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Serslelver Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 7 J Start, durch die Post bs- zogen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei j Hersfeld, Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. -

AMtlicheV Anzeiger für den Kreis Hersfeld

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Nr. 211

Mittwoch, dem 10» September

1919

Sie koMmg der 8riegs8efa««Men.

Die Heimkehr der Gefangenen in »olle« Gange.

>-« Frankfurt a. M., 9. September. (S. C.) Die Entlafs«ng der Krikgsgsfangeiren ist in vollem Gange. Seit gestern fritä treffen Transporte mit ent­lassenen Kriegsgefangenen in den Durchgangslager» Gießen mrd Lvnburq in beUmmter Reihenfolge ein. In diesen Lagern kommen tägtich mehrere Hundert Gefan­gene zur ordnungsmäßigen GnÄsssung. Die Entlasse­nen sprechen sich höchst befrieNgt «oer den ganzen Ver­laus des EutlsssuuKsgeschsfLs aus. Künftig treffen täglich zwei Züge mit Kriegsgefangenen hier ein.

e^ Genf, 9. September. (T. UZ Gestern traf auf dem Bahnhof Köln-Deutz der zweite französische Laza- rettzng ein, der 180 deutsche Gefangene Kranke und Verwundete aus dem nordfrauzösUchen Sammel- lager Stables nach der Heimat brächte.

14 000 Gefangene in voriger Woche.

* Berlin, 9. September. (S. C.i In der ersten Septemberwoche sind aus französischen und englischen Gefangenenlagern 14 000 Personen auf deutschem Bo­den eingetroffen.

Entlassung der KrieHsgefansene« in Italien.

Rom, 9. September. lS. C.) Wie wir erfahren, ! ist auf Grund direkter Aussprache zwischen der deutschen ! und italienischen Regierung die Frage der Auslieferung der deutschen Kriegsgefangenen in Italien dahin ent­schieden worden, daß in der nächsten Woche in Florenz ein deutscher Zug eintreffen wird, der die Gefangenen in die Heimat bringen soll. Im ganzen sind 385 Deutsche abzuholen.

Zunächst 8 MWE» Mr die heimkeHreude« Wefange«e«.

»-# BerLin, 9. September. lS. C9 Für dre herm- kehrenden deutscher- Kriegsgefangeuen sind vom Rerche vorlöttkia drei WffMfZen Mark als erste Rate zur

Major Draudt Sefed^^ Gefauseirenlaser in teiltTemos" hat Major Draudt, deutscher

Korranisst SriegsgL'

für den Micktrausport^ der deutschen , sie Erlaubnis erhalten, einige Ge- zu besuche«.

Heimbesördenung der Gefangenen aus Sibirien.

Aus Paris wird berichtet, daß acht deutsche Schiffe nach Sibirien gehen werden, um russische Krregsgefan- ' gelte dorthin M bringen. Auf dem Rückweg werden die Schiffe deutsche Kriegsgefangene aus siluruchen Häfen mituehnren. Die Ankunft der Schiffe in Deutsch­land ist im Februar nächsten Jahres zu erwarten.

Die Frs«zoseKherr?chaft.

^ Frankfurt a. M., 9. September. (T. UZ Die Frankfurter Zeitung" schreibt: Im Mainzer Gefangn,^ sM der Finanzassessor Eduard ^lantenhorn aus Worms infolge einer Denunzration fett acht Wochen, weil er zu einer Kaffeehausdame, die sehr viel mit fran­zösischen Offizieren verkehrt hat, sesagt haben soll:Sie kommen auch noch auf oie schwarz Liste. Dw Fran­zosen haben das als eine Beleidigung von Angehörigen der Armee und als Drohung ausgeregt. Obwohl rhm nichts nachgowiefen ist und nichts nachgermesen werden kann, ist er, schlecht Verpflegt, jetzt schon über acht Wo­chen im Gefängnis. Niemand darf, ihn besuchen, und es kam noch immer nicht zu Gerichtsverhandlungen. Gerichtsassessor Blankenhorn war mit der Steuerver­anlagung der ländlichen Bevölkerung des Kneifes Worms betraut. Man vermutet, daß tue Denunziation von Leuten ausging, die seine gerechte Amtsführung fürchtete«. Im übrigen sitzen wegen ühisircher Delikte nicht weniger als 65 angeseheNe Bürger im Mainzer Gefängnis und warten von Tag zu Tag vergebens auf ihre Aburteilung.

Die phavtastischeu GMchiMgMtgssoedsrNNge«

DieDeutsche Allg. Ztg." schreibt zu der Rede des Finanzmintstero Klotz in der frarrzöstschen Deputier­ten kammer u. a.: Klotz hat einige Ziffern genannt, für die man hier in Deutschland nur ein Kopfschütteln M- ben kann. Er nannte eine Kapitalisiernngsziffer von 364 Milliarden, die allein für Frankreich in Betracht kämen. Die Gesamtleistungen Deutschlands bezifferte er auf 450 Milliarden. Wie Herr Klotz derartige Zif­fern ausrechnet, ist schleierhaft, aber und) schleierhafter ist, wie er sich denkt, daß Deutschland solche glimmen zahlen kann. Man hat es hier nicht mehr mit ernst zu nehmenden Finanzpolitikern zu tun, und es wäre gut, wenn sich die Franzosen einmal klar darüber würden, wie groß das Botksvermögen Deutschlands eigentlich ist Dann wird sich ergeben daß es nur einen Bruch­teil der Summe beträgt, die Herr Klotz genannt hat.

Selbst dieHumanitee" hat festgestellt, daß Deutschland gar nicht imstande ist, solche Summen zu zahlen. Im übrigen übertreffen die Zahlen des Herrn Klotz auch ganz erheblich dasjenige, was wir nach dem FriedenZvertrag zu zahlen verpflichtet sind.

Die erste Entschädignngszahlnng Deutschlands.

** Rotterdam, 8. Septeniber. (S. C.) Nach Mel­dungen Londoner Zeitungen aus Paris wird die Wie- Lergutmachnngskvmmisston im Januar die erste Forde­rung an Dentschland dem Rat der Alliierten überrei­chen. Die von Deutschland im Jahre 1920 zu leistende Zahlung würde voraussichtlich wesentlich höher sein, als Pichon in der Kammer schätzungswete mitaeteitt habe.

Die amerikanische BesatzKugszone.

e* Koblenz, 9. Septelnber. (T. It) Die in Kob- leuz erscheinende amerikanische ZeitungAmaroc" mel­det. Saß die anrerikanischeu Behörden beschlossen haben, den Koblenzer Brückenkopf sowie das Gebiet anf dem knien Rheiunfer bis zum Bezirk Trier unter amerika­nischer Militär- und ZioilLoutrsAe lassen. Der größte Teil dieses Gebietes außer Koblenz und einem Keinen Teil des Brückenkopfes stand seit August unter fran­zösischer Kontrolle. Jetzt verlassen die Franzosen diese Gebiete und Amerikaner werden sie besetze«.

Forderung »er ZnrückSernfuug der amerikanischen Besatzungstruppen.

** Rotterdam, 8, September. (S. C.) Im ameri­kanischen Senat erklärte Borah die Auwesenheit ameri­kanischer Besatzungstruppen in Europa für unwesentlich und verlangte umgehende Zurückberufung aller ameri- kamscher Truppen aus Europa und hem. aststtscheu Rußland sowie die unverzügliche Aufhebung der Blok- kade gegen Sowjet-Rußland.

Zwei deutsche Noten au die Entente.

** Frankfurt a M., 9. September. (T. U.) Lega­tionsrat Schmidt, der während der Abiveseichett Lers- uers an der Spitze der deutschen Delegation stand, reffte vorgestern abend von Paris nach Berlitz ab. Bis L«r Rückkehr Lersners soll die Verbindung zwischen der deutschen. Regierung und der EMente durch Dr. Hans Meyer aufrechterhalten werden. Dieser hat zwei No­ten an Loucheur gerichtet, von denen die eine die A«s- lieferung der KüsteusHifss an die Alliierten und die an­dere die Kalffrage betrifft.

D§§ Tserre Vsr Pfälzer.

o^ RsAstabt «. H. Hardi, 9. ge»hmßer. lT. «.) Ueber 15 ooo Mälzer und Pfälzerinnen aus dem ganzen Lande gelobten in einer hier abaehalteuen Bersa-umlung aller Parteien dem DsKtschen Reichs Treue. Eine emstim-

MN PesSsst Es der PfKlz.

$-< BeMn, 8. September. (WTB Dem Reichsprä­sidenten ist eine von den Vertretern der Deutsch-Demo­kratischen Partei, der Deutschen Volkspartei, der Baye­rischen Volkspartei und der Sozialdemokratischen Par­tei unterzeichnete Entschließung zugegangen, in der es n. a. heißt:Die Heute, am Dienstag, 4. September 19, in der neuen TetrAhalls versammeltem Einwohner Frankenthals verwahren sich einmütig gegen die Be- streSungLu gewisser Elemente, die darauf Ruausge^en. die Pfalz von Deutschland zu trennen. Es ist eine Litze, wenn von den Leuten um Haas herum und von dem BundFreie Pfalz" behauptet wird, das pfälzische Volk sei in ferner Mehrheit mit diesen Besirebnngeu etnuer- standen. Durch hunderi Jatzre mit Bayern verbKusen, wollen wir in trenvölkffcher Gesinnnug bei Bayern -Lei­hen und in diesem Zusammenhang mit denr deutschen Reich."

AhletziMkg der Republik Birkenfeld.

Der Rechtsanwalt Zeller-Birkenfeld sandte an die Reichsregiernns! folgende Depesche: Birkenfeld bat sich vom Freistaat Oldenburg tu der LaudeSansschutzsitzuug vom 30. August losgssagt als selbständige Republik im Verbände des Beuffcheu RetÄes. Es ist Bolksabstim- mung über die Anschlußfrage au einen RachSsrstaat bereits in die Weae geleitet. Wrr bitten um telegra­phische AnerkeMUuns. Der § 18 der ReichsveMssung ist von der Besatznussbebörde, da es sich «« besetztes Gebiet handelt, als nicht vollziehbar erklärt worden. Die französische Besa^tNgsbehörSe hat die NeUnblik Birkenfeld bereits anerkannt. Regierung der Republik Btrkenfeld. Fester, Pr-äsiSent.

Darauf ist folgende Antwort »es Retchsministe- rirnns des Innern ergangen: Die EMarung des ol- »euburMchen LaudestMs Birkerrfeld zu einer selbst- ständige« Republik W unvereinbar «rt AEel 18 und 167 der ReiÄsverfassuug. Die gewünschte Anerkennung durch die RetHsregierung wird daher versagt. Ber- handlnngcn über die Loslösung Birkenfelds von Ol- denburg sind nur durch die nach dem bisherigen Gesetz geschaffenen Volksbebördcn und Bolksvertreinugrn von Birkenfeld «nd Oldenburg M führen. Der Reichsmi- «ister des Innern: David.

Die 1t. S. P. D. gegen Loslösungsbcftrebnngeu.

^ Berlin, 8. September. lWTB.l Wie die Mit- tagsblütler aus Düsseldorf melden, haben die Führer der Nuabhängigen Sozialisten in den drei westlichen Bezirken eine Erklärung veröffentlicht, in der ausge­führt wird, daß die il S. P. D. mir deu Loslösuugsbe- strcbuugen des Zentrums nichts gemein hat, sie aufs entschiedenste zurückrveist und mit «Ken Mitteln be­kämpft.

Die tttegieg Wer den MWWrKel.

Der Oberste Rat verhandelt über die dentsche Antwort.

m Bern, 9. September. (T. N ) Der Oberste Rat hat in seiner gestrigen Sitzung verhandelt: 1. über die Erwiderung auf die deutsche Antwortnote in der Frage der Rcichsverfaffuug und der etwa znznlafsende« öster­reichische« Vertreter im Reichsrat, 2. über den Wort­laut der Sluvrduuugen int Frieöensvertraae von St. Germaru zu Gunsten der Minderheiten ü« den Donau- naaten. Der Oberste Rat wird das Ergebnis der Prü- stnme« Wer die deutsche Autwort auf die Note in der

Militärische Maßnahme« ht 8er neutralen Zone.

w Rotterdam. 9. September. (S. C.)Daily Ex­preß" meldet a«s Paris: An den eventuell gegen Deutschland notwendig werdenden militärischen Maß­nahme» beteiligen sich französffche und e«glische Trnp- ve«. Die miktiärische» Maßnahmen der Alliierte» werden sich auf die neutrale 3»ne beschränken. Die Ko­sten der notwendige,r militärischen Maßnahmen werden Deutschland auferlegt.

Koch bevollmächtigt.

** Genf, 9. September. lS. C.) Pariser Blätter melden, daß Marschall Foch Paris verlassen hat. In der Sonnabendsitzung des Alliiertenrates erhielt, Temps" undEcho" zufolge, Marschall Foch die mili­tärische« Vollmachten der Alliierten, die in Kraft zu treten haben, falls Deutschland nicht das Ultimatum der Alliierten in der Anschlutzfrage vorbehaltlos annimmt.

Ein ALLlmaLum an Deutschland?

** Rotterds«», 8. September. (S. E)Daily Mail" meldet bereits Sonntag früh aus Paris, Cle- meuceau beantragte im Rat 8er Alliierte» ein neues knrzfrMges Nltimatnm an Deutschla«», » sie »ie restlose AunaHme der Ententeforderungen in 8er An- sÄA^rxsae VeÄan«reir.

Keine KsnAesfiouen der Entente in Oer Anschlutzfrage.

$^ Rofteröam, 8. September. lS. Eck Nach einem Pariser Bericht wird der Rat der Fünf heute über die deutsche Antwortnote in der Bersaffungsfrage Beraten. Der Bericht fügt hinzu, der Rat werde unerbittlich blei­ben und keine Konzession umche». Es fei im Rate klar, daß die Deutschen dem Text des Artikels eine doppel­sinnige Fassung gaben, um Deutsch-Oesterreich doch noch etrtyerleiBeu an können.

Sie MM kes ßdsM-eWW Wisch«.

Gsforttge Einleityya 8#r Besetz««ssakti»n.

einer HMsasdepeschc aus War-cha« erklärte General Dupsut, der am 4. September in Sosnowice ankam, »atz er am selben Tage «och nach Paris telegraphiert habe, K-m mte sosoriige Besetzung Oberschlesiens durch E«- tentetrupPsn durchzusetzen. Er empsahl den Jnsnrge«- t^, Geduld zu h^ben, weil die Besetzung technischer

Dringende Hilferufe ans »en gefährdete» Ostgebiete«.

>* Berlin, 9. September. (S. 6.) Wie von der Ostgrenze gerveldet wird, stehen an der posenschen Front nach zuverlässigen Mitteilungen von Neberläufern zwei polnische Armeekorps. Bon urehr als 30 deutschen Gemeinden der gefährdeten Ostgebiete sind der Reicks- regierung dringende Hilserufe nach Verschärfung »es Grenzschutzes zugegangen.

Die Kreise Bielitz und Tesche« den Polen zugesproche«.

m- Kopenhagen, 9. September. (T. II.) Das pol­nische Pressebüro meldet aus Warschau, daß die Frie- deuskonferenz die Kreise Bielitz und Teschen den Polen Mgesprschen habe, wühreu» im Kreise Freistadt eine Volksabstimmung stattfinden soll.

Sprengnng einer Eiseuvahnbrücke in Oberschlefie«.

w Berlin, 8. September. (L. A.) In Schlesien ist eine Brücke der Strecke Oppeln-Breslau in die Luft ge- sprengt worden.

Die Lage iu Breslau.

Infolge von LsSerrsmitielkrüWallen in den letzten Tagen fehlte am Montag in Breslan am Früh markt jede Zufuhr. Bormittags drohte die Menge, die Schuh- und Zigarreugeschäfte'am Blücherlatz zu plür». üerm Polizei und Militär griffen ein nnd gäbe» Schreckschüsse ab. Auf dem Blücherplatz und am Ring sind Mafchtneugeivehre aufgestellt Patrouillen ziehen durch die Straßen. Viele Geschäfte, namentlich Le- bensinittel-, Zigarren- und Schirhgeschäfte sind geschlos­sen. Die Markthallen bleiben bis Nttttwoch abend ge­schloffen.

Einigungsoerhandlnuge» in Overschlesie«.

Laut Meldung der Pressestelle des Reichs- irnd Staatskomurissariats für Schlesien und Westposen ist bet den am Montag in Kattowitz stattgehaben Eini- gWrgsverhaudlnngen zwischen Zlrbesinehmeru und Ar­beitgebern des oberschlesischen Zeulralindustriereviers eine Eutfchlistzung angeuoMmen worden, in der erklärt wird, daß der Arbeitswille mrd dir Arbeitsleistung un- bednigt ges oben rrnd die den gesetzlichen Bestunmungen entsprechende Ordnung im Betriebe der Gruben und Hütten schleunigst garantiert werden muß, wenn nicht das Wirtschaftsleben völlig zerstört und damit and) die Existenzmöglrchkeit der Arbeitnehmer schließlich vernich­tet werden soll. Die Arbeitgeber verpflichten fiel), die­jenigen männlichen Arbeiter, die seit dem 15. Juli 1919 entlassen worden sind mrd seitdem keine andere Beschäf- tigung in ihrem Hauptberuf gefunden haben, baldigst wieder einzustellen, sofern sie nicht nach den gesetzlichen Bestinrmungen ihre Entlassung verwirkt haben.

Gefahr eines neuen Balkankrreges?

w Paris, 8. September. iWTB.) Offiziell wird «litgetettt, daß Serbien dieselbe Haltung wie R«mänie« einnetzme. Alle Friedensdelegierten. besonders die ameÄkattischey sehen fein ein, daß die Schwieügkcitea anf dem Balkan unmöglich durch wirtschaftliche Bestim­mungen oder Grenzregulieritugen zm überwinden feien. Sie geben M daß, ganz gleich welche Reschlüsse gefaßt werden, die Znstünde auf dem Balkan wahrscheinlich zu einem Krieg führen können. Serbien wie Sinnt8«