Einzelbild herunterladen
 

Sersfelder Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

Nr. 173 Montag, den 38. Juli 1919

1916 behandelt hatte, noch folgendes hervorzuhevent Am 30. August erhielt Der Reichskanzler durch den Nnn- Nns ein Schreiben, in dem ein Angebot Englands vor- lag, dem die französische Regierung sich angeschlosse« habe. Die kaiserliche Regierung möge sich über die Un­abhängigkeit Belgiens erkläre» und Garantien für die politische, wirtschaftliche und militärische Unabhävgjg- keit des Ostides geben. Eine versöhnende Antwort würde den guten Fortgang der Friedensunterhandlun- gen erleichtert haben. (Große Bewegung.) Wir haben hier den amtlichen Schritt einer neutralen Macht, die durch ihre Organisation und Ideenwelt wie wenige in der Lage war, zu beurteilen, wenn ein Friedensschritt » ÄS und BMÄ WBM

«enden ^Arbeitsvlan D^ ^ der englischen Regierung, mit ausdrücklicher Ermächtt-

tagssitzungen die politische Aussprache zu Ende zu füh= ^ E>ann soll für Montag die Beamten- - Beratung gestellt werden. Für «F? otL sorgenden Tage ist tu Vormittags- n^^^^^'^ungen die dritte Lesuna der Verfas- s"U6 ur Aussicht genommen. Danu soll etwa von 1. bis iu or^ur ^ Plenum eine kleine Pause eintreten.

Vom 5. August an würden in erster Lesung die großen stenervorlagen zur Beratung komuren. Dann wird Ersucht werden, dre inzwischen verharlölnngsreif ge- wordenen klemen Steuervorlagen zu erledigen. Für würde darauf eine Pause von etwa einem Monat und für den Steuerausschutz eine kleine Pmffe von etwa 8 Tagen eintreten. Nach der kleinen Pause wurden wir in etwa Mitte August den Umzug der ^tmterfommifiwnen nach Berlin vorschlagen. Der Ausschuß soll aber nach einer achttägigen Pause in Ber­lin die Arbeiten fortsetzen. Das Plenum soll etwa vom September ab in Berlin tagen, in der Annahme, daß bis dahin die Steuervorlagen im Ausschuß vorbereitet sind. In der Zwischenzeit wird auch der Etat zur Bor- lage kommen, und es würde dann die Arbeitszeit bis in den Oktober hinein dauern.

Sitzung der Nationalversammlung vom 25. Juli. w* A^umanm^"^- David, Müller, Noske. Erz- ^^räsidem Fehreuvach eröffnet die Sitzung um 10,25

eine große Anzahl kleiner Anfragen aus denen die des Abg. Nitzschke hervorzuheben ^»^istaat Sachsen gesetzlich festgelegt worden ^^ *'c »^ e»H«Ma»"«

»l kleiner Anfragen

führte

»t wer-

enalischen Oiotc zu oeröffenflichen, ist vom Papste ein- geholt, aber noch nicht eingetroffen. Was aber geschieht in Berlin? Man würde eS nicht für möglich halten. Vier Wochen gibt man den Ministern keine Antwort. In einem Schreiben vom 24. September wird abgelehnt, eine Erktärung abzugeben, weil die Vorbedingungen "üchen Erklärung noch nicht genügend ein amtlicher diplomattscher Bericht

für Abgabe einer sw._ geklärt seien. Also ein amtlicher diplomatif_ für ein Volk, das in höchster Not liegt, wird vier Wo­chen lang nicht beantwortet. Dann erklärt man ihn nicht für genügend. lGr. Bewegang.) Ende September war ich in München. Ich kenne den Nuntius feit lange als persönlichen Frennd. Er kam mir mit Tränen ent­gegen und sagte: Nun ist alles verloren, auch Ihr ar= mes Vaterland. Damit war der von England über den päpstlichen Stuhl eingeleitete Versuch erledigt. Das ist das Tragische, das Entsetzliche. Man kämpft für den Frieden und dann kmmnt es so.

So kam 1918 und Ende September der restlose mi­litärische Zusammenbruch. Alle diese Dinge werden im den nächsten Tagen dem deutschen Volke übergeben wer­den. Dann kann es nach den Akten selbst prüfen. Ich stelle fest, die FriedensresolutiW hätte Erfolg haben müssen und können, wenn ih^e Grundsätze bei Gelegen- wären. DU WfaUmenMich DeiUchlänös ist nicht durch die Revolution, sondern durch stie ronstante Täuschung des Militärs bedingt worden. Nicht die ^riedensreso- lution hat die deutsche Widerstandskraft gelähmt, son- -----...... .............. ............^^ öern der Zusammenbruch ist ersolgt durch Mangel an gegenüber: dem damals so hart bedrängten deutschen , innerer und äußerer politischer Einsicht der Konserva- Volke und Vaterlande. Eine andere Koalition war tiven und der Obersten Heeresleitnng. die das deutsche

Hieraus wird in der Besmech mg der Erklärung

^MMWWWMWMMMWWWWWWWWW

Abg. Dr. Brauns (Ztr.): Das Zentrum und die Sozraldemokraten haben die Koalition nicht nou langer Hand vorbereitet. Sie ist plötzlich in schwerster Stunde des Vaterlandes entstanden aus unserem Pflichtgefühl

auch aussichtslos. Wir traten zusammen, - weil das Reich sonst vor der Vernichtung stand. Das Zentrum glaubte, sich der Verantwortung für die Unterzeichnung des Frreöens nicht entziehen zu können. In der ent­scheidenden Fraktionssitzung stimmten nur sieben Mit­glieder dagegen. Die Ablehnung würde den Krieg, die Anarchre, den wilden Streik und den Bürgerkrieg ge­bracht haben. Auch die Rechte konnte die Entwickelung nicht verhindern. (Stürm. Widerspruch rechts.) Der Friede selbst ist ein Unrecht und eine Vergewaltigung und wir werden nicht aufhören, seine Revision' auf friedlichem Wege zu fordern.

Volk einschüchterten und terrorisierten.

Nach persönlichen Bemerkunden wird die Weiterbe^ ratuna auf Sonnabend vormittag %10 Uhr vertagt.

Schluß %9 Uhr abends.

Berliner Prefsestimmen zu Erzberaers Enthüllungen.

« Berlin, 26. Juli. (WTB) Die gestrigen Aus- führurrgen Erzberaers haben, wie dieGermania" schreibt, über die persönliche Abwehr hinaus eine ge­wärtige Bedeuiuna. Sie werden und müssen das größte Aussehen in allen Kreisen des deutschen Volkes hervor-

Rare Skeuervorlage«.

» -^ ESek«rar, 26. Juli. (S. C.) In »er gestrige« Frakttousfitzuug des Zentrums wurde mitgeteilt, daß mit dem Eingang weiterer Reichssteuervorlagen in be, trächtlicher Höhe schon für die nächsten Wochen zu rechnen sei. Ei« Beschluß über den Umtausch des Papiergeldes und die Abstentpelung der Wertpapiere sei vorläufig noch nicht zu erwarten, da es sich um noch nicht gereifte Pläne handelt.

Kontrolle der Entente über die Steuer»»

h- Rotterdam. 26

, - .....Daily Mail"

meldet aus Paris, die Alliierten sind der Auffassung, daß, die angekündigte Abstempelung der deutschen Wert­papiere eine Finanzmatznahme der deutschen Regierung darstelle, die nach dem Frieöensvertrage der Kontrolle der Kommission des Reparatious unterliegt. Auch die Ertragnisse der angekündigten Stenermaßnahmen in Deutschland haben nach der Auffassung der Alliierten i« erster Linie den Anforderungen der Alliierten auf Schadensersatz zu dienen. Der Eingang der Vcrmögeus- abgabe sei für diesen Zweck von den Ententekommissionen zu tiberwachen und zu kontrollieren.

Die Ratifikation durch England

»* Rotterdam, 25. meldet aus London:

Jult. (S. C.) DerCourant"

. .... ... Die Ratifikation des Friedens- vertrages mit Derrtschland im englischen Oberhaufe ist stimmig erfolgt. Auch Lord La«s« ......r die Ratifikation.

gestern abend eins domne stimmte für

Preutziicher Landwirtschaftsminister Brau«: Wenn der Abg. Dusche auch nur eine Spur des Verantwort­lichkeitsgefühls hätte, das er mir gestern abgebrochen hat, so würde er nicht leichtfertig so schwerwiegende Vorwürfe gegen mich erhoben haben. Ich habe schon vor Monaten, als die Gefahr eines Landarbeiterstreiks airftauchte, vorbeugende Maßregeln getroffen. Nur in Pommern, wo die Arbeitgeber unter Führung des pvm- merschen Landbundes in einseitiger Weise denHerrn- im Hause-Standpunkt" vertreten haben, ist es zum Streik gekommen. Wenn bei dem jetzt grassierenden Streikfieber von den Millionen Landarbeitern nur ei­nige Tausend in den Streik getreten sind, so ist das in erster Linie der Tätigkeit des Lalldwirtschaftsministers und feiner Kommissare zu danken. Die berechtigten For­derungen der Landarbeiter müssen erfüllt werden. Es ist leichter. Minister von 20 000 Landarbeitern zu sein, als der Kourmis von 50 Großgrundbesitzern, die mir ihrem Hochmut den Streik verschuldet haben.

Nach einigen persönlichen Bemerkungen der Abgg. Dr. Dernburg, Dusche und Braun und des preußischen wird die Erörterung

LanSwirtschaftsrntnisters Braun r auf 3% Uhr nachmittags vertagt.

rufen.

DieBerliner Volkszeitung" spricht von einer mo­ralischen Hinrichtung der ^Friedensbinderer und sagt, Erzberaers Material ist so zwingend und niederschmet­ternd, daß der Ankläger Richter und Hinrichter zugleich wurde. Er hat nicht mehr und nicht weniaer getan, als nachgewiesen, daß im August 1917 Reichskanzler Mi­chaelis den Frieden verhindert habe ans Angst vor der damaligen Baterlarrdspartei und aus Mangel an Stut gegenüber dem Diktator Ludendorfs.

DasBerliner Tageblatt" meint, Erzberger habe auf alle Anklagen geantwortet, die in letzter Zeit ihn erhoben worden sind, aber er wußte sehr ße von der Anklagebank zurücktretend, selbst die Roll... Anklägers an übernehmen. Man muß ihm dankbar fein, daß er mit Kühnheit in ein Wespennest hineingriff und seine Bewegung im Keime erstickte, die unabsehbare Folgen haberr könnte.

DieBosstsche Zeitung" schreibt über den Sieg Erz- bergers über die Deutschnationalen in einem solchen Sinne, wie die vorgenannten Blätter.

Auch derLotalanzeiger" sagt, es müsse anerkannt werden, daß die Rede äußerst geschickt war und große

föü des

Der Frkedensvertrag mit Oesterreich.

** Wien, 26. Juli. (T. U.) Zwecks eingehender Abmssung der Antwvrtucste wird eine Fristverläugeruvg erbeten und mau hofft, daß die Ueberreichung der Zlnt- wortnote noch Mitte Angnst zu erwarten ist. Bor Mitte September dürfte der Friedensschluß kaum erfolgen.

Rücktritt Dr. Bauers.

** Wie«, 26. Juli. (T. II.) In der gestrige» Sft- zuna des Hauviousschulles Mwn

lyn^h in welchem SthatsiefrefSr Dr. Bauer seine Ent­lassung als Leiter des Staatsamts des Aeutzern nimmt. In dem Brief erklärt Bauer, daß seine Politik an dem ttalieuischen JMperialismus gescheitert sei. Die Stelle des Staatssekretärs des Aeutzern wird nicht nenbesetzt werden, sondern Staatskanzler Dr. Renner übernimmt die Geschäfte des Staatsamts des Aeutzern, während in späterer Zeit es der Staatskanzlei angegliedert wer-

Die Drohuugen an Deutsch-Oesterreich.

»°> Rotterdam, 25. Juli. (S. C.) Eine Reuterde- pesche meldet aus Paris: Die Alliiertenkonferenz hat am Donnerstag beschlossen, über die bisherigen Zuge- ßattdmffe an Oesterreich nicht hinauszugehen. Sofern Oesterreich in der vorgeschlagenen Frist nicht unter­schreibt, wird die militärische Besetzung Deutsch-Oester­reichs öurchgeftthrt werden. Die entsprechenden Matz- nahmen sind in Vorbereitung.

Die deutschen Kriegsgefangenen werden widerspenstig.

« Berlin, 25. Juli. (Vts.) Die englischen Blätter vom 23. Juli melden: Die Militärbehörde ist einer gut­organisierten BerschWörttnq deutscher Kriegsgefangener im Gefangenenlager von Park Hall Osrestrv auf die Spur gekommeu, die die Eirrüschernng einer Anzahl Ba­racken der .Krieasgefangeneu zum Ziele hatte. Den deutschen Offizieren, die für die Führung ihrer Mann­schaften verantwortlich sind, ist eröffnet worden, wenn irgendwo dergleichen geschieht, keine Erleichterung für die Unterkunft der Gefangenen, deren Baracken zerstört würden, gewährt werde, und daß die Gefangenen im Freien schlafen müßten, solange sie im Lager verblieben. Seit Unterzeichnung des Friedens seien viele Gefau-

Die Nachmittagssttzuttg

brächte den Höhepunkt der politischen Aussprache. Der Abg. Gracie von der Deutschnationalen Voltspartei zog gleich zu Beginn seiner AuSsührunaen scharf gegen die Revolutionsregierung zu Felde, die er für dielen Frie­den und alle daraus entstehenden Lasten verantwortlich machte. Besondere Spitzen enthielten seine Ausführun­gen gegen Minister Erzberger, der in seiner bekannten polemischen Schlagfertigkeit die Unterstellungen des Ab­geordneten aufs schärfste zurückwies und seinerseits hervorhob, daß es gerade die Militärvartei und die jener nahestehenden konservativen Kreise gewesen seien, die all dies Unglück verschuldet hätten. Der Reichsmi­nister Erzberger wies im Verlaufe seiner groß ange- legier: Rede aktenmäßig nach, daß während des Krieges verschiedene Friedensangebote von der damaligen Re­gierung glatt abgelehnt worden sind, und löste mit diesen. Enthüllungen große Bewegung im Hause aus, die sich oft zu lebhaften Kuirdgebungen aeaen die Rechte steigerte. Stürmischer Beifall, auch auf den Tribünen, erscholl, als Reichsminister Erzberger zum Schlüsse feiner Ausführungen der Rechten zurück: Sie werden die Schande nicht los, weder vor uns, noch vor der Ge­schichte, noch vor Mrem eigenen Gewisien!

Aus der Rede ErzbergerS ist, nachdem er die Fric-

Wirkung hatte.

In derNtorgenpost" heißt es, auch wer trotz An- erkenimna seiner temvervlnentvvllen Redekunst dem Minister zurückhaltend gegenübersteht und wer seine geschichtliche Rolle anders zu beurteilen aewillt ist, als er selbst, muß anerkeunen, daß die Deutschnationalen eine schwere politische Niederlage erlitten haben.

In derDeutschen Tageszeitung" heißt es. die be­rufenen Stellen, vor allem der damalige Reichskanzler Michaelis, wie auch Herr von KüNmann werden jetzt Veranlassung haben, mehr Klarheit zu schaffen, ob die Tatsachen so liegen, wie Erzberger sie darstellt.

DerVorwärts" begrüßt die Entlarvung der All­deutschen und sagt, hier liegt ein Fall vor, der unbe­dingt vor einen zu schaffenden Staatsgerichtshof gehört.

Noch 9 Milliarden Defizit jährlich.

w Berlin, 26. Juli. (S. E.) DerLokal-An­zeiger" veröffentlicht heute von hoher Regierungsstelle eine amtliche Darstellung über die neuen Steuer». Da­nach ist -je Abgabe des Vermögens auf den unerhörten Satz von 70 y. H. erhöht worden. Der Reichsbedarf be­trägt jährlich etwa 17% Milliarde«, der den einzelne« Staaten und Gemeinde» 6% Milliarde», das macht zu­sammen 24 Milliarden Mari Reichsbedarf. Bei der Ausbringnug der 21 Milliarde» stellt sich ein Defizit von 9 Milliarden Mark heraus.

gene Widerspenstig geworden, und man sei der Ansicht, daß es gut sein werde, den Vorschriften, die sich auf das Verhalten der Gefatzgenen innerhalb der Gefangenen­lager bezögen, aufs strengste Geltung zu ve 'L "... und sie, wenn nötig, zu verschärfen. Die Schwierigkeiten werden hauptsächlich den Offizieren der versenkter: deut­schen Flotte, die von Scapa Flow nach dem Lager ge­kommen sind, zugeschrieben.

en

Schwierigkeiten bei den Verhandlungen in Paris.

Weimar, 25. Juli. (L. Ab Wie hier verlautet, sind die Verhandlunaeu in Paris, die zwisäieu Deutsch­land und der Entente über die Durchführung der Wirt« schaftlichen Sefämmnwit des Friedensvertrages ge­führt werden, auf große Schwierigkeiten gestoßen. ES steht fest, daß französischerseits die Forderung gestellt wird, Deutschland solle unverzüglich ein gerade in jetzi­ger Zeit unverhältnismäßig groß^ Quantum Kohle« an die Entente abführen. Der Vorsitzende der deutschen Kommission wies daraufhin, daß es einfach undenkbar ist, diese Forderung der Entente zu erfüllen.

Die Kohleulicferuug an die Entente.

* Weimar. 26. Juli. T. II.) Ueber den Gang der Pariser Wirtschaftsverhandlungen liegt bisher nur ein Bericht des Legationsrates von Lerchuer vor. Die En­tente stellt die Forderung von ungefähr 17 Millionen Tonnen Kohlen, deren Lieferung auf 10 Monate ver­teilt werden soll, sodaß auf den Monat deutscherseits 1,7 Millionen Tonnen zu liefern wären. Das Kabinett beschäftigt sich bereits mit der Frage.

Die Zollgrenze im Westen.

Köln, 25. Juli. (B. Z.) We von unterrichteter Seite verlautet, hat die Entente bei den in Versailles geführten wirtschaftlichen Verhandlungen ihre Zustim- mung gegeben, die alte Zollgrenze in der Rheiuprooinz