SersIelder Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
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Amtlicher^ Anzeiger Mr den Kreis Hersfeld
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Sonnabend, den 18. Oktober
1919
Das Enlenle-Vallikum.
Vorc unserem Berliner M.-Mitarbeiter.
' Die balttsche Frage ist und bleibt eine verworrene. Selbst unter den Alliierten herrscht, wenn auch eine stille Meinungsverschiedenheit über die Art und Weise, wie sie zn lösen ist. Am schroffsten stehen sich Da naturgi maß die Ansichten Englands und Amerikas einanin gegenüber. Amerika muß es um ein großes einheitliches Rußland zu tun sein, da nur ein solches seinen wirtschaftlichen Interessen in jeder Weise dienen kann. Polittsch hat es ja mit Rußland überhaupt nichts zu tun. Im Osten, von Amerika aus geschen im Westeu, kommt für die Vereinigten Staaten ja nur der Stille Ozean in Betracht, und da ist allein der gefürchtete Rivale das jetzt noch verbündete Japan. Anders steht es mit England. England kann und darf kein Interesse an einem großen, wiedererstarkten Rußland haben, das vielleicht noch mächtiger ist, als das alte zusammengebrochene Zarenreich mit feiner korrupten Diplomatie. Für England kommt im Osten hauptsächlich das asiatische Festland in Frage. Das hat ihm in den letzten Jahrzehnten genug schlaflose Nächte mit Alpdrticken Bereitet, da Rußland, namentlich in den ersten Regie- rungsjahren Nikolaus II. ebenfalls sich aus dem asia- Sschen Leder Riemen schneiden wollte. Die englische Ostpolitik nmß also eine ausgesprochene Randstaaten- politik sein, und hier geht es anscheinend Wege, die vorher die kaiserlich beut(d)e Diplomatie, vielleicht zu ihrem «igenen Schaden, gegangen ist Daß Frankreich in die-
Frage ganz im englischen Schlepptau ist, das ist be- ___iflich und braucht nicht erst näher erörtert zu werden.
Es ist interessant gerade jetzt, wo die baltische Frage «inen so eigenartigen Charakter angenommen hat, wo man aus der einen Seite in Paris am liebsten Deutschland von neuem vergewalttgen möchte, weil seine Truppen noch im Baltikum sitzen, auf der anderen Seite aber wieder Deutschland zur Mitarbeit im Kampfe gegen den russischen Bolschewismus auffordert, interessant lesen, wie sich die Pariser Presse über Die neueste
vale das jetzt noch mit England. Eu
an einem großen, vielleicht noch mä« drochene Zarenreic. .............
Für England kommt im Osten 61 tische Festland in Frü!
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die Meuterei der Eisernen Division und veranlaßte thu aus eigenem Entschluß nach Mitau zurückzukehren. Diese vorübergehende Rückkehr wurde auch nur deshalb geduldet, weil Graf v. d Goltz noch am ehesten den unzufriedenen Truppen gegenüber genügende Autorität zu haben schien, um sie zur Befolgung des Abmarsch- befehls zu bestimmen. Ein Teil der Truppen ist denn auch damals seinen Anordnungen gefolgt. Als auch sein Einfluß zu versagen begann, ist Graf v. d. Goltz ' ‘ nach Berlin befohlen worden.
i. Eberhardt als sein Nachfol-
endgültig abberufen und nach Berlin befohlen worden. Inzwischen hat General v. Eberhardt als fein Nachfolger den Befehl übernommen.
Die deutsche Regierung hat keine neue Regierung in jenen Gebieten anerkannt noch mit einer solchen irgendwelche Verbindung. Sie hat den deutschen Soldaten strengstens verboten, in russische Formationen ein- 311 treten, und mit denjenigen, die dies trotzdem getan haben, jede Verbindung abgebrochen. An der Offensive des Generals Bermondt sind keine deutschem Kom- manöo unterstehende Truppen beteiligt.
Deulsch-rufsische Waffenbrüderschaft.
Graf von -der Goltz an seine Truppe«.
** Königsberg, 17. Oktober. tT. UJ Aus Mitau wird gemeldet: Graf von der Gvltz hat einen Aufruf an die Soldaten des ehemaligen ü. Reservekorps in der russischen Westarmee gerichtet, worin er tönen für die Heldentaten vor Waa dankt, die er mit Stolz verfolgt habe. Irr dem Ausruf sagt dann Graf von der Goltz weiter, wenn er auch von der Rerchsregierung seiner Stelle als kommandierender General des 6. Reservekorps enthoben worden sei, werde er doch mit allen Kräften bemüötjein, für seine alten Soldaten zu sorgen. In einem Schreiben an den Grasest Awalow beglückwünscht er diesen zu den Erfolgen der russischen Westarmee vor Riga in den letzten scbw tagen, in denen zum c^ten Male fett eint ^ .. . dert wieder dentscyr mrd rnsstsche Tmpr Seite gefochten hätte«
lweren Kampf- inew Jahrh»««
russische $ nippen Seite an
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ywetaen, aber ein beredtes, das mehr als _______ itel spricht. Nur der offiziöse „Temps" gibt we- „„,„ riner Kritik als seinen Vermutungen Ausdruck. Und öamrch ist die Politik der Entente die, in den bal- üschen Provinzen einen Bundesstaat zu errichten, der Mnnland, Esthland, Lettland und Litauen umfaßt. Es M begreiflicherweise gerade für die Franken höchst peinlich, ein indirektes Zugeständnis zu machen, daß hier die Ententediplomatie auf alten ausgetretenen deutschen Wegen geht. Aber die Herren, die während des Krieges stets aus schwarz weiß und aus weiß schwarz zu machen verstanden haben, Sie gegen Annexion gepredigt und Annexion getrieben haben, die die Frei-
M te
es anet) meisterhaft, der baltischen Ententepolittk für sie finngerechte Anslegung zu geben. Sie folgern einfach mit einer Hokuspokusvirtuosität folqeuderrna- Ren: das kaiserliche Deutschland wollte den Völkern im Balttkum nur eine geringe politische Freiheit geben, während die Entente ganz im Gegenteil ihnen möglichst eine demokrattsche Verfassung verschaffen will, die durch «indS Flottenmacht geschützt werden soll. Das also
S Pudels Kern! Ein Baltikum zwischen Deutsch- tand und Rußland unter stetem Einfluß der Entente nmö unter der Fuchtel des Herrschers in der Ostsee,
»änrlich England. So unverfroren auch die Entente- siplomatte ist, so muß man sie doch bewundern. Deutsch- iand hat Polen in den Sattel gehoben, und die Entente Stört das polnische Rotz am Zügel. Deutschland schuf «e Randstaaten, und die Entente will sie sich zu Vo- füllen machem Wenn die Deutschen ein politrscheS Volk wären, könnten sie wahrlstifttg von den westlichen Hexen- meistern in Zukunft lernen.
Die deutsche Antwort auf die Ballifamnote.
Dem Vertreter des Marschalls Foch ist von der deutschen Regierung eine Note übergeberr worden, in ^ Die ästimierten und assoziierten Regierungen. haben
„;.....::,j in ihrer MitteilMW mung des Baltikums und Li^
Me deutsche Regierung erstmalig wut 18. Juni zur Räumung bet ---------.... . .
tauend ausfordern lassen, nachdem sie noch tat Mac ausdrücklich verlangt und ungeachtet des Protestes, der Kentst^en Regierung darauf bestanden hatten, daß die Seutschc« Truppen von dort nicht zurückgezogen wer« Den sollten. Seitdem ist die deuische Negierung unab- lässig und eruftbaft bemüht gewesen, die Zurückziehung
ihr zu Ge- Widerstand
-er Trnppep durchzuführen. Sie hat alle üw zu Gebote ftchenden Mittel angewandt, um den Widerstand »er Truppenteile zu brechen, die sich unr das tönen von der lettischen Regieruria versprochene Einbürge- rungsrecht nud die erhoffte Ansieöelungsmögliwkeit gebracht fahen. Sie hat schließlich den widersetzlichen Truppen Sold, Proviant und die sonstigen Zufuhren gesperrt und ihnen sogar die bereits erworbenen Ansprüche auf spätere Versorgung entzogen. Sie hat Maßregeln getroffen, um jeden etwaigen Versuch von Munitions- oder Mannschaftsnachschüben zu unterbinden, hat zu diesem Zwecke den gesamten Personenverkehr nach dem Baltikum gesperrt und die Ueberwachung aller Grenzstatumen durch besonders Beauftragte an« a^Die^deutsche Regierung hat es auch nicht abgelehnt, Den General v. d. Goltz aus dem Baltikum abzuberu- feu, sie bat vielmehr lediglich darauf hingewiefen, daß
inen
_________ _ . ...... egiewtng Sie mitttL- rische Hilfe der" Alliierten im Kampfe Segen Sie Deut« Men Truppe» »achgesncht. Der „Temps" meldet, der Oberste Knegsrat ttat unter dem Vorsitz des Mar- kchalls Foch am Freitag z»sammen, »m über Sie baltische Frage wetLre Beschlüsse z» fasse«.
Die Blockade der Ostsee.
K4£ct & äSÄrt Verkehr von und nach den deutschen Hasen kontrollieren. Borstetluuge« bei der Entente.
^ Berlin, 17. Oktober. (T. U.) Die deutsche Frie- densdelegafion in Versailles ist bearlstraat coorden, wegen der über die deutsche Schiffahrt in der Ostsee verhängten Sperre, insbesondere wegen Acer Ausdehnung auf die Territorialgewasser unim: Hinwers auf Re durch diese Maßnahme herbecgefilhrten verhängnisvollen wirtschaftlichen Folgen dringende Vorstellungen bei der Entente zu erheben. .
Aus Königsberg und Lübeck wrrd gemeldet, daß dre Ententeblockade der Ostsee sich im Geschäftsreisen sehr unangenehm bemerkbar macht.
Die Blockade gegen Rutzlaud.
^ Berlin, 16. Oktober. tS. C.) AuS parlame«. tarischeu^Krsise« wird gemeldet, SaßSie deutsche Re« ße?Uch/ NNentrasen mit der Entente ^n^inen Gedaukenaustavsch über die Blockiern«« Rußlands etu- zutrÄern^E. ^ Oktober. (S. C.) AuS Paris wird aemeldetteine neue Note der Alliierten an die Neutralen gibt bekannt, daß die große Blockade der Alliierten gegen Sowjet-RutzlanS am 16. Oktober Mitternacht beginnt.
Deutsche zwischen Polen und Tschechen.
Die Bewohner deS Herzogtums Teschen »ab des Oftrauer Slinaebteted werfen durch Bolksabsttm- mima darüber zu entscheiden haben, ob sie dem neuen polnischen oder dem neuen tschechttche» Staat armeglie- bert werden wollen. In diesem Gebiet wohnen 217 000 Polen (45 Prozents, 168 090 Tschechen <30 Prozent) und 120 0M Deutsche (25 Prozent). Die Entichewung liegt bei den Deutschen, die vor einer schwierigen Lage stehen. Sollen sie für denvolnischen ober für den tschechischen Staat sttmmen, Wie gSseldet wird haben Wzwttchen die Setter der DentschemStellung genommen nnd be« Mosten die Deutschen auMforSerrr, ihre Stimmen für die Angliederung arc den Mxchenstaat ^abzugebem Ge- wichttge Gründe, spreche« dafür. Zwar f*t Die Tschechen mindestens ebenso ffewaltfani zu tschechcsceren ime Die Polen zu pvlonisteren. Indessen^Men die Deutschen im Tschechenstaat einen festen RüÄalt an Mfe« 3 Millionen deutschen Bewohnern. Eine so starke deutsche Minderheit bildet einen geschlossenen deutschen Block und kann unncöglrch tfefwinftert werden, hat viel
mehr gute Aussicht, sich volle G sümpfen. Vom reichSdeutschen C Haltung der deutschen Bevölke Teschen zu billigem Denn so auch Oberschlesien von Deutschla wtirde das ganze oberschlesisch- nische Kohlewsebiet unter PvÜt und im östliMen Mttteleatropa
Inonopol erlangen, das wirtschaftlich und politisch miß- braucht werden könnte. Eine solche Möglichkeit ist für keines der benachbarten Länder erwünscht. Im itbri- gen halten die Tschechen die Kohlenbezirke des Herzogtums Teschen bereits besetzt.
Die Blockade Sowjet-Nuhlands.
»^ Berlin, 17. Oktober. lS. C.) Die Avttvort der dentschen Regierung anf das Verlangen der Alliierten nach ltuterffiitznng der Blockade gegen Sowjet- Rußland wird schon in Der nächste« Woche nach Versailles abgehe«. Soweit Mitteilnngen darüber im Aus- schnß der Nationalversammlung gemacht worden sind, wird die deutsche Antwort trotz aller sachlichen Eiu- wenbungeu und Vorbehalte keine Rblehnnug der E»- tenteforderungeu bringe«.
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Englands Kriegswille.
Die „Times" veröffentlicht einen Auszug aus einem Buche Lord Fisders, das in Kürze erscheinen wird und in welchem der Admiral seine Erinnerungen an König Eduard wiedergibt. In einem Briefe Fishers an König Eduard aus dem Jahre 1907 schreibt er u. a.: „Nichts Welt hat England so sehr zu fürchten als Deutsche . - Diese Furcht vor Deutschland kommt in mehreren Teilen der Memoiren zum Ausdruck. „Deutschland ist der SeiuD Englands, gegen den schmiedet werden müssen, politische, wirtsch militärische." Bezeichnend für diese Ansicht____ .
sein Brief an den König vom 17. März 1908. „In einem Kriege gegen Deutschland," so sagte Fisher in diesem Briefe, „haben wir Rußland nötig. Wir müssen und deswegen mit Rußland verbünden und ihm gestatten, die Aalandsinseln gegen Deutschland und Schweden zu
in der Welt hat Ew land." C ' '
»K Deutschland Offensive ni Deutschland
«e- »ud
ir den Krieg gegen Deutschland, ichweden in der Tasche. Wenn unsere mell und überwältigend einsetzt, wird Ostsee schließen, ebenso wie die Türkei
lanS und die ct. Daß wir einmal gegen Deuts land zu kämp en haben werden, ist schon aus dem Grunde sicher, aß Deutschland ohne diesen Kampf keine kommerzielle AusSehnung gewinnen kann. Ich hoffe, daß Ew. Majestät mir verzeihen werden, wenn ich mich mit Politik beschäftige, und glaube. Satz meine Ansicht die richtige ist, daß wir in einem Krieg gegen Deutschland Rußland und die Türkei auf unserer Seite haben müssen." In einem andererc Briefe und in vertraulichen Gesprächen mit dem Körttg kommt Fisher immer wieder auf diesen Punkt zurück und betont die Notwen- draket^ des Büudntfses wt der Türkei und Rußland.
Der Frieden.
** Sem, 17. Oktober. (T. U.) Ttttoni hat die vom König von Italien unterschriebene Rattfikationsur- lunde nach Paris gebracht. Doch steht das Datum der feierlichen Uebermaße noch nicht fest. Der Oberste Rat beriet über das Jukrafttrete« des Friebeusvertrages. Astch dies Datum ist noch unbestinnm. Der Borsitzenbe der deutschen Friedensdelegation, Freiherr von Lers- ner, wird die bereits gemeldete Uebersiedelung nach Paris erst nach Inkrafttreten des Friedensvertrages vornehmen.
** Rotterdam, 17. Oktober. tS. C-» „Daily Mall" meldet aus Montreal, die Ratifikation des FriedenS- vertrages durch Canada ist am 13. Oktober erfolgt. Die Freilasiung Der deutsch« ™
Anfang Oktober verfügt---------
Die Prüfung Der Friebensmöglichkeiten.
ten Zivilinternierten ist bereits
worden.
w Berlin, 17. Oktober. (S. G.) Als erster Untee- auSschnß deS parlamentarischen Untersuchungsausschusses nahm die von dem Abgeordneten Warmuth geleitete Kommission zur Prüfung der Friebeusmögltch« feiten ihre Arbeiten auf. Am Mittwoch wird in öffentlicher Sitzung die erste Vernehmung stattfir.' . zwar die des Botschafters Grafen Berustorff.
inden, und
Auslieferung weiterer Schiffe.
** Paris, 16. Oktober. (WTB.) Der Oberste Rat hat den Entwurf einer Note gebilligt, die an die deutsche Regierung gerichtet werden wird und in der die Aur^- Neferung der dcuffcheu Schiffe an die Alliierte« «n» Affociicrtcu gefordert wird, die während des Krieges an niederländische SchiffSgesellschaften abgetreten worden sind und die sich jetzt in deutschen Häfen befinden. Der Verkauf wird für ungültig erklärt.
Die Stteiflage i« Berlin.
Herzogtums ott verhüte, : werden, so
n* Berlin, 17. Oktober. (T. 1L) Im Laufe des Donnerstags drohte die Lage im Metallarbeiterftrett bedenklich zu werden. Die Gewerkschaftskommission und die 1Ser-Kommisstvn hatten einen Aufruf erlassen, in dem der Streik der ElektrizitätSarbeiter allgemein gefordert wurde. Infolge der Einsicht der Arbeiter der städtischen Elektrizitätswerke konnte, von einigen Aus- nahmesällen abgesehen, die elektrische Kraft- und Licht- cersorgung aufrechterhalten werden. Die Arbeiter der Elektrizitätswerke in Moabit, Weitzensee, Strahlau- Rummelsburg und Bitterfeld haben beschlossen, bis Freitag früh 8 Uhr zunächst weiter zu arbeiten und dann in Betriebsversammlungen erneut zu der Streik- frage Stellung zu nehmen. Die staatlichen und städtischen Behörden sind entschlossen, im Falle der Not die bereitstehenden Abwehrmittel, insbesondere die technische Nothilfe, unverzüglich einzusetzen. Gestern nachmittag ist die Nothilfe bereits in Aston getreten, und zwar im Charlottenburger Elektrtzitätörverk, wo die Heizer und Maschinisten plötzlich in den AuSstand getreten waren. Durch das Eingreifen der Nothilfe
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