Hersfelder Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
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*1 Amtlicher Anzeiger ^ - für den Kreis Hersfeld
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Nr. 238
Dienstag, den 30. September
1919
Seulsch-Mrreich bmkersll.
w Wien, 28. September. lT. U.) Gestern hat ein Kabinettsrat stattgefnnden, in dem die Frage der Geldbeschaffung zur Bezahlung der Lebensmitteleinfuhr berate« wurde, da die von der Entente gewährte« Kredite erschöpft sind und Geldmittel überhaupt nicht mehr zur Verfügung stehen. Es wurde der Beschluß gefaßt, Kunstwerke aus staatlichem Besitz an das Ausland zu veräußern. Es handelt sich dabei nicht um Kunstwerke, die in Sammlmugeu vereinigt sind und nach dem Frre-
iqt sind und nach dem Frie- sind, sondern nur nm er«-
Sensvertraq unverkäuflich .......
3«Ine Objekte in staatlichem Besitz.
m- Parts, 28.. September. (T. It.) Emer Depezche aus Wien zufolge, soll die österreichische Regierung Mit Rücksicht auf die trostlose Versorgung des Landes mit «ebensmitteln und Kohlen beabsichtigen. den Bankerott zu erklären und die Regierungsgewalt in die Hand der alliierten Missionen in Wien zn lege«.
Ausbruch besAsesbahserflreiksi» Sozi«» »^ Kopenhagen, 28. September. lT. U.) Die Ankündigung des Eisenbahnerstrecks in England hat eine völlige Panik hervorgerufen. Man hatte bis zur letzten Minute auf Sie Abwendung des Ausstandes gehofft. Die letzte« Züge, die vor Mitternacht noch verkehrten, wurden buchstäblich gestürmt und waren uber- füllt, so daß viele Reisende die. Fahrt auf den Trstt- brettern mitmachen mußten. Erne Reihe großer Firmen wußte sich andere Berkehrsmoglrchkerten zn sichern. In allen größeren Verkehrszentre« will man eine Menge Flngzenge stationieren, Sre den wichtigen Ver- kehr übernehmen können.
Die Maßnahmen der Regierung.
Sie 8eve Monis in der Kammer.
Aus Rom wird gemeldet: Ttttoni machte am Sonnabend in der Kammer die erwarteten Ausführungen über die allgemeine Lage und die Friedensverträge mit Deutschland und Oesterreich. Er führte aus: Bei Ende des Krieges hoffte man, daß der Sieg die Aner- kennuna unserer nationalen Zlusprüche im Ausnmtz der von uns gebrachten Opfer bringen würde: aber das Gegenteil trat ein. Die italienischen Delegierten nnißten täglich reden, um nur einen Tett des nationalen Programms zu verwirklichen. Die Ereignisse in Ungarn, Rümänien, Oberschlesien und anderwärts hatten die Friedenskonferenz gezwungen, von ihrem Hauptziel, die Friedensverträge abzuschlietzen, abzuse- hen. Die Konferenz mußte die Mission übernehmen, Europa zu lenken, und es ist nicht abzusehen, wann sie diese schwieriqe Tättgkeit einstellen kann. Im Januar 1918 hat Wilson in seiner Botschaft an den Kongreß erklärt, daß er die abgeschlossene« geheime« Verträge nicht ««erkenne. Folglich rnutzte dem Loirdoner Akt jeder Wert «-gesprochen werden. Ferner verkündete er seine 14 Punkte, in denen man schon die Möglichkeit eines Mißverständnisses mit Italien sah. Am 17.
rertett, der lautet: Die Kammer ersucht die RegierurkL ' Verhandlungen mit den Signatarmächien des Vertrages von Versailles einzuleiten, um einen Zusatz zum Friedensvertrag anzunehmen, der die Eniwaffnnng Dentschlands nnd seiner Verbündeten effektiv macht durch das Verbot gewisser Kriegsindustrien mrd sonst notwendig erscheinende Maßnahmen.
b* Berlin,, 28. September. (T. U.) Zum englischen Eisenbahnerausstatt-e wird berrchtet, die englische Regierung hat Maßnahmen getroffen, um ine Lebensmittel,Zufuhr zu sichern. Die Regiernng beabsichtigt, die Streiks mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln z« bekämpfe«. Die Demovilisation wurde nu= Zerbrochen und bewaffnete Truppen werden, werr» «o- nir--ww^ au brechen.
Man erwartet die Einstelinng der KohlenzüfAhr. Dre Regiervng erklärt, es sei notwendig, zur Rationternug wie in den schlimmsten Tagen des Krieges zurückzu-
en!
kehren.
Eine Million Eisenbahner ausständig.
m. Haag, 29. September. lT. UZ Der Verband der Maschinisten und Heizer hat sich dem allgemeinen Eisenbahnersireik bereits angeschlossen. In Irland ist der Streik noch nicht verkündet. Um Transporte mit Lastautomobilen durchzuführen, wurden bereM frei- williae Arbeiter angeworben, denen nnNtarische Deckung zur Verfügung gestellt werden soll. Alle Urlauber sind zurückberufen worden. Dre Zahl der Streikende« wird aus nahezu 1 Million geschätzt.
«-* Haag, 29. September. lT. U Her Maschinisten und Heizer hat sich Eisenbahnerstreik bereits angeschlossen.
Maßnahmen gegen den Streik.
» Berlin, 29. September. (S. C.) Das Reichswehrministerinm hat für den Fall der Durch- fMrung der mrgeSrohten Streiks in der. Versorgung Berlins nnd der Sentschen Grotzstadte mit Licht und Gas innerhalb der Reichswehrtrnppen eigene technische Formationen der Reichswehr SerertitEen lassen. In einer Mrsammlnna revolutronarer Eisenbahner. der Grotzberliner BetriebsweiEstätten wurde bei eruem Eingreifen der technischen Abteilungen der Reichswehr > der Generalstreik der Sentschen Eisenbahner ««gedroht.
AnsSehrtÄNg des Streiks a«f das Reich?
b* Berlin, 29. September. (S C.) Wie wir erfahren, ist für kommevben Sonntag nach Berlm eine Besprechung der revolntionären Betriebsräte ganz Dentschlands einberufen worden, in Ser die AnsSeh- nung Ser gegenwärtigen Streikbewegung in Berlin nnd Sen HafenstäSte« auf Sas ganze Reich znr Erör- ternvg steht.
Der Metallarbeiterstreik.
x Berlin, 27. September. lS. C.) In eiiier gestrigen Metallarbeiter-Versammlung teilte ein Redner mit, daß die Metallarbeiter der Sentschen Großstädte in längstens zwej Wochen in den Sympathiestreik für die streikende Berliner Metallarbeiterschaft eintreten wurden.
Der Seemannsstreik in Bremen.
b* Bremen, 27. September. lVts.) An dem. Hiesigen Seemaunsstreik sind im ganzen 20 Mann beteiligt, so- daß der Betrieb im Hafen und das Entlmchen der Schiffe so gut wie gar keine Nnterbrechunaen erlitten hat.
Der Lan-arbekterstreik im Kreise EckervförSe.
Rendsburg, 28. September. lT. U.) Im Kreise Eckernförde sind bisher rund 5500 Landarbeiter im Streik. Eine Reihe von Höfen hat militärische Besatzung erhalten.
Der Gerichtsbeamtenstreik in Posen.
** Thor«, 27. September. lB. T.) Die Lage tat Streik der deutschen Gerichtsbeamten, der rm besetzten Gebiet Posens ausgebrochen ist, hat. sich lant ,,Dzienmk Poznauanski" verschärft. Die polnische Militärbehörde ist mit dem polnischen Justizministerium in Verbindung getreten, um auf Grund des Belagerungszustandes die streikenden deutschen GerichtsbeamtAr mit militärischen Machtmitteln zur Arbeitsanfnahme^zn zw»n-
Januar wurde unter Zustimmung der italienischen Delegation beschlossen, daß Beschlüsse der Friedenskonferenz einstimmig gefaßt werden müßten. Folglich konnte eine für uns günstige Stimmabgabe seitens Enqlands und Frankreichs für uns keinen Wert haben, wobei die Stimme Amerikas fehlte. In einer Sitzung der Konferenz hatte sich Wilson neuerdings dahin ausgesprochen, daß es sich nicht nur um eine Unterhandlung zwischen Italien, England und Frankreich handele, daß Amerika vielmehr das Recht zustehe, ' ihm gehörige« Platz emznnehmen und die adriatifche Frage in einer Weise zu behandeln, daß Amerika dem Londoner Pakt in keiner Weise Rechnung zu tragen
müßten. Folglich mmabgabe seitens
den
Die Entwaffnung Dentschlands.
Der Friedensausschutz der französischen Nummer versuchte, für die Tagesordnung Andrä Lefövre einen Wortlaut zu finden, dem die Regierung zustinrmen könnte. Laut „Matin" schlug Godart nach längerer erregter Aussprache folgenden Wortlaut vor: „Die stammet ersucht die Regierung, Verhandlungen mit den alliierte« und assoziierten Mächten anz«k«ndiacn, um die Entwaffn«ng Deutschlands und seiner Alliierten -«rch Verbot gewisser Kriegsindustrie« und alle notwendig erscheinenden Maßnahmen effektiv z« machen." Der Ausschutz wird am Montag diesen Wort- laitt nochmals besprechen und zugleich eine Tagesordnung Auriol betreffend eine interalliierte finanzielle Solidarität mit dem FinanzMnister Kwtz erörtern. Laut „Matin" will Andrs Lef6vre am Dienstag die fo- fortige Besprechung seines ursprünglichen Vorschlages verlangen.
Im französischen Senat hat Senator Gaudin de Mlleine einen Antrag eingebracht, die Session des Senats und der Kanrmer sofort für geschlossen zu erklären und am 1. November für die Dauer eines Jahres eine konstituieren-e Nationalversammlung wählen zu lassen, deren Aufgabe es sein soll, den Friedensvertrag mit Deutschland sowie die Friedensverträge Oesterreichs, der Türkei und Bittgariens zu ratifizieren, den Präsidenten der Republik zu wählen und alle notwendigen Steuergesetze zu erledigen.
brauche.
Kerne Annexion Fiumes.
6* Lugano, 29. September. lT. U.) Im italieni- schen Kronrat haben sich, wie „Corriere della Sera" meldet, sämtliche Mitglieder mit Ausnahme von Bissen lati, Marcon, Bonatt und Borzlli gegen Sie Annektion ')^^ÄWW«iLMüksVrochLN.. Die Antzvort WUsons, die
die Opposition gegen das Unternehmen zu
$-* Lugano, 28. September. lT. U.)
Antrag im Kronrat, Fiume mit zu besetzen, wurde angeno- ö'Annnnzio erkennt die itai
b* Lngauo, 29. September.
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sche
'iolittrs
regulären Truppen
Regierung nicht an.
_________ (T. U.) Admiral Cagni ist i« Fiume eingetröffe«. Er hatte mit d'A«- nunzio eine längere Untervednng. Auf die Frage, ob er gesonnen sei, mit der Regiermrg zn verhandeln, antwortete d'Annunzio, Satz er Sie gegenwärtige Re- giernng nicht anerkenne und jede Verhandlung zurück- weise.
mes" melden aus Rom, daß das Gesamtministerium angesichts der allgemeinen Volksbewegung für Fiume bei den Alliierten die Abänderung ihres Beschlusses beantragt hat, der die Räumung Fiumes durch Gabriele d'Annunzio fordert.
** Rotterdam, 27. September. (S. C.) „Daily Mail" meldet aus Rom: Der Gemeinderat der .Hauptstadt hat eine Sympathie-Drahtung an d'Annunzio be- schlosien.
b* Rotterdam, 27. September. (S. C) Nach Berichten aus London ist in Rom eine Note Wilsons angekommen, die in kategorischer Form Ne Räumung Fiumes verlangt. Die Generale Fabrici und Etna sind ihrer Posten enthoben worden.
Wilsons Antwort in der Fiumefrage.
Wie „Chicago Tribune" meldet, hat Wilson Italien seine Antwort in der Fiunrefrage zugehen lasse«, in der er sich kategorisch weigert, den Borschlag Tittonis, daß Finme italienisch werden soll «vb der Hafen z« internationalisieren fei, überhaupt in Betracht zn ziehen.
Italienische Expedition gegen Albanien.
Nach Meldungen verschiedener italienischer Blätter ist die italienische Regierung entschlossen, ein besonderes Expeditionskorps aufzustellen, um es gegen Stidslawie«
ExpedrttlMskorps aufzustellen, um es gegen Sü und Albanien zu verwenden, wo die Bluttaten gegen Italiener in immer ausgedehnterem Maße zmrehmen. Laut „eecolD" haben in den letzten Wochen die Albaner mehrere 100 italienische Offiziere und Soldaten nieder-
Die Schuldfrage am Kriege.
b* Rotterdam, 29. September. (S. C.) „Daily Mall" meldet aus Paris, die Unterkonimission des Rates der Alliierten zur Prüfung der Schuldfrage am Kriege hat ihren ersten Bericht am Freitag abgeschlossen. Er fordert die Bestrafvug -er an dem Ueberfall ans Belgien schnISiaen Personen. Die Liste enthält 111 Namen. Die österreichischen Verössenttichunge n -üh£r^ die Miffchnld Oesterreichs am Kriegsausbruch werden erst in bat fDäteren ^rt»nbiunflen -ex Uw terkommrssion zur Beratung unS Stellung von Antragen Ehren.
4832 stauSrechtliche Todesurteile in NorSfrankreich.
., **. Genf, 29. September. lS. C.) Irn Kammerausschutz in Parrs wurde am Sonnabend von Pichon mitgeteilt, daß nach vorläuffger Fesfftclluna von den Deutschen in Frankreich 4832 standrechtliche Todesurteile vollstreckt worden sind. Die Nachprüsung aller Einzelfälle, die notwendig ist, um die schnldigen Urheber der Todesurteile zur Verantwortuua zu ziehen, wird einen Zettraum von 1% Jahren schätzungsweise umfassen.
Vorbereitung der Eutlasiung -er Gefangene« in Frankreich.
»-*■ Karlsruhe, 27. September. (S. C.) Im Brük- kenkopf Kehl werden- von den Franzosen Uebergabe- räume für die Sentschen Kriegsgefangeue« hergerichtet, deren Abtransport nach der „Straßburger Neuen Zeitung" vier Tage nach der Ratifikation des Friedensvertrages mit Deutschland beginnen soll.
Steinwürfe auf deutsche Kriegsgefangene.
b* Berli«, 27. September. lWTB.) Die Reichszentrale für Kriegs- und Zivilgefangene teilt mit, daß die auf der Heimkehr durch Belgien befindlichen Kriegsgefangenen von der Bevölkerung durch Stein- «nd Glas, würfe angegriffen wurden. Bisher seien 20 Heimkehrer verwundet in Köln eingetroffen. Wegen dieses unglaublich rohen, unmenschlichen Verhaltens gegen die deutschen Kriegsaefangenen, denen endlich nach langen Jahren die Freiheit zurückgegeben ist, wird schärfster Einspruch bei der belgischen Regierung erhoben werden.
Die englische« Arbeiter ««- -er Kaiserprozetz.
^ Rottervam, 27. Sevtember. lS. C.) Nach »e« Lo«-o«er Zeit«ngen vo« heute habe« -ie eaalische Arbeiterpartei «nv die Tr«de-U«ion an Lloyd George KunSgebunge« gerichtet, die die Abvrteilnng -es demt- sche« Kaisers -«rch einen neutralen Gerichtshof ver- lauge«.
Eine Niederlage Wilsons im Senat.
gemetzelt. L:^
Clemeneistrscher Sadismus.
Paris, 27. September. lWTB.) Aus der Ha- vasmeldung über Clemenceaus Kammerrede sind noch folgende Sätze hervorzuheben: Clemenceau erklärte, die «rilttärische« Sicherheiten des Friedensvertrages für Frankreich nicht besonders betonen zu wollen. Er machte darauf aufmerksam, ,datz der Völkerbund noch nicht über Streitkräfte verfüge. Uebriaerrs werde er sich weigern, auch nur einen Mann herzugeben, um etwa Deutschland gegen Wen zu schützen. Der Wert einer Grenzlinie bestimme W «E dem Volk, das dahinter wohne und nach der Politik, die es betreibe. Frankreich habe jetzt eine gute Grenze. Hätte man sie bis an den Rhein vorgeschoben, so würde man dort deutsche Gebiete vor und hinter sich haben.
Ein «nsinniger Antrag.
w Versailles. 27. Septemer. lWTB.)' Der Friedensausschutz der Kammer wird heute nachmittag den Beschlutzantrag des Abgeordneten Andres Lefevre be-
►* Genf, 27. September. iL. A.) Der «merika- ie Senator Lodge hat gestern den stärksten Erfolg ien Wilson errungen. Die Anlagen mit 40 Stimmen gegen 43 r Lo-ges. Dieser wird somit im
Nische Senator Lodge 1 in seinem Kampfe geg« Hänger Wilsons untersi..,..... Stimmen der Anhänger LoSgc . ------- Senat oberster Chef bei allen :"..7...... ?
über die Friedens- «ns Völkerligavorlage«.
alle« künftigen Abstimmungen
Wilson bricht seine Propagandareise ab.
Haag, 27. September. (S. C.) Das holländische Nieuwe Büro meldet aus Washington: SMmt hat auf ärztliche Anordnung seine sämtlichen Reisen absagen müssen. Er führt sofort nach Washington zurück, wo er Sonntag morgen eintreffen wird.
Die Entente «ud Sowjet-Nuhland.
Keine Eiustellnng -er Matznahmen gegen Sie Bolschewisten. v
m Rotterdam, 29. September. (S. C.P Die - ------- ‘ ........— 'n Pariser
„Morningpost" und „Tiures" dementieren in Telegrammen die Meldung der enHlschen Arbc der, daß die Alliierten ton Verzicht auf Maßnahmen gegen den Terror tn Rußland beschlossen hatten. ,Dis „Morningpost" hat Balfmir beauftragt, der erklärte er wisse nichts von einer Einftelluua -er Maßnahme«