SersfeWer Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
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Nr. 206 Donnerstag, den 4. September 1919
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VersaffmAS-Aen-emug gesorSerl!
* *. Lugano, 3. September. (T. U.) „Couriere della Sera" meldet, das juristische Gutachten über die Frage, ob die Artikel 2 und 16 der deutschen Verfassung mit dem Artikel 18 des FriedensvertrageS zu vereinbaren sei, bezeichnet die Bestimmung über die Beziehung Deutschlands zu Oesterreich als Verletzung des Frie- densvertrages. Der Oberste Rat beschloß, von Deutschland durch eine Protestnote eine Versassmrgsänderung zu verlangen. Wenn sich die deutsche Regierung weigere, wird eine große deutsche Stadt, Wahrscheinlich Frankfurt, besetzt werde».
15 Tage Frist.
w Versailles, 3. September. (T. U.) Der Oberste Rat der Alliierten hat nach dem „Journal" entschieden, daß die deutsche Regierung innerhalb 15 Tagen die Reichsverfassung abznändern habe.
Die Note in Berlin eingetroffen.
w Berlin, 3. September. (T. 1t.) Wie die „Dtsch. Allg. Ztg." erfährt, ist die Note des Obersten Rates der Verbündeten, die die Abänderung der Reichsverfassung \ innerhalb 15 Tagen verlangt, gestern abend in Berlin eingetroffen.
HeimseNdNUg aus England bis 13. Oktober?
w Rotterdam, 3. September. (S. C.) Laut einer ReMernreldung erfolgt die Rücksendung aller in England befindlichen deutsche« Kriegsgefangenen bis zum 15. Oktober.
Vorbereitungen zum Rücktransport der Gefangenen.
m- Genf, 3. September. (S. C.) In einer Zirku- larverfügung des französischen Kriegsmurtsters ist allen Gefangenenlagern die Rückgabe der deutschen Gefangenen aüs dem Aufbaugebiet an die Sammelstellen innerhalb 14 Tage an geordnet.
335 M« Gefangene in Frankreich.
* * Bern, 3. September. lS. C.) Nach einer Be- ^^LMMMML^L^MlMTMMMß, befinden sich in zösisch^Minrfterrat'hata^^ll September die 'Mb^i^ einigen Gefangenenlagern bestehende Arbeitspflicht der deutschen Kriegsgefangenen aufgehoben.
Nur bevorzugte Kriegsgefangene yelmgeschickt?
w Berlin, 2. September. (S. C.) Bon der Reichszentrale für Kriegs- und Zivilgefauzene wird mitgeteilt, daß es sich bei dem in Köln angekommenen Transport von tausend Kriegsgefangenen vermutlich nur um bevorzugte Leute handelt, die vielleicht nur für das besetzte Gebiet in Frage kommen. Wann die regulären Transporte beginnen, läßt sich heute noch nicht ersehen. Von der Meldung des Pariser „Ercelsior", daß der Transport am 9. September regelmäßig beginnen wird, ist den deutschen amtlichen Stellen noch nichts bekannt. Verhandlungen mit den deutschen Vertretern in Versailles haben noch nicht stattgefunden.
Warnm sie Kriegsgefangene freilassen.
» * Genf, 2. September. (S. C.) Havas. Die Ver- bandllmgen über die Heimschaffung der feindliche« Kriegsgefangenen nehmen einen günstigen Fortgang, der einen baldigen Abschluß zu Vorbesprechungen erwarten läßt. Man nivunt an, daß die entgegenkommende HaÜung der Alliierten gegen Dentschland sowohl in der französischen Kammer wie im nordatverikani- sche« Kongreß die Ratifikation des FriedensvertrageS beschlennige« wird.
Die französische K«ute.
e» Lands«, 2. September. lS. C.) 25 000 französische Truppen werden für die verstärkte Besetzung der Rheinpfalz und des Overelsatz in den nächsten Tagen in den Bestimmungsorten eintreffen. Im oberelsässi- schen Industriegebiet ist die Lage sehr ernst. Durch radikale Elemente werden die Arbeiter zur Arbeitsniederlegung aufgefordert. In MUlhausen und Altkirch wurde daher der verschärfte Belagerungszustand erklärt. Gegen aufrührerische Elemente .hat die französische Behörde mit der Todesstrafe gedroht.
Die Kontrolle unserer Warenvorräte durch den Feind.
w München, 2. September. lS. C.) „Petit Journal" meldet aus München: Hier ist heute eine Ksm- mission von alliierten Offiziere« eingetroffen, um gemäß den Bedingungen des Friedensvertrages die Vorräte a« Waffen und Munition festzustellen.
Amerikanischer Z«fatza«traa znm Friedensvertrage.
Der amerikanische Senatsausschuß nahm nad) einer „Times"-Meldung aus Neuwork einen weiteren Zu- satzantrag zum Friedensvertrag an, nach dem bei einem Konflikt zwischen einem Kronlande und einem anderen Staat, der Mitglied des Völkerbundes ist, dre übrigen Kronläuder des betreftenben Reiches bei der Abstimmung ausgeschlossen werden müssen. Danach dürfte also Kanada z. B. feine Stimme nicht abgebcn, wenn Australien mit irgend einer Macht in Konflikt gerät. -
Unsere SchiMaMieferurkgeu.
• =#- Berlin, 3. September. lS. G.) Am Sonnabend, den 30. August, waren 13 dcntsthe Schiffe an die Entente abgeliefert worden. Die Ententekommission zur Kontrolle der deutschen Werften und des deutschen Schiff- banes ist nach den Hafenstädten abgereist.
Smirbrücke« fordert wirtschaftliche« Anschluß an Elsatz-Lochringe«.
w Saarbrücken, 2. September. lS. C) Die Saar- vritckencr Stadtverwslt««g hat dem Prästdente« Poiu-
caree bei seiner Anwesercheit in Saarbrücken eine Denkschrift überreicht mit der Bitte um Herbeiführung eines wirtschaftlichen Zusammenschlusses des Gebietes Saarbrücken mit Elsaß-Lothringen.
Neue PuLfchversuche.
** Ludwigshafen, 2. September. (WTB.) In den letzten Tagen haben die Landauer Hochverräter und Mitglieder der „freien Pfalz" auch in Frankenthal und Lan- dau Putschversuche unternommen. In Frankenthal kam es in der Nacht zum Freitag zu Urcruheu zwischen Mitgliedern der „freien Pfalz" und den Einwohnern. Es erfolgten Zusammenstöße, wobei mehrere Personen verletzt wurden. Versuche, Plakate mit der Proklamation der Republik Pfalz anzuschlagen, hatte in beiden genannten Orten keinen Erfolg.
Französische „Neutralität" in der pfälzischen Frage.
** Ludwigshafen, 2. September. (L. A.) Der Deutschland vertretende pfälzische Regiernngspräsiöent von Klingenberg wurde in Kaiserslautern von General von Fayolle, dem Führer einer französischen Heeresgruppe, dem auch die 8. pfälzische Besatzungsarmee untersteht, empfangen. Der General gab über die pfälzische Frage seiner Meinung dahin Ausdruck, daß dies eine rein deutsche Angelegenheit sei und demnach die Besatzungsbehörde unbedingte Neutralität zu bewahren habe. Weiter sprach sich der General dahin aus, daß allen Parteien ohne Unterschied ihrer Richtung vollste Freiheit gewährt werde, die pfälzische Frage in Wort und Schrift, in Verhandlungen und der Presse sachlich zu erörtern.
Generalstreikgefahr in Ludwigshafen.
Die Mannheimer „LaudeSztg." meldet: Die französische Besatzungsbehörde in Ludwigshafen hat den Postbeamten Fuhrmann auch heute noch nicht freigeas- sen. Die Arbeitzerschaft hält an seiner Freilassung unbedingt fest, sodaß der Generalstreik schließlich anszu- brechen droht. Die Verhandlungen hierüber schweben noch. Die Beerdigung des getötete» PostverwarterS fand gestern unter zahlreicher Beteiligung der Lud- ^wlaMasener Bevölkerung statt. Ueber die Vorgänge
WWWWWWWMM scheu Besatzungsbehörde einen amtlichen Bericht heraus.
Bayerns Dank an die Ludwigshafener.
Die Korr. Hofsmann meldet: Äinisterprästöent Hoff- mann und der Präsident des bayerischen Landtages haben an die Oberpostdirektion in Speyer und an das Bürgermeisteramt in Ludwigshafen je ein Schreiben gerichtet, in dem den Beamten des LudwigsHafensr Hauptpostamtes für ihr vaterläNdisches Verhalten der herzlichste Dank des Vaterlandes ausgesprochen wrrd. In dem Schreiben an das Bürgermeisteramt in Ludwcgs- hafen wird dieses gebeten, der Bevölkerung den wärmsten Dank für die furchtlose Haltung und das tapfere Bekenntnis zu Staat und Reich auszufprecheu. Zugleich wird die Hoffnung ausgedrückt, daß in dieser glänzend bewährten Gesinrrung auch die weiteren Kämpfe der reichstrenen pfälzischen Bevölkerung glücklich bestanden werden zum Wohle des teuren Vaterlandes und zur Ehre der schwer heimgesuchten Pfalz.
Die ENtenle-AnjMort an Oesterreich.
t-* St. Germain, 3. September. (T. U ) Der Generalsekretär der Friedenskonferenz DutasM lwerreichte dem Staatskarrzler Dr. Renner im Auftrage der Kom- nrisstou, die Antwort der Friedenskonferenz. Sie eM- lh.t! folgende 6 Schriftstücke: 1. einen Geleitbrief des Präsidenten Clevcenceau an den Leiter der österreichischen Friedensdelegation, 2. die Antwort der alliierten und assoziierten Pachte auf die Bemerkunaen der österreichischen Abordnung, 3. den endgültigen Text der Frie- densbedingnngen, 4. ein Zusatzprotokoll, daß die in dem früheren Menrorandnnr enthaltenen Bestivrunmgen wiederholt, 5. eine Erklärung betreffend: die Erteilung von Auskünften über versenkte Schiffe und ti. eine besondere Erklärung betreffend die Ein- und Anssuhr- befchränkungen zwischen Oesterreich und Ummtn. Generalsekretär Dutasia teilte mü, daß den Machten zur Beantwortung eine Frist von 5 Tagen in Aussicht kürne und erMchte den Kanzler, sich zu dieser -srist- stellung zu äußern. Der Kanzler erklärte, daß die Schwierigkeiten der Berbindnilg, die grope Entfernung und vor dttcm die parlamentari- schen Berhandliinaen das Emlmlteu du,er Frist un- möglich erscheinen läßt. Der Kanzler wkiö sich geno- tigt sehen, nun Wien aus nach dem Verlauf der Tmge wegen einer Fristverlängerung vorstellig zu werden. .Zugleich mit deui vfsizrcllen Eremplar erhielt die österrei- chische Friedensdeieaation 15 weitere Stücke des Frie- densvertrages.
Die Kabi»ettsbild««g in Ungar«.
^ W en, 3. September. (T. U.) Das „Neue Wiener Tagblatt" nieldel aus Biidapesi, das Kabinett Hem- rich tonntc bisher nicht zustande gebracht werden, da die Verhandlungen mit den Sozialisten noch nicht abge- schlosseK sind. Mlnisterprüsident Friedrich hat sich zum Rücktritt bereit erklärt, nachdem sein Nachfolger ihm die Zusage stemmbt hat, daß Friedrich wieder a« die Spitze des Kabinetts treten werde, falls der Ausfall der Wahl seiner Partei die Mehrheit bringen sollte.
Die „Diene Freie Presse" erführt aus BitSapestz.datz Diinisterprüsident Friedrich erklärt habe, er werde seinen Beschluß, znrückzutreteu, verwirklichen, roenu in 24 Stunden ein Ministerium gebildet wird.
»* Lugano, 3. September. lT. U.) Aus Marland wird gemeldet, das Kommando der neuen italienischen und alliierte» Triwpeu in Fiume wird von General GttüÄuaa überrwumren. Die Besatzmigstruppe» von
Fiume werden aus der italienischen Brigade Regina, einer Schwadron Kavallerie und je ernem französischen und englischen Bataillon bestehen.
Ein monarchistischer Agent in Wien verhaftet.
Die Wiener Blätter melden, in varlamentarischen Kreisen verlautet, daß im Zusammenhang mit der an= gestrebten Rückkehr der Habsburger dieser Tage, in Wien der nugarische Staatsangehörige Fabrikbesitzer Kellner aus Budapest verhaftet wurde, der persönliche Fühlung mit den monarchistischen Streifen in der Schweiz hatte.
Die Jriedensbedinguugen für Bulgarien.
Nach dem diplomatischen Lagebericht beschloß der Oberste Rat der amtierten, der bulgarischen Friedens- delegation den Text des FriedensvertrageS, der die politischen Grenze« des Landes bezeichnet, zu übergeben. Ein Ansgang zum Meere wird Bulgarien versprochen. Die bulgarische Delegation wird im Namen ihrer flies giern«g das Verspreche« abgeben, daß sie auf. gewisse durch den Friedensvertrag z« bezeichnende Gebiete keinen Ansprnch mehr erheben wird. Die Zuteilung dieser Gebiete wird es sväier erfolgen. Unter diesen Umständen wird Thrazien t ine« Anlaß zur Berzogernug des Friedensschlusses bilden.
WiederaNsleSLN der KSmpfe in Oberschlesien.
» Berli«, 3. September. (S. G.) In den letzten 24 Stunden haben die KLulpse in Oberschlesien wieder aufgebwi. Trotz der strengen Grenzsperre werden in Oberschlesien wieder Tausende von Flngblättern verbreitet, die eine militärische Unterstützung der unabhängigen Bewegung durch polnische Truppen in nahe Aussicht stellen.
Die Entente und Oberschlesien.
«-» Genf, 3. September. (S. C.) Eine HavaSde- pescüe meldet, daß der Vorsitzende der Enteutekommissto« in Oberschlesien vom Alliiertenrat zur Berichterstattung nach Paris berufen ist.
NÄckgade der verschleppten Geiseln.
im- Berlin, 3. September. (T. U.) Verabredung»- aemäü hat gestern die btücksendung der in Polen in Haft
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Dre iseufppnXnw^^ '
«-♦ Berlin, 3. September. (S. C.) Aus dem Baltikum ist eine neue Kundgebnug der dorttge« Truppe« an die Reichsregierung abgegangen, die eine Verzicht- leistRNg auf die bekanrrtgegebenen Fvrder«nge« gegenüber der lettischen Regierung ausspricht.
Die Bolschewiste« von Litauern geschlagen.
m- Kopenhagen, 2. September. lVts.f Das hiesige offizielle litauische Pressebüro teilt mit: An der bolschewistisch-litauischen Front ist'die große bolschewistische Armee z«r Anflösnng gezwungen worden. Die Bol- fchewisten wurden eingeschlossen und boten Litanen Frieden an. Das litauische Heer rückt gegen Litauens alte Hauptstadt, Wilna, vor und nähert sich der polnischen Grenze. a
Bolschewistische Niederlage bei Dünadurg?
Das Kopenhagener lettische Pressebüro meldet, daß die lettisch-litarlischen Trurrpen in einem gemekusainen Angriff die Bolschewisten aus Nowo-Alexaudrowsk und Nmgebmig vertrieben haben. Den lettisch-litauischen Truppen fielen zahlreiche Geschütze und Kriegsmaterial in die Hände. Sie »lachten außerdem Gefangene. Der Vormarsch wird nntaefett.
Käurpfe an der Eismeer-Front.
w Amsterdam, 2. September. (WTB.) Der „Nieuwe Rotterdalnsche Courant" meldet, daß durch Flieger an der Archangelsker Front auf Zauza Bombe« abqeWsrfe« wurden. Hierauf nahmen 2000 australische Infanteristen nach heftiger Beschieß««» diesen Ort. Vier bolschewistische Kommissare und 500 Mann wurden gefangen genommen und mehrere Geschütze er- beutet. Die britischen Verluste oetrugen 2 Offiziere und 502 Mann.
Die rnfsische Gegenregierung läßt Ba»knoteu drnckeu.
** Stockbolm, 2. September. (WTB) Die neue west- russische Regierung mit dem Sitz im esthnischen Reval läßt zurzeit in einer Stockholmer Druckerei Note« im Betrage von 150 Millionen Nabe, herstellen. England garantiert dafür den Stars von 40 Rubel gleich einem Pfund Sterling. Das mertwtirdigste bei diesen Dloten ist, daß sie von einer Regierung ausgegeben werden, die noch nicht einmal über so viel rnsfisches Gebiet herrscht, daß sie dort ihre» Sitz errichte« könne, aber trot-dent für die Noten die Garantie ganz Rußlands an- bietet.
Ein rnsfischer Banernaufstand »»(erdrückt.
w Amsterdam, 2. September. (WTB.) Nach einem Bericht des „Telegmaf" meldet die „Times" aus Hel- sinafors, daß das bolschewistische Blatt „Prawda" mit- teile, daß die Sowjetiruppen einen Bauerna,tf,ta«d un< terdrücken mußten, der hauptsächlich von den Gegenrevolutionaren organisiert war. Eine große Anzahl von Mitgliedern dieser Partei ist erschossen worden.
Graf Goltz an die Eiserue Division.
w- Mitan, 2. September. (WTB.) Bei einer Pa- rade der Eisernen Division erklärte Graf von der Gmtz in einer Ansprache, alle wüßten, daß er die Weigerung der Truppen, abzufahren nictst billige. Er könne sich nicht an die Spitze einer Bewegung stellen, die gegen feinen Befehl gehe. Seine Pflicht sei es, auf die Schwierigkeiten der Ansiedelung im Baltikum aufmerksam zu machen. Er hoffe aber, daß England und Deutschland