H ersfelder Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
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d. । für Den Kreis Hersfew Erscheint jeden Wochentag nachmittags. — Fernsprecher Nr. 8.
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Nr. 150
Dien-tag, des 1. Juli
1919
Sie Lnlerzelchuvng
Der Friede unterzeichnet
,- M Versailles, 29. Juni. (T. U.) Die Zeremonie der Unterzeichnung des FrredsnsvertTages im Spiegel- saal z« Versailles begann am Sonnabend um 3 Uhr nachmittags. Nachdem sämtliche Delegierte« der alliierten n«d assoziierte« Mächte ihre Plätze eingenommen hatten, wurde« die deutsche« Delegierten in den Saal Lkleitet und zu den für sie bestimmten Plätzen geführt. Der Vorsitzende der Friedenskonferenz, Clemeucea«, erhob sich und erklärte, nachdem die Bedingnugeu der alliiertet; und assoziierte« Mächte vv« de« DentsKe« angenommen worden seien, ersuche er die deutschen Bevollmächtigte«, das Frledensdokumeni zu AAterzeichnen. Er hob hervor, die Unterzeichnung des Friedeusvertra- ges bedeute, daß die Friedensbediugungeu in loyaler Weise eingefallen werden müßte«. Um 3-12 Uhr unterschrieben die Reichsminister Hermann Müller und Dr. Bell als erste den Friedensvertrag. Hierauf nnier- schrieben der Reihe nach die Delegierten der alliierte» und assoziierte« Mächte. Kurz vor 4 Uhr war der W beendet. Clemenceau hob die Sitzung mit der Erklärung auf, der Friede sei geschlossen. Er ersuche die Delegierten der alliierten uns assoziierten Mächte zu w e- ten, bis die deutsche« Bevollmächtigten sich entfernt hätten. Die Militärmission werde die deutschen Detegicr- te« i« das Hotel des Reservoirs zurückgeleiten. Die deutsche« Bevollmächtigte« verließen darauf als erste de» Saal und begaben sich auf demselben Wege, den sie gekommen waren, sofort in das Hotel des Reservoirs zurück.
*
7 Der Friede ist geschlossen. Nach schwere« Kriegs- ftürmen, die fast fünf Jahre lang über Europa dahin- bransterr und unter deren orkanartigen Wirkungen die ganze Welt erzitterte, kehrt der Frieden wieder ein.
jr uns noch vor Jahresfrist an-
eines
nur bis an. den Berg Nebo kommen. Es wird ihr wohl vergönnt sein, Kanaan noch einmal in der Ferne zu sehen, aber betreten wird sie es nicht mehr. wk.
Die Ratifiziern»« des Friedensvertrages.
k# Rotterdam, 30. Juni. (S. C.) Die „Times" melden aus Paris, nach einem Beschluß der Alliierten-Kou- ferenz soll die Ratifizierung des Friederrsvertrages mit Deutschland in allen Parlamenten der alliierte» und assoziierten Staaten innerhalb Monatsfrist erfolge«.
Unterschrift ohne genaue Kenntnis des Vertrages.
k* Versailles, 28. Juni. (B. Z.s Da eine neue gemeinsame Durchsicht des zu unterschreibenden Sonderdrucks des Vertrages nicht mehr möglich war, hat Gle= menceau der deutschen Delegation einen Bries gesandt, wodurch er die völlige Identität des Bertragsexemplars mit dem letzten Entwurf bestätigt. Trotzdem teile« die Zeitnngeu mit, daß in das Schlutzprotokoll eine Formel neu ausgenommen morde« sei, die Deutschland zur schnellsten Ratifikation verpflichtet. Von dieser Formel hat die deutsche Delegation bisher keine Kenntnis erhalten.
Englischer Siegesjrrvel.
Dem Amsterdamer Handelsblad wird aus London gemeldet: Am Sonnabend um 4 Uhr wurde in London der Bericht verbreitet, daß der Frreöensvertrag unterzeichnet sei. Mit Begeisterung wurde diese Nachricht ausgenommen. Ueberall wurden Fahnen herausgesteckt und auf den Straßen wurden Flaggen und Fahnen der alliierten Länder verkauft. Eine ungeheure Menschen- menge bewegte sich durch die Straßen des Westends. Um 6 Uhr wurde die Unterzeichnung des Friedensvertrages offiziell durch Kanonenschläge in den einzelnen Vor- städten Londons bekanntgegeben. Die Nationalhymne wurde angestimmt. Die Begeisterung war eine ungeheure. Die Polizei ordnete zwischen 10 und 11 Uhr in verschiedenen Stadtteilen die Einstellung des Straßen-
stere offen sich auftürmten, die drohend über s deutsche Vaterland herauszogen und die sich mit unwiderstehlicher Gewalt entladen mußten, alles störend und ein ganzes, sich bis zum ler. im Glänze unvergänglichen Siegerruhu
............. . es unter sich zer- ein ganzes, sich bis zum letzten Augenbnck .... Glänze unvergänglichen Siegerruhmes sonnendes Heldenvolk begrabend. Und es kam so. Aus die Ursachen dieses schmachvollen Zusammenbruches wollen wir nicht eingehen,- wenn erst ruhige Zeiten das deutsche Volk wieder inwulsiv beleben werden und es beginnen wird, sein Haupt aus diesem Trümmerhaufen an das Licht der Sonne zu erheben, dorrn wird ihm trotz der schweren Lasten und Hindernisse, die ihm den Weg zum Arffstieg aus diesem Chaos versperren, doch noch Zeit bleiben, über die Ursachen seines Schicksals und deren Wirkung nachzudenken.
Was uns heute bewegt, ist der Friedensschluß. Müde von den Schicksalsschlägen des letzten Jahres, hat das deutsche Volk würdevoll den letzten Akt der Tragödie von Versailles.über sich ergehen lassen. Still trauernd im Herzen hat es sich von diesem profanen, haßerfüllten und rachsüchtigen Spiele von Versailles abgewandt und wartet auf den Tag?an dem ihm der Stern neuen Lebens und der Zukunft leuchten wird. Ohnmächtig und gequält, gemartert und verstümmelt, ent= Srt und mit Schuld beladen, steht es am Grabesrande ästiger Hoffnung, gewesenen Reichtums, blendenden Glanzes und heroischen Ruhmes und Stolzes. Es hat, von seiner Meute fast zu Tode gehetzt, seine Unterschrift unter das Marterinstrument sich abrinpen lassen, mit dem es wie mit Skorpionen gezüchtigt werden soll. Und noch seine Enkel sollen die Sünden büßen, die ihm jetzt aufgezwungen worden sind. Das deutsche Volk war, um nicht noch den letzten Sprmm ins Dunkle zu tun, unter dem militärischen Druck seiner Feinde gezwungen, nach Canossa zu gehen, wo es aber nicht, wie einst Heinrich IV. durch demütige Buße vom Papst Gregor VTJ., die Absolution vom Bann erlangte, sondern vielmehr seine vollständige Versklavung an den Entente-Imperialismus und -Kapitalismus, seine alleinige Schuld an dem grausamem über die Menschheit gekommenen Elend und die Auslieferuuq feiner eigenen Staatsangehörigen an die feindliche Gerichtsbarkeit durch seine Unterschrift besiegeln mußte. Noch nie ist einem Volke so Ungeheures, Eutehrendes und Schmachvolles zugemutet worden. Selbst vor hundert Jahren, nach den Unglückstagerr von-Jena und Auerstädt, haben unsere Urgroßvater erneu solch entehrenden Vertrag nicht zu uriterschreiben brauchen. Sie erkannten nicht die Schuld am Kriege an, und Napoleon verlangte and) nicht, daß Freiherr vom Stein, der die Empörung gegen die französische Gewal!- herrschaff vorberertete, nach seiner Flucht nach Oesterreich ausgeliefert werden sollte. Die Demütigung, ^die das deutsche Volk jetzt über sich ergehen lassen nrutz, ist sür die Dauer unerträglich. .
Wir müssen uns in das Unvermeidliche fügen und in unserm todmüden Volk neue Lebenskraft und neuen Lebensmut wecken. Aus den Ruinen des einstigen gro« steil deutschen Vaterlandes, vor denen wir stehem leachtet aber doch noch ein Edelstein hervor: Arbeit, die uns wieder unser inneres Gleichgewicht geben kann. Können wir diesen Edelstein bergen, dann werden wir auch wieder den Weg zu neuem Aufstiea finden, der uns ?.it Glück und Wohlstand führen und uns die kulturellen Aufgaben lösen lassen wird, die der deutschen Nation in der Völkergemeinschaft Vorbehalten sind. Zunächst ist der Weg aber ein langer Wüßenweg, und die heutige .Generation wird auf dieser eilten MstWwMernW
, me _ ____ _________________ __________ und Prinzessin Mary auf dem Balkon. Ungeheure Mengen von .Menschen jubelten den Mitgliederrr des königlichen Hauses zu. Der König hielt eine Ansprache. Als er sagte, ich danke mit meinem Volke Gott, stimmte die Menge die Nationalhymne an. Das eigentliche Friedensfest wird erst im August stattfinden.
Keine Opposition im englischen Parlament.
«■ Rotterdam, 30. Juni. (S. C.) „Daily News" meldet: Die Unterzeichnung des Friedens mache eine parlamentarische Opposition dagegen zwecklos. @i«s ze ne Politiker, wie Lord Lansdowne, werden lediglich den Druck des Parlaments für nachträgliche Abschwä- chung der undurchführbaren Vertragspunkte herberzu- süHre« suchen.
Aufhebung der Blockade.
»^ Versailles, 30. Juni. (T. U.) Die Entente hat eine Note an die deutsche Delegation gerichtet, in der es n. a. heißt, die alliierten und assoziierte« Regierungen erklären sich bereit, die Blockade anfzuhebenj sobald sie amtlich von der regulären und vollständigen Ratifikation des Friedensvertrages dnrch Deutschland verständigt worden sind.
Die Knebelung Deutschlands.
»*• Genf, 30. Juni. (S. E.) Bei dem Empfang der Deputierten am Sonnabend abend nach der Unterzeichnung des Vertrages sprach Clemerrcea«, der Friede mit Deutschland stehe unter dem Schutze des Völkerbundes. Die strenge Beachtung des Friedens durch Deutschland sichere dem bisherigen Feind die Hilfe der Alliierten in seiner Ernährung und seinen wirtschaftliche« Schwie- rigkeiten.
Danach würde also das durch fünfjährige Blockade vollständig ausgehungerte Deutschland nur Lebensnrit- tel erhalten, wenn es in der Lage wäre, die Verpflichtungen des Friedensvertrages zu erfüllen. Die Maß- , nahmen des Völkerbundes würden, wenn Deutschland feine Verpflichtungen nicht pünktlich oder nicht gänzlich erfüllen kann, nur eine abgeänderte Form der Blockade sein. Selbst kann Deutschland keine Lebensrnittel aus dem Auslands eiuführen. oder wenigstens nur in geringen Mengen, weil es keine Handelsflotte mehr besitzt.
Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen.
&* Geuf, 30. Juni. (S. C.) Der „Secolo" meldet aus Paris, noch vor der Ratifiziernng des Friedens werden die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland wieder aufgenomuwn werden.
<h- Berlin, 30. Juni. (S. E.) Die sranzosiichen und englischen Botschaftsgebäude in Berlin werden schon seit Mitte voriger Woche durchgreifenden Reno- vienmaen unterzogen. Alan rechnet mit dem Wieder- bemg her Boiw ffiergebäude für Mitte Juli.
Italien besteht auf Durchführung des Londoner Vertrages. . „ ,
Nach Reuter erklärte Tittoni im Senat, die Regierung bleibe fest darin, auf die Ausführung des Londoner Vertrages zu dringen. Die von England in Afrika an« gebotenen Entschädigungen seien befriedigend, dagegen müßten die von Frankreich angebotenen erhöht werden.
Wiederaufnahme des Handels mit Frankreich.
Genf, 28. Juni. (S. C.) Aus Paris wird gemeldet: Clemeucea« tritt für die Wiederauffmhme von Handelsbeziehnnge« zwischtin Dentschrand und Frank,
reich ein, in dessen Interesse eS liege, atleS, w« „ «— bran-he, von Dentfchland zn kaufen. Da-arch werde die Te»sr««g verhindert. Günstig fei für Frankreich der niedrige Staub der deutsche» Valuta. Wenn mau Deutschland gestattet, zu arbeiten und auSzuführe«, wird es zahlungsfähig bleiben.
Auch Italien will den Handelsverkehr aufnehmen.
** Zürich, 28. Juni. (WTB.) Der „Secolo" meldet, daß Italien die Hanselserlaubnis mit Deutschland nach der Uuterzcichnnng erteilt wird. Die Wiederaufnahme »es Handelsverkehrs wird wahrscheinlich in kürzester Zeit erfolgen.
Eutentepropaganda zur Loslösung der Rheinlaude.
. Der Korrespondent des „Allgemeen Handelsblad" im Rheinland schreibt aus Köln, er erfahre aus Kreisen, die von den Plänen der Entente vollständig unterrichtet find, daß die Franzofen sofort nach Unterzeichnnng des Friedensvertrages eine große Propaganda zu Gnnsteu der Lostrenlmng der linksrheinischen Gebiete von Preußen veranstalten wollen, in der Absicht, einen selbständigen Staat du errichten. Die Engländer werden nach den Informationen des Korrespondenten nichts daaeae» unternehmen.
Ein Telegramm an Wilso«.
w Genf, 30. Juni. (S. C.) Der „Herold" meldet aus Neuyork: Der Kongreß hat beschlossen, aus Anlaß des Abschlusses des Friederes ein Telegramm an de« Präsidenten Wilson zu senden. Für die Kundgebung« stimmten sämtliche Kongreßmitglieder mit Ausnahme von 22. Entgegen interessierten Ausstreuungen fei eint große Mehrheit für den Friedensvertrag im Kongreß sicher.
Wilsmr an die Amerikaner.
Reuter meldet aus Washington: Sofort nach Unten- zeichuuuq des Friedensvertrages richtete Wilson eine Botschaft an das amerikanische Volk, worin er dringend Lynchst,de»..FÄLbsAL^ertLag .ohne Aenderungen und Charta wagna, die Grund zu allgemeiner Geuuginnug und Beruhigung gebe.
Kerne Anslieferung des Kaisers?
„Chicago Trib««e" schreibt: Seit Beginn der Ko»»» ferenz waren die Amerikaner fortwährend gegen ein« Auslieferung des Kaisers und gegen seine Verurteb-
lung, weil kein Mittel besteht, um diesen Prozeß auf gesetzliche .Weise zu führe« ««d weil man nicht aus dem früheren Kaiser einen Märtyrer machen und die monarchistische Bewegung in Deutschland unterstützen mist. Der „Tribune" znfolge haben sich inzwischen auch Frankreich und Belgien zu diesem Standpnnkt bekannt. Das Blatt glaubt auch nicht, daß man die deutsche» Offiziere, deren Ausliefernng im Vertrag verlangt wird,
MHö^^ vtw» «i verurteilen wird.
Italiens und Frankreichs Zukunftssorgen.
k* Lugano, 29. Juni. (T. 1L) Der französische Journalist Waleffe veröffentlicht mi „Journal" eine Unterredung mit dem italienischen Ministerpräsidenten Nitti über die in Frankreich mit Besorgnis verfolgten
künftige« Beziehungen Italiens zn Deutschland. Nitti erklärte, kein italienischer Staatsmann wünsche heute den Bruch mit Frankreich, denn zwischen der slawischen «nd angelsächsischen Welt und dem kei«eswegs tote« Deutschlnnd wären Frankreich und Italien eingeklemmt.
ren Frankreich und Italien eiugekl..... eit wäre», würden sie schwach und wehr-
... _________ ... .3 unerläßlich, daß Frankreich künftig
Italien als ebenbürtig behandle.
Wenn sie entzweit w los. Deshalb sei es
Sechniaml Hollweg will sich veraMorlen.
k* Berlin, 29. Juni. (X U.) Der frühere Reichskanzler wo« Bethman« Hollweg hat aa Clenrenceau ein Schreiben gerichtet, i« dem er an die alliierte« und affn» ziierten Mächte die Bitte richtet, das gegen den Kaiser beabsichtigte Verfahre« gegen ihn stattsiude« z« lasse«. Als ehemaliger Reichskanzler trage er für seine Amtszeit die im Staatsrecht geregelte alleinige Verantwort««, für die politischen Handl««geu des Kaisers.
Hierzu bemerkt das „B. T.": Dem Erfolge des von Herrn von Bethumnn Hollweg unternommenen Schrittes müsse man mit einigem Skepttsrnus entgegen sehen. Sollte aber der zu einer der Ententeregierunge« gehörige Rechtsgelehrte, der sich über die Prozeßsragc geäußert hat, die Wahrheit gesagt haben, und sollte wirklich eine mit allen Rechtsgarantien gegebene Berhand-
" " \ ganz gleich, wer vor
lung beabsichtigt sein, so werde sich, dem Tribunal erscheint, für die :
__............ . Vertreter der kaiser
lichen Politik die Gelegenheit ergeben, der auf volle und miaeteüte Schuld larrtenden These der Wisente ihr eigenes Material gegenüberzustellen.
Moltkes Denkwürdigkeiten zur Vorgeschichte des Kriegs, e-* Berlin. 30. Juni. (S. C.) Das Erscheine« der Denkwürdigkeiten des verstorbenen GeueralstabSchefs von Moltke über die Vorgeschichte des Krieges ist frei, gegeben worden. Die Denkwürdigkeiten werden nun- mehr im August im Buchhandel erscheine».
Ein deutsch'polnischer Bundesstaat?
»-» Thor«, 30. Juni. (T. U.) Die Versammlung der westpreutzischen deutschen und polnischen Volksrät« mit dem obersten polnischen Volksrat dauern fort. Von deutscher Seite wird die Errichtung eines deutsch-polni» scheu Bundesstaates aus dem von Preußen abgetretene«