Sersfelder Tageblatt
Hersfelder Kreisblatt
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Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
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Nr 130
Sonnabend, den 24. Mai
1919
W MMlHMGWM
vor
i^i Bersailles, 23. Mai. (T. 11) Gestern abend der Abreise nach Spaa hat Graf Brockdorff-Rantzau zwei deutsche Noten durch den französischen Kurier
noch zwei dentsche Noten durch den französischen Kurier an Clemcrrcea« übergeben lassen. Die erste Note stellt eine Erwiderung auf die Antwort der Entente über die Frage des internationalen Arbeiterrechts dar. Sie bringt Gegenargumente gegen die Ablehnung der Ar- beiterkonferenz zu Versailles vor. Die Note wiederholt das Verlangen nach der Versailler Arbeiterkonferenz und verlangt znm Schluß, daß über diese neue Antwort die Führer aller Gewerkschaften gehört werden. Die zweite Note bringt einen sehr umfangreichen und gründlichen Einspruch gegen die Bestimmungen des Friedeus- vertrages über die Beschlagnahme des deutschen Privateigentums im Auslande vor. Sie legt auch die Unaus- führbarkeit der Bestimmungen dnrch planmäßige Auf- zählnng der daraus entstehenden Folgen auf das lieber: dste dar und fordert znm Schluß das Ende des
Friedensverhandlnngen während des Sommers, cr-x Amsterdam, 22. Mai. (L. A.) Man glaubt, daß die Friedenskonferenz sich den ganzen Sommer hin- ziehen wird.
Äblehnnng der deutschen Kriegsgefangenennote.
Berlin, 23. Mai. (S. C.) Aus Versailles wird . gemeldet, gestern nachmittag ist der deutschen Abordnung die Antwort der Entente ans die dentsche Kriegsgefan- genennote überreicht worden. Die Note ist wiederum vollständig ablehnend, obwohl es sich um eine Frage der Menschlichkeit handelt.
der Alliierten an allen Stellen z« sofortigem Vormarsch bereitstehen.
Verstärkung der englischen Besatzuuasarmee.
sr--M Rotterdam. 23. Mai. (S. C.) „Daily Mail" glische Armee im Rheinland ist in den m 32 000 Mann verstärkt worden. Die
meldet: Die ein
letzten Tagen um_____... .. ____ . ..
Verstärkung geschah im Auftrage des alliierten Ober-
befeblshabers.
Der Widerstand Japans
»-»I Zürich, 23. Mai. (S. C.) Der „Corriere della Sera" meldet aus Paris, Japan stellte an die alliierte Konferenz das Verlangen auf Erledigung der japani- der Unterzeichnung des Friedeus- japanischen Dele-
zengendste dar und fordert zum Schluß das Ende des Wirtschaftskrieges, den diese Bestimmungen bedeuten und die Gegenseitigkeit im Sinne des Völkerbundes.
AntWortuote der EuLenle.
Scharfer Ton des Inhalts.
1^ Berlin, 23. Mai. (S. C.) Aus Versailles wird 12 Uhr lEernacht gemeldet: Im Angenblick der Abreise des Grafen Brockdorff-Rantza« wurden um ^10 Uhr von der Entente zwei Noten überreicht. Die eine Note bezieht sich anf den Völkerbund, die andere gibt eine Antwort auf die erste wirtschaftliche Note Deutschlands. Der Inhalt der beiden Noten ist noch nicht bekannt, well sie Graf Brockdorff-Rantza« nach Spaa mitgenomme« hat. Es heißt nur, daß sie im Ton schärfer und Herausfordernder sein sollen, als alle anderen, die wir vo« der Entente erhalte« habe«.
Erklärungen PichouS.
Der französische Außenminister Pichon hat sich sei- .- «<„?«„«*„ h neu parlamentarischen Freunden gegenüber über das
Ergebnis der Besprechungen, die er mit Clemenceau Vertrages mit Deutschland durch dre hu über die bisherigen deutschen Vorschläge gehabt hat, da- ; merten. hin geäußert, daß über eine gewisse Zahl der deutschen Noten eine Antwort überhaupt abgelchut wird. Würde ferner die angekündigte deutsche Note über Elsatz-Lottz- ringen irgendwie über Besprechung der Abtretungsmo- öalitäten hinausgehen, würde sie völlig ignoriert werden Pichon erklärte weiter, daß die Verlängerung der Erklärungssrift nicht mißverstanden werden dürfe. Graf BrockSorff-Rantzau habe die Verlängerung mit dem Hinweise auf bevorstehende Borfchläge zur elsaß- lothringischen Frage, zur Frage des Saargebiets und des Schadenersatzes beantragt. Aus der Fristverlän- gerungs-Genebmigung dürfe aber nicht geschlossen werden, daß die Alliierten wirklich auf Besprechungen aller dieser Frage« einzugehen gedächten. Es würde zurzett eine weitere Note beraten, die der deutschen Delegation
ftverlän-
Berhandl«»ge« über die wirtschaflliche« Frage«.
p-y Rotterdam, 23. Mai. ( T.) „Da» Tele-
ich annehmen, tz die deutsche» Gegenvorschläge über die wirtschaftlichen Fragen nicht samt und sonders bewilligt werden, sondern daß man durch Verhandlungen zn einer Verständigung kommen will.
Beratungen in Spaa.
P Fertigstellung der deutschen Gegenvorschläge.
fr^ Berlin, 23. Mai. (T. U.) Reichsmimsterprasi- öent Scheidemann hat sich gestern, begleitet von den Reichsministern Deruburg. Erzberger n»d dem Vorsitzenden der Geschäftsstelle für die Friedensverhano- lnnqen, dem Grafen Bernstorff, nach Spaa begebeu. Die deutsche Delegation wird von Versailles gleichfalls nach Spaa reisen. Dort wird am Freitag die endgültige Redaktion der deutschen Gegenvorschläge stattfrn- den. Diese Zusammenkunft in Spaa ist notwendig ge-
tige Redaktion der deutsch
wordeE"we» ^er^ B^kchr^ zwischen Berlin nnd. Versailles technisch außerordentlich erschwert war. auderer-
eits aber die Reichsregierung fest ew deutschen Volke so schnell wie möglich »entschen Gegenvorschläge und damit
über Sie llonialmi-
Mister Bell nimmt an der Reise nach Spaa gleichfalls teil.
Die dentsche« Friedensdelegierten Reichsnnnister des Auswärtigen Graf Brockdorfs-Rantza« Rmchs- inltizminister Dr. Landsverq, Ireichspostimnister Gws- berts. Präsident Oberbürgermeister Leinert, Professor Dr. Schückina und Dr. Melchior begaben sich Donnerstag abend nach Spaa.
Berlin, 23. Mai. sS. C.) Für den Ausenthalr des Ministerpräsidenten Scheidenraun und der deuisthcn Delegation in Spaa ist eine Dauer von 24 Stunden vorgesehen. *
Verlängerung der Antroortfrist.
h-*i Versailles, 22. Mai. (WTB.) Dem Vorsitzenden der deutschen Friedensdelegation in Versackles, Grafen Brockdorsf-Rantzau, ging am 21. Mai folgende Note Clemenceaus zu:
Paris, 21. Mai 1919.
Herr Präsident! Ich habe die Ehre, Ihnen t den Empfang Ihres Briefes vom 20. Mai zu bestätigen. Sie hatten die Güte, mnh daraus hruzuweise«, die Fragen, über die die deutsche Delegation Bemerkungen vorzulegen wünsche, feien so verwickelt, daß die Denkschrift der Delegation in der am 7. Mai gewährten tütägigen Frist nicht fertig sein könnte. Sie fordern infolgedessen die Verlängerung dieser Frist. In Erwi- derung hierauf habe ich die Ehre. Eurer Exzellenz nute zuteilen, daß die alliierte« «nd assoziierten Ilegiernn- gen einverstanden sind, die Frist bis Donnerstag, den 29. Mai, W verlängern. Genehmigen Sie, Herr Präsident. Sie Bersichern«g meiner ausgezeichneten Hochachtung. fies. Clemen-ca».
Gründe der Berlängernng -er Antwortfrist.
b-». Berlin, 22. Mat. (Bis.) Die Notwendigkeit, eine Fristverlängerung zu beantragen, ergab sich auch Dur ch den Wunsch der gegnerischen Regierungen, Ant- Mvrt und Note nicht nur in deutscher Abfassung, sondern «uch in französischer vnd englischer Uebersetzung zu überreichen, wozu die Friedensdelegation zwar nach dem internationalen Brauch nicht verpflichtet ist was aber tatsächlich wegen der Zuverlässigkeit der Ueber-
noch vor ^Ablauf der neuen Frist zugestellt werden würde und in der dieser Standpunkt der Alliierten znm Ausdruck gebracht werde. Zwei weitere Noten der Alliierten, die mehr formelle Fragen beträfen, sind ebenfalls in Vorbereitung.
der neue Krach im Eslealelager.
Die Amerikaner wollen abreifen.
Kirrster Gazette" bei eins:
gen Mitglieder« der amerikanischen Friedensdelegation, die den Friedensvertrag scharf mißbilligen, der Widerstand immer stärker. Persönlichkeiten, die zu den augenblicklichen amerikanischen Bevollmächtigten in Beziehung stehen, protestieren gegen den Friedensvertrag. Verschiedene Persönlichkeiten der amerikanischere Delegation haben schon ihre Kosfer gepackt. Der Rücktrttt der Amerikaner steht bevor. Eine der bekannte« Autoritäten hat erklärt, dieser Vertrag bedeute nicht Friede, sonder» Krieg. Diese Persönlichst fügt hinzu, er werde deshalb in Kürze sein Rücktrittsgesuch einreichen. Unter der amerikanischen Delegation herrscht Enttäuschung darüber, daß Wllfo« in seinen Pnnkteu «achgegeben habe.
Diplomatischer Lagebericht.
■^ Paris, 22. Mal. (WTB.) Havas. Der Viererrat hielt gestern vormittag eine Sitzung ab und beschäftigte sich mit der Antwort auf die Note des Grafen Brockdorff-Rantza«. Es wurde beschlossen, der deutschen Delegation eine Frist von 8 Tagen für die Ueber- reichnng schriftlicher Bemerknnge» z« bewilligen. Die fünf Minister des Aeutzern hatten am Mittwoch keine Beratnng. Entgegen anderslautende« Meldungen ist eine Lösung betreffend Dalmatien und Fiuwe noch nicht erzielt worden. Anch das Schicksal der Türkei ist noch nicht endgültig geregelt.
Forderung nach Beröffe«tlichtt«g des Friedens- vertrages.
b-K Rotterdam, 23. Mai. )S. C.) Die „Times" meldet ans Nenyork, die Republikaner im Kongreß fordern die ««gekürzte Veröffentlich««g des Friedeus- vertragse«tw«rss an das amerikanische Volk, bevor die amerikanische Delegation den Vertrag nnterzeichuet.
Unterbrechung der Bervindang Versailles-Berlin.
>wi Berlin, 22. Mai. (V. Z.) Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, ist die telegraphische Verbindung Versailles-Berlin von gestern nacht bis heute vormittag 10 Uhr unterbrochen gewesen. Irgendwelche neue Nachrichten liegen daher von der deutschen Frteöensüe- legation nicht vor. ...........
Maßnahmen der Entente.
iw Ver«, 22. Mai. (WTB.) Die schweizerische De- schenagentur teilt amtlich mit, die Vertreter von Frankreich, Groß-Britannien und den Vereinigten Staaten haben dem politischen Departement eine Note zugehen lassen, in der gefragt wird, ob, falls die alliierten und asioziierten Regierungen durch die Umstände gezwungen werden könnten, weitere Maßnahmen zu ergreifen, die schweizerische Regierung sich veipslichten würde, jede Ansfnhr sowie den Transit von Waren aus ihrem Gebiet oder durch ihr Gebiet nach oder von Deutschland S« verbieten, es sei denn daß die alliierten Regierungen ihre Zustimmung dazu erteilten. Es wird hinzugefügt, daß dieser Vorschlag entsprechend den Wünschen der alliierten Regierungen dem schweizerischen Import die Nachteile oben erwähnter Maßnahmen gegebenenfalls in weitgehendem Maße erspare. Insbesondere könnte, wenn eine bejahende Antwort erteilt wird, über die Wiedereinführung der Kontingente und die dadurch bedingte Formalität vcrbandelt werden. Der Bundesrat
Italien droht mit Sonderfrieden mit Dcntschiand. 5 ft-»i Zürich, 23. Mai. (S. C.) „Secolo" meldet aus Rom: Hier erwartet man das Eintreffen der italienischen Friedensdelegation in Paris für Mitte kommender Woche. Sollte es zur Abreise ans Paris kommen, fv wird Italien sich an dem Friedensvertrage mit Dentschland nicht beteiligen nnd Deutschland zn direkten Friedeusverhanölnnge« mit Italien einladen.
Auch Serbien droht.
W( Zürich, 23. Mai. lS. C.) Nach Blättermeldun- gen aus Paris hat auch Serbfe« eine Note an die Al- luerten gerichtet, die mit der ZuräLJehnng der serbischen Delegation droht, falls eine Eutscheidnng über Firrme zugunsten Italiens fallen sollte.
Unterredung Wilson mit seinen Generalen.
^ Genf, 23 Mai. (T. N.) Der gestrigen U«ter- rednng Wilsons mit den Generalen Pershing «nd Plitz schreiben die „Chicago Tribune" und andere Blätter eine große Bedeutung zu, ohne aber angeben zu können, welcher Truppenaufwant für den Fall der Ablehnung des DiktatfriedenS dnrch ^ entschlano in der Alliierten- konserenz in Aussicht c. mmen worden sei. Glaub
oes Friedens in der ersten JunrhattLe, daß er nach einer Radio- meldung den Enftchluß gefaßt habe, mehrere wichttge Posten in seinem Kabinett besetzen. Balfour soll da
Posten in seinem Kabinett an diesem Zeitpunkt neu zu besetzen. Balfour soll das Ministerium des Innern, Stanley das Handelsministerium, Milner das Kolonial-
ministerium, Jlliwarth das Postministerium und Barnle das Ackerbauministertum abgeben. Milner soll eine wichtige Mission in Aegypten erhalten.
Amerikanischer Widerstand gegen den Völkerbund,
f^< Genf, 23. Mai. (S. C.) Der „Herald" meldet: Die Republikaner rufen für den kommenden Sonntag zu Kundgebungen gegen den Wilsonschen Bölkerbuuo auf. Auch die Iren beteiligen, sich, aber aus anderen Ursachen, an den Kundgebungen.
Bezahlung der Lebeusmittel mit Gold.
>P Versailles. 23. Mai. lT. U.) Die Amerikaner bestehen in den Ausschußberatungen hartnäckig darauf, daß die Lebeusmittelliefernugen nur mit Gold bezahlr werden dürfen.
Die Verhandlungen der Alliierten.
bsn Paris, 22. Mat. (WTB.) Havas. „Temps" zufolge scheint die mit Rücksicht auf die Freiheit der slawischen Bevölkerung nötig gewordene Revision Ser Merreichisch-slawischc« Grenzlinie beendet zu sein. Ji dessen will die italienische Regierung anscheinend ih endgültige Zustimnumg nicht geben, weil die Frage der italienisch-slawischen Grenze und) ungelöst ist.
Die UebcrreichNNg des Vertrages a« die österreichischen Unterhändler wird voraussichtlich eine Verzöge- r««g von emige« Tagen erleide«.
In der Frage der Türkei wurde, dem „Temps" zufolge, eine Entscheidung bisher nicht gefällt. Jedenfalls wird der Sultan in Koustantinopel verbleiben und die Integrität der eigentlichen türkische« Länder wird gewährletftet werde«. Die Ablösung der britischen Truppen in Smyrna wird gegenwärtig erwogen. Der „Temps" dementiert in formeller Weise, daß Frankreich beabsichtige, auf feine Anrechte in Anatolien zu verzichten, ebenso die Meldung, daß die Vereinigten Staaten anf ihr Mandat über Konstantiuopel verzichten. Das Blatt berichtet weiter, daß Holland mit den Aerrdernri- gen bei der Revision des Vertrages von 1839 einverstanden ist wie es jedoch für die territorialen Bestim- mungen nichts vorgesehen haben möchte, während Belgien die Ansicht vertritt, die mirtschastlichen, politischen und territorialen Bestimmungen stellten ein unteilba-
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Die Ententeheere zum Vormarsch bereit.
^ Amsterdam, 22. Mai. (WTB.) Reuter mel« det auS Ltzln. es sei kein Geheimnis. daß die Truppen
res Ganzes dar. Die gegenwärtige belgische Grenzlinie sei so geschaffen, daß die Verteidigung des Landes beträchtlich erschwert sei. Möglicherweise wird dte Angelegenheit einem Ausschuß vorgelegt werden, in dem Belgien und Holland vertreten sind und der unter Berücksichtigung der Erfordernisse zur Vcrteidignng Belgiens, von oer die Sicherheit Europas abhängt, auch die Interessen Hollarrds würdigen wird.
Eine Kundgebung Kerenskrs.
i>$i Versailles, 22. Mai. (WTB) „Humanitee" veröffentlicht eine Knndgcdung Kerenskis und seiner Freunde, die dagegen Einspruch erheben. daß Rußland auf der Friedenskonferenz nicht vertreten sei. Die Weltdemokratte dürfte nicht vergessen, welches Opfer Rußland im Kriege gebracht hat, und wie es hauptsächlich infolge feiner Abgeschmttenheit von seinen Bundesgenossen zusammengebrochen sei. Die augenblickliche Anarchie in Rußland könne nur zur Anarchie in der ganzen Kusturwelt oder zur Reaktion und Zerstörung Rußlands durch den sitter nationale» Kapitalismus