Hersfelöer Tageblatt ESWrSEESl Hersfelöer Kreisblatt' Isekssäe ■*. ™ i. b.^ ♦ r«^ Etlicher/inzeiger für -enKreis Hersfelö MSS^Jg^*.^
Nr. 35 Donnerstag, den 11. Februar 1926 76. Jahrgang
Neues vom Tage.
— Der Reichstag hat mit allen gegen die Stimmen der Kommunisten eine Entschließung angenommen, die sich gegen die Brandrede Mussolinis wendet.
— Der Reichstag hat das vorläusige Wirtschaftsabkommen mit Spanien in zweiter und dritter Lesung angenommen.
— Zum 80. Geburtstag des Prinzen Leopold von Bayern hat der bayerische Ministerpräsident Dr. Held in einem Schreiben zugleich im Namen der bayerischen Staatsregierung die Glück- und Segenswünsche übermittelt.
— Gegenüber Blättermeldungen, daß gelegentlich der 500« Jahr-Feier der Stadt Helsingör auf Schloß Kronberg eine Z«- fammenkunft der nordischen Könige stattfinden solle, wird von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß diese Nachricht jeder Grundlage entbehrt.
— Die polnische Zeitung „Goniee Slanski" läßt sich aus Rom berichten, der Vatikan habe die Absicht, in Gleiwitz ein Bistum für Deutsch-Oberschlesien zu errichten, und die deutsche Regierung sei diesem Plane nicht abgeneigt. Wie wir von zuständiger Stelle hören, entbehrt diese Nachricht jeder Begründung. , / ■
Nochmals Mussolini:
Sämtliche führenden Berliner Zeitungen, ohne Unter- f^ieb der Parteirichtung, stellen in ihren Kommentaren die einmütige Abwehr fest, zu der sich im Reichstag das deutsche Volk gegen' Mussolinis Drohungen zusammengefunden hat. Wenn auch die deutschnationalen Zeitungen an Einzelheiten der Abwehraktion Kritik üben, so erklärt doch die „Deutsche Tageszeitung", daß im großen und ganzen ein Ton getroffen worden ist, der unter Berücksichtigung der Gesamtlage Deutschlands als würdig und wirksam bezeichnet werden kann. Das genannte, Blatt begrüßt es ferner, daß der deutschnationale Redner sich auch durch die von Mussolini provozierte gegenwärtige Verstimmung den Blick nicht dafür trüben ließ, daß die großen Linien der deutschen und der italienischen Politik zusammenlaufen müssen, sofern beide Stq.üen ihr wahres Interesse ernennen. AehnUch der „LolaNinzeiger", der seine Ausführungen mit den Worten schließt: Das Ergebnis der Reichstagssitzung ist, daß das deutsche Volk einmütig an dem Zusammenhang mit seinen Brüdern jenseits der Grenzen festhält, daß weiter niemand in Deutschland Feindschaft mit dem italienischen Volke wünscht.
Auch die „Tägl. Rundschau" betont, daß die Kundgebung des Reichstags gezeigt hat, daß die Drohrede Mussolinis gegen Deutschland das elementare Btiteinpfinden des deutschen Volkes mit den Deutschen in Südtirol nur noch verstärkt hat. Auch die anschließende Debatte habe eine Einheitsfront einmaliger Abwehr gezeigt.
In der „Germania" heißt es: Am gleichen Tage, an dem Mussolini seine Brandrede vom Stapel ließ, beschloß das deutsche Reichskabinett einmütig, den Beitritt Deutschlands in den Völkerbund sofort zu vollziehen, und diese Locarno- und Völkerbundspolitik wird Deutschland fortsetzen trotz Mussolini. Trotz allem, was vorgefallen ist, entpfindet das deutsche Volk für Italien ein hohes Maß von Sympathie.
Das „Berliner Tageblatt" hebt hervor, daß Dr. Strefe- mann der oratorischen Hemmungslosigkeit Mussolinis die klare einfache Sprache der Tatsachen entgegensetze. Denn so, wie Dr. Stresemann die Dinge schilderte, liegen sie in Wirklichkeit.
Der „Vorwärts" nennt die Rede des Reichsaußenministers klug und geschickt und sagt: Der parlamentarische Außenminister Deutschlands hat sich dem sadistischen Diktator moralisch und intellektuell überlegen gezeigt. Das Blatt schließt seine Ausführungen mit den Worten: Deutschland kämpft gegen Mussolini, aber für Italien und für den Frieden einen guten Kampf, und es hat Aussicht, zu gewinnen. . .
Seipel Wer DeAWand.
:? Die Eindrücke des ehemaligen Bundeskanzlers. .
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In einer Versammlung des Christlich-Sozialen Verbandes „ von Niederösterreich sprach Bundeskanzler a. D. Seipel über seine Eindrücke in Berlin. Er führte u. a. aus: „Mit Befriedigung konnte ich beobachten, daß die maßgebenden Männer im Deutschen Reich und wir uns in der Frage, welche Politik im Interesse der Erhaltung des Friedens und der Wiederherstellung der Wirtschaft in Europa gemacht werden . müsse, viel näher stehen, als man auf Grund von Z e i t u n g s st i m m e n glauben könnte. Man steht draußen, wie ich aus den Aeußerungen des Reichspräsidenten v. H i n- denburg, des Reichskanzlers Dr. Luther und des Außenministers Dr. Stresemann entnehrnen konnte, im großen und ganzen auf derselben Linie, auf der wir uns seit 1922 bewegt haben. Daß wir über die Verträge, die uns nach dem ^Weltkriege diktiert wurden, nicht begeistert sind, ist sicher. ^Sicher ist aber auch, daß weder in Deutschland noch inOester- jreich jemand daran denkt, den Frieden zu st ö r en, indem er sich gewaltsam den Verpflichtungen aus den Verträgen zu entziehen sucht. Was die immer wieder — mehr von der aus- sandischen als von unserer Presse — aufgeworfene Anschlußfrage angeht, so kann ich nur sagen, daß Sinn und Wert eines außerhalb des Deutschen Reiches stehenden österreichischen Staates auch in Deutschland verstanden werden.
ländischen als von unserer Presse — schlußfrage angeht, so kann ich nur Wert eines außerbalb des Deuticken Re
Der Etat der Reichswehr.
st Keine Verbindung mit vaterländischen Verbänden.
Im Haushalt-Ausschuß des Reichstags führte Reichswehrminister Dr. Geßler bei Beratung des Etats des Reichswehrministeriums u. a. aus: Ein kleines Heer fei relativ in seiner Verwaltung teuerer als ein großes Heer. Die höheren sachlichen Ausgaben dieses Jahres finden ihren Grund darin, daß die Kasernen in völlig herabgewirtschaftetem Zustand seien.
Die Ausgaben für Waffen und Munition seien in Jahre deshalb größer, da jahrelang so gut wie nichts
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schafft worden sei. Der Minister verbreitete sich dann über die vaterländischen Formationen und die sogenannte Schwarze Reichswehr und erklärte, der Untersuchungs-Ausschuß des Reichstags werde zur Klärung der ganzen Sachlage zuständig sein. Er selbst und mit ihm der Chef der Heeresleitung seien absolute Gegner jeder Bildung ~
Formationen gewesen. Die Formulierung des Namens Schwarze Reichswehr stamme aus deutschvölkischen Kreisen. Jede Verbindung von Reichswehr- angehörigen mit den vaterländischen Verbänden sei verboten, ebenso wie die Ausbildung von Zeitfreiwilligen in der Reichswehr.
Zur vollen Ausbildung der Soldaten seien mindestens 1% Jahre notwendig. Unteroffiziere der Reichswehr seien nicht, wie in der Debatte behauptet wurde, zur Ausbildung von Stahlhelmleuten abkommandiert worden. In bezug auf das Flaggen von schwarz-weiß-roten Fahnen durch Privatpersonen in den Kasernen wäre die einzige Lösung die, daß der Reichswehrminister kraft seiner Militärhoheit verfüge, daß in Reichswehrgebäuden nur die Reichswehr flaggen dürfe.
Der Eintritt in den Sötterblmdü
Ueberreichung der deutschen Note in Genf.
Die deutsche Note mit dem Gesuch um Aufnahme in den Völkerbund ist durch den Generalkonsul dem Generalsekretär- des Völkerbundes überreicht worden. Das Aufnahmegesuch hat folgenden Wortlaut:
Unter Hinweis auf das deutsche Memörandüm 'äF^ '
Regierungen der Ratsmächte vom September 1924, auf die Ihnen, Herr Generalsekretär, übersandte deutsche Note vom 12. Dezember 1924 und auf die Antwort des Völkerbundsrates darauf vom 14. März 1925 sowie unter Bezugnahme auf die in Abschrift hier beigefügte Note der übrigen an den Verträgen von Locarno beteiligten Regierungen vom 1. Dezember 1925 beehre ich mich, gemäß Artikel 1 der Völkerbundssatzung namens der deutschen Regierung hiermit die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund zu beantragen.' Ich bitte Sie, diesen Antrag baldmöglichst auf die Tagesordnung der Bundesversammlung setzen zu wollen.
Genehmigen Sie, Herr Generalsekretär, den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung.
, gez. Stresemann." •
Der Generalsekretär Sir Errie Drummond gab dem Generalkonsul einige Erläuterungen über technische Fragen, die mit der Aufnahme in Verbindung stehen. Die Vollversammlung für die Aufnahme Deutschlands wird aller Voraussicht nach am 8. März in Genf stattfinden.
Anlage zu der deutschen Note an den Völkerbund.
„Die deutsche Delegation hat gewisse Klarstellungen bin« sichtlich des Artikels 16 der Völkerbundssatzung verlangt. Wir sind nicht zuständig, im Namen des Völkerbundes zu sprechen, wir zögern aber nicht, nach den in der Versammlung und den Kommissionen des Völkerbundes bereits gepflogenen Beratungen und nach den zwischen uns ausgetauschten Erläuterungen Ihnen die Auslegung mitzuteilen, die wir unsererseits dem Artikel 16 geben.
Nach dieser Auslegung sind die für die Bundesmitglieder aus diesem Artikel sich ergebenden Verpflichtungen so zu verstehen, daß jeder der Mitgliedsstaaten des Bundes gehalten ist, loyal und wirksam mitzuarbeiten, um der Satzung Achtung zu verschaffen und jeder Angriffshandlung entgegenzutreten, in einem Maße, das mit seiner militärischen Lage verträglich ist und das seiner geographischen Lage Rechnung trägt." gez. Vandervelde. gez. Briand. gez. Baldwin. gez. Chamberlain. gez. Dr. Benesch.
gez. Skrzynski. gez. Scialoja.
poWhe LagesKau.
" Beileidstelegramm des Kanzlers an den Fürsten Bismarck. Der Reichskanzler hat aus Anlaß des Ablebens der Gräfin Rantzau an den Reichstagsabgeordneten Fürst Bismarck folgendes Beileidstelegramm gerichtet: Soeben erreicht mich die Nachricht von dem Ableben der Gräfin Rantzau. Mit ihr ist das letzte Kind des großen Gründers unseres Reiches, des Fürsten Bismarck, dahingeschieden. Dem Hause Bismarck meine herzlichste Anteilnahme auszusprechen, ist mir aufrichtiges Bedürfnis.
einer
+* Die Abfindung des Herzoglichen Hauses Württemberg. Von zuständiger Seite wird mitgeteilt: In einer hiesigen Tageszeitung stand vor kurzem, der Herzog Albrecht von Württemberg erhebe neuerdings Anspruch auf einen Teil des neuen Schlosses in Stuttgart und auf die in der staatlichen Gemäldegalerie befindliche Gemäldesammlung Barbini Bra- ganza, also gerade die wertvollsten Gemälde der Staatsgalerie. Beides ist unrichtig. Bei dieser Gemäldesammlung kommen nur Ansprüche der Privaterben des letzten Königs, also seiner Tochter und seiner Enkel, in Frage. Sie ist aber von diesen längst für den Staat freigegeben worden. Die Ansprüche des herzoglichen Hauses setzen sich aus zwei Teilen zusammen; zunächst aus Ansprüchen, die längst Gegenstand von Verhandlungen des Finanzministeriums mit dem herzoglichen Hause gebildet haben, und 1923 über ein Abkommen, das damals auch den Finanzausschuß des Landtages beschäftigte und nahe am Abschluß zu sein schien. Sie betreffen die Aufwertung der Renten der Königin und Ansprüche aus unentgeltlicher Ueber« lassung von Gegenständen an Krongut, die Ausfolge von Gegenständen des Prinzessin-Maria-Bermächtnisses, Entschädigung für weitere Ueberlassung der Kunstkammer und anderer kleinerer Teile öffentlicher Sammlungen an den Staat und Benutzung der Grüfte in Stuttgart und Ludwigsburg. Zum anderen Teile sind es Ansprüche, die das herzogliche Haus auf die frühere Ueberlassung des Kammergutes an den Staat und den späteren Wegfall der für die Ueberlassung des Kammergutes festgesetzten Zivilliste und Krondotation der hausgesetzlichen Apanagen und Wittunen grünbet. Die Verhandlungen mit dem herzoglichen Hause sind neuerdings wieder ausgenommen worden, um so weit als möglich die strittigen, im gerichtlichen oder schiedsgerichtlichen Verfahren zu entscheidenden Fragen einzuschränken, um gegebenenfalls eine geeignete Grundlage für den Vergleichsantrag an den Landtag
zu gewinnen.
-<-» Eisenbahnerstreik in Elsaß-Lothringen. Die elsatz- lothringischen Eisenbahnergewerkschaften haben den Streik beschlossen, weil ihre Forderungen vom französischen Arbeitsminister nicht bewilligt, worden sind.
■** Der Stand der deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungen. Die Havasagentur stellt die Meldung des .Berliner Korrespondenten des „Petit Parisien" über den W»o * .snKvyien . w&fär-K^^ AbLsm---^ mens über' die Einfuhr von Frühgemüse und die von Frankreich gewährten Kompensationen richtig. Nach offiziöser Verlautbarung sollen die Verhandlungen an einem Punkte angelangt sein, der eine Berichterstattung in Berlin notwendig mache. In einer Kabinettssitzung, die in Berlin stattsinden werde, werde die Reichsregierung den ihr übersandten Ent
wurf prüfen.
-^ Eine Erklärung des italienischen Generalkonsulats in München. Das italienische Generalkonsulat in München teilt mit: Die Münchener Blätter bringen die Nachricht, daß in Bozen bereits 34 Ausweisungen verfügt worden seien. Diese Meldung entbehrt jeder Grundlage. Die Verordnung betreffend den Aufenthalt fremder Staatsangehörigen in Bozen und den übrigen Teilen des unteren Etschgebietes hat mch gav keine Anwendung gefunden. '
Deutscher Reichstag: v
A Berlin, 10. Februar.
Auf si?r Tagesordnung steht die erste Lesung des Reichshaus- Haltsplanes für 1926. ReichsfinanFminister Dr. Reinhold erhält- sofort das Wort zu feiner Cinleitungsrede. -. ; t
L Rede des Reichsfinanzministers.
Der Reichsfinanzminister stellt fest, daß der Etat kein klares Bild über unsere wirkliche Not gebe, weil er zu einer Zeit aufgestellt wurde, in der die Wirtschaftskrise, die inzwischen mit voller Wucht über uns hereingebrochen ist, noch nicht in allen Auswirkungen zu übersehen war. Die dringendste Aufgabe der Zeit ist es nun, an der Ueberwindung dieser schweren Krise zu arbeiten.
Der Minister verweist darauf, daß wir im Monat Januar den bisher nie erreichten Rekord von 2290 Konkursen und 1553
Geschäftsaufsichten erreichten. Das beweise den Ernst der Lage, ebenso wie die erschreckend hohe Ziffer der unterstützten Erwerbslosen, die von 195 000 am 1. Juli 1925 auf rund zwei Millionen am 1. Februar 1926 gestiegen ist, wozu noch 2.6 Millionen Zuschlagsempfänger und schätzungsweise 2.5 Millionen Kurzarbeiter kommen. Eine gewaltige Summe von Not und Elend ist in diesen Zahlen enthält«. Alle Kreise der Wirtschaft sind ziemlich gleichmäßig von der Not betroffen. Für die Landwirtschaft ist sie durch das Mißverhältnis der Preise ihrer Produkte zu dem Preis der allgemeinen Bedarfsartikel, für den Steinkohlenbergbau durch die Eindämmung des Absatzes der Steinkohlen durch Verwendung anderer Kraftquellen, bei der Eisenindustrie durch den scharfen Wettbewerb der aus dem niedrige» Stand des französischen Franken sich ergebenden Lage entstanden.
Der Minister erinnert dann an die Kapitalknappheit, die zu dieser Krise geführt habe, die allmählich in eine Vertrauenskrise ausgeartet ist. Die Ueberlastme-g unserer Wirtschaft mit öffent- lichen Abgaben aller Art habe zu der Krise nicht unwesentlich beigetragen. (Zustimmung.) Lffm an den Weltzandel ange- schlossenes Volk kann e -J