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W Zürich, 82. Noveviber. M. Nach einer Mel­dung aus Mailand ist der borr.ste Arbeiter- und Solda- renrat auf Befehl des Präfek^u aufgelöst und die rote Fahne von dem Mailänder Staksthaus rvieSer entfernt worden. Die Soziakisten rufen das Proletariat für Sonntag yt Gegendemon.ftratioue« auf.

Exemplarische ssestrafutrs eines Wucherers.

** Saarbrücken^, 82. November. (S. Das zrrr

Bekämpfung des Wuchers uns Schleichhandels etnae- lefcte Sondersericht hat ein exemplarisches Urteil ge- «Mt, indem es den Großkaufmann Mathias Heurjchs, »er hier mit viel Reklame ein Serrenkonsekttonsge- .reibt, wegen Wuchers uns Preistreiberei zu

i 3 abr Zuchthaus verurteilte.

L.e ^fiaierungsmehrveit i» der frauzöstschen Kammer.

^ Genf, 22. November (S. C.) Nach einer Ha- rasnote vom Freitag bat sich -ie Zahl der regieruugs- freuridlichen Deputierten in der neugewählten Kammer auf 150 erhöht. Es stellen noch die Resultate von 150 Wahlkreisen aus.

Allerlei vom Tage.

Der Reichsauzeiger veröffentlicht Richtlinien für die Gewährung non Vorschüssen, Beihülfen und Uuter- stutzungen für Schäden Deutscher im Ausland aus An­laß des KriegeS.

Der Hamburger DampferAtle Fark" (1000 Ton- nen) ist Donnerstag morgen bei Segeratad (Insel Oe- land> gesunken. Die ganze Besatzung von 23 Mann sonnte trotz schweren Sturmes gerettet werden.

I« Saarbrücken wurde eine Buchhalterin in einem Kino von einem farbigen Franzosen mit einem Revol­ver schwer verletzt, weil sie sich mit Freundinnen unter« feiten und gelacht hatte.

Ja Mainz wurde, wie demL. Ä." berichtet wirb, üt einer der letzten 'Nächte von einem französischen Wachtposten auf eine Gruppe Spaziergänger geschossen. einer wurde getötet. 'Nach der Darstellung des Po­stens sollen die Spaziergänger trotz erfolgten Anrufs nicht stehen geblieben sein.

Sie Einschränkung des Bah»Verkehrs im besetzten *iet bleibt auf Befehl der Alliierten auch nach dem IL Novemer bestehen.

Der schweizerische Natisnal- M«d Ständerat haben die Vorlage über den Eintritt der Schweiz in den Völ­kerbund endgültig angenommen.

In Paris ist die Grippe unter sehr schweren Erschei- MtnäSsorwen erneut ausgebrochen.

LeuhKe ZMuüiierjafWlUüs.

Sitzung vom Freitag, 22. November.

Präsident Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 1 Uhr 90 Mi«.

Auf der DasteSorömnig stehen Stnfrastcn.

Eine Anfrage des Abg. Dr. Pbilipp <d.-n.l wegen Nr berabgesetzten Höchstpreise für Gemüie wirb regie- rungSseina dahin geantwortet, daß von der Reichsstelle Sir Gemüse und Obst die herabgesetzteu Preise fast »urchwea wieder erhöht worden sind.

Abg. Dr. Becker-Hessen (D. Vvt.) fragt an wegen Nr deutschen Gefangenen in Rußland. RegieruuaS- Mitig wird geantwortet, man hoffe, Satz im europäifcyen Mpanb bie bolschewistische Regierung die bisher be- esenben Bedenken fallen lassen werde und dann un- fßre LandSleute bald befreit würden. Für den Rück­transport her Gefangenen aus Turkestan, Transsibi­rien usw. bestehen große Schwierigkeiten. Das Befin­den Nr Gefangenen ist im allgemeinen befriedigend. Schweden hat bie Aufsicht -SLea^ K«fl»'Lsg«. - ' "'

Aus eine Anfrage des Abg. Hartmauu-Berfin (Dem ) wegen zmaugsmeise« Vorgehens der Arbeit« ^d« seien die Arbeiter, die nicht den freien Gewerk­schaften augehören wollen, wirb regierungsseitig ge= «nfivortet, daß die Regierung darauf hm wirkt, daß eine Be-Hränkung her Koalitionsfreiheit unterbleibt. Das ßreichSarbefisministerium hat die Spitzen der in Be­tracht kommenden Verbände eingeladen zu einer Be- Wrechung, nach der wettere gesetzliche Maßnahmen be« «rstrhen.

Abg. Schiele-n.) fragt an wegen einer Bekanui- imAuum des LauSratS Schnbert in Schmakkaldsu be« Reffend Maßregeln gegen Kartoffelerzeuger. Regie- rrngSfettia wird geantwortet, daß bie Landwirte sich «weigert hätten, Kartoffeln abzuliefern, ohne daß die Preise heraufgesetzt würden. Diesem Verhalten mußte entaegengetreten werden. (Beifall links.)

Erue Anfrage des Abg. Dr. Mittelmü»» (D. Vpi.) der Ermordung einer Abiturienün durch ine« ifcherr Soldaten im Saargebiet wird rUierungs- abin beantwortet, daß die französische Regierung habe, dHser Vorfall fei vollkommen erfunden.

sich aber herausstellen, daß der französischen Re- j kein lückenloses Material vocgelegen hat, so tvird die Regierung, die weitere Ermittelungen einge- leitet bat, ungesäumt Sie nötigen Schritte veranlassen.

. Abg. Dr. Philipp (d.-u.) fragt an wegen brieflicher MPficherung von Telegramme«. Regierungsseckig wt$^ geantwortet: Dringende Telegramme werben nmliLit durchweg telegraphisch befördert. Die Ver- waltrmg ist dauernd um Beste ung der Verhältnisse be= nEht.

Eine Auflage des Abg. Schiele G.-n.) wegen der Selbsthilfe der Stadt Trier zur KartoffelverforgLUg fegen den Ort. RheinfelL wird reatcrungsieitia dahin eantwortet, daß von einer Selbsthilfe der Stadt Trier nicht gesprochen werden könne.

Eine Anfrage des Abg. Warmuth (b.=n.i wegen riottrechtlicher Au!vröche gegen die Solaatenräte wird «ihm beantwortet, daß das Reich nicht für gesetzwiörtge Handlungen der Lolda.snräte haftet.

«bg. Malkewitz (d.-n.) fragt an wegen der Rückkehr M Generalsel-marfchalls v. Mackenfen. Regierungs- sestiH wird geantwortet, daß die Rec-ierung wiederholt die nhärfften Proteste erhoben und die Freilassung vor« langt habe Jetzt sei der Erfolg endlich da. Am 18. urbe bie Rückkehr von der -ranzöstschen Regierung mtgt Sie wird auf dem Lanöwege über Italien

re Anfrage der Abg. Delins (Dem.) wegen Nie- «» schwebender Disziplinarverfahren und von Disziplinarstrafen wird dahin beantwortet, bie Tiudri«« eines entsprechenden Entwurfes

Dr. Schirmacher (d.-n.) fragt an wegen Regierungsseitig wirb geantwor­tet, daß her Nvttaqe abgeholfen werden solle, soweit dies i» Anbetracht unseres eigenen Standes möglich und zu verantworten sei. Die Verhandlungen seien darüber im Gange. Deutsch-Oesterreich solle 7000 Tonnen Koh­len von Schlesien geliefert erhalten, vorausgesetzt, daß dit ---

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wird die Wahl des Abg. Simon-Kranken lkreis (£&«=, Mittel- und Unterfranken, dem Antrag des Ausschuffes für ungültig

SiLMkr moraen 1 Uhr. ReiKsabaabenord-

PyMMs RundTcftäii«

Die erste Sitzung des RetchSkohlenrats wurde am Freitag vom RecchswirtWaftsminister Schmidt mit ei­ner Ansprache eröffnet, in der er die besondere Aufgabe der Körperschaft betonte, einen großen Gerverbezrveig der deutschen Wirtschcrft auf gemeinwirtschastlicher Grundlage auszitgestaflen. Zum Vorsitzenden des Reichskohleurates wurite Bergrat Kleinc Dortmund, zum zweiten Bvrsitzel.oen Gewerkschaftsvorsitzender InGnsch, zu Schriftführestil tzlewerkschaftssekretär Lang- horft und Generaldirektor Silverberg gewählt. In den vorbereitenden Reichswirtschaftsrat wurden von den Arbeitgebern Bergwerksbesitzer Stinnes und Kommer- zienrüt Schumann, vvri den Arbeitnehmern die Abge­ordneten Huö und Imbusch entsandt. Im Laufe der Verhandlungen wurde der Verordnung über die Ein-

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fuhr ausländischer Kohlen zugestimmt.

Reichskommissar Hörfing hat, nachdem sein Antrag, den Belagerungszustand in Schlesien auszuheben, in einer Sitzung beim Minister des Innern nrit Rücksicht auf Sie politische Lage abgelehnt worden war, erklärt, daß er den Belagerungszustand mit seinem Namen nicht weiter decken könne und seine Dienstentlassnng beantra­gen werde.

Beim Auswärtigen Amt ist vom Vorsitzenden des Exekutionsausschusses der internationalen Arbeitskon- fereuz ein Telegramm eingegangeu. in dem dieser sein Bedauern ausspricht, daß den deutschen Delegierten mit Rücksicht auf ihre späte Abreise eine Mitarbeit voraus­sichtlich nicht mehr möglich sein wird. Es sei jedoch un- wahricheinlich, daß die Sitzungen über den 1. Dezember ausgedehnt würden.

E!«lM8 der SozIMemÄmkie?

Immer mehr verdichtet sich das Gerücht, daß die beiden feindlichen Brüder wieder sich in Freundschaft vereintsten nnd gleiche Wege gehen wollen. Der Scheide- mann-Ruf:Seid einia, einig, einig!" scheint allmäh- lrw auch in newiüen Kreisen der Unabhängigen ein Echo gesunden zu haben, vor allem bei denen die auf bem rechten Flügel stehen. Wenn sich auch bisher die unabhängige Partei wie eine viel umworbene SpröLe gebärdet und das heiße Buhlen eines Teils der Mchrhettsfozrsliftetl noch kühl zurückgewiesen hat, so war das eben nur ein Sprödetun. Die nationalistische Beiregnng in den letzten Tagen hat bei den Unabhän­gigen den Sruberswift um ein bedeutendes vergessen lassen. Allerdings wollen sich die Unabhängigen ihre Versöhnung von den Mehrheitssozialisten teuer erkau­fen lassen. Das geht aus Aeußerungen derFreiheit" hervor trab vor allem aus den Bemerkungen, die der unabhängige ribneorbnefe Ludwig in der preußischen Lau desverfammlun g getan hat. Wie einst Salome für ihren Tanz vor Herodes den Kopf des Täufers ver­langte. so verlangt die unabhängige Partei für ihre Versöhnung mit den Mehrheitssozialisten den Kopf Noskes.Fort mit Noske!" Das ist die Karöiualfor- derunct, die die Unabhängigen stellen. DieFreiheit" schreibt in seinem Artikel:Angesichts der reaktionären Gefahr fordert SÄeiöemann die Einheitssront des Proletariats. Wir können mit allem Rechte erwidern: Deine, eure Schuld, die ihr aus Angst vor dem bol­schewistischen Gespenst" Sie Macht in bie Hände der Monarchie gespielt habt! Aber wir wollen heute einmal die Schuldfrage nicht behan-eln. Auch wir halten die Situation für ernst und wir brauchten nicht erst die Demonstrationen abzuwartey, um zu wissen, wie macht­voll in Deutschland die monarchistische Reaktion sich aus ihrer Erniedrigung erhoben hat/.....

UM dann kommt ^^ ,. ^.M.

tffchen Parte' schuld daran

-rrcrr uns, daß, renn wir die Masse rufen, sie nicht von den Maichinengewehren Noskes erwartet werden, von den von monarchistischen Offizieren befehligten Garden des Parteigenossen Scheidemanns, vor dem er erst vor kurzem zurückgewichen ist? Die Republik schützen ist sicher wichtigste politische Pflicht. Aber sie schützen ohne dre Sicherheit, nicht aus dem Hinterhalt von demRepu­blikaner" Noske massakriert zu werden, wäre schlimmste politische Torheit! Das ist böse für die Republik und günstig für die Monarchisten!" Und zum Schlüsse ver­langt sie, ehe die Hand der Versöhnung den feindlichen Brüdern gereicht wird, die Liquidation des bankrotten Systems Noske und die Aufhebung des Belagerungs­zustandes: den Bruch mit der anttsozialistischen konter­revolutionären Politik. Und noch deutlicher sprach der unabhängige Abgeordnete Ludwig im Preutzenvarla- mente. Er gab die Erklärung ab, daß die unabhän­gige Partei eine Einigung mit den Mehrheitssozrali- sten nur auf dem Boden des proletarischen Kampfes erblicken könne. Unbedingte Forderung wäre Aufgabe -er Koalition mit dem kapitalistischen Bürgertum und Aufgabe der Noskeherrschaft. Solange dazu keine Nei­gung bei der S. P. D. bestehe, sei ein EinigungSver- inch zwecklos. Ueber den Teil der Grundsätze würden sich die Unabhängigen einigen können in dem gemein- camen Rufe:Meder mit der Reaktion!"

Wenn also eine Einigung -er beiden sozialdemokra- tischen Parteien zustande kommt, dann tragen die Haupt­schuld daran die Deutschnationalen mit ihren allzu stür­mischen Vorstößen. Aber auch hier wird nicht alles so heiy gegessen, wie es gekocht wird. Einigungswille be­steht bei den Unabhängigen nur auf dem rechten Flü­gel, der jetzt durch Saases Tod führerlos geworden ist. Die Männer um Ledebour, Däumig, Eichhorn und Ri­chard Müller wollen lieber tot als ungetreu sein. d. h. sie wollen lieber mit den Kommunisten zusammen eine Partei bilden, als wieder zur großen sozialistischen zu gehören. Es könnte also höchstens nur eine Teileini- Mng zustande kommen, die die Mehrheitssozialisten teuer bezahlen müßten, vor allem mit »e, der der Retter ihrer Regierung ist. Aber angenommen, es käme wirklich eine glatte Einigung zustande, dann wäre noch lange nicht dieser sozialistische Block, diese Kampf­front, Sie gegen das Bürgertum aufgerufen würde, eine Gefahr, wenn das Bürgertum selber einmal sich auf Einigkeit besänne, denn die beiden sozialistischen 'Trak­tionen würden trotz alledem weder in der preußischen Landesversannnlung noch in der Nationalversammlung eine parlamentarische Mehrheit bilden. Eine andere Trage würde es sein, was aus der gegenwärtigen Kva- litionsregierung werden würde. Aber das neue Deut­sche Reich kennt ja seine festeste Säule, den Parlamen­tarismus. Also wäre für die bürgerlichen Parteien nichts zu fürchten, wenn die drohende Gefahr ein festes Band um sie schlösse. Doch wer glaubt im Ernste da­ran? Das Band würde eßenfo ein zweifelhaftes sein, wie das, das die sozialdemokratfichen Fraktionen um­schlösse. Es wird also wohl auch hier nur bei Liebes- werben und halbem Entgegenkommen bleiben, wenn nicht etwa deutschuativuale .Kampflust in Don Quichv- icrie ausartet. Also Borsicht, Einsicht und Mäßigung!

Der Fluch der linr n .'cif lastet noch immer auf un» fettr Nation. Während wir riwiS von Völkern um­geben sind, die ihre seiudlic! c Gesinnung uns gegen- irber größtenteils offen zur Schau tragen, während Un­glück rmd Not immer von neuem über uns öeretwe«

Mst, fitiv wir bemüht, uns durch inneren Hader M SSL fletschen. Die volle Tragik dieses Zustandes wird der Welt nicht bewußt. Sie kann höchstens darüber lachen. Nur in einem einzigen Punkte scheint bei uns Einigkeit zu herrschen. Trotz der Lärmszenen auf der Straße, im Untersuchungsausschuß und in der Volksvertretung gibt es einen einheitlichen Volkswillen, der stetig an Kraft des Ausdruckes zunimmt und jetzt wie ein furcht­barer Verzweiflnngsschrei in alle Welt hinausklingt: die Forderung der Rückgabe unserer Gefangenen. Die großen Kundgebungen in der Reichshauptstadt am ver- flofsenen Sonntag gaben, so imposant sie zum Teil ge­wesen sein mögen, doch nicht das richtige Bild von der wahren Meinung, die man in Deutschland über die Zu- rückhaltung der Gefangenen hat. Die Massenversamm­lungen waren oft gestört durch widerliche Lärmszenen. Da Redner verschiedener Parteien zu Worte kamen, rvar man naturgemäß äußerst kritisch, und vielfach wäre es beinahe zu Tätlichkeiten unter den Versammelten gekommen. Auch die Darlegungen erster Künstler sind wohl nicht geeignet gewesen, trotz ihres stimmungsvol­len Inhaltes den ganzen Schmerz einer gefolterten Na­tion zum Ausdruck zu bringem Es ist deshalb auch fraglich, ob diese Kundgebungen im Auslande den Wi­derhall finden werden, den sie bezweckten.

Den ungeheuren Schmerz derer nachzuempfinden, die jahrelang auf das Zurückkommen der Ihrigen hoff­ten, die sich immer wieder von einem Tag auf den an­deren zu vertrösten versuchen, um stets erneut ent­täuscht zu werden, das kann man nicht verstehen, das kann man nur fühlen. Daß aber die Welt in der Ge- gemvart nicht besonders reich an Mitgefühl ist, wird wohl jedermann einfeherr. Ueber Protestkundgebungen nnd Zornesausbrüche, die meistens ungehört verhallen, vergißt man oft leicht die Tat, die hier allein helfen kann. Selbst wenn alle neutralen Länder und auch ein Teil der früheren Alliierten sich an Frankreich wende­ten und im Namen der Menschlichkeit die Rückgabe der deutschen Kriegsgefangenen fordern würden, ist es sehr fraglich, ob damit ein Erfolg erzielt werden könnte. Die deustchen Soldaten, die sich noch in der Hand unse­res westlichen Nachbars befinden, stellen eine Arbeits­kraft dar, die diese eben nicht gerne missen möchten. Man kann noch soviel Versprechungen machen, dan in kürzester Frist ein Ersatz geleistet werden würde. Auch in den Staaten, in denen der Abschluß des Krieges nicht so katastrophal gewirkt hat, wie in Deutschland, gilt es auszubauen, gilt es Werte zu schaffen, gibt es mit einem Worte eine Ueberfülle an Arbeit, die von den eigenen

Volksgenossen allein nur schwer bewältigt werden kann. Was wunder, wenn da ein Volk sich gern fremder Kräfte bedient, die ihm die Gunst des Schicksals in die Hände gespielt hat? Deshalb wird auch Frankreich schwerlich auf Berliner Protestkundgebungen reagieren. Auch die so oft erwähnte Arbeiterschaft der französischen Republik wird kaum für Deutschland etwas übrig ha- bem Wir müssen schleunigst zusehen, daß aus Freiwil­ligen Arbeiterkontingente geschaffen werden, die man als Ersatz zum Wiederaufbau über den Rhein schicken kann. Man hat sich schon oft mit diesem Gedanken ab­gegeben, scheint aber bisher beim bloßen Pläneschmie- öen geblieben zu sein. Hier gilt es mehr denn je, zu haMeln, und zwar so schnell als möglich. Ein kräftiger Wille fordert keine nutzlosen Gefühlsausbrüche, sondern die Tat. Unser Volk sieht wieder einmal aus die Män­ner, die die Verantwortung auf sich genommen haben und erhofft von ihnen Hilfe. Es wäre nicht gut, mis abermals zu enttäuschen.

Vermitotes« » -

Eine große Mehlschiebung vereitelt wurde durch die Heeres-Polizei in Leipzig. Das Mehl, 100 Zentner Weizenmehl, war bereits im Waggon verladen un­schön im Abrollen begriffen. Es konnte aber noch recht­zeitig erfaßt und der Amtshauptmannschaft Leipzig wie­der zugeführt werden.

Eine ungeheure Typhusepidemie ist in Sibirien auS- gebrochen. Unter den Truppen sind 40 000 Todesfälle vorgekommen. Täglich werden etwa 1000 neue Fälle gemeldet. Die Epidemie breitet sich jetzt auch unter der Zivilbevölkerung aus, und es liegen Anzeichen dafür vor, daß der Typhus ungeheure Ausdehnung erreichen wirb. Bei Omsk befinden sich 30 000 Menschen ohne Obdach. Sie graben sich in die Erde ein, um der furcht­baren Kälte zu entgehen. Die sanitären Verhältnisse sind ungeheuer schlecht, und wenn das amerikanische Note Kreuz nicht rechtzeitig genug eingreifen kann, werden die Todesopfer dieses Winters Legion werden.

Eine große Mumittinmschiebung ist durch das Lan­despolizeiamt in Berlin ausgedeckt worden. Ein bet den LauMwerken in Schwartzkollm angestellter Eisen­bahnassistent gewann einen Rangierer und einen Loko­motivführer für den Plan, Aluminiumladungen zu ver­schieben. Der Eisenbahnassistent fand einen Abnehmer in dem ihm befreundeten Angestellten des ReichSver- wertuugslnntes Hellmann in Berlin. Das Frachtbrief- formular wurde mit der Deckadresse Simon-Heinersdorf ausgefüllt und die Sendung als Maschinenteile er­klärt. Der Zugführer, der den Ueberganaszua nach Hohenbeke leitete, übergab dort den falschen Frachtbrief dem Zugführer, der riach Weißensee fuhr und von der Schiebung nichts wußte. Urtterdessen bot der Zugführer des Uebergangszuges die Ladung dem Angestellten des Reichsverwerrungsamtes an, der sie an einen Berliner Tiefbau-Ingenieur weiterverkaufte. Dieser erhielt den falschen Duplikatfrachtbrief, bekam darauf die Ware aus- gehändigt und gab sie an einen Bekannten, der sie wieder weiter verkaufte. Als der letzte Käufer die Ware in Wei- ßenfee durch einen Spediteur für eine auswärtige Firma verladen ließ, kam die Militärpolizei dazwisck>en tuib beschlagnahmte sie. Durch Bestechung des Beam­ten, der die Beschlagnahme voracrioimnen, gelang es der Bande, die Ware wieder freizubekommen. Jetzt ram das Aluminium in einen langen Kettenhandel, bis es endlich verwertet und verarbeitet wurde. Alle Be­teiligten bis auf den Angestellten ßelimann vom Reichs- verwertungsamt, der flüchtig ist, wurden festgenommen.

Eine nette elektrische Alpeubah«. Wie dieBaye­rische Staatszeitung" aus Nizza aus sicherer Quelle er­fährt. läßt der dortige Stadirat ein Projekt ausarbecten, um Nizza mit em Genfer See durch eine elektrische Bahn zu verbinden, da man an der Riviera, vorab in der vranzöstscheu, einen ungeheuren Frcmdcmnstrvm für den Winter 1920=21 erwartet. Die Bahn soll mit Ab­zweigung nach Diane und Grenoble quer durch Sie Gebirge Savoyens führen. SSahrtocinlich wird sie ae- acgcuüber Lausanne den Genfer See auf französischem Gebiet berühren. Bon Laus-nne bis zum französischen (Achtet würde die Ueberfahrt auf Schiffsfäbren 1520 Minuten dauern, und von -ort gina der Zug weiter »ach Basel. Da die Schmelzer Etsenbahnverwaliung sowieso mit Untersfiitzuna von Nordamerika rinnt, den ganzen schweizerischen Eisenbahnbetrieb elektrisch zu geßalien, märe es möglich, eine elektrische Bahn ohne Wagenwechsel von Basel bis Nizza durch das aesainte ichweizerische und französische i'ilvcnacbiet z» führen, und die Fahrt würde 10 -12 Stunden beanspruchen. Die geplante Reife würde besonders für Eflgüterver-l Wr von höchster Vedeutuva für Nvrüdeutschland wer­den tintnen.