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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Nr. 138

Mittwoch, dem 11» Juni

1919

N Der WM

Zugeständnisse an Deutschland?

e* Rotterdam, 10. Juni. (S. C.)Daily Mail" meldet aus Paris, Sie Antwort an Deutschland soll 350 enggeschriebene Zeilen umfassen. Informationen an die englischen Pressevertreter lassen mit Sicherheit au- nehmen, daß die Alliierten Zugestünduifse von entschei­de,rder Bedentung vorgenommen haben Sezw. darüber einig sind.

Er» MtMawM?

m- Versailles, 10. Juni. (T. 11.) Die Pariser Abend­blätter berichten übereinstimmend, daß der Rat der Drei Orlando ist noch nicht aus Turin, wohin er sich be- geben hat, um sich mit Sounino zu besprechen, zurück­gekehrt in seinen Beratungen mit drei hochwichtigen Fragen fertig sei: Finme, Polen und dem von Deutsch­land zu entrichtenden Entschädigungsbetrage. Clemen- ceau schlage vor, den Deutschen eine Frist von 48 Stun­den zur Prüfung der Antwort der Alliierten zu gewah­ren. Wilson ist für eine Frist von 4 Tagen, und Eng­land will sogar bis zu einer Woche Bedenkzeit geben. Man werde aber Deutschland keine weiteren Milderun­gen mehr gewähren.

AeSerreichNNg der Antwort

m- Rotterdam, 10. Juni. (S. C.)Daily Mail" meldet aus Paris: Am zweiten Pfingsttage begann die Schlutzformnliernug der Antwort an Deutschland. Sie wird am Dienstag abgeschlossen. Mittwoch findei die Unterzeichnung durch Clemeneeau statt, und frühestens am Donnerstag spät abends wird die Note zur Ueber: reichn«« an den Grafen Brockdorff-Rantzau bereit sein. Der alliierten Presse wird der erste Auszug am Freitag früh zugestellt werden.

t* Versailles, 10. Juni (T. U.) Das gestrige Mit- tagsblattInformation" bringt unter der Ueberfdinft MiWWWMMMMM deutschen Gegenvorschläge noch nicht vorgelegt seien. Man rechnet aber trotzdenr mit der Antwort der Ver­bündeten bis zum Wochenende.

ZugeftKudnUe der Entente.

w Lugano, 7. Juni. (WTB.) Der Berichterstatter £.3Corriere della Sera" auf der Friedenskonferenz hat nach der Dienstagsitzung des Viererrats den Ein- druck gewonnen, daß der Verband einwilligt, in Ober- schlesien eine Volksabstimmung über die Staatsangehö­rigkeit vorzunehmen, daß er ferner die Dauer und den

des

Umfana Ser militärischen Besetzung an der Westgrenze sowie endlich Sie Wartefrist für die Zulassung Deutsch­lands zum Völkerbund erheblich abkurzen will.

Die Pariser Morgenbläiter vom 6. Juni melden übereinstimmend: Die von Deutschland zu zahlende Entschädigungssumme soll sogleich in irgendeiner Weise begrenzt und fixiert werden. Die Machtvollkommenheit der Wiedergntwachuugskommisston wird sehr beschnit­ten. Andeutungsweise wird auch von weiteren, aber nur kleinen Zugeständnissen in wirtschaftlichen und fi­nanziellen Fragen gesprochen. Vielleicht in der «chiffs- frage, sogar auch in der Kolonialfrage. Alle Blätter wollen schon Bestimmt wissen, daß die deutsche Delega­tion mit der Antwort der Entente nach Berlin reisen

ärtschaftlichen und sr- llleicht in der Schiffs- Mütter

wird, wo die Entscheidung fällt.

Die EutschäSiguugsfrage.

w Amsterdam, 9. Juni. (T. II.) DerMatin" mel­det, daß die Sllliierten von Deutschland eine EntschäSi- gung von 200 bis 250 Milliarden Mark fordern werdem Anfnahme Deutschlands in den.Völkerbund.

to. Genf, 10. Juni. (S. C.) Die Völkerbundskom- Mission, die in der Abwesenheit Wilsons getagt hat, hat sich für die Ausnahme Deutschlands in den Völkerbund ausgesprochen.

Lloyd Georges veränderte Taktik.

e* Rotterdam, 9. Juni. (T. U.) DerNieuwe Rotterö. Cour." schreibt: Was soll die Ursache sein, daß gerade Llvyd George uns Ptätziguna gibt im Gegen­satz zu Wilson, welcher sagte, daß die Stimmung tut ei­genen Lande heute wenig geeignet ist, in dieser Rich­tung tätig zu sein. Ist es vielleicht die Furcht, daß die Papiere Asquiths allzu stark steigen, weint sich zeigt, Satz der Mann des großen Worts am Ende nicht geeig­net ist, bald einen Frieden zustande zu bringeu? Man denke an das Ergebnis der Ersatzwahlen und den Ein­druck, den Asquiths letzte Rede gemacht hat.

'Die WiederguiWLchuug.

Wilson in gereizter Stimmung.

della

Laut einer Pariser Depesche desEorrrere Sera" hat Wilson selbst die neuen Ententevorschlage mit einer Polemischen Einleitung versehen, in der er gegen­über den deutschen Einwendungen die Auffassung ver­tritt, daß die vorgelegten Bedingungen seinen 14 Punk- ten entsprechen. Wilson sei durch den Umt von deutscher Seite gemachte Vorwnrf der Jnlmffeqnenz sehr gereizt worden, weshalb auch nicht er, sondern Lloyd Georg die Initiative der Revision ergriffen habe. . ,

Der neue Enlentevorfchlag sei übrigens nur durch einen Anhang, der die Umänderungen enthalte, von dem ersten verschieden. Dieser bleibe der Form nach un­verändert. In dem Anhang werde erklärt, daß Deutsch­lands Aufnahme in den Völkerbund am 1. Oktober d. J. erfolgen werde. Sie Wiedergntmachnngskommisfton verplichtet sich, i« Sie innere« Berhältuige DentschlandS

sich nicht emzum,scheu. Mit der Festsetzung der drgnngssnmme wird nicht zwei Jahre, ssndern i Monate nach Friedensschluß qer-iartet und Sie

Enkscha-

. _ --------------_____nnr zwei

- onate nach Friedensschluß gewartet und Sie Summe auf rund 200 Milliarden beschränkt. Ein Vertreter Deutschlands werde zu der WieSergutmüchnngskommis- non zngelasseu werden, jedoch nur zu den wichtigeren Bereehandlungen. Die Alliierte« seien ferner geneigt, auf eine beschlemrigtsre 8t8um«nq der besetzten Gcebiete einzugeheu, wenn die Eutschädignngsletstungen durch Deutschland regelmäßig erfolgen.

Die PÄSKfrage.

»^Versailles, 7. Juni. (WTB.) Die Festsetzung der Ostgrenze Deutschlands ist das einzige Thema, das die Pariser Abendpresse mit Ausnahme der in ein kri­tisches Stadium getretenen Streiklage behandelt. Es ; hat den Anschein, daß die Poleufrsge in den nächsten Tagen Gegenstand ernster Beratungen innerhalb des i Biererrates sein wird. Nach einigen Abendblättern soll l nämlich die gestrige Unterredung zwischen Paderewski und den Mitgliedern des Viererrats einen etwas Sra- matischen Charakter angenommen haben. Der ungekrönte König Polens will sich zwar bereit erklärt haben, einige wenige polnische Dörfer Oberschlesieus bereitwilltg Deutschland zu überlassen, aber es so eint, daß nach An­sicht Lloyd Georges und Wilsons da t nicht genügt und daß sie auf weitere Konzessionen drängen.

Die französische Presse behandeb die Frage vom Standpunkt eines Plebiszits.Twws" meint, davon könne wohl erst nach langer Zeit die Rede sein, da man alle Beeinflussung durch Deutschland ausschließen müsse.

Man scheint also auch hier oteUebyt auf die berühm­ten 15 Jahre des Saarreviers zurück-ourmen zu wollen, vergißt aber dabei, daß sich £eutidmnd auf etwas der­artiges nicht einlaften kann, denn st mbl in Oberfchle- sien, als auch in West- und Ostpren rn handelt es sich um rein deutsche Gebiete. Deutschland kann schon aus Gründen nationaler Ehre keine Ab rkuMung zulassen, am wenigsten aber nach einer länger n Zeitdauer, wäh­rend unsere Feinde es ermöglichen ' - nlen, eine durch-

"'" S,Heurs", das Organ Marcel Sembats, erkennt die Wichtigkeit der Polenfrage und meint daß, wenn Frankreich seinen imperialistischen Plan im Osten Deutschlands beibehalte, zukünftig ein BiinSnis zwi­schen Rußland und Deutschland wahrscheinlich sei. Da­mit ist in Frankreich eine Frage aufgeworfen, die in Deutschland bisher nicht genügend Beachtung gefunden habe. Rußland werde in gleicher Weise wie Deutsch­land an der Regelung der Polenfrage interessiert, denn wenn man zwischen Deutschland und Rußland ein von Frankreich abhängiges Polen schiebe, schädige man die zukünftigen wirtschaftlichen Interessen Rußlands ebenso wie die Deutschlands.

Die Vorteile einesBein".

Von Otto Ernst.

Wenn wir auf den feindlichen FriedensvertragZ- entwirrf mitNein" antworten, so hat das folgende Vorteile:

1. Wir setzen uns bei Freunden, Feinden und Neu­tralen wieder in Achtung. Wir haben das dringend

nötig, weil wir uns seit dem Herbst 1918 in steigendem Maße erbärmlich benommen und die erforderliche Ach­tung durch eigene Schuld verscherzt haben. Wer aber fein nationales Ehrgefühl bis auf den letzten Rest ein- gebüßt haben sollte, dem müssen wir' klarmachen, daß die Achtung der Welt auch aus materiellen Gründen unumgänglich notwendig und von größter wirtschaft­licher Bedeutung ist.

2. Wir bleiben rechtlich und moralisch vollkommen ' Wen. Wir sind zu jedem Widerstände gegen .... . Peiniger berechtigt, zu offenem und geheimen,- wir können jede Aenderung der Weltlage zu unseren Gunsten sofort benutzen, können in jedem günstigen Augenblicke das Joch abschüttem, ohne einen Vertrag zu verletzen. Vergewaltigt, bleiben wir doch frei.

3. Wenn wir den Vertrag ablehnen, werden die

um unl

Feinde ton veröffentlichen und vor der Oesfeutlichkeit ihrer Länder verantworten müssen. Das fürchten sie. Ihr Plan ist offenbar den Vertrag so lange zu ver­heimlichen oder doch seine Erörterung zu verhindern, bis die vollendete Tatsache eines festen Friedens vvr- liegt. Sie sind überzeugt, daß die moralischen Beden­ken ihrer Völker im Fett eines solchen Friedens schnell ersticken werden. Diese moralischen Bedenken steigern, verschärfen und vermehren wir, wenn wir mit aller Entschiedenheit ablehnen.

4. Wir zwingen unsere Feinde, zu der Schande der Erfindung dieses Tenselswerks die zehnmal grö- here Schande der Ausführung auf sich zu nehmen. Der Haß und Abseyen aller rechtlichen und ehrenhaften Menschen, den sie jetzt schon auf sich geladen naben, wird sich verzehnfachen, verhundertfachen. Selbst hartgesot­tene Verbrecher find schon davor zurückgeschreckt, zu tun, was sie drohten.

5. Es ist wohl möglich, daß die Feinde duräMis nicht erwarten, wir würden alles annebmen, was sie uns Sinnuten. Sie haben es auch beim Waffenstillstand nicht erwartet. Amerikaner und Engländer in Spaa haben Mitgliedern unserer Delegation ihre größte Ver­wunderung darüber ausgesprochen, daß wir die Waf- fensttüftandsbedingungen angenommen hätten. Wir be­wahren uns vor der grausigsten, durch keine Zukunft , zu tilgenden Lächerlichkeit, wenn wir verweigern, was im Ernst nicht von uns verlangt wurde.

6. Wir erhalten uns die Piöglichkeit, bei Neutralen

nidtt

fern. Das aber ist selbstverständüch, daß alle Völker der Erde sich sagen werden: Wie kämen wir dazu, et­was für Deutschland zu tun, wenn es sein Todesurteil selbst unterzeichnet? Sollen wir deutscher sein als die Deutschen?

7. Wir zwingen den Femd dazu, einen großen Teil seines Heeres und seiner Flotte mobil zu erhalten. Wir wollen setzen, wie lange seine Mittel und feine Völker ihm das erlauben. Wenn keine andere, so bleibt unS die furchtbare Waffe des passiven Widerstandes. Sie sollen näbertreten, die Herrschaften; wir werden ihnen den Aufenthalt so üngeuehm wie uwglich machen.

Sie sollen kommen, uns ein Joch auszwingen, Das wir entschlossen sind, nicht zu ertragen!

Und Ihr glaubt doch wohl nicht, daß diese Feinde sich an die Abmachilngen eines Friedensvertrages ge­bunden halten würden? Sie würden sie jeden Singen- blick nach Belieben brachen. Diese Lügner der14 Punkte", diese vierzebufach Meineidigen haben Treu und Glauben aus der Welt getrieben, und es muß eine neue Welt erstehen, bis sie zurückkehren. Läßt sie Ver­träge schließen mit Bolschemiften, die Verträge unter­zeichnen, um sie zu brechen!

* -

Hollands Arbeiten gegen den Versailler Vertrag.

DemN. Rokterd. Couraut" zufolge sind in den von der Arbeiterpartei im Parlament und der Leitnng der Partep verfatzten Manifeste« gegen Sie FrieSensvedin« gvnqen noch folgende Sätze enthalten: Der Vertrag be­deutet die SchänSung der Grundsätze, die in den Be­schlüssen der Arbeiter und Sozialisten euchalten sind. Er schänSet auch den Vertrag, auf Grund dessen der Waffenstillstand unterzeichnet wurde. Im Vertrag wird an Frankreich der vollständige Besitz -er Kohlenberg­werke im Saarbecken abgetreten. Die Bedingungen im Waffenstillstaudsvertrag haben niemals auf diese Mög­lichkeit Hingewiefeu. Frankreich muß zweifellos von Deutschland Kohlenvorräte erhalten, damit es für den zeitigen Verlust seiner eigenen Hilfsquellen entschädigt wird. Diesem Anspruch kann Genüge getan werden, ohne daß die B' Völker"-^- e Saatgebiefe auch nur unter eine neue «erw««««» neuem wir», mm

Wilsons Besuch in Belgien.

ew Haag, 7. Juni. (F. Z.) Wie aus Basel gemeldet wird, ist der Besuch -es Präftdente-r Wilso« um eine Woche verschoben worden, weil der König der Belgier an der Grippe erkrankt ist. Der Besuch soll vor allem dazu benutzt werden, um auf den amerikanische« Prä­sidenten einen möglichst starken Eindruck zu machen durch die Zerstörn« gen und Verwüstungen, die das belgische Land erlitten hat. Dann wird man ihn durch die zerstörten Gebiete der Ysergegend führen. Auch der Sitzungssaal wird wieder ebenso wie der Stuhl mir Trauerflaggen bedeckt sein, auf dem die verurteilte Miß Cavell und andere gesessen haben, als das deutsche Kriegsgericht über sie das Todesurteil sprach.

Gsgenvorschläge Deutsch-Oesterreichs.

* Amsterdam, 9. Juni. (T. U.) Aus Zürich meldet Havas vom 7. Juni, daß die Antwort der österreichi­schen Abordnung auf den Friedensvertrag der Entente in Form von Friedensvorschlägen gegeben werden wird, welche bereits Mm großen Teil fertig sind. Wahr­scheinlich wird die österreichische Antwort an die Entente binnen 10 Tagen überreicht werden.

Kompensationen für Italien.

»* Genf, 7. Juni lWTBI DemTemps" zu. folge ist beabsichtigt, Italien als Kompensation für die kolonialen Gebietserweiterungen Frankreichs nnd Eng­lands die portugiesische Kolonie Angola auznvieten. Man begründet dieses Verfahren damit, daß Portugal nicht die Stiftet habe, die Kolonie aus?mbeuten. ' Au­ßerdem erhält Italien eine Greuzberichtignng in Nord- afrika.

Die adriatische nnd Finmesrage.

ISO Basel, 7. Juni. (F. Z.) DieLiberte" teilt mit, daß Orlando am Donnerstag morgen Besprechungen mit Clemenceau über die Frage des adriatische« Mee­res hatte. Die süSslawischen Ansprüche werden nicht gänzlich anfrechterhalten. Man habe über die Finme, frage ein Abkommen getroffen. Dalmatien werde ge­teilt. Italien erhält Dara und SüSslawie» Sebencio.

FriedensverhauÄlungen mit Ungarn?

Eine Einladung Clemenceaus an die Släteregiernn».

* Berlin, 10. Juni. jT lt.) Clemenceau hat an bi« ungarische Regierung durch einen Funksprnch ans Prag, sodann aber auch über die ungarische Gesandtschaft in Wien eine Note gerichtet, in der es heißt, daß die «I* alliierten und assoziierten Regierungen die Vertreter der ungarischen Rcgiernng zu FricSeusverhan-luuge« einzulade« beabsichtige. Die Regierung in Budapest wird formell anfgeforScrt, nuverzüglich den Angriffen auf die Tschecho-Slowakei ein Euoc zu machen.

Neue Offensive gegen Budapest.

** Rotterdam, 10. Juni. (S. C.)Daily Mail" melSet aus Belgrad, die Rumänen haben die Offensive gegen die Bolschewisten in Budapest wieder anfgenom- men. Die Alliiertentruppen auf bulgarischem Bode« beteilige« sich au der Wie-eraufnghme der Umzinge­lung Budapests.

Der Putsch im Rhein!««».

Ei« Rückzug Frankreichs.

* Genf, 10. Juni. (S 6.)Homme Obre" schrieb bereits am Sonnabend vor Pfingsten, daß Sie Frage -er Bildung der Rheinrepublü autzerhalb der Kompe­tenz der Alliierte« liege. Die Augelegenheit sei eine innerdeutsche für alle Alliierte«.