Hersfelder Tagevlati
Hersfelder Kreisblatt
Amtlicher Anzeiger
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| Hersfeld. Für die Schriftleitung verantwortlich Franz Funk, Hersfeld. ■ für den Mers Hersfeld
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Nr> 137
Montag, den 16. Juni
1919
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. Einzelheiten nach Havas-Vorausfage.
's •* Amsterdam, 13. Juni. (T. U.) Nach einer Parif§ Havasmeldung wird allgemein angenommen, daß die Antwort der Entente am Freitag mittag oder spätestens am Sonnabend der deutschen Delegation überreicht werden wird. Die Aushändigung des Schriftstückes wird sich ohne jede Feierlichkeit in derselben Weise, wie die Antworten der Alliierten aus die verschiedenen Noten des Grafen Brockdorff-Rantzau überreicht worden sind, vollziehen. Es ist jetzt bezüglich der Entschädigunks- frage vollkommen Uebereiustinlmung unter den Verbündeten erzielt worden. Die französisch« Auffassung, die gegen jede bestimmte Festlegung der Entschädigungssumme aus Furcht davor ist, hast sie sich später als fehlerhaft heranssiellt, hat sich önrchgerungen. Es wurde keine wichtige AenSeruM» weder in den allgemeinen Vertragsbestimmungen noch in einer Umschreibung vvr- genommen. Die deutsche Regierung erhält lediglich die Befugnis, einen Antrag bezüglich der Art und Weise, wie sie sich ihrer Schuld zu entledigen gedenkt, zu stellen. Was den Völkerbund anbelangt, so hat der Biererrat noch keiner; endgültigen Beschluß gefaßt, doch bewegt die Regelung der Frage sich in einer Richtung, die der französischen Auffassung. die daran festhalt, daß ein sofortiger Eintritt Deutschlands in den Völkerbund unmöglich sei, günstig ist. Die Kommission hat beschlossen, - es dem Völkerbund zu überlassen, den Zeitpunkt festzusetzen, an dem Deutschland als Mitglied ausgenommen werden soll.
Gleichzeitig mit der Aushändigung der Antwort der Entente wird der deutschen Delegation eine Note überreicht werden, in der die Befugnisse der Kommission für die Entschädigungen genau umschrieben sind. Graf Brockdorff-Rantzau hat versucht, zu beweisen, daß die Kommission furchtbare, für Deutschland autzerordeutlich nachteilige Befugnisse haben werde. Die Antwort der Alliierten wird darauf Hinweisen,'daß die Aufgaben d-r Kommission des Repartions rein fiskalischer und finanzieller Natur sein würden und die Komutission lediglich zu erwägen haben würde, wie hoch die Entsckr- Sigungssumme, die Deutschland jährlich zu entrosten haben werde, sein wird. Sie wird bei ihrer Tätigkeit
wie die am schwersten getroffenen Steuerzahler 6er Alliierten. Nach den französischen Blättern soll der deutschen Abordnung nur eine Frist vo« 6 bis 8 Tagen zur Formulierung ihrer Antwort eingeräumt werden.
In ErwarLnug der Ententennttosri.
' w. Berlin, 13. Juni. lS. C.) An amtlicher Berli- «er Stelle erwartet man für frühestens heute nacht die ersten Nachrichten über die neuen Friedensbedingungen der Entente. In Paris selbst soll in der kommenden Nacht ein kurzer Havasanszug an die französische Presse veröffentlicht werden, während der vollständige Wortlaut des Tertes auch jetzt den alliierten Völkern noch nicht bekannt gegeben werden soll.
Nachträge zur Antwort der Entente.
►* Rotterdam, 14. Juni. (S. C.) Nach einer Meldung der „Daily News" aus Paris, rechnet man dort mit einer Anzahl Nachträge zu dem Friedeusvertrage abschwächender Art, sobald Deutschland den nunmehrigen Vertrag unterschrieben haben wird.
»* Rotterdam, 14. Juni. (S. C.) Die „Times" melden aus Paris, der Antwort der Entente an Deutschland werde noch eine Reihe Spezialnoten folgen, falls die Deutschen vor Ablauf der Antwortfrist eine Erwiderung geben. Für den Fall der Ablehnung sind alle mrlitäri- schen Maßnahmen getroffen. An dem Einmarsch in Deutschland beteiligen sich auch für die östlichen Landesgebiete die Polen.
Der Antworttermin verschoben.
Die Antwort der Entente auf die deutsche Denkschrift ist abermals verschoben worden. Sie wird nach französischen Blättern frühestens Sonnabend abend, wahrscheinlich jedoch erst am Montag erfolgen, während die amerikanischen Blätter in Paris andersten, daß es auch Dienstag werden kann. Die amerikanischen Blätter teilen als Grund des Aufschubs die Tatsache mit, daß der Biererrat sich in einen Fünferrat umgewarrdelt habe. Der nachträgliche Eintritt Japans erfordere eine neue Lesuna der ganzen Antwort. Doch scheint diese Begründung nicht stichhaltig zu sein, da von anderer Serie andere Gründe angegeben werden, die ebenfalls nicht als stichhaltig erscheinen. Wahrscheinlich ist die Uuetttig- keit im Friedensrat an der Verzögerung schuld. Nach den meisten Blättern wird man Deutschland 8 Tage Zeit zur Ueberlegnng lassen.
Fertigstellung des Berichts des Btcrrerrats.
►* Berlin, 13. Juni. (S. C.) Wie Havas berichtet, hat der Viererrat seinen Bericht beendet, der den Alliierten vorgelegt werden soll. Die gesamten alliierten und assozierten Mächte werden vor Ueberreichung der Am- wort an die deutsche Delegation zu einer großen Konferenz zusmnmenüerufen werden. Man nimmt an, daß die Vorschläge des Viererrats von der Konferenz Mine besondere Aväudcruug zur Kenntnis genommen n«d gut geheißen werden.
Rückgabe von Dentsch-Südwest-Afrika?
’ ►* Genf, 13. Juni. (B. Z.) Nach Havas besteht angeblich die Geneigtheit, Deutschland das Mandat «»er Deutsch-Südwest-Afrika z« übertragen. Nach einer Meldung der „Turtner Stamoa" aus Paris nimmt man an, saß von den deutschen Gegenvorschlägen etwa 5 bis 8 angenommen, die übrigen aber wabrjcheiuljch zurückge«
wiesen worden sind, Die Ententeantwort soll in zwc; Teilen überreicht werden.
Die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund.
** Zürich, 14. Juni. lS. C.) „Homme libre", das Blatt Clemenceans, schreibt am Mittwoch, daß Frankreich nicht abgeneigt sei, seine Stellungnahme über einen früheren oder sofortigen Eintritt Deutschlands in den Völkerbund einer Revision zu unterziehen. Nach Lage der Dinge sei es jedoch nicht wahrscheinlich, daß dieser Eintritt ohne bestimmte Sicherungen vor sich gehen könne.
Revision der wirtschaftlichen Bedingungen.
Havas meldet: Die vier Regierungsführer beschäftigten sich mit der Beendigung der Antwort der Alliierten auf die deutschen Gegenvorschläge. Sie prüften zuerst besonders die Kapitel bezüglich der Wiedergutmachungen und wiesen die deutschen Einwände zurück. Bezüglich der wirtschaftlichen Einwände wurde eine Revisionskommission von vier Männern — ein Mstglied für jede Großmacht — für die Revision des Textes bestimmt. Tardieu wird hier Frankreich vertreten.
Die amerikanisch cn Friedensziele.
Die „Times" melden aus Washington: In dein vom Senator Knox eingebrachten Anträge wird erklärt, daß der Senat einen Friedensvertrag wünscht, durch den Amerika die Ziele, für die es am Kriege testgenommen hat» erreicht. Der Völkerbund sei daz» nicht nötig.
Die hollän-ischen Sozialdemokraten gegen Gewaltfrieden.
^ Berlin, 14. - Juni. lWTB.) Wie die „Freiheit" meldet, werden am Montag die Sozialdemokratische Partei und Gewerkschaften in Amsterdam ein Protest- Meeting gegen den Gewaltfrieden abhalten.
Deutsch-Oesterreichs Anschluß.
Zürich, 14. Juni. (S. C.) Die römische „Tribnua" schreibt» daß Italien sich einem Beschluß Deutsch-Oesterreichs auf Anschluß an Deutschland nicht widersetzen werde. Auch England erhebe keine Einwendung mehr.
Stalten für die deutschen Vorschläge.
w Zürich, 14. Juni. (S. C.f „Carriere della
seien. Wenn die deutschen Gegenvorschläge in ihrer Gesamtheit nicht angenommen morde» sind, so sei das nicht die Schuld Italiens. Italien habe an dem Bestehen -er jetzige« -entfchc« Regierung und an der schleunigen Wiederaufnahme des freien Wirtschaftsverkehrs mit Deutschland das größte Interesse.
Der Belgierkönig nach der Front abgereist.
»-♦ Rotterdam, 14. Juni. (S. C.) Nach Meldungen aus Brüssel ist der König von Belgien aus Paris an die Front abgereist. Die belgischen Eisenbahnen werden vom Sonntag, de« 22. Juni, für militärische Zwecke reserviert.
Truppentransporte nach -em Mein.
»-* Zürich, 14. Juni. (S. C.) Nach Pariser Meldungen gehen seit Mittwoch Tag und Nacht Truppentransporte aus Marseille nach den; besetzten Gebiet. Es handelt sich mutmaßlich um Kolouialtruppen, die nach -er französischen Front nnd an den Rhein abgehen.
Die pslUistzt Krise in Iranireich.
. Von einem Pariser Mitarbeiter wird uns über das neutrale Ausland geschrieben: Die Siegerstimnuing hat in Frankreich bald nach Abschluß des Waffenstillstandes jede polittsche Betätigima ausgeschaltet, sodaß Foch nach Ausbruch der Unruhen in Deutschland das stolze Wort sprechen konnte: „Der Sieger kennt keinen Bolschewismus!" Ob er heute noch dieselbe Anschauung mit der gleichen Zuversicht aussprechen würde, ist zum mindesten sehr zweifelhaft. Das französische Volk war allerdings in seiner überwiegenden Mehrheit nicht nur dem Bolschewismus und SpartakisniuS, sondern auch jeder Opposition gegen die siegreichen Führer bei Beginn des Waffenstillstandes abgeneigt.
Diese Haltung ist aber in -er langen Zwischenzeit der Verhandlungen von einer grundverschiedenen Stim- mung abgelöst wordern Das Volk, das einen schnellen Frieden und ein Wiederaufblühen von Handel und Wandel erhoffte, ist furchtbar enttäuscht. Die Demobil- machung, welche den Soldaten seinen Angehörigen zu- rückgibt, läßt anf sich warten, sodaß bereits ein englischfranzösischer „Bund zur Selbstdünrobilmachnnü" gegründet wurde. Er wurde entdeckt und aufgelöst, ohne daß aber die Gesiumung, welche unter den englischen und französischen Soldaten zu seiner Gründung führte, ausgerottet wrden konnte. Der Soldat und Familienvater will endlich unter allen Umständen nach Hause, um wteder seinem Berufe nachgehen und seine Fanrilie ernähren zu sönnen. Statt dessen steht er, öaB alle Bedürfnisse ungeheuer teuer geworden sind, und gibt alle Schuld den Schiebern und Wucherern, die sich vorn Heeresdienste zu drücken verstanden.
Die Enttäuschung darüber, daß die Preise nach dem Waffensttllstand nicht sanken, sondern noch uiehr anzo- gen, ist fast noch größer, wie die über das Ausvletben der Demobilmachung. Die Unzufriedenhett wächst von Tag zu Tag und macht sich bereits in den StretkUrmpsen Luft, welche das Wirtschaftsleben Frankreichs erschiit- tern. Diese soziale Krise droht sich zu einer politischen Krise allerersten Ranges ausznwachfen. Ja, man spricht sogar von einer „Clenrencean-Krise", welche die französische Regierung bedroht. Das deutsche Beispiel, wo die Unzufriedenheit der Arbeiter nnd Soldaten zum Um- «M2 führte, M den FrauL-im ein WarmmEeichen,
an üE die Regierung und das Parlameat nicht blind vorWergeht. Trotzdem erscheint es als ausgeschlossen, daß die Entnuckelung der kommenden Wochen ohne schwere EiMütterungen sich vollziehen wird. Es sammt dazu, daß die Unzufriedenheit mit dem Gewaltfrieden ständig wächst, da er den Soldaten nur neue Verpflichtungen anferlegen dürfte. Der Franzose will endlich Rirhe und Frieden. Wenn die Ententeführer diesen Wünschen Rechnung tragen, können sie schon in allernächster Seit nicht geringe Überraschungen erleben.
Die NäcktrilLsgerÄchte über Clemeneeau.
Aus Paris wird genreldet: Briavd trifft alle Vorbereitungen für die Kabinettsbildung. Em wichtiges Portefeuille ist dem Delegierte« Heunesiy vorbehalten, dem mehrere oppositionelle Blätter zur Verfügung stehen. Briand beabsichtigt eine vollständige Wiederherstellung der Parlamentskontrolle in den Friedenssachen. Der Rücktritt des Kabinetts Clcmeuceaus märe bereits erfolgt, wenn für Elcmencean ein ehrenvoller Rücktritt gefunden worden wäre. Wahrscheinlich befürchtet man aber, daß Frankreich England gegenüber durch den Rücktritt Clemeuceans eine Einbuße erleide« würde. Als Mitglieder des Kabinetts Briand werden genannt Millerand, Leon Bourgeois, sowie Mitglieder an-erer Parteigruppen.
Der Schutz nationaler Minderheiten, „j
•^ Berlin, 14. Juni. lT. U ) Der Deutsche Schutzbund Charlottenburg, Fasanenstraße 13, hatte au die deutsche Reichsregienrug, die Friedensdelegation in Versailles und die Nattonalversammlnva in Weimar folgendes Telegramm gerichtet: Der Dentfche Schutzbund, zu dem sich unter dem Eindruck der fetudlichen Friedeus- vorschläg« die für das bedrohte Auslands- und Greuz- lau-sdentschtum wirkenden Körperschaften mit mehr als drei Millionen Eiuzelmitqliedern zusammengeschloffe« haben, bittet nur einen Frieden zu unterschreiben, der das Selbstbestimmungsreckt uud den Schutz der natto- nalen Minderheiten sicherstellt. Die Hosfnungen aller unterdrückten Bütter von mehr als taufend Millionen Menschen sind in diesem Angeublick auf das deutsche Volk, die deutsche '-cgiernng und die dentschen Unter- ttsch mit aer nnsrtgev Die Frage der Annahme oder Aölehnnng ist mehr als ein Problem des deutschen Volkes allein! Sie ist die Eutscheidungsfmge im Kampfe zweier Weltaufchannngen. Von seinem Ausgang hängt nicht nur unser Schicksal, sondern die Schicksale -er Welt ab.
Krttische Lage Italiens.
^ München, 13. Juni. lS. C.) Die „Neue Züricher Zeitnug" mer-et: Die Lage Italiens ist noch gefahrdrohend. In der italienischen Presse kommt eine starke Beunruhignug über die Zustände in Italic» zum Ausdruck. Hierzu tritt die Gefahr einer Ministerkrisc wegen -es Fiaskos bezüglich Fiu«;es. Orlando wird in Rom zurüüerrvartct. Die Dcmifsion des Kabinetts soll angeblich nur eine Frage vou Tage« sein.
Falls die jetzige italienische Regierung an ihren egoistischer; und annexiomstischen Bestrebungerr zu Gruude gehen sollte, ist es nicht unwahrscheinlich, daß sich in Italien ein vollständiger Umschwung der Verhältnisse vollzieht. Die italienischen Sozialisten, die stark mit dem Bolschewismus sympathisieren, würden auf jeden Fall durch einen Regierungssturz gestärkt werden. Der Korrespondent der „Daily News" meldete auch feinem Blatte, daß die italienischen Socialisten ganz offen auf die Beseitigung der jetzigen Stegierung mti> überhaupt des Regierungssmtemo hinarbeiten. Der Korrespondent behauptete sogar, daß die Socialisten mit Bela Khun, dem Haupt der Räterepublik in B;tt>apest, in Verbindung ständen.
Aus Bern wird gemeldet: Sämtliche italienische'« Blätter spreche» vo« einer Ministerkrise, die jetzt von feinem mehr bestritte» wird. „Sccolo" berichtet aus Rom, daß nicht nur der Han-elsminister CiufeUl, sonder;; auch Kriegsmiuister Eaviglia fein Portefeuille zu, Verfügung gestellt habe. Auch Schatzminister Strinhe, soll Rücktrittsibsichte» haben. Nach der 3theftest Orlandos erwartet man weitere Demissionen. Nach dem „Sortiere desto Sera" hat Sonniuo erklärt, sofort nach Unterzeichnung der Friedenspräliminarien werde er zurücktreten.
„Matin" berichtet aus PariS, daß Orlando bereits Douuersigg abend nach Ror» abgereist ist, weil seine Anwesenheit infolge der Ausstande in Italien und der Not, mendigfeit, den Posten des BerpfleMngsmiuisters neu zu besetzen, dringend erforderlich wrrrde. Ferner müsse Italien wichtige militärische Maßnahmen au der Kärntner Grenz« ins Auge fassen. General Diaz, der mit Orlando abreiste, dürfte die Niatznahmen persönlich überwachen.
Weiter meldet „Matin", daß in der Adriafrage jeder Vergleich un«töglich geworden sei. Orlando habe dies auch in einem Brief an Wilson vor seiner Abreise bs- tätigt. Er erklärte darin, daß der letzte Einiqnngsver- »ch in der Adriafrage infolge der Haltung der Sud- larven gescheitert sei. Er begnüge sich jetzt damit, die trifte Durchführung des Londoner Vertrages zu ocre 1angen.
Unruhen in Italien.
Die allgemeine Unzufriedenheit in Italien, der meist Lebcusmittelknappheit zugrundeliegt, führte zu weiteren Störungen. In Genua ruht das gesamte öffentliche Leben. Es kam zu Zufammenstötze», wobei es Tote und Berwurchete gab. 58 es anders starke Unruhe» werden aus Spezia, ernste Unruhe« aus allen liguri- scheu Ih-ojtrjejtä-tc« gemeMt. die fuB in Sympathie,