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Herssel-er Tageblatt

Hersfelder Kreisblatt

Bqsssprels vierteljährlich für Hersfeld 7 )Mark, durch die Post be- - gegen 2.52 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei : Hersfeld. Für die Schristleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld.

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zelle ' Pfennig, im | amtlichen Teile , Pfennig, Reklamen kosten die Zelle Pfennig. Erscheint jeden Wochentag nachmittags. Fernsprecher Nr. 8.

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Nr. 143

Montag, den 23. Juni

1919

Die friedensbedingungen

Weimar, 22.JW. In der National- Kabinetts die Annahme der Friedensbedingnngen zur v rvvlgc haben wird.

Versammlung wurde der Antrag Schulz-

Gröber:Die Nationalversammlung ist mit der Unterzeichnung des Friedensver­trages einverstanden" in namentlicher Ab­stimmung mit 237 gegen 138 Stimmen bei 3 Stimmenenthaltungen angenommen. Reichsministerpräsident Bauer erklärte, die Regierung werde die Vollmacht zur Unterzeichnung in folgender Form geben: Die Regierung der deutschen Republik ist bereit den Friedensvertrag zu unterzeichnen, ohne jedoch damit anzuerkennen, daß das deutsche Volk der Urheber des Krieges sei und ohne eine Verpflichtung nach Ar­tikel 227230 zu übernehmen.

(Notiz: Dieser Artikel betreffend die Aburteilung des früheren Kaisers und die Auslieferung anderer deutscher Persönlichkeiten als Vertrauensvotum für die STtam drittln rmtr^ wif 9Qß . . ^LJ?Q.

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mmeneütyaltungen angenommen.)

Genauste Erfüllung des Vertrages verlangt.

Amsterdam, 23. Juni. Reuter meldet aus Paris, daß Clemenceau, Wilson und Lloyd George auf die deutsche Note, die um 7 Uhr abends ein traf, bereits geantwortet haben, in dem Sinne, daß die Zeit für Diskussionen, Einschränkungen und Vorbehalte vor­bei ist und die deutschen Vertreter unzweideutig den Friedensvertrag als ganzes, wie er vorliegt, an­nehmen müssen oder nicht. Nach der Unterzeichnung müssen die allierten und affossierten Mächte Deutsch­land für die Durchführung jeder Bedingung des Ver­trages verantwortlich machen.

Die neuen Minister.

Weimar, 21. Juni. Um 4 Uhr nachmittags konnte der neue Ministerpräsident Bauer dem Reichs­präsidenten die Liste seines Kabinets vorlegen. Danach übernimmt der sozialdemokratische Parteiführer Hermann Müller das Auswärtige Amt, der frühere Minister ohne Portefeuille, der Sozialdemokrat Dr. David über­nimmt das Innere. Die Minister Noske, Wissell, Rob. Schmidt, Giesberts und Bell behalten ihre Aemter mit der Modifikation, daß Bell neben dem Kolonialamt auch^das Verkehrsministerium erhält. Herr Erzberger übernimmt die Finanzen und ist zugleich Stellvertreter des Ministerpräsidenten, sein Fraktions-^ kollege Mayer-Schwaben das Reichsschatzamt. Als Nachfolger des neuen Ministerpräsidenten übernimmt der frühere Führer des Metallarbeiterverbandes und jetzige württembergische Gesandte in Weimar, der Sozialdemokrat Schlicke, das Arbeitsministerium. Das Justizministerium bleibt einstweilen noch unbesetzt.

Weiter wird gemeldet:

»^ Weimar, 20. Juni. (S. C.) Bis 1 Uhr mittags hat, wie wir hören, Reichspräsident Ebert noch memanD mit der Bildung des neuen Kabinetts beauftragt. Doch glaubt man, daß der neue Ministerpräsident noch in den heutigen Nachmittagsstunden ernannt werden wird. In den parlamentarischen Kreisen in Weimar werden drei Kandidaten für die Nachfolgerschaft Scheidemanns genannt: der bisherige Reichswchrminister Noske, Reichsminister David und der Vorsitzende der svzmlde- mokratischen Mehrheitspartei, Hermann Miiller. Von diesen drei Kandidaten dürfte Hermann Müller wohl Die größte Aussicht haben, mit Der Bildung Der neue« Regierung beauftragt zu werden.

» Weimar, 20. Juni. (L. A.) In parlamentarischen Kreisen wird erzählt, über die Neubildung des .Kabinetts läßt sich zur Stunde noch nichts sagen. Als neuer Mi­nisterpräsident wird der Mehrheiissvzialist Hermann Müller mit dem Grafen Bernstorfs als Minister des Aentzern genannt. Es wird Damit gerechnet, daß Noske, Wissel, David und Erzberger in das Kabinett eintreten werden. Als feststehend gilt Der Rücktritt Scheide- manns, der demokratischen Minister mit Dem Grafen Brockdorff-Rantzau. ferner Giesberts und Landsberg. Bestimmt wird darauf gerechnet, baß Der Rücktritt des

** Weimar, 20. Juni. (Bis.) Reichspräsident Evert beriet heute mittag 1 Uhr mit den bisherigen Mitglie­dern des Kabinetts über dessen Neubildung. Sicher ist, daß Scheidemann, Landsberg, Brockdorff-Rantzau, Gvr- Hem und Preutz neue Berufungen nicht arme wen lverden.

Nur eine Kabinettsumbildnng.

w Weimar, 21. Juni. (T. U.) Es hat den An- itDCiu, daß etwa nur die Umbildung des Kabinetts er­folgen wird. Ausscheiden dürften lediglich Scheide­mann, Landsberg und Graf Brockdorff-Rantzau. Nach einer anderen Meldung soll Landsberg im Kabinett verbleiben, dagegen aber Wisset ausscheiden. Mit der Bildung des Kabinetts dürste Dr. David betraut wer­den. Wie derVorwärts" in letzter Stunde von zu­ständiger Seite erfährt, schreitet die Kabinettsbildung doch günstiger und mit mehr Aussicht auf Erfolg vor­wärts, sodatz zu Hoftenäst, bis Sonnabend früh das Ka- ' -nett zustande zu bringen.

Rücktritt des branuschweigischen Kabinetts.

s-x Branuschweig, -21. Juni. (T. U.) Infolge des Votums des Landtages haben alle Mitglieder des Ka- bmstts gestern nachmittag in einer Kabinettssitzung ihre Remter uiedergelegt. sie führen die Geschäfte bis zum nächsten Dienstag weiter. Die beiden mit einem Mißtrauensvotum bedachten, unabhängigen Bolksbeaut- tragten im Kabinett sollen durch je einen bürgerlichen und sozialistischen Landtag -abgeordneten ersetzt werden.

Rücktritt der Frie-ensdelegation.

m- Weimar, 20. Juni. (S. C.) Die für heute nach­mittag eruberufene Sitzung des Friedensausschusses ist verschoben worden. Mit de n Kabinett ist auK die ge-

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Sie nette Regierung ernannt istMir das Amt veS Avswartigen gilt Reichsminister rzMMcr als der anssichtsreichste Kandidat. Erzberger soll auch der Füh­rer der neuen Delegation sein, die in Versailles die Antwort anf das Ultimatum «verbringen nnd die Un­terschrift unter den Borfrreöensvertrag setzen soll. Mit einer Verzögerung der Entscheidung um mehrere Tage mi$B gerechnet werden. Die neue Regierung wir- sich genötigt schen, die Alliierten um eine Verlängerung der Frist über den Montag hinaus zün ersuchen. Da die Unterzeichnung eine beschlossene Sache ist, wird die Fristverlängerung ohne weiteres wohl bewilligt werden.

Die Demokraten aus dem Mehrheitsblock ansgeschieden.

»* Weimar, 21. Juni. (T. U.) In den späten Abendstunden kam es endlich zu einer Klärung der gänzlich verworrenen Lage. Die Absenoung einer Zwischennote, in der noch einmal drei Bedingungen au die Entente aufgestellt werden sollten, scheiterte a» dem Widerstände der Sozialdemokraten, die in dieser Abseu- dung eine die rechtzeitige Entscheidung selbst nur ge- fähr-eude Politik und eine aussichtslose Handlung er­blickte«. Die Folge dieses Schrittes der Sozialdemokra­ten war das Ausscheiden der Demokraten aus dem Mehrheitsblock. Die Annahme des Frieöeusvertrages wird allein mit den Stimmen der Sozial-emokraten nnd desZentrums erfolge«. Svzialdemvkraren. Zen­trum und Unabhängige, verstärkt durch die Angehörigen der Minderheit in der demokratischen Fraktion, sollen eine sichere Mehrheit in der Nationalversammlung bil­den. Die Zahl der Gegner der Unterzeichnung in der sozialdemokratischen Fraktion ist auf 12 gesunken.

Erklärung der deutsch-nationalen und der deutschen Volkspartei.

Die Fraktionen der deutsch-nationalen Volkspartei und der deutschen Volkspartei haben folgende Erklä­rung erlassen: In der Stunde der Wüten nationalen Gefahr Haben die außerhalb der Regierung stehenden bürgerlichen Fraktionen, die denksch-nattonale Volks- partei uns die deutsche Volkspartei, beschlossen, Nach­stehendes gemeinsam zu bekunden: Alle Folgen der Ablehnung des jetzt vorliegenden Friedensvorschlages haben wir mit voller Verantwortlichkeit uns klar ge­macht. Wir sind der einmütigen Ueberzeugung, W sie trotz ihrer Schwere unvergleichlich geringer emzuschät- zen sind als die dauernde Versklavung Deutschlands, der wir sonst anheim fallen. Die Annahme dieses Frie- densvorschlages bedeutet eine nationale Schmach. Wir verlieren dadurch auch unsere letzten Freunde in der Welt. Einem zerstückelten Deutschland droht der wirt- Waftliche, finanzielle, politische und moralische Tod. Wir stehen vor der Wahl, die ungeheure Lüge vou Deutschlands Schuld durch unsere Unterschrift zu bc- kräfttgen oder Deutschlands Ehre zu wahren, die beson­ders durch die Forderung in den Staub gezogen wird, den deutschen Kaiser und andere deutsche Männer von ein nicht deuisä)es Gericht zu stellen. Um unserer toten Brüder und um das Schicksal unserer dentschen Jugend willen sind wir entschlossen, unser letztes Guts bis znm Aeutzersten zu wahren: Dentchlaads reinen Namen vor der Welt. Darnm lehnen wir diesen Friedensent- wnrf ab.

Unterredung mit Hermann Müller.

* Amsterdam, 21. Juni. (T. II.) Der Weimarer Vertreter desHandelsbladet" besragte Hermann Mül­ler nach seiner Kandidatur für das Amt als Nachfolger Scheidemamts.

Müller antwortete:Ich gebe zu, auf der Liste zu stehen, doch ist noch nichts beschlofle«. Der MehrheitS- block verhandelt noch."

Wird Der Block auseinanderfalleu," fragte der Be- richterstatier.

Ich hoffe es nicht," erwiderte Müller,Demi das wäre sehr unerwünscht."

Würde ein Rücktritt des Kabinetts auch Den Dc» Präsident Ebert zur Folge habe«," fragte der Bertchi- erftatter weiter.

Ebert," erwiderte Müller,ist das Staatsoberhaupt und kann «ach parlameutamschem Gebrauch durch eine Regierungskrise nicht getroffen werden. Seine Haltung hängt von ihnr selbst ab. Die Fraktion fichlt sich nicht veranlaßt, ihn st beeinflussen, da er Mitglied Der Frak­tion nicht mehr ist."

Hat Ebert," so warf der Ansfrager ein,sich nicht ebenso wie Scheiöemo.nn an das Unannehmbar fies bunden?"

Bei einem Staatsoberhaupt," antwortete Müller, hat das nicht dieselben Folgen, wie bei einem Kabinett." Der SLautenKusschAß gegen dieAnterzeichnung

* Weimar, 21. Juni. (T. UJ Wie DieTägliche Rundschau" zuverlässig erfährt, ist im Staatenausschutz keine Mehrheit für Di Unterzeichnung vorhanden. Die Stimnruug in den-dentschen Bundesstaaten für Die Unterzeichnung ist nicht so stark, wie bisher angenom­men w«rde.

A«erf8klber und «neclrSz»-.

Das Ergebnis der Beratungen Der Sachverständige«.

Die vom Sabineu nach Weimar berufenen finan­ziellen und wirtfchaftttctzeu Sachverstäu-igerr haben Die lebte Antwort Der fer glichen Regierungen geprüft und ^nnv-vnoer u. a. zu MtgenoeM Ergebnis gekommen:

Die Antwort drücke «och scharfer als Die im Mai «vergebene« FricvensbcSingu«gen Den entschlossene« Willen Der Entente aus, Deutfchlau- wirtschafllich zu vernichten, und will zndem Dentschlan- zwingen, selbst alle Mittel 3« diesem Ziel Der Entente in Die Hand zu St. Sei Der Beschaffung Der Lebensrnittel und Roh­bleibt Dentschlnnds Selbstbestimmungsrecht in lem Grade beschränkt. Für Die Nichteinhaltung I Der unerfüllbaren Bedingungen behält sich Die Entente i Die schärfsten Strafen, Darunter Die Wiedereinführung ; Der Blockade, nach ihrem Beliebe« vor. I« finanzieller : Hinsicht werden- Deutschland Zumutungen gesteht, Die es nicht in den blühendsten Zeiten feiner Wirtschaft hätte erfüllen können und Die auch kein anderes Land heute zu tragen imstande wäre. Die uns angefounene« i finanziellen Lasten werden das noch vorhandene deutsche i Bolksvermögen ganz erheblich üversteigeu. Der änderst geschwächte deutsche Wirlschaftskörver soll durch Liqui- Sieruttg deutschen Eigentums im Auslande nnd in den abzutretende» Gebiete«, durch Wegnahme Der Kolonien «n- Der deutschen Handelsschiffe, durch Konfiskation unserer Patent- und Mnsterschntzrechte stetig weiter i entkräftet werden, svdaß er auf Geueratioueu hiuauS in bankerottem Zustande bleiben muß. Da das Ver­mögen Der Deuts dien Steuerzahler zu über zwei Drit- i b in ans Forderungen an das Reich besteht, würden als Folge des Staatsbaukrrotto zahlreiche Eristenzen. Des sonders auch aus Mittelstand nnd Arbeiterschaft, ihre Ersparnisse an Staatsanleihe oder bei Staatskasien znm großen Teile vernichtet werden. Die Last wird umso i schlimmer, als Die avzntreteuSen Gebiete ihren Anteil an den Kriegsschnlde» nicht übernehmen (eine indirekte Beftechnug zum Abfall vc« Deutschland». Der avge- Srohte Frrede wird Deutsch land in Den Wurzeln seiner Kraft so schwer nnd nachhaltig treffen, daß Dieser Wir­kung gegenüber alle Folgen, Die Die Ablehnnng -es Friedensvertrages durch die in Anssicht genommene Besetznna Deutschlands und innere Nuruhen ergebe« würde, in Den Hintergrund treten, so furchtbar sich ! solche Möglichkeit auch dem uubefauaenru Beurteiler DarftcBen ' mutz. Wer solche Bedingungen annimmt, kann nie sein Wort halten Die Sachverständigen bit­ten einstimmig das Kabinett, den geforderten Frie-eu abzulehnev.

Ersuchen um FrrswerMnaerrrng.

-* Amsterdam, 21 Imit. (T. U.) Reuter mel- Det aus.Paris, Die Deutschen haben um Verläugernug der Nuterzeichnnnqsfrist für Den Friedeusvertrag nach, gesucht.

:-- Berlin, 21. Juni. (S. C.» Aus Weimar mirD gelneldet, unmittelbar nach Der Bildung des SteichS- kabiuetts wir- voraussichtlich noch heute das Ersuchen um Fristverlängerung an Die Entente abgehen.

Ein Nachgeben der Entente?

»^ Köln, 21. Juni. (2. lt.) Wie der Vertreter Der Kölnischen Zeitung" aus Weimar hört, hat Der Reichs­minister Erzberger bereits mit dem Verbände Fühlung genommen und in Versailles angefragt, wie der Ver­band sich stellen würde hinsichtlich einer Nachgiebigkeit in den bekannten Punkten, Die Die Ehre Der deutsche» Ratio« antaftett. Daraufhin hat einstweilen der Ver­band unverbindlich durchblicken lassen, -atz er einem Nachgeben in Dem Point - Honneur nicht abgeneigt sei. Anfgrun- Dieser Stellungnahme fei jetzt ein offizieller Schritt in Dieser Richtung unternommen worden. Mau hofft, bis Montag eine Antwort des Verbandes zu haben. Dan« will man ein Kabinett bilden, dem auch Die Demokraten wieder ««gehören kAMW.>