Hersfelder Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
Nv, 168 Dienstag, den SS. Fuli 1»1»
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Streik in Berlin.
Berlin, 20. Juli. lT. H.) Der Direktor des j ^^E^iLUatswerkes teilt mit, dqtz am Montag von 8 : Uhr früh bis 8 Uhr abends gestreikt wird und nicht ein- ; mal an die Krankenhäuser usw. Strom abgegeben wer- • den kann. Im Betrieb der Hochbahn wird der General- : streik zwar erwartet, endgültig wird darüber jedoch ! erst in der heutigen Nacht entschieden werden. Bei den : Eisenbahnern ist die Stimmung im allgemeinen gegen i den Streik. Dagegen werden auch die elektrischen Stra- i tzenbahnen aller Voraussicht muß am Montag nicht verkehren. In der Industrie rechnet um» nicht mit einem Generalstreik, jedoch mit bedeutenden Teilstreiks. ReichAwehrminister Noske hat die Abhaltung der Ber- sammlernaen der Unabhängigen unter freiem Himmel am Montag Mittag und Nachmittag verhören.
Berlin, 20. Juli. lT. U.) an der Spitze seines Blattes
»* Berlin, 20. Juli. lT. U.) Der „Vorwärts" «Mmt an der Spitze seines Blattes Air Streikbewegung am Montag Stellung. Er verurteilt den Streik aufs schärfste und schreibt u. a.: „Dieser Streik ist ein neues Berbrechen gegen das deutsche Volk. Wer noch ein Gewissen im Leibe und Verantwortungsgefühl gegenüber seiner Familie und seinem Volke bat, darf am Montag nicht streiken. Die Arbeiterschaft muß sich von den Totengräbern ihrer Zukunft — den Unabhängige« und Kommunisten — abwenden. Sie muß ihnen am Montag die Gefolgschaft verweigern. Wir enden in schwerster Not, weil wir uns völlig tot streiken."
►* Berlin, 21. Juli. (S. Cü Neunzig Prozent der Berliner Arbeiterschaft nehmen an dem heutigen De- Mouftrationsstreik teil. Die Regierung hat erklärt, Maßnahmen z» treffen, nm den elektrischen Betrieb anfrechtznerhalten. Ob dies aber gelingen wird, läßt fich zur Zeit nicht beurteilen. Auch die Setzer und Drucker werden voraussichtlich den ZeihnngsSetrieben Sr einige Stunden fern bleiben, um an den Versamm- ngeu teilzunehmen. Die wenigen Arbeitswilligen find durch den Terror wieder gezw«v»e«, sich «n dem Streik an beteiNge«.
MWZ vrM«U MMDUch". W«WK 5-MMMMM<tzMMHWtz Hochbah« haben in geheimer Abstimmung beschlossen, sich dem Streik «»zuschlietze«. Die Regierung will versuchen, den Betrieb der Wasserwerke Mit Zettfreiwil- Ugeu aufrechtzuerhalte«. In den Berliner Großbetrie- »en wird samt und sonders gestreikt, da Soziakdeuwkra- teu und Unabhängige sich für die Arbeitsrube erklärt haben.
Die Arbeitsniederlegung in Halle.
►* Halle a. S., 20. Juli. lT. U.) Morgen feiern hier sämtliche Bergarbeiterbetriebe. Ebenso stellen die Druckereien, Seitothgen und Straßenbahnen den Betrieb ein. Im Gaswerk und in den Eisenbahnwerkstttt- Nn wird gleichfalls die Arbeit niedergelegt, jedoch hofft Ht Eisen bah»,Verwaltung, den Verkehr aufrechtznerhal- hm. Das Elektrizitäts- und Wasserwerk arbeitet.
In Leipzig wird nicht gestreikt.
Leipzig, 21. Juli. tS. C.) Die sozialistische Hartei in Leipzig richtet an die Arbeiter und Partei- Kenossen einen Aufruf, in dem sie sich entschieden gegen feit Streik erklärt. Auch die Partei der Unabhängigen tot ^ich gegen die Arbeitseinstellung am Montag erklärt.
Der Weltstreik i« Italic« ««bestimmt.
k* Lugano, 20. Juli. lT. tt.) Das Schicksal des morgigen Weltstreiks ist gänzlich unbestimmt. Der große Teil der Arbeiterschaft sowie die Eiserrhahuer wolle« vom Streik nichts wissen. Auch das Zentvalkomitee »er Postbeamten lehnt ihn entschieden ab. Nitti erläßt eine Weisung an die Präfekten, worin es heißt, die Regierung werde gegen diejenigen, die den Streik zu Gewalttätigkeiten mißbrauchen wollen, äußerste Strenge walten lassen. Die Bereinigung der Kriegsteilnehmer erläßt ein Manifest, worin erklärt wird, der einzig wirksame Protest gegen den Versailler Friede« bestehe nicht in Streik, sondern in Arbeit, um Italien wirtschaftlich neu zu beleben.
Rückgang des «rutearbeiterstreikL.
i-* 33 e r l i n, 21. Juli. (S. E.) Der Erntearbeiter- ftreik in Deutschland ist auch im Laufe des Sonnabends weiter beträchtlich znritckgegangen. In Pommern stehen nur noch 25 bis SO Prozent der Erntearbeiter im Aus- stande.
Straßenbahnerstreik im rheinffch-westfälische« Jndnftrie-
^ Essen, 20. Juli. (T. U.) Im rheinisch-westfälischen Jnonstrievezirk droht ein allgemeiner Streik der Straßenbahner. In Essen ist gestern abend der Stra- tzenbahnbetrieb völlig eingestellt worden.
Streik der Privatschiffer in Stetti».
>-*• Stettin, 20. Juli. (T. U.) Am Dienstag sind die Privatschiffer in den Ansstaud getreten. Der Verkehr i Stettin—Berlin ruht. In einer gestern abgehaltenen Bersanrmlunq wurde die Fortdauer des Streiks auch nach Aufhebung des Generalstreiks beschioffe».
Streik der Seeleute in Gugland.
w Kopenhagen, 20. Juli. lT. u.) Der Verkehr von London nach Schottland ist seit gestern abend voll» kommen unterbrochen. Im Tynedistrikt, dein wichtigsten Kohle«bezirk des Landes, mußte infolgeöeHcn die Arbeit eingestellt werde«. Die Säsiffe liegen untätig M den Häse«. Tausende »on Dockarbester« sind beschaf- ÜguugRo» geworden.
Der ZrieizeurseckW mit Merkeich.
Die finanziellen und territorialen Bedingungen.
k* Haag, 21. Juli. (T. U.) Aus Paris wird gemeldet, die Friedenskonferenz hat die Redaktion des Friedensmrtrsges mit Oesterreich beendet und Sonntag vormittag 11 Uhr die finanziellen und reservierten Klauseln dem Staatsknuzler Renner überreicht. Die Ab- änderungen sind hauptsächlich territorialer «nd wirtschaftlicher Ratnr. An der mährischen Grenze wird den Jugoslaven ein größerer Gebietsteil abgetreten, während im Gebiet von Klageufurt eine Bottsabstimmnug stattfinden soll. Die Tschechen erhalten den vorgesehenen Brückenkopf südlich Preßburg, wogegen wieder deutsch- : sprachige Gebiete des ehemaligem Ungarn an Dentsch- - Oesterreich kommen sollen. Die wirtschaftlichen Bcstim- : Zungen werden als weniger drückend wie die Ursprung- i Uchen bezeichnet. Die österreichische Armee darf, die Offiziere einbegriffen, nicht mehr als SO 009 Mann zählen. Die österreichische Delegation hat eine Frist «o« 10 Tagen erhalten, um Gegenvorschläge z« mache«.
Der Druck auf Dentsch-Oesterreich.
«^ Zürich, 21. Juli. (S. 6.) Der „Secolo" meldet aus Paris, die italienische Heeresleitung trifft alle Bor- bereitungen, um für den Fall einer Ablehnung der neuen, Ententefvrderunqen durch Oesterreich am 18. August die nrilitärischen Operationen gegen Oesterreich wieder auf: znnehmeu.
Eine Drohung an Oesterreich.
m- Gens, 19. Juli. (S. C.) Der „TempS" meldet: Für den Fall der Ablehnung der neuen Ententeforde- rnngcn durch Oesterreich würde Italien das militärische Mandat gegen Oesterreich übertragen.
Oesterreickische Note wegen der Meistbegünstignng.
M- Päris, 19. Juli, lWTB.s Sauas. Der Friedenskonferenz wurde eine österreichische Note übermittelt betreffend Anwendung der Bestimmung der Meistbegünstigung, insbesondere auf die an Oesterreich angrenzenden Länder.
Genf, 20. Juli lT. U.) Nach französischen Blät. termeldungen aus Bukarest hat General Francket d'Efpere an die Sowjet-Regierung von Ungarn ein M- timatum gerichtet, in dem sie ansgefordert wird, znrück- Lutrsten und einer vom ganzen ungarischen Volke gewählte» Regierung Platz zu machen. Im Weiaerungs- falle würde er sofort die militärischen Operationen gegen Ungarn anfnehmen.
Rückkehr der Kriegsgefarrgenen.
-^ Genf, 21. Juli. (S. 60 Eine Havasdepesche meldet, daß in der Woche vom 20. bis 27. Juli insgesamt 22 000 Kriegsgefangene aus Frankreich abtransportiert werden.
Verzögerung der HeimSeföröeruug.
»^ Bmlin, 21. Juli. (T. U.) Bon zuständiger Seite wird mitgeteilt, daß die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr der Kriegsgefangenen nicht Berechtigt sei. Der Grund hierfür liege darin, daß von gegnerischer Seite die Ernennung und Entsendnng der Kommission verzögert rvtrd, die nach dem Friedensvertrag die Heimbe- föröerung der Gefangenen regeln soll.
Kommunisttscher Empfang in den Grenzstädte«.
»-* Karlsruhe, 21. Juli. (S. E.) Auf den größeren Stationen, die in den nächsten Tagen die heimkehrenden Kriegsgefangenen aus Frarrkreich passieren, zeigt sich eine auffallende Utld deutlich^ wahrnehmbare Propaganda der Kommuniste«. Zahlreiche komnnmistifche Agitatoren fittd in den Grenzstädten eingetroffen, die hier anscheinend nach einem gut ansgearbeUete« Plane agitatorische Vorbereitungen für den Empfang der heimkehrenden Kriegsgefangene» treffen.
Dentsckland drängt auf Heimsendnna der Ruffe».
m- Zürich, 19. Juli. lT. U.) Die deutsche Regie« ruug ist nach Pariser Meldungen jetzt energisch wegen der Heimsevonng der noch in Deutschland befindlichen 240 000 russischen Kriegsgefangenen vorstellig geworderi, da sie nicht in der Lage ist die sehr bedeutenden Kosten weiter zu tragen und die Ernährung für die Gefangenen zu liefern. Die Entente fürchtet aber, daß sich nie Kriegsgefangenen sofort nach ihrer Heimkehr der Armee Lenin anschlietze« würden. Darum zögert sie mit ihrer Heimsendung.
Der Vatikan zur Aufhebung der Blockade.
Der Papst hat an die deutsche» Bischöfe einen Brief gerichtet, in dem es u. a. heißt: Nach Beeirdigung des langen traurigen Kampfes mrd nach der Unterzeichnung des Friedens hat endlich amch die Blockade aufgehört, die auch unter uns Nichtkämpfern so viele Opfer gefordert hat. Wir danken dem allmächtigen Gott. Eure Gedanke» müssen fetzt sein, möglichst schnell die KriegÄ- sckmden zu heile». Damit in Deutschland nicht bolsche- rvtsttsche Unruhen auftreten, müssen wir alle Anstrengungen machen, daß dem Volke Levensmittel am ..... " werden. Deshalb laßt durch die Pfarrer das La_______ ermähnen, daß es alle überschüssigen Lebensmittel dem hungernden Stadtvolke anbtetet. Außerdem hoffen wir, daß auch die Augehörtqe« oberer katholischer Stationen dem deutschen Kolke helfen, von dem wir wissen, daß .......c Rot sich befindet. Ihr müßt Euch das Ftels Johannes m$ Gedächtnis zurück- Söhne, wir wollen nicht mit den Wor
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ten und jeSA HMgeMl gegen Sure bisherigen Setatt wie auch gegen die MNbSraer anderer Ratto-nen bs fettigen.
Deutsch-amerikanischer Schiffahrtsverkehr.
«^ Rotterdam, 21. Juli. (S. C.j „Daily Mail' meldet aus Neum>rk, daß die regelmäßige Schiffahrt zwo schen ümerikanischeu Häfen und Hamdnrq sowie Bremer durch amerikanische Schiffe in den nächsten Tagen beginnen soll. Ein Verkehr in größerer» Stile kommt vorläufig aber nicht in Frage wegen der Bezahlnugsschwie- rigkeite», da Deutschland keine Guthaben in Amerika mehr besitzt.
WachsemÄrr Wwerftmrd gegen Kmserprozetz.
Bcr«, 19. Juli. (WTB.j Laut „Chicago Tribune" habe« sich die Amerikaner, Japauer nu» Jtalie- ner offen gegen die Anslieferung des Kaisers ausgesprochen. R«r den Frauzvfe» scheine noch daran z« liegen. Der Fstuserrat habe bisher keine Liste der anszu- liesernde« Personen aufgestellt. Nur von anderer Geste sei eine vorläufige Liste ausgestellt worden.
Die Gtstscheidung über den Kaiseryrozetz.
k* zrotieodE, 21. Juli. (S. 6.) Eine Reuters»- petoe meldet aus Paris vom 19. Juli, die Entscheldung über den Kaiserprozeß soll am 2. Septeinder saßen. Die Kommission für die BsrauLworttiÄ-rit am Kriege wird am 3®. Anrust ihre Beratungen abf^lteßen.
Mehrheit für die Ratifikation i« Amerika.
W Rsnyork, 21. Juli. lT. it) Der angeblich« Geheimvertrag zwischen Dentschlaud und Japan würd« im Senat verlesen. Die Debatte über den Friede«-- vertrag wird mit großer Schärfe geführt Doch meint der mit derr Verhältnisse» des Parlaments gewöhnlich gut vertraute „Globe", dir Ratifikation des FriedenS- vertrages mit großer Mehrheit Voraussage« zu können.
Die Besatzungsstärke am Rhei«.
♦=* Gens, 21. Juli. (T. U.) Marsch»« Foch fteWe lest, welche Truppenteile Hit die Bsfetz««g des linke« Rheinnsers erforderlich sind. Insgesamt sind es 10« VVV Mann aller Waffengattungen.
w Koblenz, 19. Juli. lL. A.) Teile der delgisthen und amerikanischen Besatzungstruppen sollen Mr<> französische Truppen ersetzt werde«. Im Segler Brut- kenkopsgtbiet ist ein französisches Jägerbataillon zu» Ablösung von französischen Kolonialtrusiyen eingetroffen. Die Franzosen beabsichtigen, dem Rhei« entlang die Schutz- und Festungswerke anSanbanen.
BUdnng eines Saarbistums.
h- Karlsruhe, 19. Juli. (B. Z.) Die „Saarzeitu»a" erfährt von beftinformlerter Seite, daß im neue» Sagostaat die Bildung einer Diözese mit Einverständnis da» Bischofs von Trier beschlossen worden ist. Als 9tefibeiu des Oberhirten ist Saarlouis bestimmt. Es wird form« aus Teilen der Bistümer Trier und Speyer ein neue# Bistum geschaffen, das beu Namen Saarbistum tragen wird.
Der Enteute-MilitarismuS.
►* Rotterdam, 19. Juli. lWTB.) „Daily Mai'" schreibt, daß England unb Frankreich ihre Armee a ' ein Drittel der Kriegsstärke herabsetzen werden Ei Beseitigung des stehenden Heer?s sei für beide Vind zurzeit unmöglich. Die englische Friedensstlirkc wür : das Fünffache der Heeresstärke von 1914 betragem
Auflösnn« des französische« Ha«pi4 mrtierS?
»^ Paris, 19. Juli. (WTB.) Marschall Petaiu hat laut „Echo de Parts" vorgeschlagen, am 1. August da» französische große Hauptgrrartler aufznhebe«. Di» Dienstzweige in Chantilly fußten nach Paris verleM werden. Der Oberste »riegsrat würde mit MarschaR Petain als fteßmrtrefeHbem Vorsitzenden wieder berge- stellt werden.
Der F«A Manhrim.
»^ Zürich, 20. Juli. lT. 1U Wie die Pariser Bläh- ter berichten, hat die französische Regier«ng den «m Dienstag überreichten Entschuld,gnngsbries der deutsch«, Regierung über die Ennordnug des Sergeanten Maw- Heim nicht beantwortet. Marschall Foch hat als Oberbo- fehlshaber der in Deutschland stehenden Truppen den Auftrag erhalte«, stch mit der dentschen Behörde direkt in Verbindung zu setzen. „ , „ .
Die Setze der Pariser Boulevard-Presie wegen der Tötung des Sergeanten Manheim lmt..ia nicht »ninder- nehmen können. Daß aber die französische Regierung den Marschall Foch mit der Angelegenheit betraut it ebenso unverständlich, wie ihre Federung einer Buß« von der Stadt Berlin. Nach der Ratiffkatw« des Fne- densvertrages ist der einzige Verkehr zwischeil Deutschland mrd Frankreich der diploumtische.
Frankreich besteht ans Zahlnng 1 Million Buße.
e-f Genf, 21. Juli. (S. C.) Eine Havasdepesche meldei, die frarrzösische Regiernng hat beschlossen, auf Zahlung der geforderten Buße für den getöteten Sergeanten Manheim in Berlin seitens Dentschlands z« bestehen. Eine neue Note an Deutschland wird die nochmalige Forderung unter Stellung einer angemessenen Frist aussprechen Die Havasnote fügt htnzu, baß bis zur Ratifikation des Friedensvertrages dnrch da» französische Parlcunevt der Kriegszusta«d mit Deutschland fortbestehe.
Polnische Offensive im Baltikum. ]
^ Königsberg, A Juki. «S. C.s Ans Ria« wir» gemeldet: Die poluisch-litauische« Truppe« haben bea* Kampf gegen die Rote Armee an der Sünafront Mfrj