmende Beleihungen schon in ausgedehntem Maße erfolgt sein, und zwar in der Art, daß sie den Gegenwert für die Lieferung amerikanischer Rohstoffe nach Deutschland abgc.>»n. Die Verträge treten dann also in dem Augenblick F Äraft, da der Entwurf Gesetz wird.
Eine weitere Klärung bedeutet aber weiter noch, daß Die Vereinigten Staaten nun selbst an die Stelle aller „geschädigten" amerikanischen Bürger treten, die gegen Deutschland Forderungen geltend gemacht haben. Das »erlangt, daß diese Forderungen möglichst schnell erledigt werden, und man nimmt an, daß alles in allem die Union be a n s p r u * t Zur Deckung dieser Forderung wird nun zunächst das »eutsche Staatseigentum in Amerika herangezogen, ferner Die Ansprüche Amerikas aus den Dawes-Zahlungen und schließlich ein den Rest deckender Prozentualsatz des beschlagnahmten deutschen Privateigentums, der aber nicht groß sein kann, weil außerdem das Schatzamt bekanntlich oas Einverständnis der früheren deutschen Besitzer derjenigen Gelder, die beschlagnahmt und zinstragend angelegt wurden, dafür hat, daß diese Zinsen dem Schatzamt verbleiben. Das ist aber eine recht erhebliche Summe; Die jetzt wieder in den Besitz ihres Eigentums Gelangenden werden sicher zufrieden fein, daß sie ihr Geld jetzt überhaupt, wenn auch inzwischen unverzinst, zurückerhalten sollen.
Erfreulich weitgehend sind ja auch die Bestimmungen, Die hinsichtlich der bisherigen Verwertung deutscher Patente in Amerika und ihrer künftigen Regelung Platz greifen sollen. Freilich — was vom Treuhänder (dem manchmal sehr ungetreuen!) des „feindlichen Vermögens" an Patenten amerikanischen Privaten verkauft worden ist, bleibt verkauft; der frühere deutsche Patentinhaber erhält nur so viel, als beim Verkauf des Patents erzielt wurde. Aber dort, wo die Patente nicht »erkauft, sondern nur unter einer Lizenz vergeben wurden, Die also ausgenutzt wurden, soll eine nicht „kriegsmäßige", sondern wirkliche Entschädigung gewährt werden, von der »atürlick das abzuziehen ist, was der jetzige Inhaber bereits bezahlt hat. Daß hierfür eine Grenze der Gesamt- mtschädigungssumme nach oben hin gezogen ist — leider beträgt sie ja für Patente, Schiffe und Funkstationen nur tOO Millionen Dollar —, ist verständlich, nur wird damit ;in Schlußstrich unter deutsche Verluste gemacht, die ja weit, weit höher sind. In diese Summe hinein gehört ja auch die Entschädigung für die Weiter- benutzung ursprünglich deutscher Patente, Schiffe und Funkstationen.
Aber trotzdem können wir einigermaßen zufrieden sein; denn der Versailler Vertrag — den Amerikas Volksvertretung allerdings nie ratifiziert hat — gestattete ja die entschädigungslose Liquidierung des gesamten deutschen Eigentums in den Ententestaaten. Anderswo, fast überall, hat man ja von diesen jedem Völkerrecht hohnfprechenden Bestimmungen ausgiebigsten Gebrauch gemacht. Amerika gibt uns jetzt wenigstens einen Teil unseres Eigentums wieder und das in einem Augenblick, da wir diese wirtschaftliche Stärkung überaus brauchen können. Schließlich geschieht es ja nicht um unserer schönen Augen willen, sondern deswegen, weil wir in weitgehende wirtschaftliche Abhängigkeit von Amerika geraten sind und es eine sattsam besonnte Erscheinung ist, daß ein Gläubiger am wirtschaftlichen Wohlergehen seines Schuldners ein besonders großes Interesse dann hat, wenn dieser bei ihm tief in der Kreide sitzt. Auf jeden Fall ist die finanzielle Stärkung, die wir jetzt durch das amerikanische Vorgehen für die deutsche Wirtschaft erhoffen und die man auf eine Milliarde Goldmark berechnet, zu begrüßen.
Reform des Dölkerbunbrales
Deutsche Mitarbeit in Genf.
Im Prinzip zugesagt.
Eines der wenigen positiven Resultate, welche die kürzlich im übrigen so erfolglos verlaufene Genfer Tagung des Völkerbundes brächte, war der von Briand angeregte Beschluß, eine Kommission zur Beratung über die zukünftige Gestaltung des Völkerbundrates einzu- setzen. Im wesentlichen soll c’ sich dabei um die Art der Zusammensetzung handeln. Gerade aus der etwas unbestimmten Festung der Bestimmungen und den daraus entspringenden, durch heimliche Versprechungen noch gespürten Begehrlichkeiten von verschiedenen Seiten, fast mit Gewalt unter Hintansetzung aller Zweckmäßigkeiten in den Rat einzudringen, gaben den Anlaß zum Scheitern Der letzten Verhandlungen. Deutschlands als sicher angesehener Eintritt mußte unterbleiben, weil — Brasilien widersprach. Nun war vor einigen Tagen Deutschland vorn Völkerbundrat eingeladen worden, sich an den Arbeiten der Studienkommission zur Besserung Der bisherigen Zustände zu beteiligen.
Das Neichslabinett, das Mittwoch unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. L u t h e: zum letztenmal vor den Ostertagen zusammentrat, beschäftigte sich neben anderen laufenden Angelegenheiten mit dieser Einladung. Sie war von dem Generalsekretär des Völkerbundes der deutschen Regierung übermittelt worden und sagte, Deutschland werde ringelnden, an den Beratungen der Kommission reilzunehmen, die demnächst die Frage der Zufam-
Dr. Patres wieder in Wien.
Der Präger Besuch des Bundeskanzlers.
Der österreichische Bundeskanzler, Dr. Ramek, ist von seinen Besuchen in Berlin und Prag wieder in Wien eingetroffen. Dem Präsidenten M a s a r y k überbrachte Dr. Ramek das MerreichiVe Große Goldene Ehren- z e i d) e n am Bande mit K-m her’
Dr. Rameks aus der Präger Burg veranstalteten Festessen - Bm'ck>loanadmö
to astete Außenminister Dr. Benesch auf eine freundschaftliche und dauernde Zusammenarbeit mit Ssterreich. Bundeskanzler Dr. Ramek dankte und trank auf eine glückliche und friedliche Zukunft der Tschechoslowakischen Republik.
Ramek hat in Prag eine außerordentlich gute Presse ohne Unterschied der Partei gefunden. Selbst die Tatsache, daß Ramek über Berlin nach Prag kam, wird durchaus mit Verständnis zittert. So schreibt das Organ Dr Beneschs, die offiziöse „Präger Presse": „Der Umstand daß Ramek von Berlin nach Prag kommt, ändert nichts an den guten freundschaftlichen Beziehungen. Österreich wird immer Berührungspunkte mit Deutschland und bei Tschechoslowakei haben. Die Tschechoslowakei sieht keiner Gegensatz zwischen der Berliner und Präger Reift Rameks. Diese Reise berührt auch keinesfalls die tschecho- slowakischen Beziehungen zur Kleinen Entente oder zr Italien. Das tschechisch-italienische Verhältnis wird wit früher durchaus freundschaftlich sein."
Lärmszenen in Der Französischen Kammer.
Der Kampf um die Finanzreform.
In der Französischen Kammer ist es zu großen Tu- multszenen gekommen, als die beiden neuen kommunistischen Abgeordneten zum erstenmal im Parlament er- schienen. Ein Teil der Rechten begrüßte die beiden Abgeordneten mit höhnischen Bemerkungen, auf die die Kommunisten antworteten. Die Rechte veranstaltete daraus eine lärmende Kundgebung. Sie ließ die von ihr aufgestellten, aber durchgefallenen Kandidaten hochleben. Sämtliche Kommunisten erhoben sich darauf von den Sitzen und sangen stehend die Internationale, in die ein Teil der Tribünenbesucher einfiel; es wurde gerufen: „E s l e b e S o w j e t r u ß l a n d !" Aus der Tribüne kam es zwischen Kommunisten und anders gesinnten Elementen zu Zusammenstößen, so daß der Kam- präsident die Sitzung unterbrechen mußte.
In der Kammer geht der Kampf um das Finanzgesetz noch immer fort. Kammerpräsident Herriot hat zugunsten des Finanzplans der Regierung eingegriffen und auf die ferneren Folgen hingewiesen, die die Ablehnung der Finanzgesetze für die französische Währung nach sich ziehen würde. Es wird damit gerechnet, daß ein Teil der Opposition, dieser Mahnung eingedenk, für die Finanzreform stimmen wird, so daß das Kabinett Briand weiter am Ruder bleiben könnte.
Jagd und giftfrei im besetzten Gebiet.
Neuregelung ab März 1926.
In den letzten Tagen, und zwar mit Wirkung vom 12. März ab sind neue Abkommen über Jagd- und Fischereiausübung der Rheinlandbesatzung in Kraft getreten. Über die Anaeleaenbett hatten im Jahre 1925 to Koblenz
nensetzung des Rates sowie der Zahl seiner Mitglieder und desVerfahrens bei ihrerWahl prüfen soll. Im Reichskabinett trat bei dieser ersten Erörterung der Angelegenheit die einmütige Auffassung zutage, bei der weiteren Behandlung der gekennzeichneten Fragen mitzuwirken. Die Beschlußfassung über die sachlichen Einzelheiten wurde üncr späteren Kabinettssitzung vorbehalten.
In den irgendeiner Bindung in Genf widerstrebenden politischen Kreisen wird schon jetzt angedeutet, die geplante Studienkommission habe den einzigen Zweck zu erfüllen, auch Ratsitze für Polen, Brasilien, Spanien und die Kleine Entente zu schaffen. Deutschland müsse des- halb bei etwaigen Beratungen sehr aus seiner Hut sein. Die Studienkommission soll am 10. Mai in Gens zusam- nentreten.
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Handelsvertragspläne mit Spanien.
Reichskanzler Dr. Luther empfing in Gegenwart des Reichsministers des Auswärtigen, des Reichsministers der Finanzen, des Reichswirtschaftsministers und des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft Vertreter von Industrie, Handel, Landwirtschaft, Weinbau und der Gewerkschaften zu einer Aussprache über den Abschluß eines Handelsvertrages mit Spanien. Nach eingehenden grundsätzlichen Darlegungen wurde auf Vorschlag des Reichskanzlers ein Ausschuß aus den beteiligten Wirtschaftsgruppen gebildet, der mit der Regierung zusammen das gesamte einschlägige Material überprüfen wird. Der Ausschuß trat alsbald zu seiner ersten Sitzung iitfsimmen.__
Verhandlungen stattgefunden, die zu je einem Abkenünen mit der Besatzung über Jagd und Fischerei führten. Die Abkommen wurden am 5. November 1925 in Koblenz, unterzeichnet. Mit dem Inkrafttreten der r sind die bisher von der Besatzung einseitig Regelungen über Jaad und Fischerei endaü'
...» . .. „-.„- und Fischerei verzichtet. Sie- erhalt in Zukunft Jagd- und Fischereiberechttgurrgerr im Wege des Vertrages mit den deutschen Rechtsinhaber».' Sie hat dabei eine Vergütung zu entrüsten, und Marbel Gemeindejagden den ortsüblichen Pachtpräsi. Änlich ist die Vergütung für die Fischerei geregelt, ^'r\^.
Börsenpanik m Fewyork.
Stürmische Abgabe großer AktrowpioDvM. .--.Die Vorgänge an der Newyorker Börse haben alles bisher Dagewesene noch in den Schatten gestellt. Obgleich stch in den ersten Börsenstunden durch Deckungskäufe der Baissiers eine gewisse Erholung zeigte, hielt diese Stimmung im weiteren Verlauf nicht an, sondern machte einer Verflauung Platz, die sich immer mehr steigerte und schlfteß- «ch zu stürmischen Abgaben großer Aktieuposte« führte.
Die Stimmung nahm nun den Charakter einer Panik an: immer mehr häuften sich die Abgaben und der Umsatz ubertraf bald jenen vom 13. März dieses Jahres, der in Newyork noch in unheilvollem Andenken steht. Der Borsentelegraph erwies sich außerstande, die im schnell- sten Tempo erfolgten Kursrückgänge zu verzeichnen und b»teb in starkem Rückstand. Hierdurch wurde die Verwirrung noch vermehrt und es kam zu Kursrückgängen bis zu 15 Dollar. Vornehmlich wurden Eisenbahnwerte abgegeben, die zum Teil einen völligen ZusammonbiRch er-
potLiische AunKfchau»
Deutsches Reich.
Dr. Geßler geht in Urlaub. < V
Reichswehrminister Geßler, der vor kurzem aus
eine sechsjährige' Tätigkeit als Reichswehrminister zurück- blicken konnte, tritt in diesen Tagen einen zweimonatige« Urlaub an. Es ist bekannt, daß seine angegriffene G e i u n d h e r t schon vor längerer Zeit einen Erholungsurlaub nötig machte. Der Reichswehrminister wird am 7. April noch an der Feier des 60. Soldatenjubiläums des Reichspräsidenten teilnehmen und dann Berlin für längere Zeit verlassen.
Parts. Am 4. April 1926 wird in Paris der russische Weltkongreß eröffnet werden, zu dem die russischen Emigranten aller politischen Parteien etwa 400 Delegierte entsenden werden. Der Kongreß will eine russische Zentrale schaffen und die Ausarbeitung eines Programms für das nationale Rußland, um die Einigung aller Russen herbeizu- führen, die ihr Vaterland von der bolschewistischen Herrschaft befreien wollen.
Stockholm. Die Königin von Schweden ist erkrankt, ihr Befinden gibt zu Besorgnissen Anlaß.
Rom. „Jmpero" bringt die Meldung, daß von feiten des Ministerpräsidenten die Nachricht von der bevorstehenden Verlobung der Prinzessin Maria von Betzie» mit dem italienischen Kronprinzen dementiert wird.