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Hersfelöer Tageblatt Hersfelöer Kreisblatt' Etlicher Anzeiger für »en Kreis Yersfeiö

Nr. 49 Sonnabend, den 27. Februar 1826 76. Jahrgang

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Seiten bis in den Tod!

Zur Erinnerung an die Gefallenen.

Deutschland, gedenke derer, die ihr Leben und Blut für dich Hingaben! , .

Mitten hinein in den wilden Kampf ums Dasein, m den Streit und Haß der Parteien, in den Jammer, tue Not, das Elend, den betäubenden Rauschtaumel des Augenblicks tönt wie von einem andern Stern herab diese Mahnung; hauchen die Geisterstimmen aus den Gräbern von zwei Millionen, die im Kampf für die Heimat starben, die Bitte: Vergeßt uns nicht ganz, uns, die wir das Letzte für euch einsetzten, das Leben, damit ihr das Leben habt! Auch uns umfing der Wille zu leben, auch wir waren Mem schen, die den Blick zur Sonne des Daseins hoben, auch wir klammerten uns mit allen Sinnen an das Große oder Kleine, was Leben heißt. Doch ein Stärkeres gebot uns, dies Große oder Kleine einzusetzen: Deutschland muß leben, auch wenn wir sterben müssen.

Von einem Gräberkranz ist Deutschland umgeben und rings um uns mahnt es so mit Geisterstimmen. Doch nein, sie flüstern nicht, die zwei Millionen Gefallenen ihre Stimmen klingen wie Donnerrollen, wie Trompetenge- schmetter. Vom Westen her dröhnt es, von jenem einst 700 Kilometer langen Eisenwall, von den Fluten des Kanals bis zu den Schweizer Bergen, dort, wo die Toten Mann an Mann liegen in vieltausendfacher Reihe. Und von Ost e n herüber tönt es wie Echo aus den grünen Wäl­dern und zwischen den blauen Seen Ostpreußens, die wie große Augen zum Himmel schauen, klingt es leiser, ferner aus den weiten, weißen Ebenen Rußlands und Polens; von Riga herab bis zur weißen Krim, überallher, wo den Staub der Erde der nägelbeschlagene Stiefel des deutschen Soldaten trat, des deutschen Soldaten, der selbst zum Staub der Erde ward. Und wie Lawinengedröhn hallt es herüber von den Bergen Tirols, den Karsthöhen Dalmatiens; aus den sonnendurchglühten Kuppen des Balkans, aus Afghanistans, Persiens und Mesopotamiens heißen Tälern und Ebenen, aus den Wüsten und Vorderasiens Muchzt.es: V e

r e r n i cht. Die wir fern der Heimat unserer Pflicht nicht vergaßen!

Aus den Wellen der Nordsee, der Ozeane, überall dort, wo deutscher Seemannsmut dem Feind die Stirn bot, quillt es herauf: Wir starben für euch, wie Eid und Pflicht es uns geboten, damit ihr leben dürft!

Das Heer der Toten dort gibt es keinen Unter­schied mehr von Rang und Stand! Hier steht der ein­fache Trainfahrer, den Fliegerbombe oder Ferngeschoß Gefährt und Leben zerschmetterte, neben dem General, dem das Eichenlaub den Uniformkragen zierte. Hier steht neben seinem Hauptmann der Rekrut, der in der Friedens­zeit seines Führers Kummer war, aber im Kriege seine Pflicht tat. Hier steht neben dem Offizier der Bursche, beide vielleicht von einer Granate zugleich zerschmettert. Hier steht neben dem Gelehrten, dem Studenten, den heiße Vaterlandsliebe zu den Fahnen trieb, der einfache, unge- lehrte Bauernsohn, steht neben dem Fabrikarbeiter das Glied eines altadligen Geschlechts. Alle in Reihe und Glied, alle mild umfangen von den weichen Armen der gütigen Allmutter Erde.

Von einem Tod gepackt, ob er sie faßte im Rausch des Sieges, im Sturmeslauf oder tief unten in des Unter­standes Dunkel, wenn berstend die Erde sich hob. Ob in verbissener Zähigkeit den Ansturm des Feindes im Granat­trichter erwartend, ob hoch in der Luft von Feindesgeschoß ereilt oder mit dem Schiff und wehender Flagge sinkend. Ob mutig oder verzweifelnd, nur durch das Pflichtgefühl gehalten der Tod schwang über sie alle die Hippe. Kein Erbarmen kannte er, gleichgültig mähte er die jungen und die reifen Männer, arm und reich, auf grüner Heid' und auf den Lagerstätten der Lazarette. Kein Alter, keinen Beruf, keinen Stand gab es, von dem er nicht zahllose Opfer heischte. Und kein Geschlecht, da er auch Frauen und Kin­der zu Hunderttausenden mordete in schlimmerem, lang­samem Tod.

So ziehen sie heran, ein gewaltiges Heer der Ge­fallenen, nicht im Schmuck glänzender Uniformen, son­dern sie alle, alle umhüllt vom Feldgrau, dem Ehrenkleid der Kämpfer des großen Krieges. Erstorben sind die Augen, zerschmettert Kopf und Gebein, zerfetzt zu fast unkenntlichen Resten. Mann au Mann, in unüberseh­barer Schar, ziehen sie dahin, hoch über Deutschland hin­weg, zu schauen das Land, für das sie kämpften, litten und starben. Zu ihnen klingt das Glockengetön des Gedenk­tages herauf und sie schauen herab auf die Stätten, die einst ihr Liebstes bargen, Weib und Kind, Vater und Mutter, Brüder und Schwestern und Freunde. Anders ist Deutschland geworden, ganz anders, als sie es er­lebten, als ihr Sinn es wußte, als ihre Hoffnung es wünschte, ehe sie starben. Und soll es heruntertönen zu inn§:Uns reut unser Tod für solch' ein Geschlecht, das Zunserer nicht mehr gedenkt, die wir Staub wurden, und Adas doch um nichts besser ist als quirlender Staub im ZSturm des Schicksals!" Wie Weinen schluchzt es, wie ZWeinen aus Augen, denen keine Träne entquoll, als sie Wch zum letzten Schlummer schlössen.

tSüß und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu sterben", sagt ein alter Dichter; oh nein, bitter ist der Tod auch dem, der da weiß, daß das Leben der Güter höchstes nicht ist. Aber sie, die Toten, tragen das blutigroteMren-

Der Wettlauf der Mächte

polliW-spanffche AOriiche in Genf.

Auch China will einen Ratsitz.

Je näher der Zeitpunkt heranrückt, an dem in Genf über die Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund und den Völkerbundrat verhandelt werden soll, desto lauter und stärker werden die Ansprüche, die auch andere Mächte zur Erlangung der Mitgliedschaft im Völkerbundrat stel­len. So erhob der polnische Premierminister Skrzyn - ski in einer Rede im Polnischen Sejm die Forderung, daß auch Polen einen Sitz im Völkerbundrat erhalten müsse. Der polnische Ministerpräsident bezog sich bei dieser Forde­rung aus Artikel 4 des Völkerbundstatuts, der nach seiner Meinung nur so ausgelegt werden könne, daß bei Ein­tritt Deutschlands in den Völkerbund auch Polen einen Sitz im Rat als gleichwertiger Teilnehmer erhalten müsse. Die spanischen Forderungen aus einen Sitz im Völkerbundrat sind schon wiederholt Gegenstand der öffent­lichen Diskussion gewesen, wenngleich auch noch keine offizielle Stellungnahme Spaniens zu dieser Frage be­kannt war. Nunmehr veröffentlicht auch der spanische Außenminister eine Erklärung, in der es heißt, daß Spa­nien unter voller Anerkennung der Rechte Deutschlands am 8. März in Genf als Vertreterin von sieb­zehn Staaten spanischen Blutes einen stän­digen Ratsitz sordern werde.

Auch China scheint die Absicht zu haben, eine Aktion zur baldigen Erlangung eines Ratfitzes zu unternehmen. Nach einer Melduna derTimes" haben die diplomati­schen Vertreter der chinesischen Regierung in verschiedenen europäischen Hauptstädten die Absicht bekanntgegeben, einen ständigen Sitz für China im Völker­bundrat zu beantragen, wenn die Zumahl neuer Mit­glieder außer Deutschland in März in Gens erörtert wer-

Lhambeckatas geheime Verpflichtungen.

Bestürzung über die diplomatischen Manöver.

Der diplomatische Korrespondent des Llovd-George- BlattesDaily Chronicle" schreibt: Bestürzung ist das einzig passende Wort, um die Empfindungen der Mitglie­der aller Parteien über die diplomatischen Manöver in der Frage des Völkerbundrats, an denen Chamberlain sich beteiligt hat, auszuorücken. Chamberlain habe, wie

zeichen des Dienstes am Vaterland auf der Brust und das ist ehrenvoller als jeder andere Orden. Willig treten die zurück, denen ein gütiges Schicksal den Tod ersparte, und neigen sich vor den Toten. Denn auf ihren Stirnen strahlt das heilige Mal des Todes für das Vaterland. Und wir brauchen nicht das mahnende Grabmal desun­bekannten Soldaten" und was wir unseren Gefallenen an Denksteinen errichteten, ist nur äußeres Zeichen unserer Dankbarkeit, eine Mahnung nur an jene, die nach uns kom­men. Eine Mahnung wie der Tag der Gefallenen. Im wirbelnden, tosenden Strudel des Augenblicks, aus dem Kampf und Streit der Gegenwart erheben wir unsere Augen empor zu jenem Millionenzug der Geister. Was sie für uns taten, war das Größte, was sie tun konnten; fiewarengetreubisindenTod. Und wehe dem Volk, das seinen Toten, die für die Heimat starben, die Treue vergißt! Dr. Pr.

WinzerkrawaUe in Bernkastel.

Verwüstung des Finanzamts vierzehn Verhaftungen.

über tausend Teilnehmer an einer Winzerversamm­lung haben das Finanzamt in Bernkastel gestürmt. In wenigen Sekunden waren sämtliche Fensterscheiben des Gebäudes eingeworfen. Ein Teil der Winzer drang in das Finanzamt ein und warf sämtliche Möbel, Schreib­maschinen, Akten usw. auf die Straße. Dort wurden die Gegenstände zu einem Haufen aufgestapelt und angezün­det. Hierauf zogen die Demonstranten zu der Finanzkasse, wo sich dasselbe Manöver wiederholte. Mehrere Finanz­beamte wurden mißhandelt. Von der Finanzkasse zog der Trupp zum Zollamt, wo ebenfalls die Möbel und Aktenstücke aus die Straße geworfen und alles verbrannt wurde.

Ein Rundgang durch die von der erregten Volksmenge heimgesuchten drei Gebäude, Finanzamt, Finanzkasse und Zollamt, läßt so recht erkennen, mit welcher blinden Wut die Demonstranten vorgegangen sind. Die Inneneinrich­tung ist entweder durch die Fenster auf die Straße ge­worfen oder in den Räumen völlig zertrümmert worden. Die Akten sind restlos verbrannt oder zerrissen, so daß sie vollständig unbrauchbar sind. Kaum eine einzige Fenster­scheibe der Front der Gebäude ist erhalten geblieben. Es werden Wochen vergehen, bis in den Amtsräumen wieder der geregelte Betrieb ausgenommen werden t#lin. Die letzte Ursache der Ausschreitungen ist die katastrophale Winzernot. In Bernkastel befinden sich drei Landjäger und drei Stadtpolizisten, die natürlich gegenüber der Menschenmasse, die sich an den Ausschreitungen beteiligte.

erzählt wird, am Mittwoch das Kabinett durch die Mit­teilung von einer geheimen Verpflichtung gegenüber Briand überrascht und diese Ver- Pflichtung habe sich aus die Gewährung eines ständigen Sitzes an Spanien und eines nichtständigen Sitzes an Polen bezogen. Der Berichterstatter fragt, ob Polen als Lohn für die viermalige Verhöhnung des Völkerbundrats einen Ratfitz erhalten solle. Die Mitglieder aller Parteien seien über diesen flagranten Vertrauensbruch gegenüber Deutschland entrüstet. Das Kabinett trete am Freitag wieder zusammen und man hoffe, daß das nahezu einstimmige Gefühl des Landes und des Par­laments, wonach der Geist des Locarnovertrages gewahrt werden muß, im Kabinett ein Echo finden würde.

Lsearrwdebaüe in Paris.

Die beschleunigte Räumung der Rheinlande.

In der Französischen Kammer hat eine Aussprache über Locarno stattgefunden. Paul Boncour vertei­digte den Vertrag von Locarno und betonte, daß Her- riot zuerst in London ein Mittel zur Jnternationalisie- rung des Reparationsprogramms gefunden ^ar" Briand habe es verstanden, England zu bewegen, den Rhein­landpakt und die Verträge über die Ostgrenzen zu unterschreiben. Im Verlause der Sitzung entspann, sich zwischen dem früheren Kriegsminister Fabry und Briand ein Wortwechsel. Fabry sagte, Stresemann hoffe mit Hilfe des Locarnovertrages eine beschleunigte Räumung der Rheinlande herbeizuführen. Bri­and entgegnete, wenn Herr Stresemann seine Hoffnung auf eine beschleunigte Räumung der linken Rheingegend nicht aufgebe, so stütze er sich damit nur aus Artikel 131 des Versailler Vertrages. Das sei sein gutes Recht, denn dieser Artikel besage, daß die Räumnngsfristen, wenn Deutschland die Bedingungen zur Zufriedenheit der Alli­ierten erfülle, verkürzt werden können. Fabry behauptete dagegen, Stresemann stütze sich nicht aus den Versailler Vertrag. Der deutsche Außenminister stütze sich vielmehr auf die Abmachungen von Locarno, auf die sogenannten Rückwirkungen". Daraus erwiderte Briand, das sei nicht der Fall. Stresemann habe sich nur auf den Versailler Vertrag berufen. Der Locarnovertrag enthalte nicht ein einziges Wort, das die geringste Hoffnung auf eine frühere Räumung geben könnte.

machtlos waren. Der verursachte Schaden ist noch nicht abzusehen. Aus Trier sind mittels Kraftwagen unge­fähr 30 Polizisten nach Bernkastel zur Verstärkung heran­gezogen worden. Es sind vierzehn Personen ver­haftet worden, die an den Ausschreitungen beteiligt waren. Die Untersuchung geht weiter. Man nimmt an, daß gegen die Schuldigen ein Verfahren wegen Aufruhrs und Landfriedensbruchs eingeleitet werden wird. Augen­blicklich herrscht in Bernkastel und Umgegend durch das energische Einschreiten der Polizei Ruhe. . .

Ausbau der englischen Luftflotte.

Gegen den Geist von Locarno.

Das englische Unterhaus beschäftigte sich mit den Plänen für den Ausbau der englischen Luffflotte. Der Regierungsvertreter teilte bei der Beantragung der nötigen Kredite mit, daß 25 von den 52 besonderen Luftgeschwadern zur Verteidigung Englands bereits ge­bildet sind und daß drei weitere Geschwader im Laufe des Finanzjahres hinzukommen würden. Obwohl Großbri­tannien unter Außerachtlassung Rußlands unter den großen Luftmächten der Welt an zweiter Stelle stehe, ent­sprächen seine Gesamtluftstreitkräfte dieser Stellung noch nicht. Frankreich sei England um die Hälfte unterlegen. Diese Unterlegenheit dürfte in Anbetracht der Verhältnisse nicht geduldet werden. Die Schaffung von Hilfsge- schwadern mache befriedigende Fortschritte.

In der Debatte wurde energisch verlangt, die Nationen sollten beraten, wie man die fortdauernde Ver­mehrung der Luftstreitkräfte eindämmen könne. Sonst treibe man einer schrecklichen Weltkatastrophe entgegen. Ein Redner sagte, das andauernde Wettstreiten im Luft­schiffbau vertrage sich nicht mit dem Geist von Locarno.

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Zwei neue amerikanische Kampf-Zeppeline.

In den Vereinigten Staaten wird jetzt bekannt, daß das Neubauprogramm der Marine der Vereinigten Staaten, für welches der Marineausschuß dem Repräsen­tantenhaus die Bewilligung von 100 Millionen Dollar empfahl, zwei Luftschiffe Zeppelinsystem mit je 6 Millionen Raumfuß umfaßt. Gemäß den dem Ausschuß unterbreiteten Plänen des Admirals Moffett, der Chef des Marineflugwesens ist, sollen beide Luftschiffe mehrere großkalibrige, je achtzehn kleinkalibrige Maschinengeschütz- und je ein Einpfünder-Schnellfeuergeschütz erhalten,