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Hersfelder Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

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I B-r«gspr,is vtsrtelMrlich für -ersfeld 2 ^Mark, durch die Post be- 1 AmEÄLk ÄMMÄLT Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile ' Pfennig, im E r-gen 2.82 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckers; 8 5 amtlichen Teile . >Pfennig, Reklamen kosten die Zeile "Pfennig, z

| HsrsfeW. Für die Tchriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. für Den nrers Herssew Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprecher Nr. 8.

Nr» 151 Mittwoch, den S. Juli 1919

Sla-toerordnetenoerlammiWg.

):( Hersfeld, 2. Juli.

An der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten, welche um 3 Uhr durch Herrn Stadtverordnetenvor­steher Schafft eröffnet wurde, nahmen 26 Mitglieder teil. Außerdem war Herr Bürgermeister Wagner, sowie die Herren Falk und Hirschberger vom Magist­rat anwesend.

Wegen der zu hohen Kosten der Neupflasteruug der Brüdergaffe hatte der Magistrat beschlossen, zur Zeit davon abzusehen, zumal ein Zuschuß des Staates hierzu sehr zweifelhaft sei. Da auch eine Um« Pflasterung der Straße sehr erhebliche Kosten verur­sachen würde, war auch hier der Magistrat zu einem ab­lehnenden Standpunkt gekommen. Herr Möller trat dafür ein, wenigstens eine Umpflasterung bezw Aus­besserung des Pflasters vorzunehmen, da mit Rücksicht aus den außerordentlichen schlechten Zustand dieser Straße unbedingt etwas getan werden müsse. Herr Grob schließt sich diesen Ausführungen an. Wie Herr Bürgermeister Wagner mitteilte, betragen die Kosten der Neupflasterung ca. 23000 Mk., wovon auf die Stadt 12760 Mk. entfallen würden. Eine Anfrage des Herrn Grob, ob die Zurückstellung der Neupflaste­rung auch erfolgt wäre wenn die betreffende Straße außerhalb der Stadt liege, bejaht Herr Bürgermeister dahin, daß noch andere wünschenswerte Neu- und Umpflasterungen (wie z. B. der Kirchplatz) aus den­selben Gesichtspunkten zurückgestellt worden seien. Nachdem Herr Möller und Herr Holzapfel nochmals für Umpflasterung, Herr Hirschberger und Herr Ger­lach für Zurückstellunge eingetreten waren, wurde der Antrag des Herrn Möller auf Umpflasterung der Brüdergasse unter Bewilligung der erforderlichen Mittel von der Stadtverordnetenversammlung an­genommen.

Stadtverordneten abgelehnte Vorlage betr. Zuschuß zur Instandsetzung des Geiswehres vorgelegt worden. Der Magistrat legt nochmals eingehend die Gründe dar, welche den Zuschuß von 100 Mk. rechtfertigen, ohne jedoch rechtliche Gründe anzuerkennen. Nachdem die Herrn Gerlach und Mohr sich gegen die Bewilligung ausgesprochen hatten, wird der Antrag des Magistrats einstimmig abgelehnt.

Bekanntlich war das Gebäude der Gesellschaft Verein" während der Zeit der Demobilmachung zu Einquartieruugszweckeu hier durchziehender Truppen von feiten der Stadt benutzt worden. Hier­bei waren Vorhänge und öergl. abhanden gekommen, die nunmehr durch die Gesellschaft neu beschafft worden sind und ca. 1100 Mk. Kosten verursacht haben. Die Stadt war nun um Erstattung dieser Kosten gebeten worden, und der Magistrat hatte sich damit einverstanden erklärt- Herr Schafft führte aus, daß es nicht geklärt sei, ob die Stadt zur Ersatzleistung bei Einquartierungsschäden verpflichtet sei. Herr Bürgermeister Wagner gibt eine eingehende Darstellung der Vorgänge. Ob die Stadt verpflichtet sei, ist fraglich, doch könne der einzelne Bürger Ein­quartierungsschäden nicht tragen, und die Stadt wäre

Das «üÄ der Andern.

Original-Roman von Erich Ebenstern.

11) (Nachdruck verboten.)

Sie hat ein merkwürdiges Geschick dazu," dachte die Mutter noch nachträglich bewunderrrd,man bemerkte weder, daß der Damast schon dünn und teilweise ge­stopft ist, noch daß Gläser und Geschirr bereits arg abge-

' n- es sah im Gegenteil alles vornehm und poetisch aus. Kompott und Fruchtschale hätten auf jeder Fürstentafel stehen können, und die Verlchenstrauß-

nu:

Ihre' Gedanken wurden unterbrochen durch Eve- ^^W^ bist Du ja auch da," sagte Frau Losen- iteirr, sich erhebend,nun können wir wohl schmieg ge­hen, Kinder? Laßt das weitere Aufräumen nur für morgen. Schade, daß Du nicht dabei warst heute, Eve­lyns Es war wirklich sehr nett und gemütlich. Ich glaube, wir haben in Ehren bestanden vor den neuen Verwandten. Hast Du Dich bei Deiner Freundin gut unterhalten?" ,

Ja, Mama: ich habe mich heute auch verlobt/ ant­wortete Evelyn ruhig, während ihre schönen Augen stolg und selbstbewußt über Mutter und Schwester glitten. Verlobt? Du hast.. . Dich . . - Dich auch ver­lobt^" Frau Losenstein sank vor Uebcrraschung wie­der auf den Stuhl zurück. Dann starrte sie ine schöne Tochter beinahe ängstlich an.Mit wem denn?" fragte sie unsicher. 1

/Du mumhst keine Angst zu haben, Mama, daß noch eine von uns als ewige Braut daheim fitzen. bleibt. Mein Bräutigam, Graf Magnus Sanderfeld, ist sehr reich und wir heiraten schon in ein paar Monaten.

Ein Graf? Wirklich ein Graf?" fragte Emmy uu- gläubig, und etwas wie Neid zuckte um ihre Mund-

zum einstweiligen Ersatz verpflichtet. Herr Engel- Hardt empfiehlt Zurückstellung der Sache undEinholung eines Gutachtens. Herr Fehling tritt für Ablehnung der Zahlung ein, da sonst noch von vielen Seiten derartige Ansprüche an die Stadt gestellt würden. Herr Becker warnt vor einem Prozeß, den die Gesell­schaftVerein" dann gegen die Stadt anstrengen werde. Mau solle die Angelegenheit bis zum Eingang eines Gutachtens zurückstellen. Die Versammlung war dann mit dem Anträge des Herrn Engelhardt einverstanden.

Die Herrichtnng des Eisteiches vor -er neuen Bürgerschule zu einem Spielplätze würde einen Kostenaufwand von ungefähr 10 000 Mark erfordern, die provisorische Herstellung 23 060 Mk. Der Magistrat empfahl mit Rücksicht hierauf Zurück­stellung der Angelegenheit, da in absehbarer Zeit mit Freigabe der Kriegsschule zu rechnen sei, wodurch ein Spielplatz für die Bürgerschule gewonnen werden könnte. Herr Holzapfel hielt Abhilfe für dringend geboten, da der jetzige Schulhof viel zu klein sei, keinen Schatten spende und außerordentlich viel Staub erzeuge. Herr Wolff hält den Platz für sehr ungeeignet, da er die meiste Zeit des Jahres zu naß sein werde, und schlägt den weiter unterhalb ge­legenen Rasenplatz als Behelf vor, bis ein neuer Spielplatz zwischen der Schule und der Villa Auel angelegt werden könnte. Wie Herr Bürgermeister Wagner mitteilte, kommt nach neueren Mitteilungen die Kriegsschule für diese Zwecke nicht mehr in Betracht, da dieselbe jedenfalls im September wieder als sog. Waffenschule eröffnet werden soll. Er selbst halte den Etsteich ebenfalls als Spielplatz für nicht geeignet. Herr Gerlach trat den Ausführungen des Herrn Holzapfel bei, da mit der Anlage eines neuen Spielplatzes in den nächsten Jahren kaum zu rechnen sein werde, weil hierdurch eine ganze Menge dringend notwendiges Gemüseland in Wegfall kommen würde. nicht für angängig, da hierdurch die Angelegenheit nur verschleppt würde. Er fei der Ansicht, daß schon längst Abhilfe geschaffen wäre, wenn es sich um die Kinder der Reichen handeln würde. Herr Gerlach stimmt dem zu und schlägt vor, den Platz als Not- stanösarbeit herrichten zu lassen. Herr Bürgermeister Wagner legt nachdrücklichst Verwahrung gegen den von Herrn Henniger erhabenen Vorwurf der Verschleppung ein, da den Magistrat nur sachliche Gründe bestimmt hätten. Auch Herr Mohr protestiert gegen die Unter­stellung des Herrn Henniger. Den Eisteich halte er als Spielplatz nicht für geeignet, der von Herrn Wolff vorgeschlagene sei besser. Sie alle wollten gerne für einen Spielpatz sorgen, aber die Angelegenheit werde nicht deshalb verschleppt, weil es sich um die Kinder der ärmeren Bevölkerung handle. Herr Henniger bemerkt, daß er dem Magistrat keinen Borwurf der Verschleppungstaktik habe machen wollen. Er habe nur ausdrücken wollen, daß die Angelegenheit dadurch den Anschein der Verschleppung in den Augen der Bevölkerung gewinne, da sie bereits so oft auf der Tagesordnung gestanden hätte. Ein Vorschlag des Herrn Sander, nach der Sitzung die beiden vorge­schlagenen Plätze in Augenschein zu nehmen u. dann

Ministerium des Aeußern. Er ist Besitzer von Retten- egg, Glaversheim und Ottendorf, sein Vermögen^be- - trägt mehrere Millionen, und er hat von näheren Ver­wandten nur noch eine alte Mutter, die auf Rettenegg lebt. Beate ist eine Base von ihm. Bist Du nun be­friedigt?"

Ja. Natürlich. Da muß man Dir freilich gratu­lieren !"

Aber wie kam denn nur das?" fragte die Mutter, der alles noch wie ein Traum schien.

Evelyn erzählte, was sie für nötig hielt. Die Szene in der Glasgalerie verschwieg sie. Die Schwestern gra­tulierten. Nur Modesta schwieg. Sie saß seit dem er- ftensWort starr wie eine Bildsäule da, mit abwesendem Blick und wie benvrumen. ,

Nun, Modesta Dir hat wohl die Ueberraschung die Sprache geraubt?" lachte Evelyn endlich.Willst Du mir nicht auch gratulieren?"

$toWa fuhr erschrocken zusammen.

Ja natürlich verzeihe ich ich freue mich ja so über Dein Glück...!" stammelte sie verwirrt.

Mama Losenstein erging es seltsam. Sie hatte doch gehört, daß es eine Liebesheirat war Evelyn hatte ja nachdrücklich erklärt:Wir lieben uns schon lange heimlich - " und sicher war diese Heirat ein märchenhaf­tes Glück für ihre Tochter.

Dennoch blieb das weiche, gerührte Gefühlen ihrem Herzen aus, MS sie gestern bei Lottes stürmischer Mit­teilung empfunden hatte.

Evelyn sprach so viel von äußeren Vorteilen und so wenig von ihrer Liebe ...

Es wäre schrecklich," dachte die Mutter beklommen, wenn sie ihn nur aus Berechnung nähme. Ich müßte mich dann zu Tode schämen für mein Kind.

Denn in dem Herzen dieser einfachen Frau, deren Leben nur eine einzige Kette von Sorgen gewesen war, lebten unverrückbare Ideale und Ehrbegriffe, denen die Not des Lebens nichts hatte anbaben rönnen. Dazu

einen Beschluß zu fassen, findet allseitige Zustimmung. An Ort u. Stelle werden dann nach beendeter Sitzung

die beiden Plätze besichtigt. Hierbei einigte man sich dann auf den von Herrn Wolff vorgeschlagenen Rasenplatz hinter der Kriegsschule.

Für Notstandsarbeiten, für welche bis jetzt 80000 Mark verausgabt worden sind, werden von der Versammlung weitere 50 000 Mark einstimmig be«

80001

willigt.

Ein Antrag des Herrn Holzapfel, den Vorstand der Gewerbliche« Fortbildungsschule ueu zu wählen, wird von dem Antragsteller zurückgezogen, da ein neues Ortsstatut, welches auch die Zusammensetzung des Vorstandes anderweitig regelt, demnächst zur Vorlage kommt.

Ein Antrag des Herrn Wolff betreffend Verhütung von Holzdiebstählen w rd von dem Antragsteller ein­gehend mündlich begründet, mit dem Ersuchen, der Magistrat möge geeignete Maßnahmen ergreifen, daß hierin Abhilfe geschaffen werde. Es könnte sonst manchem Losholzempfänger eine unangenehme Ueber« raschung zu teil werden, daß sein Holz verschwunden sei, wenn er es im Walde abholen wollte. Herr Gerlach weist darauf h y. daß viele kleine Leute ihr gekauftes Holz mit Handwagen holen, um die hohen Fuhrkosten, die er als Wucherpreiss bezeichnen müsse, zu sparen. Bei den von Herrn Wolff angeführten Fällen, wonach in einem Distrikt 5 große Reisighaufen nach und nach verschwunden seien, könne es sich möglicherweise um derartige Fälle handeln. Herr Löwer stellt fest, daß die Versammlung darin einig sei, daß mit größerer Schärfe gegen die Holzdiebstähle vorgegangen werden müsse. Er empfahl mehr Kontrolle der Holzzettel, die doch jeder bei sich führen müsse, wenn er Holz im Walde holt. Schließlich nimmt die Versammlung den Antrag des Herrn Wolff an, die Forst- und Polizeibeamten anzuweisen, ein wachsames Auge auf die Diebstähle geschlagenen Holzes zu haben. Von verscbiedevv wird ^nsdrücklich betont £ daß hierbei das Holzsammeln im Walde nicht be­troffen werden sollte.

Auf eine Anfrage des Herrn Mohr, wie hoch sich die Baukosten für eins der geplanten Einfamilien­häuser belaufen und wie der Magistrat über die Vc r- teilung derselben denke, erwiderte Herr Bürgermeister Wagner, daß die Baukosten ungefähr 1718006 Mk. betragen würden. Ueber die Verteilung der Häuser sei noch nichts beschlossen worden.

Eine Anfrage des Herrn Henniger betreffs der Fischereiangelegenheit wird von dem Herrn Bürger- Meister dahin beantwortet, daß zur Zeit die Verhand­lungen noch schweben. Die Rechtslage sei nun dahin geklärt, daß die Stadt, da sie Eigentümerin der Flüsse sei, auch die Fischereirechte besitze. Herr Henniger bittet um möglichste Beschleunigung der Angelegenheit.

Die nächste Anfrage beschäftigte sich mit der Uebernahme der Schorusteiufegergeschäfte durch die Stadt, da der hiesige Schornsteinfegermeister seinem verheirateten Gehilfen nur einen Wochenlohn von 35 Mk. zahle, und sich weigere, mehr zu geben. Die Stadt möchte bei der Regierung die nötigen Schritte unternehmen. Herr Bürgermeister Wagner weist an einer Ausstellung nach, daß dies für die Stadt kein

Herzenseigenschaften zahlen konnte, was man an äutz«- ren Vorteilen erhielt.

Würde sie dazu fähig sein? War sie so edel, selbst los, hingebend, treu und wahrhaftig, wie die FamilA ihres künftigen Gatten es fordern durfte?

Dieser Gedanke machte grau Losenstein schon jetzt Sorgen.

Evelyn achtete nicht auf das Schweigen ihrer Mut­ter. Sie wies Modesta an, morgen die Wohnung in­stand zu setzen für Magnus' Besuch und all diebettel- bafte Armseligkeit" darin möq(W zu verdecken, indem sie von Sattlers einige Teppiche und Möbelstücke borge.

Aber da fuhr die Mutter aus ihrem Sinnen auf. Nein, es bleibt alles, wie es ist. Nichts ist unvorneh- mer, als falschen Schein erwecken."

Aber bedenke, Mama." wollte Evelyn betroffen einwenden. Doch die Mutter fuhr fort:Gerade, weil sie reich und wir arm sind was er doch wissen muß, dürfen wir in keiner Weise den lächerlichen Versuch m»- chen, ihnen imponieren zu wollen. Er mag uns ken­nen lernen, wie wir sind, arm, aber anständig und ehr­lich, dann wird er uns wenigstens seine Achtung nicht versagen können." , , ,.

Evelyn schwieg. Vielleicht hatte die Mutter recht. Vielleicht imponierte Magnus undseiner Sippe" gr- rade das! Aber die Ausstattung mußte natürlich doch den küuftigen Verhältnissen angepaßt werden.Und eine solche Ausstattung könntest Du seibstverstandlirb nicht leisten, Maina. Ich habe darum an Tante Ada in Wiener Neustadt gedacht. Sie hat keine Kinder un> ist reich. Ich war immer ein wenig ihr Liebling, ux» ihr Mann ist doch Papas Bruder!" ,

Aber sie ist oei aller Protzerei geizig," warf EnmW ein,sie hat keinen Heller bet meiner Ausstattung ge­opfert!"

Bah, sie ist noch mehr eitel als geizig. Eine Nichte als Gräfin zu haben, wird ihr schmeicheln. Schließlich deiite ich ihr an, daß man sie zum Dank dann einmal nach Rettenegg einlädt."

- (Fortsetzung folgt.).