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Hersfelöer Tageblatt

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Nr. 34

Mittwoch, den 10. Februar 1926

76. Jahrgang

Neues vom Tage.

Das Reichskabinett hat in seiner letzten Sitzung die Ab- sendung einer Note einstimmig beschlossen, durch welche der Ein­tritt Deutschlands in den Völkerbund angemeldet wird. Die Note wird alsbald nach der Ueberreichung in Genf veröffentlicht werden.

Nach einer Meldung aus Berlin ist der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Dr. Haslinde an den Folgen einer verschleppten Grippe nicht unerheblich erkrankt und muß aus dringendes Anraten seiner Aerzte einen Erholungsurlaub antreten, der ihn voraussichtlich aus einige Wochen dem Dienste fernhalten wird.

Gräfin Marie Rantzau, die einzige Tochter des Reichs­kanzlers Fürsten von Bismarck, ist auf ihrem GutDobersdorf" bei Kiel gestorben.

Sowjetrntzland hat aus die Einladung zur Abrüstungs­konferenz noch nicht geantwortet.

Der frühere rumänische Kronprinz dementiert die Meldung über einen angeblichen Widerruf seines Tronverzichtes.

Der Mannschaft des deutschen DampfersWestphalia" wurde in New Nork ein begeisterter Empfang bereitet.

Nach einer Meldung aus Rio de Janeiro haben die spani­schen Flieger den Weiterflug nach Buenos Aires angetreten.

Sie italieniMe Drohrede.

Die Berliner Zeitungen, die sich bereits aus den ver­schiedenen Hauptstädten des Auslandes über den ungünstigen Eindruck der Rede Mussolinis berichten lassen, stellen in sach­lichen aber scharf ablehnenden Kommentaren übereinstimmend fest, daß Mussolini durch seine Rede die Diskussionsbasis voll­kommen verschoben hat.

DerLokalanzeiger" schreibt: Der italienische Diktator sucht es so darzustellen, als wenn Südtirol ein politisches Problem wäre. Dies ist jedoch nicht der Fall, denn kein Mensch in Deutschland hat bisher an eine Grenzverschiebung gedacht. Das in Deutschland vorhandene starke Interesse für Südtirol NME^Ulgr Mist to, -LJka ^1 die brutalen Nuterdrückungsmaßnahmen Italiens gegen Süd­tirol zurückzuführen. Die leitenden Berliner Kreise sind auch jetzt bereit, alles zur Aufklärung dieser Mißverständnisse zu tun und glauben damit der Befriedung Europas besser dienen zu können als Mussolini mit seiner Andeutung, die Trikolore gegebenenfalls gegen ein völlig entwaffnetes Volk vortragen zu wollen.

DieTägl. Rundschau" stellt fest, daß es sich auf deutscher Seite lediglich um die. Wahrung deutschen Kulturgutes han­delt, das durch die italienische Politik in schwerster Weise be­droht ist. Das Blatt erinnert an die Verordnung vom 15. Oktober 1925, ferner an das Verbot der deutschen Presse vom 22. und 25. Oktober und schließlich an das Schuldekret vom 21. Dezember. Diese Anordnungen bezwecken, so sagt d cRundschau", eine systematische Verwelschung Südtirols und eine völlige Ausrottung der deutschen Kultur südlich des Brenner. Keine italienische Drohrede wird es vermögen, dieses Eintreten des Deutschtums für deutschen Kulturboden zu verhindern.

DasBerliner Tageblatt" erklärt, daß die Rede Musso­linis leider die sowohl von offizieller deutscher Seite wie auch d:e von einsichtigen Politikern unternommenen Bemühungen zur Beruhigung der öffentlichen Meinung und zum Abschluß der verbitternden Diskussion vereitelt. Mussolini habe in un­verantwortlicher Weise das italienische Volk gegen das deutsche aufgehetzt. Das deutsche Volk denke weder an die Schaffung einer Jrredenta, noch an einen Angriff auf die Brennergrenze. Es handele sich nur um das Recht der Minderheiten, die doch angeblich einen gewissen Schutz genießen sollen.

DieVossische Zeitung" schreibt unter der Ueberschrift: Die Schmährede": Man mirsse bis in die Tage des alten römischen Weltreiches zurückgehen, um ein Beispiel dafür zu finden, daß ein verantwortlichen Staatsmann die Angehörigen eines anderen Volkes in ähnlicher Weise verhöhnt. Das was sich Mussolini gegenüber dem deutschen Volke geleistet habe, fei nicht bloß eine unfaßbare politische Entgleisung, sondern vielmehr ein fundamentaler Verstoß gegen die primitivsten . Gesetze der Höflichkeit und des Taktes. Gegenüber Frankreich, gegen England, ja wahrscheinlich nicht einmal gegenüber Süd- slawien hätte Mussolini nicht auch nur Aehnliches zu sagen gewagt. Das letzte Auftreten Mussolinis sei nicht mehr nur eine Sache Deutschlands, sondern cüne Angelegenheit von ganz Europa.

In Washingtoner politischen Kreisen wird die Rede Mussolinis lebhaft besprochen. Regierungskreise erklären, die * Rede des italienischen Ministcrpriisidenten stärke die ameri- 1 konische Opposition gegen die Ratifikation des amerikanisch- " italienischen Schuldenabkommens. Der Zeitpunkt für diese f Rede sei' sehr unglücklich gewählt; denn die Opposition wird ' dafür sorgen, daß nunmehr auf Italien ein stärkerer Druck ausgeübt wird, wenn das Schuldenabkommen dem Senat zur Notifizierung vorgelegt wird. Die Sympathien, die Musso­lini durch seine Rede verloren habe, werden dem entwaffneten Deutschland zufliegen. , "

Eintritt in Den Völkerbund.

Der einstimmige Beschluß des Reichskabinetts.

Das Reichskabinett hat in seiner letzten Sitzung den ein- stimmigen Beschluß gefaßt, eine Note nach Genf abzusenden, worin der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund angenwldet wird. Zu dieser Nachricht veröffentlicht die Rütchsregierung einen ausführlichen Kommentar, tn dem es u. a. heißt:

Nachdem die gleichberechtigte Stellung im Völkerbund gesichert und seiner besonderen Lage für Konflikt»fälle Rech­nung getragen ist, wird die Gefahr, infolge unseres Mangels an äußeren Machtmitteln ein reines Objekt der Politik der anderen zu werden, durch die Zugehörigkeit zum Bund und die Beteiligung an seinen Entscheidungen keinesfalls ver­größert, sondern sicherlich verringert. Selbstverständlich kann niemand erwarten, daß der Eintritt in den Völkerbund einen plötzlichen Umschwung der Dinge herbeiführen könnte. Mit schnellen Erfolgen kann keine deutsche Außenpolitik rechnen. Sie wird bei richtiger Abschätzung der ihr zu Gebote stehenden Mittel den mühsamen Weg des Wiederaufstiegs und der Er- starkung nur Schritt für Schritt zurücklegen können. Auf diesem Wege bedeutet der Eintritt in den Völkerbund einen Fortschritt, da er Deutschland neue Mittel und neue Möglich­keiten der Politik zur Versirgung stellt."

Weiter wird in dem deutschen Kommentar auch auf den Vertrag von Locarno Bezug genommen und gesagt:Was die sogenannten Rückwirkungen des Vertrages von Locarno im besetzten Gebiet betrifft, so kann Deutschland nicht zugeben, daß nach Abschluß des Vertrags von Locarno überhaupt noch eine innere Berechtigung für die Besetzung deuts ch e n Bodens durch f r e m d e Truppen besteht, und muß zunächst eine weitere erhebliche Verminderung der Besatzungs­lasten in der zweiten und dritten Zone, insbesondere eine starke Verminderung der Truppenzahl, und zwar mindestens gemäß der Note der Botschafterkonferenz vom 14. 11. 1925, mit allem Nachdruck anstreben. Auf der anberett Seite muß anerkannt werden, daß diese Note, die im Einklang mit den in Locarno abgeacbenen Erklärungen erlassen Farben ist, in einer Reihe wesentlicher Punkte verein onuv&etnyU üt^

nach bestimmten Erklärungen der Bertragsgegner über die Herabsetzung der Truppenstärken, die kürzlich im Reichstag vom Reichsminister des Auswärtigen verlesen worden sind, die Ausführung der Botschafternote als gesichert angesehen wer­den kann."

*

Im übrigen erklärt die Reichsregierung, daß die soeben nach Genf abgegangene Note alsbald im Wortlaut veröffent­licht werden soll.

Sesorgniffe in England.

Zur Rede Mussolinis.

Wie der diplomatische Berichterstatter desDaily Tele­graph" schreibt, ist man in englischen politischen Kreisen über den italienisch-deutschen Konflikt ernstlich besorgt. Eine hohe politische Persönlichkeit habe gestern geäußert, aus diesem unglücklichen Streit ergäben sich nur zwei gute Dinge:

1. die Ablehnung der britischen Regierung, bei den Locarnvverhandlungcn irgend einem Staate die Garantie der Brennergrenze zu versprechen und

2. daß Mussolinis Drohungen Frankreich wohl den über­zeugenden Beweis von der vollständigen Abrüstung Deutsch­lands geliefert hätten.

In der Rede Mussolinis sei nur eine Stelle, der auch die unbeteiligten Mächte ihre amtliche Aufmerksamkeit widmen möchten. Das sei die Drohung des italienischen Premier­ministers, gegebenenfalls die italienische Trikolore über den Brenner hinauszutragen. Eine solche Drohung erfordere ernste Erwägungen des Völkerbundes.

Eingreifen des Völkerbundes?

Das dem Völkerbundssekretariat nahestehendeJournal de Genöve" bringt heute einen Leitartikel aus der Feder William Martins, der sich energisch gegen die Auslassungen Mussolinis über Südtirol wendet. Martin weist auf die Ver­pflichtungen hin, die die italienische Regierung im Vertrag von St. Germain übernommen habe. Die Politik, die Musso­lini jetzt als Jtalienisierung Südtirols bezeichne, wäre aber diejenige, die die italienische Regierung sich verpflichtete, nicht zu betreiben. Der Völkerbund könne nicht von sich aus tn der Tiroler Frage intervenieren, doch gebe der § 11 der Satzun­gen den Bölkerbundsmitgliedern die Möglichkeit, in der Tiroler Frage den Völkerbund anzurufen. Wenn die Reichsregierung, durch ihre öffentliche Meinung veranlaßt, in Genf die Tiroler Frage anschneiden würde, so würde dies nicht nur einen ernsten Konflikt zwischen Deutschland und Italien, f°nbern auch eine ernste Gefahr für den Völkerbund bedeuten. Wenn Mussolini davon träume, wie er sage, die Trikolore über den Brenner hinauszutragen, so könne diese Gefahr jedenfalls nicht vermieden werden.

-Mische Tagesschau.

*< Bor weiteren Ausweisungen aus Südtirol. Obwohl von amtlicher italienischer Seite bei der Veröffentlichung des Dekrets über die Möglichkeit des Widerrufes der Option aus­drücklich und wiederholt betont worden war, daß von dieser Maßnahme nur in ganz seltenen Fällen Gebrauch gemacht werden solle, sind bisher gegen vierzig Ausweisungsbefehle er­gangen. Wie verlautet, stehen weitere Ausweisungen un­mittelbar bevor. Unter den ausgewiesenen Personen befinden sich Angehörige aller Berufe, hauptsächlich aber sind es frühere Staats- und Landesbeamte.

+* Der Allgemeine Teutsche Gewerkschaftsbund für das Volksbegehren. Nach einer Mitteilung desVorwärts" be­schäftigte sich der Bundesausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in eingehender Beratung mit der Durch­führung des Volksbegehrens und des Volksentscheides über die entschädigungslose Enteignung der früher regierenden Fürsten. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der zwar be­tont wird, daß es sich hierbei um eine politische Angelegenheit handelt, deren Führung den politischen Parteien obliegt, in der jedoch alle Verbände und Gewerkschaftsmitglieder aufgefordert werden, alle Kräfte mit einzusetzen, um dem Volksbegehren und gegebenenfalls dem Volksentscheid zu einem eindrucks­vollen Erfolge zu verhelfen. Für die Aufbringung der erforder­lichen Mittel empfiehlt der Bundesausschuß den Parteien die Einleitung von Sammlungen, an denen sich zu beteiligen der Ausschuß allen Gewerkschaftsmitgliedern zur Pflicht macht.

+* Die deutschen Reparationszahlungen im Januar. Der Generalagent für die Reparationszahlungen veröffentlichte eine Uebersicht über die Einnahmen und Zahlungen des zwei­ten Annuitätsjahres vom 1. September 1925 bis zum 31. Jan. 1926. Danach beträgt die Einnahme für den Januar 1926 90 420 730 GM., insgesamt für das zweite Annuitätsjahr bis­her 431 821723 GM. Reparationszahlungen sind im zweiten Annuitätsjahr an die Mächte bisher in Höhe von 398 572 555 GM. geleistet worden, wovon auf den Januar d. I. 79 070 096 GM. entfallen. Die Gesamtleistungen für die Reparationen betragen im Januar d. I. 89 380 936 GM. und seit Beginn des zweiten Annuitätsjahres insgesamt 454 000 593 GM.

^ Die deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungen. deutschen Blattern gebrachte Meldung, nach der von Frankreich ein Teilabkommen über die Einfuhr von landwirtschaftlichen Erzeugnissen nach Deutschland abgeschlossen worden sei. Vor­läufig werden weitere Verhandlungen geführt werden. Ein Teilabkommen ist noch nicht als unmittelbar bevorstehend an- zusehen, da bekanntlich über gewisse deutsche Gegenforderungen noch kein Einvernehmen erzielt wurde. Die Gegenforderungen beziehen sich auf industrielle Fragen. Die deutsche Delegation wird in den nächsten Tagen wiederholt wegen Rückfragen mit Berlin verhandeln müssen. Die schwerindustriellen Besprechun­gen sollen demnächst wieder ausgenommen werden, an erster Stelle die Irma-Besprechungen,' die wahrscheinlich zu einem Abschluß geführt werden, da englische Delegierte daran teil« nehmen.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 9. Februar.

Das Haus und die Tribünen sind sehr stark besetzt. Auch das diplomatische Korps ist stark vertreten. Besonders bemerkt man den englischen Botschafter und den österreichischen Gesandten.

Auf der Tagesordnung steht die deutschnationale Interpella­tion über den Terror der italienischen Behörden in Südtirol und die Interpellation der Regierungsparteien über die Ausführungen Mussolinis in der italienischen Kammer. Reichsaußenmimstcr Dr. Stresemann erhält sofort daS Wort.

Stresemann und Mussolini.

Reichsaußenminister Dr. Stresemann führte aus:

Die Ausführungen, die der italienische Ministerpräsident in der Samstagsitzung des italienischen Parlamentes gemacht hat, greifen tief ein in das Verhältnis Italiens zu Deutschlands. Sie rollen darüber hinaus die Gesamtlage auf, die mit dem Abschluß der Verträge . von Locarno und mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund in Verbindung steht.

Der rethorische Ausdruck des Herrn Mussolini gebe Ver­anlassung ihm in derselben Weise zu antworten. Die deutsche Regierung müsse es aber ablehnen, aus einen derartigen Ton, der vulgär, eher aus Massenversammlungen als auf eine Aus­sprache mit anderen Nationen berechnet ist, einzugehen. Wir werden ausgehen von dem Tatbestand und von da aus sachlich dazu Stellung nehmen.

Südtirol ist bei den Friedensverträgen Italien zugesprochen worden. Daraus Ergeben sich politische Konsequenzen, die wir stets respektiert haben und respektieren werden. Die unbe­strittene Souveränität Italiens erschöpft aber nicht die Gesamt- situation, auch nicht vom italienischen Gesichtspunkt aus. Bei der Begründung der Friedensverträge haben wir oft genug von anderer Seite zu hören bekommen, daß es nicht nur ein inter­nationales Recht, sondern auch eine internationale Moral gibt. (Sehr richtig.) Gleich nach dem Abschluß der Verträge ist in ver­schiedenen Regierungserklärungen von italienischer Seite zum Ausdruck gebracht worden, daß gegenüber den neuen Untertanen mtfifjer Nationalität im Bezug auf ,