Herslelder Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
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Krers Hersseld Erscheint jeden Wochentag nachmittags. — Femsprecher Nr. 8.
»hu 135
Freitag, dea 13. Juni
1919
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w Berlin, 12. Juni. (S. C ) An hiesigen zustärc- digen Stellen erwartet man, daß die Antwortnote der Entente auf unsere Gegenvorschläge heute oder morgen der deutsche« Delegation in Versailles übergeben werden wird. Voraussichtlich wird dann die Nationalversammlung in Weimar sich schon in ihrer Sitzung am Montag mit dieser Antwort beschäftigen und zu ihr Stellung nehmen könne«. Ein endgültiger Beschluß darüber, ob Graf Brockdorff-Rantzau nach Empfang der Ententenote nach Berlin berufen werden soll, ist von der Reichsregierung bis jetzt noch nicht gefaßt worn. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird Graf Brockörrff- Rantzau jedoch in Versailles bleibe« und dort die Weisungen der Reichsregierung abwarten.
Noch keiue Einigung in Paris.
** Berlin, 12. Juni. (G. C.) Aus Versailles wird gemeldet: Ueber die Aytwvrt der Verbündeten ist nichts Neues zu sagen. Ein Teil ist fertiggestellt und in die Druckerei gesandt worden. Aber über die wichtigsten gragen ist noch keine Einigung erfolgt. Die Euglärr- ‘t hoffen, ihre Ansichten durchsusetzen. Die Franzose« erkläre«, daß Clemcneeau fest bleibe« werde. Und trotz dieser Meinungsverschiedenheiten wird gesagt, daß am Freitag, den 13. Juni, die Antwort übergeben werden soll, da Wilson auf Jnnehaltung dieses Termins Wert lege.
Der Bericht des Viererrates fertig.
h> Genf, 12. Juni (S. C.i Eine Havasdepesche melvet, der Rat der Bier hat seinen Bericht für die große Konferenz der Alliierten fertigaefteilt. Man nimmt ap, daß die Vorschläge des Rates der Vier von der Alliiertem vnferenz ohne weitere Abänderung an- genonMen werden.
»^ Rotterdam, 12. Juni. iS. C.f Eine Reuter- depesche meldet aus Paris, die große Alliierten tvnfer .cz wird Donnerstag vormittag den Bericht des Rates der
werden. .
Nur geringe WgestM»nW?
o* Zürich, 12. Juni. (S. C.) Die Turiner „Stampa« meldet an8 Paris: Man kann annehmen, daß von den deutschen Gegenvorschläge« etwa 5 bis 8 Prozent ange- nommen werden. Die übrigen sind bereits zurüSge- wiesen. Die Antwort der Alliierten wird der deutschen Delegation voraussichtlich i« zwei Tage« überreicht werden.
Die deutschen Forderungen im Osten.
m- Zürich, 12. Juni. (S. C ) „Giornale d'Jtalia", das Blatt Sonninos, tritt in der Mittwoch-Ausgabe für die deutschen Forderungen hinsichtlich Doerschlefteus und der deutschen Gebiete Ostpreußens ein.
Feste HMung in der Ksloniaifrage.
M. Berlin, 12. Juni. (T. U) Von zuständiger Seite wird mitgereilt: Gegenüber der von der Entente geplanten Regelung der Kolonialfrage samt nur immer wieder der feste Entschluß der deutschen Regierung betont werden, auf dem bereits des öfteren dargelegten Standpunkt, der dem Punkt der Wilsonsche« Januar- kundgebung entspricht, zu beharren. Ferner kann Deutschland auf seine Kolonien weder verzichten noch sie verschachern. Die Regiernug kann aitaj dem deutschen Volke nicht zumute«, einen Friedeusvertrag an zuerkennen, der es als unwürdig «nb als ««fähig behandelt. weiterhin an der Kulturarbeit der weißen Raste in Afrika und der Südsee teilzunehme«.
Deutschlands Aufnahme in den Völkerbund.
m Haag, 11. Juni. (WTV.) „Daily Expreß" erfährt aus Paris, wenn, wie es tatsächlichscheint. Dentsch- land im kommenden Oktober als Mitglied des Völkerbundes in Washington vertreten sein wird, dann wird die Okkupationsarmee sofort zurückgezogen werden, statt dort 15 Jahre zu bleiben. Diese Tatsache ist vom industriellen Gesichtspunkte aus von astergropter Be- deutung. Diese Lösung wird von Lloyd George mrd Wilson energisch befürwortet.
„Der Kampf um das Recht".
Unter dieser Ueberschrift schreibt Prinz Max von Baden im „Berl. Tagebl": Der Vertrag der vierzehn Punkte ist gebrochen worden. Dieser Vertrag bringt keinen Frieden, sondern einen dauernden -KAegszu- stand. Wenn wir weiterhin unsere Sache ehrlich fuhren und auch nicht den leisesten Versuch «rächen, zu unseren Gunsten etwas von der vereinbarten Rechtsbans abzuhandeln, so führen wir die Sache der Menschheit. Europa ist rettungslos zum Ehaps verurteilt, wen« dieser Vertrag ocrwixklicht wird.
Lloyd George in der Sackgasse.
Nach einer Neutermeldung aus London wurde die südafrikanische Delegation mit Hertzog und Reitz in Paris am 5. Juni von Lloyd George eillpfarmem Sie erklärte, ihr Hauptziel sei die Wiederherstellung des na- timtalen Statuts, das die südafrikanische Republik vor dem Vuremriege besaß. Llvyd George erklärte, daß die südafrikanische Unio« sich auf einem grundsätzlichen Abkommen zwischen den britischen und Holland»schen Elementen aufbane und deshalb von einer Seite ohne die Zustimmung der andern nicht aufgelöst werden könne. Großbrimnuten könne keiner Aktion, die ote Auflösung dieser Union bedeute, Anstimmen.
Amerika gegen den Friedensvertrsg?
»* Rotterdanr. 11. Juni. (T. U.) Nach einer Neutermeldung ans Washington brächte Senator K«ox im Senat eine Entschließung ein, in der erklärt wird, daß der Senat mit den Befumm-ulgen des Vö-kerbnudent- wurfes sich nicht einverstauderr erklären könne. Die Entschließung verlangt, daß die Völkerbundsangelegen- Heit vom Friedeusvertrag getrennt werde, damit jede Nation ihre Beschlüsse über den Völkerbund ohne jeden Vorbehalt »nd ohne jedes Vorurteil fassen könne. Dir Entschließung will die weitere« Erwägungen dem Se- natsausschntz für ünswärstqe Anqelegcuheite« überlassen. Reuter betoist zum Schlüsse, es verlautet, die Entschließung des Senats sei eine offizielle Kundgebung an die Friedenskonferenz, daß der Senat den Friedensver- trag in seiner jetzigen Form nicht gutheißen werde. Die Bekanntgabe der Friedcus-edmgAugeu in Amerika.
»-* Haag, 11. Juni. lWTB.s Die „Times" erfahren aus Neuyork, daß zwei Blätter, die „Ehicagv Tribüne" und „Neuyork Times" den vöststäuöige» Wortlaut des Friedeusvertra -es veröffentlicht haben. Ex- vräskdent Taft habe erklärt, daß Wilson zwar formell das Recht habe, fielt Wortlaut des Abkommens, solange es nicht unterschrieben sei, geheimzuhalten, aber daß es besser sei, den Wortlaut vorher dem Senat zu unterbreit ien. Senator Hiltchock hat den Präsidenten Wilson um die Veröffentlichung gebeten und gleichzeitig eine gerichtliche ilntersttchung verlangt in der Frage, wie unbefugte Persönlichkeiten sich in den Besitz des Wortlautes haben fetzen können. Es wird behauptet, daß der Wortlaut von Paris aus an gewisse amerikanische Fi- uanzlente geschickt worden sei, damit diese Kenntnis davon nehmen und für ihre Börsenspekulatione« verwende« könnten. Wilson auf yortete auf das Ersuchen: Ich bin der Ansicht, daß es nicht erwünscht wäre, Mitteilirn- gen über ein Dokument zu geben, über das noch verhandelt und das vielleicht noch geändert wird. Jeder, der den amtlichen Text kennt weiß etwas, was er nicht mit- teilen darf. Ich halte es für richtig, in dieser Angelegenheit in der gleichen Weise zu verfahren, wie die Vertreter der anderen Großmächte.
^ y^^WMMi Neu eine starke Stimmung für Deutschlands Eintritt in den Völkerbund vorhanden. Die Lostreunung Jta- lic«s von bcn westlichen Verbündeten finde in der tta- tienischen Preise immer entschiedeneren Ausdruck. Der „Vorwärts" spricht von einem Wntgeschrci der französischen Presse bei Besprechung der Meldung, daß Deutschland im Oktober in den Völkerbund ausgenommen werden solle. f
Die rheirrMALLsche Frage.
Das Ergebnis der Versailler Besprechungen.
m Köln, 11. Juni. (WTV.) Zu dem Besuch der rheinischen Abordnung in Versailles erklärt die „Rheinische Zeitung", deren Redakteur Sollmann bekanistlich an der Reise teilgenommen hat, die rheinischen Vertreter Hütten aus der Besprechung den bestimmten Eindruck gewonnen, daß die tsieichsregieruug den Eiuheitsbestre- vungen und dem Wunsch der Rheirclande volles Ber- stänsnis entgeqeubriugt und einwittigt, die rheinische Frage gemeinsam mit den rheiilischeu Sibgeordueterr zum Besten Deutschlands zu regeln. Den Besuch des Grafen Brockdorff-Rantzau beim Kölner Kardinal von Hartmann nennt das genannte Blatt einen besonders glücklichen Schritt des Reichsministers in dem Kampf um die Nationalität der Rheiulande, der vielleicht Jahrzehnte dauern wird.
Die Ausweisung von Verwaltuugsbeamteu.
w Frankfurt a. M., 11. Juni. (B. T.) Landrat Dr. Klauser, Oberbürgermeister Dr. Saufe und Beigeordneter Hovg in Höchst a. M., über deren Konflikt mit der französischen Besatzungsbehörde wir bereits berichteten, haben inzwischen den Ausweisungsbefehl erhalten, iveil sie den Generalstreik nicht verhindert hatten. Landrat Dr. Klauser hat sich auf das linke Rheinuser begehen, während der Oberbürgermeister uitb der Beigeordnete das besetzte Gebiet verließen.
Prvbeabstinlmung in Malmedy.
Der „N. R. C." erfährt aus besonderer Quelle, daß in dem Distrikt von Malmsdy eine Probeabstinummg stattgefunden hat, um zu sehen, wieviel Einwohner für Deutschland und wieviel für Belgien stimmen. Das Ergebnis war folgendes: In Malmedy nur 5 v. H., in Vermestey 5 v. H., Burueville 25 v H., in Falizo 25 v. H.„ Belleveau 25 v. H., in Mont 2 v. H., in Cheffroen 25 v. H., in Longfaye 1 v. H, Ostwat 2 v. H., RvtcrtviUe 50 v. H., in Falk 1 v. H., in Choö 2 v. H , in Weywotthy 20 v. H., Wmdmes 5 v. H und in Ondevall 25 v. H. für Belgien. Diese Abstimmung wurde auf Grund der Wahllistetr vorgenonunen.
Die Gewaltherrschaft Mangins.
»-». Frautfcrrt a. M., 12. Juni. (D U.) Am Dienstag wurde der stellvertretende Negieruugsprasidcut der oloenburgifchen Provinz Birkenfeld, Oberregieruugsrat Pralle, auf Befehl des Generals Mangin seines Amtes enchoben und aus dem besetzten Gebiet ausgewreie«.
Das deutsche Weißbuch.
Das am Msttwoch erschienene Weißbuch der deutsche« Regierung enthält, wie aus Berlin gemeldet wird, die Rede des Grafen Brockdorff-Rantzau vom 7. Mai in Versailles, den Notenwechsel vom 18., 20. unb 24. Mai, den Bericht der Kommission der alliierten und assoziierten Regierungen für die Feststellung der V^r- autwoEchkeit der Urheher des Krieges «vd die avfzu-
erlegenden Strafe« sowie die Bemeirnnge« der deutschen ««abhängige« Kommission zu diesem Bericht mit der Begleitnote des Grase« Brockdorff-Rantzan vom 28. Mai. Diesen Aktenstücken find eine Reihe von Anlagen beigefügt, die sich auf die deutsche und russische Mobilmachung, auf französische Mobilmachnngsvorbereitunge» und Grenzverletznuge«, auf deutsche militärische Maßnahmen im Osten vor Bekanntwerden der allgemeine« russischen Mobilmachung, auf den angeblichen Krourat i« Potsdam, aus Serbiens Stellung zur Entente, cus- besondere zu Rrrtzland, aus den Balkaub«nd, auf die Balkankrisis von 1912, auf die Angelegenheit Liman- Sanders, auf Rußland und die Türkei im Jahre 1911 beziehen.
Außerdem veröffentlicht das Weißbuch den Wortlaut des Schreibens des Generalstabschefs v. Moltke an den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes vom 18. Dezeurber 1914, in dem Moltke den Inhalt seiner Unterredung mit dem König der Belgier wiedergibt und auf das bestimmteste in Abrede stellt, daß er den Krieg als notwendig und nuvermeidlich bezeichnet und erklärt habe, daß wir jetzt ein Ende machen müßten, schließlich die Denkschrift M. Pokrvwskis lBtoskau)/
die mit der Feststellung schließt, daß Deutschland mit dem Ansturm auf Lürstcy in die Mausefalle der russisch« französischen Provokation geriet. Aus den Dokumenten über die Mobilmachung geht deutlich hervor, daß die deutschen Matznahrue« weit hinter den französischen zu- rückbliebe« und daß die Zahl der Grenzverletzungen von französischer Seite eLbeblich größer war als von deutscher. Unter den Aktenstücken, die die Legende von dem angeblichen Potsdamer Kronrat eudgiltig zerstören, befindet sich das Handschreiben des Kaisers Franz Joseph an Kaiser Wilhelm, das am 5. Juli 1914 über« geben wurde, das ihm beigefügte Memorandum der österreichisch-ungarischen Regierung und die Antwort Kaiser Wilhelms an Kaiser Franz vom 14. Juli 1914.
Kritische Kammersitznug in Frankreich.
Clemencea« stellt die Vertrauensfrage.
In der französischen Kammer wurden Interpellationen über Hanssnchnnge« int Nationnlamt der Presse und bei di-m Dir» ^.7- Ls Müstn", Schöller, erörtert.
Jgnace, erklärte, daß die Gerichtsbehörden verschiedener» Fällerr von Beihilfe zur Drückebergerei und Fällen von Beeinflussung von Beamten, um für gewisse Personen Strafaufschub zu erwiesen, auf die Spur gekommen seien. Ex ersuchte die Kammer, sich mit dieser Erklärung zufrieden zu geben. Renaudel und Broussc widersprachen. Die Stimmung der Kammer schien so kritisch erregt, daß Clemencean es für nötig hielt, persönlich in die Debatte einzugreisen und die Vertrauensfrage zu ftelleit. Er erklärte, er halte sich und sein ganzes Kabinett für solidarisch mit Jgnaee. Spreche man diesem das Mißtrauen aus, so werde das ganze Kabinett zurücktreten. Unter großer Erregung wurde dann zur Abstirnurung geschritten, die 276 Stimme« für die Re- grer«ug, 137 gegen die Regierung ergab. Ungefähr 120 Deputierte enthielten sich der Abstimmung.
Die großpolnische» Träume.
Aus Pariser besonders gut unterrichteten Kreisen verlautet, daß die Vertreter Polens bei der Entente in neuester Zeit mit allem Nachdruck Forderungen betreiben, die auf einen geradezu maßlosen MaÄtdünket der Polen schließen lassen. Sie wollen sich keineswegs an dem ihnen durch die tyrieoenobebinauiuien zugestau- denen ungeheuren Zuwachs der Grenzen ihres 3leU ches genügen lassen. Vielmehr beansprucht Polen neuer« dings ganz Litauen und den größte«, wertvollste« Teit der Ukraine für sich. Mit den litauischen Vertretern, die sich ebenfalls in Paris besinden, sollen die Verhandlungen beut Vernehmen nach bereits zu einem den Polen günstigen Abschluß gediehen sein. Auf Rußland hin wiederum dürfte die Entente den nötiaeu Druck ausüben um es gefügig zu machen, die Wünsche Polens hinsichtlich der Utmine zu erfüllen. Man hofft in Paris, auch hierin baldigst M einem befriedigenden Ergebnis zu gelangen. Der Traum der Polen geht auf nichts weniger als darauf hinaus, das Polenreich aus der Blütezeit der Jnaellvmuherrfcvait in vollem Umfange und Glänze Wiedererstehen zu lassen. Wie rs heißt, soll sogar der polnische KSrrigsthrorr nach Abschluß des Frie. Seus und Festlegung der Grenzeti des neuen Reiches wiedererrichtet werde«. Aus den Kreisen des polnischen: Hochadels soll der sonstige Träger der Krone bereits in Anssicht genommen sein. Die Entente selbst steht all diesen Vesirebungen ihrer polnischen Freunde ivoluwollend gegenüber. Sowohl Frankreich, das für die Polen, wie bekannt von jeher ein faivle hat, wie England würden eilt solch gewaltiges Boleureich als Schutzwall gegen Deutschland, das auf alle Falle von einer etwaigen freundschaftlichen, nahen Verbindung mit Rutziand ferngehalte» werden soll, nicht ungern sehen. Auch ist märr in Paris und London der Suverficht — und wohl mit Recht — daß ein derartiges Polen von der Entente Gnaden mit Volldampf im Fahrwasser der künftige» ententiftifchen Politik segeln wird.
Polnische Mordtat.
m> Gra»tde«z, 12. Juni. lS. C.) In dem dicht an der Demarkationslinie gelegenen Dorfe Siego nordöstlich von Samotschin sind vier Dentsche, darunter der Lehrer, von den Polen erschlagen und schrecklich »er» stümmelt worden. >
Koltschaks Programm. 1
Wie der „Temps" berichtet, erklärte Admiral Colt« fchak in keiner Antwort an die alliierten Regierungen, er näW im allgemeinen die von den Alliierte« -arge«: