Hersfelder Kreisblatt
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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr. 212
Donnerstag, dsn 11. September
1919
MSsche Morde
»* Berlin, 10. September. (S. C.j In Berlin und Mitnchen sind mehrere Verhaftungen von Spartakijte» erfolgt, die mit den den Spartakisten ^geschriebenen Mordtaten an unbekannt gebliebenen Personen in der Umgebung Berlins in Verbindung gebracht werden. Nach den behördlichen Feststellungen sind in den letzten acht Tagen elf ««bekannt gebliebene Leichen in der Umgebung Berlins aatsgefnnde« worden. In allen Fällen werden spartakistische Meuchelmorde ang< wen. In drei Fällen konnte spartakistische BeterUgnng bereits festgestellt werde«.
:enom-
Hierzu schreibt uns weiter unser Berliner M.-Msi- arbeiter: Anstelle des offenen Aufruhrs ist retzt der politische Mord getreten. Die Ermordung des Gutsinspektors Karl Blau in Berlin ist nur eins von den vielen gemeinen Verbrechen, die Spartakus jetzt an seinen Feinden begeht. Er arbeitet jetzt ganz nach mtn- listischem Rezept. Er fällt in Sitzungen, die der alten unheimlichen Feme gleichen, Todesurteile und vollzieht sie nach strenger Methode. Es ist jetzt festgestellt, daß der Gutsinsvektor Blau von den Berliner Kommmmten am Abend des 1. August in einer Kommunisten ver sammlung zum Tode verurteilt und sofort hingenchtet wurde. Er wurde durch einen Strick erwürgt, in Decken geschnürt und dann in den Landwehrkanal geworfen. in dem seine Leiche erst am 7. August wieder- gefunden wurde. Das Urteil war von einem Schläch- tergesellen vollzogen worden, bei dem man später bei seiner Verhaftung ein blutbeflecktes Notizbuch fand, auf dessen erster Seite folgende charakteristische Worte standen: „3ur Erinnerung an meinen lieben Genossen, den Matrosen F. Müller, gefallen vor dem Polizeiprä- fidium im März 1919." Und dahinter standen dann die Worte: „Seh ich Dein Blut vor meinen Auge::, dann packt mich eine Wut: denk ich an deine Kommn- hab' ick wieder Mut."
____ .ÜUtsinspektor BlarM der eveMmS oem jg^ munistenbunde angehörte, war als Remerungsspitzol entlarvt worden, und es aalt, ihn aus seinem Aufenthaltsort München nach Berlin zu locken, wo an rhm das Todesurteil vollzogen werden sollte. Und der Plan gelang auch. Blau ist nicht der erste und e-nzme, der der Spartakusjustiz zum Qpser gefallen ist. Bor ihm wurden schon viele andere, aus dem Wasser gezogen, deren Identität meist nicht festgestellt werden konnte. Und auch Blau hatte man vorsorglich erst, bevor er Hingerichtete wurde, alle Papiere abgenommen, die über seine Persönlichkeit hatten Auskunft. neben können. Nur dem Zufallwar es zu danken, daß man diesmal die Person des Ermordeten feststellen konnte. Im Kampf mit seinen Henkern hatte er ernen Kofferzettel in seiner krampfhaft zmammengeballten Hand behalten, den er auch im Tode noch festhielt, bis der Arm der Gerechtigkeit die Mörder erreichte.
Durch diesen Mord ist mau einem furchtbaren Sv- ' stem fpartakistischer Rachfucht und Kamvfeswerie auf die Spur gekommen. Dem Münchener Spartakisten Prozeß wird ein viel größerer folgen, der in Noch vim schrecklich er Weise die Gefahr aufdeckt, in, der Deutich- land geschwebt Hat und noch schwebt. DieKommum- sten kämpfen mit allen Mitteln des.Saff.es und der Berzweickung, nur um ihre Ideologien, ihren wüsten und fieberhaften Traum, in die Wirklichkeit umMfetzen. Sie sind so von ihren Fnhrern aufgehetzt, daß jeder Belehrungs- und Bekehrungsversuch vollkommen erfolglos ist. Die russische Tragödie und auch die ungarische hat sie nickt nur nicht zur Vernnmt gebracht, sondern sie sogar noch viel mehr sanatrstert. Es galt, die Lehren des salsch verstandenen Marx und des -val- fchers Lenin mit aller Rücksichtslosigkeit zu verwirklichen. Der bürgerliche Staat muß zertrümmert werden und die „bürokratisch-militärische Maschinerie darf nicht mehr wie in srüberen Revolutionen von einer Hand zur anderen nbergehen, sondern sie muß, wie
1871 schrieb, zerbrochen worden. Nach Marxscher Theorie ist der Staat das als herrschende Klaffe orgamsterte Proletariat. Um aber einen solchen Staat zu schassen, muß der alte von Grund aus zertrümmert werden, lind deshalb schrecken diese fanatisterten Bekenner e:- i ues falschen Evangeliums vor unsinnigen Verbrechen und verbrecherischem Unsinn nicht zurück, da nach ihrer festen Ueberzeugung die neue Welt des zimffelhaften Glücks der grauen Gleichheit erst aus dem Rauch und den Trümmern der alten erstehen kann.
hroklamaN«» der »Mb!» Messet».
^- Koblenz, 10. September. (T. U ) Die Regierung der Republik Birkenfeld erläßt folgende Prokla-
mation:
1.) Die 6 ies Oldenbur,
selbständige ches erklärt. ~. — .
M SÄ?» Mitglieder der Regiern
le Provinz Birkenfeld des Freistaa- ich von Oldenburg losgelöst und als -k im Verbände des Deutschen, Rei- . Regierung der gtepublik Birken- aßen zusammen: Ludwig Roller Eifel und Wilhelm HaiM als »8. 3.) Die bisherigen Staats- mnrimrnngk,» vivivui bestehen. Die Beamten bleiben im ?lmfc und führen die Geschäfte weiter. 4.) Die Gerichte haben Recht zu sprechen im Name« der Republik Birkenfeld." _ _
Ausgeiviesen wurden der Bürgermeister Schmidt, Gyumasialdirektor Binnebösel und verschiedene Ober- lelmer, weil sie ihr Entlassungsgesuch nicht zurückzreben wollten. Ueber die Leitungen wurde die Vorzensur
serhänat.
Die Stellnng der Birkenfelber Beamten.
** Oldenburg, 9. September. (WTB.) Auf eine Anfrage des Neichskommiffars, durch den die Birkenfelder Beamten bei der Reichsregierung anfragen ließen, ob ihnen, wenn sie im Interesse des Landes auf Befehl des Militär-Verwalters unter Androhung von Zwangs- matzregeln die Dienstgeschäfte weiterführen, dienstliche Nachteile erwachsen würden, wurde vom Staaisministe- rimn geantwortet: Ermächtigung zu Dienstleistung unter gesetzwidriger Regierung kann nicht erteilt werden. Bei solchen Beamten, welche unter Zwang Dienst leisten, wird die Verantwortung irr jedem einzelne:: Fall aeprttst werden. Den Beamten, die her gesetzwidrigen Regierung den Dienst verweigern, bleiben alle gesetzlichen Ansprüche aus dem Beamtenverhältnis gewährleistet.
Jkmkeichs Angst vor Zenstchlandg Wie«
Die französische Fassung der Antwortnote abgelehnt.
w Lugano, 10. September. (T. U.) In der gestrigen Sitzung des Obersten Rates, in der die an Deutschland zu richtende Antwort beraten wurde, hat, wie „Karriere della Sera" aus Paris berichtet, Frankreich eine sehr scharfe Fassung für die Antwort vorgeschlagen, die aber von der mnerikaniscken Delegation abgelehnt wurde. Die Amerikaner werden für heute eine neue Fassung vorschlagen. Nach den: genannten Blatte ist man in amerikanischen Kreisen durchaus nicht der Au- sicht der Franzose«, die dem umstrittene« Artikel 61 der deutsche« Verfassung eine übertriebene Bedentuug bei: .wiegen versuchen. Im Gegenteil sind sie überzeugt, datz die Gesellschaft der Nationen sofort nach ihrer Konstituierung die Vereinigung Dentfch-Oesterreichs mit Deutschland werde anerkennen müssen, falls diese wn den Oesteneichern gewünscht werde.
Zusammentritt der Naffoualversauunlung.
im- Berlin, 10. September. (S. Cö Die Nationalversammlung wird Anfang kommender Woche zu einer ^»^^||i^ij^
in Berlin keine Ablehnung finden.
Erhöhnng des französischen HeeresbestandeS.
w Genf, 10. September.
'er Blätter
mclben, daß der neue französische Heeresetat eine Erhöhung des Heeresbestandes gegenüber dem Stand vom Jahre 1914 um zwei Armeekorps bringen wird. Die Erhöhnng wird sich aus den wehrpflichtigen Elfaß- Lojhringern und einer neuen Division von Kolonial- trupven zusammensetzen.
EnMsche Desavourerung Lansings.
«“* Rotterdam, 10. September. (S. C.) „Daily Mail", „Morningpost" und „Times" nehmen Stellung gegen Lanstngs Verzichterklärung auf den Kaikerycozetz und fordern von Lloyd George die Erfüllung seines Versprechens, Wilhelm II. als Urheber des Krieges zur Verantwortung zu ziehen und der Bestrafung znzufüH- ren. „Daily Expreß" will erfahren haben, daß Englands Stellungnahme in der Prozetzfrage durch Lansings Auslassungen nicht berührt würde. Lansing habe nicht im Namen der Alliierten, solchem in seinem eigenen Namen gesprochen. Maßgebend für das Prozeßverfahren wiirde die Mehrheit der Mirerten sein
Amerikanischer Antrag ans Sonderfrieden mit Deutschland.
«-* Rotterdam, 9. September. (S. C.) „Daily Mail" meldet aus Neuyork: Se:mtor Lodaes Antrag auf einen Sonderfrieden Amerikas mit Deutschland ist im Senat eingegangen.
Verbot Sentscher Versammlnugen im Saargebiet.
►* Berlin, 9. September. (8. A.) General And-auer hat im Saargebiet Versammlungen, in denen das Bekenntnis zum Deutschtztm erneuert werden sollte, verboten.
Konstituierung des VölkerbvndeS.
Das Pariser „Journal" meldet, daß nach einer Regierungserklärung im französische:: Ka:nmerausschl:tz die Friedenskonferenz bis Ende März 1920 in Paris verbleiben soll. Frühestens im April suchet die konstituierende Sitzung des Völkerbundes in Paris statt.
Neue ANfstünde in Oberschlesien?
•* Berlin, 9. September. ,S. C.) Von einer -.mi- lieben Stelle wird mitgeteilt, die Nachrichten über Oberschlesien lassen erkennen, daß mit einem Wiederaufflammen des Anfstandes zu rechnen sei. Die immer zahlreicher werdenden Baudenvorstötze über die Grenze beweisen, daß die grotzpolnische Organisation sich aber- mals der UnterstttiMng der polnischen Truppen an der polnischen Grenze bedient. Die Absicht der Anfständi- gen geht dahin, eine frühere Besetzung Overfchlestenö als geplant, durchznsetze». Die Polen rechnen damit, daß in diesem Fall die bevorstehende Abstimmuna in Overschlesien zu ihren Gnnsten beeinflußt würde.
Vorzeitiges Eingreifen der Entente in Overschlesien.
** Genf, 10. September. (S. C.) Der Vorsitzende der Generalkommission der Entente in Oberschlesien trifft „Echo de Parts" zufolge Ende nächster Woche in Paris ein, um dem Rat der Alliierten Bericht über die Schuld an den Vorgängen in Overschlesien und über ZwischeUmatznahmen der Slviierten vis znr Besetzung Oberschlesiens durch Ententetruppen zu erstatten.
Besetzung Overschkestens erst nach der Ratifikation.
e* Breslan, 9. September. (S. C.) Nach einer Erklärung PichonS im Stäbe des 9. Armeekorps wnd Oberschleliw von den Alltierten erst nach der Ratifika-
ifim des Friedensvertrages besetzt. Die Stärke der in« teralliierten Besatzungstruppen soll eine Division be- tragen.
Einigung in der oberschlestschen Industrie.
»* Berlin, 9. September. (8. A.) ^Vn der Berg- und Hüttenindustrie Oberichleuens ist eine Einigung zwischen Arbeitern und Arbeitgebern und den Betriebs-
Autonomie für Overschlesien.
* * Berlin, 10. September. (T. U.) Wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung" so« unterrichteter Seite erfährt, ist es durchaus wahrscheinlich, daß der preußischen Landesversammlung gleich nach ihrem Zusammentritt in der zweiten Hälfte dieses Monats ein Gesctzevt- mnrk über die Verleihung der Provinzjalantonomie in Oberschlcfien znr Beschlußfaffnng vorgelegt werden wird..
Polnische Umtriebe in Ostpreußen.
Berlin, 10. September. (S. C.) Nach Mel- dnngen ans Allenstein zeigen sich anch an der Grenz« des Kreises Allenstein polnische Trnpvenkonzentriernn« gen. Flugblätter unter den Polen des Kreises sprechen von der nahen polnischen Befreiung der polnischen Gebiete Ostpreußens.
Die Räumung Kurlands.
* * Berlin, 10. September. (S. C.) Die Unterwer« snttg der deutschen Truppen in Kurland unter die Anordnungen der Reichsreaierunq wird in direkten Tele- gramvien der Armeeoberleitung bestätigt. Die Armeeoberleitung hofft, daß der Abtransport der Truppen aus Kurland bezw. ihre Rücknahme ohne weitere Zwischen- falle durchznführe« sein wird.
Bolschewistische Banden im geräumten Kurland.
* * Mita«, 9. September. (B. Tst Zahlreiche Banden ehemaliger Bolsclu-misten Reiben nach dem Abzug -5er Deutschen in Sru^ub ihr Unwesen. So übernit eine Bande bei Talje» wmrkMMneWWWWMM gen. Lettländische Soldaten und Regiernngsbearnte wurden entivaffnet und als Geiseln in die Wälder geführt.
Keine bewaffnete Intervention Englands in Sowjet- Rntzland.
In einer Unterredung mit dem Vertreter der „Hellingen Sanomat" hat der englische Geschäftsträger in Helsingfors geäußert, daß auf eine aktive Teilnahme Englands an einem Vorgehen gegen die Bolschewiki kanm zu rechnen sei, «da dieser Gedanke in den verschiedenen politischen Kreisen Englands auf schärfsten Widerstand stoße. In den englischen Reqiernnqskreisen herrscht die Ansicht vor, daß man in England die Entwickelung der Verhältnisse in Rußland als Außenstehender verfolgen, jedoch ein bewaffnetes Eingreifen vermeiden möchte. Er glaube nicht, »daß Petersburg in der nächsten Zukunft geräumt werde.
Kämpfe an der polnisch-litanischen Front.
h- Rotterdam, g. September. (8. A.) Die „Times" berichten aus Warsckan vom 7. September: Die polnischen Truppen befinden sich im Kampfe mit den Litauern längs des nördlichen Abschnittes der Eisenbahnlinie Wilna—Dünabnrg. Den Grund des Kampfes bildet das Mitztranen gegen Litauen. Foch bat vor einigen Wochen den Litauern gestattet, die Eisenbah«» Hute bis 25 Kilometer südlich Dünabnrg zu besetze«. Seitdem rücken die Polen gegen die Beresina vor, um die Düna Mm SchnU gegen den liianischen Flüael benutzen zn können. Sie stehen beinahe vor Dünabmrg.
Deutsche WaffeutteferuKgen an die Tschechen.
* * Wien, 9. September. (WTB.) Der „Abend" rnelöet <eus München, daß die Entente aufgrund einer Note des Generals Duvont gestattet bat, folgendes Kriegsmaterial aus Deutschland in die Tschecho-Slowa- kei ansznffrhren: 50 000 Mausergewehre, 10 000 Karabiner, 2000 Maschinengewel re mit fe 19 000 Schutz, 500 Scheinwerfer mit Zubehör. Die Verhandlungen wegen Lieferung des Kriegsmaterials hatte die internationale Handelsgesellschaft in Nürnberg übernommen Es ist Tatsache, daß seit einigen Wochen Waggons mit KriegS- waffe« nach der Tschecho-Slowakei laufen. Im übrigen finden nenerliche Verhandlungen in Berlin mir dem Gesandten der Tschecho-Slowakei, Dr. Zörner, statt, die sich auf die Lieferung von Kriegsmaterial Cesieben. An Wiener amtlichen Stellen liegt über diese Mitteilung bisher keine Bestätigung vor.
Die Entente für eine Koalitivusregiernng in Ungarn.
t-* Wie«, 9. September. (WTB.) Der Führer der ungarischen Sozialdemokraten, Garami, ist gestern aus der Schweiz hier einaeftofren und reist heute nach Budapest. Seine Verhandlungen in der Schweiz mit der Entente ergaben, daß der Entente eine Koalitionsregie- rnng auf breitester Grundlage willkommen ist. Unter diesen: Gesichtspunkte wird neuerlich versucht werden, eine Regierung ohne Friedrich zustande zu bringen.
Deutsch-Oesterreich darf keine Vorbehalte mache«.
* * Genf, 9. September. (S. C.) Der „TempA* meldet, daß die Alliierten bei der Unterzeichnung deS Frtedensvertrages einen Vorbehalt Oesterreichs nichit anerkcune« werden.
Rumänien soll zur bedingungslose« Unterschrist gezwungen werden.
* * Rotterdam, S. September. (S. C.) In seiner Montagssitzung unrer Vorsitz ClemenceanS nahm der Oberste Rat eine Note der rumänischen Delegation znr Kenntnis, wonach die rumänische Resiernna W «"«<