9 ersteioer Tagevlatt
Hersfelder Kreisblatt
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HersfÜd. Für die Schristleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld, 8 sur Den Kreis Hsrsfew Erscheint jeden Wochentag nachmittags. — Fernsprecher Nr. 8. |
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Nr 260
Donnerstag, den 6» November
1919
M SchWl Seulschlanvs.
LJ Jnter arma stlent legeS! ES ist aber noch sehr div 'grage, ob inmitten des Waffenlärms auch die Politik zu schweigen habe. Man hat früher den Krieg als eine Fortsetzung der Diplomatie betrachtet, und die Ausführungen des ehemaligen Reichskanzlers vor dem Unter- ckuchungsausfchutz ließen.erkennen, daß man auch bei uns während der letzten ereignisreichen Jahre diesen Standpunkt innehtelt, und daß unsere Diplomaten ihre Tätigkeit Sem Auslande gegenüber, wenn nicht ganz einsten* ten, so doch auf ein Mindestmaß beschränkten. Das Falsche dieser Handlungsweise haben die Ereignisse Wagend bewiesen. Während sich nämlich die deutsche Staatskunst dem süßen Nichtstun hingav, waren die führenden Männer der Entente desto fleißiger, und rote wir wissen, ist es ihnen allein zuzuschreiben, daß der für unerswütterlich« gehaltene eiserne Seutiche Wall schließlich zusammenbrach. Während der ganzen Ausführungen Bethmann Hollweg trat mit erschreckender Deutlichkeit der Fatalismus zutage, dem man sich bei unseren maßgebenden Stellen hingegeben. „
Man könnte freilich die ganzen Bemühungen, jetzt noch Licht in das Dunkel zu bringen, das noch immer über der Vergangenheit liegt, als unnütz hinstellen und behaupten, daß wir jetzt Besseres nd Dringenderes zu tun Hütten, als über das zu streiten, was war, ober hätte sein sollen. Da wir uns nun aber einmal einer solchen mehr oder weniger undankbaren Aufgabe unterzogen haben, müssen wir eben sehen, daß wir soviel als möglich zur endlichen „Aufklärung" beitragen. Ob die bisher in dieser Beziehung ' ' *
aber die richtige ist noch sey ____sich leider sagen, daß das, .— gesucht gefördert wurde, in dieser Hinsicht wenig geleistet hat. Was da über die „Maschinerie der Haß- stimmung" und verfehlten diplomatischen Schritte gesprochen wurde, enthielt letzten Endes nicht mel mehr
unvergteichitch ist aber auch die Katastrophe, die aus einer solchen kritiklosen Anschauungsweise folgte. Wrr stehen jetzt auf den Trümmern Jahrhunderte langer deutscher Arbeit, unsere Kräfte sind verbraucht, und was iwdb von Energie bei uns vorhanden ist, muß für den endlichen Aufbau verwandt werden.
Sus der Heimat
Ohne PersoneuverLehr.
Jumrer und immer noch nicht wollte es die Kul- turmenschheit glauben, daß die Regierung Ernst mit dieser äußersten Maßnahme machen würde, und nun Eisenbahnverwaltung und die Not drängten, und nun ist sie Tatsache geworden, eine Tatsache, die wohl, seit die blinkenden StahlschtenM bis in die entfernteste Gegend unseres Vaterlandes laufen, noch niemals durchgeführt worden ist. Nie & ten wir früher glauben können, daß unsere verzweigst mit tausend Fäden untereinander verknüpfte Kulturwelt diesen
Vermifdifes»
Wozu die Fremdwörter? Haben wir doch schließlich für alles die besten Bezeichnungen in unserer schönen Muttersprache und brauchen diese nicht mit zusam- mengeglaubten Flickwerk zu verunzieren. Jm „Zei- tUNgs-Verlag" macht A. Ebner darauf aufmerksam, daß grade zwei Fremdworte, die in amtlichen Veröffentlichungen durchgängig nicht mehr zu finden sind, aus den Zeitungen sich noch immer nicht haben verdrängen lassen, die Wörter: „Sozialisierung" und „Kommuna- lisierung." Wahrlich zwei Worte, denen man oft genug in unsern Tagen begegnet! Die Verfassung vermeidet
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griff vertragen könnte, w allem unsere' Geschäftswelt, die bisher keine Entfernt n karmte. Nun kann 10 Tage lang nur das Telefon einigermaßen den Verkehr von Mensch zu Mea.ch ersetzen. Telegraph unk Eilbriefe müssen das weitere tun. Mau möchte der Stopf hängen lassen — wie weit haben wir es gebracht! Mancher Geschäftsmann wird in diesen Tagen von Mißmut und Zorn gepack werden, weim seine Geschäfte in Stockung geraten, wie mancher Privatmanr wird voll tiefem Schmerz diese Absperrung von SÄ übrigen Welt, in der vielleicht sein Teuerstes und Liebstes ihn dringend bedarf, empfinden. Aber was hilft's! Wir brauchen Kartoffeln, wir brauchen Lebensmittel, wir wollen leben im Winter, und wir brauchen Kohlen, Kohlen ... Wir haben schon so unendlich viel ertragen. und werden auch das ertragen, aber immer nur m der Hoffnung, daß es einmal und wohl bald wieder
_____ MB
scren maßgebenden Stellen mit einer Nonchalance gehandelt wurde, die angesichts der riesigen Opfer, die gebracht wurden, als ein Verbrechen bezeichnet wer- den muß. Unsere Diplomatie hat während der letzten Jahrzehnte eine Schlappe nach der anderen erlitten und. ihre völlige Unfähigkeit oft genug bewiesen. Daß solche Mängel auch durch die beste Armee der Welt nicht wieder ausgeglichen werden können, das haben wir wohl zur Genüge erfahren.
Das ganze Gebaren des Herrn Bethmann vor seinen „Richtern" war charakteristisch dafür, wie bei uns während des Krieges gedacht und gehandelt wurde. Die tüchtigsten Generäle, die besten, opferfreudigsten Soldaten konnten bei einer derartigen politischen Unfähigkeit und Schwäche nichts ausrichten, und das Verderbliche ist, daß man diese Lage der Dinge nicht einmal zu spät erkannt hat, sondern daß man ne überhairpt nicht sah. Vertrauen war beim dentschen Volke vor-- handen. Wenn sich einmal eine kritische Stimme erho- den hatte, die behauptete, daß das Deutsche Reich schon tüchtigere Reichskanzler gesehen habe, als Betymann Hollweg es ist, erhielt sie alsbald die barsche Antwort. „Jetzt ist Bethmann unser Bismarck!" Ein solches unbegrenztes Vertrauen, eine solche völlige Hingabe an die oemeivsame Sacke ist keeott^ vnk unveraletiklick.
gen eihetten
für immer einmal porbei s Nur diese Hoffnung kann uns froh machen! ~
):( HerSfeld, 6. November. Auf dem hiesigen Bahnhof wurde ein Möbelwagen beschlagnahmt, in welchem sich ungefähr 50 Zentner Hafer und 10 Ztr. Kartoffeln befanden. Die Sachen stammten von der Domäne Wilhelm-hof und waren für einen Spediteur in Wiesbaden als Gegenleistuns für den Transport von Möbel aus dem besetzten Gebiet bestimmt. Die beschlagnahmten Kartoffeln wurden verteilt, während über den Hafer das Landratsamt zu bestimmen hat.
Hersfeld.
™ » ^r^rifft Woche nhilfe.) Das
Berstcherungsamt schreibt uns: Ueber die Auslegung der 8 und 24 des Gesetzes über Wochenhilfe und Wochenfürsorge vom 26. September 1919 iR. G. Bl. No- 1SS) bestehen, wie uns von zuständiger Stelle mitgeterlt wird, verschredene Ansichten. Das hiesige Verftcherungsamt Har deshalb Entscheidung bei dem Oberversicherungsamt in Cassel beantragt. Sobald Verfügung von dort ergeht, folgt weitere amtlich- Beranntmachung.
sie und sagt: Vergesellschaftring, Ueberführung in Gemeinwirtschaft oder Gemeineigentum. Allerdings trägt das Gesetz vom 23. März 1919 die Ueberstbrift „Soziali- sierungsaesetz",' im Gesetz selbst aber ist dieser Ausdruck nicht enthalten. Das Wort „Kommunalisierung" wird überhaupt nicht georaudit, nicht einmal das Wort „Kommune", es werden immer die Ausdrücke „Gemeinden", „Gemeindeverbände", „wirtschaftliche Selbstverwal-
«vw raun murr oas Gras pfetteu? Oft möchte man von einer Glasscheibe ein Stückchen abfeilen, etwa wenn die Glaspratte eine Kleinigkeit zu groß ist für einen der modernen Photographieständer,' sobald man
«der den ersten kräftigen Feilenstrich tut, platzt die ganze schöne Glasplatte. Es ist aber möglich. Glas so gut zu feiten wie etwa Holz oder Metall. Zu diesem Zweae wähle man sich eine nicht sehr große Fette, am vesten eine jo-che mit einfachem ParMekschtag, und be- neße sie mir Benzin, in dem man vorher Kämpfer bis zur Sättigung aufgelöst hat. Wenn man mit der so präparierten Feile einigermaßen vorsichtig auf dem Glase feilt, wird mau seinen Zweck sicher erreichen.
Ein kohleufaures Bad bereitet eine nervenstürkenLe Erfrischung, yian benutze dazu die in der Trogen- Handlung käuflichen Pauungen, welche die Herstellung
' wirrt'"'" "
Wie beseitigt man Wasserflecke von einer polierten Platte? Man bestreut die Stelle mit Kochsalz, tröpfelt auf dieses Wasser und trocknet nach einer Weile die Platte sauber mit einem Tuche ab. Durch Reiben mit einem guten, weichen Körk stellt sich der Glanz dato wieder ein.
.Ein Diamant von 1500 Karat. Das in der Wen
Mrmrg gefunden. Die Premier (Transvaal) Diamoup Mmmg Company erklärte eine EchlußdividenSe «on 600 Prozent, womit für das Geschäftsjahr eine Dividende von nicht weniger als 850 Prozent erreicht wird! Zu gleicher Zeit wurde bekannt, daß in einer der Minen der Gesellschaft ein blau-weißer Diamant von weniger als 1500 Karat gefunden wurde, ein Stein, der trotz seiner Größe ohne jeden Fehler ist Sein feert wird unbearbeitet auf 100 000 Pfund Sterling geschätzt fern ei Millionen Golömark oder 10 Millionen heutig«? mark). „
27)
Kwize Herzen.
Roman von Fr. Lehne.
lNachdruck verboten.!
Kinderzimmer befand sich neben dem Schlaf.
DaS Kinderzinnner befand sich neben dem Schlafzimmer, dessen halb geöffnete Tür einen Blick hinein gestattete. Jsabelle überlief es siedendheiß, als sie in den einfachen, schmucklosen, aber sehr großen, luftigen Raurn sah, — schnell wandte sie sich ab, wie auf etwas Verbotenem ertappt.
Und da — sein Kind! Friedlich lag es in seinem Körbchen, die Fäustchen an die Wangen gepreßt: die Amme saß daneben, sorglich seinen Schlummer be
wachend.
Wüt unbeschreiblichem Gefühl betrachtete Jsabelle den Knaben, während Ellen in grenzenloser Lrebc sich über ihn neigte; das Mutter-glück verklärte sie wun- ^IjUt regte sich der Kleine, er schlug die Augen auf und verzog ängstlich das Gesicht, als ob er weinen wollte. Besorgt nahm ihn Ellen hoch. „Du, du — mcht weinen! Wir tun dir ja nichts! Wir wollen Klaust nur bewundern und uns freuen, wie groß er schon gewor- bett ist"
Voller Mutterstolz hielt sie ihrem Besuch das Kind entgehem ^ $^ iytc mjWey cr tft! Man verbietet mir, ihn selbst zu tragen —" „ , .
Jsabelle nahm ihr das Kind ad. „Ja, so groß und so dick säum und doch erst ein Bierteljahr alt."
Ihr Herz klopfte, und ein seltsames Gefühl ließ sie erbeben, als sie das kleine, zappelnde, warme Ding auf ihrem Arme hielt. Sie hätte weinen mögen.
„Möchten Sie nicht auch ein so herziges Wesen Ihr eigen nennen, Frau Löbbeckc?" fragte Ellen mit ihrer fünften Stimme. _ „ , - , ,
„Rein!" entgegnete die andere fast rauh, „ich habe niclü den Wunsch — nie!"
Verwundert sah Ellen auf, befremdet von der Art Jsabelles, die sie nicht verstehen konnte.
Schwer wie glühendes Blei füllte diese jetzt das Kind
auf ihrem Arm,' sie wollte es der jungen Fintier zurückgeben.
„Ach, Klaus!" rief Ellen da und eilte auf Den Gatten zu, der auf der Schwelle des Kinderzimmers stand.
Eine tödliche Verlegenheit überfiel Jsabelle,' ihre Blicke kreuzten sich über EllenS blonden» Kopf mit denen des Mannes, und sie sah ein Leuchten darin, ein Aufflammen. Beinahe hätte sie das Kind fallen lassen, wenn die Amme ihr es nicht abgenommen hätte.
Fran Löbbecke wundert sich auch, wie groß und kräftig Klaust für sein Alter ist!" sagte Ellen wichtig; „sieh nur, Liebster, wie er dir zulächett!"
Klaus bat um EMschulütgung, daß er in so wenig salonfähigem Anzüge erscheine, er habe nicht gewußt, daß Besuch da sei, er komme vom Felde. Hoch und fchlank stand er vor den beiden Frauen. Wie gut kleidete ihn die knappe Lodenjoppe. Er hielt einen Brief hoch. „Ich habe etwas, Ellen!"
„Ach, von Ruth! Was schreibt sie? Ist sie gesund?" fragte Ellen lebhaft.
„Es würde mich ebenfalls sehr interessieren, von der Baronesse zu hören —"
„Also, Ruth ist sehr befriedigt: sie hat neulich zum erstenmale das (Soeben in den Meistersingern gesungen, sie fügt einige seür gute Kritiken bei -"
Jsabelle las sie. „In der Tat glänzend. Man kann Sie nur zu einem solchen Erfolge beglückwünschen!"
Klaus schüttelte den Kopf. „Nein, gnädige Frau, oS ist zu sehr gegen meine Ansichten und Wünscäe."
„Aber warum, Herr von Wallbrunn? Ich beneide die Baronesse fast."
Jsabelle erhob sich. Klaus legte ihr den Zobelpelz um und geleitete sie zu dem Wagen.
„Adieu, Herr von Wallbrunn!" Sie vermied, ihn „Herr Baron" zu nennen, und er wußte wohl weshalb.
„Adieu, gnädige Frau!"
Sie reichten sich die Hände, aber sie fabelt beim Abschied aneinander vorbei.
„Ob Fran Löbbecke glücklich ist?" fragte Ellen. „Ich glaube es kaum! Sie bat etwas so Unruhige-, Nervöses an siK. Und denke, mein Klaus, sie wünscht sich nie ein
Kind! Wenn wir unseren Bubi nicht hätten, Liebster" — sie schmiegte sich an ihn und sah zärtlich zu ihm auf.
„Ja, kleine Ellen! Nun lege dich aber ein Stündchen hin! Der Besuch hat dich doch angestrengt, du siehst ganz blaß aus!"
Gehorsam tat sie, wie er wünschte. Er legte sorglich die Decke um ihren schmächtigen Körper, küßte sie am die Stirn und verließ das Zimmer.
10. Kapitel.
Ruth von Wallbrunn saß am Klavier und übte. Süß schwebte ihre Stimme durch den Raum: „Einsam in trüben Tagen hab' ich zu Gott gefleht —"
Da öffnete ihre Gefellschafttrin. Fräulein Reißner, die Tür und meldete, indem sie ihr eine Karte über« reifte: „Eine Dame wünscht Sie zu sprechen, Fräulein
Ruth eilte in ihr kleines Empfangszimmer.
„Exzellenz?"
„Verzeihen Sie die Störung, Fräulein Althof!" sagte die Dame liebenswürdig, „doch ich habe ein Anliegen an Sie."
„Ich stehe jederzeit zur Verfügung, Exzellenz."
„Anfang nächster Woche ist Eumfang bei mir, und es würde mir sehr angenehm sein, wenn Sie meine G-ste durch einige Lieder erfreuen wollten — hoffentlich können Sie mir eine Zusage geben?"
„Gern, Exzellenz. ES trifft sich gut, da ich in nächst« Woche nicht beschäftigt bin."
Das ist mir lieb, denn gerade Sie, mein liebet Fräulein, sind mir sumpatbiscb. Die Auswahl der Siedet überlasse ich Ihnen, doch bitte ich Sie, sich Sonntag vormittag zu mir zu bemühen, damit Sie sich mit Herrn Musikdirektor Kurrz, der Sie begleiten wird, besprechen können."
Frau von Reicblitt sprach noch emige anerkeanenS« Worte über Ruth Althoffs Könnca: dabei bewundert» sie die vornehme Haltung des NtädchenS. Ihre Blicke fielen auf Sie große Pbotographie eines Draaoueroffi- zie: . Sie auf einem Tischchen stand. Sie hob SaS Lorgnon vor ihre Augen.
.Lücuc Bruder!" faule HM. MM drück»