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Hersfelder Kreisblatt
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld ^JMark, durch die Post be« zogen Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei | Hersfeld. Für die Schristleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld.
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr 269
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< Lösung der DalNkumsrage.
r «• Berlin, 16. November. (WTB.) Der Befreiter der EnteutekommiMo» für das Baltikum, Admiral Hofsman», hat die Mitteilung erhalten, daß der Führer der russischen Westarmee Awalow-Bermondt sich gestern «acht dem Befehl des Generals von Eberhardt nnterstellt hat. Dieser wird alles versuchen, die geordnete Rückführung der ehemals reichsdeutsche« Trnppen zn ermöglichen.
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i Soweit die Bedeutung der vorstehenden Meldung sich im Augenblick übersehen läßt, darf der gordische Knoten im Baltikum als gelöst gelten. Durch die Unterstellung der russischen Westarmee unter den Befehl des Generals von Eberhardt hat die deutsche Regierung die Verfügungsgewalt über die in russische Dienste übergetretenen deutschen Baltikumtruppen wieder erlangt. General von Eberhardt gilt als besonders befähigter und energischer Offizier. Seine Führereigenschaften lassen die Erwartung als berechtigt erscheinen, daß es ihm gelingen wird, die irregeleiteten deutschen Truppen in die Heimat zurückzuführen. Nachdem die litauische Regierung ihnen ihre wohlerworbenen Rechte auf Ansiedelung als Entschädigung für die Hilfeleistung im Kampfe gegen den Bolschewismus unter Vertragsbruch verweigert hatte, hätten sie sich auch weiter den Befehlen der Reichsregierung unterordnen müssen, wenn sie auch eine Erfüllung ihrer berechtigten Interessen von ihr nicht erwarten konnten, weil sie die Macht dazu nicht hat. Auf jeden Fall aber hätten sie, als die Entente unter Androhung von Gewaltmaßnahmen gegen das deutsche Volk die Räumung des Baltikums verlangte, mit Rücksicht auf die dadurch geschaffene Zwangslage nicht erst versuchen dürfen, sich dem Abtransport zu widersetzen. Ihre Heldenhaftigkeit und der alte deutsche Geist, der in ihnen lebt, soll nicht verkannt werden. Aber . aus taktischen Gründen und im Interesse des deutschen Volkes war ihre Haltung unklug. Die Entente hat ihretwillen die Ostseeblockade gegen Deutschland verhängt, und Clemenceau hat mit der Argumentation, daß Deutschland seinen Verpflichtungen hinsichtlich der Zu-
Dienstag, den 18, November
aller Gefa«ge«en des Krieges! Eine zweite Entschlie, ßung verlangt ein energisches Vorgehen der Nationalversammlung für die Heimseuöung der deutsche« Kriegsgefange«e« sowie Anweisung der Regierung für die nach Paris z« entsendende» Vertreter, daß für die Znriickhaltnng der Gefangenen einschließlich der Internierten von Scapa Flow alle Zwangsmatznahme» ausgeschlossen sind und daß der Abtransport sofort beginne und mit größter Beschleunigung beendet werde.
Protestkvndgebnng in Essen.
•» Essen, 17. November. (T. IX.) In einer gestern veranstalteten, von vielen Tausenden Essener Bürgern besuchten Kundgebung, in der gegen die Zurückhaltung der deutschen Kriegsgefangenen durch Frankreich lauter Protest erhoben wurde, legte die Bersaunnlungsleitung eine Entschließung vor, die von der Versammlung als nicht scharf genng bezeichnet wurde. In der verschärfte« Entschließung wird die deutsche Regierung aufgefordert, die Erfüllung der Bedingungen des Friedensvertrages so lange zu verweigern, bis die deutsche« Kriegsgefangenen freigegeben seien.
Die Vsrbehalie Umeriias.
** Haag, 16. Novmber. iT. tt.) Der Haager „Nieswe Co«rant" meldet aus Washington: Der Senat nahm den dritten Vorbehalt an, wodurch die Bereinigten Staaten der Verpflichtung enthoben werden, die politische Unverletzlichkeit des Völkerbundes zu «n- terstntzen. Ferner wurde es abgelehnt, ohne Genehmigung des Kongresses z« solchen Zwecke» ein Hrer s« entsenden.
Dadurch hat der amertka^rtsche Senat einen für die künstige Politik des Landes ganz außerordentlich wich« ttgen Beschluß gefaßt. Der leitende Grundgedanke in der Politik der Vereinigten Staaten, die Monroe-Dok- trin, war-durch das Bölkerbundsstatut aufs schwerste gefährdet. Die Preisgabe dieses Grundgedankens aller amerikanischen Politik durch Wilson auf der Pariser Konferenz zugunsten der feite in
1919
MaiiimenftöS®
s Fortsetzung des Berichts über die SonnabendsttzungL
Graf Bernftorff: Ein englischer Generalkonsul war in St. Franzisko bestraft worden wegen Verletzung der Neutralität und zwar wegen Rekrutierung zur ewglt- schen Armee. Brünz ist abgeurtellt worden, nachdem wir im Krieg mit den Vereinigten Staaten standen.
Professor Bonn: Welche Bewandtnis hatte es mit dem Laufmaschen Interview?
Graf Kerustorff: Der amerikanische Attnister mußte täglich etwa 20 Journalisten in einem Kreuzverhör Rehe und Antwort stehen. Lansing erklärte in einer NaH- richt über die Wilsonsche Friedensnote etwa, die Vereinigten Staaten standen am Rand des Krieges. Di«k Aeußerung soll Wilson zu Ohren gekommen sein. M hat Journalisten veranlaßt, diese Aeußerung z« dementieren.
Professor Bonn: ES wurde damals sofort Wilson Sturm gelaufen, Latz er als Agent des scheu Volkes hingestellt wurde. Da hat Lansinc Wort in der Diskussion geworfen, wenn wir nicht Srieöen kommen, gibt ' " ' " "
rieft mit Deutschland.
Graf Kerustorff: §
es einen U-Bootkries
geglant würde.
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Abg. Stuzixtm«: Dem Zeu, erteilt, damit er uns die Gründe
nes Standpunktes vom 9. 1. bis zur konnte. Ich bitten alles weazulasseu, nicht bezieht.
rung das Verfahren gegen Brünz eingeleitet habe, acht die amerikanische Behörde eine zu ihrer Kenntnis g»- kommene Uebertretung eines gültigen amerikanisches
IHUJi lilllVHvlVHWlVlI. |vlf v,v UV||vlCylU; U*l|Vdv OlilViJvyv* fangenen vor der Erfüllung dieser Bedingungen freizulassen. Wir wollen hoffen, daß infolge der nunmehr zu erwartenden gänzlichen Ränmung des Baltikums durch die deutschen Truppen auch seitens der Entente die Zwangsmaßnahmen gegen Deutschland sofort wieder aufgehoben und die deu'"" “ Frankreich mm endlich be
angene«
Sie Zurückhaltung der Gefangene»
ProtestL»vdgeb«»ge« in Berlin.
k* Berlin, 17. November. lE. C.) Die Kundgebungen für die Herausgabe der deutschen Kriegsgesan- genen, zu denen die Parteiverbände und -Vereine für den gestrigen Sonntag die Großberliner Bevölkerung eingeladen hatten, waren trotz des schlechten Wetters, II :... T V.' aufs äußerste erschwerte, zum größten Teil stark besucht. Es fanden 10 Versammlungen statt. Widerspruch fand eine Kundgebung der Regierung, die von den Versammlungsleitern verlesen wurde, des Inhalts, daß die Regierung alles getan habe, um das Los der Gefangenen zu erleichtern und ihre Freilassung und - - ° 2’., Redner stellten im all-
das formelle Recht zwar auf Seiten _____________ .. .. itz aber das Recht der Menschlichkeit dnrch die Zurückhaltung, die 12 Monate nach dem Abschluß des Waffenstillstandes noch immer andauere, verletzt werde. Zu stürmischem Szenen kam es im Cham- misso-Gymnasium zu Schöneberg wo der Referent die Entrüstung der Anwesenden hervorrief, die beinahe in Tätlichkeiten ausartete und einen Teil der Versammelten veranlaßte, unter Protest den Saal zu verlassen. Die vom Reichsausschutz deutscher Frauen zur Befreiung unserer Gefangenen in das Theater am Bülowplatz einberufene Bersannnlung wurde gestört und mußte vorzeitig abgebrochen werden. Tumulte gab es auch ht den Spichernsälen. Dort erregte ein eben heimge- kehrter Offizier, der den Revanchegedanken vertrat, den Widerspruch einiger Versammlungsteilnehmer, was bei den anderen Entrüstung erweckte. Dem Dompredtger Dr. Döring gelang es, die Ruhe wieder herzustellen.
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gerufen. Der Senat Hat es nun abgelehnt, daß die Bereinigten Staaten sich in künftige Konflikte außerhalb Amerikas einzumischen verpflichtet halten. Dadurch wird auch das unter Wilsons Mitwirkung in Paris geschlossene sranzösisch-englisch-amerikanische Schutz- und Trutzbündnis gegen Deutschland zu einer Utopie.
Die französischen Besorgnisse über die Haltung de» amerikanischen Senats gegenüber der in monatelang Arbeit in Paris ausgeklügelten fanatischen Bernich- tungspolitik gegenüber den Mittelmächten und über die daraus sich insbesondere für Frankreich ergebenden unsicheren Verhältnisse in der Ausbeutung und Unter- drückurrg Deutschlands find wohl zu verstehen. Unterstützt werden diese Befürchtungen noch durch die Entwickelung der Dinge in Rußland, die sich durchaus nicht in dem Sinne der Entente vollzieht. Rußland sollte ebenso wie Deutschland ein Ausbeutungsobjekt Englands und Frankreichs werden. Aber die Vorgänge in Rußland weisen darauf hin, daß das russische Volk nicht geneigt ist, sich in die Abhängigkeit der Entente zu begeben. Der Bolschewismus muß — auch wenn er sich heute noch so sehr dagegen wehrt — einmal seinen Tag von Damaskus erleben, weil er nur eine aus der Not und dem Elend geborene Weltanschauung ist, die keine Daseinsberechttgung hat. Und dann meist der Weg Rußlands nicht nach der Entente, sondern nach Deutschland, mit dem es gemeinsam um seine Zukunst sümpfen muß, wenn es nicht vom Bolschewismus zum Helotentum der westlichen kapitalistischen Autokratten werden will. Diese Erkenntnis hat sich bereits bei den nüchtern urteilenden Politikern an der Seine durchgo- rungen, und die Hymnen eines übermütigen Sieges- , rausches sind schon oft von ernsten Tönen der Sorgen • über die Zukunft untermischt, die sich doch anders gestalten dürfte, als das siegestrunken« Paris st« sich vor Iahressrift vorgestellt hat. wX
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der, das wäre ja keine Tatsache, sondern ein Urteils
Abg. Dr. Cohn: Aus der Antwort dürfte mit h«. Vorgehen, was wir von den Ausführungen des Dr. He»- ferich zu erwarten haben.
Dr. Helfferich: Ich habe bisher noch niemals Kragen Dr. CohnS direkt beantwortet und bitte, mich auch weiterhin davon zu befreie». < Entrüstung bei den AuS- sÄutzmitaliedern.)
Bors. Warmuth: Das bedeutet also eine Zeugnis-
Di« Entschließuuge«.
Mitgliedes Dr. Cohn!
Dr. Helfferich: Ich habe von Anfang an den Eindruck gehabt, daß ich vor einem Gerichtshof stände und daß ich nach der Strafprozeßordnung das Recht haben würde, Dr. Cohn als Richter abzulehnen.
Nach l^ftündißer Beratung verkündet Vorsitzender Warmuth: Der Ausschutz hat mit dem Sttmmverhält- i nis 4 gegen 2 bei Stimmenthaltung des Abgeordnete» Dr. Cohn den Beschluß gefaßt: Der Ausschutz ist sein Gerichtshof. Seine Verhandlungen sind auch kein Vorverfahren für den Staatsgerichtshof. Er hat fein Urteil zu fällen. Die Ablehnung eines Beisitzers aus persönlichen Grültden ist nicht zulässig, ebenso die Itichtbv- antwortung der von einem einzelnen Mitglied gesteL- ten Fragen. Eine Ablehnung der Beantwortung von Fragen steht einem Zeugen nur aus den Gründen der Etrvfprozeßordnung zu.
Auf die Frage des Vorsitzenden an Dr. HetffertL ob er jetzt bereit sei, die Frage von Dr. Cohn M beut* Worten, erklärte Helfferich unter Bewegung und Beifall im Zuhörerraum und bei der Preise, daß der Beschluß an den für ihn maßgebenden Gründen nichts geändert habe und er nach wie vor nicht bereit sei, bte Frage von Dr. Cohn zu beantworten.
(Hierauf beschloß der UntersnchungsaEchutz. mit schon in der Sonnabendausgabe mitgeteilr. Helfferich mit 800 Mark zu bestrafen. Gleichzeitig teilte der Vorsitzende Abg. Warmuth mit daß er den Vorsitz niebe>
Die Koste« -es britischen BesatzungsheereK.
London, 16. November. tT. XI.) Im Unterhaus stellte der Finanzsekretär des Kriegsamts mit, daß die Koste« für das britische Vesatznngsheer in Deutschland vom Beginn des jetzigen Finanzjahres bis Ende Oktober 28 Millionen Pfund Sterling betragen. Der Unterhalt der britischen Streitkräfte in Frankreich haben 44 Millionen Pfund Sterling erfordert. Die Regienma unternehme alles, um das britische Herr in Frankreich aufzulösen.
Repressalien wegen der »verschlefischv« Wähle«?
«e* Genf, 17. November. lS. C.) „Homme übte" meloct, daß außer der Anuullierunn der oberschlefffche« Gemeindewahlen auch weitere Vtatznabmen der Alliierten in dieser Frage gegen Deutschland erfolgen würden. Frankreich betrachte die Vornahme der Wahlen knrz vor der Besetzung OberschlesieuS durch die 81er« bandSmächte als unfreundlichen Akt und als absichtlich« Nmgrynnft der von Deutschland unterschriebene» Verpflichtungen.
^r. Helfferich erklär! zur Begründung ferner V«»- weigerung der Aussage auf Befragen des Abg. Dp. Cohn: Der AuSschutz ist eingesetzt, um die Gründe * prüfen, die zum Zusammenbrum des Reiches geführt haben. Nach feiner Auffassung ist Dr. Cohn ganz unmittelbar an diesem ZusammenSrnck beteiligt. Nach einem Telegramm deS Botschafters Ioffe habe Dr. Coh» sich Geldmittel zur Berfüguns steilen lasten ihm Deutschland zu revolutionieren.
In Beantwortung dieser Aeußerung erklärt D». «ohn, das deutsche Volk sei nicht schuld am Kriege». aber an der Entstehung und dem unglücklichen AnSgaM seien Leute wie Dr. Helfferich schuld.
Hierauf erklärt Helfferich, er werde diesen Saal verlassen, wozu ihm der Vorsitzende Gothein das RE begreifet, aber bald darauf die Sitzung schließt.
*
m- Berlin, 17. November. (S. C) Die Disvo«- tionen deS UnterfuchungSauSschustes sind gestern av«u-
Nerlt«, 17. November. lT. u.) Am den se- Mafsexverfam»»k«nge», in denen gegen die Zu- Kriegsgefangenen protestiert ischließunge« angenommen. In die durch Funkspruch an die
strigen Mai________ rttckhaltuna unserer !
wurde, wurden zwei Entschli, _
der ersten Entschlietzung, die durch Funkspruch an die Völker der Erde gesandt werden soll, wird gesagt, Satz der Oberste Rat seine Verpflichtungen nicht erfüllt habe. Ei« neuer Winter bringe den Gefangenen und deren Angehörigen den seelischen und körperlichen Znsam-- menbrnch und Tod. Trotzdem verlange die Pariser Presse die Znrückhaltnng der Gefangenen als Pfand, und der Oberste Rat drohe mit Zwangsmaßnahmen. DaS dentsche Volk fordert die gesamte Menschheit auf, sich M vereinigen in dem Ruf: Sofortige Heimsendung
der ersten En