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Hersfelöer Tageblatt

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Reisfelder Kreisblatt'

Amtlicher Mnzeiger Dr den Kreis Hersfels

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Nr. 61

Verwirrung.

Sie sprachen zwar, in der Hauptsache, nur französisch und englisch in der Zentrale der Wölkerbundgemeinschaft am Genfer See, die Staatsmänner und Diplomaten, die Journalisten und Photographen alle, die sich zu dem gro­ßen Schauspiel der seit Jahren unentwegt geforderten Aufnahme Deutschlands in den Bund der Nationen in diesen unfreundlichen Märztagen dort zusammengefunden haben. Daneben allenfalls ein bißchen italienisch und, wenn es gar nicht anders geht, auch ein ganz klein wenig deutsch. Aber die Sprachenverwirrung, die unter ihnen ausgebrochen ist, seitdem die deutschen Delegierten mit dem Kanzler an der Spitze vor der Tür des Völkerbundes der Dinge harren, die da kommen sol­len, könnte gar nicht größer sein, wenn sie genötigt wären, sich in fünfzig oder gar in hundert Sprachen zu ver­ständigen.

Der Schwede verstand den Spanier nicht mehr und der Pole nicht den Chinesen, der Schweizer wußte nicht, was der Japaner eigentlich meinte, und kopfschüttelnd staunten Holländer und Belgier über das Getöse um sie her, aus dem sie sich gar keinen Vers zu machen wußten. Allenfalls schien eine gewisse Verständigung zwischen Brasilianern und den Sendboten des Herrn Mus­solini gelungen zu sein; dafür aber müssen sich jene den lebhaften Widerspruch anderer südamerikanischer Völkerbundmitglieder gefallen lassen, obwohl doch so sehr aufeinander angewiesene Nachbarstaaten keine besonderen Verständigungsschwierigkeiten unter sich haben sollten.

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Hatte man es in Genf wirklich nur mit Sprachenver­wirrung zu tun oder lag nicht vielmehr schon eine aus­gemachte Begriffs- und Gedankenverwir­rung vor, die für die Zukunft des Völkerbundes schwere Befürchtungen aufsteigen läßt? Kein Zweifel, der Bund hatte eine sehr ernste Probe auf seine Lebensfähigkeit zu bestehen, und es sah recht bald so aus, als sollte er sich dabei äußerst schlecht bewähren. Deutschland würde, wenn hier wieder einmal ein schöner Menschheitstraum eno- gültig verschwände, nicht der leidtragende Teil sein, denn es lag, da mir fLocL,xmH£xli£lk-^

standen, als der Konflikt zwischen ihnen ausbrach, nicht in unserer Macht, seinen Ausgang nach der einen oder anderen Seite hin zu beeinflussen. Trotzdem aber werden wir uns gegen Versuche zu wehren haben, die Verant­wortung für diesen Gang der Dinge auf unsere Schultern abzuladen, wie Deutschland ja stets den Sündenbock für alle möglichen und unmöglichen Fehler und Torheiten anderer Leute abgeben muß. Gott sei Dank besteht in diesem Falle volle Einmütigkeit im deutschen Volke darüber, daß die Herren Luther und Stresemann weder etwas versäumt noch irgend etwas verschuldet haben.

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Auch wenn der berühmte leere Stuhl im Völker­bundsaale also endlich von seinem seit Jahren vorbestimm­ten Inhaber eingenommen werden sollte niemand wird von dieser Zeremonie, und wenn sie noch so feierlich und noch so stimmungsvoll gestaltet werden sollte, auch nur eine Spur von Freude mit nach Hause nehmen können. Es hat sich in diesen Tagen gezeigt, daß das Menschliche, das allzu Menschliche an den Männern, die ihre Staaten im Völkerbund zu vertreten haben, genau so haften bleibt, wie es ehedem der Fall war, da es noch keinen Völkerbund­palast in Genf gab. Hier läßt sich offenbar die bittere Gewohnheit der Sprachenverwirrung, statt endgültig überwunden zu werden, vielmehr zu einem System aus­bilden, schon jetzt, wo Russen und Amerikaner noch draußen stehen. Die von dieser Stätte und von dieser Versamm­lung alles Heil erwartet haben, wie lange werden sie gegen die erdrückende Wucht der Tatsachen ihre fromme Gläubig­keit noch behaupten können?

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Der Rat, der sich nicht zu raten weiß, das war die unrühmliche Rolle, in der das von B r i a n d und Chamberlain geleitete Kollegium der Zehn sich vor den Völkern der neuen und der alten Welt bloßstellte. Es ist damit nicht allzusehr aus dem Rahmen herausge­fallen, in dem auch sonstige Zeit- und Tagesgrößen von heute die Blöße ihrer Unfähigkeit nur zu deutlich erkennen lassen. Man muß schon andere Regionen des sozialen Lebens aufsuchen, wenn man Männer der Tat finden will, die den Volksgenossen neue Wege zu weisen ver­stehen. Als die zum Beispiel jene verwegenen Einbrecher in Berlin zu nennen wären, die durch eine geschickte Kom­bination von Kanonenschlägen unter einem Hochbahn­viadukt mit Steinwürfen in das gut ausgestattete Schau­fenster eines Juwelierladens der Welt, oder, um nicht zuviel zu behaupten, wenigstens der Verbrecherwelt neue, bisher ungeahnte Wirkungsmögüchkerten erschlossen haben. Wir haben genug phantasiebegabte Burschen innerhalb der Spitzbubenzunft, um sehr bald auf eine reiche Fruchtbarmachung dieser funkelnagelneuen Arbeits­methoden rechnen zu können. Und trifft es sich nicht ganz ausgezeichnet, daß diese weithin sichtbar gewordene An­regung gerade in diesen Tagen von Deutschland aus ge­geben wird, da uns der Völkerbund in seine Arme schließen soll? Könnten wir einen besseren Beweis dafür liefern, daß wir nicht nur von ihm zu nehmen bereit sind, sondern auch etwas zu geben haben, was den anderen Völkern zum Segen gereichen muß? Juwelen raub mit

Gonaabend, den 13. Märr 1926 76. Jahrgang

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Briands Vermittlerrolle

Veratungen der Rheivpaktmächte.

Prüfung neuer Lösungsmöglichkeiten.

Am Freitag vormittag sind nach kurzer Vorbesprechung zwischen den Delegationsführern die Rheinpaktmächte wieder zu einer Beratung zusammengetreten, die etwa drei Stunden dauerte. Über diese Beratung wurde folgen­des von den Teilnehmern vereinbarte Kommunigus aus­gegeben:

Die Besprechungen zwischen den Vertretern der Signatarmächte des Rheinpaktes wurden Freitag vor­mittag fortgesetzt. Verschiedene Lösungsmöglichkeiten wurden zur Erörterung gestellt. Die Besprechungen wurden dann auf einen noch nicht bestimmten Zeit­punkt vertagt, um den Beteiligten Gelegenheit zur Prüfung der erörterten Lösungsmöglichkeiten zu geben.

Die Verlautbarung ist, wie man steht, sehr allgemein gehalten, über den Inhalt der Besprechung wird strenges Stillschweigen bewahrt.

Von gutunterrichteter Seite wird mitgeteilt, daß in der Sitzung ein französischer Vorschlag zur Er­örterung stand, der die Erweiterung des Rates aus die Bewilligung eines nichtständigen Ratsitzes beschränken will, und daß von anderer Seite neue Einigungsformeln in Vorschlag gebracht wurden. Diese beziehen sich aus die Einsetzung einer Kommission, der bestimmte Richtlinien gegeben werden in dem Sinne, die Erörterung über die künftigen Ratsitze ernsthaft in Angriff zu nehmen.

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BriandsVormarschplan".

Besorgnisse in London.

Inzwischen ist Briand eifrig bemüht, die Gegensätze in Genf zu überbrücken. SeinVormarschplan" sieht nach dem .

1. er wird versuchen, die Deutschen dazu zu bringen, sich ohne Verzug zu verpflichten, die Entscheidung des Völkerbundrates anzunehmen;

2. er will den schwedischen Außenminister überreden, sein Veto gegen eine Erweiterung des Völkerbundrats zurückzuziehen;

3. er wird einen Druck aus die spanischen und brasili­anischen Vertreter ausüben, um sie zur Zurücknahme ihrer Austrittsdrohungen zu bewegen;

Knalleffekten, vor denen Männlein und Weiblein, bewaff­nete und unbewaffnete Straßenpassanten schleunigst das Weite suchen das war wenigstens einmal eineKultur­tat", deren Sprache allenthalben bestens verstanden werden wird. ___________ Dr. SY.

Haslinve zur LandwirischastsZage.

Tiefgehende Krisis.

Der Haushaltsausschuß des Reichstages beriet den Haushalt des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Der Berichterstatter, Abg. Dietrich-Baden (Dem.), wies auf die schlechte Lage der Landwirtschaft hin, sie sei teilweise am Erliegen.

Mangel an Betriebskapital.

Reichsminister Dr. H a s l i n d e führte u. a. aus, die Hauptschwierigkeit liege zurzeit nicht, wie in den früheren Zähren, in der Nahrungsmittelbeschaffung, sondern darin, daß der Nährstand selbst, die deutsche Landwirtschaft, trotz intensivster Kraftaufwendung in den letzten Jahren und trotz der verhältnismäßig guten Ernte eine tiefgehende Krisis durchmache, die sich infolge des ungeheuren Drucks und mit Rücksicht auf die besondere Struktur der landwirt­schaftlichen Erzeugung im Rahmen unserer Gesamtkrisis allmählich wie eine auszehrende Krankheit auswirke. Diese Krise der deutschen Landwirtschaft sei auf zwei Hauptursachen zurückzusühren: Einmal auf den völligen Mangel an Betriebskapital und die hinzukommende Ver­strickung in eine beängstigende Wechselschuld, eine Schuld kurzfristiger Kredite zu meist untragbar hohen Zinssätzen neben der sonstigen Verschuldung der Landwirtschaft, die durch den gewaltigen Steuerdruck und andere bekannten Ursachen vergrößert werde. Dem stehe mangelnde Renta­bilität und Unverküuflichkeit der Massenprodukte (Roggen und Kartoffeln gegenüber. Hilfen von Reich und Staat seien notwendig. Der Jnlandsmarkt müsse gestärkt wer­den. Die deutsche Gesamtwirtschaft könne ohne die Wiederherstellung der Produktionsgrundlagen der heimi­schen Landwirtschaft und deren Rentabilität nicht wieder vorwärtskommen. Die Maßnahmen, die nun die Reichs­regierung zur Steuerung der Not der Landwirtschaft ergrif­fen habe und weiter dürchzuführen gedenke, bewegten sich nach drei Richtungen; die Hilfe müsse einsetzen: 1. von der Kreditseite, 2. von der Absatz- und Rentabilitäts­seite und 3. durch einzelne Hilfs- und Förderungsmatz­nahmen.

Nach dem Minister gab der deutschnationale Abg. T h o m s e n eine Übersicht über die Verschuldung oer Landwirtschaft, der völkische Abg. Ramin wünschte Änderung der Handelsvertragspolitik und der kommuni­stische Abg. Hörnle bekämpfte die Zollbestrebungen.

4. er wird endlich Graf Skrzynski davon zu überzeugen suchen, daß Polen nicht mehr als einen zeitweiligen Rat­sitz erhalten könne.

Die Reutertelegramme aus Genf, die bisher stets in einem Tone ruhiger Zuversicht gehalten waren, lauten jetzt sehr pessimistisch und sprechen davon, daß die aufgetauchten Hindernisse bisher unüberwindlich erscheinen. In einer Reutermeldung aus Genf heißt es: Chamberlains einziges Ziel ist, die K a t a st r o p h e z u v e r h i n d e r n, die den Völkerbund und Europa bedroht.

Deutschlands unverrückbarer Standpunkt

Wie die Schweizerische Depeschenagentur meldet, hielten die deutschen Vertreter bei einer Besprechung mit der französischen Delegation an dem Standpunkt fest, daß in dieser Session nur Deutschland in den Völkerbund auf- zunehmen sei und daß Deutschland zurzeit keine Ver­sprechungen in bezug auf seine Zustimmung zu einer späteren Erweiterung des Völkerbundrates abgeben könne. Es sei bereit, die Frage später zu prüfen, könne aber jetzt keine formellen Bedingungen eingehen.

Briand erklärte nach der Besprechung der gleichen Agentur zufolge, daß die versöhnende Aktion Frankreichs nach allen Richtungen hin geltend gemacht würde und daß nicht außer acht gelassen werden dürfe, daß der Lo­carnopakt durch Aufnahme Deutschlands in den Völker­bund in Kraft gesetzt werde.

Bötterbundveriagung auf den Herbst?

In Völkerbundkreisen wurde vielfach die Anschauung geäußert, daß, wenn Brasilien und Spanien aus ihrem ablehnenden Standpunkt weiter verharren, nichts weiter übrigbleibt, als die Vollversammlung und alle schwebenden Fragen aus den Herbst zu vertagen.

Scharfer Protest Schwedens in Madrid.

Anläßlich einer spanischen Demarche in Stockholm, bei der die Haltung der schwedischen Regierung in der Rat­frage als unfreundlich bezeichnet wurde, ist schwedischer- seits entschiedener Protest unter wiederholter Betonung des prinzipiellen Grundes für die Haltung der schwedischen Regierung in Madrid erhoben worden.

Die Mfm-ung der Fürstenhäuser.

Beratung des Kompromißentwurfes.

Im Rechtsausschuß des Reichstages hat nunmehr die Be­ratung des Kompromißentwurfes zur Fürstenabfindung be­gonnen. Auf sozialdemokratischen Wunsch hin wurde be­schlossen, daß die

Selbsteinschätzung der vormals regierenden Fürstenhäuser zum Wehrbeitrage sestgestellt werde. Der Ausschuß beschloß ferner, den thüringischen Finanzmini st er am Don­nerstag nächster Woche über die Frage der Rückwirkung zu hören. Thüringen befürchtet nämlich, daß durch die Rück­wirkung die Unsicherheit in der Finanzgebarung auf Jahr­zehnte verlängert werde, über die Frage, ob der

Kompromißentwurf verfassungsändcrnd

sei, gab Reichsjustizminister Marx die Erklärung ab, das Ka­binett werde erst nach Vorliegen eines Beschlusses des Reichs- tagsplenums diese Frage entscheiden. Abg. Schulte (Ztr.) begründete dann den neuen Kompromißentwurf. Er betonte hierbei, daß alle Parteien

zu großem Entgegenkommen genötigt

waren, um eine Zweidrittelmehrheit für diesen Entwurf zu erlangen, über die Grundgedanken des Entwurfs liege grund­sätzliche Einmütigkeit seitens der Reichsregierung und aller beteiligten Fraktionen vor. Reichsjustizminister Marx erinnerte daran, daß der Reichskanzler schon in seiner ersten Rede die Hoffnung ausgesprochen habe, daß ein Volksentscheid vermieden werden könnte. Im Sinne dieser Erklärung habe es gelegen, wenn die Regierung sich bemühte, eine Einignng der Parteien zustande zu bringen. Die Generaldebatte über den Entwurf soll am nächsten Donnerstag beginnen.

Die Takuforis zerstört.

Zahlreiche Menschen getötet

Die Takuforts an der Mündung des Peiho wurden durch das zweistündige Bombardement Tschangtsolins fast vollständig zerstört. Bei der Beschie­ßung, die sehr heftig war, wurde eine große Anzahl Menschengetötet. Ein Teil der Zerstörung ist durch die nach der Beschießung entstandene Feuersbrunst verursacht worden. Ein Landungsversuch der Verbündeten schlug jedoch fehl. 2000 Mann, die in der Nähe von Taku landeten, wurden von Fengs Truppen gefangengenommen.

Der Gouverneur der Provinz Schansi, der seit Be­ginn des chinesischen Bürgerkrieges neutral geblieben war, ist jetzt in das Lager Wupeifus und Tschangtsolins über­gegangen. Dieser Entschluß kann möglicherweise aus­schlaggebend in dem bevorstehenden Kampf sein, Wupeifu hat inzwischen die Provinz H o n a n fast vollständig erobert. Der Rest der Nationalarmee in der Provinz Honan ist g e s ch l a g e n und u m z i n g e l t worden. Der Gouverneur der Provinz wurde ermordet.