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9 erste Wer Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

? Bezugspreis vierteljährlich für H«sfeld 7 ^Mark, durch die Post be- zogen, Mark Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei 7 Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld.

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle ' Pfennig, im amtlichen Teile. -Pfennig, Reklamen kosten die Zelle ^Pfennig. Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Femsprech7 i

Nr. 274

Dienstag, dem 25, November

1919

«WtWbm, der europiiische« W«k. ÖÄn«S, »£

Alles, was bisher über neue politische Konstellatio- neu in Europa gesagt und geschrieben wurde, scheint samt und sonders ein Irrtum gewesen zu sein. Frei-

A wM und ist noch immer eine höchst schwierige Aumüve, aus dem gegenwärtigen Chaos sich bekämpfeu- der Stromrmgen und Richtungen etwas Positives zu erkennen. Während im äußersten Osten der Bdlsche- wismus einen militärischen Erfolg tiach dem andern zu verzeichnen hat, ziehen königstreue Truppen in die un- ttarMe Hauptstadt ein, und erleideu die französischen Svzmlrsteu eine Schlappe nach der anderen. Ueberhaupt scheim sich nach Einstellung der Feindseligkeiten auf den Hauptschauplätzen des Weltkrieges iedes Band ge­lost zu haben. Vielleicht bewegen sich die meisten Strö- mungen bereits auf einer festen Straße, die wir noch nicht zu erkennen vermögen. Wahrscheinlicher ist je­doch, daß das augenblickliche Brodeln und Gären nur ein Vorspiel zu noch kommenden gewaltigen Ereignis­sen ist. Amerika hat aus diesem unsicheren Zustand un­seres Weltteils bereits die Konsequenzen gezogen, und seineVorbehalte" gegenüber dem Friedensvertrag ent­halten hauptsächlich den Willen des amerikanischen Vol­kes, sich in Zukunft nicht mehr um europäische Wirren zu kümmern und auf keinen Fall die Knochen eines einzigen Soldaten für und wider das Interesse irgend eines europäischen Staates einznsetzen. Der objektive Beschauer traut also dem gegenwärtigen Zustande kei­neswegs und will beizeiten vorbeugen. Im Grunde ist man sich jedoch in Washington höchstwahrscheinlich über die politische Zukunft Europas ebenso im Unkla­ren wie bei uns. Die Solidarität unter den alliierten und assoziierten Wächten hat, wie man weiß, schon be- trüchtiiw nachgelassen, und die finanzielleu Vorsichts­maßregeln, wie sie z. B. die Banken von England und Snanku getroffen habön, zeigen wohl zur Genüge, daß das Interesse der einzelnen Staaten der engeren und weiteren Entente, wwie auch der neutralen Staaten, demWohlc der Gesamtheit" übergeordnet wird. In Westeuropa haben wir es also keinesfalls, wie vielfach

zentralifation zu tun. Der Imperialismus des poli- tischen Weltreiches hat an Intensität nicht nachgelasien.

Demgegenüber kann es nicht verwunbern, daß bei den letzten französischen Wahlen die Sozialisten und Radikalen eine gewaltige Niederlage erlitten haben. Ein Wahlsieg Clemenceaus bedeutet heute mehr als eine Spitze gegen Deutschland. Allmählich dämmert doch die Erkenntnis bei unserem westlichen Nachbar, daß es Besseres zu tun habe, als sich um etwaige Revanchege- lüsfe Deutfchlands zu kümmern. Die uralte traditio­nelle Ieiudfchaft zwischen Großbritannien und Frank­reich ist zwar noch nicht wieder erwacht, aber es steht au­ßer Zweisei, daß sich diese beiden Nationen fernerhin ziemlich kühl gegenüberstehen werden. Selbst , ein hol­ländisch-belgischer Konflikt könnte heute kaum mehr an dieser Sachlage das Geringste ändern. Bis jetzt hat England, das Mittel- und Osteuropa heute nur noch als koloniales Gebiet betrachtet, dort wirtschaftlich die Ober­hand erhalten. Frankreich hat Wm hierbei wenig Kon- furreua gemacht und sich auch von jedem politischen Eingreifen tieferer Art in die Verhältnisse an?'""' tionen ferngehalten. Unter der Hand Großbritanniens erblüht nun ein neues Königreich Ungarn, vielleicht auch ein enges rumänisch-ungarisches Bündnis. Das Fiasko in Rußland hat zwar in London recht verstim­mend gewirkt. aber es steht zweifellos fest, daß man sich im nälbbeu Frühjahr mit neuen Expeditionen gegen Moskau beschäftigen wird, falls das russische Volk sich inzwischen nicht selbst von der bolschewistischen Bestie befreit hat. In dem ganzen Durcheinander also kein einziger Rnheprmkt für den Blick des Besä-auers. Die Hand Großbritanniens senkt sich inzwischen schwer anf

a-

das blutende Europa.

AuMmg des kekac.et«nxsWfia«des?

*4 Berlin, 23. November. (T. U.) DieP. P. 9t." erfahrelt aus zuverlässiger parlamentarischer Quelle, der Rücktritt HörsingS wirch nicht zur Tatsache werdem Seiner Forderung nach Aufhebung des Belagerungszu­standes wird stattgegeben werden. Die sozial demokra­tische Partei wirb sich mit Hörsing wliiwrtub erklären, da auch ihr die nötige Ellenbogenfreiheit zur Bekainp- fung der Reaktion unter dem Belagerungszustand fehlt. Im Laufe der kommenden Woche werden über die durch den Rücktritt HörsingS geschaffene politische Lage in der Regierung Verhandlungen ftattt nbeu die zur Aushe­bung des Belagerungszustandes in Oberschlesien führen werden. Die Aufhebung des Belagerungszustandes inr die übrigen Teile des Reiches, in denen er besteht, ins­besondere für Groß-Berlin, wird dann nicht mehr lange auf sich warten lallen können.

MssraaMze» gegen deutsche Gefaugesr.

«- ® e u f, 24. Skovcmber. (T. U ) Wie gemeldet wird, ist am 19. November in Sitte der erste Zug Au-

Le

Fonvelliste" sagt ansbrücklich, daß diese Personen von deutschen Behörden ansgeliefert worden sein sollen, aber wenn man die Liste genauer ansieht, erkennt mau, daß es sich um Soldaten handelt, die bis jetzt in französischer Gefangenschaft oder im besetzte« Gebiet sich befanden, daß also von Auslieferung dnrch Deutschland nicht ge­sprochen werden kann. Die jetzt in Litte eingelieferte« Militäryersonen werden beschuldigt, Diebstahl, Raub «ud Gewalttätigkeiten begauge« zu habe«. Sie sind im Liller Gefängnis untergebracht. Die Verhandlungen sollen bald beginnen.

(Di? Meldung des Liller Blattes gibt zu den größ­ten Besorgnissen über das Los unserer Gefangenen in Frankreich Anlaß. Man darf wohl erwarten, daß die deutsche Regierung bei der französischen seststellt, welche Bewandtnis es hat mit der Masseneinliewrung von deutschen Kriegsgefangenen in das Liller Gefäng­nis zur Aburteilung wegen angeblicher Vergehen.)

Weitere HinKrrsschwbmrg des Frredsus.

** Rotterdam, 24. November. lS. C.) «Daily Mail" meldet ans Paris die neuerliche Vertagng ber Friedensratifikation bis zur Erledigung des Vertrages im amerikanischen Senat.

Das Zusatzprotokoll zum Friedensvertrage.

Ver-

»* Berlin, 24. November. (T> U.) Der deutsche De­legierte Simson ist gestern abend von 7 ./s ..... lin zurttckgekehrt, um der Regierung und der National­versammlung über die neuen Bestimmungen des Zu­satzprotokolls Berichtr zu erstatten und sich mit diesen zu beraten.

Verminderung der englischen Besa8«sgsLrttppe«.

>* Rotterdam, 24. November (S. C.) Die Times" melden, die englischen Truppen im besetzten deutschen Gebiet werden Anfang Januar um eine Brigade ver­mindert werden. Ein Teil der englischen Garnisonen abseits der Rheinbrückenköpfe wird Anfang Januar eingezogen werden.

** Genf, 24. November. (S. C.) DerHerald"

meldet aus Neuyork: Im SenatsauSfchuß sagte Lan- sing zu dem Antrag Lodaes. den Friedenszustand mit Deutschland ohne die Ratifikation des Versailles Ver­lages zu erklären, daß der Präsident auf diesen Vor­schlag nicht ein geben könne. Infolgedessen zog eine Anzahl Senatoren ihre Unterstütz««« des Bermitte- lnugsvorschlages Lodges zurück.

MarschM Fach Präsidentschaftskandidat?

** Genf, 24. November. (T. U) Genser Blätter melden, daß Marschall Foch für einen Sitz im Senat kandidieren werde, sich aber vorher für einen bestimm­ten Wahlkreis nicht entschieden habe. Die Wähler d.S Kreises Finistere haben ihm den durch den Tod Louis Pfchons freiaeroorbenen Sitz angeboten. Sofort ist das Gerücht aufgetancht daß der Marschall Foch einer der Kandidaten für das Elysee sein werde. Gleichzeitig meldetOeuvre", daß Marschall Petain über das Lu- xemburgpalais ins Elysee strebe.

Das Wahlsystem in Frankreich.

n* Genf, 24. November. (S. C ) DieHnmauitee" meldet, daß in Frankreich 2 Millionen 320 930 so­zialistische Stimmen mehr abgegeben wurden, als für die «ationalistifche» Parteien. Der Sieg der Nationa­listen auf Grund des bestehende« Wahlsystems verlange die Abänderung des undemokratische« Wahlrechts in Frankreich.

(Das französische Wahlgesetz ist eine Art Berhält- niswahlsystenc, das jeder Gerechtigkeit Hohn spricht und die Minderheiten geradezu unterdrückt. Wenn & B. in einem Wahlkreise von 100 000 Stimmen auf die eine Liste 50 001 Stimmen und aus die andere 49 999 Stim­men entfallen, so ist der Kandidat mit 1 Stimme Mehr- heit geivählt. Daß dieses von Clemenceau unter den geaenivärtigen politischen Strömungen in Frankreich ausgeklügelte und von der Kaminer in ihrem Steaev- rausche fanliivnierte Wabisosiea! im Laufe der Zeit große Widerstände erregen Wi«, nt lehr wahrf^etultdi.)

Dre LlquiLatton des baltischen Aniernehmeus.

Der bivivmatiHhe Miiarbeiter derD. A. Z." schreibt: Wir sieben im Begriffe, das daltifche AVe«- teuer zu liauibiereu. Hrmc ist alles so gekommen, wie es die ükiüivreaia-wa in ihrem lebstn Aufruf an die 1 baltischen Truppen vorausge-agt at. Die ihr durch ; UutM'tnuiüiaiiu ansaezwnnaener! Maßiraymen, vor al- 1 r-m die Si- > Milg von Sold and Vecpstegung, haben i i> ; Wirkougea gemn, und das Bild, das jener Aufruf entt^ üc, hat r.b rewaivOcitet. Es wäre vermieden n.erdi ; u-enn sie 'Abenteurer einen Monat früher auf > das neah-i imccii, was sie jetzt füllten «rüsten.Heute in e- wieder die Not unserer Balticuuurupven", für I die ohne OciüDl" ac^ orben wird Es wird Sache der i Reg-ernng fein, der sich hier aubatrneuder'. Legende in- I neroolitisch e>ugegenzulreten, als mürben hier verdiente

Männer,siegreiche Schirmer der Heimat", vom Wa lande schlecht behandelt. Die Führer dieser Meut, haben monatelang das Deutsche Reich in die sned testen Gefahren gestürzt. Ihnen verdanken wir diel seeblockade, die Sperrung von Lebensmiitelsenimn und Krediten. Sie haben das große Beispiel gelis für den Vertragsbruch Deutschlands und seine «un imperialistischen Lisp-rationen Ihretwegen stocken Verhandlungen, finden wir kei« Lnigege-r!»«»«, der Krtegsgsfaugeueirfrsge, müffeu wir uns sum 1 Noten gefallen lassen, wie die letzte der Entente. M unbedingte Notwendigkeit daß die HaupträdeWW dorthin kommen, wo sie hingehören, vor ein Mm rickt, das für Fahnenflucht und Meuterei sustSiitM Kein Mann und keine Patrone mehr für tat Ä fum! Die Reichsregierung würde die letzte MS«iW einer reinlichen Liquidation und damit einer flj Bahn verscherzen, wenn sie den NurmilitärS e$üw wollte, aus den berühmten strategischen Gründe» Tr penteile über die Grenze zu verschieben. LaMdo nische Silse und das Gefühl des Diltleids dSrfev Interesse des Volkes erst diesseits der Elrevse Worte kommen.

Die Blockade Sowjet-Rußlauss.

»s* RotiersaM, 24. November. lS. C.) ReNk« in* det aus Baris: Der Oberste Kriegsrat hat unter «L Vorsitz Marschall Kochs am Dienstag beiHlostou, St die BlarkaSeMStzNstzMe» und übrigen 1!ntercretzm«uMc der Alliierten gegen Sowjet-Rußland durch dir M»- gäuge an der russischen Westfront keine Uuterfcr»*i«e erfahren dürfen.

Vor einem neue« Umschwung in Ratzt»»»?

K* Berliv, 24. November. lS. 6.) Die ^8. H. Z." meldet aus Notterdaurr Wie ruffische «NetdamsM besagen, beabsichtigt die Sowjet-Negiernug eure X«6» «alverfarnmbLNg i» Moskau einzuderufe», «» «rt w gemäßigtere« Parteien in engere Fühlung z« 8<ä«ä Die offiziösePrawöa" kündigt an, daß eine neue NW gieruNg gebildet werden soll.

HMNM^LL M»AtfLM Ladivettzi.

» Budapest, 2-3. November. <T. U.) Gestern ist tu Budapest das neue Kabinett gebildet worden. Mirr»- sterprüsident ist Huszak (christlich-sozial), Inneres:- niczky (klerikal), BolkswHlfahrt: Hadi, Finanzen: j^ rannt (war in dem bisherigen Ministerium ^riedM» Innenminister, er ist bis dahin immer Minister mLW- amter gewesen; politisch steht er Friedrich nahe), Hnst- del: Heinrich (gehört zu der neugegründeten «NMÄ- schen Bürgerpartei, gilt als Exponent der liberalen «»- dapester Bourgeoisie, sonst ist er Grotzkausmanu, #t politisch nur in der letzten Zeit bervorgetreten ist), tus: Halter (christlich-sozial), Landwirtschaft: StxüU ner (Großagrarier), Kriegsminister: Friedrich l»BWe Ministerpräsideift). Aeutzeres: Graf Somsich (B«ms- diplomot. war im letzten Kabinett Friedrich bereits Iwh ßenminister).

Die Sozialdemokraten erhalten das PonefeutAe für Pottsernährung und das politische Staatsstkretariat i« wtinificrium des Aeußern. In der christlich-mMuWUerr Bereinigung erklärte Huszak, für den Fall ferner M. Nennung habe er Garantien dafür erhalten, Nt Wu zwei Stunden nach der Kabinettsbildung eine UrkuMr zugestellt werden wird, in der die Entente seine 8166^ ru'ng anerfennt. ES würde rbm auch sofort eine WM«- dung zu den FriedenMerhauSlungen zugehen, dre M Januar beginnen würden. Graf Vlbert Lppomü M- klärte sich bereit, die Führung der ungarische« KraeseM- abordnung zu übernehmen.

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Bevorsteheuder Rücktritt Titt»«i8.

»^ Müiloud, 24. November. (T. U.) Die BtüMe melden die bevorstehende Demissiou Tittonis. Nach M Entscheidung des amerikanischen Senats fei die stSWS« Anwesenhetc des italienischen Ministers des Sl*w|w in Paris notwendig, um auS der veränderte» t** Italien größten Nutzen z« ziehe«. Tittont aber # gert sich aus Gesundheitsrücksichten, den Winter in M- rf3 zu verbringen. Als sein Nachfolger wird in «tät Linie Senator Seialoja, in zweiter Linie UntrrftaM« sekretär Sforza genannt.

der wlersrchWgssusschch.

Ncuorduuvg des UnterfuchuNgsversa-mmA.

M- Berlin, 24. November. W. C.) Bon den linksstehenden Mitgliedern des Untersuchn« schußes der NattonalversamMung ist die Nr des UntersuchungsveIabrenS beantragt worden, dein die bisherige Art der Zeugenvernehmung sehr bescheidenen Resultaten im Sinne der Aus llntersuämngöausschrrsseS geführt hab Die dnng über diesen Antrag toll die Anfang ber stattfindende Sitzung des '-: .-a ansÄmnes bm

(Siegen das N tierw n ermbreu des pari «arischen Um-Hidm.:.^^? 'sies bat arrch ö« des. .v'-d e. r bmm-1 rm . x-a Partei Bayer«»

Zeichne mit 500 Mark bar

und 500 Mark Kriegsanleihe .

1000 Mark Deutsche Gge^^ ^SASAleth*