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Nr. 50
Montag, den 1. Mär; 1926
76. Jahrgang
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Ein Hoffnungsstrahl?
Darf man aufatmen? Soll man hoffen? Zum erstenmal feit mehr als fünf Monaten hat die nach oben schnellende, ins Riesige anwachsende Ziffer der Erwerbslosen eine Vermehrung nicht erfahren. Nur wenig ist sie m der zweiten Hälfte des Februar auf 1% Millionen männlicher und rund 300 000 weiblicher Hauptunter- stutzten, zusammen über 2 Millionen, gestiegen, während aber gleichzeitig die Zahl der Zuschlagsempfänger eine etwa gleich hohe Verminderung erfuhr.
Soll man hoffen, darf man aufatmen? Gewiß, die Krise ist noch nicht im Weichen, aber sie ist wenigstens nicht mehr im Ansteigen. Und das ist für uns schon ein geringer Trost, ein wenn auch schmaler Hoffnungsstrahl.
Jede Krise, aber auch ihr Widerspiel, die günstige Konjunktur, hat größtenteils wirtschaftliche Ursachen. Aber nicht eine, sondern viele. Dabei treibt eines das andere, hinunter oder hinauf. Diese Ursachen festzustellen, ist meist nicht sehr schwer. Aber bei der Entstehung einer Krise, ebenso wie in ihrer Weiterentwicklung, spielen auch andere Gründe, andere treibende Kräfte mit. Das sind einzel- und massenpsychologische Kräfte, deren Spiel und Widerspiel oft unauffindbare Regungen im Einzelmenschen wie im ganzen Volk sind. So banal-abgegriffen das Dichterwort auch ist: „Es irrt der Mensch, solang' er strebt", — man kann es variieren: „Es hofft der Mensch, solang' er strebt". Und diese Hoffnung teilt sich dem anderen und den anderen mit, wird dadurch aber auch wirtschaftlich wichtig.
Die großen Kreditpläne des Reiches, die mannigfachen kreditpolitischen Beziehungen auch unserer Privatindustrie namentlich mit Rußland, das fast hemmungslose Hereinströmen aber auch fremden Kapitals bei uns, die Freudensprünge" der Börse — all das erzeugt eine Art hoffnungsfroher Zuversicht im Wirtschaftsleben, wenn man bei genauem Prüfen vielleicht auch einen stichhaltigen Grund kaum finden mag. Trotzdem... Man will wieder aufwärts; und ein vernünftiger Opti-
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dem man die Wirtschaftskrise überwinden sogar — das wichtigste Stück.
Ein anderes, wirtschaftlich bedeutsameres kommt hinzu. Von der Witterung begünstigt, tritt jetzt schon die Landwirtschaft an die Arbeitsaufnahme heran und
begehrt Arbeitskräfte nicht nur, sondern wird auch Käufer. Zur rechten Zeit noch ist die große Anleihe des Kalisyndikats fertig geworden, um sich nun für die Finanzierung des Düngemittelverbrauchs geltend machen zu können. Ferner ist der Geldmarkt so flüssig wie nie zuvor — leider freilich nur für kurzfristige Gelder. Weiter: die Handelsbilanz, die ja im letzten Monat des vergangenen Jahres aktiv geworden war, hat ihre Tendenz nicht verändert, ohne daß man die Augen davor verschließen darf, daß es damit nicht allein getan ist, weil die Auswirkungen der ausländischen Kapitaleinfuhr — die doch auch verzinst und amortisiert werden muß — eben gewisse Besorgnisse hervorrufen muß. Denn auch das steht leider fest: die Auslandskredite sind manchmal recht wenig wirtschaftlich zweckmäßig verwendet worden.
Soll man hoffen? Man muß hoffen. Denn wirtschaftlicher Pessimismus, ein mattes Hinnehmen dessen, was angeblich das Schicksal über uns verhängt, ein inneres — und oft auch äußeres — Hände-in-den-Schoß-legen ist stärkste Hemmung wirtschaftlichen Wiederaufbaues. Vielleicht ist aber noch ein anderer Fehler zu rügen: Allzuoft und allzusehr wird gerade von bedeutenden und klugen Wirtschaftsführern die allgemeine Konjunktur, die Höhe und Ausdehnung der allgemeinen Krise beurteilt von der Konjunktur, von der schweren Krise aus, in der der eigene Wirtschaftszweig steckt. Wie hier die Produk- lions- und Absatzverhältnisse sind, wie die Arbeits- und Finanzlage — danach werden dann oft Schlüsse auf die Lage der gesamten Wirtschaft gezogen, die nach oben oder nach unten, nach der optimistischen, aber auch nach der pessimistischen Seite zu weit gehen. Weit schwieriger wie in den Verhältnissen der Vorkriegszeit ist darum jetzt jede Voraussicht und Voraussage über die weitere Entwicklung der Konjunktur; viel größeren Irrtümern ist sie unterworfen und viel weiter gehen die Ansichten auseinander.
Immerhin, man ist doch wenigstens in der Lage, Günstiges aufzählen zu können. Und eins von diesem Erfreulichen ist gerade die Handelsbilanz des Januar, die in ihren Einzelheiten jetzt bekannt wird. Erfreulich ist, daß die Ausfuhr besonders an Fertigwaren gestiegen ist, während die Fertigwareneinfuhr sank. Im ganzen ist die Einfuhr um 50 Millionen zurückgegangen, die Ausfuhr aber — wenn auch nur um ein geringes — gestiegen.
Gewiß: alles keine überwältigenden Gründe ausschweifender Hoffnungen, aber doch Hoffnungsschimmer dafür, daß wir über den Berg hinweg sind, so doch viel- leicht auf dem Gipfel angelangt sind. Viele, viele sind zusammengebrochen auf dem Wege dorthin; aber was am Leben blieb, wird jetzt hoffnungsfreudiger dre Arme rühren.
Arbeiislosenziffer im Februar. '
Während der Monat Januar noch ein beträchtliches Anwachsen in der Zahl der urrterstützten Erwerbslosen gebracht hatte, ist diese Zahl hn^er ttstM Hälfte des Februar
Kundgebung zum Volkstrauertag
Ehrung der Gefallenen durch Reichspräsident und Reichsregierung
Zum diesjährigen Gedenktag an die im Weltkriege gebliebenen Brüder erließen Reichspräsident und Reichsregierung folgende amtliche Kundgebung:
In stiller Trauer gedenkt das deutsche Volk am heutigen Tage seiner Brüder, die in dem größten aller Kriege ihr Leben gaben für die Verteidigung der Heimat.
Für uns sind sie in den Tod gegangen. An den Gräbern unserer Gefallenen, die sich für uns alle opferten, soll die Zwietracht schweigen. Mahnend steht vor uns das deutsche Leid, das heilige Opfer der im Kriege Gebliebenen, die starben, damit Deutschland lebe.
Aus dem Leid wuchs immer des deutschen Volkes höchste Kraft. Wenn heute die Flaggen halbmast wehen, wenn große Scharen sich zu würdigen Gedächtnisfeiern still vereinen, soll der Entschluß in uns sich festigen, im Glauben an Deutschland das Wort zu verwirklichen:
„Nimmer wird oas Reich zerstöret, Wenn ihr einig seid und treu!"
Berlin, den 28. Februar 1926.
Der Reichspräsident DieReichsregierung
von Hindenburg. Dr. Luther.
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*' Der Reichspräsident im Reichstag.
Die Trauerfeier, die im Reichstag zum Gedächtnis der im Kriege Gefallenen veranstaltet wurde, erhielt ihr besonderes Gepräge durch die Teilnahme des Reichspräsidenten von Hindenburg sowie von Vertretern der Reichsregierung, der Parlamente und anderer öffentlichen Körperschaften. Die Feier begann mit dem Vortrag des Blaserchor. Dann folgte ein Gesangsvortrag des Erckschen Männergesangvereins unter Leitung Max Stanges. Die Gedenkrede hielt der frühere Pfarrer Siems, der Vorsitzende de Kriegsgräbefürsoge. Nach einem Vortrag des Sprechchors der Berliner Universität schloß das Programm mit dem Trauermarsch „Ich hatt' einen Kameraden".
Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold veranstaltete auf der Treptower Spielwiese eine Gedächtnisfeier anläßlich des einjährigen Todestages des ersten Reichspräsidenten Ebert.
Gedenkworie.
Zahlreiche hervorragende in- und ausländische Persönlichkeiten haben die Bedeutung des Gedenktages in herzlichen Worten hervorgehoben. Nachstehend seien einige davon Wiederaeaeben: insbesondere' die Zahl der männlichen Hauptunterstützungsempfänger mit 1773 000. Eine Zunahme, nämlich von 257 000 auf 285 000, hat bei den weiblichen Hauptunterstützungsempfängern stattgefunden. Insgesamt betrug die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger am 15. Februar 2 059 000 gegenüber 2 031000 am 1. Februar. Andererseits hat sich die Zahl der Zuschlagsempsanger (unterhaltsberechtigten Angehörigen von Hauptämter- stützungsempsängern) von 2 361000 auf 2 332 000 verringert. Unverkennbar hat im Berichtszeitraum wie alljährlich der Bedarf nach landwirtschaftlichen Arbeits- kräffen eingesetzt.
Eröffnung der Leipziger Frühjahrsmesse.
Starker Zu ström aus dem Auslande.
Die Leipziger Frühjahrsmesse ist am Sonntag mittag eröffnet worden. Nachrichten aus Leipzig melden, daß die Aussichten für einen starken Ausländerbesuch günstig sind. So wird berichtet, daß aus der Tschechoslowakei über 3000, aus England nahezu 1300 geschäftliche Messebesucher zu erwarten sind. Ferner sind Besucher aus Holland, aus der Schweiz, aus Frankreich, aus Dänemark, aus Schweden, aus Ungarn angemekdet. Ein besonders starkes Kontingent entsendet wieder Österreich. Im übrigen gibt es kein europäisches Land, aus dem nicht zahlreiche Besucher angemeldet sind. Vor allem aber rechnet man auch mit einem besonders starken Besuch aus Übersee, wenn auch genaue Ziffern darüber noch nicht gegeben werden können. Die Ausstellerzahl beträgt nach den bisherigen Ergebnissen der Auszählung 10 300 Firmen aller Branchen. Die Zahl bedeutet gegenüber der letzten Messe eine Verminderung um etwa 12 Prozent. Unter Berücksichtigung der kritischen Lage ist dieser Rückgang jedoch unerheblich und gibt zu keinerlei Bedenken Anlaß.
Die alten Messelndustrien sind in gleicher Stärke wie auf den früheren Messen vertreten. Auch die Technik hat ungefähr die gleiche Anzahl Aussteller wie bei der letzten Messe. Den ersten Platz unter den ausländischen Ausstellern nimmt wieder die Tschechoslowakei mit 289 Ausstellern ein. Neu ist eine griechische Ausstellung, die in der Handelshochschule untergebracht ist.
Dr. Frank,"Gesandter der Republik Österreich in Berlin: Die ständige Einrichtung eines Volkstrauertages zur Erinnerung an sie erscheint mir als eine der wertvollsten Kraftquellen zur Selbstbehauptung unseres Volkes und seines Aufstieges in eine lichtere Zukunft.
Dr. M. Popoff, Kgl. Bulgarischer Gesandter in Berlin: An dem Gedenktage der Toten, die als Opfer des großen Krieges gefallen sind, wollen wir, in weihevoller Erinnerung an ihr gewaltsam unterbrochenes Leben, uns dem Gedanken zuwenden, daß in Zukunft die Gegensätze zwischen den Völkern einen anderen Weg zur Schlichtung finden möchten.
Kemal Eddin Sami Pascha, Botschafter der Republik Türkei in Berlin: Möge das Volk sich stets bewußt sein, was diese Helden für ihr Vaterland geleistet haben, und möge es ihnen ein treues und dankbares Andenken bewahren.
Kardinal Bertram, Fürstbischof von Breslau: Es ist ein Zug edler Pietät, der Opfer des Weltkrieges, in ernster Feierstunde gemeinsam zu gedenken und der Sprache zu lauschen, die aus den stummen Gräbern uns alle mahnt zu opferwilliger Liebe zum Vaterlande und zu treuer Einigkeit. Deutschlands Katholiken werden es gewiß nicht bei äußerlicher Gedenkfeier bewenden lassen, sondern in dankbarer Erinnerung an die Heldengesinnung der Gefallenen heiße Gebete für sie und für unseres Volkes Zukunft zum Himmel senden.
Oberbürgermeister Mitzlaff, Deutscher Städtetag: Die Ehrfurcht gegen die Toten soll das ganze Volk am allgemeinen Trauertag zusammenführen im Gedanken an die, die für uns gefallen sind, damit wir leben. Es sei auch ein Tag des Besinnens, daß die nationalen Güter höher stehen als parteipolitische Ziele, und daß die erste Pflicht heißt, sich zu der Volksgesamtheit zu bekennen, zu der man gehört. Von dem weltkühlen England sollen wir lernen: right o% wrong, my Country.
M Gouverneur K K Dr. Schnee, Präsident des Bundes der Ausländsdeutschen: All den taufenden Ausländsdeutschen, die unter Überwindung unsäglicher Schwierigkeiten auf jedem Wege und auf jede Weise es versuchten, sich bei Kriegsbeginn und später der Heimat zur Verfügung zu stellen, ist in der deutschen Öffentlichkeit noch nicht der Dank entgegengebracht worden, der ihnen gebührt. In die Feier am Polkstrauertag ein Gedenken der Ausländsdeutschen einzuschließen, die im Kriege gefallen sind, würde wenigstens den Hauptteil dieser Dankesschuld abtragen.
Siems, Präsident des Volksbundes Deutscher Kriegs- graberfürsorge e. V., Berlin: Volkstrauertag — das Denkmal deutscher Dankbarkeit, deutscher Einigkeit, beut= scher Hoffnung! So vereinen sich stolze Vergangenheit und schwere Gegenwart mit leuchtender Zukunft. — So rufen es unsere Gefallenen aus ihren zwei Millionen Gräbern.
Die Durchführung des Volksbegehrens.
Die Prüfung der Eintragungsberechtigten
Der Reichsminister des Innern hat auf Anregung des Deutschen Städtetages zur Erleichterung des Außendienstes in den größeren Städten bei Durchführung des Volksbegehrens den Gemeinden über 20 000 Einwohnern freigestellt, die Prüfung der Eintragungsberechtigten nicht bei der Eintragung selbst, sondern erst nachher binnen drei Tagen vorzunehmen, so daß bei der Eintragung zunächst nur die Identität der Person geprüft zu werden braucht. Eintragungsberechtigte, die aus einer Gemeinde mit fortlaufend geführter Stimmkartei verzogen sind, können einen Eintragungsschein von der Gemeindebehörve ihres neun Wohnorts erhalten. Für das Prüfungsverfahren kann, wenn die Stimmlisten und Stimmkarteien der letzten Reichswahl nicht mehr brauchbar sind, ein neueres, für eine spätere öffentliche Wahl (Landtagswahl, Provin- ziallandLagswahl) aufgestelltes Wählerverzeichnis zugrunde gelegt werden.
Die pensionslasi des Reiches.
Die Verfügungssummen des Reichspräsidenten.
Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde beim Haushalt des R ei ch s fi n a n z mi n ist eri u m s der Titel „Bewilligungen aller Art: 3 500 000 Mark", besprochen, worin die Verfügungssumme des Reichspräsidenten in Höhe von 2,8 Millionen und der Fondss für Unterstützungen an ehemalige Kriegsteilnehmer und deren Hinterbliebenen enthalten sind. Ein Regierungsvertreter gab Auskunft über die Verwendung dieses Fonds. Er werde nicht benutzt, um in irgendwelcher Form politischen oder pseudopolitischen Verbänden Dotationen zuzuwenden. Von kommunistischer Seite werde die Streichung des Titels verlangt. Reichsfinanzminister Dr. Reinhold bat, die Angelegenheit nicht zu übertreiben. Es liege kein Anlaß vor, von dem bisherigen Brauch ab- zugehen. Eine Prüfung der Ausgaben würde eine besondere Nachkontrolle des Fonds des Reichspräsidenten bedeuten. Die Kontrolle werde ja durch den RechnunLs-