Hersfelder Kreisblatt
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Hersfeld. Fiir die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. ■
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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 225
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Freitag, den 26. September
1919
Ställen mr der Enlscheidupg.
Ein grelles Wetterleuchten kündet das Herannahen eines schweren Gewitters auf der Apenninenhalbinsel an. Die Besetzung Fimnes durch d'Annunzio hat in der inneren Lage Italiens und dem Berhättnis zu seinen Verbündeten und besonders zu seinem slawischen Nachbarn an der Adria Komplikationen geschaffen, deren Losung die lateinischen Brüder in schwere Aufregung versetzt und unter ihnen eine große Bestürzung hervorgerufen hat. Die Meldungen sind allerdings fö widersprechend, daß es schwer ist, sich ein klares Bild über die tatsächliche Lage M machem Wenn man die Quellen der Meldungen berücksichtigt, so scheint es, als wenn absichtlich (natürlich auch mit gutem Grunde) die wuchtigsten Tatsachen verschleiert werden. So sieht die ganze Lage sehr verworren aus.
Die Besetzung Fimnes durch AmiMizio stellt sich im- mer mehr als eine Aktion gegen die derzestige Regierung heraus, die in der Fiume- und adriatischen Frage eine schwächliche Haltung gegenüber der Entente eingenommen hat. Auch das jetzt zwischen England, Frankreich und Italien getroffene Abkommen über Fiume ist noch nicht gesichert, weil Wilson allem Anschein iilW seine Zustimmung dazu nicht gibt. Wilson will eben hier den Iuqo-Skawen mehr entgegenkom- men als Italien. Wenn man einer gestrigen Meldung Glauben schenken darf, so hat diese moralische Unter- stützung durch Wilson die Jugo-Slawen in Harnisch gebracht. Starke jugo-slawische Truppen sollen vor Fiume stehen.
D'Annunzio hat der Aufforderung der Regierung, 8turne freiwillig zu räumen, nicht Folge geleistet. Die nwendung von militärischen Zwangsmaßnahmen gegen Fiume scheint aber ein Fiasko m werden, weil die Truppen mit d'Annunzio sympathisieren oder offen zu ihm übergehen. Ebenso wächst auch die Stimmung im Lande für d'Annunzio rapide. Die Lage der Regierung scheint dadurch unhaltbar geworden zu sein. Dtit 9tücE= ficht auf die Stimmung in Heer und Flotte kann die Regierung energische Maßnahmen, durch die sie ihre Autorität im Lande sowie der bewaffneten Macht gegen- . kaum noch ergreifen. Die gegen Fiume angeordnete Blockade wird sabotiert uns die Belagerung der Stadt von den Truppen verweigert. Der Konfliktsstoff hat sich in den letzten Tagen so vergrößert, daß die Lage äußerst ernst und es kaum zweifelhaft ist, daß noch weitere Verwickelungen entstehen werden. Wenn in einer Meldung gefaßt wird, Sag zwischen Italien und Jugo-Slawien ein Einvernehmen über die Fiume- und Adriafrage erzielt Worten ist, so klingt das doch sehr unwahrscheinlich. Die große Bestürzung in Italien, die Einberufung eines Kronrates und die Vertagung der Kammer dürfte ihre Ursache nicht allein in den inneren schwierigen politischen Verhältnissen haben. Wenn die Regierung Nrttr zurücktritt und eine Regierung gebildet wird, die die territorialen Forderungen Italiens mit allen Mitteln durch,zudrücken versucht, um den national-annektionisti- schen Strönlungen im Volke Rechnung zu tragen, dann spitzt sich naturgemäß die außenpolitische Lage Italiens zu, wenn nicht das Verhältnis zu Iugo-Slawren. in diesem Falle sogar stets eine Kriegsgefahr bilden wird.
Die ersten Früchte der Neugestaltung und Neuver- teilung der Welt in Versailles! Die Ententestaatsman- ner wollten der Welt den ewigen Frieden bringen, ha- ben aber in ihrer Verblendung und ihrem Deutschenhaß den politischen Scharfblick verloren und nur, Brandherde für neue Kriege geschaffen, ine mit unwiderstehlicher Gewalt trotz Völkerbund und Volkerversöhnung kommen mü ssen. —
-'Avuunzio besetzt die dalmatinische Küste.
m- Lugano, 25. September. (S. C.) Einer Nachricht des „Messagero" zufolge sind TruVvmrabteilnngen d'Annunzios in den dalmatinischen Städten gelandet und haben Zara besetzt. Auch die Befetznng von Spa- kato ist geplant,
Italien bittet seine Verbündeten um Hilfe.
Rotterdam. 25. September., (S C.) Ein Pariser Telegramm ans London berichtet, die italienische Regierzing habe die Alliierten erincht. alliierte Tmtp- peu mit Aus«atzme italienischer nach Fiume znr Vertreibung d'Ar-nnnzios zu entsenden.
Werbung von Freiwilligenkorps für dAnuunzio in den Kasernen.
»-f Zürich, 25. September. (S. C.). Nach Meldungen ausArgitand fordern Flugblätter in den Kafernen zur Bildung von Frerwilligen-Korp^ für d Annunzro auf. In den Kasernen und auf den Straßen sruden unausgesetzt Kitndgebnngen gegen ine Haltnng der Regre- ruug in der FiÄmefrage statt.
Die Armeekommarrdanten nach Rom bernfen.
im. Zürich, 25. September. (S. C.) Wie aus Roni gemeldet wird, sind die italieliischen Ariiieekourmandan- ten für Freitag nach Rom berufen worden.
Italiens gefahrvollste Lage.
Mtt Ausiiahme der „Idea Nationale", die, wegen der unheilvollen Lage des Landes im Iurreru die Ettr- berusung des Kronrats für berechtigt hatt, kritisiert die regierungsseilidliche Presse diese Maßna^nc, die die AnruheA nur noch verschlimmere und den Glauben an die Tatkraft und Beherrschung der ÖOfie erschüttere. Aehmlich der „Trkbüne" erklären auch andere Blatter, daß die heutige Lage die gefahrvollste sm, die Italien icnialS durmaemocht habe. Die voltttsche Zttkuuft des
Neue Schritte Frankreichs und Englands, f
** Rom, 25. September. (T. XX.) In der Fiume- sraae ist ein neuer Schritt Englands und Frankreichs erfolgt. Beide Mächte haben, wie aus bester Quelle verlautet, Wilson um dringende Erledigung seiner Entscheidung ersucht und ihren Schritt damit begründet, daß die innere Lage Italiens die schwerste Besorgnis errege. Ein Umsturz in Italien könne aber nicht auf Italien allein beschränkt bleiben, sondern müsse eine Rückwirkung auf ganz Europa haben. Trotzdem ist man freilich sehr skeptisch über das Ergebnis dieses Schrittes, da Wilson über das Unternehmen d'Annunzios außerordentlich aufgebracht sein soll.
Frankreich bewundert d'Annunzios Großtat.
Die französische Presse beschäftigt sich ausführlich mit den Ereignissen in Fiume und druckt die Aufrufe d'Annunzios fast wörtlich ab. Die öffentliche Meinung und die Stimmung der offiziellen Kreise sind Italien durchaus günstig.
Wilson und die Alliierte« machen Vorbehalte.
** Bern, 25. September. (T. U.) Wie die „Perse- veranza" aus Rom erfährt, hat Wilson den Ententere- gierungen offiziell mitgeteilt, er werde seinen Entschluß in der Adriafrage erst dann übermitteln, wenn d'An- rmuzio Fiume geräumt habe, »vorher jedoch nicht. Die Alliierten beginnen Vorbehalte zu machen und wollen die Anwendung des mit Tittoni abgeschlossenen Abkommens von der Klärung der Lage in Fiume abhängig machem
ErwartuNg von 32000 Kriegsgefangenen in dieser Woche.
w Berlin, 25. Septeuwer (S. C.) Im Laufe dieser Woche sollen 32 000 Kriegsgefangene auf deutschem Boden eintreffen.
Serbien verhandelt über die HeimschafWitg der Gefangenen.
** Wien, 25. September. lS. C.) Aus Budapest wird gemeldet, daß zwischen Serbien und der ungarischen Regierung Verhandlungen über die Herm- schassung der deutschen Kriegsgefangenen aus Serbien
Der Wiederaufbau Nordfrankreichs.
•* Berlin, 24. September. (WTB.) Durch die Zeitungen ging kürzlich eine Nachricht, daß die Wiederauf- baukommission der Entente Aufträge nicht nur an die englischen, sondern auch an die deutschen Unternehmer vergeben habe. Es wurde insbesondere hervorgeho- ben, daß westfälische Banfirmen zur Herstellung von Ein- und Zwei-Familienhäuser zum Wiederaufbau von Laon aufgefordert worden seien. Hierzu sei bemerkt, daß die Reichsregierung in den Verhandlungen mit der Wiederaufbaukommission den Standpunkt ein- nimmt, den Wiederanfban als Geueralnnternehmer z« übernehmen und Satz von der Reichsregierung ihrerseits die Aufträge erteilt werden. Das von vorheretn beabsichtigte System hat den Zweck, Schiebungen «nd Preistreibereien zu verhindern. Die Verhandlungen mit dem Verband sind bis jetzt noch nicht abgeschlossen und erft, wenn das der Fall ist. wird die Reichsregie- rung in der Lage sein, Aufträge zu erteilen Jnzwi- chen haben englische und französische Auftraggeber in einzelnen Verhandlungen mit deutschen Firmen zu Aufträgen aufgefordert, und von hier aus sind auch wohl hier und dort Abschlüsse zustande gekommen. Es handelt sich aber hier nur um vereinzelte Fülle.
»,* Versailles, 24. September. (WTB.) Gestern hat die Vesichtigungsreise der deutschen Sachverständigen für den Wiederaufbau des zerstörten Gebietes begonnen.
Die Friedensdebatte im amerikanische« Senat.
►* Berti«, 24. September. (L. AI Im amerikanischen Senat begann die Erörterung des Friedensvertrages bei der Besprechung der den Völkerbund betreffenden Bestinmmngen. Die ersten zwei Redner erklärten sich gegen die Anerkennung des Vertrages.
»* Haag, 24. September. (WTB.) Der „Nieuwe Courant" meldet aus Washington vorn 22. September, daß die Abstimmung über die Abänderungsanträge zum Friedeusvertrag am Dienstag begonnen habe. Es ist wahrscheinlich, daß die VorbÄalle zu den Artikel« 10 und 14 des Völkerbundes angenommen werden.
Vorbehalte für die Ratifizierung durch Italien.
w Genf, 25, September. (S. C.) Pariser Blätter melden aus Rom, daß die Ratifikation des Friedens- verlrages nicht vor Mitte Oktober in der Kammer erfolgen könne. »Echo de Parts" meldet, daß sich unter den Abgeordneten der Kammer die Tendenz bemerkbar mache, die Ratifikation der Friedensverträge mit Deutschland und Oesterreich von der Annahme der Friedensverträge in Washington und der Erledigmm der albanischen Frage abhängig zu machem
Pichou zur Aitslicscrungsfrage.
e-* Genf, 25. September. (S. C.) Im französischen Kammerausschutz für auswärtige Angelegercheiten gab Pichon am letzten Sonnabend den Beschluß der Alliierten einschließlich Amerikas besannt, es bei den bisherigen Maßnahmen hinsichtlich der Aburteilung Exkaiser Wilhelms ii. bewenden zu lassen. Pichon teilte weiter mit, für Holland gebe es keine juristischen nnd völkerrechtlichen Gründe, die Auslieferung abzulehnem Der
6ine «eile deutsche Note.
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von Lersner in Versttillss eine «Ste Note üVerrctcht. Sie besaßt sich mit der Unterbringung der deutsche» Vertreter in Paris nach der Ratifizierung des Frie- öensvertraaes durch die französische .Kummer.
Die Berteiluug des Schiffsraubes.
w Amsterdam, 24. September. (WTB.)' Englische Blätter melden vom 22. September aus Neuyork: Die Bereinigten Staaten haben Grotzbritarmien die früheren deutschen Darupfer „Jmperato-Aft „Patrizia" und »Pretoria" übertragen. Wie verlautet, werden die früheren deutschen Dampfer „Graf Waldersee", „Mobile" nnd „Cap Finnisterre" sowie „Kaiserttl Avgusta Viktoria" demnächst Großbritannien übertragen werden.
Ein neuer französischer Aebergriff.
»* Berlin, 25. September. (T. U.) Der deuffchen Regierung ist ein Befehl der französischen Kontrollstelle bei der deutschen Zivilverwaltung im Bezirk Wiesbaden znr Kenntnis aetommen, in der der Regierungs- Sisident von Wiesbaden ersucht wird, jede Eideslei-
ug der -euffchen Beamten z« verbiete«. Jeder Be- amte, der einen solchen Eid leiste oder ih« seinem Untergebenen abnehmen soll, macht sich, wie es in dem Befehl heißt, eines sehr schwere« Vergehens sch«ldig. Die deutsche Waffenstillstandskommission hat auf Antrag der deuffchen Regierung gegen den franzSstscherr Befehl nachdrücklichst Verwahrung eingelegt und die Erwartung ausgesprochen, daß die Alliierten sich bet der Prüfung der Angelegenheit von der Notwendigkeit der Be« seittgung des Befehls überzeugen werd«:.
Die Fra«zose«herrschajt im besetzte« Gebiet.
Nach einer amtlichen Nekantltmachung des Oberbefehlshabers der 10. Armee haben auf der Straße Männer durch Hutabnehmen zu grüßen: die entblößt vorbeigetragenen Regimentsfahnen der Alliierten und bte militärischen Leichenzüge, ferner haben während des Abspielen der Nationalhymnen der Alliierten an üffent- lichen Orten die Männer ihre Kopfbedeckungen abM- nehmen.
Marschall hoffte in Kölu.
m Köln, 25. September. (T. U.) Marschall Ioffre ist gestern nachmittag,, von Mainz kommend, in Köln etugetroffeu. .Ehren^fand um 5 Uhr nachmittags auf dem Domplatz eine große Truppenparade —- statt an der auch englische Tanks teilnahmen.
Die belgische Rechnung.
m- Rotterdam, 25. September. (S. C.) Die ningpost" meldet aus Brüssel, daß die Wieberher- stellungskommission für Belgien bisher 43 Milliarden Franken Forderungen anerkannt bat. Weitere 38 Milliarden Fordeimngen sind noch zu prüfen.
Die Urheber des Krieges.
** Wie«, 25. September. (T. U.) Die Zeitavg „Narod Polirka" bringt eine sensationelle Nachricht ans Paris. Auf Grund der Aukündiguugen des österreichischen Rotbnches wird uämttch die Entente die Anslie- fernng des ehemaligen österreichisch-ungarische« Fiuauz- ministers Dr. Biliuski als eines der Urheber des Weltkrieges forderu. Biliuski ist baute Jinauzurinister des polutscherc Staates und vertritt Paderewskt mährend dessen Anwesenheit in Paris und soll, wie behauptet wird, zum Miuisterprästdeuteu in Poleu ernannt werde«.
Die Autonomie für Oberschlesten.
Im Ausschuß der preutzischeu Lan-esversammluug für die oberschlesische Frage und dem Gesetzentwurf über die Erweiterung der Selbständigkeit -er Provinz wur-e zunächst der vom Zentrum vorgelegte Gesetzeut- wurf über die Errichtung einer Provinz Oberschlesie» in der von der Unterkommissiou vorgeschlagenen Fas- svng bei einer Stimmenthaltung (Uuabh.) angenommen. Nach dem Entwurf soll die Teilnug Schlesiens in eine Provinz Ober- und Niederschlesten am 1. April 1920 in Kraft treten. Ueber die Bermögensauseinan- dersetznng soll ein Gesetz entscheiden, wenn die Vertreter der bei-en Provinzen nicht einig werden. Ein Zen- trumsavtrag, der für Oberschlesien ein besonderes Borschlagsrecht für polittsche Beamte schaffen wollte, wurde abgelehut. Der Gesetzentwurf über die Erweiterung der Selbständigkeit der Proviuzialverbäu-c soll noch "einer dritten Beratung unterzogen werden.
Polnische Lügen.
Aus Berlin wird offiziös gemeldet: Boir polnischer «Seite werben in jüngster Zeit alle Mittel angewandt, um die deutsche Kriegführnng der Grausanckeit, der Hinterlist und des frivolen Völkerrechtsbruches zu verdächtigen Da die Polen hierfür Beweise nicht beibringen können so greifen sie zu den plum- veste« Fälschungen. Dieser Tage wurde ein Warschauer Funkspruch „An Alle" abgefangen, in dem der Inhalt eines angeblichen Befehls des preußische» Kriegsnnuisteriums an den Chef des Stabes der Armee, z. Zt. in Kolberg, wiebergegeben wird. dtach diesem Befehl soll jeder Soldat ber polnischen regulären Armee, -er die Demarkationslinie aber die oberschlesische Grenze überschreitet, als Frankttreur -ehan-ett und erschossen werden. Ferner soll den Grenzwachen empfohlen werden, polnische Soldaten durch Gervalt oder List Mr Grenzüberschreitung zu veranlassen, damit die befohlenen Erschießungen vor genommen werden sönnen.
Selbstverständlich ist niemals cm irgendeinen preußischen oder • deutschen Armeestab eine Anordnuna des tzezeichueterc JuhÄts ergamsen- Ner., pvlnffche $»*.'
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