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Nersselver Tagevlatt

Hersfelder Kreisblatt

vi«teljcWich für Hersfeld ^MaA durch die Post be- ! Amtlicher ANZeiger ark. Druck und Verlag von ÄMÄg Funks Vuchdruckere, : J °

die Tchriftleitung verantwortlich Franz Junk, Hersfeld. s H»* »**>lWire &MtaM

Mr den Kreis HersfeLd

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Nr. 307

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Freitag, dem 5. September

1919

Hm Der Irihsoie.

Die Note des französischen Ministerpräsiderrten Cle- menceau, abgesandt von Versailles am 2. September, angekommen in Berlin am 2. September, 4 Uhr nach- mrttags, besagt: Die alliierten und assoziierten Mächte haben von der deutsche« Verfass««g vom 11. August 1919 Kenntnis genommen und stellen fest, daß die Be- strmmung des Artikels 61 Absatz 2 eine förmliche Ver­letzung oes Artikels 80 des in Versailles am 28. Juni 1919 unterzeichneten Friedensvertrages enthält. Es hecht oann: 1. Indem Artikel 61 die Zulassung Oester­reichs zum Reichsrat ausspriclü, stellt er diese 9lepn= buk den das deutsche Reich bilde«öe« deutsche« Länder« gleich, eine Gleichstellung, die mit der Achsitng der öster­reichische« Unabhängigkeit nicht verembar ist. 2. Indem er die Teilnahme Oesterreichs am Reichsrat zuläßt und regelt, hat der Artkel 61 einen politische« Bund zwischen Deutschland und Oesterreich und eure gemeinsame poli­tische Betängung in vollkommenem Widerspruch mit der Unabhängigkeit Oesterreichs vor. Die alliierten und assoziierten Mächte erinnern daher die deutsche Regie- rung an den Artikel 178 der deutschen Verfassung, <vo- nach die Beitcmmungen des Vertrages von Versailles öirrch die Berfassunanicht berührt werden können, und fordert dw deutsche Regierung auf, die gehörigen Maß­nahmen zu treffen, um diese Berletznirg ««verzüglich Surch Kraftloserklarung des Artikels 61 Absatz 2 zu be­seitigen. Unter Vorbehalt weiterer Maßnahrueii für den Fall der Weigerung und auf Grund des Vertrages selbst (namentlich des Artikels 429) erklären die alliier­ten und assoziierten Mächte der deutschen Regierung, daß diese Berletzitng ihrer Verpflichtungen in einem wesentlichen Punkt die Mächte zwingen wird, ««mit- tekbar die AusdeH««ilg ihrer Besatzung auf dem rechten RYeuiufer zu befehlen, falls ihre gerechte Forderung nicht innerhalb 14 Tagen, vom Datum der vorliegender: Note gerechnet, erfüllt ist

Mn flagranter Rechtsbruch.

** Berlin, 4. September. (T. 1L) DieDeutsche

»er Pfalz nicht mit militärischen Maßnahmen in Ver­bindung stehen, sondern daß sie erfolgen für den Fall, daß Deutschland die Forderung nach Streichung von Paragraph 61 der deutschen Reichsverfassung ablehnen sollte.

Weitere Truppen i« Lttdwisshafe«.

»* Karlsruhe, 3. September. (S. C.f Nach Mel­dungen aus Luüwiqshafen sind gestern weitere 2000 Mann französische Truppen in Ludwigshafen eingerückt. Auch in Speyer und Kaiserslautern sind neue französi­sche Truppen eingezogen.

Tägliche Heimfendung von Kriegsgefange«err.

Die Reichszentralstelle für deutsche Kriegs- und Zivilgefangene gibt bekannt, daß der Abtransport der deutschen Kriegs- und Zivilgefaugenen aus englischer Hand in Frankreich nunmehr begonnen hat. Es sind in den letzten drei Tagen täglich 1000 Mann übernom­men. Vom 3. September ab werden voraussichtlich täglich 3000 Mann über Köln eintreffen. Die Ange- .jenen die sich in englischer Hand in Frankreich befinden, tun gut. ihre Paket- und Geldsendungen einznftellen. ,

hörigen von Krieqsgefanm Hand in Frankreich befind«

Damit ist endlich auch von offizieller deutscher Seite die Heimkehr der Kriegsgefangenen bestätigt.

Englisch-französische Unstimmigkeiten.

* Berlin, 3. September. (S. C.) Wie von zu­ständiger Seite mitgeteilt wird, ist eine überraschende Wendung in der Kriegsgefangenenfrage eittaetreten. England hat am 2. September die Rückkehr aller Ge- faugsne« aus den englischen Lagern augeordnet. Alle englischen Lager sollen geräumt werden. Das ganze Verhalten der Engländer läßt darauf schließen, daß es sich um ziemlich tiefe Unstimmigkeiten der französische« und englischen Rüffasiung handelt, denn durch die Heimsendung der Gefangenen ist die Absicht, gemein- sam vorzugehen, durchbrochen.

Tatsache ist, daß man in den leitenden Kreisen der poR Nischen Legionäre bestimmt mit dem Ausbruch des Krie< ges mit Deutschland rechnet. Die polnischen Truppen- Vermehrungen an den deutschen Grenzen nehmen zm

Neue BanSenkäurpfe in Schlesien. I

Das Generalkommando des 6. A.-K. meldet: In der gir-* ------- -------~ -----

acht stießen polnische Bauden in Richtung Bodow Sie wurden im Gegenstoß geworfen. Bei Neu- Berun wurden eingedrungene Banden versprengt, Banöenangxiffe östlich Tarnowitz und Gevorgevberg wurden abgewiesen. Bei Bardnia südlich Sulnterschütz vorgedrnngene Banden wurden veriagi.

vor.

Fortwährende Grenzverletzungen in Oberschlesten.

Das Generalkommando des 5. Armeekorps hat die Eutentekommissionen auf die fortmähreudeil Grenzver­letzungen aufmerksam gemacht, die mit Unterstützung des polnischen Grenzschutzes stattfinden. '

werden von der polpischen Armee oraani............. sen und Munition versehen und von polnischen Offi­zieren einaeübt. Die Ententemission wird gebeten, sich an Ort und Stelle von den Uebergriffeu zu überzeugen. Bisher hätten sich die deutschen Truppen bemüht, die hereinbrechenöcn Bande n auf dem eigenen Gebiete zu bekämpfen, doch könne ihnen eine solche Zurückhaltung nicht länger zugemntet werden.

Die Banden

organisiert, mit Waf^ von polnischen Offir

Berstärknng des militärischen Schutzes in Oberschlesten.

blach Mitteilung der zuständigen Stelle wird der militärische Schutz in Oberschlesten nicht vermindert, sondern nach Möglichkeit verstärkt werben. Die erfor­derlichen Schritte sind schon veranlaßt.

Das WrderspeNftZge RumSmen.

Einige Pariser Blätter stellen fest, daß die rnntä* «ische Regierung sich weigere, deu österreichische« Frie- öcnsverirag zu unterzeichne«. Nach Petit Parisien er­klärte ein hervorragendes Nlitalieö der rumänischen Friedensdelegation, giefe Weigerung erfolge, weil Friedensvertrag zwsi Be-ikg«nqe

deutschen Delegation zu den Friedensbedingungen wurde der Standpunkt der Reichsregierung wie folgt festgelegt: Im Artikel 80 wird die dauernde Anerke«- «««g der Unabhängigkeit Oesterreichs in dem Friedens- vertraq der alliierten und assoziierten Regiernngen mit für Deutschland festgeleaten Grenzen verlangt. Deutsch­land hat «ie die Absicht gehabt und wird sie nie haben, die deutsch-österreichische Grenze gewaltsam zu verschie­be«. Sollte aber die Bevölkerung Oesterreichs, dessen Geschichte seit 1000 Jahren auf das engste mit dem deutschen Stammland verbunden ist wünschen, den erst in jüngster Zeit durch militärische Entscheidung gelö­sten staatlichen Zusammenhang mit Deutschland rvteder herbeizuführen, so kann Deutschland sich nicht verpflich­ten, dem Wunsche seiner deutschen Brüder in Oester­reich sich z« widersetzest, da das Selbstbestinrwuugs- recht der Völker allgemein und nicht lediglich zu Nn- gunften Deutschlands gelten muß. Ein anderes Ver­fahren würde den Grundsätzen der Konaretzrede des Präsidenten Wilsons vom 11. Februar 1918 wider­sprechen. Mit Bezug hieraus heißt es in der Antwort der gegnerischen Mächte vom 13. Juni 1919: Die al­liierte« und assoziierte« Mächte nehmen von der Er­klärung Kenltt«is, durch die Deutschland erklärt, daß es niemals die Absicht gehabt und niemals habe« wird, dre GreKze zwischen Deutschland und Oesterrelch gewaltsam tot ander«. Die gegnerischen Mächte haben somrt den Standpunkt der deutsche« Regierung vorbehaltlos aner­kannt. Die vorstehend angeführten beiberfethgen Er­klärungen sind als antentische Jnterpretione« des dir deutsÄ-österreichische Frage behandelnden Artikels. 80 des Friedensvertrages anzusehen. Artikel 61 der Rerchs- verfass«ng, sieht für Deutsch-Oesterreich ein Recht vor, von dem Gebrauch zu machen oder nicht Gebrauck zu machen, ihm freisteht. Zudem haben die gegnerischen Regierungen es in der Hand, Deutsch-Oesterreich daran zn verhindern, von diesem Reckt Gebrauck zu machen. Was die gegnerischen Mächte von der derrtschen Regie­rung verlangen können, ist somit eine amtliche EJla- rnng darüber, ob Artikel 61 der Reichs verfasst! na von Deutschland in den großen oben dargeleaten Zügen aus- zulegen sei. Eine solche Erklärung hätten sie aber von der Reichsregierung aus widerstandslos tot erhalten vermocht, ohne daß es notwendig geworden wäre, ein Ultimatarm an Deutschland zu richten und ihm beim Weigerungsfälle Maßnahmen anzudroherl, zu betten sie «ach dem Friede«svertrag «icht berechtigt sind.

Der StarldPUnLt der derttschsn Regierung.

Die elsässischen Bahnen für GefaugeuevtranSporLe gesperrt.

5!riegsgefänge«eniränsportze nach Den «b gesperrt. Die Transporte gehen über die pfälzis e Bahnen. Der französische Oberbefehlshaber der Rbeinpfalz hat ange- ordnet, daß ant 14. September 800 Waggons der pfäl­zischen Bahnen täglich für die Trairsporte bereit zu stellen sind.

Berhandlunge« über den Wiederanfba«.

Bei den in Versailles über den Wiederaufba« der zerstörte« Gebiete geführten Verhandlungen wird nun­mehr in die Besprechung der Unterkomurissione« einge­treten. Für die nächste Zeit sind Sitzungen in Aus­sicht genoinmen über die Zttteilung bestimmter Sek­toren an Deutschland für die WieScramrämmurgsar- beiten, für die Wiederaufforstuna sowie für die Wie­derherstellung der Bergwerksbezirke und die Erlaubnis zur Besichtigung dieser Gebiete.

Verschärfter Belagerungszustand für angedroht.

die Pfalz

indirek- sche Re- Rilitär-

w KarlsrNhe, 4. September. (S. C.) Naö ten Meldungen aus Straßburg hat die franzö gierung die Vereinbarungen des französische« . Oberbefehlshabers in der Pfalz mit der pfälzische« Ar­beiterschaft nicht gebilligt. Pariser Blätter melden, daß die französische Militärbehörde der Rheinpfalz die Voll­macht zur Verhängmrg des verschärfte« Belagerungs­zustandes für den Fall von neue« Unruhe« und Gene­ralstreiks erhalten haben.

Entente-Aerger über den amerikanischen Senat.

Das Pressebüro Radio meldet aus Washington, daß einem Bericht der Universal Servige Ageuep zufolge die Konferenz zwischen Wilwn und dem Senatsaus­schuß für auswärtige Angelegenhesien klar ergeben habe, daß die Opposition gegen den Friedensvertrag uttoeri ändert weiter bestehe. Es stehe fest, tag die :)latififa= sinn des Friedensvertrages eine weitere Verzögerung erfahren werde.Newyork Sun" meldet, daß Groß­britannien und Frankreich die auf der Friedenskonfe­renz schwebende« Fragen «icht endgültig erledigen wol­len. bevor sie wissen, was die Vereinigten Staate« mit dem Friedens- ««- bew Völkervnnbvertrag «rächen. Im Hinblick auf die Möglichkeit, daß der amerikanische Senat Slbänbertmgeii an diesen Verträgen vernimmt, wird augenblicklich in Paris ernstlich in Erwägung ge­zogen, ob es zweckdienlich sein würde, die Verträge mit Dentsch-Oestcrreich ««d Bulgarien -ibzuschließen, so­lange Aussicht darauf besteht, daß gegen diese Verträge bei ihrer Erörterung im amerikanischen Senat Etn- wände erhoben werben. Das langsame g-ortfebreifen der Friedensverbandlungen in Paris erregt, wieRew- uork Sun" meldet, den Aerger der Italiener. Assozia-

In der Ententenote betreffend die Aenderung des Artikels 61 Absatz 2 nimmt die Neqiermng folgende Stel- luug ein: Die Note .verlangt cketue 8«®^ | ted Preß berWetz M Ttttoni seine Kollegen auf bet «Fl^R^mt^ d^M^Ä"E^,^rststM^ Friedenskonferenz dringend aufgefordert hat, das Frte-

Artirel ^^satz 2 d« VerMmug «icht m Krafttritt, -enswerk zu beschleunigen und auf die Gefahr einer solange ber ^at be8 Sytw^ Verschiebung der Verhandlungen b^züglick Kleittasiens

anna Deutschösterreichs mit Deutschland zngestimmt bat ^ suut Oktober binzuweisen.

aung Denischösierreichs mit Deutschland zugesti Diese Feststellung enthält übriaerrs auch Artikel fatz 2 der Verfassung. '

-1 178 Ab-

Clemenceaus Geschoß!

TempS stellt fest, daß die Unterdrückung des Arti­kels 61 der deutschen Verfassung vom Obersten Rat der Alliierten auf Veranlassung Clemenceaus verlangt shuröe.

Die Presfiousntittel der Franzose«.

Deutschland und Poleu.

Aus Kopenhagen wird gemeldet: In hiesigen dip- lomatischen Kreisen beurteilt man die Lage zwischen Deutschland und Polen sehr ernst. Der polnische Mini­sterpräsident PaderewSki hat erklärt, daß Der Besitz Oberschlesiens eine Lebensfrage Polens sei. Polen brauche die Kohleninöustrie Oberschlesiens und werde keine Konzessionen machen. Set eine friedliche Einigung nicht zu erzielen, ständen schwere Konflikte i« Aussicht.

.....^ ____________________ _____________che« ,emugun- gen" sie öWe die Dtttarbeit Rumäniens festgesetzt wer­den sollen.

Ein MppeA des Bundes für Südtirol.

Der Bund für Südtirol richtete an den Seuatsaus- schutz für auswärtige Angelegenheiten in Washington

folgendes Telegramm: Entgegen Punkt 9 der am 8. Januar 1918 Verkündeten Grundsätze des Präsidenten Wilso«, daß Italiens Grenze in Südtirol bei Salurn gezogen werden müßte, unterwirft der Friedensvertrag für Deutsch-Oesterreich die deutschen und ladtnischen Südtiroler der italienischen Fremdherrschaft. 172 deutsche und ladmische Gemeinde« Sitdtirols, darunter die alten deutschen Städte Bozen, Meran und Brixen, protestierten in jüngster Zeit Meimal feierlich gegen die gewaltsame Unterwerfung und verlangten ihr Selbstbestinnnungsrecht. Trotzdem soll Tirol durch die Brennergrenze zerrissen und dadurch ein Opfer des im­perialistischen Londoner Vertrags werben. Von der Pariser Konferenz nicht gehört, appellieren die deut­schen imö ladtnischen Südtiroler an den Gerechtigkeit^ sinn und die Freiheitsliebe des amerikanischen Senats.

appellieren die deut- an den Gerechtigkeits!« amerikanischen Senats.

* Frist für Oesterreich biS w Rotterdam, 4. September.

14. September.

('S. C.) Eine Reuter- Fri st Verlängerung an 14. September hinaus

depesche meldet aus Paris, die

Oesterreich kann nicht über k«eu _ . . ,________

zugestanden werden Der Oberste Kriegsrat hat für den 15. September die erforderliche« militärischen Matz-

nahmen eingeleitet.

Deutsch-Oesterreich «ruß Ungar« blockieren.

Unter den Oesterreich zur Uuterzeicknuug überreich- ten Dokurnenten befindet sich ein Schriftstiick, durch d-rs sich Deutsch-Oesterreich verpflichten muß, an der Blok- kade Ungarns solange teilzunehmen, bis Ungarn di« ihm von ben alliierten und assoziierten Regierungen vorgelegten Friedensbedingnngm: anenommen hat.

Das Räjesystcm eittefeindliche Handlung".

m- Rotterdam, 4. September. (S. C.) DieTimes" melden aus Budapest, der G-ef der Ententekourmission lmt die Zustimuuing zum Eintritt von ehemaligen Ar­beiterräten der Räteregiernng in das neue Ministerium als eine Blaßnahrne be^iwuet, die nicht von den Al­liierten gebilligt werden könne. Die Wiedererrichtung - von Räteorgauisatioucn würde von be» Alliierten als feindliche Handlung angesehen unb mit der Wiedereiu- sctznng der Blockade erwidert.

Fromme Wünsche.

e* st Germar«, 3. September. (STB.) Was die finanziellczt Bedingungen des österreichischen Friedens- vertrages betrifft, so wird in der Antwort der Entente der Wunsch nach Herstellung der finanziellen Ordn««« in Dentsch-Oesterreick ausgesprochen, damit der neue Staat, der anerkannt wird, eine vernünftige Poiitik verfolgen könne.

Der österreichische Friedensvertrag zweifellos angenommen. '

m- Wien, 3. September. (S. C.) Wie dieWiener Morgenzeitung" erfährt, beliebt in parlamentarischen Kreisen der österreichischen Volksvertretung nicht der geringste Zweifel, daß der überreichte Friedensvertrag der Entente von Oesterreich angenommen wird. Die entscheidende Sitzung des Kabinetts findet morgen statt. Voraussichtlich wird eine Fristverlä«ger«ng von 10 Tagen nachgesuchi.