Hersfelöer Tageblatt HersfelSer Kreisblatt' Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeiö
Nr. 46 Mittwoch, den 24. Februar 1926 76. Jahrgang
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Zum Dortrag Dr. Eckeners!
Nicht in jeder Zeit fügt es das Schicksal, daß die kräftigsten und wirksamsten Eigenschaften der Generation sich in einer großen Persönlichkeit sammeln. Nicht immer reckt sich die weithin sichtbare Gestalt auf, deren Dasein beredt von den Zielen und Hoffnungen, von den Sehnsüchten und Merteglauben einer Zeit spricht.
Immer sucht ein Volk seinen Führer. Den Führer, der alles Getrennte und Gespaltene zusammenfaßt, allem Unbestimmten und Flutenden ein festes Gerüst entgegendämmt, das wild Wachsende veredelt und die Gemeinschaftskräfte in ein mächtiges Strombett leitet.
Und auf einmal ist dann die große Persönlichkeit
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da, die die geheimen Wünsche der Warte zu erfüllen Ein reifer, großherziger Mann tritt vor sein Volk vermag. Der Führer, der als bedeutsames, gleichnis- hin als Werbender, der zu tätigem Helfen ruft. Als
haftes Bild den Wechsel aller parteilichen Einstellungen überdauert. Und die Harrenden fühlen auf einmal mit unbeirrbarer Gewißheit, daß ein werkträchtiger Wille ihre schwanken Vorstellungen zur Gestalt festigt. Daß einer da ist, der ihre Zukunftsaufgabe vor den Ansprüchen des dumpfen und gierigen Tages schützen will. Sie hören den neuen Klang und den neuen Rythmus, der ihre bereiten Kräfte bannt und in ein reiches großes Werk bindet.
Das deutsche Volk empfindet heute so. Es weiß,
England gegen weitere Ratsfi^e
Sriandsark ' j . rrung?
Nach einer aus London kommenden Mitteilung hätte Der französische Ministerpräsident Briand der britischen Regierung sein Einverständnis zu der Herabsetzung der Besatzungstruppen im Rheinland von 75 000 aus 60 000 Mann erklärt. Dazu bemerkt der Londoner „Daily Telegraph": Diese Tatsache erledige die in unbestimmter Form vorgebrachte Idee eines französisch-deutschen Kompromisses, wonach bei Zustimmung Deutschlands zur Gewährung eines ständigen Ratsitzes an Polen Frankreich Der vollständigen Räumung der Rheinlande noch in diesem Jahre zustimmen werde.
Im englischen Unterhause fand eine von 400 Abgeordneten besuchte Versammlung des parlamentarischen Völkerbundkomitees statt, in der eine vom Vorsitzenden Sir Ellis Hume William eingebrachte Resolution einstimmig angenommen wurde. In der Resolution heißt es: Das parlamentarische Völkerbundkomitee billige durchaus nicht den Vorschlag, daß die Sonderversammlung des Völkerbundes im März, die nur einberufen worden sei, um D e u t s ch l a n d in den Völkerbund aufzunehmen und ihm einen ständigen Ratsitz zu verleihen, dazu benutzt werde, weitere fundamentale Änderungen in der Zusammensetzung des Rates vorzunehmen.
Das Komitee sei der Meinung, daß jeder weiteren Vergrößerung des Rates schwere Bedenken gegenüber- stehen, und fordere daher die englische Regierung aus, allen solchen Bestrebungen tatkräftigen Widerstand ent- gegenzusetzen. „ ,
Die „Times" schreiben in einem große Beachtung findenden Artikel: „Es ist jetzt sehr schwer und im Hinblick
daß es seinem eigensten Schicksal dient, wenn es seinem Führer, Dr. Eckener, folgt. Dr. Eckener geht zu den deutschen Städten und spricht zu ihnen. Spricht zu ihnen mit der werbenden Krast einer ruhigen festen Ueberzeugung, hinter der der volle Gehalt eines wortkargen wirksamen Lebens steht. Mahnt an die Pflicht eines Volkes, das entschlossen sein muß, sich selbst zu erhalten und aus eigner Kraft sich neu zu gestalten.
Ein Führer zeigt auf sein Werk, das auf ihn wartet, weil es nur von ihm erweckt und erschaffen werden kann, weil nur er es vermag, aus dem Notstand des deutschen Volkes eine deutsche Notwendigkeit zu machen.
Mahnender, der auch die Zögernden und Unentschlossenen aufrüttelt, Weltgeschichte zu machen, statt Weltgeschichte durch Saumseligkeit und Trägheit des Gewissens zu verhindern.
Auch an unserer Stadt ist es jetzt, mitzuhelfen und mitzuwirken, nicht umsonst darf auch bei uns der Ruf Dr. Eckeners verhallen. Was andere Städte gekonnt und geleistet haben, das müssen auch wir können und leisten.
auf einige jungst auf dem Koutinent gemachte Äußerungen tatsächlich nahezu unmöglich, den Verdacht loszuwerden, daß der Vorschlag, Polen, Spanien und Brasilien im nächsten Monat zu ständigen Mitgliedern des Rates zu machen, auf die Schaffung eines Gegengewichtes gegen die Stimme Deutschlands abzielt." Die „Times" bezeichnet einen solchen Plan als töricht und weist auf die Rede Chamberlains hin, in der er sich gegen die Vorstellung wandte, daß im Völkerbundrat ein Gleichgewicht zwischen rivalisierenden Gruppen hergestellt werden müsse.
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Spanien und Brasilien.
Das Madrider Blatt „Liberal" veröffentlicht eine Unterredung mit dem Außenminister, in der dieser die Blättermeldung dementiert, daß Spanien gegen einen ständigen Reitsitz Deutschlands im Völkerbünde stimmen wurde, wenn Deutschland seinerseits die Erteilung eines ständigen Sitzes an Spanien ablehne. Der Minister erklärte, die Regierung habe bisher eine solche Entscheidung nicht getroffen. Spanien wache über seine Interessen und verteidige seinen Anspruch auf einen ständigen Sitz im Völkerbundrat, auf den es dank feiner Verdienste ein Anrecht habe.
Nach einer Meldung aus Rio de Janeiro hat der brasilianische Außenminister eine Erklärung abgegeben, in der er Brasiliens Anspruch auf einen ständigen Sitz im Völkerbundrat bekräftigte. Brasilien beabsichtige nicht, Schwierigkeiten zu verursachen, sondern es wünsche lediglich, zur Stärkung des Einflusses des Völkerbundes beizu- tragen und in diesem Sinne an seinen Arbeiten teilzu- nehmen. Auch I u g o s l a w i e n soll neuerdings nach einem Sitz im Völkerbundrat streben.
Wr Deutschlands Kolouialansprüche.
In dem Pariser Blatt „Volontö" beschäftigt sich der sozialistische Abgeordnete F o n t a n i e r mit Deutschland und den Kolonialmandaten. Er sagt dabei u. a.: Der Gedanke, einen volkreichen und industriellen' Staat wie Deutschland all seiner Kolonien zu berauben, könne natürlich und logisch nur Männern erscheinen, deren Gesinnung von Haß umnebelt sei, wie etwa Clemenceau oder einem Wortführer der englischen Imperialisten, wie es Llohd George gewesen sei. Dieser Gedanke aber sei, um einen maßvollen Ausdruck zu brauchen, ein sicherer Irrtum. Die deutsche Regierung habe unablässig gegen diese Bestimmung des Friedensvertrages protestiert. Die Frage werde nicht durch eine einfache und eindeutige Ablehnung gelöst werden. Wir hoffen, so schreibt Fontanier, daß es den Regierungen der interessierten Mächte möglich sein wird, Lösungen zu finden, die der Gerechtigkeit mehr entsprechen als die bisherige Lösung.
Grenze der zweiten Besatzungszone.
über die Verhandlungen zur Festlegung der Besatzungsgrenze der zweiten Zone erfährt man in Koblenz aus Anfrage beim Reichskommissariat folgendes: Es handelt sich nur um eine Bereifung der Grenze durch die Regulierungskommission, bei der im Einvernehmen mit den örtlichen deutschen Stellen der tatsächliche Grenzver- lauf, so wie er in Artikel 429 des Versailler Vertrages bestimmt wurde, im Gelände festgelegt werden soll. An der Reise nehmen teil Landrat Heimann als Beauftragter des Reichskommissariats und je ein Vertreter der drei Besatzungsarmeen.
Lebhaste Mgkett der Meute.
Frankrei'chs Schwierigkeiten in Marokko.
Nach einer Havasmeldung aus Rabat ist an der gesamten französischen Marokkofront gegenwärtig eine lebhafte Tätigkeit der Rifleute im Gange, die überall Handstreiche versuchen. Besonders in der Gegend vmr-Meama und -veMNSsrEMstt Add-el-Krim unadrSffig angrerfen. Die Rifleute verstärken ihre Propaganda besonders in der Gegend des Wergha, wo sie die Stämme, die sich noch nicht unterworfen haben, dazu veranlassen, die französischen Posten zu Überfällen.
Der Korrespondent des „Temps" in Rabat macht in einem Bericht über die allgemeine Lage in Marokko die französische Öffentlichkeit auf die bestehenden S ch w i e - rigkeiten für Frankreich aufmerksam; er schreibt: Abd-el-Krim versteht es gut, die Stämme an sich zu ketten. Er führt ihre Herden und ebenso die für die Ernährung notwendigen Getreidevorräte hinter seine Linien, so daß die Stämme ihm Wohl oder übel Gefolgschaft leisten müssen. Auch der Ehrgeiz ist ein Motiv, das verschiedene Stammeshäuptlinge, die von Abd-el-Krims Erfolgen eine Erhöhung ihres Ansehens und ihrer Macht erhoffen, veranlaßt, ihn zu unterstützen. Diese Umstände in Verbindung mit kleinen, unwesentlichen Erfolgen seiner vorgeschobenen Posten geben Abd-el-Krim ständig Propagandamöglichkeiten. Und es ist sehr schwer, dieser Propaganda Einhalt zu gebieten, weil die Agenten des Rifführers, mit Sprache und Sitten vertraut, sich überall unauffällig bewegen können. Da ferner die Marokkaner von Natur aus dazu neigen, jede noch so unbedeutende Sache zu übertreiben, so findet diese Propagandatätigkeit Abd-el-Krim einen fruchtbaren Boden. — Demnach schehttt sich also die Meldung aus französischer Quelle, die von einer Rebellion gegen Abd-el-Krim zu berichten wußte, nicht zu bestätigen.
DLe Kirchengesetzgebung in Italien.
Ein Einspruch des Papstes.
Das dem Vatikan nahestehende Blatt „Osservatore Ro- mano" veröffentlicht ein Handschreiben Pins XL an den Kardinalstaatssekretär Gaspari, wonach noch einmal ausdrücklich in Abrede gestellt wird, daß die italienische Novelle zur Kirchengesetzgebung durch den Umstand der Teilnahme einiger Prälaten an den Vorbesprechungen die Billigung des Heiligen Stuhls gefunden habe. Es seien im Gegenteil von der Gegenseite aus den Ratschlägen der hinzugezogenen Geistlichen nicht die richtigen Schlüsse gezogen worden.
Da dieses Gesetz nunmehr durch das Parlament in Kraft gesetzt werden soll, fühlt sich der Papst zu der Erklärung verpflichtet, daß er das Recht zur Gesetzgebung in einer solchen Sache niemand einräumen könne, wenn nicht vorher entsprechende Verhandlungen mit dem Heiligen Stuhl geführt worden seien. Solche Verhandlungen und Abkommen seien jedoch unmöglich, solange der Heilige Stuhl und der Papst in der ungerechten Lage ^ bleiben müßten, die man ihnen bereitet habe.
Vertagung ßss Kemeausschuffes.
Geschäftsführer Dr. Tänzler zurückgetretest.
Der Femeausschuß des Preußischen Landtages setzte sein Programm für seine we-teren Tagungen fest. Danach sollen in der nächsten Woche noch einige Zeugen vernommen werden, u. a. will der Ausschuß auch nochmals die Zeugen Meyer und von Zeugen hören. Außerdem soll eine Auskunft