Sersfelder Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
Mv» 127
Dienstag, den 3. Juni
1919
WWIBT" wie.
** Frankfurt a. M. 2. Juni. lT. U.) In dem besetztere Gebiet wurden Sonntag früh große Massen von Plakaten an sämtlichen Litfaßsäulen und Straßenecken angebracht, die einen von einem Arbeitsausschntz der rheinischen Republik Unterzeichnete« Aufruf an die rheinische Bevölkerung enthielten. In dieser Proklamation wird die Ausrufung einer altnassanischen Ro- publik in Wiesbaden, einer rheinische» Republik nt Koblenz und einer pfälzischen Republik in Speyer verkündet. In Wiesbaden wurden die Plakate ««Mittel» bar, nachdem sie angeklebt worden waren, von der Bevölkerung abgerissen, sodaß nur wenige Personen die Proklamation zu Gesicht bekamen. In Höchst a. M. haben die Behörden Einspruch gegen die Anbrmgmlg der Plakate erhoben. In Mainz wird als Gegenmaßnahme gegen die Ansrusung der rheinischen Republik heute Nr Generalstreik erklärt. In Köln und anderen rheinischen Städten ist die Ausrufnng ««scheinend aus Furcht vor einer Volksbewegung unterblieben.
Nach einer weiteren Meldung soll die rheinische Republik na cd dem Aufruf eine Friedensrepublik sein und das Rheinland, Rheinhessen, die Rheinpfalz und das Fürstentum Virkenfeld umfassen. Die vorläufige Regierung, die angeblich schon besieht, hat ihren Sitz in Wiesbaden. Endgiltig soll Koblenz Hauptstadt werden. Die Erlaubnis zu Wahlen zur verfassunggebenden Versammlung soll sofort eingeholt werden. Die bisherigen Staats- und Gemeindebehörden sollen bis auf weiteres im Amte bleiben. Der Aufruf ist unterschrieben von drei Arbeitsausschüssen, nämlich dem rheinischen Arbeitsausschuß, dem nassLUisch-rhrinhessischeu Arbeitsausschuß und dem pfälzischen Arbeitsausschuß. Es werden jedoch keine Namen genannt, sodaß das Plakat und der Aufruf völlig anonym sind.
Protest des Ksluer Bürgertums.
: machtvoller am Sonntag
w Düsseldorf, 2. Juni. (T. U.) In
Kundgebung gab das Kölner Bürgertum c im Reichsl-aLetttheater seine Entrüstung über die LoslösKUgsbestrebungen vom Reiche Ausdruck. ®M aatttäiiwe . -.anrNn alle. Versuche, d'LMe Alande vo«
andesverrat zurückgew
schert Nation, Sesverfamml,
Negierung mrd Parteien gegen Ksslasung.
w Berlin, 2. Juni. (T. u.) Weit über 100 rheinische, rheinhefsische und pfälzische Mitglieder der deutschen Nationalversammlung und der preuß,scheu La«- ^esversammlung aus allen Parteien waren am 31. Mai einer Einladung des Ministerpräsidenten Scheioemann zn einer Aussprache über die SelbständkgkeitsSestrev««- gen in den Merulanden gefolgt. In vierstündiger Aussprache, in der das ganze Material noch einmal auf- gerollt wurde, trat völlige Uebereinstimmung zwischen Regierung und Abgeordneten insofern zutage, als der Gedanke einer Loslösung vom Reiche als völlig undrs-
Gedanke v.„^ ^„„.„,„,.Q „„ — —,- —- _
kutabel von allen Seiten verworfen wurde. Vor Ver- abschiednnq der Verfassung vor dem Fr-edensichluß könne auch nicht an eine Aenderung der staatsrechürchen Verhältnisse zu Preußen gedacht werde«.
x» dertteablaagea in SschMes?
i Witto« wieder Vermittler.
^ Wien, 1. Juni. (T. U.) In Kreisen der hiesigen Ententemission ist man zu der Ueberzeugung gelangt, daß anf Grund der deutschen Gegenvorschläge verhan- dett werden wird, daß die Gefahr eines Vormarsches der Ententetruppen beseitigt ist und daß mit einem Wort der kritische Punkt als überwunden gilt. An rompes tenter deutsch-österreichischer Stelle hätt man die letzten von amerikanischen Zeitnngskorrespondeute» ans Paris nach Neuyork gesandte« Telegramme, daß Wilson zu Verhandlungen bereit sei und eine Vermittlerrolle übernehme« möchte, für zuverlässig, da sie osfennchtlich im Einverständnis mit der amerikanischen Friedenvde- legation in Paris verfaßt und abgesandt worde« seien.
m Versailles, 1. Juni. (T. U.) Wie „Pettt Paristen" und „MatiN" mitteilen, sind einzelne Abschnitte der Gegenvorschläge bereits a« die zuständigen Ausschüsse verwiesen worden. Die Presse rechnet damit, daß die Antwort der Entente allerschuellsteus wahrscheinlich diese Woche erfolgen werde. , , , ,. ,
w Lugano, 1. Juni. (T. u.) Barzinie telegrafierte, in den maßgebenden Konferenzkreisen, Sie bisher in allen Entscheidungen den Ausschlag gaben, wachst Sie Tendenz, die deutschen Gegenvorschläge nicht knrz ab- zulehnen. Man gibt zu, daß sie sehr geschickt, zum ^etl sogar meisterhaft znfammengestellt seien. Besonders anf Sie Engländer haben sie Eindruck gemacht. Es scheine nicht einmal ausgeschlossen!, daß auch Llovd George die Notwendigkeit anerkennt, gewisse besonders einleuchtend begründete deutsche Gegenvorschläge anznnehmen.
:. U.) Barzinie telegraphierte, rferenzkreifen, die bisher in Ausschlag gaben, wächst die
Frankreich und England lehnen ab?
^ Gens, 2.' Juni. (S. C.) Der „Temps" schreibt, die englischen und französischen Delegierten hielten eine Sondersitzimg ab, um sich über die Stellungnahme zu den deutschen Gegenvorschlägen schlüssig zu werden. Die Beratungen waren vertraulicher Art. England «nd Frankreich wollen gemeinsam auf Ablehnung der deutschen Vorschläge bestehen.
Wie „Liberte" bestätigt, wird der Biererrat am Dienstag die Prüfung der deutschen Gegenvorschläge selbst beginnen. Die augenblicklichen Kommtsnorrsbe. ratungell hätten schon zu einem sehr interessanten Mei- nungMilstausch der alliierte« Diplomaten Anlaß gege«
beu. Jedeufalls sei Wilson mit den Franzose« darin völlig einig, daß Frankreich nicht nachgeben könne «och werde. Die Abendblätter setzen die scharfen Aeutzermr- gen über die deutschen Gegenvorschläge fort und wollen offensichtlich die Oeffentlichkeit dahin bearbeiten, daß sie darauf bestehe, daß die Entente in Nichts nachgebe. Kennzeichnend sind die Ausführukgen des „Journal des Debats", die Konferenz könne unmöglich den unqe- Henren Entwurf, den sie so mühselig herstellte, satzweise nachxrüfcn. Sie würde dann noch im Herbst tagen und die Geduld der Franzosen sei erschöpft. Mündliche Verhandlungen, die Brockdorff wünsche, seien nicht mehr angebracht. Die Konferenz hätte das System der mündlichen Verhandlungen snit den feindlichen Delegierten annehmen lonneu, als sie zusammen trat, aber sie habe mit Reckst vorgezogen, nicht in Anwesenheit des Feindes zu diskutiere'.; und zu entscheiden. Jetzt dürfe man nicht mehr zurück. Das Urteil sei gefällt, es! müsse önrchgeführt werden. „Temps" wünscht, daß nachträglich noch die Bestimmung in den Vertrag mit Dersischland aufge«omMs« w^rde, durch die jegliche Minderheiten genau wie im Vertrag mit Oesterreich unter den Schutz der Gesellschaft der Natio«en gestellt werden.
Die Sühne Deutschlands.
fe* Rotterdam, 2. Juni. (S. C.) Wie „Daily News" erfährt, hat Lloyd George die Eingabe der englischen Bischöfe in der Friedensfr^ge dahin beantwortet, ohne eine Sühne Deutschlands sei der Frieden nicht abzu-; schließen.
Die Alttwort der EnteNte. _____________
i* Berlin, 2. Juni. (S. C.) Nach einer Havasde- pesche vom Sonntag früh soll die Antwort der Alliierten auf die deutsche« Gegenvorschläge bereits Donnerstag erfolgen.
Keine Annahme der feiAdliche« Bedingnnge«.
«ss- Berlin, 2. Juni. (S. E.) Wie wir erfahren, soll eine nenc Erklärung der Reichsregiernng bevorstehe«, Sie den E«tschl«tz der Regierung wiederholen nnd bekräftigen soll, falls die Unterzeichnung des von der Eu- teute vorgeschlagenen Friedeusvertrages dnrch die dent- sche Regierung nicht vollzogen wird.
^.R7.E-Wer Endtermin für §-.« Friedensschlntz. pesche vom Sonnabend früh toe^üf^äifS ^ctfi^ * bte' 8§~ rattmgen sollten unter allen Umständen so beschleunigt werden, daß der 13. Juni als Endtermin für den Friedensschluß eingehalten werde.
Me ANsLsutuug Deutschlands.
i* Berlin, 2. Juni. (T. U.) Wie der „Lokalauzeiger" zuverlässig hört, verbirgt sich hinter den Annexions- pläuen von Oberschlesien ein großzügiges Finauzpro- gramm, das die von Rutzlartd seinerzeit geliehenen französisechn Milliarden für Frankreich retten soll. Hierzu war Oberschlesierr mit seinen Kohlen das willkommene Objekt. Polen erhält von Anterika eine anf diesem Gebiet zu investierende Milliarde nnd tritt diese dann aus Dankbarkeit für die Polen auf deutsche Kosten gewährte Freundschaft ab. Der französische Sparer erhält dann fein schon verloren gehaltenes Geld zurück, und der Bewohner Oberschlesiens erhält dafür das Recht, die Zinsen für diese Geschäfte im Stenerwege anfzubringen. Näher besehen bedeutet aber dieser Schacher nichts mehr und nichts weniger, als daß Deutschland auf diese Weise Nicht nur seine eigenen nneiträglichen Verbindlichkeiten, sondern auch die russischen Schnlden an Frankreich zahlen soll. Selbst die Warschaner Blätter sollen, wie versichert wird, in diesem frivolen Projekt inzwischen ein Haar gefunden haben und für die Annexion Oberschle- stens nur noch wenig Begeisterung an den Tag legen.
Der Bezirk Malmedy dentsch.
»^ Trier, 1. Juni. lT. U.) Bei einer Probeab- stimmung in den beiden Bezirken von Malmedy sprach sich die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung für das Verbleiben bei Deutschland ans. Nur in zwei Ortschaften ergab die Abstimmungsziffer 50 Prozent bezw. 25 Prozent für Belaie».
Zurückhaltung der Lebensmittel für Deutfchlattd.
** Berlin, 2. Juni. (S. C.) Nach einer Meldung des „Manchester Guardian" sind in den letzten Tagen in englische» Häfen liegende, nach Dentschland bestimmte Dampfer mit LebensmittelA zurückgehalten worden, um zunächst die Annahme des Friedensvertrages dnrch Deutschland abznwarten. .
Die Beratungen des Viererrats.
«• Frankfurt a. M , 31. Mai. (L. A.) Der Vierer- rat setzte gestern nachmittag die Beratungen der deutschen Gegenvorschläge fort. Am Morgen sind zwei weitere Noten im Qnai dOrsay eingetroffen. Die eine bezieht sich auf das deutsche Besitztum in den alliierte» Sündern, die andere enthält Bemerkungen über Staats- schnlden. j
Keine Freilasinng der deutschen Kriegsgefangenen.
»^ Haag, 31. Mai. (V. T.) Die englischen Vor- schrtften über die Fremdenzulassung enthalten außer den gemeldeten Bestimmungen auch die, daß die Kriegsgefangenen noch sechs Monate «ach Kriegsende feftgeljaiten nnd ohne eine amtliche Verfügung Nickis freigelassen wetden sollen. Das bedeutet aber uicht, daß ihre Hcirttsendnug während dieser Zeit nicht ersolge» könne. Ueber die zwangsweise Heimsendnng während dieser Zeit entscheidet das Akinisterium des Innern.
Die oberschlesische Frage.
♦* Berlin, 31. Mai. (B. Z.) In der Eutentepresse, lowett sie überhaupt dem Gedanken an eine Milderm»«
der feittöliche« Friedeushedingnngen Raum gibt, wird angedeutet, daß die alliierten Regierungen sich vrelleicht zn einem Zugeständnis in territorialen Fragen, »ament- lich hinsichtlich Oberschlesiens entschließen werden. Dazu wird der „Vossischen Zeitung" geschrieben: Der Oberschlesien betreffende Passus sei in den Friedensbediuguu- gen der Alliierten erst wenige Stunde« vor Ueberrei- chnng des Vertragsentwurfes eingefügt worden. WS die Forderung verösfentljcht wurde, war die polnische Delegation in Parts nicht weniger überrascht,, als die deutsche Abordunng.
Berhaftttttg von Zivilpersonen im besetzten Gebiet. 3
» Düsseldorf, 1. Juni. (T. U.) Wie ans Koblenz gemeldet wird, wurden in der Nacht auf den Him- nlekfahrtstag am Bahnhof 300 Zivilpersonen, die unter dem Gesang des Liedes „Tenischla«d, Deutschland über alles" von einem Ansflnge znrückkehrtcn, von der amerikanischen Militärpolizei verhaftet.
Die Luxemburgische Frage.
** Luxemburg, 31. Mai. (WTB.) Havas-Reitter. Nach einem amtlichen Bericht wurde die luxemburgische Abordnung am Mittwoch nachmittag vom Viererrat über die Wünsche des luxemburgischen Volkes betreffs der Beibehaltnng der Autonomie durch ein wirtschaftliches Bündurs mit Belgien und Frankreich gehört. Clemenceau erklärte sich bereit, an den Verhandlungen teilzunehmen. Der Biererrat sprach den Wunsch aus, daß die Lanöesabstimnmng verschoben werden möge. Der Vorsitzende erklärte ausdrücklich, daß die Blächle beabsichtigeu, alle Frage» nach den Wünschen des luxemburgischen Volkes zu regeln.
Die Schuwfrage am Kriege.
Von den neuen Enthüllungen ans den russtschev Archive,! findet die „Deutsche Allgemeine Zeitung" besonders diejenige« bemerkeuswert, die bestimmte A«- Haltspuvtte für die Absichte«, die Stimmung und — was mehr sei — die Abmachnngeu und Verpflichtungen Englands geben für einen Krieg mit Deutschland im Jahre 1912, lange bevor die belgische Neutralität und- ihre Verletzung in Frage kam.
Keeietang gegen Oberste Deeresleihmg.
, .^ g^-H^ " ^""i lT v.l Die Oberste Heeres-
Bild darüber zu gewinnen, wie sie Bevölkerung sich zur Wiederanfuahme -es Krieges stelle. Die Reichsregierung telegraphierte an demselben Tage, an dem sie .davon Kenxtnis erhielt, au die Oberste Heeresleitung, daß sie einMAche Befragung der Bevölkerung nicht billige» fönneTund daß sie dick Oberste HeeresleitN»g ets suche, Umfrage n»d Beantwortung sofort einznstellen, da sie als politische über den Rahmen der Tätigkeit der Obersten Heeresleitung hinausgehe. Die Oberste Heeresleitung hat darauf die Rundfrage eingestellt und in ihrer Antwort an die Reichsregiernng ihren Grund für den Erlaß einer derartigen Rundfrage eingehend dargelegl.
Als Ziveck hat die Oberste Heeresleitung bezeickmt: 1.) für alle Fälle klare und sichere Unterlagen für Entschlüsse zu schaffen, vor die sie von der Reichsregiernng gestellt werden könnte, 2.) aber ist Hindenburg nachBe- kanntwerden der Friedensbedingungen mit Ratschlägen. Proteste« und Kundgebungen aller Art überschüttet worden, die den Eindruck machten, als ob Volk und Heer znm Kampfe gegen den Willen der Reichsregierung fest entschlossen seien. Der Obersten Heeresleitung ist sogar Mangel an Entschlossenheit und nationale Sandelt vorgeworfen worden. Daher mußte sie ein richtiges Bild der Lage zu gewinnen suchen, um einerseits Hitzköpfe zu beruhigen und auderersetts die in kurzem sicher zu erwartenden Angriffe der öffeutlüfien Meiung mit schlagenden Beweisen aüwehren zu können. .
Die Oberste Heereslertung wollte also ebensowenig «sie die Reichsregierung die friedliche Reichepol,tik durch Hitzköpfe stören lassen. Die Reichsregiernng baut auf den inneren Rechtswert und die Ueberzeugunas- kraft ihrer Gegenvorschläge, nicht aber auf einer Erneuerung des Waffenkampfes von unserer Seite, uurd sich aber dauernd bemühen, die Sichernngsaufgabe in den Ostprovinze» in keiner Weise vernachlässige» zu lassen.
Eins Unterredung mit Ebert.
Die Berechtignng zur Urricrzeichuuug des FriedenS.
** Verli«, 1. Jnui. (T. U.) Reichspräsident Ebert gewährte einem Mitgliede der Redaktion der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" eine Unterredung, in der er nach längeren AUSführrrngen zur politischen Lage m «.erklärte: In der feindlichen Preße wird viters die Meinung vertreten, daß bei ANfrechterHaltnng der von der Entente vorgeschlagenen Frtcdensbedingnngen das jetzige Ministerkabinett znrücktretcn und durch andere zur Unterschrift bereite Männer ersetzt werden würde, sodaß dann die Schwierigkeiten schnell behoben waren. Hierbei wird aber übersetzen, daß nach unserer vorlan- fiacn Rcichöverfassnttg der Friedcnsfchlnst dnrch Reichs- gesetz erfolgen müsse, also durch Uebereinstimmung von Nationalversammlmra nnd Slaatenausschntz. Die Na- tivnalversammlnna hat sich mit so erdrückender Mehr. Veit für den Standpunkt der Regierung ausgesprochen nnd der Staatenansschnß stellte sich einmütig auf diesen Boden. daß ich mir nicht vorstellen kaun, wie ein in die* (er Frage anders denkendes Kabinett das nach der Verfassung notwendige Vertrauen der Nationalver. sammlnng finden könnte. Ein anderes Kabinett wäre nur möglich, wenn die dcmokratilÄe» Errunaeafchafte«